[Oper] Wolfgang Amadeus Mozart – DIE ZAUBERFLÖTE / Stadttheater Bremerhaven

Große Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart / Text von Emanuel Schikaneder

Premiere: 3. November 2018 / besuchte Vorstellung: 18. Januar 2019

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Marc Niemann
Inszenierung: Roland Hüve
Bühne & Kostüme: Dorit Lievenbrück

Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández


„Pa – Pa – Pa – Pa! Pa – Pa – Pa – Pa! Papapapapa – Papapapapa!“

Schikaneder hebt sein Glas zum Mund und nimmt einen Schluck Wein, bevor er weiterspricht: „Ich brauche für mein neues Theater etwas Sensationelles, etwas Einmaliges, etwas noch nie Dagewesenes. Ich will das große Bühnen-Spektakel mit Mörder-Arien und großem Chor, mit Liebe, Leidenschaft und Verzicht, mit verfeindeten Parteien und einem Mutter-Tochter-Konflikt und selbstverständlich mit einer Bomben-Rolle für mich. Handlung? Ach was, Handlung wird überbewertet – ebenso wie die Logik. Wir nehmen einfach von allem das Beste!“ Er klopft Mozart jovial auf die Schulter. „Gell, Wolfl! Du schaffst das schon!“ Dann prostet er ihm voller Zuversicht zu, bevor er das Glas in einem Zug leert…!

Wolfl hat es geschafft,…

…und seitdem zählt diese Oper zu den meistgespielten Werken weltweit. Und von keiner gibt so viele widersprüchliche Interpretationen, die auf der besonderen Dramaturgie begründet sind.

Regisseur Roland Hüve fand auch keine spektakuläre Neu-Deutung, setzte hier und da Akzente und legte seinen Schwerpunkt auf die Beziehungen der handelnden Personen zueinander…

…und verließ sich auf den Zauber der Musik: GMD Marc Niemann schwelgte mit den Philharmonischen Orchester Bremerhaven in Mozarts verschwenderischen Melodien und bereitete seinem Sänger-Ensemble einen Klangteppich, der sie sicher durch die etwas wirre Handlung führte.


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Tijana Grujic glänzte mit zartem Schmelz und berührte mit ihrer Darstellung der Pamina. Christopher Busietta als Tamino verströmte mit leichtem, jugendlichem Tenor jungenhaften Charme.

Marie-Christine Haase meisterte die Mörder-Koloraturen der Königin der Nacht bravourös mit metallenem Timbre und löste damit beim Publikum einen Beifallssturm aus.

Als Sympathieträger Papageno konnte Vikrant Subramanian mit seinem leichten Bariton punkten und gab den liebenswerten Schelm mit sehr viel Witz. Victoria Kunze war als Papagena stückbedingt leider viel zu selten auf der Bühne, nutze dies aber voller Spielfreude und Komik.

Die drei Damen von Judith Kuhn, Patrizia Häusermann und Sünne Peters harmonierten gesanglich ganz wunderbar und amüsierten das Publikum als einen nach Tamino schmachtenden „Fan-Club“.

Besondere Erwähnung verdienen die Kinder Julian, Jacob und Keno vom Knabenchor Unser Lieben Frauen Bremen, die optisch als Wunderkind Mozart gewandet als drei Knaben entzückten und so als eine Art Schutzengel Pamina, Tamino und Papageno in ihrer Mission zur Seite standen. Schön zu sehen, wie Marc Niemann sie fürsorglich im Blick hatte und so sicher durch die anspruchsvolle Partitur führte.

„Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen!

…nicht bei dieser musikalischen Darbietung: Da kochte mein Herz über vor lauter Wonne!


DIE ZAUBERFLÖTE verzaubert ihre Zuschauer in dieser Spielzeit nur noch am 17.02.2019!

[Führung] BLICK HINTER DIE KULISSEN / Stadttheater Bremerhaven

Schnappatmung stellte sich bei mir ein, als ich am 7. Dezember des vergangenen Jahres diese Mail bekam:

Lieber Herr Kück,

herzlichen Glückwunsch, Sie haben unsere Gewinnspiel-Frage richtig beantwortet und eine Führung für sich und bis zu fünf Begleitpersonen gewonnen! Überlegen Sie sich gerne einen Termin und melden Sie sich dann wieder bei mir. Von der Uhrzeit her würde es sich zwischen 14 und 18 Uhr anbieten, da in dem Zeitraum in der Regel keine Proben stattfinden und wir dann auch Seiten- und Probebühnen besichtigen können. Die Führung dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Ansonsten schlagen Sie mir einfach ein Datum vor und ich gucke dann in unserer Disposition nach, ob es an dem Tag möglich ist.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit!

