
Autor: Andreas Kück - .LESELUST
[Konzert] Pe Werner – VITAMIN PE. DAS PLAUSCHKONZERT / TiF Bremerhaven
TiF – Theater im Fischereihafen Bremerhaven
PE-geisternd – PE-eindruckend – PE Werner
Ach, was soll ich hier großartig schreiben: Eigentlich war es wie immer! Lest einfach meinen Beitrag zu BEST OF: VON A NACH PE, und ihr wisst Bescheid.
So, fertig, Schluss und Ende…!
Nein, natürlich ist dieser Beitrag hier noch lange nicht zu Ende. Es wäre absolut respektlos den Künstler*innen gegenüber und würde dem wunderschönen Abend, der uns geschenkt wurde, nicht gerecht werden.
Mit VITAMIN PE hat Pe Werner erstmals Songs zuerst auf CD und Vinyl gebrannt und dann zum Konzert vereint, die sie ursprünglich für andere Künstler*innen komponiert und getextet hatte. Dabei sieht sie sich ganz pragmatisch als Dienstleisterin für die besagten Künstler*innen, wie sie frei von der Leber weg ausplaudert. Da ist für Eitelkeiten kein Platz, schließlich soll sich der Song möglichst so sehr an die jeweilige Persönlichkeit anschmiegen, dass bestenfalls der Eindruck entsteht, er wurde eigenhändig von dieser komponiert.
So legte sie Katja Ebstein schon die ROSEN UNTERM SCHNEE ins talentierte Goldkehlchen und brachte Bernd Stelter die Erkenntnis LIEBE GEHT BEKANNTLICH DURCH DEN MAGEN. Auch Barbara Schöneberger ließ sie philosophieren WAS EIN MANN TUN MUSS, gab Stefan Gwildis den Rat WER LOS LÄSST, HAT DIE HÄNDE FREI, und das Duo Marshall & Alexander beklagte den LEIHERKASTENMANN. Ihrer Freundin Mary Roos kreierte sie nicht nur das kesse UNBEMANNT, sondern sie führte auch die Feder bei deren Biografie AUFRECHT GEH’N. MEIN LIEDERLICHES LEBEN.
Sogar für den Eurovision Song Contest war sie schon kreativ: Für Caroline Fortenbacher schuf sie die wunderbar poetische Ballade HINTERM OZEAN, mit der sie 2008 im ESC-Vorentscheid mit nur einem Prozent (!) hinter dem (so offensichtlich auf ESC gepimpten) Song der No Angels zurücklag. Im Finale des ESCs teilten sich die „Engel“ dann den letzten Platz mit den punktgleichen Schlusslichtern Polen und England.
Und natürlich brachte sie uns an diesem Abend all diese tollen Lieder zu Gehör. Doch sie wäre nicht die Werner, hätte sie ihre eigenen Songs einfach nur gecovert. Nein, jeden Song hüllte sie in ein individuelles Arrangement und ließ ihn so in anderen Farben erstrahlen. Da feilte sie gekonnt an der Orchestrierung und veränderte das Tempi, bis die Komposition absolut PE-glückend war.
An ihrer Seite saß wieder Peter Grabinger am Klavier, das er so virtuos zu spielen verstand, und auch Ton-Mann Pit Lenz musste abermals das Dunkel seines Mischpults verlassen, um sowohl vokal wie auch „mundharmonikalisch“ im Rampenlicht zu glänzen. Pe Werner griff sogar höchstpersönlich zur Klampfe und zupfte gekonnt die Saiten ihrer Gitarre.
Wie es sich für ein Plauschkonzert gehörte, plauderte sie charmant aus dem Nähkästchen und verriet uns das eine oder andere Anekdötchen. So erfuhren wir, warum sie sich mit dem Wunsch Annett Louisans nach einer Textänderung (eigentlich war es nur eine einzige Zeile) nicht anfreunden konnte, und besagter Song somit nicht von Annett eingesungen wurde. Für Mireille Mathieu hatte sie hingegen gerne Änderungen vorgenommen: Dank dieser Änderungen konnte die Französin Mireille Mathieu den deutschen Text deutlich flüssiger singen. Auch Barbara Schöneberger war nicht von allen ihren musikalischen Ergüssen gleichermaßen entzückt. Doch dies stellte für Pe Werner kein Problem dar: Dann landete die Komposition eben vorerst in der heimischen Schublade, bis sie bei passender Gelegenheit ihr eigenes Kröpflein zum Schwingen brachte.
