MONTAGSFRAGE #135: Bevorzugst Du lieber Roman-Reihen oder eher in einem Band abgeschlossene Geschichten?

Ohje, ich fürchte, dies wird wieder eine von diesen „Sowohl-als-auch“-Antworten, bei der man (also: ich) dem Schwadronieren verfällt, und wo man (also wieder: ich) kein Ende findet. Na denn, auf geht’s…!

Ich liebe…
…Roman-Reihen: Was wäre ich ohne meine liebgewonnenen und verehrten Heldinnen und Helden, die sich – bei mir vornehmlich – in kriminalistischen Gefilden tummeln, mir Stunden der Zerstreuung schenkten und so über so manchen emotionalen Tiefpunkt hinweg halfen. Mein Leben wäre um einiges Ärmer, hätte ich nicht irgendwann die Bekanntschaft mit Hercule Poirot, Miss Marple, Kommissar Maigret, Flavia de Luce, Dr. Siri, Cormoran Strike und Nero Wolfe gemacht.

Ich liebe…
…in einem Band abgeschlossene Geschichten: Was wäre ich ohne meine liebgewonnenen und verehrten Heldinnen und Helden, die sich in ganz unterschiedlichen Ländern und sozialen Milieus tummeln, mir Stunden der Zerstreuung schenkten und so über so manchen emotionalen Tiefpunkt hinweg halfen. Mein Leben wäre um einiges Ärmer, hätte ich nicht irgendwann die Bekanntschaft mit Ruthchen, Alexander, Leo, Laila und Gertrud, Agathe und einem namenlosen Buchhändler gemacht.

Der Text kommt Euch irgendwie bekannt vor? Ist doch logisch: Formal betrachtet mache ich keine Unterschiede zwischen diesen beiden Extremen. Beide sind mir gleich lieb und teuer. Beide haben einen hohen Stellenwert in meinem Leser-Leben. Beide haben „für jetzt und immerdar“ einen Platz in meinem Bücherregal.

Während ich bei der Serie (wie könnte es auch anders sein) am Ende einer Geschichte der Fortsetzung entgegenfiebere, und es kaum abwarten kann, bis der nächste Bande erscheint, habe ich bei Einzel-Büchern noch nie den Wunsch nach einem Nachschlag verspürt. Schließlich ist der Plot dieser Romane ja auch so aufgebaut, dass er ein „mehr“ nicht benötigt: Alles wurde gesagt, und das ist gut so. Oder: Alles wurde nicht gesagt, vieles blieb unausgesprochen, wage, in der Schwebe, aber auch dieser Umstand „ist gut so“.

Besonders dieses kurze Hineinspringen in eine Geschichte übt für mich immer einen besonderen Reiz aus. Als vorübergehender Gast nehme ich für einen klar begrenzten Zeitraum Anteil am Leben meiner Protagonist*innen. Genauso plötzlich wie ich in eine Geschichte hineinpurzel, genauso plötzlich werde ich aus ihr wieder hinauskatapultiert. Dabei kann ein solch abrupter Abschied durchaus ein Wechselbad an Gefühle bei mir auslösen, mich in einer melancholischen Stimmung zurücklassen oder meine Sinne verwirren. Hach, wie schön, dass das Lesen von Büchern so etwas erreichen kann!

Bei den Serien fühle ich mich emotional auf der sicheren Seite: Ich kenne „meine“ Leute, kann sie einschätzen und weiß, was mich erwartet. Und doch können und dürfen Überraschungen mich gerne aus dem Konzept bringen und verdutzt aus der Wäsche gucken lassen. Doch die Rahmenbedingungen sind mir bekannt und versprechen Sicherheit. Dafür freue ich mich immer wieder auf ein Wiedersehen (Naja, eher Wieder-Lesen…!). Beinah ist es so, als würden alte Freunde wieder auf einen Besuch bei mir vorbei schauen, gute Laune verbreiten und mich erst wieder verlassen, wenn meine Seele ausreichend gestreichelt wurde. Und auch hier: Hach, wie schön, dass das Lesen von Büchern so etwas erreichen kann!

