[Rezension] Kathrin Aehnlich – DER KÖNIG VON LINDEWITZ

Mit ihrem Roman WIE FRAU KRAUSE DIE DDR ERFAND konnte Kathrin Aehnlich mich nicht nur überzeugen sondern auch begeistern. Schon in ihrem Erstlingswerk warf sie einen humor- wie liebevollen Blick auf die Menschen in den so genannten neuen Bundesländern. Dabei sind die „neuen“ Bundesländer nach 35 langen Jahren der Wiedervereinigung bei weiten nicht mehr neu. Sie sind gealtert. Auch die dort lebenden Menschen sind älter geworden. Ihr Leben hat sich durchaus verändert, aber trotz allem haben die gemeinsame Vergangenheit und die persönlichen Schicksale immer noch einen großen Einfluss auf ihr Denken und Handeln…

Bruno Henker weiß mehr als andere. Er kennt die Lebensläufe und Familiengeschichten, auch die Geheimnisse der Lindewitzer. Er weiß, warum der eine trinkt, wer wen verraten hat, wer Zugang zu den begehrten Westwaren hatte, und warum das herbeigesehnte neue leben viele nicht glücklicher macht. Warum Claudia, die sich nach der weiten Welt gesehnt hat, als Touristenführerin in Lindewitz hängen blieb. Warum sich im Leben der 1923 geborenen Zwillinge Anne und Marie die Geschichte des ganzen Jahrhunderts spiegelt. Warum Tante Mausi, die mit 93 Jahren in einem Pflegeheim lebt, sich von ihrem Großneffen täglich eine Flasche Rotwein bringen lässt. Warum Claudius immer noch mit seiner fast hundertjährigen Mutter zusammenwohnt. Warum Benedikt es zum Entsetzen der Familie vorzog, nach einem mit Bravour absolvierten Jurastudium einen Späti in Tante Huldas ehemaligem Gemischtwarenladen zu eröffnen. Bruno weiß auch, wie sich das Viertel durch die „Vorkommnisse“ vor einem Jahr verändert hat. Diesen Überfall der Rechten auf das Viertel, die Nacht, in der sie die Scheiben eingeschmissen und brennende Fackeln auf die Dächer geworfen haben. Und warum darüber geschwiegen wird. Aber hat Schweigen je geholfen?

(Inhaltsangabe dem Klappentext des Buches entnommen!)

Lindewitz steht stellvertretend für einen Stadtteil in irgendeiner größeren Stadt im Osten der Republik. Alles scheint hier seinen gewohnten Gang zu gehen: Die Bewohner*innen haben sich in ihrem Mikro-Kosmos eingerichtet. Man kennt sich, kennt auch die Geschichten der Familien und weiß, wer mit wem warum und wie… – Naja, geht ja niemanden etwas an. Ist ja schließlich so ’ne Familienangelegenheit,…

…und dann wird geschwiegen, geschwiegen und weggeschaut. Und plötzlich sind da Kräfte am Werk, die niemand haben wollte. Plötzlich tauchen Gestalten auf, die mit Ihrer Haltung und ihren Handlungen das gemütliche Leben in Lindewitz auf den Kopf stellen. Plötzlich? Nein, diese subversiven Elemente agieren schon viel, viel länger. Denn etwas nicht sehen (wollen), bedeutet nicht, dass es nicht da ist!

Kathrin Aehnlich siedelt ihre Geschichte im Osten unseres Landes an, um so vor dem Hintergrund der DDR-Vergangenheit eine plausible Begründung sowohl für das Handeln wie auch für das Ausharren der Menschen zu bieten. Ja, es sind eben „nur“ Menschen und keine Heiligen oder Helden. Es sind Menschen: fehlerhaft, unvollkommen und doch einzigartig. Schnörkellos erzählt die Autorin uns ihre Geschichten: Sie alle haben ihre ganz individuellen „Alt-Lasten“, mit denen sie versuchen umzugehen. Viele dieser „Alt-Lasten“ wurden tief in der Seele verscharrt, in der Hoffnung, dass sie nie wieder zutage treten mögen. Doch dann passiert etwas Unvorhergesehenes, etwas schier Unmögliches, und Wunden werden aufgerissen, die dann bluten und schmerzen.