In diesem Konzert gesellten sich zu den genannten Songs nahtlos ihre eigenen Hits und verbanden sich zu einer harmonischen Einheit. Da streute sie voller Melancholie NE PRISE ZIMT in unseren Coffee-to-go, schickte sehnsuchtsvoll den SEGLER AUS PAPIER auf Reise und sorgte mit KRIBBELN IM BAUCH, dass die Tränen über meine Wangen rannen.
Es war nicht einer dieser Abende mit einem, zwei oder drei Highlights: Oh nein, der komplette Abend war ein einziges grandioses Highlight! Es war wieder so schön! 💖
Es wird weiterhin geplauscht! Pe Werner und ihre Mannen sind mit VITAMIN PE. DAS PLAUSCHKONZERT immer noch fleißig auf Tour.
WELTTAG des BUCHES 2025…
HURRA! Heute feiern wir das Medium, ohne dessen Existenz wir als Buch-Blogger*innen keine Daseinsberechtigung hätten. Okay, vielleicht wäre es dann sinniger, die Geburtsstunde des modernen Buchdrucks durch Johannes Gutenberg zu feiern. Da hierfür allerdings kein genaues Datum überliefert wurde, müssen wir eben die Feste feiern, wie sie fallen – getreu dem Motto: Besser als nix! 😉
Der WELTTAG DES BUCHES geht auf einen Beschluss der 28. Generalkonferenz der Weltkulturorganisation UNESCO zurück und wurde erstmals im Jahre 1995 gefeiert. Der Tag soll auf die unverzichtbare Rolle des Buches in der Informationsgesellschaft sowie auf die Rechte der Autoren hinweisen. Der 23. April wurde gewählt, weil es sowohl der Todestag von William Shakespeare als auch des spanischen Dichters Cervantes ist.
Und selbstverständlich werde ich mich auch in diesem Jahr an der wunderbaren Aktion ICH SCHENKE DIR EIN BUCH! beteiligen: Abermals stehen zehn Bücher in den Startboxen bereit und warten ungeduldig auf ihre Auswilderung. Dazu habe ich die lieben Kleinen natürlich sicher verpackt und mit einem entsprechenden Etikett versehen.
ALSO: Alle, die heute im Stadtgebiet von Osterholz-Scharmbeck unterwegs sind, sollten die Augen offen halten. Vielleicht läuft Euch ja so ein herr*innen-loses Buch vor die Füße. Dann breitet bitte voller Herzlichkeit Eure Arme aus und schenkt ihm ein neues Heim. Es wird es Euch mit Stunden voller Unterhaltung und Inspiration mannigfach lohnen. 😄
[Kolumne] 7 WOCHEN ANDERS LEBEN: …fasten, wem fasten gegeben!
Anscheinend steht dieses Jahr bei mir ganz im Zeichen des Aufbruchs…!
