
Autor: Andreas Kück - .LESELUST
[Ballett] Irina & Marius Manole – SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE / Ballettschule Dance Art Bremerhaven
Musik von div. Komponisten / nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm
Ballettschule Dance Art Bremerhaven
Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus
Vor 15 Jahren gründeten Irina und Marius Manole die Ballettschule Dance Art in Bremerhaven. Seit 15 Jahren geben sie nicht nur ihr Wissen und ihre Freude am Tanz an ihre Schüler*innen weiter, vielmehr vermitteln sie – insbesondere an die Kinder und Jugendlichen – Werte, die diese auf dem Weg zum Erwachsenwerden in ihrer Persönlichkeit stärken: Selbstbewusstsein, Toleranz, ein friedliches Miteinander und die Erkenntnis, dass in der Gemeinschaft viel erreicht werden kann.
Anlässlich ihres Jubiläums gönnten die Beiden sich eine fulminante Inszenierung des bekannten Märchen-Klassiker, die an zwei Abenden im Stadttheater Bremerhaven präsentiert wurde. Wobei „gegönnt“ haben sie sich wahrlich nichts: Vielmehr steckten sehr viel Enthusiasmus und sicherlich noch mehr Arbeit in der Realisierung dieses Projekts. 40 unterschiedliche Tänze sollten choreografiert und 240 Tänzer*innen mussten koordiniert werden. Als ich dies erfuhr, brach selbst bei mir der Schweiß aus, und ich fragte mich verwundert, wie Irina und Marius in der überschaubaren Anzahl der handelnden Personen des Märchens diese vielen Menschen unterbringen würden. Sie fanden eine äußerst unterhaltsame Lösung…!
Bereits zu Beginn des Märchens, nachdem die Erzählerin die bekannten Worte „weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“ ausgesprochen hatte, wirbelte Alexandra Thiele als Schneekönigin umringt von vielen kleinen und großen Schneeflocken über das Parkett. Auch Schneewittchens Aufenthalt im Wald bot dem/der Choreograf*in reichlich Gelegenheit, Flora und Fauna tanzen zu lassen. Aparte Waldfeen schwirrten durch das Gehölz, quirlige Kolibris flatterten über die Bühne, graziöse Magnolien „erblühten“. Doch die Natur hatte mit tanzenden Erdbeeren, Schmetterlingen, Lavendel, Marienkäfern und Glühwürmchen noch sehr viel mehr zu bieten. Da hoppelten die Kleinsten als Häschen über das Parkett und wurden dabei von einem knuddeligen Mini-Wolf verfolgt, oder sie drehten sich als Fliegenpilze drollig um die eigene Achse. Dann brach plötzlich ein Rudel Rehe aus dem Unterholz, um für humorige Verwirrung zu sorgen. Es war absolut erstaunlich, wieviel Trubel in so einem Wald herrschen kann. Dagegen geht es während der Rush Hour auf der nahen Columbusstraße eher gemütlich zu.
Doch selbstverständlich wurde auch am Hofe reichlich das Tanzbein geschwungen, sei es von den Debütantinnen beim Walzer oder auch von Schneewittchens loyalen Freundinnen. Drei Choreografien stachen aus der Fülle der Tänze, die eher am klassischen Ballett orientiert waren, heraus und boten so interessante Kontrapunkte. Beim so genannten Charaktertanz mit seinen Anleihen beim Flamenco zeigten die erwachsenen Schülerinnen der Ballettschule nachdrücklich, dass die Freude am Tanz nicht nur den Jüngeren vorbehalten ist. Aus einer Mischung aus Streetdance und Contemporary schuf Tanzlehrerin Nicole Llauradó Neve die effektvollen Choreografien sowohl für die Wölfe wie auch für die Hexen. Hier sorgte die stimmige Musik in Kombination mit dem ausdrucksstarken Tanz dafür, dass sich eine prickelnde Gänsehaut über meinem Körper ausbreitete.
Apropos Musik: Irina und Marius Manole hatten bei ihrer Auswahl ein sehr glückliches Händchen. Sie fanden adäquate Musikstücke, die sowohl für eine stimmige Atmosphäre sorgten sowie den Charakter der jeweiligen Szene besonders hervorhoben. Positiv abgerundet wurden die einzelnen Szenen durch einige wenige Requisiten in Kombination mit passenden Hintergrundprojektionen. Doch auch die vielen phantasievollen und detailreichen Kostüme boten ein Feuerwerk aus Tüll, Lichtern und Farben.
Schauspielerin und Theaterpädagogin Kathrin Busch fungierte als charmante Erzählerin, überzeugte mit markanter Stimme und ebensolchem Spiel und sorgte für den erklärenden Rahmen bei den vielen Tanznummern. So konnten auch die Jüngsten im Publikum der Handlung ohne Probleme folgen.