Voller Wärme skizziert die Autorin ihre Charaktere und entblättert Seite für Seite die jeweiligen Schicksale – sowohl im hier und jetzt, wie auch in der Vergangenheit. Und je mehr ich von diesen Menschen und ihren Lebensläufen erfahre, umso mehr reift in mir folgende Erkenntnis: Nein, Heilige sind sie ganz bestimmt nicht. Aber Helden sind sie auf jedem Fall!

Kathrin Aenlichs Geschichte ist – trotz einem ernsten Grundton – absolut ermutigend und lebensbejahend, voller Humor und einer großen Portion Respekt für die einfachen Menschen.

Und: Ja, in diese Geschichte liegt Lindewitz im Osten. Aber gibt es ein Lindewitz nicht überall…?


erschienen bei Kunstmann / ISBN: 978-3956145834

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Benjamin Chaud – BÜHNE FREI FÜR PAPA BÄR!

🎭 Heute ist WELTTHEATERTAG! 🎭

Und anstatt – wie in den vergangenen Jahren – markige Zitate div. Theatergrößen zu bemühen, habe ich mich diesmal entschieden, euch stattdessen ein ganz und gar charmantes Bilderbuch zu präsentieren. Ich werde nie müde zu betonen, dass ich Bilderbücher, die den Kids das Theater und die Musik auf so wunderbarer Weise näher bringen, sehr liebe.

Und manchmal fällt mir so ein Kleinod völlig überraschend und somit unvorbereitet in die Hände. In diesem Fall wurde ich in einem öffentlichen Bücherschrank fündig. Ein Hoch auf diese Erfindung: Meine Freude war groß! Somit handelt es sich bei meinem Fund zwar nicht um eine Neu-Erscheinung, doch auch hier gilt der viel zitierte Spruch „Oldies but Goldies!“.

Der Herbst ist da, die Tage sind schon kühl. Es ist ruhig geworden in der Bärenhöhle im Wald. Papa Bär schnarcht bereits, da summt plötzlich eine verspätete Biene an der Höhle vorbei. Wo eine Biene ist, ist auch Honig! Das weiß der kleine Bär und rennt hinterher. Papa Bär wacht auf und macht sich sofort auf die Suche. Er schaut überall nach, aber im Wald ist der kleine Bär nirgends zu finden. Schließlich gelangt er an einen lauten und belebten Ort. Er sieht das Hinterteil des kleinen Bären gerade noch in einem prächtigen Bau verschwinden…

(Inhaltsangabe dem Klappentext dieses Buches entnommen!)


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Benjamin Chaud ist in diesem Fall Texter und Illustrator in Personalunion. Wobei den Texten eher eine erklärend-unterstützende Aufgabe zukommt. Hauptaugenmerk liegt auf den tollen Illustrationen, die eine Menge Dynamik ausstrahlen und mit vielen witzigen Details amüsieren. Dabei weisen sie eine wunderbare Ähnlichkeit mit den beliebten Wimmelbüchern auf: Beim Betrachten verlor ich mich in dem jeweiligen Bild und entdeckte selbst beim wiederholten Anschauen viele skurril-humorige Einzelheiten.

So folgte ich Papa Bär auf seiner Suche nach dem kleinen Bär durch Wald und Stadt, hinein ins Opernhaus und durch das Foyer hinter die Bühne. Plötzlich steht er selbst im Rampenlicht auf der Bühne, blinzelt erstaunt ins helle Licht der Scheinwerfer und versucht, den kleinen Bär im Publikum zu erkennen. Sein vorgetragenes Bären-Lied kommt beim Publikum allerdings nicht gut an und sorgt dort leider eher für Panik. Der einzige, der bei dieser Darbietung ruhig auf seinem Platz sitzen bleibt und Applaus spendet, ist natürlich der kleine Bär.

