Ich wünsche Euch von Herzen…

Hallo Leute!

Wie schon im letzten [Blog-Ge-„switch“-er] erwähnt, fällt es mir gerade sehr schwer, mich mit Literatur zu beschäftigen. Irgendwie fühle ich mich etwas erschöpft und befinde mich in einem Lese-Tief. Doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass auch diese Zeit vergehen wird, und ich hinterher wieder voller Elan durchstarten werde. Erzwingen lässt sich nichts: Warum es demnach versuchen?

Aus dem Grund werde ich mir eine kleine Auszeit vom Bloggen gönnen: Bis einschließlich Ostern müsst Ihr nun leider so gänzlich ohne meine geistigen Ergüsse auskommen. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber – Tschakka! – Ihr schafft es. 😉

So bleibt mir nur noch eins…

Ich wünsche Euch von Herzen ein wunderbares Osterfest!

Liebe Grüße
Andreas

Vorlesewettbewerb 2020/21: And the winner is…

„Same procedure as every year!“ – der Vorlesewettbewerb ruft, und ich folge…!

Tatsächlich: „Same procedure as every year?“ – Nein, ganz sicher nicht!

Nicht nur, dass es keine Veranstaltung in der Buchhandlung „die schatulle“ gab, auf der sich die Sieger*innen aus den jeweiligen Schulen der Jury präsentieren und sich Familie, Freunde und Verwandte der Vorlesenden drängeln. Aufgrund des Lockdowns und der damit verbundenen Schließung der Schulen fanden sich leider nur drei Teilnehmer*innen für den Kreisentscheid. Bei dieser sehr übersichtlichen Anzahl der Teilnehmenden wurde auch die Jury entsprechend abgespeckt: Es gab nur mich!

Und so saß ich zu einer völlig ungewohnten Zeit für einen Vorlesewettbewerb an einem Montagmorgen vor meinem PC, öffnete den Link, den ich von den Buchhändlerinnen meines Vertrauens erhalten hatte, und starrte auf den Bildschirm, denn natürlich standen die Vorlese-Beiträge mir nur digital zur Verfügung.

Statt zwei Durchgänge pro Lesenden gab es nur einen Durchgang: Der Vortrag eines unbekannten Textes blieb den Kids diesmal erspart. Lisa Marie vom Gymnasium Ritterhude entführte mich nach „Animox: Die Stadt der Haie“ von Aimee Carter, Santino von der IGS Osterholz-Scharmbeck las aus „Der geheime Kontinent“ von Thilo, und Maria Lara vom Gymnasium Osterholz-Scharmbeck hatte sich für „Alter John“ von Peter Härtling entschieden.

Wenn ich gekonnt wie ich gewollt hätte, dann hätte ich alle Kids zur nächsten Etappe des Wettbewerbs geschickt. Doch leider musste ich mich entscheiden: Nachdem ich mir die Beiträge jeweils zwei Mal angesehen hatte (wenigstens ein Vorteil gegenüber einer Live-Lesung), stand meine Entscheidung fest, und meine Wahl fiel auf Santino von der IGS Osterholz-Scharmbeck. Herzlichen Glückwunsch!

So sehr ich mich über die Teilnahme dieser drei tollen Kinder auch freute, umso mehr bedauerte ich sie auch, da ihnen in diesem Corona-Jahr die Erfahrung eben jener Live-Lesung fehlt: kein vorheriges Lampenfieber, kein erleichtertes Aufatmen nach Beendigung des Vortrags, kein gespanntes Warten auf die Entscheidung der Jury, keinen Foto-Termin mit der Presse, keinen ausführlichen Bericht in den örtlichen Zeitungen,…! Das alles (und noch viel mehr) gehört bei einer Teilnahme am Bundesweiten Vorlesewettbewerb einfach dazu!

Ich bin wirklich dankbar für die technischen Errungenschaften, die uns in diesen verrückten Zeiten vieles ermöglichen. Trotzdem war dieses Verfahren für mich kein gleichwertiger Ersatz für die Veranstaltungen der Vorjahre. Vielmehr war es eine notwendige Alternative, die ich (selbstverständlich) Corona-bedingt akzeptierte. Doch mir fehlte diese besondere Atmosphäre! Zudem habe ich meine beiden Mit-Jurorinnen vermisst: die anregenden Gespräche, das nette Beisammensein, das Fachsimpeln und Diskutieren,…!