Herzliche Grüße

Julia Vogel (Volontariat Marketing & Öffentlichkeitsarbeit Stadttheater Bremerhaven)

Vorangegangen war ein Gewinnspiel zum Nikolaustag auf der fb-Seite des Theaters. Die Frage „Zu welcher Produktion gehört dieses weihnachtliche Bühnenbild?“ wurde von mir nicht nur korrekt beantwortet, sondern die Glücksfee war mir zudem außerordentlich gewogen und spielte mein Los in die Finger der Ziehungsberechtigten,…

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Foto: Stadttheater Bremerhaven

…und so standen wir gestern gespannt vor dem Eingang des Theaters und warteten auf den Beginn unserer persönlichen Führung!

Julia Vogel, ihres Zeichens Volontärin in der Abteilung Marketing & Öffentlichkeitarbeit, begrüßte uns und nahm uns mit zu einem Marathon der besonderen Art. Unsere Reise führte uns vom Foyer in den menschenleeren Zuschauerraum, um danach einen ausführlichen Blick  hinter die Kulissen zu werfen.

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Wir…

…waren beeindruckt über die immense Höhe der Seitenbühnen und erkannten Kulissen aus laufenden (Sunset Boulevard) oder gerade abgespielten (Pippi Langstrumpf) Produktionen, um dann im tiefsten Arbeitsplatz Bremerhavens, in der Schlosserei über Sinn & Zweck einer halb-fertigen Metall-Konstruktionen zu rätseln,

…warfen einen Blick in den Ballettsaal, die Garderoben der Sänger und Schauspieler (Glamourfaktor = 0) und auf die Probenbühne,

…bewunderten die Kostüme in der Schneiderei, die Stoffe in der Dekorationsabteilung und machten die Bekanntschaft mit „Manfred“ und seinen Freunden in der Plastik,

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Foto: Stadttheater Bremerhaven

…studierten in der Maske den Schminkplan und warfen einen Blick auf die Applaus-Ordnung in der Inspizienten-Butze auf der Seitenbühne,

…um dann im einsamen Malersaal bei besonderer Beleuchtung über die Kunst des Theatermalers zu staunen und anhand der vorhandenen Modelle der Bühnenbilder eine Antwort auf unser Rätseln in der Schlosserei zu erhalten.

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Dabei ging es treppauf, durch enge Korridore und treppab zur jeweiligen Abteilung, um dann wieder treppauf, durch enge Korridore und treppab zur nächsten Abteilung zu gelangen: Unser Orientierungssinn war völlig verwirrt und stellte seine Funktion ein.

Zum Glück hatten wir mit Julia eine bestens orientierte Führung an unserer Seite, die uns kompetent und sympathisch durch die Abteilungen leitete und unsere Fragen geduldig beantwortete.

Liebe Julia! Herzlichen Dank! Es war großartig!!!

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Dekoratives beim Dekorateur! – Foto: Julia Vogel

Und dabei konnten wir wahrscheinlich – auch nach diesem detaillierten Einblick – nur vage erahnen, wieviel Arbeit, Enthusiasmus, Talent und Können alle Theaterschaffenden einbringen müssen, welche Fülle an Absprachen unter den einzelnen Abteilungen erfolgen muss, bis wir im Publikum den Zauber eines wunderbaren Theaterabends erleben und genießen dürfen!


Das Stadttheater Bremerhaven bietet in unregelmäßigen Abständen immer wieder öffentliche Führungen an: Termine finden sich im aktuellen Spielplan!

