LESE-HIGHLIGHTS 2025…

Nun ist das Jahr 2025 beinah Geschichte, und wieder frage ich mich, ob es für mich ein gutes oder ein schlechtes Jahr war. Wobei so ein Jahr für sich betrachtet weder das eine noch das andere Extrem sein kann. Das Jahr ist neutral. Vielmehr liegt es an mir (und an vielen Faktoren, die von Außen Einfluss nehmen), wie ich die mir zur Verfügung stehenden 12 Monate fülle und sich das Jahr dadurch für mich entwickelt.

Doch bleiben wir beim Jahr 2025: Die vergangenen Monate waren emotional, arbeitsintensiv, kraftraubend, aufwühlend und brachten schlussendlich eine entscheidende Veränderung. Doch hatte sich diese Veränderung nicht schon am Anfang des Jahres angekündigt? Hatte ich den Beitrag 7 WOCHEN ANDERS LEBEN: …fasten, wem fasten gegeben! nicht bereits mit den Worten „Anscheinend steht dieses Jahr bei mir ganz im Zeichen des Aufbruchs…!“ eingeleitet? Ja, die Veränderungen warfen schon ihren Schatten, doch ich benötigte offenbar deutlichere Impulse, bevor ich den Mut fand, Neues zu wagen.

Ich bin so dankbar, dass ich in all dem Chaos so viel Halt und Unterstützung erfahren durfte. Darum schicke ich voller Dankbarkeit einen herzlichen Gruß an meinen geliebten Gatten, meine wunderbare Familie und an liebe Freunde. Einen besonderen Dank sende ich an meine geschätzten Kolleg*innen, mit denen ich bisher zusammenarbeiten durfte, sowie an frühere Kolleg*innen, die mir abermals ihr Vertrauen schenken und zukünftig mit mir arbeiten werden.

Und ich merke besonders in diesen herausfordernden Phasen in meinem Leben, dass ich die Kultur so sehr brauche. Die Auseinandersetzung mit der Kultur in ihren vielfältigen Facetten ist mir Inspiration, Trost und Zerstreuung zugleich. Neben den Besuchen von Theatern, Konzerten und Ausstellungen zählt für mich natürlich auch die Literatur dazu, und so durfte ich meine Nase auch in diesem Jahr wieder in einige wundervolle Bücher versenken.

Und hier sind sie nun endlich, meine Lese-Highlights des Jahres 2025…



  • Der März begann mit der Entdeckung der äußerst gelungenen Graphic Novel DER PASSAGIER DER POLARLYS nach einem Roman von Georges Simenon. José-Louis Bocquet und Christian Cailleaux haben die düstere Atmosphäre des Originales sehr gut eingefangen.
  • Ebenfalls im März besuchte mich nach fünf langen Jahren der Abwesenheit eine meiner liebsten Schnüfflerinnen: FLAVIA DE LUCE. DES HENKERS LETZTE MAHLZEIT. Ich hoffe, dass ihr Schöpfer Alan Bradley uns nicht wieder so lange auf ihr nächstes Abenteuer warten lässt.
  • Im April entführte mich Štěpán Zavřel mit seinen absolut traumhaften Illustrationen im Bilderbuch TRAUM VON VENEDIG in die sagenhafte Lagunenstadt.
  • Der Mai brachte mir die Bekanntschaft mit der Autorin Kate Atkinson: Ihr neuster Roman NACHT ÜBER SOHO ist spannend, fesselnd und absolut vielschichtig.
  • Im Juni amüsierte mich Winifred Watsons charmanter wie humorvoller Roman MISS PETTIGREWS GROSSER TAG ganz famos und bescherte mir kurzweilige Stunden.
  • Im Juli traute ich mich abermals an Tomasz Jedrowskis IM WASSER SIND WIR SCHWERELOS. Bereits zwei Mal hatte ich diesen Roman zu lesen begonnen und wieder abgebrochen. Es lag definitiv nicht an der literarischen Qualität der Geschichte.
  • Ich liebe Musik: Sie umgibt mich täglich und zu (beinah) jeder Lebenslage. Doch wie entwickelt sich der persönliche Musik-Geschmack? Im August fand ich dank Michel Faber und seinem Buch HÖR ZU! Was Musik mit uns macht darauf und zu vielen weiteren Fragen die Antwort.
  • Ebenfalls im August tauchte ich mit den Illustrationen in ALLE FARBEN DES LEBENS in die wunderbar poetische Welt der Künstlerin Lisa Aisato.
  • Der Oktober überraschte mich mit der bisher besten Adaption eines Agatha Christie-Klassikers, die ich bisher lesen durfte. Als Graphic Novel konnte mich DIE MORDE DES HERRN ABC von Frédéric Brémaud und Alberto Zanon völlig überzeugen.
  • Im November startete ich mit meiner alljährlichen Rubrik LEKTÜRE ZUM FEST:  Beim Lauschen der Hörspiele TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 von Kai Magnus Sting bekam ich vor Lachen Schnappatmung. Kein Wunder bei dieser exquisiten Besetzung!
  • Doch auch Ernsteres hielt der November und somit die Rubrik LEKTÜRE ZUM FEST bereit: Kirsten Boies Erzählung DER WEIHNACHTSFRIEDEN, zu der Claire Harrup stimmungsvolle Illustrationen geschaffen hatte, rührte mich zu Tränen.