Denn: Das alles (und noch viel mehr) gehört für mich als Jury-Mitglied zum Bundesweiten Vorlesewettbewerb einfach dazu! 😉

INTERNATIONALER TAG der MUTTERSPRACHE…

„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.“ Johann Wolfgang von Goethe

Meine Muttersprache ist Deutsch: Ich spreche in Deutsch. Ich denke in Deutsch. Ich fühle in Deutsch.
Die Muttersprache von Murat ist auch Deutsch: Er spricht in Deutsch. Er denkt in Deutsch. Er fühlt in Deutsch.
Die Muttersprachen von Carmela sind Italienisch und Deutsch: Sie spricht in Italienisch und Deutsch. Sie denkt und fühlt mehr in Deutsch. Doch schimpfen kann sie am besten auf Italienisch.
Die Muttersprache von Semira ist Syrisch: Sie spricht in Syrisch. Sie denkt in Syrisch. Sie fühlt in Syrisch. Seit sie bei uns lebt, lernt sie die unbekannte Muttersprache, damit diese hier in der neuen Heimat auch ein Stück zu ihrer Muttersprache werden kann.

Sprache verbindet, und Sprache trennt. Sprache dient der Verständigung, und Sprache kann distanzieren. Sprache ist wunderschön, und Sprache ist brutal und verletzend. Es liegt an jeder und jedem einzelnen von uns, wieviel Macht wir der Sprache geben. Oder vielmehr: Welche Macht wir ihr zugestehen. Geben wir ihr die Macht, andere Menschen zu erniedrigen und zu diffamieren. Oder geben wir ihr die Macht, Verständnis füreinander zu wecken und Friede zu stiften.

Die deutsche Sprache ist poetisch, sinnlich und kraftvoll. Unsere Dichter und Denker haben Weltliteratur erschaffen und bewiesen, dass unsere Muttersprache an Vielfalt schier unerschöpflich scheint. Die deutsche Sprache kann aber ebenso hart und erdrückend sein. Aber sie hat die Macht, dass wir mit ihr genau die passenden Worte finden, um auf Menschen zuzugehen, sie kennenzulernen und mit ihnen Freundschaft zu schließen.

Es liegt an uns. Wir haben die Wahl!

Ich wünsche Euch von Herzen…

Heute ist Pfingstsonntag. Pfingsten bedeutet „der fünfzigste Tag“, wird somit am 50. Tag nach Ostern gefeiert und ist der letzte Tag der Osterzeit. Es soll daran erinnern, dass der Heilige Geistes den Aposteln erschienen ist, damit sie das Wort Gottes zu allen Völkern bringen. Für die Christen bedeutet dieses Fest ein Neu-Anfang.

„Heiliger Geist“: Das wirkt auf mich manchmal doch sehr abstrakt, nicht greifbar. Wer oder was ist dieser „Heilige Geist“? Welchen Zweck erfüllt er? Wie darf ich ihn mir vorstellen? An sein ikonenhaftes Erscheinungsbild als Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel mag/kann ich nicht glauben. Und doch gibt es Momente, da meine ich die Anwesenheit des „Heiligen Geistes“ zu spüren – bei anderen aber auch in mir!

Es sind keine großen weltbewegenden Situationen. Vielmehr sind es eher die kleinen, scheinbar unbedeutenden Begegnungen im zwischenmenschlichen Miteinander, die hoffentlich gleich dem Schmetterlingseffekt nach Lorenz Edward etwas Größeres (aber bitte ohne Chaos) auslösen könnten: der erste Cappuccino nach Wochen bei meinem Stamm-Eiscafé, das Hupen und Winken von Auto zu Auto beim Anblick einer bekannten Person, ein Anruf „nur mal so“, das geduldige Warten bei meinem Bäcker „umme Ekke“.

