[Rezension] Bernard Villiot – Mephisto/ mit Illustrationen von Antoine Guilloppé

Der Kater Mephisto lebt gezwungenermaßen als Einzelgänger in der großen Stadt. Aufgrund seines tiefschwarzen Fells und seiner als unheimlich wahrgenommenen Aura wird er sowohl von seinen Artgenossen wie auch von den Menschen nicht nur gemieden sondern auch immer wieder verjagt. Mephisto sehnt sich nach einem ruhigen Leben und hofft, dieses in der Abgeschiedenheit auf dem Land zu finden. Die Wochen ziehen voller Ruhe ins Land bis der Winter anbricht und Mephisto beschließt, wieder in die schützende Stadt zu wandern. Dort erlebt er eine Überraschung: Freudig wird er von den Menschen begrüßt! Seit seinem Weggang hat sich die Mäuse- und Ratten-Population immens erhöht, und die verwöhnten Hauskatzen waren nicht in der Lage, dieser Plage Herr zu werden. Nur ein versierter Jäger wie Mephisto kann Abhilfe schaffen…!

Tja, was nun? Ich suche nach den passenden Worten, aber kurz ausgedrückt kann ich sagen „Ich bin enttäuscht!“

Dabei haben mir die „Scherenschnitt“-Illustrationen von Antoine Guilloppé sehr gut gefallen: Sie wirken in ihrer Retro-Optik wie etwas aus der Zeit gefallen, verströmen trotz (oder: aufgrund?) dieser Schlichtheit sehr viel Atmosphäre und lösen beim Betrachter genau die Gefühle aus, die für die Handlung wichtig sind. So wirken sie mal bedrohlich, dann wieder witzig, um beim nächsten Bild sehr poetisch zu sein.

So liegt mein größter Kritikpunkt bei der Handlung. In den Texten meldet sich Mephisto als Ich-Erzähler zu Wort und charakterisieren mit ihren philosophisch anmutenden Zeilen recht gut das Wesen dieses einsamen und auch traumatisierten Katers. Doch ich habe immer auf eine besondere Wendung, auf eine positive Botschaft gewartet. Leider wurde ich enttäuscht: Findet Mephisto eine Heimat, und wird er akzeptiert oder gar um seiner selbst geliebt? Nein! – Das „Happy End“ interpretiere ich wie folgt: Er wird am Ende der Geschichte nur geduldet, weil er den Menschen von Nutzen ist, da die eigenen fetten und verwöhnten Hauskatzen außer Stande sind, seinen „Job“ zu erledigen. Es findet kein Umdenken statt – weder bei den Artgenossen noch bei den Menschen. Wenn dies wirklich die Intention des Autors war, dann empfinde ich es als eine äußerst fragwürdige Botschaft – zumal hier überdies die Flüchtlingsthematik angedeutet wurde.

Dieses Kinderbuch werde ich mir leider nicht gemeinsam mit dem besten Patenkind der Welt ansehen! Schade!


erschienen bei michael neugebauer edition/ ISBN: 978-3865663962

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] David Litchfield – An der Geige: Hugo, der Hund

Dass in mir eine Leidenschaft für das Theater und die Musik schlummert, die hin und wieder an die Oberfläche sprudelt, ist sicherlich schon dem einen oder der anderen Leser*in meiner Seite aufgefallen. Darum verwundert es auch nicht, dass bei diesem entzückenden Bilderbuch sofort meine Sinne geschärft waren.

In diesem Fall handelt es sich um die Fortsetzung David Litchfields erfolgreichen Bilderbuches „Der Bär am Klavier“, wobei es sich bei beiden Büchern um eigenständige Geschichten handeln, die auch unabhängig voneinander dem Betrachter Freude bereiten.

