[Rezension] Gilbert Keith Chesterton – Pater Brown. Tod und Amen

Ungewöhnliche Ermittler*innen sind im Krimi-Genre äußerst beliebt: Da darf es gerne die altjüngferliche Lady aus einem verschlafenen Nest in der Provinz, der dickliche Privatdetektiv mit einem Hang zur Orchideenzucht oder das Violine spielende Superhirn mit mangelnder Empathie sein. Sie alle haben sich schon vor Jahrzehnten einen immerwährenden Platz im Herzen ihrer Leserschaft erobert. Besonders reizvoll scheint es allerdings, wenn die ursprüngliche Profession des Ermittlers scheinbar völlig konträr zu Mord und Totschlag steht. Da bewegt sich z. Bsp. ein Geistlicher von der göttlichen Kanzel hinab in die Untiefen der menschlichen Existenz, um dort die christliche Nächstenliebe zu propagieren: Der Himmel trifft auf die Hölle.

Als Gilbert Keith Chesterton zwischen 1910 und 1935 einundfünfzig Erzählungen über Pater Brown verfasste, die zunächst in Zeitschriften und anschließend zusammengefasst in fünf Sammelbänden erschienen, hätte er sicher nicht damit gerechnet, dass sich seine Schöpfung auch noch heute einer großen Beliebtheit erfreut und die Vorlage für manche filmische Umsetzung liefert(e). So schlüpften sowohl Alec Guinness als auch Heinz Rühmann für das Kino in die Soutane. Für das deutsche Fernsehen trieb erst Josef Meinrad und später Ottfried Fischer den Monsignore in die Verzweiflung. Und die BBC scheucht seit einigen Jahren höchst unterhaltsam Mark Williams als Schnüffler vor Gottes Gnaden über den Bildschirm.

Nun hat der kleinen, unbedeutenden Land-Pater, der sich eher bescheiden im Hintergrund hält und darum von Kriminalen und Kriminellen nur allzu gerne unterschätzt wird, seine Heimat im Schweizer Kampa-Verlag gefunden und befindet sich dort in bester Gesellschaft mit Kommissar Maigret, Commissaire Lacroix und  Chief Superintendent Gamache.

Für diesen Sammelband wurde die Übersetzung von Hanswilhelm Haefs, der nachgesagt wird, dass sie sehr nahe am englischen Original bleibt, behutsam von Julian Haefs redigiert und um die Übersetzung der noch fehlenden 51. Geschichte „Father Brown und die Midasmaske“ ergänzt. So umfasst dieser Schmöker stattliche 1268 Seiten incl. ein zwölfseitiges Nachwort und 67 Seiten an Anmerkungen. Besonders die Anmerkungen haben es in sich: Erklären sie doch so manche humoristische Anspielungen, politische Seitenhiebe und zeittypische Besonderheiten, die wir aus heutiger Sicht als Unkundige der damaligen Epoche nur schwerlich verstehen würden. Sind der Anmerkungen auch viele, so stören sie nicht den Fluss der Geschichte und können eher als Obolus betrachtet werden, der Rückschlüsse auf die persönliche Haltung des Autors zum jeweiligen Thema zulässt.

Allen Geschichten ist gemein, dass sie raffiniert konstruiert sind und gerne mit einem Twist überraschen. Unser Held trifft in seinen Abenteuern auf vielschichtige Charaktere in interessanten Settings, deren jeweilige Beschreibung der Autor sehr atmosphärische gestaltet. Dabei erfährt die geneigte Leserschaft von unserem Titelhelden recht wenig. Viele Details aus seiner Vergangenheit müssen aus Nebensätzen zusammengereimt werden. Pater oder vielmehr Father Brown (die englische Anrede Father wurde bei den Übersetzungen beibehalten) dient vielmehr als Projektionsfläche seiner Co.-Stars wie Valentin, Chef der Pariser Polizei, oder dem Meisterdieb Flambeau. Wer die kurzweilige BBC-Serie kennt und somit auch bei den Erzählungen humorvolle Krimi-Komödien erwartet, wird verwundert sein: Im Vergleich zur filmischen Adaption sind die Geschichten oftmals sehr düster, beinah gespenstisch-schaurig und manchmal durchaus brutal in ihrer Beschreibung der Morde. Unwillkürlich erinnerten sie mich an die Stories von Edgar Allan Poe, der als Wegbereiter des Symbolismus in der Literatur gilt. Ähnliches meinte ich auch bei G. K. Chesterton erkennen zu können, wo Alltägliches überhöht dargestellt wird und so an Bedeutung gewinnt.