Ich trete häufiger gerne einen Schritt zurück, um einem anderen Menschen den Vorrang zu lassen. Freundlichkeit vervielfältigt sich, da bin ich mir ganz sicher.

Pfingsten bedeutet Neu-Anfang: Vielleicht ist diese Zeit unsere Chance für einen Neu-Anfang. Lasst sie uns gemeinsam nutzen!

Ich wünsche Euch von Herzen ein frohes Pfingstfest!

Liebe Grüße
Andreas

INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ist es tatsächlich erst ein Jahr her, dass ich mich hier an dieser Stelle sehr ausführlich zu dem Thema geäußert habe? Oder ist es eher „schon“ ein Jahr her…! Alles eine Frage der persönliche Sichtweise und des individuellen Empfindens. Braucht es diesen Tag überhaupt noch? Es wurde doch schon so viel erreicht!

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

Am Donnerstag wurde im Bundestag über die Änderung des Transfusionsgesetzes abgestimmt und diese mit den Stimmen aus CDU/CSU, SPD und AfD abgelehnt. Zur Erklärung: Das Transfusionsgesetz regelt u.a. wer Blut spenden darf, d.h. Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen auch künftig erst nach 12 Monaten Sex-Abstinenz Blut spenden.

Ich darf als homosexueller Mann, der seit 20 Jahren eine monogame Beziehung führt, kein Blut spenden, wenn ich nicht vorher eine Erklärung unterschreibe, dass ich seit einem Jahr keinen Sex mehr hatte. Ein heterosexueller Mann, der jedes Wochenende durch Bars und Clubs zieht und „alles pimpert, was nicht bei 3 auf dem Baum ist“ (entschuldigt bitte meine blumige Sprache), braucht diese Erklärung nicht abzugeben. Dabei scheinen die Verantwortlichen ein wichtige Tatsache zu übersehen: Nicht die sexuelle Orientierung schützt vor sexuell übertragbaren Krankheiten! Nur Safer Sex schützt davor! Somit werde ich als schwuler Mann per se unter Generalverdacht gestellt und per Gesetz diskriminiert. Abgesehen davon, dass es niemanden etwas angeht, wann, wie, wie oft, warum und ob ich überhaupt Sex hatte. Wahrung der Intimsphäre, Normalität und Gleichberechtigung sehen für mich anders aus!

Nun könnte eine naive Stimme rufen: „Wozu die Aufregung? Dann lüge doch bzgl. deiner sexuellen Identität!“ Dem möchte ich erwidern: „Warum sollte ich?!“ Innerhalb meiner 50 Lenze gab es Zeiten, da habe ich bzgl. meiner sexuellen Orientierung gelogen und meine wahren Gefühle versteckt. Diese Zeiten waren für mich belastend, erdrückend, einfach schrecklich! Und bei einer dringend benötigten Blutspende, bei der ich freiwillig und unentgeltlich einen Teil von mir geben möchte, um anderen Menschen damit vielleicht helfen zu können, soll ich lügen? Ich werde mich nicht verleugnen! Nie mehr!

Zudem rührt sich mein Rechtsempfinden: Nicht ich habe ein Unrecht begangen! Die Politker*innen, deren Parteinamen sich mit „christlich“ und „sozial“ schmücken, haben diese Ungerechtigkeit zu verantworten und sollten dringend ihr Gewissen prüfen (Naja, und von den „Alternativen“ habe ich nichts anderes erwartet.). Darum…

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

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Buchmesse vor Ort…

Nun wurde auch die Leipziger Buchmesse vom Corona-Virus „infiziert“. Die Verantwortlichen haben (sicherlich schweren Herzens) als Konsequenz nur die einzig richtige Entscheidung getroffen: Die Buchmesse fällt aus! Das, was nach Bekanntgabe dieser Entscheidung an Kommentaren durch das Netz waberte, hatte manchmal so gar nichts mehr mit Anstand und guter Sitte gemein. Bei so manchen Zeitgenossen (und -genossinnen) sind die Finger auf der Tastatur anscheinend mal wieder schneller als die eigenen grauen Zellen. Sehr bedauerlich…!