Nachdem im letzten Jahr meine Gesundheit – insbesondere mein Rücken – nicht unbedingt einen verlässlich stabilen Eindruck hinterlassen hatte, musste ich sowohl zähneknirschend wie auch schmerzhaft registrieren, dass die Zeit für Veränderung reif zu sein schien. Doch dies hinderte mich nicht, anfangs ein (vielleicht) typisch männliches Verhaltensmuster an den Tag zu legen:
„Wenn nichts mehr weh tut,
kann es so schlimm ja nicht gewesen sein!“
Anfang des Jahres brachten sich dann die Rückenschmerzen in einer gemilderten Variation bei mir wieder in Erinnerung und veranlassten mich, mich bei einem Rücken-Präventionskurs anzumelden, der allerdings erst im März beginnen sollte. Mit dem guten Gewissen, die richtigen Maßnahmen gewählt und somit den korrekten Weg eingeschlagen zu haben, machte ich fröhlich weiter wie bisher. Die Quittung erhielt ich prompt im Februar, als die Hexe mir beim Einräumen der Spülmaschine so derbe in den Rücken schoss, dass ich kaum fähig war, meinen Körper wieder in die Senkrechte zu befördern. Über vier Wochen erarbeitete ich mir wieder ein (halbwegs) schmerzfreies Leben. Seitdem mache ich an (beinah) jedem Morgen meinen kleinen Spaziergang durch unseren schönen Stadtwald, unterdrücke dabei sehr bewusst den Impuls in das von mir gewohnte Schritt-Tempo zu verfallen. Vielmehr habe ich mir einen eher schlendernden Gang angewöhnt, der meine von der Nacht noch steife Wirbelsäule sanft in Bewegung bringt. Auch der Präventionskurs hat nun begonnen: Nach der ersten Stunde gezielter Bewegung war ich bis auf die „Unnerbüx“ nassgeschwitzt und taumelte erschöpft aber zufrieden zum Auto.
Und auch die größte Baustelle muss/wird von mir in Angriff genommen: 150 kg Lebendgewicht schränken nicht nur das körperliche Wohlbefinden ein, sondern sie nehmen auch massiv Einfluss auf die Funktionalität der Gelenke und („Ach was?“) des Rückens. Doch alles zu seiner Zeit, und eins nach dem anderen: Schließlich haben sich besagte Probleme nicht von einem Tag auf den anderen entwickelt. Vielmehr war es ein schleichender Prozess, den ich durchaus viel früher hätte unterbrechen können aber es leider – aus vielfältigen Gründen – nicht getan habe. Somit rechne ich durchaus damit, dass ich meine Zeit brauche, bis ich hier sicht- und spürbare Erfolge erzielen werde.
Aber auch an einer anderen Front sah ich durchaus deutlichen Handlungsbedarf. So hatte ich mich entschlossen, in diesem Jahr zu fasten: Die Fastenzeit begann am 5. März und endete am 20. April. Fasten bedeutet für mich, auf etwas zu verzichten, das einen hohen Stellenwert in meinem Leben einnimmt und von dem ich bisher meinte, nie darauf verzichten zu können. Doch genau dies wollte ich gerne versuchen und mich während dem o.g. Zeitraum dem Internet entziehen. „Warum?“ werdet ihr vielleicht fragen. Aufgrund dessen, dass ich so viel Zeit am PC und somit im Internet verbrachte, um meine Accounts mit Inhalt zu füttern, bekam ich andere Dinge („Wie drücke ich es mal treffend aus?“) einfach nicht geschissen.
Doch da ich mich und mein wankelmütiges Durchhaltevermögen kannte, war mir bewusst, dass ich einen Anreiz/einen Impuls benötigte. Zu meiner Unterstützung nahm ich diesmal wieder an der Fasten-Aktion „7 Wochen anders leben!“ von ANDERE ZEITEN e.V. teil. ANDERE ZEITEN e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der mit seinen Initiativen die Zeiten und Feste des Kirchenjahres mehr ins Bewusstsein rücken möchte. Dabei sind sie äußerst kreativ, doch nie dogmatisch. Sämtliche Überschüsse werden als Spenden an kirchliche und kirchennahe Projekte ausgeschüttet. Bei der Fasten-Aktion „7 Wochen anders leben!“ erhielt ich (neben einer Broschüre zur Einstimmung) Woche für Woche einen Brief zugeschickt, der mich mit Geschichten und Cartoons motivieren und mit Denkanstöße und Zitate inspirieren sollte.
Meine Accounts legten in dieser Zeit eine Pause ein, und meine Aktivitäten sollten sich höchstens auf das Beantworten persönlicher Nachrichten beschränken. Ansonsten wollte ich mich den Versuchungen des Internets bewusst entziehen, das ja auch einen großen Zeitfresser darstellt. Obwohl diese Entscheidung mich beinah euphorisierte, keimte auch Unsicherheit in mir auf. Sollte ich mich wirklich so radikal – wenn auch nur für einen klar umrissenen Zeitraum – aus der Bubble zurückziehen? Besteht nicht die Gefahr, dass ich aufgrund dieser Passivität Follower verliere? Habe ich nicht eine Verantwortung gegenüber meinen Followern? Doch habe ich nicht eine viel größere Verantwortung mir selbst gegenüber?