Ich mag Anthologien sehr gerne. Bestenfalls (so wie hier) sind sie wie ein literarisches Büffet: Ich nasche mal hier, probiere mal da. So tat bzw. tue ich es auch bei diesem Werk: Von allen 51 Geschichten habe ich noch nicht gekostet. Doch das Buch liegt – wie eine offene Pralinenschachtel – immer griffbereit auf dem Tischchen neben meinem Lesesessel, und so kann ich jederzeit nach Lust und Laune „hineingreifen“ und weiternaschen!


erschienen bei Kampa / ISBN: 978-3311125662 / in der Übersetzung von Hanswilhelm Haefs und Julian Haefs

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Neues Jahr, neues Glück, neue Ideen…

…ganz bestimmt nicht: Haha, nochmals falle ich nicht darauf rein und verspreche Anfang des Jahres vollmundig und selbstüberschätzend, wie viele tolle Ideen ich habe, und welche bahnbrechenden Veränderungen hier auf meinem Blog stattfinden werden. Und am Ende des Jahres habe ich von all den großkotzig angekündigten Versprechungen gerade einen kaum erwähnenswerten Prozentsatz umgesetzt. Diesen eklatanten Fehler werde ich nicht noch einmal begehen. Diesmal halte ich mich vornehmend bedeckt und übe mich in nonchalanter Zurückhaltung. Lasst Euch einfach überraschen…!

Was ich Euch allerdings getrost und somit sehr gerne verraten kann, sind die Bücher, die teilweise schon auf dem Tischchen neben meinem gemütlichen Lesesessel liegen und auf mich warten…



Wie könnte es bei mir auch anders sein, werden die Kriminalromane selbstverständlich weiterhin einen großen Platz auf meinem Blog einnehmen. Und so beginne ich das Jahr mit einem Klassiker des Genres, mit den kurzweiligen Geschichten um Pater Brown. Tod und Amen von G. K. Chesterton, die schon im Herbst als üppiger Sammelband im Kampa Verlag erschienen sind.

Um einen üppigen Wälzer handelt es sich auch bei Prosaische Passionen. Die weibliche Moderne in 101 Short Stories aus dem Manesse Verlag. Herausgeberin Sandra Kegel hat eine Mamutaufgabe gemeistert und hier Erzählungen und Prosastücke aus über 25 Sprachen zusammengetragen. Dies ist eines der Werke, das mich sicherlich über einen sehr langen Zeitraum begleiten und begeistern wird.

Im Februar erscheint nun endlich mit Blautöne der neuste Roman von Anne Cathrine Bomann bei Hanser blau. Ihr Erstlingswerk „Agathe“ konnte mich schon so sehr begeistern, da bin ich nun auf ihren neusten Streich sehr gespannt.

Wie bei meinem „Lese-Highlights 2022“ schon angekündigt, werden die Klassiker mich auch in diesem Jahr weiter beschäftigen: So warten Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway (Rowohlt Verlag) und Rebecca von Daphne du Maurier (Insel Verlag) schon auf mich.

Der Reclam Verlag kann nicht nur „klein und gelb“ sondern auch „groß und illustriert“: Da juckt es mir schon sehr in den Fingern, und ich muss mich zurückhalten, um nicht gleich zu einer dieser tollen Prachtexemplare zu greifen: Heinrich Manns Der Untertan (illustriert von Arne Jysch) und Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald (illustriert von Adam Simpson).

Apropos „illustrierte Fassung“: Dank der Büchergilde Gutenberg bin ich da immer gut aufgestellt und freue mich schon sehr sowohl auf Der dritte Mann von Graham Greene als auch auf Arsène Lupin. Der Gentleman-Gauner von Maurice Leblanc. Beiden Romanen schenkte Annika Siems ihre ausdrucksstarken Illustrationen.

Kindheitserinnerungen werden bei mir wach, wenn ich an die Abenteuer-Reihe von Enid Blyton denke. Im Bocola Verlag erscheinen nun alle Bände in einer exklusiven Edition nach den englischen Originalausgaben. Die ersten beiden Bände habe ich mir von einem lieben Menschen schon schenken lassen. 😍

Der Klett-Cotta Verlag bleibt seinem eingeschlagenen Weg treu und schenkt uns Anhängern der klassischen Kriminalliteratur mit Tod im Wunderland von Nicholas Blake wieder ein kleines Schmankerl.