Meine geschätzte Blogger-Kollegin Antonia Leise hat auf ihrem Blog zwei wunderbare Beiträgen (Ein paar Gedanken zur (abgesagten) Leipziger Buchmesse und Die Buchmesse ist tot, es lebe der Buchhandel!) veröffentlicht, die mir aus der Seele sprechen, und die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Doch in solchen Extrem-Situationen zeigt sich die Buch-Community durchaus kreativ und startet div. Alternativ-Initiativen. Eine dieser Initiativen heißt Buchmesse vor Ort und entspricht so ganz und gar meinem Credo „Buy Local“. Ein wenig Messe-Flair kann auch in der Buchhandlung „um die Ecke“ erzeugt werden. Viele Buchhändler*innen laden zu geselligen Abenden, auf denen die Novitäten der Verlage vorgestellt werden. Gerade die Inhabergeführten Buchhandlungen schielen weniger auf die auflagestarken Neu-Erscheinungen der großen Verlage sondern werfen auch einen Blick auf die Veröffentlichungen der mittleren und kleinen Verlage. Zudem lohnt sich immer ein Blick in deren Veranstaltungskalender…!!!

Für alle, die jetzt dringend eine Buchhandlung in der erreichbaren Nähe von Osterholz-Scharmbeck suchen, habe ich eine kleine (absolut subjektive) Liste zusammengestellt…

…alle anderen werden hoffentlich hier fündig!

Und all diejenigen, die lieber im Netz bestellen, weil ihnen der Buchhandel zu persönlich ist, möchte ich Mut machen und zurufen „Traut Euch! Es wird Euch nichts geschehen!“ Diese Erfahrung durfte auch schon Comedian Markus Barth machen:

„Buchhandlung“. Ist wie Amazon, nur als Laden. Gibt’s schon in vielen deutschen Städten, die Bücher liegen da alle und man kann sie einfach direkt bezahlen und mitnehmen. Hammerpraktisch! War heute da, zwei Bücher hab ich direkt gekauft und die sogenannte „Buchhändlerin“ hat mir noch ein drittes empfohlen. Aber nicht so: „Kunden, die ‚Die Blechtrommel‘ gekauft haben, kauften auch: Ohropax“. Nee, einfach ne gute Empfehlung. Als ich sie fragte, ob ich Ihr dafür irgendwelche Daten von mir geben, meinen Standort übermitteln oder werberelevante Vorlieben verraten soll, hat sie mich nur verstört angeschaut.

Ein anderes Buch hab ich noch bei Ihr bestellt, das ist garantiert morgen da. Ich hab’ quasi „Buchhandlung Prime“, nur ohne Jahresgebühr! Gut, ich kann damit keine Schweighöfer-Serien gucken – aber wer will das schon??

Morgen kann ich das Buch also abholen, muss nicht zittern, ob’s noch rechtzeitig kommt und ob ich den DHL-Boten höre, muss mich nicht in der Schlange vor der Postfiliale einmal um den Block wickeln und hab danach auch keine fünf Kubikmeter Pappkarton in der Wohnung stehen. Und die Buchhändlerin packt‘s mir sogar noch ein. Umsonst!! Und das, obwohl sie, im Gegensatz zu anderen, ganz normal Steuern zahlt! Die Alte muss verrückt sein…

Bin sehr gespannt, ob sich „Buchhandlung“ durchsetzt. Ich glaube ja, auf die Dauer könnten die Amazon ganz schön das Wasser abgraben.“

In diesem Sinne: Fröhliches Einkaufen vor Ort!

Vom Wind(e) verweht: Wie ein Cover die Wahrnehmung beeinflusst…

Schon immer war das Design eines Covers dem jeweiligen Zeitgeschmack ausgesetzt und spiegelte sich in der präferierten Ästhetik wieder. Ein Cover sollte im besten Fall für den enthaltenen Roman als Werbung fungieren, somit die Aufmerksamkeit der Leserschaft auf das Werk lenken und deren Begehrlichkeit wecken. Gleichzeitig soll es auch über den Inhalt informieren und dessen Besonderheiten hervorheben. Aber die Art der Cover-Gestaltung kann ein literarisches Werk auch durchaus schaden und ihm ein eher negatives Image verpassen. „Vom Wind(e) verweht“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Cover-Design sein Image prägte, und der Roman so zwischen den ambivalenten Polen „Weltliteratur“ und „Groschenroman“ hin und her pendelte.