Natürlich hätte ich auch ohne diese Fasten-Aktion – zumindest theoretisch – meine Internet-Präsenz reduzieren können, doch irgendwie fühlte ich mich durch die Teilnahme an dieser Aktion, als hätte ich mir selbst die Absolution erteilt und somit die Erlaubnis zum Internet-Detox erhalten.
WOCHE 1 + 2
Die Euphorie des Neubeginns trug mich durch die ersten beiden Wochen. Ich genoss die neue Freiheit, die mir die gewonnene Zeit bot, und war aktiv wie schon lange nicht mehr. So wurden u.a. die Regale im Arbeitszimmer aufgeräumt, Sträucher im Garten beschnitten, der Stapel mit Unterlagen aus mehreren Epochen sortiert und archiviert, und ich las gefühlt nahtlos 3 Bücher hintereinander weg. Es war großartig!
WOCHE 3
Ich ertappte mich dabei, wie ich – nachdem die persönlichen Nachrichten gecheckt waren – bei den Accounts meiner Blogger-Kolleg*innen hängen blieb, um mal hier, mal dort etwas zu lesen. Doch spätestens, wenn ich erstmals und wie selbstverständlich auf LIKE klicken wollte, meldete sich das schlechte Gewissen bei mir, und ich trennte mich – schweren Herzens – von der Tastatur, nur um wenig später wieder – wie ein Süchtiger um seinen Dealer – um den Computer herumzuschleichen. „Vielleicht ist in den letzten 30 Minuten eine persönliche Nachricht für mich angekommen, die dringend beantwortet werden muss?“ Nein, das war nicht der Fall, und somit schlich ich mit gesenktem Haupt wieder aus dem Zimmer.
WOCHE 4
Ich war absolut tiefenentspannt im hier und jetzt: Da ich von Vornherein diesen Block bei der Fasten-Aktion ausgespart hatte, nutze ich den wiedergewonnenen Elan und schrieb fleißig Rezensionen zu den in den vergangenen Wochen gelesenen Büchern sowie Berichte über Theater- und Event-Besuche. Ich genoss es regelrecht, mich nicht in der Verpflichtung zu sehen, meine Accounts bei Facebook und Instagram mit Inhalt füllen zu müssen – eine Verpflichtung, die ich übrigens mir selbst auferlegte. Die Wörter flossen nur so aus meinen Fingern über die Tastatur in den Rechner, um sich in launigen Beiträgen zu sammeln. Aus diesem Hochgefühl heraus hätte ich Helden zeugen können!
WOCHE 5
Doch dann begann die nächste Woche: In der Zwischenzeit hatten sich etliche Beiträge auf meinem Blog angesammelt, und es juckte mir in den Fingern, sie endlich der Weltöffentlichkeit via Social Media Accounts zu präsentieren. Doch ich widerstand! Meine geschätzten Blogger-Kolleginnen beim Challengemonday diskutierten über die weiteren Themen für die kommende Montage – allerdings ohne mich, dabei hätte ich so viel beizutragen. Doch ich widerstand! Andere Blogger-Kolleg*innen markierten mich freundlicherweise in ihren Beiträgen und luden mich so zu Aktivitäten ein. Doch ich widerstand! Mein Fazit nach dieser Woche: Widerstand zerrt an den Nerven und macht extrem müde!
WOCHE 6
Den Versuchungen des Internets zu widerstehen, darauf lag in dieser Woche absolut nicht mein Hauptaugenmerk, und demzufolge verschwendete ich daran auch nur wenige Gedanken. Vielmehr zwickte – nach einigen anstrengenden Diensten – mein Rücken leider wieder mehr. Während der Arbeit merkte ich, dass ich mein über Jahre antrainiertes Arbeits-Tempo nicht mehr (durch)halten konnte. Viele Tätigkeiten fielen mir deutlich schwerer und brauchten entsprechend ihre Zeit bei der Durchführung. Da half mir meine mit der Zeit verfeinerte Fähigkeit zum strukturierten Arbeiten schon sehr, und ich glaube (hoffe), dass ich trotzdem eine gute Leistung erbracht habe. Doch in stillen Momenten machte ich mir so meine Gedanken, ob und wie lange ich dieser Belastung noch standhalten könnte.