Selbstverständlich darf SIE nicht fehlen: Agatha Christie ist gleich mit zwei Werken aus dem Atlantik Verlag in der ersten Jahreshälfte bei mir vertreten. Weder bei Etwas ist faul noch bei Der Hund des Todes kommt Miss Marple oder Hercule Poirot zum Einsatz. Doch mein Lese-Vergnügen wird diese Tatsache sicherlich in keiner Weise schmälern.

Dieser Prachtband ist so üppig, dass ich ihn nur ohne Gefahr, eine Sehnenscheidenentzündung im Arm zu erhalten,  betrachten und lesen kann, wenn ich ihn auf den großen Esstisch platziere: Der Orient-Express. König der Züge von Guillaume Picon und Benjamin Chelly aus dem Frederking & Thaler Verlag. Natürlich dachte ich bei dieser Thematik sofort an Agatha Christie und freue mich schon sehr, beim Betrachten dieses Bildbandes in Gedanken gemeinsam mit Hercule Poirot durch die Abteile dieses legendären Zuges zu wandern. Dieses traumhafte Buch wurde mir ebenfalls von einem lieben Menschen geschenkt. 😍


Auch im Jahr 2023 werde ich weiterhin voller Freude die Rubrik „Kulturelles Kunterbunt“ mit Inhalten füttern: Die eine oder andere Eintrittskarte hängt schon an meiner Pinnwand und wartet geduldig auf ihren Einsatz und ist dabei deutlich geduldiger als ich es je sein könnte. So warte ich voller Ungeduld aber auch mit einer Menge Vorfreude auf…

…zudem möchten ich endlich gerne eines der KAMMERKONZERTE des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven besuchen. Die Konzerte finden immer im HISTORISCHEN MUSEUM BREMERHAVEN statt, dessen Ausstellung mich auch unabhängig vom Besuch eines Konzertes interessieren würde. Außerdem war ich schon gefühlt seit einer Ewigkeit nicht mehr Gast bei einer Lesung: Die Buchhandlung meines Vertrauens DIE SCHATULLE hat da ein ganz wunderbares Potpourri an Lesungen zusammengestellt. Da werde ich sicher fündig…!


Bücher & Kultur: Beides ist mir immens wichtig und bereichert mich und mein Leben über alle Maßen. Doch was wäre ich ohne die Menschen in meinem nahen und näheren Umfeld? Mein Leben wäre ärmer ohne die vielfältigen Begegnungen, ohne den Austausch, ohne Zuneigung und Bestätigung. Die Welt ist so verrückt geworden: Was vor einigen Jahren unvorstellbar schien, ist heute beinah Normalität. Die Grenzen, was tolerabel und was inakzeptabel ist, haben sich verändert, und – wie ich finde – leider nicht zum Besseren. Darum: Bitte lasst uns aufeinander Acht geben und dafür Sorge tragen, dass unsere Welt ein lebens- und liebenswerter Ort bleibt.

Und: Bitte bleibt ALLE gesund!

F R O H E S   N E U E S   J A H R

Liebe Grüße
Andreas

[Rezension] Eine Leiche zum Advent. Das große Buch der Weihnachtskrimis/ herausgegeben von Otto Penzler

Mit Schwung wuchtete ich den Wälzer aus dem Bücherregal, schwankte leicht unter dem Gewicht, bis mein Gleichgewicht sich wieder ausbalanciert hatte, und taperte dann mit kleinen vorsichtigen Schritten Richtung Lesesessel. Mit einem leidvollen Stöhnen ließ ich mich ins Polster fallen, während besagter Wälzer auf meinem Bauch den nötigen Halt zur Ablage fand…!

Üppiges Format, über 700 Seiten starker Umfang, gefüllt mit 49 kriminellen Erzählungen: Bei der Zusammenstellung dieser Anthologie dachte Herausgeber Otto Penzler sicherlich nicht an „weniger ist mehr“. Vielmehr stand hier wohl eher „klotzen und nicht kleckern“ im Vordergrund. Und dabei bewies er zudem bei der Auswahl der Stories ein äußerst glückliches Händchen. Doch nichts anderes hätte ich von einer Koryphäe, wie er sie ist, auch erwartet. Schließlich zählt er zu den international führenden Fachleuten für Kriminalliteratur.