Uups, jetzt habe ich es ja doch gefunden: das…
ENDE

…Einzelkind oder einen ganzen Stall voller Geschwister? Was ist Euch lieber???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Robert Galbraith – Böses Blut: Ein Fall für Cormoran Strike

11. Oktober 1974: Margot Bamborough, eine erfolgreiche Ärztin, junge Mutter und Ehefrau, verschwand auf dem Weg zu einem Treffen mit ihrer Freundin spurlos. Der ermittelnde Inspector Bill Talbot versuchte einen Zusammenhang zu den brutalen Morden des damaligen Serienkillers Dennis Creed, dem s.g. „Essex Butcher“, herzustellen, verstrickte sich in seinen manischen Wahnvorstellungen zunehmend in abstrusen, astrologischen Theorien. Doch auch der nachfolgende Ermittler war eher darauf bedacht, diesen verzwickten Fall dem Serienkiller zuzuschreiben und so möglichst schnell „ad acta“ zu legen, als den widersprüchlichen Zeugenaussagen nachzugehen. 40 Jahre später bittet Margots Tochter das erfolgreiche Ermittler-Duo Cormoran Strike und Robin Ellacott das Verschwinden ihrer Mutter zu untersuchen. Sie gibt ihnen für die Nachforschung in diesem Cold Case ein Jahr Zeit, in der Hoffnung, dass die beiden Detektive ihr dann die langersehnten Antworten auf so viele Fragen liefern können. Doch in diesem einen Jahr kann so vieles passieren…!

Joanne K. Rowlings Erzählstil würde ich durchaus als „episch“ bezeichnen: Kleine Erzählungen mit einer überschaubaren Seitenzahl scheinen nicht ihr Ding zu sein. Wie schon zuvor bei der erfolgreichen Harry Potter-Serie kreiert sie auch als Robert Galbraith eine eigene, sehr detailreiche Welt rund um den hünenhaften Privat-Ermittler Cormoran Strike und seinem Team. Vielen Leserinnen und Lesern geht dies zu weit. Doch mir gefällt’s…!!!

Denn gerade dieser Detailreichtum sorgt bei mir für einen Wiedererkennungswert: Es scheint mir beinah, als träfe ich alte Bekannte, die mir wieder einen Blick in ihr Leben und Arbeiten gewähren. Dies schafft Anknüpfungspunkte an die handelnden Personen, beleuchtet die Hintergründe ihres Tuns und weckt sowohl Verständnis wie auch Unverständnis gegenüber ihrer Taten. Realistisch skizziert die Autorin den oftmals wenig glamourösen Arbeitsalltag der Privat-Detektive: das Wühlen in der Privatsphäre anderer Menschen, stundelange Observationen ohne nennenswerte Erkenntnisse, den Einfluss der Ermittlungsergebnisse auf das weitere Leben der Klienten…! Und auch die Arbeit an diesem Cold Case ist geprägt durch eine zeitintensive und zermürbende Recherche, dem Studium alter Fallakten und dem Aufspüren und Befragen früherer Zeugen, deren Wahrnehmung sich im Laufe der Jahre durchaus verändert haben könnte.

Dabei erlaubt Rowling ihren Held*innen an einander und am jeweiligen Fall zu wachsen und gibt ihnen somit die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung: Strike und Ellacott offenbaren sich gegenseitig vorsichtig ihre Gefühle zueinander und spüren gleichzeitig eine Angst, dass ihr fragiles Beziehungs-Konstrukt aus Freundschaft, geschäftlicher Partnerschaft und Zuneigung zerbrechen könnte. Aber auch die Nebenfiguren erhalten genügend Raum zur Profilierung. Und so entfaltet sich vor den Augen der Leser*innen ein buntes Kaleidoskop aus vielschichtigen Typen und ihren Schicksalen, das uns in die Tiefen menschlicher Obsessionen führt.

Auch in diesem Fall offenbart Rowling uns recht schnell die scheinbar unzähligen Teile dieses Puzzles: Alle Komponenten scheinen vorhanden, nur die Zusammenhänge liegen im Verborgenem, werden erst durch die akribische Arbeitet der Ermittler aufgedeckt und peu à peu miteinander verbunden. Am Ende fügen sich alle Puzzle-Teile, alle Details (und schienen sie noch so unwichtig) zu einem großen und überraschenden Ganzen zusammen.

