[Die Bücher meines Lebens] Janina David – Ein Stück Himmel – Erde – Fremde

– 1982 –


Am 19. April 1982 flackerte die ersten Folge von Janina Davids verfilmten Lebenserinnerungen über den Bildschirm, und ich war elektrisiert: Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es ein so ganz anderes Deutschland, über das ich mir bisher keine Gedanken gemacht hatte. Mein Großvater und meine Eltern kannten dieses andere Deutschland durchaus noch. Ich war voller Fragen, merkte aber auch, dass mir innerhalb meiner Familie diese Fragen nicht ausreichend beantwortet werden können. Meine Mutter (Jahrgang 1939) gab sich zwar redlich Mühe, kannte aber die Einzelheiten dieser Zeit auch nur aus dritter Hand. Mein Großvater hatte (oder vielmehr: Er musste!) als junger Mann an der Front gekämpft, war in französischer Kriegsgefangenschaft geraten und erst einige Jahre nach Kriegsende wieder zu seiner Familie zurückgekehrt. Meinen Fragen wich er aus: Instinktiv spürte ich, dass ein Erinnern für ihn zu schmerzlich wäre.

So stürzte ich mich auf die Bücher von Janina David und las und las – dann weinte ich und las weiter…! Und in mir manifestierte sich der Gedanke „Es darf nie wieder geschehen!“

Diese intensive Auseinandersetzung mit Janina Davids Lebenserinnerungen führte dazu, dass ich 10 Jahre später sie in der Gewissensentscheidung zu meinem Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer erwähnte.

Auszug aus meiner Gewissensentscheidung vom 20. Februar 1992:

„Ich werde bei der Bundeswehr ausgebildet an der Waffe, vorbereitet zum Kriegsdienst. Wozu soll ich mich auf etwas vorbereiten, das ich nicht verlangt habe? Ich bitte um keinen Krieg! Diejenigen, die zum Krieg aufrufen, sollen ihre Meinungsverschiedenheiten auf andere Art und Weise austragen aber nicht auf meine Kosten und auf Kosten meiner Mitmenschen. Gewalt und Gegengewalt sind keine Mittel, um Probleme zu lösen.

1982 lass ich einen dreiteiligen Roman, der mich sehr bewegte. Er hieß „Ein Stück Himmel“ und basierte auf die Lebenserinnerungen der Janina David, die ihre Kindheit im Warschauer Ghetto verbrachte, den 2. Weltkrieg dank Freunde als einzige ihrer Familie überlebte und nach dem Krieg über Frankreich nach Australien auswanderte.

Mich erschreckte hierbei, wie die Seele eines begabten Kindes verletzt wurde. Sie durchlebte eine unnatürliche Kindheit, wo sie ihre Begabungen nicht ausleben durfte, weil sie angeblich durch ihren religiösen Glauben eine niedere Form des Lebens darstellte. Doch auch mit Beendigung des Krieges war ihr Leiden nicht zu Ende. Sie musste gegen die Außenwelt und gegen ihr Innerstes kämpfen: Die angeblich entnazifizierte Bevölkerung ließ sie spüren, dass sie, die Jüdin. Als Mensch 2. Klasse galt. Und in ihren Gedanken wurde sie verfolgt von den Erinnerungen an Leichenberge, Folter und Todeskommandos.

Mag auch mein Mitwirken an einem Krieg noch so unbedeutend sein, für mich wäre es von großer Bedeutung, zu wissen, dass ich meinen kleinen Beitrag zum Frieden nicht beigetragen habe. Frieden ist nicht nur eine Angelegenheit der Politiker. Der Frieden beginnt schon bei mir im Umgang mit meinen Mitmenschen. Auch wenn ich nicht immer die Meinung oder den Glauben eines anderen Menschen verstehe, so kann ich es wenigstens akzeptieren.“

Sieben Monate später – nach langem Warten und Bangen – erging am 11. September 1992 an mich folgender Bescheid:

Sie sind berechtigt, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern.

