[Rezension] Colin Cotterill – Dr. Siri und der verschwundene Mönch

Der Kommunismus ist nicht „die beste aller möglichen Welten“!

…diese Erfahrung musste Dr. Siri leider schon viel zu häufig machen. Gesunder Menschenverstand ist ihm Rahmen eines kommunistischen Regimes weder gefragt noch gern gesehen. So eckt er auch diesmal wieder empfindlich an. Aus der „illegalen Aufnahmeeinrichtung für ein kleines Heer von Obdachlosen“, wie er liebevoll das gemeinsame Heim von sich und seiner Frau Madame Daeng nennt, verschwindet ein Gast: Der bisher sehr sesshafte Wandermönch Noo ergreift überraschend die Flucht und hinterlässt nur eine kurze Nachricht, in der er Dr. Siri bittet, einem anderen Mönch bei der Flucht über den Mekong zu helfen. Dr. Siri wäre nicht Dr. Siri würde er nicht gerne diese Herausforderung annehmen. So begleitet er gemeinsam mit Frau und Hund diesen Mönch nach Thailand, um mit Entsetzen festzustellen, dass dort unter dem Deckmantel der Religion furchtbare Verbrechen begangen werden…!

Colin Cotterill ist bisher das Kunststück gelungen, mit „Dr. Siri“ eine Krimi-Reihe auf konstant hohem Niveau zu etablieren, ohne im Laufe der Jahre zu schwächeln, die Handlungen abzuflachen oder eine liebevolle Zeichnung der Figuren zu vernachlässigen. Dabei bleibt er seinem ironisch-witzigen Ton treu und erfreut mit spritzigen Dialogen und augenzwinkernden Seitenhiebe auf das politische System. Und so tummeln sich in dieser Handlung wieder eine wilde Mischung aus Kommunisten, Mönche, Mörder sowie weiteren Figuren rund um Glaube und Aberglaube.

Cotterill lässt die verschiedenen Handlungsstränge ebenbürtig nebeneinander laufen, nur um sie dann geschickt miteinander zu verknüpfen. Scheinbar Belangloses erhält später in der Handlung mehr Gewicht. Zudem schöpft er den Charme dieser Krimi-Reihe aus dem Reiz des exotischen Umfelds von Laos ebenso, wie aus den für westliche Augen skurril wirkenden Verhältnissen des Kommunismus der 70er Jahre.

Mit Dr. Siri wurde eine Persönlichkeit geschaffen, die über eine gehörige Portion an Lebenserfahrung in Kombination eines gehobenen Alters verfügt: Er muss sich keine Gedanken mehr über mögliche Konsequenzen seines Tuns machen. Schließlich unterstützt und schützt ihn der Geist eines alten und weisen Schamanen in seinem Handeln. Welches wirksame Druckmittel könnte die Regierung da gegen ihn in der Hand haben? Trotz eines starken Leading-Man kommen die anderen Charaktere nicht zu kurz und erhalten vom Autor erfreulicherweise ebenso die Möglichkeit der Weiterentwicklung.

So hoffe ich auf möglichst viele weitere unterhaltsame Fälle mit Dr. Siri und seinen Freunden aus dem Dies- und Jenseits.


erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442315239

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Colin Cotterill – Dr. Siri und die Tränen der Madame Daeng

Da ist er wieder: Dr. Siri Paiboun, der, anstatt seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen, als einziger Pathologe im kommunistischen Laos praktizieren MUSS – die Parteiführung lässt ihm keine andere Wahl.

So schlägt er sich nun wacker durch seinen 10. Fall: Diesmal beginnt der Ärger mit dem Erhalt eines anonymen Pakets in dem sich ein wunderbar-farbenfroher Rock befindet. Dr. Siri würde sich auch gerne über dieses Geschenk freuen, wäre da nicht im Kleidungssaum etwas nicht Alltägliches versteckt…

…doch auch dieses Geheimnis wir Dr. Siri – zusammen mit seinen Freunden – erfolgreich lösen.

Colin Cotterill hat mit Dr. Siri eine ungewöhnliche Figur geschaffen, die ironisch, eigenwillig und liebenswert die Grenzen des Genres sprengt. Neben Dr. Siri mit seinem lakonischen Witz und Scharfsinn kreiert er weitere pralle Figuren: Dtui ist eine intelligente, junge Frau, die als Sekretärin und Krankenschwester unterfordert ist und darum gerne selbst Leichenbeschauerin wäre. Geung, der Gehilfe mit Trisomie 21, sorgt dank seiner angeborenen Fähigkeiten für die nötige Struktur und Ordnung in der Pathologie, und Civilai, Dr. Siris Freund vom Parteibüro, lässt sich in den gemeinsamen Gesprächen mit ihm – für den Leser äußerst erheiternd – über die Freuden des Kommunismus aus.

Apropos Dialoge: Nicht selten wird ein Schmunzeln auf meine Lippen gezaubert bei diesem trockenen Sarkasmus und dem scharfzüngigen Humor.

Zudem wurden mir bisher selten Politik und Landeskunde so unterhaltsam mit den Mitteln eines Kriminalromans vermittelt. So erschienen mir, aufgewachsen in einer Demokratie, einige der beschriebenen Tugenden des Kommunismus äußerst skurril.

…intelligent konstruiert und äußerst unterhaltsam!


erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442314744