WOCHE 7
So, wie WOCHE 6 endete, fing auch WOCHE 7 für mich an: Mein Rücken-Aua hatte an Intensität gewonnen, sodass ich mir eine Pause gönnte und mich für den Montag krank meldete. Da Ostern nahte und somit auch vier Frühdienste über die Feiertage, hatte ich durchaus realistische Bedenken, dass, wenn ich mir jetzt keine Ruhe gönne, ich spätestens Ostern die Quittung dafür erhalten würde. So verbrachte ich meine Zeit mit einer wechselnden wie auch leichten körperlichen Betätigung in Kombination mit Rücken-Gymnastik, und entsprechend wenig hockte ich vor dem PC. Ich vermisste ihn allerdings auch nicht.
FAZIT
Am Ende der Fasten-Aktion „7 Wochen anders leben!“ stellte ich mir die Frage, ob ich abermals ein Internet-Detox in dieser Form für mich wählen würde. Meine Antwort lautete „Nein, ich würde nicht!“. Die wöchentlichen Fasten-Briefe von ANDERE ZEITEN e.V. hätte ich definitiv deutlich besser in die Fastenzeit integrieren können, um so Impulse für meinen Alltag aus ihnen zu ziehen. Doch auch so waren sie mir Mahnung und Halt, gaben Struktur, und allein ihr wöchentliches Erscheinen war Ansporn für mich und ließ meine innere Stimme mir zuflüstern „Bleib’ dran!“.
Aber ich ziehe durchaus meine Lehre aus dieser Zeit: Ich mag es, mich mit meinen Accounts zu beschäftigen und sie mit Inhalt zu füllen, ebenso sehr, wie ich den Austausch mit meinen Blogger-Kolleg*innen schätze. Allerdings werde ich mich bemühen, die Zeit nicht mehr sinnlos im Netz zu „verdaddeln“. Denn vieles, was ich tue (bzw. nicht tue) nimmt auf andere Bereiche meines Lebens einen deutlich spürbaren Einfluss. Meine ausdauernde Beschäftigung mit dem Internet geht natürlich mit einem Mangel an Bewegung einher, der wiederum meine Körperhaltung bestimmt, zu Verspannungen in Rücken und Nacken führt und eher rudimentär zur Gewichtsreduktion beiträgt. Schon kleine bis kleinste Aktivitäten im Haushalt erfüllten mich mit einem Gefühl der Zufriedenheit, da ich mir mein Nest schöner machte.
Die Spaziergänge durch den Stadtwald entwickelten sich zu einem Ritual: Auf meinem Weg höre ich die Vögel zwitschern, der Specht pocht, Eichhörnchen huschen durch das Geäst, und unter den Bäumen sprießen Buschwindröschen durch das welke Laub des vergangenen Jahres. Zudem habe ich eine besondere Stelle für mich entdeckt, wo die Bäume ein wenig lichter stehen und die Sonne mir so wohltuend ins Gesicht scheinen kann. Dort bleibe ich immer für einige Minuten stehen, schließe die Augen, horche in mich hinein und genieße das Licht, den Wind und den Duft des Waldes. In diesen kurzen, wertvollen Momenten spüre ich keinen Schmerz.
So waren die vergangenen 7 Wochen für mich schwer, aufwühlend, emotional und – Ja! – auch schmerzhaft aber ebenfalls äußerst lehrreich: Mein Blog und meine Accounts sind ein wunderbar bereicherndes Hobby, das mir durchaus Vergnügen bereitet. Aber auch nicht mehr! Viel wichtiger ist mir die Lebenszeit, die ich mit Lieblingsmenschen verbringe. Sie ist so kostbar und schenkt mir kleine wie große Glücksmomente, an die ich mich immer wieder mit Freude erinnern werde.
