[Rezension] Bernard Villiot – Mephisto/ mit Illustrationen von Antoine Guilloppé

Der Kater Mephisto lebt gezwungenermaßen als Einzelgänger in der großen Stadt. Aufgrund seines tiefschwarzen Fells und seiner als unheimlich wahrgenommenen Aura wird er sowohl von seinen Artgenossen wie auch von den Menschen nicht nur gemieden sondern auch immer wieder verjagt. Mephisto sehnt sich nach einem ruhigen Leben und hofft, dieses in der Abgeschiedenheit auf dem Land zu finden. Die Wochen ziehen voller Ruhe ins Land bis der Winter anbricht und Mephisto beschließt, wieder in die schützende Stadt zu wandern. Dort erlebt er eine Überraschung: Freudig wird er von den Menschen begrüßt! Seit seinem Weggang hat sich die Mäuse- und Ratten-Population immens erhöht, und die verwöhnten Hauskatzen waren nicht in der Lage, dieser Plage Herr zu werden. Nur ein versierter Jäger wie Mephisto kann Abhilfe schaffen…!

Tja, was nun? Ich suche nach den passenden Worten, aber kurz ausgedrückt kann ich sagen „Ich bin enttäuscht!“

Dabei haben mir die „Scherenschnitt“-Illustrationen von Antoine Guilloppé sehr gut gefallen: Sie wirken in ihrer Retro-Optik wie etwas aus der Zeit gefallen, verströmen trotz (oder: aufgrund?) dieser Schlichtheit sehr viel Atmosphäre und lösen beim Betrachter genau die Gefühle aus, die für die Handlung wichtig sind. So wirken sie mal bedrohlich, dann wieder witzig, um beim nächsten Bild sehr poetisch zu sein.

So liegt mein größter Kritikpunkt bei der Handlung. In den Texten meldet sich Mephisto als Ich-Erzähler zu Wort und charakterisieren mit ihren philosophisch anmutenden Zeilen recht gut das Wesen dieses einsamen und auch traumatisierten Katers. Doch ich habe immer auf eine besondere Wendung, auf eine positive Botschaft gewartet. Leider wurde ich enttäuscht: Findet Mephisto eine Heimat, und wird er akzeptiert oder gar um seiner selbst geliebt? Nein! – Das „Happy End“ interpretiere ich wie folgt: Er wird am Ende der Geschichte nur geduldet, weil er den Menschen von Nutzen ist, da die eigenen fetten und verwöhnten Hauskatzen außer Stande sind, seinen „Job“ zu erledigen. Es findet kein Umdenken statt – weder bei den Artgenossen noch bei den Menschen. Wenn dies wirklich die Intention des Autors war, dann empfinde ich es als eine äußerst fragwürdige Botschaft – zumal hier überdies die Flüchtlingsthematik angedeutet wurde.

Dieses Kinderbuch werde ich mir leider nicht gemeinsam mit dem besten Patenkind der Welt ansehen! Schade!


erschienen bei michael neugebauer edition/ ISBN: 978-3865663962

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Gil Ribeiro – Lost in Fuseta: Ein Portugal-Krimi

Es ist Pfingstsonntag: Nachdem es am Tag zuvor gestürmt hat, und das Wetter sich nicht zwischen Sonne und Schauern entscheiden konnte, zeigt sich dieser Tag mit angenehmen 27°C und sanftem Sonnenschein. Ich sitze auf dem Balkon, schlürfe meinen Kaffee und vertiefe mich zum wiederholten Mal in diesen Kriminalroman. Mein Kater liegt schläfrig mir zu Füßen auf den kühlenden Steinfliesen, während meine Gedanken sich auf den Weg in Richtung Portugal begeben.