Hector ist Musiker, genauer: er spielt die Geige, hat es aber leider nie geschafft, die großen Konzerthallen zu füllen, sondern versucht sich mit seinem Hund Hugo mehr recht als schlecht als Straßenmusikus. Eines Tages ist er so deprimiert, dass er das Geigenspiel und somit die Musik „an den Nagel hängt“. Hugo kann dies nicht hinnehmen, übt heimlich Nacht für Nacht auf der Geige und überrascht seinen Freund eines Nachts mit seinem Können auf dem Instrument und seiner damit verbundenen Liebe zur Musik. Die Nachricht des Wunderhundes an der Violine verbreitet sich in Windeseile und bleibt auch dem berühmten Bären am Klavier nicht verborgen. Der lädt Hugo ein, als Stargeiger mit ihm und seiner Bären Big Band auf Tour zu gehen. Doch in Hector rührt sich die Eifersucht…!

David Litchfield ist eine entzückende Geschichte über Freundschaft und über die Liebe zur Musik gelungen. Seine Illustrationen verströmen – auch in Kombination mit dem Text – sehr viel Wärme und Herzlichkeit. Seine Bilder funkeln und strahlen: Dank dem bewussten Einsatz von Licht und Schatten leuchten die Farben besonders intensiv und fangen die ergreifende Stimmung der Geschichte sehr gelungen ein. Zudem arbeitete er detailliert mit Strukturen, lässt Stoffe und Tapeten ausgesprochen plastisch erscheinen und schafft harmonische Farbübergänge bzw. –verläufe,…

…und selbstverständlich endet diese kleine märchenhafte Geschichte mit einem bejahenden Happy End:

„Denn gute Freundschaft währt – wie gute Musik – ein Leben lang.“

Wer nach dem Betrachten dieser wunderbaren Illustrationen nun noch den Wunsch verspürt, eine ebenso wunderbar zarte Erzählung zu lesen, dem möchte ich gerne „Nurejews Hund“ von Elke Heidenreich wärmstens ans Herz legen.

erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3959390637

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Mia Cassany – Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind/ mit Illustrationen von Marcos Navarro

In diesem Fall habe ich einen absoluten Fachmann zu Rate gezogen, der dieses Buch auf „Herz und Nieren“ geprüft hat.

Das liebste Patenkind der Welt (3½ Jahre alt) ist ein Fan von Tierbüchern: Auf einem großen Bücherflohmarkt im letzten Jahr stand er (gefühlt) nur 3 Minuten bei den Kinderbüchern, um dann 15 Minuten in der Naturkundeabteilung konzentriert in einem Tieratlas zu blättern. Wer könnte somit besser über dieses Buch urteilen, wenn nicht er?

Sein Urteil war eindeutig: SEHR GUT!

Auf 16 doppelseitigen Farbtafeln zaubert Illustrator Marcos Navarro die Vielfalt und Farbenpracht der Flora und Fauna unserer Erde, und verzaubert mit seinen bezaubernden Bildern die Betrachter: Er zeigt die Tiere und Pflanzen kindgerecht aber ohne sie zu verniedlichen. Zusammen mit Texterin Mia Cassany, die zu den jeweiligen Lebensräumen kurze Beschreibungen beisteuert, umspannt er den Erdball in einem weiten Bogen, beginnend bei den Rainbow Falls auf Hawaii über den tropischen Regenwald von Honduras zum Nationalpark Kahuzi-Biéga im Kongo, um die Reise im Daintree Nationalpark in Australien zu beenden.

Seine Bilder sind wunderbar farbenfroh und harmonisch, dabei spannend anzuschauen und durchaus detailreich. So kann der Betrachter einem Wimmelbuch gleich sich auf die Suche der Tiere machen und Seite für Seite die Anzahl der jeweiligen Art sammeln. Die Lösungen gibt es am Ende dieses Bilder-Buches zusammen mit Kurzbeschreibungen ausgesuchter Tiere und den korrekten Namen aller Tiere. Um zu erfahren, wo sich welche Naturlandschaft findet, wurde diesem Buch eine Weltkarte vorangestellt.

So werden die Kinder spielerisch und phantasievoll für seltene Lebensräume und vom Aussterben bedrohte Tierarten sensibilisiert.