Ich habe mir den Spaß erlaubt und einen Blick auf die Cover-Gestaltung der letzten Jahrzehnte geworfen: Alle Angaben erfolgen ohne Anspruch auf Vollständigkeit und sind somit „ohne Gewähr“!


Claassen - 1937.jpg

1937 erschien der Roman erstmals im Claassen-Verlag mit einem zeittypischen Umschlagbild in einer eher reduzierten Farbgebung. Auf dieses Ursprungs-Design wurde vom Verlag im Laufe der Jahre gerne zurückgegriffen. So auch im Jahre 1984 als der Film zu Weihnachten zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde und dem Roman zu neuer Popularität verhalf. Die Übersetzung stammte von Martin Beheim-Schwarzbach.

Doch auch der Claassen-Verlag war vor geschmacklichen Verfehlungen nicht gefeit: So wirkt das Cover von 1970 sehr plakativ, lässt eine schmalzige Liebes-Schmonzette vermuten und hätte auch als Werbung für den Film fungieren können. Folge-Auflagen wirken da durchaus dezenter, griffen in der Farbgestaltung auf ein gedecktes Violett zurück und wählten Filmfotos in einem Sepia-Ton. Stehen bei den gewählten Fotos zwar durchaus Vivien Leigh und Clark Gable im Mittelpunkt, so wurde wenigstens auf ein schmachtendes Anhimmeln bzw. einen Kuss verzichtet. Kurzzeitig wurde der Roman im Jahre 1978 auch im Kölner Lingen-Verlag publiziert: Aufgrund dessen seitenstarkem Umfangs entschied man sich hier für einen Zwei-Teiler – eine Entscheidung, die sicher bei vielen Leser*innen eine Sehnenscheidenentzündung der Hand verhindert hat. Die Gestaltung des Covers war ganz im Stil der 70er-Jahre: klar, frisch und mit wenigen aber leuchtenden Farben.


Im Taschenbuch-Format machte Margaret Mitchells Epos eine erstaunliche Reise durch die Verlage: beginnend im „rororo“ Rowohlt Verlag über den Heyne-Verlag bis zum Ullstein-Verlag, wo nach wie vor die aktuell erhältliche Taschenbuch-Fassung (Übersetzung: Martin Beheim-Schwarzbach) verlegt wird. Bei der Gestaltung der Covers verwendeten die Verlage gerne knallige Rot-Violett-Töne und griffen zwecks besserer Wiedererkennung auf die bekannten Filmfotos zurück. Doch in dieser Kombination rückt der Roman leider eher in die Nähe des Bahnhofskiosks und weniger in Richtung Bibliothek.


Auch in den diversen Buch-Clubs erfreute sich „Vom Winde verweht“ eine immense Beliebtheit. Gerne wurde auch dort auf die bewerten Konterfeis von Leigh und Gable zurückgegriffen oder zumindest als Illustration angedeutet. Wobei es hier zwei außergewöhnliche Ausnahmen gab: In der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1996 zeigt eine Pastellkreide-Zeichnung kindlich-naive Szenen des Plantagen-Lebens im sonnigen Süden der USA und steht damit karikierend entgegen dem Inhalt. Dagegen wirkt das Cover vom Deutschen Bücherbund von 1964 überraschend modern und erinnert in seiner Ästhetik an die Covers verschiedener Indie-Verlage neueren Datums.


Auch in der DDR erschien der Roman 1964 im Verlag Buch und Welt. Selbstverständlich wurde bei der Gestaltung des Umschlags auf die Verwendung von Filmfotos verzichtet. Über die Gründe kann ich nur spekulieren: Einerseits war der Film hier weniger bekannt, andererseits könnten auch urheberrechtliche Gründe eine Rolle gespielt haben. Ein Novum stellte dafür die Taschenbuch-Ausgabe aus dem Rütten & Roening-Verlag von 1989 dar: Zum einen wurde der Roman zwecks besserem Handlings drei-geteilt, andererseits zierte die Covers jeweils eine stilisierte Pusteblume im unterschiedlichen Stadium des „Verwehens“. Diese einfache wie geniale Idee habe ich gerne bei der Wahl des Bildes zu diesem Beitrag aufgegriffen.