…und das war er wieder, mein Lese-Rückblick auf das Jahr 2025, das viel zu schnell vergangen ist. Da bleibt mir nur noch eines zu erwähnen:

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2026!

Liebe Grüße
Andreas

[Rezension] Kai Magnus Sting – TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 (Hörspiel)

Ich bin ja immer etwas zwiegespalten, wenn ein literarisches Werk – und zu diesen wollen wir ein Hörspiel mal zählen, denn schlussendlich liegt dem Ganzen ein Textbuch zugrunde – mit Preisen zugeschüttet und von der Kritik gelobhudelt wird. Nicht immer trifft das Urteil dieser hochintelligenten wie allwissenden Fachkräfte der Literaturszene meinen Geschmack.

Doch im Falle von TOD UNTER LAMETTA handelte es sich um den Publikumspreis, mit dem dieses Hörspiel im Rahmen der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2019 gewürdigt wurde. Naja, und das Publikum, das sind ja schließlich Menschen wie „du“ aber auch wie „ich“. Also schauen wir (ergo „ich“) mal, oder vielmehr hören wir (wieder „ich“) mal, was das Publikum so zu frenetischen Begeisterungsstürme animiert hat.


3 CDs+Bonus-CD/ TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 (2018-2020) von Kai Magnus Sting/ Buch: Kai Magnus Sting / Regie: Leonhard Koppelmann / Ton und Technik: Peter Harrsch / Dramaturgie und Redaktion: Uta-Maria Heim / mit Annette Frier, Jochen Malmsheimer, Bastian Pastewka und Kai Magnus Sting


TEIL 1 // Killende Weihnachtsmänner bringen in der Adventszeit 24 Leute um die Ecke: Tote werden mit Lichterketten erdrosselt, Leichen in Schneemännern versteckt, Glühwein, Gans und Knödel vergiftet. Und mittendrin Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg – hochintelligent, trinkt gern, isst noch lieber und hat immer das letzte Wort–, der dem mörderischen weihnachtlichen Treiben auf die Spur kommen will. Es hilft alles nichts: Um diesen Fall zu lösen, muss er ins Weihnachtskostüm springen. 

TEIL 2 // Kurz vor Weihnachten in einem verschneiten Luxushotel im Schwarzwald: Leute verschwinden spurlos. Der Yeti geht um. In der Heizung spukt‘s. Der Hoteldirektor weiß von nichts. Und zu guter Letzt gibt‘s statt der Bescherung eine mörderische Schneeballschlacht. Mittendrin Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg, der mit seinen beiden Freunden tief in seine kriminalistische Trickkiste greifen und sogar ins Christkindlkostüm schlüpfen muss, um dieses Abenteuer zu überleben.

 (Inhaltsangaben der Homepage des Verlages entnommen!)

Ich lauschte und lachte. Dann musste ich zurückzappen, da ich vor lauter Lachen das Nachfolgende nicht verstanden hatte, um dann wieder zu lachen, worauf ich wiederum zurückzappen musste, um abermals…! Verdammt, so kann’s doch nicht weitergehen. So dauert’s ja ewig, bis ich zum Ende dieser Geschichte komme und endlich erfahre, wer der/die Mörder war(en). Wer hat denn überhaupt diesen Blödsinn verzapft? Kai Magnus Sting. Aha! Muss ich den kennen?

Kai Magnus Sting ist in der Comedy-Szene kein Unbekannter, nur leider an mir ist er gänzlich vorbeigehuscht. Doch dies hat sich nun mit einem Paukenschlag geändert. TOD UNTER LAMETTA, für dessen Buch sich Sting wohl oder übel verantworten musste, bezeichnete er selbst als Krimigroteske. Krimigroteske: So eine harmlose Bezeichnung für diesen irrwitzigen Spaß.