Infos zu den Aktionen von Andere Zeiten e.V. findet ihr auf deren HOMEPAGE.
APHO·RI·SI·A·KUM…

[Rezension] Štěpán Zavřel – TRAUM VON VENEDIG
Venedig: bunt und lebhaft, melancholisch und morbide, weltoffen und voller Geheimnisse, zwischen Tradition und Moderne, Sehnsuchtsort vieler Hochzeitsreisender – dies alles (und noch so viel mehr) steht für die mythenumrankte Lagunenstadt an der Adria. Auch viele Literaten konnten sich ihrem Zauber nicht entziehen, schöpften aus ihr die Inspiration und wählten sie als Handlungsort für ihre Werke: Thomas Manns „Tragödie einer Entwürdigung“ gipfelte in TOD IN VENEDIG, Donna Leon schickt Commissario Brunetti seit VENEZIANISCHES FINALE stetig durch die Gassen dieser Stadt, und auch der berüchtigte Giacomo Casanova erlebte amouröse ABENTEUER IN VENEDIG.
Was hier so romantisch-harmlos klingt, birgt auch große Gefahren für die Stadt. Die Menschenmassen, die sich täglich touristisch über die Stadt ergießen, die großen Kreuzfahrtschiffe, die in einen Hafen einlaufen, der nicht für sie geschaffen ist, und zudem die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels: Sie verändern das Leben in Venedig. Dies erkannte schon in den 70er Jahren der Künstler Štěpán Zavřel und schuf mit TRAUM VON VENEDIG ein phantasievolles Bilderbuch, das zum Träumen verführt aber auch einen ernsten Unterton besitzt.
Inspiriert von einem Bild, das Marco in der Schule gemalt hat, träumt er sich des Nachts in eine zauberhafte Welt: Seine Heimatstadt Venedig ist plötzlich gänzlich unter dem Meeresspiegel. Eine kleine Meerjungfrau lädt ihn ein, mit ihr gemeinsam durch die versunkene Stadt zu tauchen. Sie schwimmen vorbei an all den bekannten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, die nun im schemenhaften Licht, das sich durch das Wasser bricht, noch viel geheimnisvoller erscheinen. Doch das viele Wasser schadet zunehmend der Stadt, und es ist fraglich, wie lange diese Schönheit noch erhalten bleibt…!
Bereits Ende der 60er Jahre hatte Štěpán Zavřel die Idee, mit dem Bohem-Verlag eine Institution zu gründen, die den Kindern durch Bilderbücher die Kunst näher bringen sollte. So ist dieses Buch sein kunstvolles Vermächtnis, die Kinder für die Schönheit Venedigs zu sensibilisieren, und gleichzeitig sein Appell, die Stadt zu schützen.
Seine Bilder sind alles andere als naturalistisch, vielmehr verstärken sie mit ihrem Stil die märchenhafte Komponente der Geschichte. Zwar ist Venedig mit den markanten Bauwerken klar wiederzuerkennen, doch sind die Formen schmeichelnd rundlich. In den Bildern fächert sich das Panorama der Stadt harmonisch vor den Augen der Betrachtenden auf. Ebenso harmonisch wählte Zavřel auch seine Farben: Sie wechseln nuancenreich von Blau zu Grün, von Gelb über Orange zu Rot. Mit helleren Farben setzte er gekonnt Akzente und deutete Lichtreflexe an. Wasserpflanzen umspielen wunderbar schwebend und fließend die Architektur der Stadt und lassen diese geheimnisvoll erscheinen. Die Gebäude wirken, als würden sie sich gemeinsam mit der Vegetation im Wasser sanft hin und her wiegen. Seine Kunstwerke sind (passend zum Titel des Buches) traumhaft schön.
