[Rezension] Walt Disney – LUSTIGES TASCHENBUCH. Musical

Das hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Träumen ausdenken können, dass ich irgendwann hier auf meinem Blog ein LUSTIGES TASCHENBUCH rezensieren würde. Aber wie oft kommt es auch vor, dass ein Disney-Musical 25 Jahre non-stop an einem Ort gespielt wird?

Disneys DER KÖNIG DER LÖWEN in Hamburg hat diese Großtat vollbracht: Seine Premiere feierte dieses großartige Musical am 2. Dezember 2001 im Stage Theater im Hafen. Seitdem habe ich es mir im Laufe der Jahrzehnte bereits fünf Mal angesehen, und es war – dank der fulminanten Künstler*innen – immer äußerst emotional und mitreißend. Und ich glaube, es wäre höchste Zeit für den Besuch Nummer 6…!

Zu diesem bemerkenswerten Jubiläum scheint ein eigenes LUSTIGES TASCHENBUCH mehr als gerechtfertigt: Neben einer brandneuen Geschichte mit Donald, Onkel Dagobert und den Neffen Tick, Trick und Track, die gemeinsam bei ihrem Musicalbesuch im Hamburger Hafen viel erleben, gibt es noch 8 weitere (ältere) Geschichten rund um Bühne und Musik, die thematisch hervorragend zusammenpassen. Dabei zeigen sie eine überraschend abwechslungsreiche künstlerische Bandbreite – von Bollywood über Comedy bis klassischem Sprechtheater – mit dem Disney-eigenem Charme. Dazwischen gibt es viele Informationen zu DER KÖNIG DER LÖWEN im Besonderen und dem Genre Musical im Allgemeinen.

Beim Schmökern dieser liebenswerten Geschichten fühlte ich mich direkt in meine Kindheit versetzt, wo ein LUSTIGES TASCHENBUCH gerne unter meinem Kopfkissen griffbereit auf seinen Einsatz wartete.

Diese besondere Ausgabe von Disneys LUSTIGES TASCHENBUCH ist ein wunderbares Souvenir für Fans von Donald & Co., dem Musical und DER KÖNIG DER LÖWEN – also genau die passende Lektüre für mich! 💖


Neugierig geworden? Dann lest gerne meinen Beitrag zu unserem letzten Besuch bei DER KÖNIG DER LÖWEN.


erschienen bei Egmont Ehapa Media / ISBN: 978-3841329332

[Musical] Elton John – DER KÖNIG DER LÖWEN / Stage Thea­ter im Hafen in Hamburg

Musik von Elton John / Liedtexte von Tim Rice / zusätzliche Musik & Liedtexte von Lebo M, Mark Mancina, Jay Rifkin, Julie Taymor und Hans Zimmer / Buch von Roger Allers und Irene Mecchi / Deutsch von Michael Kunze

Premiere: 2. Dezember 2001 / bisher besuchte Vorstellungen: 1. Juli 2003, 14. Juli 2005, 10. Oktober 2007, 14. Februar 2010 / zuletzt besuchte Vorstellung: 9. Februar 2020
Stage Thea­ter im Hafen in Ham­burg


Musikalische Leitung: Bradley Nyström
Inszenierung: Julie Taymor
Choreographie: Garth Fagan
Bühne: Richard Hudson

Kostüme, Masken & Puppen: Julie Taymor & Michael Curry


Orkantief „Sabine“ fegte über Deutschland, somit auch über das Zelt-Theater im Hamburger Hafen und brachte die Lampenkonstruktion an der Decke des Foyers zum Schwingen. Wir saßen dort voller Vorfreude und erwarteten den Beginn der Vorstellung. 10 Jahre waren seit unserem letzten Besuch vergangen: 10 Jahre, in denen so viel passiert ist…! Das Leben hat sich verändert, vielmehr mein/ unser Leben hat sich verändert. Hier im Hamburger Theater im Hafen war auf einer beruhigenden Art alles beim Alten, und doch wieder aufregend neu…!