Fuseta: ein kleiner Ort im Süden von Portugal direkt an der Küste der Algarve. Hier verschlägt es Inspektor Leander Lost aus Hamburg im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms für Polizisten. Während er dies als Auszeichnung sieht, erkennen die beiden portugiesischen Inspektoren Graciana Rosado und Carlos Esteves schnell, dass die deutschen Kollegen das Austauschprogramm „missbraucht“ haben, um sich eines äußerst speziellen Mitarbeiters zu entledigen. Leander Lost leidet am Asberger-Syndrom, einer Form von Autismus: Soziale Interaktionen fallen ihm schwer, zum Lügen ist er nicht in der Lage, und Ironie kann er nicht deuten, da er jedes gesprochene Wort für „bare Münze“ nimmt. Dafür verfügt er über außerordentliche Inselbegabungen. Zwangsläufig eckt er mit dieser „Wunderlichkeit“ bei seinen neuen Kollegen an und provoziert so manche heikle Situation im aktuellen Fall: Ein Privatdetektiv wird tot aufgefunden. Oberflächlich betrachtet scheint es ein Unfall zu sein. Bei der routinemäßigen Überprüfung der Büroräume des Detektivs scheucht das ungleiche Ermittler-Trio einen Verdächtigen auf, der, nachdem er Graciana bewusstlos geschlagen und das Büro in Brand gesetzt hat, Carlos als Geisel nimmt. Um das Leben der beiden portugiesischen Inspektoren nicht zu gefährden, schießt Leander Lost seinem neuen Kollegen Carlos ins Bein…!

So saß ich nun auf dem sommerlichen Balkon, ließ mich in die Handlung dieses leichten Krimis fallen und fühlte mich dabei äußerst wohl. Denn nichts anderes ist dem Autor Gil Ribeiro gelungen: ein angenehm kurzweiliger Sommerkrimi mit einer wohldosierten Mischung aus Humor und Spannung, der mich mit seiner originellen Charakterisierung der Protagonisten unterhielt. Überraschend gut passen die einzelnen Komponenten zueinander: Lost wirkt weniger wie ein Fremdkörper in der flirrenden Hitze am Mittelmeer, vielmehr scheint er hier dank der mediterranen Gelassenheit seiner Mitmenschen eine Heimat gefunden zu haben.

Er ist Teil eines Teams von Individuen, in der auch ein spezieller Typ wie er seinen Platz finden kann. Diese Gelassenheit scheint im Lebensgefühl der Portugiesen begründet zu sein. Immer wieder lässt Ribeiro Themen wie Familie, Freundschaft und Kollegialität anklingen. Sie dienen als Anker im gesellschaftlichen Gefüge. Emotionale bzw. sentimentale Szenen versteht Ribeiro durch eine pragmatische Äußerung von Lost humorvoll aufzulösen. Dabei wird er mit seiner Behinderung nicht vorgeführt sondern vom Autor mit Respekt behandelt.

Gil Ribeiro ist mit „Lost in Fuseta“ ein unterhaltsamer Auftakt für diese Krimireihe gelungen.


erschienen bei Kiepenheuer & Witsch/ ISBN: 978-3462051629

 

[Rezension] Ria Neumann – Flugangst und Regenträume

Wie schon häufig erwähnt, stellt jede Lesung für mich eine Herausforderung dar: In diesem Fall war ich allerdings im besonderen Maße gefordert.

Auf Bitte der Autorin Ria Neumann hatte ich im Rahmen einer privaten Lesung anlässlich des Erscheinens ihres neusten Buches „Flugangst und Regenträume“ die Geschichte „Zulassen“ vorgetragen. 45 Minuten lang entführte ich die Zuhörer in die Gefühlswelt einer älteren Frau – zwischen Selbstmitleid und Hoffnung, zwischen Vorwürfen und leisem Humor, zwischen Trauern um die Vergangenheit und Sehnen nach der Zukunft.

Bei dieser anspruchsvollen Geschichte war es mir einerseits wichtig, dass ich die wechselnden Stimm(ung)en herausarbeite, andererseits ihr eine positive Leichtigkeit gebe und somit nicht als „Depri“-Stück diskreditiere.

Ob mir dies gelungen war? Direkt nach der Lesung war die Autorin nicht fähig, mir ein Feedback zu geben: Nachdem sie sehr konzentriert meinem Vortrag gelauscht hatte, schienen wechselnde Gefühle in ihr zu toben. Später gestand sie mir ein, dass es ihr sehr schwer fiel, ihrer Geschichte durch einen anderen Leser zu lauschen. Zudem hätte es sie erstaunt, wo ich meine Schwerpunkte setzte, und wie ich manche Passagen interpretierte. Dadurch hätte ihre Geschichte eine weitere Perspektive erhalten. Ihr Fazit: Mein Vortrag wäre wundervoll gewesen!