Joanne K. Rowling (alias Robert Galbraith) bleibt sich und ihrem Erzähl-Stil treu und präsentiert ihre Geschichten weiterhin auf sehr hohem Niveau!

Lust auf weitere Meinungen? Dann empfehle ich Euch die Rezensionen meiner Blogger-Kolleginnen JANINA LEHMANN von „Frau Lehmann liest“ und Herba von „Unkraut vergeht nicht….oder doch?“.


erschienen bei Blanvalet/ ISBN: 978-3764507688

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #104: Was ist dein Lieblingsgenre und warum?

Da die MONTAGSFRAGE gestern später veröffentlicht wurde, und ich zu dem Zeitpunkt schon arbeiten musste, war es mir leider nicht mehr möglich, sie zu beantworten. Aber das hole ich heute umso lieber nach…!

Als ich die Frage las, dachte ich „Hm?! Hatten wir die Frage nicht schon einmal?“. Nein, hatten wir nicht! Es gab zwar durchaus die MONTAGSFRAGE #26: Gibt es ein Genre, das du gar nicht (gern) liest?, die eine Antwort nach dem Gegenteil liefert und sozusagen „die andere Seite der Medaille“ wiederspiegelt.

Regelmäßige Leser*innen meines Blogs werden es nie erraten, welches Genre von mir favorisiert wird: „Na? Na? Kommt Ihr drauf? Nee, da kommt Ihr nie drauf. Ich verrate es Euch: Es sind die Krimis!!!“ Und schon höre ich überall und allerorten die überraschten Ausrufe „Nein, da wären wir ja nie drauf gekommen!“

Okay, das wirkt nun nicht besonders originell oder interessant und zudem auch irgendwie langweilig: „Die Prosa der Renaissance des ausgehenden 16. Jahrhunderts“ klingt da schon intellektueller und macht beim gepflegten Smalltalk während einer Cocktail-Party auch mehr her. Aufgrund diesen Umstands könnte ich durchaus meine Minderwertigkeitskomplexe pflegen oder in Depressionen verfallen, wäre es mir nicht absolut schnuppe, was andere Menschen von meinem Lieblingsgenre halten! Ich liebe Kriminalromane!

Besonders liebe ich die klassischen oder nach klassischem Muster konstruierten Krimis. Da müssen zwangsläufig Namen wir Agatha Christie, Georges Simenon und Rex Stout fallen, die so prägnante Ermittler*innen erfunden haben, dass deren Charisma bis heute (und in alle Ewigkeiten) auf die Leser*innen wirkt.

Handwerklich versiert kreierten diese Meister*innen des Fachs abwechslungsreiche Handlungen mit überraschenden Entwicklungen, bieten überzeugende (manchmal durchaus kautzige) Charaktere und ausgefeilte Dialoge. Häufig steht die Psychologie der Tat im Vordergrund und weniger die vordergründige Effekthascherei wie in s.g. Splatter-Krimis. Zudem haben die Handlungen so wunderbar wenig mit meinem Alltag gemein (zum Glück!), stellen somit eine kleine Flucht aus eben demselben dar und lassen mich sowohl persönliche Sorgen und als auch globale Pandemien vergessen.

Neben den schon genannten klassischen Autor*innen gibt es einige zeitgenössische Schriftsteller*innen, die das Erbe der gediegenen Krimi-Unterhaltung weiterhin pflegen: Alan Bradley, Colin Cotterill, Robert Galbraith (alias Joanne K. Rowling), Alex Lépic (alias Alexander Oetker) und Stuart Turton. Besonders das Erstlingswerk von Turton stellte für mich im letzten Jahr die größte Überraschung dar, und ich erwarte schon äußerst gespannt seinen nächsten kriminalistischen Coup.