Miriam Manole entzückte in der Titelpartie mit tänzerischem Können voller Grazie und Anmut. Dabei zeigte sie in ihrem bedachten Agieren mit den Kleinen und Kleinsten auf der Bühne pädagogisches Einfühlungsvermögen, indem sie mal dort leitend eingriff, mal hier sanft die Richtung wies. Dafür irritierte mich der Auftritt von Mats Tietjen als Prinz. Zugegeben: Die Rolle tauchte erst am Ende des Märchens auf und bot somit nur wenige Möglichkeiten, um zu brillieren. Vielleicht um dieses „Manko“ auszugleichen, grinste er penetrant ins Publikum und wirkte dadurch auf mich recht selbstverliebt. Da hätte ich Schneewittchen einen deutlich kernigeren Prinzen gewünscht. Ein Attribut, das ich Tobias Bruns als Schneewittchens Vater vorbehaltlos zusprechen konnte: Er gab einen äußerst stattlichen König und schaffte es so auch neben der prägnanten Stiefmutter von Mia Barnkow zu bestehen. Mia Barnkow meisterte ihre Solis bravourös und gestaltete ihren Part mit einer Zurückhaltung zwischen „geheimnisvoll“ und „gefährlich“. Ihrem Tanz mit dem „fleischgewordenen“ Spiegel von Gesa Wübben fehlte nicht an Dramatik. Die sieben Zwerge wurden von Thomas Brannemann, Charlotte Eufinger, Vivien Radeck, Mina Dammeyer, Sophie Flindt, Marta Sengewein und Elise Yuuka Shiga verkörpert und erstaunten (und erfreuten) mich mit ihrem wunderbaren Zusammenspiel. Wie kleine Kobolde tobten sie voller Energie über die Bühne, sorgten so für manche Lacher im Publikum und boten somit beste Unterhaltung.
Irina und Marius Manole haben gemeinsam mit ihrem Team das bemerkenswerte Kunststück vollbracht, Menschen unterschiedlichen Alters, die zudem auf verschiedenen Ausbildungslevels sind, in einer Show harmonisch miteinander zu vereinen. Auf dieser bewundernswerten Leistung dürfen alle Beteiligten zu Recht stolz sein. Standing Ovation und ein frenetischer Applaus waren der Lohn für einen wahrlich märchenhaften Abend.
Hier gibt es ganz und gar wundervolle IMPRESSIONEN von den Proben! Zur Homepage der Ballettschule Dance Art geht es in dieser RICHTUNG, oder ihr schaut mal auf INSTAGRAM vorbei.
[Rezension] Janice Hallett – DIE ENGEL VON ALPERTON. Der Teufel steckt im Detail
Autorin Janice Hallett kultivierte bei diesem Roman weiterhin ihren besonderen Stil beim Aufbau einer Geschichten, indem sie uns abermals – nach DIE AUFFÜHRUNG – aus der Fülle an modernen Kommunikationsmöglichkeiten eine bunten Strauß an Informationen band und uns diesen zur Begutachtung vorlegte. Da gab es viel zu entdecken und noch mehr zu beachten: Ausdrucke von E-Mails und Text-Nachrichten, Zeitungsausschnitte, Auszüge aus unveröffentlichten Romanen und Drehbüchern sowie Gesprächsprotokolle. Wie schnell könnte da ein wichtiges Detail überlesen werden? Denn – so sagte es schon der Untertitel – der Teufel steckte wahrlich im Detail, und gerade diese immense Menge an Details sorgte dafür, dass diese Geschichte so undurchschaubar erschien…
Die TrueCrimeAutorin Amanda Bailey weiß alles über den berüchtigten Fall der Engel von Alperton. Zahlreiche Bücher und Verfilmungen berichteten von der fanatischen Sekte, seit ihre Mitglieder vor achtzehn Jahren versuchten, ein Baby zu opfern, das sie für den Antichrist hielten. Mittlerweile scheint daher alles erzählt zu sein doch nun ist das „AlpertonBaby“ volljährig und könnte endlich interviewt werden. Amanda wittert ihre Chance auf einen echten Coup. Doch während sie immer tiefer in die Recherchen eintaucht, wird klar, dass in diesem Fall nichts ist, wie es scheint. Und dass die Geschichte der Engel von Alperton noch lange nicht vorbei ist.
(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)
Auch diesmal kann ich der Autorin nicht vorwerfen, dass sie mir mit dieser Lektüre keine spannenden Lese-Stunden geschenkt hätte. Es ist wahrlich erstaunlich, mit welcher Raffinesse sie mich mit jeder weiteren Mail, mit jedem weiteren Interview, mit jedem weiteren Protokoll in Richtung Wahrheit (Was ist schon Wahrheit?) lotste. Da las ich einen Auszug, der scheinbar aus einem Drehbuch stammte, fragte mich währen der Lektüre „Was soll das?“, bis dann langsam die Erkenntnis tröpfchenweise in mein Gehirn einsickerte und mich mit einem Aha-Effekt überrumpelte.
Ebenso erstaunlich war es für mich, dass sie es innerhalb des starren Korsetts der modernen Kommunikationsmöglichkeiten trotzdem schaffte, eine geheimnisvolle, beinah schon beängstigende Atmosphäre zu kreieren. Dabei traten die signifikanten Charaktereigenschaften der handelnden Personen deutlich hervor und ermöglichten es mir so, eine genaue Vorstellung der Figuren zu erhalten.