„Kurzgeschichten von der Lust und der Last des Lassens“ lautet der Untertitel dieses kleinen, feinen Buches: Auch die anderen Kurz-Geschichten handeln von Menschen, die sich alle in ihrem Leben  nicht für etwas oder jemanden entschieden haben, und über dieses „Lassen“ entweder erleichtert sind oder mit dieser verpassten Chance hadern.

Aber dieses „Lassen“ birgt auch Interpretationsmöglichkeiten in die gegensätzliche Richtung: Einige Protagonist*innen in den Geschichten hätte es mal lieber ge-lassen. Aber das „Nein!“-sagen scheint manchmal schier unmöglich, wenn der/das Gegenüber zu übermächtig wirkt.

Ria Neumann macht es sich und ihren Leser*innen nicht leicht: Manches bleibt in ihren Geschichten bewusst vage, bleibt unausgesprochen in der Schwebe und fordert zur Interpretation auf. Auch sind die Deutungsmöglichkeiten je nach eigenem Erfahrungsschatz vielfältig und regen zur Kontroverse an. Ihre Sätze sind fein und wohlüberlegt konstruiert: Kein Verb ist zu wenig, kein Adjektiv ist zu viel. Metaphern werden synonym eingesetzt, um Situationen präzise aber ohne schmückendes Beiwerk zu verbildlichen.

Manche ihrer Kurzgeschichten sind so kurz, dass sie eher wie zarte Miniaturen anmuten. Es durchziehen alle ihre Geschichten eine zarte Melancholie und ein Hauch von Wehmut! Und doch bleibt ein Funke Hoffnung spürbar…!


erschienen bei Donat/ ISBN: 978-3943425680

[Rezension] Agatha Christie – N oder M?: Ein Fall für Tommy und Tuppence

Miss Marple ist bekannt! Hercule Poirot ist bekannt! Wer von Euch nun Thomas und Prudence Beresford kennt, hebe bitte die Hand! Ahja, das dachte ich mir schon, dass sich nur wenige Hände in die Höhe strecken werden. Dabei handelt es sich hierbei um ein äußerst gewieftes Ermittler-Duo, dass gerne für besonders heikle Fälle vom Geheimdienst rekrutiert wird.

Agatha Christie hatte es häufig bereut, dass sie sowohl Miss Marple als auch Hercule Poirot schon zu Beginn deren jeweiligen literarischen Karrieren ein so hohes Alter hat angedeihen lassen. So war sie bzgl. des zeitlichen Rahmens äußerst eingeschränkt und konnte wenig aktuelles Zeitgeschehen in die Geschichten einflechten. Bei den vier Romanen und der Sammlung mit Kurzgeschichten rund um die „Partners in Crime“ Tommy und Tuppence – wie Thomas und Prudence Beresford von Familie und Freunden gerne genannt werden – konnte Christie dafür aus den Vollen schöpfen. Sehr bewusst hat sie Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte zwischen den Erscheinungsdaten der Romane verstreichen lassen. Die Handlung spielte immer im jeweiligen Veröffentlichungsjahr des Romans: Während der 1. Fall im Jahre 1922 spielt, in dem Tommy und Tuppence sich als junge Menschen kennenlernen und unversehens in Spionagegeschäfte verstrickt werden, ist die Handlung des 2. Falls im Jahre 1941 fixiert…