Nun ergeben – zumindest für mich – Krimis und Weihnachten den „perfect match“: Nichts fesselt meine Aufmerksamkeit mehr als ein zünftiger Mord – selbstverständlich nur rein literarisch: Wenn sich durch die perfekte Idylle langsam das Grauen seinen Weg bahnt, und die festliche Besinnlichkeit dem Horror eines Verbrechens weicht…! Vielleicht sollte ich Krimis schreiben?!

Nein, das überlasse ich doch lieber den Profis dieser Zunft. Selbstverständlich findet man in einer solchen Zusammenstellung auch die üblichen Verdächtigen: Da blinkt „Der blaue Karfunkel“ von Arthur Conan Doyle. Bei Mary Higgins Clark wird „Das große Los“ gezogen. Rex Stout schickt seinen Schnüffler Nero Wolfe auf „Die Weihnachtsfeier“. Edgar Wallace stolpert über „Die Chapham-Affäre“. Und Gilbert Keith Chesterton lässt Father Brown über „Die fliegenden Sterne“ sinnieren. Nun könnte ich mich über eine wenig originelle Auswahl mokieren, die wieder Werke beinhaltet, die gefühlt schon überall erschienen sind. Ich könnte mich mokieren, tue es aber nicht, da ich diese Entscheidung durchaus nachvollziehen kann. Eine Krimi-Anthologie ohne bekannte Namen würde dem durchschnittlichen Leser kaum einen Anreiz zum Kauf bieten. Seien wir ehrlich: Jeder von uns greift eher bei dem zu, was er kennt, oder?

So sind diese hinlänglich bekannten Geschichten, die in all den Jahren seit ihrer Entstehung nichts von ihrer literarischen Qualität eingebüßt haben, von weniger bekannten Geschichten „umzingelt“, die von Autor*innen stammen, die sich bzgl. Talent, Originalität und Qualität nicht hinter den großen Namen zu verstecken brauchen.

Zumindest mir waren Namen wie Catherine Aird, Thomas Hardy, Meredith Nicholson, Marjorie Bowen oder Norvell Page bisher kein Begriff. Wie schön, dass Penzler vor jeder Geschichte den/die Autor*in kurz vorstellt. Dabei sind so manche Kuriositäten zu entdecken: Da veröffentlichen zwei Cousins unter dem Pseudonym Ellery Queen äußerst erfolgreich ihre Kriminal-Stories, in denen sie ihren Detektiv ebenfalls Ellery Queen nennen. Oder Autor Peter Todd schenkte uns herrlich skurrile Sherlock Holmes-Parodien, in denen er die Marotten des Helden genüsslich persifliert, um sich durch sie gleichzeitig respektvoll vor der Vorlage zu verbeugen.

Zudem begeistert mich diese Zusammenstellung durch seine Vielfalt: Sei es aufgrund der unterschiedlichen Entstehungszeiten der Geschichten, der vielfältigen Ausdrucksformen der Autor*innen, der vielen phantasievollen Arten des „Um-die-Ecke-bringens“ oder der stilistischen Bandbreite, die von traditionell bis modern, von lustig bis unheimlich, von trashig bis rätselhaft reicht.

Oftmals gibt es bei solchen Anthologien einige herausragende Leistungen zu bewundern aber ebenso viel Mittelmaß zu ertragen. Ohne Licht gibt es eben auch keinen Schatten! Doch überraschenderweise konnte ich hier keinen nennenswerten literarischen Ausrutscher ausmachen. Im Gegenteil: Ich fühlte mich rundum bestens unterhalten!

Nun muss ich nur noch diesen Wälzer von meinem Bauch wieder unfallfrei ins Regal bugsieren…! 🙄


erschienen bei Bastei Lübbe/ ISBN: 978-3431039665

[Rezension] Agatha Christie – Die Büchse der Pandora. Kurzkrimis mit Tommy und Tuppence

Da ist es ja wieder – unser kriminalistisches Duo, unsere „Partners in Crime“, unser pfiffiges Pärchen mit Spürnase, Klasse und Esprit. Diesmal machen wir mit ihnen eine Reise in die Vergangenheit: Waren wir mit Lauter reizende alte Damen schon im Jahre 1968 gelandet und durften die Beiden als gereiftes Paar beobachten, so werfen wir nun einen Blick zurück ins Jahr 1929.