Das Ende der Geschichte überraschte durchaus, ließ mich allerdings auch sehr zwiespältig zurück. Da gab es zu viele dubiose Zufälle, zu viele nicht nachvollziehbare Wendungen. Beinah schien es mir, als müssten nun zwangsläufig für alle offenen Fragen die passenden Antworten gefunden werden – auch wenn dabei knapp an der Logik vorbeigeschrammt wurde.
Janice Hallett ist eine äußerst talentierte Autorin – das steht außer Frage. Doch leider verspüre ich nun, nachdem ich ihren dritten Roman gelesen habe, eine gewisse Sättigung in Bezug ihres Stils. Da würde ich mir wünschen, von ihr auch einmal einen Roman „im klassisch literarischen Sinne“ lesen zu dürfen. Wer weiß, vielleicht würde sie mich damit aufs Neue in Erstaunen versetzen.
erschienen bei Atrium / ISBN: 978-3855351978 / in der Übersetzung von Stefanie Kremer
ICH DANKE DER PRESSEAGENTUR POLITYCKI & PARTNER HERZLICH FÜR DAS ZUR VERFÜGUNG GESTELLTE LESEEXEMPLAR!
[Rezension] Georges Simenon – DER MÖRDER (Hörspiel)
Normalerweise bespreche ich eine Box mit Kriminalhörspiele komplett, nachdem ich mir CD für CD, Hörspiel für Hörspiel angehört habe. Da picke ich mir nicht nur ein einzelnes Hörspiel heraus und lasse die anderen Hörspiele ungehört links liegen. Normalerweise…! In diesem Fall bin ich ganz bewusst von dieser hehren Absicht abgewichen. Ich war auf der Suche nach Non-Maigret-Hörspiele und stolperte irgendwann über diese WDR PRIME CRIME-Hörspielbox mit 6 CDs – längst vergriffen und nur noch antiquarisch auf den bekannten Portalen äußerst günstig käuflich zu erwerben. Da griff ich zu.
Die Zusammenstellung der Box wirkte etwas kurios auf mich: Inmitten der anderen Autoren, die alle aus Deutschland stammten, nimmt hier Georges Simenon eine Sonderstellung ein. Er ist der Paradiesvogel, der mit der Bekanntheit seines Namens internationales Flair versprüht und somit vielleicht auch einen Kaufanreiz bei der potenziellen Kundschaft setzen sollte. Bei mir hatte diese Taktik bestens funktioniert.
Der Roman DER MÖRDER, das literarische Original zu diesem Hörspiel, hatte mir sehr gefallen. Insbesondere die Veränderungen, die der Täter wie auch sein soziales Umfeld durchlaufen, wurden von Georges Simenon anschaulich beschrieben. Der Autor erschuf eine bedrückende Atmosphäre und sorgte so für eine fesselnde Lektüre. Würde die Hörspiel-Adaption eben jene Atmosphäre ebenso wiedergeben können?
Hans Kuperus ist ein angesehener Arzt in einem niederländischen Städtchen. Was er nicht weiß, ist, dass seine Ehefrau Alice ihn betrügt, wenn er einmal wöchentlich nach Amsterdam fährt oder nachts wegen medizinischer Notfälle das gemeinsame Bett verlässt. Eines Tages erhält Kuperus einen anonymen Brief, in dem ihm davon berichtet wird. Er beschließt Alice und ihren Liebhaber, den stadtbekannten Schürzenjäger Graf de Schutter, zu ermorden. An einem Dienstag, wenn Kuperus sich normalerweise mit seinen Medizinkollegen trifft, lauert er den beiden auf, erschießt sie und versenkt die Leichen im Kanal, der anschließend zufriert. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, meldet Kuperus seine Frau als vermisst, während er gleichzeitig, in sehr reueloser Manier, versucht die Position der getöteten Ehefrau Alice durch das Dienstmädchen Neel zu ersetzen. Als das Eis zu tauen beginnt, kann Kuperus sich eines Verdachts nicht mehr erwehren.
(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)
1 CD/ DER MÖRDER von Georges Simenon (1999)/ Hörspielbearbeitung & Regie: Walter Adler/ Übersetzung: Lothar Baier/ technische Realisierung: Thomas P. Sehringer & Matthias Fischenich/ mit Gerhard Garbers, Martin Reinke, Christiane von Poelnitz, Jele Brückner, Matthias Fuchs, Ernst August Schepmann, Susanne Barth, Hermann Lause, Herbert Schäfer, Pierre Siegenthaler u.a.
Nach ca. 50 Minuten war der „Spaß“ dann auch schon wieder vorbei. Der CD-Player war verstummt. Ich saß vor mich hin sinnierend in meinem Sessel und war mit dem, was ich gerade gehört hatte, irgendwie unzufrieden. Alle wohlwollenden Gründe zugunsten der Adaption hatte ich bereits in die Waagschale geworfen, und doch senkte sich die Negativ-Schale nur allzu deutlich. Doch was war es, das mich so unzufrieden sein ließ? Antwort: Die atmosphärische Dichte des Originals ging beim Hörspiel ebenso verloren, wie auch die psychologische Komponente außer Acht gelassen wurde.