Der 2. Weltkrieg tobt! Großbritannien erwartet die Angriffe der Deutschen, und Tommy und Tuppence sitzen in ihrem Heim und fühlen sich völlig unnütz. Das Leben spielt sich woanders und vor allem mit deutlich jüngeren Leuten ab: Ihre Zwillinge Derek und Deborah sind beide schon erwachsen und arbeiten für die Regierung. So fühlen sich Tommy und Tuppence mit Mitte 40 zum alten Eisen gehörend. Doch nicht nur der äußere Feind stellt eine Bedrohung dar: Auch im Inneren der Regierung gibt es feindliche Subjekte, die aus Gründen der Staatssicherheit eliminiert werden müssen. Da die eigenen Agenten zu bekannt sind, erinnert man sich an Tommy und Tuppence. Sie reisen inkognito an die britische Küste, um in der Pension „Sans Souci“ als unscheinbare Gäste unter den Anwesenden den Kopf der Spionagebande auszuspähen. Kein leichtes Unterfangen mit den wenigen vorhandenen Informationen, dass es sich hierbei um einen Mann und eine Frau handelt, bei denen nur die Code-Namen bekannt sind: Jeder – vom Dorfbewohner bis zum Pensionsgast – könnte somit „N oder M“ sein…!

Agatha Christie ist wieder eine kurzweilige und spannende Spionage-Geschichte gelungen, die deutlich mit ihrer Entstehungszeit verankert ist. Dabei versteht sie es famos, nicht allzu klischeehaft die jeweiligen Parteien (böse Deutsche/ gute Engländer) zu porträtieren. Trotzdem spiegeln sich in den Dialogen deutlich die Ansichten der damaligen Zeit wieder: Christie weiß aber durchaus zu differenzieren. Als Meisterin ihres Fachs lockt sie die Leser in klassischer „Whodunit“-Manier seitenlang in die Irre, um dann endgültig „die Katze aus dem Sack“ zu lassen.

Wie schön, dass die Werke von Agatha Christie nun im Atlantik-Verlag ihre Heimat gefunden haben. So werden auch weiterhin die weniger bekannten aber ebenso erstklassigen Krimis der „Queen of Crime“ wieder neu aufgelegt, um so eine größere Leserschaft zu finden. Sie hätten es mehr als verdient!


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455004830

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] David Litchfield – An der Geige: Hugo, der Hund

Dass in mir eine Leidenschaft für das Theater und die Musik schlummert, die hin und wieder an die Oberfläche sprudelt, ist sicherlich schon dem einen oder der anderen Leser*in meiner Seite aufgefallen. Darum verwundert es auch nicht, dass bei diesem entzückenden Bilderbuch sofort meine Sinne geschärft waren.

In diesem Fall handelt es sich um die Fortsetzung David Litchfields erfolgreichen Bilderbuches „Der Bär am Klavier“, wobei es sich bei beiden Büchern um eigenständige Geschichten handeln, die auch unabhängig voneinander dem Betrachter Freude bereiten.

Hector ist Musiker, genauer: er spielt die Geige, hat es aber leider nie geschafft, die großen Konzerthallen zu füllen, sondern versucht sich mit seinem Hund Hugo mehr recht als schlecht als Straßenmusikus. Eines Tages ist er so deprimiert, dass er das Geigenspiel und somit die Musik „an den Nagel hängt“. Hugo kann dies nicht hinnehmen, übt heimlich Nacht für Nacht auf der Geige und überrascht seinen Freund eines Nachts mit seinem Können auf dem Instrument und seiner damit verbundenen Liebe zur Musik. Die Nachricht des Wunderhundes an der Violine verbreitet sich in Windeseile und bleibt auch dem berühmten Bären am Klavier nicht verborgen. Der lädt Hugo ein, als Stargeiger mit ihm und seiner Bären Big Band auf Tour zu gehen. Doch in Hector rührt sich die Eifersucht…!

David Litchfield ist eine entzückende Geschichte über Freundschaft und über die Liebe zur Musik gelungen. Seine Illustrationen verströmen – auch in Kombination mit dem Text – sehr viel Wärme und Herzlichkeit. Seine Bilder funkeln und strahlen: Dank dem bewussten Einsatz von Licht und Schatten leuchten die Farben besonders intensiv und fangen die ergreifende Stimmung der Geschichte sehr gelungen ein. Zudem arbeitete er detailliert mit Strukturen, lässt Stoffe und Tapeten ausgesprochen plastisch erscheinen und schafft harmonische Farbübergänge bzw. –verläufe,…

…und selbstverständlich endet diese kleine märchenhafte Geschichte mit einem bejahenden Happy End:

„Denn gute Freundschaft währt – wie gute Musik – ein Leben lang.“

Wer nach dem Betrachten dieser wunderbaren Illustrationen nun noch den Wunsch verspürt, eine ebenso wunderbar zarte Erzählung zu lesen, dem möchte ich gerne „Nurejews Hund“ von Elke Heidenreich wärmstens ans Herz legen.

erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3959390637

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Lesley Nneka Arimah – WAS ES BEDEUTET, WENN EIN MANN AUS DEM HIMMEL FÄLLT

Ihre Texte sind wie Donnerschläge. Sie katapultiert den Leser hinein in ihre Familiengeschichten – ohne Vorwarnung, ohne Einleitung. Plötzlich findet man sich mitten in den menschlichen Tragödien wieder. Einiges wird angedeutet, vieles bleibt unausgesprochen – und gerade diese flirrende Schwebe, in der ich mich als Leser befand, sorgte für eine fiebrige Spannung in den Geschichten, die sehr häufig die Mutter-Tochter-Bindung thematisieren.

Es geht um enttäuschte Erwartungen und unerfüllte Hoffnungen und sorgt so für Konflikte in der Beziehung von Mutter und Tochter. Das Verhalten der Mütter prägt das weitere Leben der Töchter, entweder weil die Tochter zwangsläufig versagen muss, da sie dem Vorbild der Mutter nie entsprechen kann, oder weil die Mutter aufgrund ihrer Entscheidungen und Handlungen die Ablehnung der Tochter provoziert und sie so auf Distanz hält.

Eine Kommunikation auf Augenhöhe findet nicht statt. Das Angedeutete und Unausgesprochene sorgt für eine zweite Ebene in den Erzählungen und lässt die Handlung erschreckend real wirken.

Lesley Nneka Arimahs Sprache ist voller Kraft, sehr direkt und gleichzeitig einfühlsam. Sie schafft es bravourös, einen Lebensentwurf auf wenige Seiten zu komprimieren und scheut sich nicht, die Genres Horror und Science Fiction in ihre Geschichten anklingen zu lassen, ohne unrealistisch zu wirken.

Leichte Kost sind diese Stories bei weitem nicht: Ich musste dieses eher schmale Büchlein durchaus auch mal einen Tag unbeachtet liegen lassen – und trotzdem verströmten die Geschichten eine enorme Dramatik, die mich immer wieder zugreifen lies, und übten beinah einen Sog auf mich aus, sodass ich erst Ruhe fand, bis auch die letzte Seite gelesen war.

Wer nun noch erfahren möchte, „Was es bedeutet, wenn ein Mann aus dem Himmel fällt“, muss leider die gleichlautende Geschichte in dieser Sammlung von Erzählungen lesen. Ich wünsche eine inspirierende Lektüre!


erschienen bei CulturBooks/ ISBN: 978-3959881050

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

 

[Rezension] Ben Aaronovitch – DIE FLÜSSE VON LONDON

Dies ist keine Rezension!

Was könnte ich Euch mit einer Rezension noch Neues mitteilen, dass nicht schon längst auf Buch-Portalen und Internet-Foren die div. Rezensierenden mehr als ausführlich mit ihren Rezensionen getan haben? Wie könnte ich Euch diesen Roman noch origineller näher bringen, ohne meine Vor-Rezensierenden zu kopieren und somit deren geistiges Eigentum schamlos zu missbrauchen? Mir fällt nix ein!

Darum erspare ich mir die Mühe, eine Rezension zu verfassen, versuche mich stattdessen, kurz und knapp zu halten und erkläre Euch nur…

a). Worum es in dieser Roman-Reihe eigentlich geht, bzw. womit sie zu vergleichen ist?

und

b). Warum Ihr die Bücher durchaus lesen solltet?

Also…

a). Stellt Euch folgendes vor: Ein etwas naiver aber sympathischer Constable Ben Jones geht bei einem Inspector Tom Barnaby, der einen „besonderen“ Abschluss per Fernstudium an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei absolviert hat, in die Lehre und darf sich seitdem mit allerlei kriminellen Gestalten aus dem Dies- und Jenseits herumschlagen.

und

b). Da ich schon div. Krimis innerhalb einer Serie sammle (und natürlich auch lese), wollte ich „eigentlich“ auf GAR KEINEM FALL mit einer weiteren beginnen. Doch nun nenne ich auch schon den zweiten Band mein Eigen (…und die weiteren, schon erschienenen Bände tummeln sich auf meiner Wunschliste.). Das konnte selbst die mythologisch-angehauchte und völlig unnötige Nebenhandlung nicht verhindern! Ich finde, dies spricht eindeutig für die Qualität des restlichen Romans.