Dieser Bescheid ist unanfechtbar.


erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3423624428, 978-3423620692 & 978-3423620862


[Die Bücher meines Lebens] Michael Ende – Die unendliche Geschichte

– 1979 –


Ein kleiner, dicker Junge lag in seinem Kinderzimmer auf dem Bett und schlug zum ersten Mal das Buch auf, das er gerade am Tag zuvor zu seinem 10. Geburtstag von seinem älteren Bruder erhalten hatte. So sehr hatte er seinen Bruder bedrängt, ihm doch bitte dieses Buch – und zwar NUR dieses Buch und kein anderes – zum Geburtstag zu schenken. Und tatsächlich ist der ältere Bruder diesem Wunsch nachgekommen, obwohl er selbst kein Faible für Bücher hegte und lieber gesehen hätte, wenn sein jüngerer Bruder mehr wie er wäre: ein Bastler und Tüftler, ein Raufbold, ein ganzer Kerl eben. Doch der jüngere Bruder hatte sich zu einer Leseratte entwickelt, wurde immer weicher und runder und knetete lieber Ton bei einem Töpferkurs in der Volkshochschule als mit ihm an seinem Moped zu schrauben: „Also schön, dann eben ein Buch, …ist doch eh egal!“

Der kleine, dicke Junge strich behutsam über das kunstvoll gestalte Vorsatzblatt und staunte über die Schrift, die abwechselnd mal in der Farbe Rot, mal in der Farbe Grün gehalten wurde. Aber mit Staunen hielt er sich nicht allzu lange auf, zu gespannt war er auf die Geschichte, die hier auf ihn wartete. Würde sie ihn aus seinem trostlosen Leben entführen und fortspülen in eine Welt voller Fantasie und Abenteuern? Würde sie ihn – wenigstens für eine kurze Zeit – ablenken von einem Vater, der mit seiner Alkoholsucht beschäftigt war, von einem Bruder, dem er gleichgültig zu sein schien und von einer Mutter, die versuchte, den Schein einer intakten Familie zu wahren? Er wollte unbedingt noch ein paar Seiten lesen, bevor er sicher gerufen wurde, um den Abendbrottisch zu decken.

Bastian Balthasar Bux, ein kleiner, dicker Junge, landet auf der Flucht vor seinen Peinigern im Antiquariat von Karl Konrad Koreander. Dort entdeckt er beim Stöbern ein sonderbares Buch mit dem Namen „Die unendliche Geschichte“. Vom Inhaber des Antiquariats überrascht, greift er das Buch, rennt davon und versteckt sich auf dem Dachboden seiner Schule. Er vertieft sich ins Buch und reist ins wundersame Land Phantásien, wo die kindliche Kaiserin, die an einer rätselhaften Krankheit leidet, regiert. Phantásien wird von finsteren Mächten bedroht und wartet auf seinen Retter. Voller Spannung verfolgt Bastian die Handlung in der Hoffnung, dass dieser geheimnisvolle Retter endlich auftaucht. Die kindliche Kaiserin entsendet einen Boten, um ihn zu suchen. Ihre Wahl fällt auf den jungen Jäger Atréju vom Volk der Grasleute, der eine beschwerliche Reise auf sich nimmt. Doch alle Hinweise, die er entdeckt, alle Impulse, die er sendet, locken den Retter nicht aus seiner Deckung. Erst als die kindliche Kaiserin sich direkt an Bastian wendet, wird ihm bewusst, dass er der geheimnisvolle Retter zu sein scheint. Nur er besitzt die Fähigkeiten gemeinsam mit seinem Freund Atréju, Phantásien vor dem Untergang zu bewahren…!

Der kleine, dicke Junge war verzaubert! Hier war sie, die bunte Welt voller magischer Geschöpfe und wundersamer Wesen, mit einer kindlichen Kaiserinnen und einem mutigen Jäger, in der ein kleiner, dicker Junge auserkoren wird, ein ganzes Land zu retten. Einfach nur, weil er so war, wie er war. Es wurde nicht erwartet, dass er cool oder hipp ist: Er durfte weiterhin klein und dick sein. Und es war egal! Nicht sein Äußeres war hier von Nutzen. Seine ganz persönlichen Fähigkeiten waren viel, viel wertvoller für das Gelingen der Mission!