Hier ist ein außergewöhnliches Sach- und Wimmel-Buch entstanden, dass dem liebsten Patenkind der Welt und seinem Patenonkel gleichermaßen Spaß bereitete.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373843

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Leo Timmers – Ein Haus für Harry

Ohjemine! Das ist ja sooo entzückend…!

Kater Harry möchte gerne mit Schmetterling Vera spielen, war aber noch nie draußen. Trotzdem tollt er dem Schmetterling hinterher, verläuft sich und findet sein Haus nicht mehr wieder. Nun macht er sich auf die Suche, ein passendes Haus für sich zu finden. Dabei macht er die Erfahrung, dass es eine ganze Menge andersartige Häuser für die unterschiedlichsten Bewohner gibt. Zum Glück findet Harry Freunde, die ihm helfen zuerst Vera und dann den Weg nach Hause wieder zu finden.

Leo Timmers erschafft in Wort & Bild eine kleine, charmante Geschichte, die das Andersartig-Sein thematisiert ohne die pädagogische Keule aus dem Sack zu lassen. Seine cartoonhaften Illustrationen bereiten dem Betrachter eine Menge Freude, amüsieren auch in den Details (So gibt es an einer Litfaßsäule die Plakate von „Cats“ und „Madame Butterfly“ zu entdecken! 😍) und zaubern ein Lächeln auf die Lippen des Betrachters.

Ein amüsant-charmantes Bilderbuch für die Kleinen zum Vorlesen und gemeinsamen Betrachten…! 🐱

erschienen bei aracari/ ISBN: 978-3907114063

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Robert Louis Stevenson – Doktor Jekyll & Mister Hyde/ mit Illustrationen von Sébastien Mourrain

Mit Schaudern erzählt Mister Utterson die merkwürdigen Umstände eines gar außergewöhnlichen Falls: Sein langjähriger Freund, der kultivierte Dr. Henry Jekyll scheint unter dem seltsamen Einfluss eines gewissen Mister Hyde zu stehen. Mister Hyde repräsentiert das genaue Gegenteil von dem destingierten Arzt. Während Dr. Jekyll von einnehmendem Wesen und ansehnlicher Gestalt ist, wirkt Mister Hyde merkwürdig gedrungen in seinem Äußeren und strahlt eine animalische Brutalität aus. Was verbindet diese beiden grundverschiedenen Männer miteinander? Mister Utterson erinnert sich mit Grauen…!

Robert Louis Stevensons im Jahre 1886 veröffentlichte Geschichte um Doktor Jekyll & Mister Hyde hat seinen Weg schon in vielen Gestalten in die Öffentlichkeit gefunden, sei es filmisch oder als Hörspiel, als Schauspiel oder Musical, als Graphic Novel oder – wie in diesem vorliegendem Fall – als  Nacherzählung für junge Leser. Dabei wurde die Stimmung der Vorlage bewahrt: Das viktorianische London erscheint weiterhin düster und geheimnisvolle. Das mysteriöse Verhalten von Dr. Henry Jekyll gibt dem Leser Rätsel auf, und Mister Hydes schändliche Taten werden nicht verschwiegen aber für die jüngere Leserschaft entsprechend „bearbeitet“. Alles in allem ist Nils Aulike eine gelungene Übersetzung und kluge Kürzung des Original-Textes gelungen.

Hinzu kommen die atmosphärisch-dichten Illustrationen von Sébastien Mourrain, die – in schwarz-weiß gehalten – einen großen Anteil am Gelingen dieser Roman-Bearbeitung haben. Sehr sparsam, dafür umso überlegter setzt Mourrain die Farbe Gelb ein, um den Blick des Lesers/ Betrachters bewusst auf etwas zu fokussieren oder ihn auf kleine Details in der Zeichnung zu lenken.