Nur wünschte ich mir ebenfalls einen Zauberspruch, wenigstens um mir mehr Zeit zum Lesen zu erzaubern!!! (Furunculus! – Oh, verdammt, das war der falsche…!)


erschienen bei dtv/ ISBN: 978-3423213417

[Rezension] Jan Ranft – Himbeerjoghurt mit Sahne

Was tun, wenn man von vornherein weiß, dass die Rezension, die man verfassen wird, äußerst „durchwachsen“ ausfallen wird? Warum schreibe ich dann trotzdem diese Rezension?

Weil hier ein Autor in vielerlei Weise etwas wagte: Jan Ranft hat viele Idee zusammengetragen und zu einer Anthologie gebündelt. Diese Anthologie wurde zudem von ihm überarbeitet, ergänzt und in Eigenregie veröffentlicht. Hochachtung!

Klingt gut! – und wann kommt nun das „Durchwachsene“? Jetzt!

Jan Ranft versammelt auf 256 Seiten satte 53 Geschichten – sehr kurze Geschichten, die eher wie Anekdoten, die sich Freunde beim Bier in der Kneipe erzählen, anmuten. So hätten den Geschichten „aus der Schwulenwelt“ 2 bis 3 Seiten „mehr“ sehr gut getan: Die Charakterisierung der Personen wäre dann vielleicht weniger oberflächlich und deutlich markanter und individueller ausgefallen. Zudem fehlten mir sowohl eine gewisse Qualität im sprachlichen Ausdruck als auch eine Kreativität in Stil und Sprachmelodie – aber vielleicht fehlten auch hierfür die schon erwähnten 2 bis 3 Seiten „mehr“.

Umso bedauerlicher, da Herr Ranft sehr gute Ideen hat, die es wert sind, mit mehr Aufmerksamkeit erzählt zu werden. Seine Geschichten decken eine enorme thematische Bandbreite ab – Liebesroman, Erotik, Coming-of-Age, Horror, (Schwarzer) Humor, Groteske und Ironie – und hätten das Potential, beim Leser richtig zu zünden. Vielleicht wäre die Hilfe eines Lektors hier von Nutzen gewesen.

Lieber Herr Ranft!

Sie haben so viel gewagt: Neben den schon genannten Punkten haben Sie sich zudem im Rahmen einer Buchverlosung dem Urteil eines selbsternannten Literatur-Kritikers gestellt. Hochachtung! Da haben Sie es mehr als verdient, dass ich mit allem nötigen Respekt ehrlich zu Ihnen bin.

Mit herzlichen Grüßen

Andreas Kück

erschienen bei Books on Demand/ ISBN: 978-3752832563

Ich danke dem Autor herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Jack London – Mord auf Bestellung

Ivan Dragomiloff hat ein sowohl außer- als auch ungewöhnliches Geschäftsmodel: Seine erfolgreiche Attentatsagentur beseitig unliebsame Mitmenschen sauber, zuverlässig und diskret nach äußerst ethischen und moralischen Kritikpunkten. Nur diejenigen Zeitgenossen, von deren Tod die Menschheit profitieren würde, finden ein vorzeitiges Ende. Der schwerreiche und integre Winter Hall stellt Dragomiloff eine Falle und beauftragt ihn, sich selbst ermorden zu lassen – nichtsahnend, dass er es mit dem Vater der reizenden Grunya zu tun hat. Ein Wettlauf mit der Zeit sowie kreuz und quer durch die amerikanischen Staaten beginnt…!