Anlässlich des 20. Todestages von Štěpán Zavřel erschien im Jahre 2019 seine Hommage an diese außergewöhnliche Stadt in einer limitierten Sonderedition, die mich sowohl absolut beeindruckt wie auch ganz und gar begeistert hat.
erschienen bei Bohem / ISBN: 978-3855815753
[Noch ein Gedicht…] Ludwig Uhland – FRÜHLINGSGLAUBE
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal;
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Ludwig Uhland
LI·TE·RA·RISCHE HEL·DEN…

[Rezension] Josephine Tey – WARTEN AUF DEN TOD
Angelehnt am Stil des klassischen „Whodunit“ gestaltete Josephine Tey dieses erste Auftreten ihres Ermittlers Inspector Alan Grant auf der literarischen Bühne. Dieser Kriminalroman, der im Jahre 1929 erschien, stand noch ganz unter dem Einfluss der rigiden Regeln des Detection Clubs. Im besagten Jahr versuchten Mitglieder des Detection Clubs mit ihren „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“, Richtlinien für den Kriminalroman aufzustellen. Diese Regeln wurden allerdings nicht von allen Mitgliedern des Clubs als seriös empfunden, teilweise wurden sie auch belächelt und für einen Scherz gehalten, und auch Tey selbst empfand sie als zu starr, zu einengend. Ihre Kriminalromane fallen dadurch auf, dass sie besagte Genreregeln bewusst brechen oder zumindest deren Grenzen ausreizen.
Ganz London, scheint es, steht vor dem Woffington-Theater Schlange. Nach zwei Jahren Spielzeit ist dies die letzte Woche von „Wussten Sie es nicht?“. Wer das legendäre Musical noch einmal sehen will, muss stundenlang vor der Theaterkasse ausharren. Als inmitten des Gedränges ein Mann ohnmächtig zusammensackt, weichen die Umstehenden erschrocken zurück: Aus seinem Rücken des Mannes ragt der Griff eines Dolchs. Der Unbekannte ist tot, heimtückisch erstochen in der Menschenmenge. Inspector Alan Grant von Scotland Yard, der mit den Ermittlungen beauftragt wird, sieht sich einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber: Nicht nur hat niemand der Anwesenden irgendetwas beobachtet, auch die Identität des Toten ist vollkommen unbekannt. Grant hält sich an die wenigen Indizien, die er hat – den altmodischen Typ des Dolchs, die Kleidungsstücke des Toten und die merkwürdige Mordmethode. Und er tut, was er am besten kann: Er nutzt die Kraft seiner Gedanken.
(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)
Schon in ihrem ersten Alan Grant-Roman zeigte sie alle Ingredienzien, die ich an ihrem Schreibstil so sehr schätze und lieben gelernt habe. Wieder staunte ich über den stringenten Aufbau der Geschichte, die intelligenten Dialogen und die schlüssigen Entwicklungen. Sehr detailreich lässt sie uns am inneren Monolog unseres Helden teilnehmen. Dabei schlägt sie bereits mit diesem Roman den „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“ ein Schnippchen: Der Verdächtige ist gefasst, und die Beweise sprechen deutlich dafür, dass nur er der Schuldige sein kann. Nun dürfte der Roman doch zufriedenstellend enden, oder?
Doch nein, denn da warteten locker noch weitere 70 Seiten auf mich als Leser. Verwundert blickte ich auf diese Menge an Papier, und mir schwante, dass das Ende nicht wie erhofft vorhersehbar sein würde. Da hatte ich durchaus so eine Ahnung, wer der wahre Täter (oder vielleicht auch: die wahre Täterin) sein könnte, und dann schlägt Tey auch mir ein Schnippchen, indem sie ein überraschendes aber alle Ungereimtheiten aufschlüsselndes Ende präsentiert. Grandios!
Val McDermid bezeichnete die Kriminalromane von Josephine Tey als das „Bindeglied zwischen den klassischen Detektivgeschichten des Golden Age und der Kriminalliteratur von heute.“. Indem sie immer wieder unkonventionelle Themen ansprach und mit festgefahrenen Lesegewohnheiten brach, hat sie ihren Kolleginnen wie z. Bsp. P.D. James und Patricia Highsmith den Teppich für deren kreative Schaffenskraft ausgerollt und den Weg geebnet, auch ungewöhnliche wie unbequeme Plots zu wagen.
erschienen bei OKTOPUS by Kampa / ISBN: 978-3311300557 / in der Übersetzung von Jochen Schimmang
[Rezension] Isabelle Bottier (nach Agatha Christie) – TOD AUF DEM NIL/ mit Illustrationen von Callixte
Voller Ungeduld hatte ich schon auf das Erscheinen dieser Graphic Novel gewartet: Nachdem mich das Team „Bottier & Callixte“ mit HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN bereits restlos überzeugen konnte, hatte ich meine Erwartungen entsprechend hoch angesetzt und wurde nicht enttäuscht.