Es fällt mir schwer, dieses Werk als Bilderbuch zu bezeichnen: Für mich ist es eher ein illustrierter Roman! Aber schlussendlich ist es auch völlig egal, wie wir es nennen. Fakt bleibt, dass hier eine gelungene Adaption dieses Klassikers entstanden ist!

erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3959390415

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Christophe Lylian (frei nach Brüder Grimm) – Schneewittchen/ mit Zeichnungen von Nathalie Vessillier

Hurra! – Meine erste Graphic Novel: Habe ich einen Grund zur Freude? Leider nur mit Einschränkung…!

Die Zeichnungen von Nathalie Vessillier sind wunderschön, betonen einerseits den märchenhaften Charme der Geschichte in ihrer Form- und Farb-Sprache, andererseits illustrieren sie auch die Brutalität, die diesem Märchen innewohnt.

Die Figuren sind bis in die Nebenrollen klar charakterisiert: Die 7 Zwerge sind optisch sehr unterschiedlich skizziert und weit davon entfernt „nur“ niedlich und putzig zu sein. Die böse Stiefmutter wirkt in ihrer krankhaften Egomanie einerseits äußerst bedrohlich und gleichzeitig faszinierend. Schneewittchen ist eher Kind und weniger Frau, wirkt dadurch sehr unbedarft und naiv, was als Erklärung dient, warum sie immer wieder das Opfer der Schandtaten der Stiefmutter wird. Hier bleibt diese Graphic Novel der märchenhaften Vorlage treu, indem sie die Frauenportraits in hell & dunkel, in schwarz & weiß, in gut & böse unterteilt. Dabei wird die Stiefmutter in ihrer Charakterisierung deutlich nuancierter dargestellt.

Die Textfassung von Christophe Lylian hat mich ein wenig irritiert, die versucht, durchaus poetisch zu erscheinen, dabei aber ein „Zuviel“ will: So klangen einige Ausdrücke für mich fehl am Platze und die Dialoge wenig flüssig (Ja! Da meldet sich der Vor-Leser in mir!). Im Vergleich zur den harmonischen Illustrationen erschien der Text in manchen Passagen eher holprig. Natürlich kann ich nicht nachvollziehen, ob dies am französischen Original lag oder der Übersetzung durch Swantje Baumgart geschuldet ist.

Aber eine Graphic Novel „lebt“ von den Zeichnungen: Da hat die Kunst von Nathalie Vessillier mich völlig überzeugt. Bei der Textfassung ist noch Luft nach oben!

Nettes Gimmick am Rande: Zwei der Zwerge wurden nach ihren geistigen Schöpfern benannt.

erschienen bei Splitter Verlag/ ISBN: 978-3962191429

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[Rezension] Ralf Butschkow – Wir gehen in die Buchhandlung

Sofie ist traurig! Sie hat sich so sehr auf ihr neues Regal gefreut, doch ihr Vater ist außerstande ihr diesen kleinen Wunsch zu erfüllen. Zu groß ist für ihn die Anstrengung und zu schwer scheint für ihn diese Aufgabe, ein Regal an der Wand zu befestigen. Sofie ist verzweifelt: Was kann sie nur tun, um sich aus dieser prekären Situation zu befreien? Nur in der Buchhandlung ihres Vertrauens „die schatulle“ findet sie ein offenes Ohr für ihre Nöte: Die Buchhändlerin Frau Gartmann weiß genau, was ihr fehlt – ein Buch! Es ist nicht irgendein Buch. – Nein! – Dieses Buch hilft Sophies Mutter sich aus der erdrückenden Dominanz ihres Versager-Ehemanns zu lösen und aus eigener Kraft das Regal an die Wand zu dübeln…!

Dem Autor ist hier ein Standard-Werk der Kinderliteratur gelungen: Schonungslos werden die Sorgen der heutigen Kindergeneration thematisiert – Themen wie Verlust,  Enttäuschung und Zukunftsängste. Zu alledem kommt eine sozialkritische Brisanz: Sophie erfährt, dass die Buchhändlerin ein Seniorenpflegeheim mit Büchern versorgt, um den dort von ihren Angehörigen abgeschobenen Senioren ein wenig Freude in ihren öden Alltag zu bringen. So lernen die Kinder schon früh zu erkennen, dass auf dieser Welt kein Platz ist für Phantastereien, unbekümmertes Spiel und kindlicher Freude. Für alle Zweifler gibt es bestimmt das passende Buch…!