Vielmehr erschien es mir wie ein „aufgehübschtes“ Hörbuch: Gerhard Garbers fiel als Erzähler der Hauptpart zu. Die restlichen Sprecher*innen sowie Musik und Geräusche wirkten eher wie Gimmicks, die eingefügt wurden, um die Aufnahme etwas aufzulockern. Somit hatten die Sprecher*innen auch kaum Möglichkeiten, um ein interessantes Rollenprofil zu erschaffen und so nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen.
Walter Adler bemühte sich in seiner Bearbeitung um einen ruhigen Erzählton, konnte aber die ambivalenten Gefühle, die sich bei den Protagonist*innen hinter der biederen Fassade der Gutbürgerlichkeit versteckten, nicht glaubhaft vermitteln. Auch ließ er oftmals eine Szene nahtlos an die vorherige Szene anknüpfen und sorgte bei mir für Verwirrung beim Zuhören, da ich (scheinbar) unwillkürlich auftauchende Stimmen nicht sofort zuordnen konnte. Erst nach einige Sekunden war ich wieder soweit orientiert, um mich dann in die Handlung wieder einzufinden. Hätte ich den Roman vorher nicht bereits gelesen, wäre mir dies deutlich schwerer gefallen.
So wirkte diese Hörspiel-Adaption eines Georges Simenon-Klassiker bedauerlicherweise sehr blutarm auf mich.
erschienen bei Random House Audio / ISBN: 978-3898302838
ebenfalls erschienen als Download bei DAV / ISBN: 978-3862316649 / als Teil der Hörspielbox Maigret & Co. Meisterhafte Fälle
APHO·RI·SI·A·KUM…

[Konzert] Pe Werner – VITAMIN PE. DAS PLAUSCHKONZERT / TiF Bremerhaven
TiF – Theater im Fischereihafen Bremerhaven
PE-geisternd – PE-eindruckend – PE Werner
Ach, was soll ich hier großartig schreiben: Eigentlich war es wie immer! Lest einfach meinen Beitrag zu BEST OF: VON A NACH PE, und ihr wisst Bescheid.
So, fertig, Schluss und Ende…!
Nein, natürlich ist dieser Beitrag hier noch lange nicht zu Ende. Es wäre absolut respektlos den Künstler*innen gegenüber und würde dem wunderschönen Abend, der uns geschenkt wurde, nicht gerecht werden.
Mit VITAMIN PE hat Pe Werner erstmals Songs zuerst auf CD und Vinyl gebrannt und dann zum Konzert vereint, die sie ursprünglich für andere Künstler*innen komponiert und getextet hatte. Dabei sieht sie sich ganz pragmatisch als Dienstleisterin für die besagten Künstler*innen, wie sie frei von der Leber weg ausplaudert. Da ist für Eitelkeiten kein Platz, schließlich soll sich der Song möglichst so sehr an die jeweilige Persönlichkeit anschmiegen, dass bestenfalls der Eindruck entsteht, er wurde eigenhändig von dieser komponiert.
So legte sie Katja Ebstein schon die ROSEN UNTERM SCHNEE ins talentierte Goldkehlchen und brachte Bernd Stelter die Erkenntnis LIEBE GEHT BEKANNTLICH DURCH DEN MAGEN. Auch Barbara Schöneberger ließ sie philosophieren WAS EIN MANN TUN MUSS, gab Stefan Gwildis den Rat WER LOS LÄSST, HAT DIE HÄNDE FREI, und das Duo Marshall & Alexander beklagte den LEIHERKASTENMANN. Ihrer Freundin Mary Roos kreierte sie nicht nur das kesse UNBEMANNT, sondern sie führte auch die Feder bei deren Biografie AUFRECHT GEH’N. MEIN LIEDERLICHES LEBEN.
Sogar für den Eurovision Song Contest war sie schon kreativ: Für Caroline Fortenbacher schuf sie die wunderbar poetische Ballade HINTERM OZEAN, mit der sie 2008 im ESC-Vorentscheid mit nur einem Prozent (!) hinter dem (so offensichtlich auf ESC gepimpten) Song der No Angels zurücklag. Im Finale des ESCs teilten sich die „Engel“ dann den letzten Platz mit den punktgleichen Schlusslichtern Polen und England.
Und natürlich brachte sie uns an diesem Abend all diese tollen Lieder zu Gehör. Doch sie wäre nicht die Werner, hätte sie ihre eigenen Songs einfach nur gecovert. Nein, jeden Song hüllte sie in ein individuelles Arrangement und ließ ihn so in anderen Farben erstrahlen. Da feilte sie gekonnt an der Orchestrierung und veränderte das Tempi, bis die Komposition absolut PE-glückend war.
An ihrer Seite saß wieder Peter Grabinger am Klavier, das er so virtuos zu spielen verstand, und auch Ton-Mann Pit Lenz musste abermals das Dunkel seines Mischpults verlassen, um sowohl vokal wie auch „mundharmonikalisch“ im Rampenlicht zu glänzen. Pe Werner griff sogar höchstpersönlich zur Klampfe und zupfte gekonnt die Saiten ihrer Gitarre.