Auf dem Weg dorthin staunte ich über die Phantasie des Zeichners, die sich Bild für Bild offenbarte: Allein im Stadtbild wird hinter jedem Fenster eine eigene kleine Geschichte erzählt. Oder auch der Blick hinter die Bühne gibt einen wundervollen Einblick über die vielen Werkstätten und Abteilungen, die Anteil an einer Bühnenproduktion haben. Unvermittelt im Bild entdeckte Details lösten bei mir ein spontanes Lachen aus und steigerte meine Freude, dieses entzückende Bilderbuch entdeckt zu haben. Absolut bezaubernd…!

Übrigens: Die alles auslösende Biene finden unsere beiden pelzigen Freunde auf dem Dach des Opernhauses, das dort drei Bienenkörbe beheimatet.


erschienen bei Gerstenberg / ISBN: 978-3836954327 / in der Übersetzung von Anja Malich

[Noch ein Gedicht…] Frank Wedekind – SCHLUSS

Ich wußte ehmals nichts davon,
Bin unschuldsvoll gewesen,
Bis daß ich Wielands Oberon
Und Heines Gedichte gelesen. –

Die haben sodann im Lauf der Zeit
Mein bißchen Tugend bemeistert.
Ich träumte von himmlischer Seligkeit
Und ward zum Dichten begeistert.

Auch fand ich, das Dichten sei keine Kunst,
Man müßt‘ es nur einmal gewohnt sein. –
Ich sang von feuriger Liebesbrunst,
Von Rosenknospen und Mondschein;

Besang der Sonne strahlendes Licht.
Viel Schönes ist mir gelungen.
Jeweilen mit dem schönsten Gedicht
Hab‘ ich mich selber besungen.

Und folgte treu der gegebenen Spur
Auf meine Muster gestützet;
Schrieb viele Bogen Makulatur. –
Wer weiß, zu was sie noch nützet? –

Und wenn das Dichten so weitergeht,
So darf ich im Tode behaupten:
„Am Ende war ich doch ein Poet,
Obwohl es die wenigsten glaubten.“ –

Frank Wedekind


💖 Heute ist der WELTTAG DER POESIE! 💖


[Rezension] Agatha Christie – ACHT HERCULE POIROT KRIMIS (Hörspiel)

Kennt ihr das auch? Ihr habt gerade mehrere Bücher beendet und natürlich in salbungsvollen Worten eine Rezension verfasst, da lacht euch auch schon das nächste vom Verlag spendierte Leseexemplar an. Da brauche ich hin und wieder eine Auszeit! Nein, ich greife dann nicht nach einer Haselnuss- oder Milch-Schnitte (Obwohl die Versuchung gegeben wäre!). Vielmehr gelüstet es mich nach einer appetitlichen Krimi-Schnitte.

Wie gut, dass da die Sendeanstalten vom Südwestrundfunk und vom Mitteldeutschen Rundfunk mit ihrem Krimisommer in den Jahren 2002 bis 2006 für eine wunderbare Auswahl an klassischen Krimi-Leckerlis vorgesorgt haben. So gab sich nur die Elite dieses verbrecherischen Genres die Ehre: Dorothy L. Sayers (Lord Peter/ 2002), Georges Simenon (Kommissar Maigret/ 2003), Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes und Dr. Watson/ 2004) und Gilbert Keith Chesterton (Pater Brown/ 2005).

Im Jahre 2006 durfte dann Agatha Christie mit Hercule Poirot den letzten Krimisommer bestreiten.


4 CDs/ Acht Hercule Poirot Krimis von Agatha Christie (2006)/ Hörspielbearbeitung: Alexander Schnitzler/ Regie: Stefan Hilsbecher/ Musik: Henrik Albrecht/ mit Felix von Manteufel, Friedhelm Ptok, Stephanie Kämmer, Peter Fricke, Susanne Heydenreich, Abak Safaei-Rad, Leslie Malton, Udo Schenk, Hedi Kriegeskotte u.a.