Selbstverständlich liegen schon so einige Romane der genannten Autor*innen parat, um mir die kommenden Feiertage zu verschönen. Denn zwischen dem Singen von „Stille Nacht“, dem Auspacken von Geschenken und dem Knabbern an Vanille-Kipferl ist immer noch ein Plätzchen frei für einen zünftigen Mord!

…und was ist Euer Lieblingsgenre?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Robert Galbraith – Weißer Tod: Ein Fall für Cormoran Strike

Ein eindeutig psychotischer junger Mann poltert plötzlich in das Büro von Privatdetektiv Cormoran Strike und schwafelt von einem Mord, den er als Kind beobachtet haben soll. Bevor Strike nähere Informationen erfahren kann, ist dieser junge Mann ebenso plötzlich wieder verschwunden. Doch diese kurze Episode lässt Strike nicht ruhen, zudem er vom Kulturminister höchst persönlich engagiert wird, belastende Fotos von einer Verfehlung aus seiner Vergangenheit aufzuspüren. Mit Hilfe seiner Assistentin Robin Ellacott – nun glücklich (?) verheiratete Cunliffe – nimmt er die Ermittlungen auf…!

Ebenso wie Joanne K. Rowling eine begnadete Märchen-Erzählerin ist, ist Robert Galbraith ein exzellenter Geschichten-Erzähler. Wie sollte er auch nicht: Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich hinter dem Pseudonym „Robert Galbraith“ niemand geringeres als Mrs. Rowling verbirgt. Wobei es durchaus verständlich ist, dass sie sich anfangs hinter Mr. Galbraith „versteckt“ hat. So sollten die Krimis ihre Fans ohne den „Harry Potter“-Bonus finden und nicht mit ihnen verglichen werden.

Es ist schier erstaunlich, wie bravourös sie den Genrewechsel meisterte: Stand bei „Harry Potter“ ganz die spektakuläre Zauberwelt mit seinen phantastischen Wesen im Mittelpunkt, schafft sie es bei „Cormoran Strike“ ein modernes „Whodunit“ mit überzeugenden Charakteren und einer glaubwürdigen Hintergrundgeschichte zu kreieren.

Nun liegt mit „Weisser Tod“ der 4. Fall mit dem hünenhaften Privatdetektiv Cormoran Strike und seiner Assistentin Robin Ellacott vor, der auf 860 Seiten eine Geschichte um Erpressung, Korruption und einem brutalen Mord im Schatten der Olympischen Spiele des Jahres 2012 aufblättert. Vielleicht bekommt nun der eine oder die andere Leser*in Schnappatmung aufgrund der hohen Seitenzahl: Viele Rezensenten bemängelten die Beschreibungen der Szenerie und die Dialoge als langatmig und langweilig – eine Meinung, die ich in keiner Weise teilen kann!

Joanne K. Rowling stellt jedem Kapitel ein Zitat aus dem Drama „Rosmersholm“ von Henrik Ibsen, das Themen wie Schuld, Manipulation, Inzest und Trauer behandelt, vorweg, sodass auf beinah genialer Weise der Inhalt des folgenden Kapitels illustriert wird. Ein intelligenter Schachzug…!

Rowling ist eine meisterhafte Autorin: Sie hat das Talent, – dank ihrer detailreichen Beschreibungen – realistische Welten vor meinem inneren Auge zu entwerfen. Ihre Charakterzeichnung der Protagonisten ist sehr präzise. Ihre Milieuschilderung zeugt von einer großen Beobachtungsgabe. Diese Zutaten sorgen in ihren Krimis für Atmosphäre und Authentizität, sodass ich zu keiner Zeit Langeweile verspürte.

Nur peu à peu entblättert sie die Handlung vor dem Leser, kann sich somit dessen Aufmerksamkeit sicher sein und hält die Spannung aufrecht. Dabei scheut sie sich nicht einen über mehrere Kapitel aufgebauten Handlungsbogen mit einem überraschenden Knall-Effekt wieder zu vernichten, nur um dann ihre Protagonisten gemeinsam mit dem Leser von vorne beginnen zu lassen.

Mrs. Rowling ist gemeinsam mit Mr. Galbraith wieder ein „Pageturner“ gelungen!


erschienen bei blanvalet/ ISBN: 978-3764506988

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!