Wie es sich für ein Plauschkonzert gehörte, plauderte sie charmant aus dem Nähkästchen und verriet uns das eine oder andere Anekdötchen. So erfuhren wir, warum sie sich mit dem Wunsch Annett Louisans nach einer Textänderung (eigentlich war es nur eine einzige Zeile) nicht anfreunden konnte, und besagter Song somit nicht von Annett eingesungen wurde. Für Mireille Mathieu hatte sie hingegen gerne Änderungen vorgenommen: Dank dieser Änderungen konnte die Französin Mireille Mathieu den deutschen Text deutlich flüssiger singen. Auch Barbara Schöneberger war nicht von allen ihren musikalischen Ergüssen gleichermaßen entzückt. Doch dies stellte für Pe Werner kein Problem dar: Dann landete die Komposition eben vorerst in der heimischen Schublade, bis sie bei passender Gelegenheit ihr eigenes Kröpflein zum Schwingen brachte.
In diesem Konzert gesellten sich zu den genannten Songs nahtlos ihre eigenen Hits und verbanden sich zu einer harmonischen Einheit. Da streute sie voller Melancholie NE PRISE ZIMT in unseren Coffee-to-go, schickte sehnsuchtsvoll den SEGLER AUS PAPIER auf Reise und sorgte mit KRIBBELN IM BAUCH, dass die Tränen über meine Wangen rannen.
Es war nicht einer dieser Abende mit einem, zwei oder drei Highlights: Oh nein, der komplette Abend war ein einziges grandioses Highlight! Es war wieder so schön! 💖
Es wird weiterhin geplauscht! Pe Werner und ihre Mannen sind mit VITAMIN PE. DAS PLAUSCHKONZERT immer noch fleißig auf Tour.
WELTTAG des BUCHES 2025…
HURRA! Heute feiern wir das Medium, ohne dessen Existenz wir als Buch-Blogger*innen keine Daseinsberechtigung hätten. Okay, vielleicht wäre es dann sinniger, die Geburtsstunde des modernen Buchdrucks durch Johannes Gutenberg zu feiern. Da hierfür allerdings kein genaues Datum überliefert wurde, müssen wir eben die Feste feiern, wie sie fallen – getreu dem Motto: Besser als nix! 😉
Der WELTTAG DES BUCHES geht auf einen Beschluss der 28. Generalkonferenz der Weltkulturorganisation UNESCO zurück und wurde erstmals im Jahre 1995 gefeiert. Der Tag soll auf die unverzichtbare Rolle des Buches in der Informationsgesellschaft sowie auf die Rechte der Autoren hinweisen. Der 23. April wurde gewählt, weil es sowohl der Todestag von William Shakespeare als auch des spanischen Dichters Cervantes ist.
Und selbstverständlich werde ich mich auch in diesem Jahr an der wunderbaren Aktion ICH SCHENKE DIR EIN BUCH! beteiligen: Abermals stehen zehn Bücher in den Startboxen bereit und warten ungeduldig auf ihre Auswilderung. Dazu habe ich die lieben Kleinen natürlich sicher verpackt und mit einem entsprechenden Etikett versehen.
ALSO: Alle, die heute im Stadtgebiet von Osterholz-Scharmbeck unterwegs sind, sollten die Augen offen halten. Vielleicht läuft Euch ja so ein herr*innen-loses Buch vor die Füße. Dann breitet bitte voller Herzlichkeit Eure Arme aus und schenkt ihm ein neues Heim. Es wird es Euch mit Stunden voller Unterhaltung und Inspiration mannigfach lohnen. 😄
[Kolumne] 7 WOCHEN ANDERS LEBEN: …fasten, wem fasten gegeben!
Anscheinend steht dieses Jahr bei mir ganz im Zeichen des Aufbruchs…!
Nachdem im letzten Jahr meine Gesundheit – insbesondere mein Rücken – nicht unbedingt einen verlässlich stabilen Eindruck hinterlassen hatte, musste ich sowohl zähneknirschend wie auch schmerzhaft registrieren, dass die Zeit für Veränderung reif zu sein schien. Doch dies hinderte mich nicht, anfangs ein (vielleicht) typisch männliches Verhaltensmuster an den Tag zu legen:
„Wenn nichts mehr weh tut,
kann es so schlimm ja nicht gewesen sein!“
Anfang des Jahres brachten sich dann die Rückenschmerzen in einer gemilderten Variation bei mir wieder in Erinnerung und veranlassten mich, mich bei einem Rücken-Präventionskurs anzumelden, der allerdings erst im März beginnen sollte. Mit dem guten Gewissen, die richtigen Maßnahmen gewählt und somit den korrekten Weg eingeschlagen zu haben, machte ich fröhlich weiter wie bisher. Die Quittung erhielt ich prompt im Februar, als die Hexe mir beim Einräumen der Spülmaschine so derbe in den Rücken schoss, dass ich kaum fähig war, meinen Körper wieder in die Senkrechte zu befördern. Über vier Wochen erarbeitete ich mir wieder ein (halbwegs) schmerzfreies Leben. Seitdem mache ich an (beinah) jedem Morgen meinen kleinen Spaziergang durch unseren schönen Stadtwald, unterdrücke dabei sehr bewusst den Impuls in das von mir gewohnte Schritt-Tempo zu verfallen. Vielmehr habe ich mir einen eher schlendernden Gang angewöhnt, der meine von der Nacht noch steife Wirbelsäule sanft in Bewegung bringt. Auch der Präventionskurs hat nun begonnen: Nach der ersten Stunde gezielter Bewegung war ich bis auf die „Unnerbüx“ nassgeschwitzt und taumelte erschöpft aber zufrieden zum Auto.