Zugegeben: Mit Jack London habe ich Werke wie „Wolfsblut“, „Seewolf“ und „Ruf der Wildnis“ assoziiert. Zudem waren meine Versuche, mich diesen Werken in meiner Jugend zu nähern, kläglich gescheitert: Ich empfand sie als schwülstig, langatmig und somit langweilig (Selbst ein Kartoffel zerdrückender Raimund Harmstorf konnte daran nichts ändern.),…

…35 Jahre später „stolpere“ ich nun über diesen Roman, der mich – zu meiner eigenen Überraschung – sehr begeistert hat. Jack London mixte hier aus einer Prise „James Bond“, einem Schuss „Edgar Wallace“ und einem Spritzer „Malteser Falke“ einen äußerst süffigen Cocktail. Besonders schmackhaft empfand ich die Beschreibungen vom Personal der Attentatsagentur: Hier tummeln sich nur hoch-gebildete Wissenschaftler und Gelehrte, die ihre Taten völlig rational rechtfertigen. Gerade die ausführlichen Dialoge und Gespräche dieser Männer zu Ethik und Moral sind sehr vergnüglich zu lesen, ließen mich beim Lesen mehrfach auflachen und waren in ihrer Argumentation so überzeugend, dass ich beinah versucht war, ihre Morde als ethisch vertretbar anzusehen.

London charakterisiert diese Männer durchweg sympathisch und sehr individuell und verhindert so ein Schubladendenken beim Leser: Es gibt kein Schwarz oder Weiß, kein Gut oder Böse…! Selbst der strahlende Held (Winter Hall) und seine liebreizende Angebetete (Grunya) sind irgendwann so tief in dieser Affäre verstrickt, dass die Mauer ihrer Moral zarte Risse bekommt. Am Ende siegt die Gewissheit, dass niemand von ihnen aus diesem Spiel als Sieger hervorgeht.

…eine äußerst erfreuliche Wiederbegegnung mit Jack London, die hoffentlich nicht meine einzige bleibt!

erschienen bei Penguin / ISBN: 978-3328103400

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Mia Cassany – Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind/ mit Illustrationen von Marcos Navarro

In diesem Fall habe ich einen absoluten Fachmann zu Rate gezogen, der dieses Buch auf „Herz und Nieren“ geprüft hat.

Das liebste Patenkind der Welt (3½ Jahre alt) ist ein Fan von Tierbüchern: Auf einem großen Bücherflohmarkt im letzten Jahr stand er (gefühlt) nur 3 Minuten bei den Kinderbüchern, um dann 15 Minuten in der Naturkundeabteilung konzentriert in einem Tieratlas zu blättern. Wer könnte somit besser über dieses Buch urteilen, wenn nicht er?

Sein Urteil war eindeutig: SEHR GUT!

Auf 16 doppelseitigen Farbtafeln zaubert Illustrator Marcos Navarro die Vielfalt und Farbenpracht der Flora und Fauna unserer Erde, und verzaubert mit seinen bezaubernden Bildern die Betrachter: Er zeigt die Tiere und Pflanzen kindgerecht aber ohne sie zu verniedlichen. Zusammen mit Texterin Mia Cassany, die zu den jeweiligen Lebensräumen kurze Beschreibungen beisteuert, umspannt er den Erdball in einem weiten Bogen, beginnend bei den Rainbow Falls auf Hawaii über den tropischen Regenwald von Honduras zum Nationalpark Kahuzi-Biéga im Kongo, um die Reise im Daintree Nationalpark in Australien zu beenden.

Seine Bilder sind wunderbar farbenfroh und harmonisch, dabei spannend anzuschauen und durchaus detailreich. So kann der Betrachter einem Wimmelbuch gleich sich auf die Suche der Tiere machen und Seite für Seite die Anzahl der jeweiligen Art sammeln. Die Lösungen gibt es am Ende dieses Bilder-Buches zusammen mit Kurzbeschreibungen ausgesuchter Tiere und den korrekten Namen aller Tiere. Um zu erfahren, wo sich welche Naturlandschaft findet, wurde diesem Buch eine Weltkarte vorangestellt.

So werden die Kinder spielerisch und phantasievoll für seltene Lebensräume und vom Aussterben bedrohte Tierarten sensibilisiert.

Hier ist ein außergewöhnliches Sach- und Wimmel-Buch entstanden, dass dem liebsten Patenkind der Welt und seinem Patenonkel gleichermaßen Spaß bereitete.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373843

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!