Tommy und Tuppence Beresford sind frisch verheiratet und chronisch gelangweilt. Da kommt ihnen der verlockende Auftrag vom britischen Geheimdienst nur allzu recht, inkognito eine Detektei zu übernehmen. Der ursprüngliche Eigentümer erholt sich gerade während eines Urlaubs auf Staatskosten und scheint seine Detektei als Briefkasten für feindliche Spione genutzt zu haben. Um dies auf den Grund zu gehen, schlüpft Tommy in die Rolle des Leiters dieser internationalen Detektivagentur Mr. Theodore Blunt, während Tuppence seine tüchtige Sekretärin Miss Robinson mimt. Ihr besonderes Augenmerk sollen sie auf eine dubiose Korrespondenz legen – insbesondere auf blaue Briefumschläge mit russischer Marke. Doch diese Post lässt auf sich warten, und so lösen die detektivischen Fachkräfte so ganz nebenbei auch einige „reguläre“ Fälle. So suchen sie u.a. nach einer Erklärung für scheinbar paranormale Phänomene in einem alten Haus, spüren eine vermisste Ehefrau in einer delikaten Institution auf, überprüfen nicht nur eins sondern gleich zwei Alibis ein und derselben jungen Dame und rätseln über einen vertauschten Diplomatenkoffer. Diese interessanten wie skurrilen Fälle sind aber gänzlich harmlos im Vergleich zu dem Abenteuer, das sie erwartet, als sie plötzlich tatsächlich einen blauen Brief mit der Post erhalten…!

Agatha Christie ließ ihr gewieftes Detektiv-Paar nicht nur in vier Romanen (zwischen deren Erscheinen teilweise Jahrzehnte lagen) auf Verbrecherjagd gehen, sondern gönnte ihnen ebenfalls eine Sammlung unterhaltsamer Kurzkrimis, die nun endlich wieder im neuen Gewand erschienen sind. Dabei legte sie bei diesen Geschichten den Schwerpunkt eher auf das kurzweilige Rätselraten als auf die „das Blut in den Adern gefrierende“ Spannung. So kann sich die verehrte Leserschaft auf so manchen herrlichen verbalen Schlagabtausch unserer beiden sympathischen Protagonisten freuen, die sich die Bälle nicht nur geschickt zuspielen, sondern je nach Auftrag auch gerne alle Bälle in der Luft behalten. Dabei agieren beide – wie gewohnt – auf Augenhöhe und demonstrieren eine äußerst emanzipierte Partnerschaft, wie sie zur Entstehungszeit der Geschichten höchstwahrscheinlich selten in der Realität zu bewundern war.

Gerne ziehen sie dabei die jeweils passenden Klassiker des Genres zu Rate und versuchen, sich in die erdachten Personen von weltberühmten Krimiautoren wie Edgar Wallace, G. K. Chesterton, Arthur Conan Doyle & Co. hineinzuversetzen, um so von deren „Spiritus Rector“ zu profitieren. Bei der Lektüre der letzten Geschichte Der Mann, der Nummer 16 war brach ich in schallendes Gelächter aus, da diesmal Tommy und Tuppence ihre Inspiration beim kleinen, pedantischen Belgier mit den genialen grauen Zellen suchten. Die „Queen of Crime“ nahm somit sich selbst höchst humorvoll „auf die Schippe“. Chapeau!

Ein bisschen Irritation verursachte bei mir die Aufteilung der Kapitel: So sind die meisten Geschichten jeweils unter einem Titel in zwei Kapitel unterteilt, die deutlich mit I und II gekennzeichnet sind. Bei drei Geschichten sind die einzelnen Kapitel jeweils mit einem eigenen Titel versehen, im Inhaltsverzeichnis entsprechend notiert und hinterlassen so den Eindruck, als wären sie eigenständige Geschichten. Somit beinhaltet diese Sammlung nicht 17 sondern „nur“ (!) 14 Kurzkrimis. Da hätte ich mir bei dieser überarbeiteten Wiederveröffentlichung ein wenig mehr Sorgfalt beim Editieren der Texte gewünscht.

Doch abgesehen von diesem klitzekleinen Wehrmutstropfen haben wir es hier (meines Wissens) mit der vollständigsten Sammlung der Beresford-schen Kurzkrimis zu tun, die mir ein überaus kuschliges Lesevergnügen schenkte.


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455012064

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!