Und auch die größte Baustelle muss/wird von mir in Angriff genommen: 150 kg Lebendgewicht schränken nicht nur das körperliche Wohlbefinden ein, sondern sie nehmen auch massiv Einfluss auf die Funktionalität der Gelenke und („Ach was?“) des Rückens. Doch alles zu seiner Zeit, und eins nach dem anderen: Schließlich haben sich besagte Probleme nicht von einem Tag auf den anderen entwickelt. Vielmehr war es ein schleichender Prozess, den ich durchaus viel früher hätte unterbrechen können aber es leider – aus vielfältigen Gründen – nicht getan habe. Somit rechne ich durchaus damit, dass ich meine Zeit brauche, bis ich hier sicht- und spürbare Erfolge erzielen werde.
Aber auch an einer anderen Front sah ich durchaus deutlichen Handlungsbedarf. So hatte ich mich entschlossen, in diesem Jahr zu fasten: Die Fastenzeit begann am 5. März und endete am 20. April. Fasten bedeutet für mich, auf etwas zu verzichten, das einen hohen Stellenwert in meinem Leben einnimmt und von dem ich bisher meinte, nie darauf verzichten zu können. Doch genau dies wollte ich gerne versuchen und mich während dem o.g. Zeitraum dem Internet entziehen. „Warum?“ werdet ihr vielleicht fragen. Aufgrund dessen, dass ich so viel Zeit am PC und somit im Internet verbrachte, um meine Accounts mit Inhalt zu füttern, bekam ich andere Dinge („Wie drücke ich es mal treffend aus?“) einfach nicht geschissen.
Doch da ich mich und mein wankelmütiges Durchhaltevermögen kannte, war mir bewusst, dass ich einen Anreiz/einen Impuls benötigte. Zu meiner Unterstützung nahm ich diesmal wieder an der Fasten-Aktion „7 Wochen anders leben!“ von ANDERE ZEITEN e.V. teil. ANDERE ZEITEN e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der mit seinen Initiativen die Zeiten und Feste des Kirchenjahres mehr ins Bewusstsein rücken möchte. Dabei sind sie äußerst kreativ, doch nie dogmatisch. Sämtliche Überschüsse werden als Spenden an kirchliche und kirchennahe Projekte ausgeschüttet. Bei der Fasten-Aktion „7 Wochen anders leben!“ erhielt ich (neben einer Broschüre zur Einstimmung) Woche für Woche einen Brief zugeschickt, der mich mit Geschichten und Cartoons motivieren und mit Denkanstöße und Zitate inspirieren sollte.
Meine Accounts legten in dieser Zeit eine Pause ein, und meine Aktivitäten sollten sich höchstens auf das Beantworten persönlicher Nachrichten beschränken. Ansonsten wollte ich mich den Versuchungen des Internets bewusst entziehen, das ja auch einen großen Zeitfresser darstellt. Obwohl diese Entscheidung mich beinah euphorisierte, keimte auch Unsicherheit in mir auf. Sollte ich mich wirklich so radikal – wenn auch nur für einen klar umrissenen Zeitraum – aus der Bubble zurückziehen? Besteht nicht die Gefahr, dass ich aufgrund dieser Passivität Follower verliere? Habe ich nicht eine Verantwortung gegenüber meinen Followern? Doch habe ich nicht eine viel größere Verantwortung mir selbst gegenüber?
Natürlich hätte ich auch ohne diese Fasten-Aktion – zumindest theoretisch – meine Internet-Präsenz reduzieren können, doch irgendwie fühlte ich mich durch die Teilnahme an dieser Aktion, als hätte ich mir selbst die Absolution erteilt und somit die Erlaubnis zum Internet-Detox erhalten.
WOCHE 1 + 2
Die Euphorie des Neubeginns trug mich durch die ersten beiden Wochen. Ich genoss die neue Freiheit, die mir die gewonnene Zeit bot, und war aktiv wie schon lange nicht mehr. So wurden u.a. die Regale im Arbeitszimmer aufgeräumt, Sträucher im Garten beschnitten, der Stapel mit Unterlagen aus mehreren Epochen sortiert und archiviert, und ich las gefühlt nahtlos 3 Bücher hintereinander weg. Es war großartig!
WOCHE 3
Ich ertappte mich dabei, wie ich – nachdem die persönlichen Nachrichten gecheckt waren – bei den Accounts meiner Blogger-Kolleg*innen hängen blieb, um mal hier, mal dort etwas zu lesen. Doch spätestens, wenn ich erstmals und wie selbstverständlich auf LIKE klicken wollte, meldete sich das schlechte Gewissen bei mir, und ich trennte mich – schweren Herzens – von der Tastatur, nur um wenig später wieder – wie ein Süchtiger um seinen Dealer – um den Computer herumzuschleichen. „Vielleicht ist in den letzten 30 Minuten eine persönliche Nachricht für mich angekommen, die dringend beantwortet werden muss?“ Nein, das war nicht der Fall, und somit schlich ich mit gesenktem Haupt wieder aus dem Zimmer.