Die Schamanin RAFIKI lässt ihren Ruf ertönen, die Sonne geht über der Steppe auf und die ersten Tiere erscheinen auf der Weite der Bühne. Mein Mann und ich sitzen gebannt nebeneinander, halten uns an den Händen, und Tränen rinnen über unsere Wangen. Für uns war und ist dies die emotionalste Eröffnungsszene, die wir je live auf einer Bühne erleben durften. Regisseurin Julie Taymor hat mit dieser Bühnenfassung des Disney-Filmklassikers eine Großtat vollbracht. Bei bisher keinem anderen Musical habe ich so deutlich die Handschrift einer einzelnen Künstlerin gespürt. Mutig hat sie den Film aus seinem Korsett befreit und der Geschichte für die Bühne eine neue Identität verpasst. Mit klassischen Bühnentricks und -effekten, mit dem Spiel von Perspektiven, dem Einsatz von Masken und der Kunst des Puppenspiels erschuf sie die Welt der Savanne zu neuem Leben,…

…und das weltweite Publikum staunt und strömt nun schon seit Jahrzehnten in die Vorstellungen: Seit über 18 Jahren begeistert der König der Löwen in Hamburg seine Zuschauer, und so stehen dort seit über 18 Jahren Abend für Abend talentierte Künstler*innen auf der Bühne und buhlen um die Gunst der Menschen im Auditorium.

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RAFIKI war bei Thulisile Thusi in besten Händen: Stimmgewaltig eröffnete sie die Show und stattete die Rolle mit Wärme, Weisheit und einem Hauch Verrücktheit aus. Mhlekazi Mosiea war zwar ein eher schmächtiger MUFASA, zeigte im Zusammenspiel mit seinem Bühnensohn aber sehr viel Herzlichkeit und berührte mit einem gefühlvoll gesungenem „Sie leben hier“. Die Puppe des Haushofmeisters ZAZU wurde durch Joachim Benoit kunstvoll zu Leben erweckt, der diesen hyperaktiven Vogel geschickt mit sehr viel Situationskomik bedachte. Der SCAR von Stefan Voigt war durchaus gemein und böse, wurde von ihm eher beiläufig gespielt. Gemeinsam mit seinen drei dusseligen Untergebenen, den Hyänen SHENZI, BANZAI und ED – dargestellt von Germaine Wilson, Simon Phezani Gwala und Sean Gerard, kam aber auch der Humor nicht zu kurz. Um die Sympathien der Zuschauer mussten sich Tobias Korinth als TIMON und S’Thembiso Keith Mashiane als PUMBA keine Sorgen machen: Beide Rollen sind per se dankbare Publikumslieblinge, das von den Darstellern auch gekonnt genutzt wurde. Gugu Zulu war eine aparte NALA und interpretierte mit warmer Stimme „Schattenland“. SIMBA wurde von Hope Main als ein vitaler, kraftstrotzender Jungspund porträtiert, der mit einem rührenden „Endlose Nacht“ auch Tiefe zeigte und gemeinsam mit Gugu Zulu ein entzückendes Leading-Paar bot. Für die meisten Darsteller*innen in diesem internationalen Cast ist Deutsch nicht die Muttersprache, und trotzdem überzeugten sie mit einer sehr deutlichen Aussprache. Viele Künstler der sprechenden Zunft sollten sich daran ein Beispiel nehmen, da vernuschelte Sätze gerade sehr hipp zu sein scheinen. Meinen größten Respekt haben bei solchen Produktionen immer die Kinder-Darsteller: Johnny als junger SIMBA und Loa als junge NALA waren absolut bezaubernd und meisterten ihre jeweiligen Parts mit einer immensen Spielfreude.

Zusammen mit großartigen Tänzern und Sängern, deren scheinbar unerschöpfliche Dynamik auf uns übersprang, boten die Künstler eine perfekte Show, die trotz aller Perfektion nicht routiniert wirkte sondern eine energetische Frische ausstrahlte – eine Leistung, die nach über 18 Jahren Open End an einem Standort nicht unbedingt selbstverständlich ist und somit meine Hochachtung verdient.

Dank Orkantief „Sabine“ war uns der Rückweg über die Köhlbrandbrücke verwehrt und so durften wir auf unserem Heimweg ganz neue Ecken vom Hamburger Hafen kennenlernen. Auf der Hinfahrt verspürten wir beim Passieren der Brücke einen Hauch von Wehmut: Vielleicht war dies unsere letzte Fahrt über die alte Köhlbrandbrücke. Das Schicksal dieses Wahrzeichens steht in den Sternen…!

Köhlbrandbrücke Hamburg.jpg


DER KÖNIG DER LÖWEN wird auch weiterhin im Stage Thea­ter im Hafen in Ham­burg gespielt!