Abermals war Isabelle Bottier so klug und orientierte sich bei ihrer Konzeption der Handlung nah am Original – so nah, dass mir die Kürzungen zwar auffielen, diese allerdings den Fluss der Geschichte nie behinderten bzw. aufgrund Unklarheiten bei mir Fragen aufwarfen. So blieben zwar die Beweggründe einiger Charaktere etwas nebulös im Verborgenen, doch diese Reduzierungen mit dem Fokus auf die Hauptcharaktere ist dem Umfang einer Graphic Novel geschuldet. Auch die Übersetzung durch Thomas Schöner möchte ich als gelungen bezeichnen. Die Dialoge, die er den Protagonist*innen in die Sprechblasen zauberte, wirkten auf mich nie sperrig oder unnatürlich. Und doch sind mir da ein paar kleine Fehler aufgefallen (siehe: „Backbord“ bzw. „Steuerbord“), die mich anfangs ein wenig irritierten. Ob die besagten Fehler nun bei der Übertragung ins Deutsche entstanden oder bereits im Original zu finden waren und unbedacht übernommen wurden, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ihr Vorhandensein schmälerte nicht meine Freude an dieser spannenden Story.
Die schöne Millionenerbin Linnet Ridgeway heiratet den ehemaligen Verlobten ihrer Freundin Jacqueline de Bellefort, Simon Doyle. Während ihrer Hochzeitsreise in Ägypten werden sie beständig von Jacqueline verfolgt, die sich so an dem Paar rächen will. Linnet Doyle bittet Hercule Poirot um Hilfe, doch dieser fühlt sich außerstande die Situation zu entspannen. Selbst als das junge Ehepaar sich heimlich auf den Nildampfer Karnak begibt, ist Jacqueline de Bellefort bereits an Bord. Eines späten Abends – Linnet ist bereits zu Bett gegangen – zückt Jacqueline im betrunkenen Zustand und voller Eifersucht ihre Waffe und schießt Simon eine Kugel ins Bein, der bewegungsunfähig zusammenbricht. Er bittet die beiden Augenzeugen Mr. Fanthorp und Miss Robson darum, Jacqueline in ihrem hysterischen Zustand nicht allein zu lassen, da er befürchtet, sie könne sich etwas antun. Er selbst wird wenige Minuten später von dem mitreisenden Arzt Dr. Bessner in dessen Kabine versorgt. Am Morgen darauf wird Linnet Doyle erschossen in ihrer Kabine aufgefunden. Doch Jacqueline ist während der möglichen Tatzeit von einer Krankenschwester bewacht worden und kann den Mord somit nicht begangen haben. Und es soll nicht bei diesem einen Mord bleiben: Poirots Ermittlungskünste sind mehr denn je gefragt…!
Auch Illustrator Callixte (alias Damien Schmitz) überzeugte mich mit seiner Kunst: Abermals schuf er für das Ensemble in dieser Geschichte höchst individuelle wie detailreiche Physiognomien, die es gar vortrefflich charakterisierten. Bei den älteren Damen ist er mir allerdings etwas über das Ziel hinausgeschossen und lässt sie beinah wie Karikaturen erscheinen. Voller prägnanter Details sind ebenso seine Settings: Er taucht diese gerne in die orange-rot-braune Farbpalette, die gelungen das Erdig-urwüchsige der ägyptischen Wüste wiederspiegelte.
Wann der Carlsen-Verlag weitere Christie-Klassiker im Gewand einer Graphic Novel veröffentlicht, das steht noch in den berühmt-berüchtigten Sternen. Doch eins ist sicher: Es bleibt spannend!