Der kleine, dicke Junge weinte und trauerte als er sich nach über 400 Seiten von Phantásien verabschieden musste. Doch er schloss das Buch mit der Zuversicht, dass alles gut werden kann.

40 Jahre später: Der kleine, dicke Junge ist erwachsen geworden, hat viel erreicht und viel erlebt und blickt zufrieden auf sein jetziges Leben. Doch manchmal spürt er einen leichten Schmerz: Es ist ein stilles Sehnen nach Phantásien…

„…aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!“


erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522128001 / Neu-Auflage erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522202602 / farbig illustrierte Schmuckausgabe erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522202503


[Die Bücher meines Lebens] Enid Blyton – 5 Freunde im alten Turm

– 1977 –


8. November 1977: Mein Großvater schenkte mir mein erstes „richtiges“ Buch zu meinem 8. Geburtstag. Meine Gedanken damals waren „Wie blöd, das ist ja nichts zum Spielen!“. Etwas zu spielen wäre mir damals wahrlich lieber gewesen, da das Buch mit seiner überschaubaren Anzahl an Illustrationen zudem auch wenig reizvoll auf mich wirkte. Aber ich bedankte mich brav, und das Buch landete erstmal unbeachtet auf einem Regal in meinem Kinderzimmer. Beinah täglich fragte Opa „Und? Gefällt Dir das Buch?“, bis meiner Mutter der Kragen platzte, und sie mich anranzte „Nun lies das Buch, damit Opa endlich Ruhe gibt!“. Und so las ich widerwillig die ersten Seiten, tauchte ein in eine Welt voller Abenteuer, und mein Widerwille schwand mit jeder gelesenen Seite. Zu Ostern & Weihnachten, zum Zeugnis oder „einfach nur mal so“ gab es von Opa ein weiteres Buch, bis ich zum Schluss alle 22 Bände im Regal stehen hatte. Mein Opa hatte – trotz des holprigen Starts – erkannt, dass in mir eine Leidenschaft schlummerte und wusste, wie sie zu entfachen war.

Spät-pubertär habe ich alle meine „uncoolen“ Kinderbücher verschenkt, und dies später sehr bereut.

8. November 2009: Mein Mann überreichte mir wortlos ein in buntem Geschenkpapier eingewickeltes Buch. Ich schaute ihn erstaunt an: Wir saßen beim letzten Frühstückskaffee, und seine Präsente zu meinem 40sten hatte ich vor dem Frühstück schon erhalten, ausgepackt, bewundert und mich daran erfreut. So zierte eine elegante, schwarze Armbanduhr mein Handgelenk, und ich hatte meine Rührung mit der frechen Bemerkung, ob der Markenname als Hinweis auf mein Alter gelten könnte (Fossil), überspielt. Ich pulte am Klebeband und befreite das Buch von seiner Verhüllung. Die Tränen schossen mir in die Augen. Nun hatte dieser verdammte, wunderbare Mistkerl mich doch kalt erwischt: In meinen Händen lag die aktuelle Ausgabe von „5 Freunde im alten Turm“. „Naja, “ meinte mein Mann. „Du hast beim ersten Mal dieses Buch von einem Dir wichtigen Menschen erhalten, da habe ich mir gedacht, diesmal bekommst Du es von mir.“ sprach’s und nahm einen Schluck vom Kaffee.

War meine Freude auch sehr groß, doch meine Sehnsucht nach einem alten Exemplar dieses ersten „richtigen“ Kriminalromans blieb bestehen. Verbinde ich doch nichts so sehr mit „Kindheit“ wie dieses alte Buch mit seinem orange-farbenem Einband und dem weißen Buchrücken.