Vorab: Zur Freude eines jeden Produzenten besteht das Ensemble höchst kostengünstig aus nur vier Personen. Neben dem Autor „himself“ erhoben noch Jochen Malmsheimer, Bastian Pastewka und Annette Frier nicht nur jeweils die eigene Stimme. Will sagen: Sie frönten ihrer Lust an multiplen Persönlichkeiten, indem sie in eine Unzahl an unterschiedlichen Figuren schlüpften.

Regisseur Leonhard Koppelmann tat gut daran, den Spieltrieb dieser Vier nur dezent lenkend Einhalt zu gebieten. Ansonsten setzte er auf ein perfektes Timing, auch dank Peter Harrsch, der am Mischpult wahre Wunder vollbrachte und mit Musik und Geräuschen eine geniale Kulisse kreierte, die mich an die TV-Serien der 60er und 70er Jahre erinnerte.

Zur Erklärung: Jochen Malmsheimer spricht hauptsächlich unseren eher wenig jugendlichen Helden ALFONS FRIEDRICHSBERG. Bastian Pastewka und Kai Magnus Sting geben Friedrichsbergs Freunde JUPP STRAATEN und WILLI DAHL sowie alle weiteren männlichen Figuren, wobei Kai Magnus Sting auch als ERZÄHLER fungiert. Annette Frier leiht jeder der weiblichen Figuren eine ihrer mannigfaltigen Stimmen.

Jochen Malmsheimer mimt ALFONS FRIEDRICHSBERG (hochintelligent, verfressen, versoffen, Privatier und Hobbydetektiv) getreu dem Motto „Was schert es die deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr schubbert?“, zumal er mit seiner markanten wie prägnanten Stimme und einer immensen Spielfreude eine deutliche Marke setzt. Wie Holmes seinen Watson hatte, so hat FRIEDRICHSBERG seinen JUPP STRAATEN, den Bastian Pastewka mit lakonischem Witz ausstattet. Als WILLI DAHL wird Kai Magnus Sting eher mitleiderregend von den zwei Freunden untergebuttert. Dafür glänzt er umso mehr als ERZÄHLER: Allein wie und mit welchem Wortwitz er hier intoniert, erinnerte mich stark an den wunderbaren Loriot. Annette Frier ließ mich staunen, da sie anscheinend über einen schier unendlichen Fundus an Stimmen verfügt und alle stimmlichen Facetten vom rustikalen Landei bis zur Femme Fatal beherrscht.

Apropos Loriot: Da kamen einige Passagen zu Gehör, die so grandios waren, dass sie auch direkt vom großen Meister des feinsinnigen Humors hätten sein können. Besonders Annette Frier und Bastian Pastewka werfen sich entsprechend meisterhaft die verbalen Bälle zu und switchen gekonnt durch die Dialekte und Stimmfärbungen. Da gab es höchst amüsante „Szenen einer Ehe“ zu belauschen, und sogar die Simultanübersetzung eines Gesprächs unter Chinesen wurde mir als Zuhörer geboten.

Das Buch von Kai Magnus Sting ist großartig abgedreht, erfreut mit witzigen Wortspielereien, glänzt mit Detailreichtum, bedient genüsslich hemmungslos jegliches Klischee und nimmt Anleihen von Monty Python bis Edgar Wallace, von Agatha Christie bis Arthur Conan Doyle. Mag es auch respektlos wirken, so ist dies doch eine liebevolle Hommage, mit der sich Kai Magnus Sting vor den Großen der Krimi-Zunft verbeugt.

Endlich gibt es ein wirksames Antidot für all diejenigen, die sich am süßlichen Kitsch, am Überfluss an Lichterketten, an Apfel, Nuss und Mandelkern, an „Last Christmas“ in Endlos-Schleife, an pappigen Lebkuchen, am überteuerten Glühwein, an einem unlustigen „Hohoho!“, an blinkenden Weihnachtsmannsmützen und an einer gezwungenen Besinnlichkeit sattgesehen, sattgehört, sattgegessen oder sonst wie gesättigt haben,…

…und so wünsche ich euch und all euren Lieben eine entschlackte Weihnachtszzzzz…

Der Schuss verhallt ungehört in den Weiten der Auen. In einiger Entfernung senkt der Weihnachtsmann die Waffe und murmelt in seinen weißen Rauschebart „Endlich ist er still!“. Neben ihm steht der Yeti und klopft ihm anerkennend auf die Schulter: „Guter Schuss!“. Arm in Arm verschwinden die Beiden im Dickicht des nahen Forsts, während über ihnen ein Sternlein blinkt: Es ist Advent!


erschienen bei der Hörverlag / ISBN: 978-3844540376
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hörexemplar!