WOCHE 4
Ich war absolut tiefenentspannt im hier und jetzt: Da ich von Vornherein diesen Block bei der Fasten-Aktion ausgespart hatte, nutze ich den wiedergewonnenen Elan und schrieb fleißig Rezensionen zu den in den vergangenen Wochen gelesenen Büchern sowie Berichte über Theater- und Event-Besuche. Ich genoss es regelrecht, mich nicht in der Verpflichtung zu sehen, meine Accounts bei Facebook und Instagram mit Inhalt füllen zu müssen – eine Verpflichtung, die ich übrigens mir selbst auferlegte. Die Wörter flossen nur so aus meinen Fingern über die Tastatur in den Rechner, um sich in launigen Beiträgen zu sammeln. Aus diesem Hochgefühl heraus hätte ich Helden zeugen können!
WOCHE 5
Doch dann begann die nächste Woche: In der Zwischenzeit hatten sich etliche Beiträge auf meinem Blog angesammelt, und es juckte mir in den Fingern, sie endlich der Weltöffentlichkeit via Social Media Accounts zu präsentieren. Doch ich widerstand! Meine geschätzten Blogger-Kolleginnen beim Challengemonday diskutierten über die weiteren Themen für die kommende Montage – allerdings ohne mich, dabei hätte ich so viel beizutragen. Doch ich widerstand! Andere Blogger-Kolleg*innen markierten mich freundlicherweise in ihren Beiträgen und luden mich so zu Aktivitäten ein. Doch ich widerstand! Mein Fazit nach dieser Woche: Widerstand zerrt an den Nerven und macht extrem müde!
WOCHE 6
Den Versuchungen des Internets zu widerstehen, darauf lag in dieser Woche absolut nicht mein Hauptaugenmerk, und demzufolge verschwendete ich daran auch nur wenige Gedanken. Vielmehr zwickte – nach einigen anstrengenden Diensten – mein Rücken leider wieder mehr. Während der Arbeit merkte ich, dass ich mein über Jahre antrainiertes Arbeits-Tempo nicht mehr (durch)halten konnte. Viele Tätigkeiten fielen mir deutlich schwerer und brauchten entsprechend ihre Zeit bei der Durchführung. Da half mir meine mit der Zeit verfeinerte Fähigkeit zum strukturierten Arbeiten schon sehr, und ich glaube (hoffe), dass ich trotzdem eine gute Leistung erbracht habe. Doch in stillen Momenten machte ich mir so meine Gedanken, ob und wie lange ich dieser Belastung noch standhalten könnte.
WOCHE 7
So, wie WOCHE 6 endete, fing auch WOCHE 7 für mich an: Mein Rücken-Aua hatte an Intensität gewonnen, sodass ich mir eine Pause gönnte und mich für den Montag krank meldete. Da Ostern nahte und somit auch vier Frühdienste über die Feiertage, hatte ich durchaus realistische Bedenken, dass, wenn ich mir jetzt keine Ruhe gönne, ich spätestens Ostern die Quittung dafür erhalten würde. So verbrachte ich meine Zeit mit einer wechselnden wie auch leichten körperlichen Betätigung in Kombination mit Rücken-Gymnastik, und entsprechend wenig hockte ich vor dem PC. Ich vermisste ihn allerdings auch nicht.
FAZIT
Am Ende der Fasten-Aktion „7 Wochen anders leben!“ stellte ich mir die Frage, ob ich abermals ein Internet-Detox in dieser Form für mich wählen würde. Meine Antwort lautete „Nein, ich würde nicht!“. Die wöchentlichen Fasten-Briefe von ANDERE ZEITEN e.V. hätte ich definitiv deutlich besser in die Fastenzeit integrieren können, um so Impulse für meinen Alltag aus ihnen zu ziehen. Doch auch so waren sie mir Mahnung und Halt, gaben Struktur, und allein ihr wöchentliches Erscheinen war Ansporn für mich und ließ meine innere Stimme mir zuflüstern „Bleib’ dran!“.
Aber ich ziehe durchaus meine Lehre aus dieser Zeit: Ich mag es, mich mit meinen Accounts zu beschäftigen und sie mit Inhalt zu füllen, ebenso sehr, wie ich den Austausch mit meinen Blogger-Kolleg*innen schätze. Allerdings werde ich mich bemühen, die Zeit nicht mehr sinnlos im Netz zu „verdaddeln“. Denn vieles, was ich tue (bzw. nicht tue) nimmt auf andere Bereiche meines Lebens einen deutlich spürbaren Einfluss. Meine ausdauernde Beschäftigung mit dem Internet geht natürlich mit einem Mangel an Bewegung einher, der wiederum meine Körperhaltung bestimmt, zu Verspannungen in Rücken und Nacken führt und eher rudimentär zur Gewichtsreduktion beiträgt. Schon kleine bis kleinste Aktivitäten im Haushalt erfüllten mich mit einem Gefühl der Zufriedenheit, da ich mir mein Nest schöner machte.