Heute nenne ich – dank eines Antiquariats im Internet – ein altes Exemplar wieder mein Eigen! Und beide Exemplare stehen nun einträchtig nebeneinander in meinem Bücherregal.


erschienen bei Bertelsmann/ ISBN: 978-3570033227


[Die Bücher meines Lebens] Hans Jürgen Press – Die Abenteuer der schwarzen hand

– 1976 –


Mein Bruder war eher der Tüftler, der Bastler. Mein Bruder und Bücher: Zwei Welten treffen aufeinander! Was meine Eltern bewogen hat, ihm zum Geburtstag ein Buch zu schenken, weiß ich nicht. Da er mehr technikaffin und weniger literaturbegeistert war, war sein Interesse an diesem Geschenk (da kein Stecker vorhanden) sehr, sehr überschaubar. Meine Eltern hätten es voraussehen können, schließlich sollten sie ihre Söhne kennen (Ein Lötkolben als Geschenk zu meinem Geburtstag hätte bei mir einen ähnlich überschaubaren Sturm der Begeisterung ausgelöst!).

So habe ich mir dieses Buch klamm & heimlich angeeignet und zu meinem damaligen Favoriten erkoren. Gerade diese Mischung aus Text und Illustration empfand ich als äußerst reizvoll und war mein Einstieg in das Genre des Kriminalromans. Hans Jürgen Press ist für mich einer der größten Illustratoren, der in jedem Bild eine eigne Welt, einen eigenen kleinen Kosmos voller Detailreichtum schuf und somit immer wieder zum Anschauen einlud. Seine Bilder sind gefällig und gleichzeitig weit entfernt vom damaligen „heile Welt“-Charakter.

Felix, Adele, Rollo und Kiki m. E. (mit Eichhörnchen) sind 5 jugendliche Meisterdetektive, die mit Witz und Verstand die verzwicktesten Kriminalfälle lösen, indem sie Seite für Seite nach den Hinweisen suchen, die sie der Lösung näher bringen. Ich habe mitgeraten und mitgefiebert, und selbst nach wiederholter und wiederholter Lektüre wurde mir dieses Buch nie langweilig, obwohl ich natürlich die Lösungen der Rätsel schon bald auswendig wusste. Die „scharze hand“ ebnete mir den Weg zu den vielen Kriminalgeschichten, die ihr folgen sollten.

Zwangsläufig war meine 70er-Jahre-Ausgabe irgendwann so sehr zerlesen und zerfleddert, dass ich sie leider dem Gang alles Irdischen gehen lassen musste. Ich habe sie geliebt – und ich liebe sie immer noch: Im Jahre 2008 erschien eine gebundene Sonderausgabe. Da habe ich natürlich – ohne lange Überlegen zu müssen – zugegriffen!

Nun ermittelt die „schwarze hand“ wieder regelmäßig bei mir…!


erschienen bei Ravensburg/ ISBN: 978-3473369942


[Die Bücher meines Lebens] Walter Müller & Heinz Kampmeier – Unsere neue Fibel

– 1974 –


Sicherlich hatte ich vor meinem 5. Lebensjahr schon das eine oder andere Bilderbuch: Welche es waren? Ich weiß es nicht mehr. Anscheinend haben sie keinen bleibenden Eindruck in meiner kleinkindlichen Erinnerung hinterlassen. Oder vielmehr hat das nun vorgestellte Buch alle meine sonstigen Erinnerungen an vorherige Bücher überstrahlt…!

Seit meinem 5. Lebensjahr lese ich. Angefangen hat alles damit, dass ich es als kleiner Pöks wahnsinnig spannend fand, wenn mein 7 Jahre älterer Bruder morgens schon zur Schule durfte. Ich musste leider zuhause bleiben, dabei hätte es mich sehr interessiert, was mein Bruder in der Schule so alles erlebt (Mein Bruder ging nie gerne zur Schule und hätte mit Freude und äußerst bereitwillig mit mir getauscht!).

Das Wort „Schule“ war für mich verbunden mit „groß sein“, „selbständig sein“. Unbedingt wollte auch ich ein Schulkind sein. So nötigte ich unsere Mutter, mit mir „Schule“ zu spielen. Ich habe morgens und mittags, manchmal auch nachmittags meine kleine Tasche gepackt, mich von meiner Mutter verabschiedet, um mich dann über den weiten „Schulweg“ der Vordertreppe unseres Hauses zur „Schule“ im Erdgeschossflur zu begeben. Dort hielt ich mich aber gar nicht so lange auf: Vielmehr war es für mich viel interessanter, wieder von der „Schule“ zu meiner Mutter heimzukehren, um ihr unter Stöhnen und Seufzen (so wie ich es von meinem Bruder kannte) zu berichten, wie anstrengend die „Schule“ war, und wieviele „Hausaufgaben“ ich aufbekommen habe.