  • CD 1: Eine Tür fällt ins Schloss / Tot im dritten Stock
  • CD 2: Vierundzwanzig Schwarzdrosseln / Der verräterische Garten
  • CD 3: Der Traum / Poirot und der Kidnapper
  • CD 4: Urlaub auf Rhodos / Lasst Blumen sprechen

Aus der Vielzahl an spannenden Fällen, die der kauzige kleine Belgier im Laufe seiner literarischen Karriere lösen durfte, griff man auf die oben genannten acht Kurzgeschichten zurück. Kenner der Materie werden beim Hören rasch bemerken, dass Alexander Schnitzler sich bei seiner Bearbeitung nah am Original gehalten und gesamte Textpassagen eins zu eins übernommen hat. Diese Vorgehensweise kann ich nur befürworten: Warum sollte er eine gute Vorlage verschlimmbessern? Umrahmt werden die Geschichten durch die Musik von Henrik Albrecht, die wiederholt zum Einsatz kommt und somit – wie ein roter Faden – die einzelnen Erzählungen miteinander verknüpft. Dabei ist die Musik atmosphärisch stimmig, drängt sich aber niemals in den Vordergrund. Gleiches gilt für die Regie von Henrik Albrecht, der klug auf das Können seiner Sprecher*innen setzt, und vielleicht nur hier und da ein wenig das Tempo im Sinne der Spannung anzieht.

Das Ensemble setzt sich aus versierten Schauspieler*innen aus Theater, Film und Fernsehen zusammen: Da tauchen bekannte Namen wie Stephanie Kämmer, Peter Fricke, Susanne Heydenreich, Abak Safaei-Rad, Leslie Malton, Udo Schenk und Hedi Kriegeskotte auf, die teilweise in mehreren Geschichten unterschiedliche Charaktere verkörpern. Dies meistern sie so gekonnt individuell und abwechslungsreich, dass ich manchmal nur anhand der Besetzungsliste erkannte, dass es sich um ein und dieselbe Person handelte.

Dreh- und Angelpunkt dieser acht Hercule Poirot Krimis – und somit prägend für diese Hörspiel-Produktion – sind allerdings Friedhelm Ptok und Felix von Manteufel. Friedhelm Ptok führte mich als Hörer mit seiner markanten Stimme durch den Plot. Dabei ist er manchmal „nur“ der Erzähler, dann schlüpft er wieder in die Schuhe von Arthur Hastings, Poirots Sidekick, der auch im literarischen Original so manches Mal erzählerisch durch die Geschichte führte. Prägnant in Szene gesetzt werden die Hörspiele durch die Stimme von Felix von Manteufel. Er „französelt“ höchst amüsant und versieht den weltberühmten Detektiv mit einer liebenswerten Schrulligkeit. Dies macht er so ausnehmend überzeugend, dass ich unseren Helden beinah leibhaftig vor mir sah.

Mit einer Länge zwischen 30 und 55 Minuten sind die einzelnen Episoden wunderbare Appetithäppchen, gar köstliche akustische Happenpappen, um den Tag zwar durchaus unterhaltsam spannend aber nicht allzu aufgeregt zu beenden.


erschienen bei der Hörverlag/ ISBN: 978-3867176095

[Rezension] Heinrich Spoerl – DIE FEUERZANGENBOWLE

„Ein Loblied auf die Schule – aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.“
Heinrich Spoerl

Es gibt Filme, die scheinen nie zu altern. Natürlich sieht man ihnen die Jahre an: Regie, Kameraführung sowie Erzählstil und -tempo waren damals anders. Auch die Art des Schauspiels unterschied sich durchaus gegenüber moderneren Filmen. Und trotzdem bleibt diese unbeschwerte Frisch erhalten, konserviert auf Zelluloid und – im besten Fall – für die nachfolgenden Generationen sanft remastert und digitalisiert. Als vor 80 Jahren Heinz Rühmann erstmals die Primaner-Mütze zum Gruße lupfte und keck in die Kamera lächelte, hätte wahrscheinlich niemand damit gerechnet, dass dieser Film irgendwann zu den Klassikern des deutschen Kinos zählen würde.