Dieses Werk steht völlig zu Recht auf der SPIEGEL Bestseller-Liste und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Das Kultusministerium für Niedersachsen hat per Dekret angeordnet, dass dieses Werk nun Pflichtlektüre an allen Schulen wird.

Endlich ein Lichtblick im kinderliterarischen Einerlei…!!!

erschienen bei pixi (Carlsen)/ ISBN: 978-3551685759

Ich danke dem Verlag herzlich für das nicht zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Ihr Lieben! Die Buchhandlung meines Vertrauens hat nun ein eigenes pixi-Buch (Wie geil ist das denn?!), und ich konnte mir den kleinen Spaß nicht verkneifen, zu diesem entzückenden und gänzlich harmlosen Büchlein eine deprimierende Rezension zu verfassen. Wobei ich den Inhalt absolut wahrheitsgetreu wiedergegeben habe: Schließlich ist es ja alles nur eine Frage der Interpretation! Nicht wahr? 😉 Herzliche Grüße…!

[Rezension] Chiaki Okada & Ko Okada – Bist du der Frühling?

Seine großen Brüder können alle schon in die Äste der Bäume springen. Seine großen Brüder kennen auch alle schon den Frühling. Nur das jüngste Hasenkind hat den Frühling noch nie gesehen und würde es seinen Brüdern so gerne gleichtun. So schleicht er an einem frühen Morgen aus der Hütte, da er glaubt, die Schritte des Frühlings gehört zu haben…!

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Illustration: Chiaki Okada/ Text: Ko Okada

Mit zarten Strichen lässt Chiaki Okada in ihren detailreichen Illustrationen die winterliche Heimat des kleinen Hasen aufleben. Nur wenigen Farben bedarf es, um die Schönheit einer verschneiten Landschaft wiederzugeben. Mit dem gekonnten Einsatz von Schattierungen bringt sie den Schnee auf dem Waldboden zum Glänzen und die ersten Sonnenstrahlen auf den Ästen der Bäume zum Tanzen. Dabei sind ihre Bilder von einer einnehmenden Ästhetik und strahlen eine wohltuende Ruhe aus.

Unterstützung finden ihre Illustrationen in den wenigen Sätzen von Ko Okada, die sehr reduziert aber durchaus wohlüberlegt eingesetzt werden und in der Kombination mit den Bildern eine emotionale Tiefe schaffen.

Auf dem ersten Blick wirkt dieses Bilderbuch wenig spektakulär, wenig abwechslungsreich…! Seine Botschaft drängt sich nicht plakativ beim oberflächlichen Betrachten auf. Der Zauber erschließt sich erst im wiederholten Anschauen der Bilder, wenn der Blick über die Illustrationen der wunderbaren Winterlandschaft wandert und bei kleinen Details hängen bleibt.

Ohne den pädagogisch erhobenen Zeigefinger ist dem Künstlerpaar ein wahrlich entzückendes Bilderbuch gelungen, das sehr einfühlsam Themen wie „Großwerden“, „(Ab-)Warten können“, „Freundschaft“ und „Anders sein“ den Kleinen näher bringt!

Und ich kann die Ungeduld des kleinen Hasen sooo gut verstehen: So warte auch ich voller Sehnsucht auf den Frühling!

erschienen bei Moritz/ ISBN: 978-3895653728

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Sam Kalda – Von Männern und ihren Katzen: Die größten Katzenliebhaber der Geschichte

Es gibt Bücher, die braucht kein Mensch! Wobei ich das Verb „brauchen“ im Sinne von „existenziell nötig haben“ und „lebenserhaltend dringend benötigen“ sehen möchte:  Dies ist so ein Buch! Ohne dieses Buch ist mein Leben nicht gefährdet,…

…ohne Kartoffelchips mit Sauerrahm-Lauchzwiebel-Flavour ist mein Leben auch nicht gefährdet oder ohne den oberleckeren-süchtigmachenden Spaghetti-Salat meines Mannes…

…und trotzdem „brauche“ (!) ich es hin und wieder zum puren Genuss: So ist auch dieses Buch!