Bei dieser Gelegenheit kam die erste Schul-Fibel von meinem Bruder wieder zum Einsatz und zu neuen Ehren. Ich war fasziniert von den vielen bunten Bildern, wollte aber auch unbedingt die komischen Zeichen neben den Bildern verstehen. Unsere Mutter erklärte mir zwischen Staubsaugen, Mittag kochen und Abwasch (Bitte beachten: Wir befinden uns im Jahr 1974!) die einzelnen Buchstaben, und schon bald konnte ich aus den einzelnen Hieroglyphen erst ganze Worte und dann vollständige Sätze formen, um den Abenteuern von Peter, Ursula, Flocki, Muschi und Igel eigenständig zu folgen. Ich wurde nicht müde und mein Enthusiasmus schien unerschöpflich, meiner Mutter diese Geschichten immer und immer wieder vorzulesen.

Meine Tante erdreistete sich frecherweise, zu behaupten, ich könne gar nicht richtig lesen. Sie war der Meinung, ich hätte diese Geschichten einfach schon zu oft gehört und wüsste darum, wo welches Wort zu finden wäre. Um ihre These zu erhärten, schrieb sie einen Satz auf ein Stück Papier und zeigte ihn mir…!

…an den Satz kann ich mich nicht mehr erinnern, dafür aber an das glänzende 2,- D-Mark-Stück, dass ich von ihr erhalten habe. Meinen immensen Reichtum habe ich zum Konsum „um die Ecke“ getragen, wo mir eine Tüte mit losen Süßigkeiten befüllt wurde. Mit dem Gefühl, reich wie Krösus zu sein, saß ich auf den Eingangsstufen des Geschäfts und spürte eine leise Ahnung, was lesen (können) bewirken kann.


erschienen bei Ernst Klett/ ISBN: 978-3122321000


[Die Bücher meines Lebens] Ein Vorwort…

50 Jahre – ein halbes Jahrhundert habe ich nun auf dem Buckel: Nur eine Zahl wie jede andere auch…? Ja! und Nein!

Ich merke, dass diese Zahl etwas mit mir „macht“, …dass diese Jahre etwas mit mir gemacht haben. Die nahende 50 hat viele Gedanken und Gefühle in mir frei gesetzt, mich zum Grübeln gebracht und mich „gezwungen“, meinen bisherigen Lebens- und Lesens-Weg zu überdenken. Ich war nie jemand, der frühere Entscheidungen irgendwann bereut hat oder über erlittene Schicksalsschläge in Selbstmitleid verfallen wäre. Nein! Alles, was mir in meinem Leben bisher passierte, hat im Nachhinein einen Sinn ergeben. Alles, was mir in meinem Leben bisher passierte, hat mich zum Umdenken verleitet und mir geholfen, längst überfällige Entscheidungen zu treffen, um eine neue Richtung auf meinem Lebensweg einzuschlagen. Trotzdem möchte ich – wenn es sich bitte vermeiden lässt – einige dieser Schicksalsschläge nicht ein weiteres Mal durchleben müssen.

So turbulent mein Leben auch durchaus war, gab es doch immer eine Konstante, und diese Konstante war das Lesen für mich.

In den vergangenen 50 Jahren haben mich unzählige Bücher auf meinem Weg begleitet – Bücher, die so vielfältig wie ihre Autorinnen und Autoren, so unterschiedlich wie die ihnen zugedachten Leserinnen und Leser und so bunt wie das Leben waren. Jedes Buch, das ich gelesen habe, hat seine Spuren bei mir hinterlassen – auf der einen oder anderen Weise, mal mehr oder mal weniger intensiv. Und doch fiel es mir nicht schwer, diese ganz persönliche Auswahl zu treffen.