Dabei standen die Sterne für diesen Film anfangs wenig günstig: Der Reichserziehungsminister versuchte die Freigabe des Films zu verhindern, da er in ihm die Autorität der Schule und der Lehrer gefährdet sah. Zumal es aufgrund des 2. Weltkrieges einen massiven Lehrermangel gab. Zudem verzögerte Heinz Rühmann absichtlich immer wieder die Dreharbeiten zum Film, um so die Einberufung der jungen Darsteller zum Kriegsdienst möglichst lange hinauszuschieben.

Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Film trotz aller widrigen Umstände eine launige Leichtigkeit ausstrahlt. Auch die Hörspielfassung aus dem Jahre 1970 mit Hans Clarin als „Pfeiffer mit drei Eff“ konnte sich diese freche Unbeschwertheit bewahren. Als ich im letzten Jahr meine Rezension zum Hörspiel verfasst, keimte in mir der Wunsch, endlich auch die literarische Vorlage kennenzulernen.

Bei einer launigen Stammtischrunde, die durch Genuss besagter Feuerzangenbowle noch angeheizt wurde, schwelgen die anwesenden Herren in Erinnerungen an ihre Schulzeit. Ja, das waren noch Zeiten, als sie jung und mit Flausen im Kopf Streiche gegen die Pauker ausheckten und sich zum ersten Mal in die Schülerinnen des benachbarten Mädchen-Gymnasiums verliebten. Einzig Dr. Johannes Pfeiffer kann keine Anekdoten beitragen, da er privat unterrichtet wurde. Seine Freunde sind entsetzt: Die beste Zeit im Leben eines jungen Mannes blieb ihm verwehrt. Dieser Umstand muss schleunigst geändert werden. Kurzerhand werden entsprechende Unterlagen fingiert, Pfeiffer passend ausgestattet und auf das Gymnasium einer Kleinstadt verfrachtet. Seine Verlobte Marion ist ganz und gar nicht entzückt. Dafür ist Pfeiffer umso entzückter von der reizenden Eva, der Tochter des Direktors seiner Penne…!

Er hatte ja so recht, der Herr Spoerl: Es ist wirklich ein Loblied auf die Schule. Da skizziert er liebevoll seine Figuren, pointiert die Handlungen der Schüler und ironisiert mit Herz die Eigenarten der Lehrer. Der Autor ergreift keine Partei: Alle sind bei ihm gleichwertig. Es wird nicht über- oder sogar gegeneinander gelacht, man lacht gemeinsam!

Damit ist DIE FEUERZANGENBOWLE der literarische Gegenentwurf zu Heinrich Manns PROFESSOR UNRAT aus dem Jahre 1905. Dort wird die Schule zu einem Kriegsschauplatz für willkürliche Bestrafungen, wo Schüler und Lehrer wie verfeindete Parteien aufeinanderprallen. Hier wirken die Schelmenstücke von Hans Pfeiffer und seinen Kameraden wie harmlose Lausbubenstreiche, die nie über die imaginäre Grenze des Anstandes hinausgehen und so vom Respekt, den die Schüler gegenüber ihren Lehrern (aber ebenso auch umgekehrt) empfinden, zeugt.

Spoerls Sprache ist schnörkellos, unprätentiös, beinah unpathetisch. Klar, schlank und ohne viel Firlefanz gönnt er der Geschichte den nötigen Raum, um zu atmen, um sich zu entfalten. Übermäßige Beschreibungen sucht man hier vergebens: Was sollte er auch detailreich beschreiben, das der damaligen Leserschaft nicht schon mehr als zur Genüge aus eigenem Erleben bekannt war. Lieber skizzierte er mit sicherem Strich die prägnanten Charaktere seiner Figuren. Dabei beherrschte er die Kunst, die schmale Grenze zur Karikatur nicht zu überschreiten. Nur so stellte er sicher, dass seine Figuren so wunderbar menschlich blieben.

Ja, Herr Spoerl, es ist wahrhaftig ein Loblied auf die Schule:
…charmant, herzerwärmend und sooo lustig!


erschienen bei Droste / ISBN: 978-3770021383