Der Illustrator und Grafiker Sam Kalda hat ein kurzweiliges und amüsantes kleines Büchlein über Männer und ihre Katzen geschaffen und spannt in seinen 30 Mini-Biografien einen geschichtlichen Bogen von König Howell der Gute über Mark Twain, Winston Churchill und T.S. Eliot (Na logisch!) zu Raymond Chandler und Ernest Hemingway, um in der jüngeren Vergangenheit bei Marlon Brando, Andy Warhol und Freddie Mercury zu landen. Dabei plaudert er äußerst unterhaltsam über die genannten Katzenliebhaber und versucht humorvoll, der Symbiose „Mann + Katze“ auf den Grund zu gehen und die Psyche dieser außergewöhnlichen Gattung von Mann zu entschlüsseln.

Zwischen den einzelnen Biografien kommen die Katzen-Männer persönlich in Zitaten über Katzen zu Wort:

„Ein Heim ohne Katze – und zwar eine wohlgenährte, gutgepflegte und ordentlich verwöhnte Katze – mag zwar auch vollkommen sein, doch wo ist der Beweis?“ Mark Twain

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Illustration: Sam Kalda

Zudem macht Kalda seinem Ruf als talentierter und erfolgreicher Grafiker alle Ehre, indem er nicht nur zu jeder Biografie ein passendes Portrait beisteuert, sondern das gesamte Erscheinungsbild dieses ansprechenden Büchleins seine Handschrift trägt.

Wobei ich doch einen kleinen Verbesserungsvorschlag anmerken möchte. Ich vermisste zwei Seiten „zur Selbstgestaltung“, um dort kreativ in Wort & Bild mir und meinem Kater „ein literarisches Denkmal“ zu setzten. Hach! Mit meinem Portrait in dieser illustren Runde hätte ich mich als Katzen-Mann vollends gewürdigt gefühlt! 😍

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458177449

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Das große Märchenbuch/ gesammelt von Christian Strich/ mit Illustrationen von Tatjana Hauptmann

Wie? – noch ein Märchenbuch? Ja! – unbedingt!

„Das große Märchenbuch“ vom schweizer Diogenes-Verlag darf sich mit Recht schon als Klassiker bezeichnen: Am 1. November 1987 erstmals erschienen, begeistert es seitdem die Großen ebenso wie die Kleinen.

Zu verdanken ist dies – neben einer illustren Sammlung der schönsten Märchen verschiedenster Autoren – den traumhaften Zeichnungen und Aquarellen von Tatjana Hauptmann!

Während die Märchenbücher aus dem Taschen-Verlag sehr modern – Ja! – beinah „hipp“ daherkommen und somit eher auf eine erwachsene Leserschaft schielen, erschafft hier nur eine einzige Illustratorin die fantasievolle Märchenwelt auch für die Jüngeren und animiert zum gemeinsamen Lesen und Betrachten.

Diese Künstlerin schafft es in ihrer unnachahmlichen Weise, die Essenz der Geschichten in ihren Werken wiederzugeben und die Atmosphäre des jeweiligen Märchens einzufangen. Dabei lohnt es sich, als Betrachter auch den Blick vom Zentrum des Bildes abzuwenden und auf die vielen, kleinen, liebevollen Details „am Rand“ zu richten,…

…und ich kann auch hier nur meinen Ruf vom 11. Dezember wiederholen:

traumhaft! – verführerisch! – phantasievoll! – unwiderstehlich!

erschienen bei Diogenes/ ISBN: 978-3257006858