14 literarische Werke haben es auf meine Liste geschafft, und ich musste schmunzelnd feststellen, dass weder die Werke von namhaften Vertretern der „Sturm & Drang“ noch der „Aufklärung“ einen Platz auf meiner Liste erhalten haben, und keines dieser Werke war je auf einer Longlist des Deutschen Buchpreises. Mit 50 Jahren muss ich mir und dem Rest der Welt nichts mehr vormachen: Ein „Aufpimpen“ der Liste mit klangvolleren Namen kam für mich nicht in Frage! Dafür erlaube ich mir den Luxus und bin mit mir hemmungslos ehrlich: Diese Bücher haben mich durch außergewöhnliche Lebenssituationen begleitet, Emotionen in mir ausgelöst, mich getröstet, geleitet und inspiriert, mir Mut gemacht, mich ermahnt und lang verschollene Erinnerung hervor gelockt.

Sie haben es mehr als verdient, hier gewürdigt zu werden.

  • 1974: Walter Müller & Heinz Kampmeier Unsere neue Fibel
  • 1976: Hans Jürgen Press Die Abenteuer der schwarzen hand
  • 1977: Enid Blyton 5 Freunde im alten Turm
  • 1979: Michael Ende Die unendliche Geschichte
  • 1982: Janina David Ein Stück Himmel – Erde – Fremde
  • 1984: Fynn Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna
  • 1986: Margaret Mitchel Vom Winde verweht
  • 1990: Victor Hugo Die Elenden
  • 1993: Rita Mae Brown Venusneid
  • 1997: Armistead Maupin Stadtgeschichten
  • 2002: Truman Capote Frühstück bei Tiffany
  • 2007: Erich Kästner Drei Männer im Schnee
  • 2011: Agatha Christie Und dann gab’s keines mehr
  • 2018: Anne Müller Sommer in Super 8

Einige Werke habe ich Euch bei früheren Gelegenheiten schon einmal vorgestellt: Ich habe diese Texte genommen, gelesen, in mich hinein gehorcht und sie entsprechend redigiert. Weitere Werke werde ich Euch im Laufe der nächsten Tage und Wochen vorstellen: So erlaube ich mir, die 50 einige Wochen lang gemeinsam mit Euch zu feiern!

Ich wünsche Euch viel Spaß bei dieser Rückschau auf mein (Lese-)Leben!

Liebe Grüße
Andreas

P.S.: …und lieber ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel als ein falscher Fünfziger im Herzen! 😉


 

[Die Bücher meines Lebens] Weitere Infos folgen in Kürze…

…stand seit einigen Wochen am rechten Rand dieses Blogs, und vielleicht habt Ihr Euch schon gefragt, was sich dahinter verbirgt. Ich verrate es Euch nun sehr gerne:

In diesem Jahr (genauer am 8. November) werde ich meinen 50. Geburtstag feiern. Aus diesem denkwürdigen Anlass werfe ich einen Blick auf die Bücher, die für mich in meinem Leben prägend waren.

Doch diese Idee stammte ursprünglich nicht von mir. Lautet doch ein von mir häufig bemühter Wahlspruch:

„Lieber gut geklaut, als schlecht selbstgemacht!“

Mein geschätzter Blogger-Kollege Uwe Kalkowski von Kaffeehaussitzer brachte mich Anfang des Jahres auf diese Idee, als er selbst das halbe Jahrhundert vollendete und uns die Bücher seines Lebens verriet. Fluchs holte ich mir „seinen Segen“ und darf – mit seiner Erlaubnis – diese großartige Idee stibitzen.

So vergingen einige Tage und Wochen, die ich damit verbrachte, am Konzept zu feilen, Bücher auszuwählen, Fotos zu schießen und Texte zu verfassen. Anfangs ahnte ich nicht im Entferntesten, dass mein Trip in die Vergangenheit sowohl sehr emotional als auch arbeitsintensiv sein würde. Aber was soll ich Euch sagen…?

Es war mir eine außerordentliche Freude!

Und ich wünsche mir natürlich, dass diese Freude auf Euch beim Lesen meiner Beiträge überschwappt und die darauf folgenden vier Wochen anhält.

Der Startschuß fällt – wie könnte es anders sein – am 8. November. Bis dahin…

Liebe Grüße
Andreas