[Musical] Andrew Lloyd Webber – SUNSET BOULEVARD / Stadttheater Bremerhaven

Musical von Andrew Lloyd Webber / Buch und Liedtexte von Don Black & Christopher Hampton / nach dem gleichnamigen Film von Billy Wilder / Deutsch von Michael Kunze

Premiere: 22. September 2018 / besuchte Vorstellung: 7. Oktober 2018 / Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus

Musikalische Leitung: Ektoras Tartanis
Inszenierung: Ansgar Weigner
Choreographie: Lidia Melnikova
Bühne & Kostüme: Barbara Bloch

Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández


„Ich bin groß! Es sind die Filme, die klein geworden sind!“

Billy Wilders schonungslose Abrechnung mit der Glitzerwelt Hollywoods hat ihm nicht nur Freunde beschert. Ganz im Gegenteil: Nach der Premiere des Films im Jahre 1950 stürzte Louis B. Mayer auf ihn zu: „Sie Bastard, sie haben die Industrie, die sie gemacht und ernährt hat, in den Dreck gezogen. Man sollte sie teeren und federn und aus der Stadt jagen!“ Billy Wilders Antwort fiel sehr kurz aus: „Fuck you!“

Heute gilt der Film, laut dem American Film Institute, zu den zwölf besten amerikanischen Filmen aller Zeiten.

Bei der Umsetzung des Films zum Musical waren die Macher gezwungen, sich eng am Original zu halten. Dies ist im Musical deutlich zu spüren: Ganze Textpassagen wurden 1 zu 1 übernommen oder fanden in den Songtexten ihre Entsprechung. Das Buch ist atmosphärisch dicht und psychologisch klug durchdacht. Lloyd Webber schuf eine symphonische, sehr theatralische Musik mit großen dramatischen Arien, gefühlvollen Songs und lebhaften Chornummern.

Die musikalische Seite war bei dem 1. Kapellmeister und stellvertretende Generalmusikdirektor des Hauses Ektoras Tartanis in den allerbesten Händen. Mit straffen Dirigat führte er das Philharmonische Orchester Bremerhaven durch diese vielseitige Partitur und sorgte für einen äußerst würdigen musikalischen Rahmen dieses anspruchsvollen Musicals.

Ansgar Weigner konnte am Stadttheater auf ein talentiertes Haus-Ensemble zurückgreifen, schuf eine sehr stringente Inszenierung mit flüssigen – beinah filmischen – Übergängen, in der Raum für große Ensembleszenen war, aber auch die intimen Momente sehr detailliert erarbeitet wurden. Weigner hat es sogar geschafft, den von mir so häufig gescholtenen Opern-Chor zu einem homogenen Ensemble zu formen, der auch in solistischen Partien überzeugen konnte.


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Die 4 Hauptakteure boten sehr gute bis grandiose Leistungen:

Patrizia Häusermann gelang es der eher blassen Rolle der Betty Schaefer ein deutliches Profil zu verleihen, indem sie sie als selbstbewusste, moderne Frau porträtierte, und überzeugte mit Spiel und Stimme. Bravo!

Vikrant Subramanian war als Joe Gillis eher der Sunny Boy als der Zyniker, sang hervorragend, hatte leider Probleme mit der Textverständlichkeit, konnte sich zum Schluss im Spiel aber deutlich steigern.

Andrea Matthias Pagani überzeugte als stets kontrollierter und rational handelnder Max von Mayerling, gleichzeitig ließ er durch diese Fassade den fürsorglichen Vertrauten von Norma durchschimmern und konnte mit seinem flexiblen Bariton beindrucken und begeistern.

Der Star des Abends war aber Sascha Maria Icks. Sie lebte die Norma Desmond zwischen Größenwahn und Naivität, zwischen Egoismus und Mitleid, zwischen schnoddriger Göre und glamouröser Diva. Jeder ihrer Auftritte war pure „Starquality“ mit großen Gesten „bigger than life“. Schon bei ihrem ersten Song „Nur ein Blick“ bekam ich Gänsehaut. Nach ihrer dramatischen Schluss-Szene, in der sie dem Wahnsinn verfallen die Treppe herunterschreitet und mit brüchiger Stimme nochmals „Nur ein Blick“ anstimmt, hielt es uns zum Schluss-Applaus nicht mehr auf unseren Sitzen.

Diese großartige Leistung für ein kleines Haus musste belohnt werden: Standing Ovation!

„…uns dankt die Welt Träume aus Licht!“


SUNSET BOULEVARD wird am Stadttheater Bremerhaven noch bis zum Ende der Spielzeit 2018/19 gezeigt. Es lohnt sich!