Die Spaziergänge durch den Stadtwald entwickelten sich zu einem Ritual: Auf meinem Weg höre ich die Vögel zwitschern, der Specht pocht, Eichhörnchen huschen durch das Geäst, und unter den Bäumen sprießen Buschwindröschen durch das welke Laub des vergangenen Jahres. Zudem habe ich eine besondere Stelle für mich entdeckt, wo die Bäume ein wenig lichter stehen und die Sonne mir so wohltuend ins Gesicht scheinen kann. Dort bleibe ich immer für einige Minuten stehen, schließe die Augen, horche in mich hinein und genieße das Licht, den Wind und den Duft des Waldes. In diesen kurzen, wertvollen Momenten spüre ich keinen Schmerz.
So waren die vergangenen 7 Wochen für mich schwer, aufwühlend, emotional und – Ja! – auch schmerzhaft aber ebenfalls äußerst lehrreich: Mein Blog und meine Accounts sind ein wunderbar bereicherndes Hobby, das mir durchaus Vergnügen bereitet. Aber auch nicht mehr! Viel wichtiger ist mir die Lebenszeit, die ich mit Lieblingsmenschen verbringe. Sie ist so kostbar und schenkt mir kleine wie große Glücksmomente, an die ich mich immer wieder mit Freude erinnern werde.
Infos zu den Aktionen von Andere Zeiten e.V. findet ihr auf deren HOMEPAGE.
APHO·RI·SI·A·KUM…

[Rezension] Štěpán Zavřel – TRAUM VON VENEDIG
Venedig: bunt und lebhaft, melancholisch und morbide, weltoffen und voller Geheimnisse, zwischen Tradition und Moderne, Sehnsuchtsort vieler Hochzeitsreisender – dies alles (und noch so viel mehr) steht für die mythenumrankte Lagunenstadt an der Adria. Auch viele Literaten konnten sich ihrem Zauber nicht entziehen, schöpften aus ihr die Inspiration und wählten sie als Handlungsort für ihre Werke: Thomas Manns „Tragödie einer Entwürdigung“ gipfelte in TOD IN VENEDIG, Donna Leon schickt Commissario Brunetti seit VENEZIANISCHES FINALE stetig durch die Gassen dieser Stadt, und auch der berüchtigte Giacomo Casanova erlebte amouröse ABENTEUER IN VENEDIG.
Was hier so romantisch-harmlos klingt, birgt auch große Gefahren für die Stadt. Die Menschenmassen, die sich täglich touristisch über die Stadt ergießen, die großen Kreuzfahrtschiffe, die in einen Hafen einlaufen, der nicht für sie geschaffen ist, und zudem die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels: Sie verändern das Leben in Venedig. Dies erkannte schon in den 70er Jahren der Künstler Štěpán Zavřel und schuf mit TRAUM VON VENEDIG ein phantasievolles Bilderbuch, das zum Träumen verführt aber auch einen ernsten Unterton besitzt.
Inspiriert von einem Bild, das Marco in der Schule gemalt hat, träumt er sich des Nachts in eine zauberhafte Welt: Seine Heimatstadt Venedig ist plötzlich gänzlich unter dem Meeresspiegel. Eine kleine Meerjungfrau lädt ihn ein, mit ihr gemeinsam durch die versunkene Stadt zu tauchen. Sie schwimmen vorbei an all den bekannten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, die nun im schemenhaften Licht, das sich durch das Wasser bricht, noch viel geheimnisvoller erscheinen. Doch das viele Wasser schadet zunehmend der Stadt, und es ist fraglich, wie lange diese Schönheit noch erhalten bleibt…!
Bereits Ende der 60er Jahre hatte Štěpán Zavřel die Idee, mit dem Bohem-Verlag eine Institution zu gründen, die den Kindern durch Bilderbücher die Kunst näher bringen sollte. So ist dieses Buch sein kunstvolles Vermächtnis, die Kinder für die Schönheit Venedigs zu sensibilisieren, und gleichzeitig sein Appell, die Stadt zu schützen.
Seine Bilder sind alles andere als naturalistisch, vielmehr verstärken sie mit ihrem Stil die märchenhafte Komponente der Geschichte. Zwar ist Venedig mit den markanten Bauwerken klar wiederzuerkennen, doch sind die Formen schmeichelnd rundlich. In den Bildern fächert sich das Panorama der Stadt harmonisch vor den Augen der Betrachtenden auf. Ebenso harmonisch wählte Zavřel auch seine Farben: Sie wechseln nuancenreich von Blau zu Grün, von Gelb über Orange zu Rot. Mit helleren Farben setzte er gekonnt Akzente und deutete Lichtreflexe an. Wasserpflanzen umspielen wunderbar schwebend und fließend die Architektur der Stadt und lassen diese geheimnisvoll erscheinen. Die Gebäude wirken, als würden sie sich gemeinsam mit der Vegetation im Wasser sanft hin und her wiegen. Seine Kunstwerke sind (passend zum Titel des Buches) traumhaft schön.
Anlässlich des 20. Todestages von Štěpán Zavřel erschien im Jahre 2019 seine Hommage an diese außergewöhnliche Stadt in einer limitierten Sonderedition, die mich sowohl absolut beeindruckt wie auch ganz und gar begeistert hat.