LEKTÜRE zum FEST 2025…

Da ist sie wieder: meine liebste Zeit im Jahr! Auch nach all den Jahren, die ich nun schon auf dem Buckel habe, ist meine Freude an der Advents- und Weihnachtszeit nicht geschwunden, und ich habe mir immer noch ein kindliches Staunen bewahrt. Auch wenn ich Ende August aufstöhne, wenn ich mit T-Shirt und Shorts bekleidet vor den ersten Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt stehe, halblaut vor mir her schimpfe und Sätze wie „Das wird auch von Jahr zu Jahr früher!“ verlauten lasse. So verspüre ich doch innerlich ein verführerisches Kribbeln, das andeutet „Bald ist es soweit!“

Bald ist es soweit, und dann werde ich eine Vielzahl an Kartons aus dem Abstellraum kramen, sie öffnen, ihren Inhalt befreien, um ihn mit einer unbändigen Freude über die Zimmer unseres Heimes zu verteilen. Auch sind die Termine zu den vielfältigen und stimmungsvollen Weihnachtsmärkten der Region bereits in meinem Kalender notiert.

Doch meine Beschäftigung mit dieser besonderen Zeit begann schon viel früher: Bereits im Sommer habe ich in all den wundervollen Verlags-Vorschauen geblättert, um rechtzeitig meine Anfragen zweck Rezensionsexemplare für meine Lieblingsrubrik LEKTÜRE ZUM FEST starten zu können. Gleichzeitig warf ich aber wiederum einen Blick auf die Back-List der Verlage und bediente mich auch bei ihr.

Eine gute Geschichte wird nicht schlechter, nur weil ihre Veröffentlichung schon einige Zeit zurück liegt. Da wäre es doch sehr bedauerlich, wenn diese Bücher in Vergessenheit geraten würde, nur weil sie nicht mehr an vorderster Front in den Regalen der Buchhandlungen zu finden sind.



Auch in diesem Jahr habe ich mich bemüht, eine vielfältige Auswahl an Lektüre zusammenzustellen: So wird es poetisch, kriminalistisch, bildgewaltig, märchenhaft, klassisch,…!

Wir lassen uns durch die Saison geleiten mit einem literarischen Adventskalender und schmökern in Weihnachtsgeschichten von „schön bis schaurig“. So manches Verbrechen gilt es aufzuklären, bei dem zur Spannung auch das Lachen nicht zu kurz kommt. Wie bereits in den vergangenen Jahren schauen wir auch diesmal bei Ebenezer Scrooge vorbei. Nur anhand der Kraft der Illustrationen lassen wir uns eine entzückende Geschichte erzählen, bevor wir einem charmanten Telefonat zwischen Vater und Tochter lauschen. Dann amüsieren wir uns an einem perfekt unperfekten Weihnachtsfest, und müssen leider feststellen, dass der Wunsch nach Friede nie aus der Mode kommen wird.

Dies alles gibt es zu entdecken,…

  • NOCH 24 MAL SCHLAFEN. Ein literarischer Adventskalender/ ausgewählt von Ron Mieczkowski
  • Molly Thynne – EINGESCHNEIT MIT EINEM MÖRDER
  • Richard Johnson – ES WAR EINMAL EIN SCHNEESTURM
  • Kai Magnus Sting – TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 (Hörspiel)
  • Kirsten Boie – DER WEIHNACHTSFRIEDEN/ mit Illustrationen von Claire Harrup
  • Beate Maly – ADVENT IM GRANDHOTEL. Eine Weihnachtsgeschichte
  • MEINE LIEBSTEN WEIHNACHTSGESCHICHTEN/ herausgegeben von Dirk Böhling
  • Rodolphe (nach Charles Dickens) – SCROOGE. Eine Weihnachtsgeschichte/ mit Illustrationen von Estelle Meyrand
  • SCHAURIGE WEIHNACHTEN. Klassische Horror- und Geistergeschichten/ ausgewählt von Jochen Veit
  • David Wagner – ALLE JAHRE WIEDER
  • Johanna Lindemann – DIE GESTOHLENE WEIHNACHTSGANS/ mit Illustrationen von Andrea Stegmaier

..und ich hoffe sehr, dass ihr beim Anblick meiner kleinen Auswahl eine unbändige Lust verspürt, selbst in die wunderbare Welt der Weihnachtslektüre einzutauchen. Es würde mich sehr freuen!

Ich wünsche Euch von Herzen eine wundervolle Adventszeit mit vielen inspirierenden Lese-Stunden!

Liebe Grüße
Andreas


P.S.: Wenn Planung und Wirklichkeit aufeinandertreffen, da kann so einiges passieren. Darum: Alle Angaben ohne Gewähr! 😉