Kunstmann - 2020.jpg

Nun im Jahre 2020 stehen die Zeichen günstig für ein Comeback von Margaret Mitchells Epos. 70 Jahre nach ihrem Tod wurden die Rechte an dem Werk gemeinfrei. Der rührige Kunstmann-Verlag ergriff die Chance und schenkte dem Werk nicht nur eine neue Übersetzung durch Andreas Nohl und Liat Himmelheber. Auch das Cover erhielt – passend zur schlankeren Übersetzung – eine überfällige Frischzellen-Kur, wirkt nun deutlich eleganter und knüpft in seiner reduzierten Farbgebung an die Tradition des Ursprungs-Covers an. Bei seinem Umfang von 1328 Seiten muss die/der Leser*in zwar weiterhin einen literarischen Ziegelstein stemmen, dafür braucht der Roman aber nicht mehr verschämt versteckt und kann auch hemmungslos in der Öffentlichkeit gelesen werden. Happy End!


Für alle die vom Thema „Buchcover-Klischees“ nicht genug bekommen, möchte ich gerne den äußerst kurzweiligen Beitrag meiner Blogger-Kollegin Marion Rave von „schiefgelesen“ ans Herz legen.

Vorlesewettbewerb 2019/20: And the winner is…

…und wieder war es soweit: „Same procedure as every year!“ – der Vorlesewettbewerb ruft, und wir sitzen am vergangenen Mittwoch wieder in trauter Eintracht in der Buchhandlung „die schatulle“, warten gespannt auf die Dinge, die da kommen werden.

„Wir“ das ist die diesjährige Jury für den Kreisentscheid: Ute Segger-Steinwede, ehem. Lesepatin an Grundschulen und Dozentin an der VHS ist neu in der Jury und gibt somit ihre Premiere. Iris Belz, Leiterin der Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck ist mit Freude und aus Überzeugung zum dritten Mal dabei. Meine Wenigkeit vergibt nun schon zum 6. oder 7. Mal sein Urteil und ist somit das „Jury-Urgestein“ (sozusagen: die regionale Ausgabe von Herrn Llambi).

Neun junge Menschen warten aufgeregt auf ihren jeweiligen Einsatz und werden unterstützt durch Familie und Freunde. Aber genauso sollte es doch auch sein: Kinder brauchen positive Vorbilder und somit Erwachsene in ihrem unmittelbaren Umfeld, die sie wertschätzend fördern und fordern.

Die Buchhandlung war somit üppig gefüllt! Gemeinsam lauschten wir den interessanten Geschichten, die die Kids zu Gehör brachten. Ich war wieder positiv überrascht über die thematische Bandbreite der ausgewählten Werke: „Spirit Animals: Band 1“ von Brandon Mull, „Drei Schritte zu dir“ von Rachael Lippincott, „Snöfrid aus dem Wiesental“ von Andreas H. Schmachtl, „Armouron – Die erste Mission der Space Warriors“ von O.B. McGann, „Die drei !!! – Heuler in Not“ von Maja von Vogel, „Wörter mit L“ von Tamara Bach, „Sophie im Narrenreich“ von Verena Petrasch, „Warrior Cats: Blausterns Prophezeiung“ von Erin Hunter.

Selbstverständlich zog sich die Jury auch diesmal zur Beratung zurück, doch selten waren wir uns bei einem Sieger so einig wie in diesem Jahr: Jonah Lepschy aus der 6. Klasse am Gymnasium Lilienthal konnte nicht nur mit seinem selbstgewählten Text aus „Samurai: Der Weg des Kämpfers“ von Chris Bradford punkten. Auch überzeugte er uns beim Fremdtext mit klarer Aussprache, guter Lesetechnik und einem adäquaten Lese-Tempo. Gratulation!

Für mich ist dieser jährliche Termin immer eine große Freude, und somit empfinde ich ihn auch weniger als Pflicht und vielmehr als Kür. Als Vor-Leser und Buch-Blogger darf ich nicht nur selbst großartige Geschichten vortragen bzw. über sie berichten sondern auch der nachfolgenden Generation lauschen. Und vielleicht wächst hier schon die nächste Lese-Patin oder der künftige Vor-Leser heran…! 💙


P.S.: Hier geht es zu den Zeitungsberichten: Osterholzer Kreisblatt

Diversität „auf Teufel komm’ raus“: Bitte nicht!

Die Entrüstung wabert durch’s Netz! Die „Süddeutsche Zeitung“ hat eine neue Buch-Edition angekündigt: Unter dem süffigen Titel „Soulmates“ versammeln sich hier 10 Werke von namhaften Autoren, die (angeblich) in keiner Büchersammlung fehlen dürfen. Stein des Anstoßes: Es handelt sich hierbei ausschließlich um Autoren, und eine entsprechende Edition mit Autorinnen ist nicht geplant. Somit beweihräuchern die Kerle sich wieder selbst, und die Frauen schauen mal wieder in die Röhre! Diversität wir überbewertet: Könnte man meinen…!

Nun sind solche Editionen in ihrer Zusammenstellung per se immer sehr subjektiv: Jede*r von uns würde je nach persönlichem Gusto andere Bücher auswählen. Warum die SZ nun aber ausschließlich nur die Männer mit einer Edition ehrt und nicht für eine bunte Mischung sorgt, darf durchaus kritisch hinterfragt werden.

Ich habe einen Blick auf meine Rezensionen geworfen und selbstkritisch festgestellt, dass dort beinah doppelt so viele Autoren im Vergleich zu den Autorinnen vertreten sind. Woran dies liegt? Mit Sicherheit nicht daran, weil es Frauen sind. So wähle ich mir meine Lektüre nicht aus, und mit der Genderfrage bei Autor*innen habe ich mich noch nie beschäftigt. Für mich ist der Inhalt wichtig: Spricht mich die Geschichte an? Und wenn ja, gefällt mir der Schreibstil? Zudem gibt es einige Buch-Genre, die mir nicht zusagen, aber wo der Autorinnen-Anteil überproportional hoch ist: Unterhaltungs-, Liebes- und Erotikromane.

Sollte ich nun im Sinne der Diversität immer weiblich/ männlich im Wechsel lesen? Ich könnte es noch weiter auf die Spitze treiben: Da ich ein schwuler Mann bin, dürfte ich auch die Gay-Literatur nicht vernachlässigen…! Oder das Verhältnis von deutschsprachigen Autor*innen zu fremdsprachigen Autor*innen…! Oder…!

Nein! Ich weigere mich, mich in meinem Lese-Verhalten und somit in meinen Vorlieben eingrenzen zu lassen. Ich lese, was mir gefällt, und mir ist es völlig schnuppe, ob es sich hierbei um Männlein oder Weiblein handelt. Hauptsache talentiert…!

Und jede*r dieser talentierten Menschen hat es verdient, Beachtung zu finden: Meinetwegen, wenn’s sich partout nicht vermeiden lässt, auch in Form einer Buch-Edition…!

Nicht die Diversität wird bei mir überbewertet, sondern eher scheinen Buch-Editionen mit ihren subjektiv zusammengestellten Inhalten in ihrer Bedeutung von einigen Mit-Menschen überbewertet zu werden. So etwas benötige ich nicht: Zum Glück bin ich ein eigenständig denkendes Wesen und kann selbst für mich die Entscheidung treffen, welche Bücher ich in meinem Leben gelesen haben MUSS!

Heute ist…

…INTERNATIONALER TAG GEGEN HOMOPHOBIE

Traurig genug, dass es immer noch einen internationalen Tag geben muss, um auf die Rechte gleichgeschlechtlich liebender Menschen hinzuweisen. Aber wenn ich mir die weltweite Entwicklung ansehe, ist dieser Tag nach wie vor wichtig und richtig,…

…und auch hier im eigenen Land fordert die rechte Fraktion unter ihrer lesbischen „Führerin“ (Finde den Fehler!) härtere Sanktionen gegenüber Schwule und Lesben.

Ja, ich bin schwul! Es ist aber nur ein einzelnes Teil meiner Persönlichkeit – ein nicht unwichtiges Teil aber auch nur eines von vielen. Die Mischung meiner Teile machen meine Persönlichkeit aus. Ich bin nicht nur das eine oder das andere: Ich bin so wie ich bin! Und ich kann nichts dafür! Ich habe nichts dazu beigetragen, dass dies so ist!

Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass konservativ-denkende Mitmenschen der Meinung sind, es wäre eine bewusste Entscheidung gewesen. Nein! – Das war es ganz sicher nicht! Ich bin nicht morgens aufgewacht und habe gedacht „Hach! So´ n schöner Tag! Was mache ich mal heute? Zuerst mähe ich den Rasen, danach kaufe ich Katzenfutter ein, und dann werde ich mal schwul!“

Ja, ich bin schwul und witzig und pedantisch und loyal und vorlaut und respektvoll und neugierig und hoffentlich auch ein guter Mensch: Ich bin so wie ich bin! Wozu die Aufregung? Ich tue niemanden damit weh! Ich nehme niemanden etwas weg!

So habe ich die – schon beinah paranoid wirkende – Aufregung rund um „Ehe für alle“ nicht verstanden: Von einer „Bedrohung der traditionellen Ehe“ wurde gesprochen oder befürchtet „bald dürfen auch Geschwister heiraten“ und dazu wurde die Bibel rauf und runter zitiert. (Apropos Bibel: Da ich mich nicht selbst schwul „gemacht“ habe, muss es wohl das Werk einer höheren Instanz sein.)

Aber was war denn konkret passiert? Homosexuellen Menschen wurde ein – wie ich finde – Menschenrecht zugesprochen, das heterosexuelle Menschen seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen (könnten). Ich erinnere mich noch an meinen damaligen Beitrag auf meinem Profil bei facebook:

30. Juni 2017 / 9.13 Uhr
Das Ergebnis der Auszählung ist da: Der Bundestag beschließt die Ehe für alle. Für die Gesetzesvorlage stimmten nach Worten von Parlamentspräsident Lammert 393 Abgeordnete bei 226 Gegenstimmen und vier Enthaltungen.

Ein historisches Ereignis…

…und ich hätte nicht gedacht, dass mich – nach 17 Jahren Beziehung incl. 9 Jahren „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ – dies so emotional berührt, dass mir gerade Tränen über die Wangen laufen!

Heterosexuelle haben dadurch nichts weniger. Aber das Leben vieler gleichgeschlechtlich liebender Menschen wurde durch dieses Gesetz immens bereichert, und was soll überhaupt die Unterscheidung in homo- und heterosexuell, in „ihr“ und „wir“? Wir sind alle Menschen, Bürger, Brüder, Schwestern, Söhne, Töchter, Eltern, Freunde, Nachbarn…! Somit sind wir alle viel mehr als die Summe unserer Teile oder die bloße Reduzierung auf ein einzelnes Teil!

Es gibt leider weiterhin viel zu tun – im Großen wie im Kleinen, auf der großen politischen Bühne wie im kleinen privaten Umfeld. Ich gebe zu, dass wir nicht diejenige sind, die sich übermäßig politisch engagiert und bei Demos oder dem CSD teilnehmen. Mein Mann und ich sind einfach „nur“ sichtbar: Wir werden als Paar in unserer ländlich geprägten Stadt wahrgenommen und leben vor, dass wir eine Ehe führen wie Millionen andere Paare auch – mit Höhen und Tiefen, in guten wie in schlechten Zeiten aber vor allem mit Respekt und sehr viel Liebe!

Es gibt leider weiterhin viel zu tun – aber „wenn-schon, denn-schon“ mit Humor: Humor ist eine mächtige Waffe gegen Hass und Intoleranz,…

…und so sende ich Maren Kroymann, Markus Barth und Ralph Ruthe ein großes Dankeschön für diese wunderbaren Videos!!!

Schwul bei der Feuerwehr Tarmstedt:

 

Ehe für alle auf der Insel:

Die Bedrohung der traditionellen Ehe: