[Rezension] Erich Kästner – DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (Hörspiel)

Wie fühlt es sich für mich an, wenn ich Erich Kästner lese? Ich werde warm umarmt und von einer Welle aus Humor, Weisheit und Menschlichkeit umspült. Er schafft es wie kein anderer Literat, dass mir seine Werke auch beim wiederholten Lesen niemals langweilig werden. Vielmehr entdecke ich immer wieder neue Aspekte, die mich berühren und/oder zum Nachdenken anregen.

Doch würde dies im gleichen Maße auch eine Adaption schaffen? Bei den älteren Verfilmungen gelingt dies ganz famos, da hier der Meister am Entstehungsprozess elementar beteiligt war. Nun habe ich zum ersten Mal einem Hörbuch, das auf einem seiner Werke basiert, gelauscht…


1 CD/ DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER von Erich Kästner (1964)/ Produktion & Hörspielbearbeitung: Kurt Vethake/ Regie: Benno Schurr/ mit Heinz Schimmelpfennig, Wolfgang Reinsch, Ludwig Thiesen, Hannes Tannert, Maja Scholz, Irene Marwitz, G. Noebel, Rainer Baudisch, Lutz Hochstrate, Thomas Rosengarten, Tim Elstner, Karl-Heinz Butzen, Herbert Dardel u.a.


Seit Jahren sind die Schüler aus dem Internat Kirchberg und von der benachbarten Realschule verfeindet. Beide Gruppen denken sich die verrücktesten Streiche aus, um die anderen zu ärgern. Als die Realschüler die Diktathefte der Gymnasiasten klauen und dabei auch noch einen Schüler gefangen nehmen, hört der Spaß allerdings auf: Uli, Matthias und ihre Freunde fordern die Realschüler zum alles entscheidenden Kampf auf.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Schon zu meiner Rezension des Romans DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER fiel es mir schwer, die Inhaltsangabe für eine Geschichte zusammenzuschustern, in der so viel passiert. Wie mag es da den Verantwortlichen des vorliegenden Hörspiels ergangen sein, die sich der herausfordernden Aufgabe stellen mussten, ein komplexes Werk auf eine vertretbare Länge (in diesem Fall: 51 Minuten) kürzen zu müssen? Da werden Handlungsstränge zwangsläufig nur komprimiert wiedergegeben. Einige Aspekte können nur angerissen werden, andere fallen völlig weg. So taucht die titelgebende Schulaufführung nur als Randerscheinung auf, und auch das Wiedersehen zwischen Dr. Johannes „Justus“ Bökh und dem Nichtraucher wird arg verkürzt wiedergegeben.

Wie die obige Inhaltsangabe des Verlages offenbart, wurde der Schwerpunkt auf die Fehde zwischen den Schülern der unterschiedlichen Schulen gelegt. Dies gelingt Kurt Vethake mit seiner Hörspielfassung auch sehr charmant. Regisseur Benno Schurr sorgt in der Umsetzung für ausreichend jugendlichen Elan und lässt die vor allem jungen Sprecher sehr natürlich agieren.

Die Jungenschar war durchweg talentiert besetzt und wirkte so homogen in ihrem Zusammenspiel, dass ich niemanden hervorheben möchte bzw. kann. Anfangs irritierten mich allerdings die unterschiedlichen Tonlagen der Jungs: Es klang, als wären die Einen noch weit vom Stimmbruch entfernt, während andere schon in einer reiferen Bariton-Lage brummten.

Heinz Schimmelpfennig übernimmt hier den Part, den Kästner bei den Verfilmungen gerne selbst übernommen hat, und führt als Erzähler souverän-sympathisch durch die Handlung. Wolfgang Reinsch (Dr. Bökh) und Ludwig Thiesen (der Nichtraucher) mimen überzeugend die erwachsenen Bezugspersonen der Jungs. Hannes Tannert sorgt als Professor Kreuzkamm für die kauzig-komischen Momente.

Der Geist von Erich Kästner war bei diesem Hörspiel zwar durchaus spürbar, und ich fühlte mich fraglos gut unterhalten. Doch aufgrund der Kürzungen, die zwangsläufig bei der Umsetzung für dieses Medium unerlässlich sind, konnte mich das Hörspiel emotional nicht so sehr berühren wie es Roman oder Film vermögen:

Da lache und weine ich – immer im Wechsel, und hinterher bin ich glücklich.


erschienen bei Oetinger. audio / ISBN: 978-3837301458
ebenfalls erschienen als Roman bei Atrium / ISBN: 978-3855356072 und als Hörbuch bei Oetinger. audio / ISBN: 978-3837307207

[Rezension] Hans Fallada – DER GESTOHLENE WEIHNACHTSBAUM/ mit Illustrationen von Ulrike Möltgen

Ich liebe die Bücher aus der Insel-Bücherei! Jedes für sich ist ein kleiner literarischer Schatz, hochwertig in der Ausstattung, verführerisch im Inhalt. Diesmal konnte ich der unnummerierten Sonderausgabe mit Erzählungen von Hans Fallada nicht widerstehen, die in diesem Jahr in einem größeren Format erschienen ist.

Zumal es mir eine wunderbare Möglichkeit bot, mich diesem Autor dezent anzunähern. Hans Fallada zählt zu den Literaten, an dessen Werk ich mich bisher noch nicht herangetraut hatte, dies aber gerne ändern möchte. Schließlich gilt Hans Fallada als einer der bedeutendsten sozialkritischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts Deutschlands. Wenn ich mir sein Leben – zwischen Sucht und Suizid, zwischen Systemkritik, Opportunismus und Repression, zwischen Genie und Wahnsinn – anschaue, dann ist es umso erstaunlicher, welche Fülle an Werke er geschaffen hatte. Doch vielleicht konnte er nur so seine kreative Kraft vollständig entfalten.

Ebenso erstaunlich ist es, dass (zumindest) die in diesem Büchlein vereinten vier weihnachtlichen Geschichten trotzdem eine wunderbare Leichtigkeit ausstrahlen und durch ihre kesse Ironie und einem spitzbübischen Humor überzeugen. Die durchaus vorhandene Kritik an Obrigkeit und Gesellschaft drängt sich nie dominant in den Vordergrund. Vielmehr stecken diese Geschichten voller Witz, Wärme und einer Menge Menschlichkeit.

Was tun, wenn Weihnachten kurz vor der Tür steht und immer noch kein Baum im Haus ist? Oder der Wunschzettel lang ist, aber man „immer so mit dem Pfennig rechnen muss“? Und ob die Tiere draußen auch das Fest feiern können? Der Bestsellerautor Hans Fallada erinnert in seinen Erzählungen an die schönste Zeit des Jahres: „Dies Gefühl aufzuwachen und zu wissen: Heute ist wirklich Weihnachten. Wovon wir seit einem Vierteljahr geredet, auf was wir so lange schon gehofft hatten, nun war es wirklich…“

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Jede Familie entwickelt im Laufe der Zeit eigene, ganz persönliche FAMILIENBRÄUCHE zur Weihnachtszeit: Es beginnt mit der Essensauswahl, nimmt Einfluss auf den Ablauf des Heiligen Abends und endet mit dem Besorgen des Weihnachtsbaumes, und dabei sind die Rollen klar verteilt. So auch hier: Da macht der Vater ein großes Gewese um den Kauf des Weihnachtsbaumes. Das Objekt der Begierde darf nicht zu groß, nicht zu schlank, nicht unregelmäßig gewachsen und (vor allem) nicht zu teuer sein. Jedes Jahr treibt er seine Familie in den Wahnsinn und schürt so die Ängste der Kinder, dass der perfekte Baum nicht rechtzeitig gefunden wird. Doch ebenfalls wie in jedem Jahr lösen sich alle Ängste in Wohlgefallen auf, wenn am Heiligen Abend ein üppig geschmückter Baum mit den Kinderaugen um die Wette strahlt.

In LÜTTENWEIHNACHTEN machen sich die Kinder Friedrich, Alwert und Frieda auf den Weg, um für die Tiere des Hofes einen kleinen, eigenen Weihnachtsbaum zu besorgen. Dabei dürfen sie sich nicht vom Rotvoß, wie sie den rotbärtigen Förster insgeheim nennen, erwischen lassen. Rotvoß ist ein strenger Mann, der hart durchgreift, wenn in seinem Revier Bäume „gewildert“ werden. So machen sich die Kinder an einem besonders nebligen Tag auf den Weg, in der Hoffnung, unerkannt ein Bäumchen für die Tiere stibitzen zu können. Doch gerade als sie eine passende Fichte gefunden und gefällt hatten, laufen sie dem Förster in die Arme. Doch der ist weit davon entfernt, sie auszuschimpfen: Hat er doch selbst genau in jenem Moment ein Lüttenweihnachten für die Wildgänse ausgerichtet. Und so schließen der Mann und die drei Kinder stillschweigend einen Pakt…!

Jung, frisch verheiratet und verliebt: Da fehlen nur noch FÜNFZIG MARK UND EIN FRÖHLICHES WEIHNACHTSFEST zum vollkommenden Glück. Doch bis diese Wünsche sich erfüllen, muss sich unser junges Paar ordentlich strecken. Die Zeiten sind schlecht, das Geld sitzt bei niemanden mehr so locker, und alles ist teurer geworden. Da werden die Taler von einem Posten der Haushaltskasse zum nächsten Posten der Haushaltskasse verschoben. Und ein Loch wird aufgerissen, um ein anderes zu stopfen, stets mit der Hoffnung, dass es sich irgendwie irgendwann schon richten wird. Da sorgt die Weihnachtsgratifikation, die am 24. Dezember dann doch noch überraschend ins Haus flattert, dass sich die kleine Mansardenwohnung zu einem Stückchen vom Paradies verwandelt.

Doch mein persönlicher Favorit ist DER GESTOHLENE WEIHNACHTSBAUM: Seitdem der Förster Kniebusch den Herrn Rogge beim „Besorgen“ eines Weihnachtsbaumes im Forst erwischt hat, und der eine saftige Strafe zahlen musste, sind die Beiden nicht mehr gut aufeinander zu sprechen. Nur allzu gerne würde Kniebusch den Rogge wieder auf frischer Tat ertappen. Und woher sonst soll Familie Rogge – bei klammer Haushaltskasse – einen Baum zum Weihnachtfest herbekommen. Herr Rogge macht sich schon seit Wochen so seine Gedanken. Ebensolche Gedanken machen sich auch seine drei Kinder, die allerdings zur Tat schreiten und im Wald nach einem passenden Bäumchen Ausschau halten. Zufällig stoßen sie dabei auf den Hallodri Kakeldütt, der just in diesem Moment eine Tanne gefällt hat. Zufällig taucht Herr Rogge auf und Kakedütt ab. Zufällig stößt Kniebusch dazu und erwischt seinen Erzfeind scheinbar „in Flagranti“. Doch bei all diesen Zufälligkeiten nimmt die Geschichte plötzlich eine ganz und gar überraschende Wendung…!


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Von einem Büchlein aus der Insel-Bücherei erwarte ich, dass die optische Umsetzung eine nicht unwesentliche Rolle spielt: Wie schon bei Erich Kästners DAS MÄRCHEN VOM GLÜCK und DAS MÄRCHEN VON DER VERNUNFT schuf Ulrike Möltgen auch hier wieder ganz wunderbare Kollagen zwischen Realismus und Romantik, lässt die Szenerie sich wie bei der Aufführung eines Weihnachtsmärchens entblättern und umrahmt dieses Buch mit einem stimmungsvollen Einband.

Es war mir eine Freude, diesen außergewöhnlichen Literaten etwas näher kennenzulernen. Falladas KLEINER MANN – WAS NUN? liegt schon viel zu lange auf meinem SuB. Was meint ihr? Soll ich es endlich wagen?


erschienen bei Insel-Bücherei / ISBN: 978-3458644651
textidentisch mit Insel-Bücherei 2532 / ISBN: 978-3458205326

[Rezension] Isabelle Bottier (nach Agatha Christie) – HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN/ mit Illustrationen von Callixte

„Ist es so, dass das Genre der Graphic Novel mir nicht zu liegen scheint? Das, was den Stil diese Genres ausmacht, entspricht anscheinend so ganz und gar nicht meinen Erwartungen. Doch bin ich deswegen nun enttäuscht oder frustriert? Ja, durchaus, vielleicht ein wenig! Mein Wunsch, eine gelungene Comic-Adaption eines Christie-Klassikers genießen zu dürfen, ist doch recht groß. Und so werde ich hoffnungsvoll wohl auch die nächste Veröffentlichung HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN, die für Herbst dieses Jahres angekündigt ist, genau unter die Lupe nehmen. Die Hoffnung stirbt eben zuletzt…!“

…tönte ich bei meiner Rezension zur Graphic Novel von DIE TOTE IN DER BIBLIOTHEK und entsprechend verhalten war mein Enthusiasmus, als ich HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN bei der Buchhandlung meines Vertrauens vorbestellte. So erregte sein Erscheinen auch nur rudimentär meine Aufmerksamkeit. Vielmehr stattete ich wegen eines ganz anderen Buches, das ich bestellt hatte, der Buchhandlung einen Besuch ab, als die Buchhändlerin meines Vertrauens mich darauf aufmerksam machte, dass da noch etwas auf mich warten würde. Ich überlegte, doch mir wollte partout nicht einfallen, was es sein könnte. Dann kam sie mit HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN um die Ecke. Ich überlegte kurz, ob ich mir diese Graphic Novel wirklich zumuten wollte, nachdem die beiden Vorgänger eher eine gemäßigte Begeisterung bei mir ausgelöst hatten. Doch bestellt war bestellt, und zudem – wie wir hier im Bremischen gerne sagen – „Drei Mal ist Bremer Recht!“. Also bezahlte ich, trug das Buch nach Hause, wo es erstmal auf den SuB wanderte und dort unbeachtet liegen blieb.

Doch dann näherte sich der Tag der Entscheidung: Ich musste (wollte) eine Auswahl treffen, welche Bücher in meiner geliebten Rubrik LEKTÜRE ZUM FEST vorgestellt werden sollten, und da fiel meine Wahl auch auf HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN. Also schlug ich dieses Buch auf und tauchte in die Geschichte ein…

Weihnachten auf dem Landsitz Gorston Hall: Mit durchschnittener Kehle liegt der alte Simeon Lee tot in einer Lache aus Blut in seinem Arbeitszimmer. Im Zimmer herrscht ein heilloses Chaos als hätte ein erbitterter Kampf stattgefunden, und aus dem Tresor wurden wertvolle Roh-Diamanten entwendet. Die einzige Tür ist verschlossen, und der Schlüssel steckt von innen im Schloss. Eine Flucht des Täters durch eines der Fenster ist nicht möglich, da sich der Raum in einer der oberen Stockwerke befindet. So deutet alles darauf hin, dass einer von der Familie, den Gästen oder der Dienerschaft der Täter zu sein scheint. Und alle Anwesende hätten mehr als einen triftigen Grund, einen tiefen Groll gegenüber dem Opfer zu hegen. Superintendent Sugden von der örtlichen Polizei steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe und bittet den Chief Constable Colonel Johnson um Unterstützung. Dieser hat über die Feiertage niemand geringeren als Hercule Poirot zu Gast. Mit vereinten Kräften stürzt sich das ungleiche Trio in die Ermittlungen, wobei Poirot seine Mitstreiter immer wieder mit seinen unorthodoxen Ermittlungsmethoden irritiert und die Verdächtigen mit unberechenbaren Fragen aus der Fassung bringt. Poirots kleinen grauen Zellen arbeiten auch zu Weihnachten wie ein präzises Uhrwerk, und so verwundert es nicht, dass er – „et voilà“ – auch diesmal eine verblüffende Lösung des Falls bietet…!

(Inhaltsangabe meiner Rezension des Romans entnommen!)


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Es ist passiert! Ich habe nicht mehr zu hoffen gewagt, aber: Es ist passiert! Diese Comic-Adaption eines Christie-Klassikers konnte mich endlich überzeugen.

Isabelle Bottier bleibt bei ihrer Konzeption der Handlung so nah am Original, dass es mir möglich war, die Inhaltsangabe des Romans – ohne Striche oder Kürzungen – hier ebenfalls nutzen zu können. Reduzierungen sind bei einer Graphic Novel zwangsläufig zwingend notwendig und den Vorgaben des Genres geschuldet. Doch wenn mir bei der Lektüre keine nennenswerten Auslassungen auffallen und sich die Handlung sowohl schlüssig wie auch flüssig entwickelt, dann hat die Autorin vieles richtig gemacht. Zudem verstand sie es, die Dialoge den handelnden Personen passgenau in die Münder zu legen.

Unterstützung erfuhr Bottier durch die Illustrationen von Callixte (alias Damien Schmitz), der zu den Dialogen sehr individuelle Physiognomien zum Handlungspersonal kreierte, die die Person genau charakterisieren und zudem mit witzigen Details gefallen. Eine Verwechslung der Personen – selbst bei den Familienmitgliedern, die eine deutliche Ähnlichkeit vorweisen müssen (!) – ist somit ausgeschlossen. Auch die Settings überzeugen durch Diversität, Detailreichtum und Atmosphäre. Zudem wechselte er raffiniert den Blickwinkel, erzeugte dadurch Spannung und konnte sich so meiner Aufmerksamkeit sicher sein.

Im April 2025 erscheint im Carlsen-Verlag mit TOD AUF DEM NIL der nächste Christie-Klassiker, bei dem genau dieses kreative Team am Werk war: Ich freue mich jetzt schon!


erschienen bei Carlsen / ISBN: 978-3551804266 / in der Übersetzung von Thomas Schöner
ebenfalls erschienen als Roman bei Atlantik / ISBN: 978-3455600308 und als Hörbuch bei DER HÖRVERLAG / ISBN: 978-3844547405 

[Rezension] MUSIKALISCHER WEIHNACHTSZAUBER. Der Nussknacker / Der Messias / Das Weihnachtsoratorium

Weihnachten – das ist die Zeit der Besinnlichkeit, des zur Ruhe Kommens und der Erinnerung an Traditionen. Gerade in dieser Zeit lassen wir uns nur allzu gerne ins Ballett, Konzert und Oratorium locken, genießen die wunderbare Musik und werden von der Kunst der Darbietung verzaubert. Es ist aber auch die Zeit des Vorlesens: Entweder lesen wir selber vor, oder wir haben das unschätzbare Glück, dass uns vorgelesen wird. Wäre es da nicht schön, wenn wir all dies miteinander vereinen könnten?

Mit DER NUSSKNACKER, DER MESSIAS und DAS WEIHNACHTSORATORIUM hat der Annette Betz-Verlag drei Klassiker und saisonale Publikumslieblinge in diesem Sammelband vereint. Alle drei Werke sind bereits als Einzelbände erschienen (2017, 2020 bzw. 2018), denen jeweils eine CD beigelegt wurde. Hier gibt es nun die vergleichsweise kostengünstigere Variante: Ohne CD, dafür mit der Option, das jeweilige Hörbuch incl. der Musik zu streamen.

Jede*r Autor*in hat eine eigene Handschrift, jede*r Illustrator*in hat einen individuellen Stil. Werden da die Geschichten eher lieblos in einem Sammelband gebündelt, könnte ein verbindendes Element als roter Faden vermisst werden. Dies ist bei MUSIKALISCHER WEIHNACHTSZAUBER nicht der Fall: Das Cover, das Vorsatzpapier und die Titelblätter zu den einzelnen Geschichten sind so geschmackvoll aufeinander abgestimmt, dass die ehemaligen „Solisten“ wunderbar miteinander harmonieren, und das Buch so wie aus einem Guss wirkt.


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Susa Hämmerle erzählt die Geschichte DER NUSSKNACKER ganz traditionell und bleibt damit nah am originalen Ablauf des Märchenballetts von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (Warum sollte sie hier auch eine Änderung vornehmen?). Dabei skizziert sie die Figuren stets kindgerecht und streut Dialoge in die Handlung ein, um so die Motivation der Charaktere zu verdeutlichen. Damit schafft sie für mich als Vorleser die Grundlage, meinen Vortrag interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, als es mir bei einer bloßen Nacherzählung möglich gewesen wäre. Auch Christa Unzner bleibt bei ihren Illustrationen ganz beim Tanz. Ihre Figuren scheinen direkt dem weltbekannten Ballett entsprungen zu sein – entsprechen doch Haltung und Gestik ganz diesem Habitus. Mit flinken Strichen erzeugt sie bei den Figuren Dynamik. Ihre Szenerien verleugnen nie den Bezug zur Bühne: Mit einem atmosphärischen Setting, farbenfrohen Kostümen und einer stimmungsvollen „Beleuchtung“ verstärkt sie noch diesen Eindruck.

Für DER MESSIAS schuf Rudolf Herfurtner eine ganz neue Rahmenhandlung um den kleinen Anton, der sich mit seinem Großvater auf den Weg durch einen dunklen Wald macht, um einer Aufführung eben jenen Werkes von Georg Friedrich Händel in der großen Kirche des Nachbarortes zu lauschen. Während des Konzerts nickt Anton ein und träumt sich nach Bethlehem zu Jesus Geburt. Mit einer ganz und gar wunderbaren Ruhe erzählt der Autor diese reizende, beinah melancholische Geschichte und legt dabei besonderes Augenmerk auf die liebevolle Beziehung zwischen Anton und seinem Opa. Die Illustrationen von Anna Severynovska nehmen diese Ruhe auf. Beinah glaubte ich, die Stille eines verschneiten Winterabends wahrnehmen zu können. Ihre Bilder überzeugen sowohl durch ihre Klarheit als auch durch Detailreichtum. Besonders beeindruckend gelangen der Künstlerin die Gesichter der Figuren, die von einer ergreifenden Lebendigkeit sind.

Bei DAS WEIHNACHTSORATORIUM stammte die Rahmenhandlung ebenfalls aus der Feder von Rudolf Herfurtner. Hier begleiten wir den Jungen Thomas, wie er in der Adventszeit des Jahres 1734 die Bekanntschaft mit Johann Sebastian Bach macht, der als Kirchenmusiker und Kantor mit dem Thomanerchor sein neustes Werk zur Aufführung bringt. Thomas ist ganz beseelt, dass er als Kerzenjunge gemeinsam mit dem Chor auf der Empore der Kirche stehen und dieser einzigartigen Musik lauschen darf. Gekonnt verwebt der Autor die historische Fakten mit seiner Fiktion, verheimlicht dabei aber nicht die sozialen Missstände, unter denen die Kinder damals zu leiden hatten. Die Künstlerin Maren Briswalter schuf dafür zarte, beinah sphärische Illustrationen in einem Sepia-Ton, die an alte, verblasste Fotografien erinnern. Die Welt des 18. Jahrhunderts – insbesondere bei den historischen Bauwerken – zeigt sie ebenso detailreich, wie die Kargheit, denen die Menschen damals ausgesetzt waren.

Mit MUSIKALISCHER WEIHNACHTSZAUBER hat der Verlag einen ganz bezaubernden Sammelband geschaffen: Jedes, der hier genannten musikalischen Werke, ist absolut herausragend, und es war mir eine wahre Freude, die traumhaften Kompositionen in Kombination mit einer gelungenen literarischen wie visuellen Umsetzung wiederentdecken zu dürfen.


Anmerkung bzgl. STREAMEN:

Leider bin ich alter Zausel zu dusselig, um auf der Homepage des Verlages die Hörbücher mit Musik freizuschalten. Nachdem ich mehrmals im Rahmen der Anmeldung bei der Eingabe von Benutzername und/oder Passwort gescheitert bin, habe ich ermattet aufgegeben. So kann ich leider nichts über die Qualität der Sprecher sagen. Da der Verlag allerdings bei den Musikaufnahmen auf das Archiv des renommierten Klassik-Labels NAXOS zurückgreifen konnte, bin ich mir sehr sicher, dass die musikalische Umsetzung gelungen ist. Ich selbst habe – nach dem Anmelde-Debakel – ganz entspannt auf meine eigenen CDs zurückgegriffen und mir die Geschichten selbst vorgelesen. 😊


erschienen bei Annette Betz / ISBN: 978-3219120486
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] C.H.B. Kitchin – DAS GEHEIMNIS DER WEIHNACHTSTAGE

„Eine Detektivgeschichte
ist jedes Mal auch so etwas wie eine Étude de mœurs,
eine Studie des Verhaltens ganz gewöhnlicher Menschen
in ungewöhnlichen Umständen.“

…philosophiert der Held am Ende der Geschichte. Doch bis diese Erkenntnis zu ihm durchdrang, war es ein langer, beschwerlicher Weg.

Abermals legt der Klett-Cotta Verlag – pünktlich zum Weihnachtsfest – einen passenden klassischen Kriminalroman vor und hat mit dieser Wahl wieder ein äußerst glückliches Händchen bewiesen.

Clifford Henry Benn Kitchin wurde am 17. Oktober 1895 in Harrogate, Yorkshire, geboren und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Ein großes Erbe ermöglichte es ihm, seine Zeit dem Schreiben und einer Vielzahl an Beschäftigungen zur Zerstreuung zu widmen. Wer allerdings annimmt, er wäre nur einer dieser verwöhnten und versnobten Müßiggänger, der irrt gewaltig. Kitchin verfügte über einen brillanten Intellekt, war ein Avantgarde-Dichter und beschäftigte sich mit Linguistik. Seine ersten beiden Romane wurden zwar gut rezensiert, doch der öffentliche Beifall blieb aus. So beschloss er, eine Detektivgeschichte zu schreiben, um eine breitere Leserschaft zu erreichen. „Der Tod meiner Tante“ erschien 1929 und wurde schnell zum Bestseller. Es sollten noch drei weitere Kriminalromane um den Börsenmakler (hauptberuflich) und Amateurdetektiv (nebenberuflich) Malcolm Warren geben. In seiner vierzigjährigen Karriere schrieb und veröffentlichte Kitchin weitere Romane, die zwar von der Kritik gefeiert wurden aber nie an die Popularität der Malcolm Warren-Krimis heranreichen sollten. Ein Umstand, der Kitchin äußerst verärgerte…!

„Mörder, so sagt man, sind oft die charmantesten Charaktere.“ Es weihnachtet sehr in der Beresford Lodge in Hampstead, unweit von Londons Zentrum. Malcom Warren, ein Börsenmakler, wird von einem seiner Klienten zu einer Weihnachtsparty eingeladen. Eine Gruppe von Bekannten und die einigermaßen komplizierte Familie des Klienten kommt zusammen, feiert ausgelassen, spielt Spiele. Doch als Warren am Weihnachtsmorgen im Gästezimmer aufwacht, findet er eine Leiche. Die Gesellschaft steht unter Schock. Handelt es sich um einen Unfall? Der Hang zum Schlafwandeln der zu Tode gekommenen Frau legt dies erst einmal nahe. Als aber ein zweiter Mord geschieht, wird die Unfalltheorie sehr schnell ausgeschlossen. Der Mörder muss einer der Bewohner oder der Gäste des großen Hauses sein – aber wer? Wer hat ein Motiv an Weihnachten zu morden? Malcolm Warren, so scheint es, soll alles in die Schuhe geschoben werden. Und so wird er gezwungenermaßen selbst zum Ermittler. Kann er den Fall lösen, bevor Weihnachten vorbei ist?

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Der Klett-Cotta Verlag schickt von dem eingangs erwähnten Krimi-Quartett den zweiten Roman ins vorweihnachtliche Rennen um die Gunst der Leserschaft, und schenkt uns abermals eine Rarität aus dem goldenen Zeitalter der britischen Kriminalromane. Kitchin war ein extrem talentierter Autor, der in bester „Whodunit“-Manier seine Geschichte aufbaute. Dabei schuf er mit dem Börsenmakler Malcolm Warren einen sympathischen Antihelden, der weit entfernt ist vom potenten Superhirn. Vielmehr wird unser Held von (Selbst-)Zweifeln geplagt und ist bei weitem nicht der Typ, der spontan heroische Taten begeht. Damit bleibt er mit mir als Leser immer auf Augenhöhe: Nie weiß er mehr als ich.

So ambivalent wie unser Held sind auch die div. Nebenfiguren, die mal mit mehr, mal mit weniger ansprechenden Charakterzügen ausgestattet wurden. Gut und Böse, schwarz und weiß, hell und dunkel vermischen sich und erschweren so das Miträtseln nach der Lösung. Wer ist der Mörder oder die Mörderin? Jede*r oder kein*r käme in Verdacht! Und könnte das Opfer nicht auch gleichzeitig ein Täter sein?

Der Autor baut die Spannung sehr subtil auf, indem er nie dann „zuschlägt“, wenn ich es als versierter Krimi-Leser erwarte. Vielmehr präsentiert er die Taten beinah unvermittelt. Auch gestaltet er die Beziehungen der handelnden Personen sehr vielschichtig und lässt in den Dialogen bedeutsame Untertöne anklingen. So meinte ich, in den Dialogen zwischen Malcolm Warren und einem der anwesenden Gäste sowie zwischen ihm und dem ermittelten Inspektor dezente homoerotische Schwingungen wahrzunehmen. Wobei natürlich durchaus die Möglichkeit besteht, dass ich, im Wissen um die Homosexualität des Autors, dies auch nur hineininterpretiert habe. Doch diese kleine Pikanterie sei mir bitte verziehen.

Zudem bietet dieser Roman eine Besonderheit, ein Extra, einen Bonus oder auch – wie der Autor es benennt – „Ein kurzer Katechismus“: Nach Beendigung der Geschichte lässt Kitchin einen imaginären Leser die Hauptfigur interviewen. All die Fragen, die bisher unbeantwortet blieben, all die losen Enden, die nicht verknüpft wurden – hier gibt es die Möglichkeit, auch die allerletzte Ungereimtheit aus dem Weg zu räumen. Eine solche überraschende wie außergewöhnliche Vorgehensweise habe ich zuvor bei keinem anderen Kriminalroman erleben dürfen. Der Autor bleibt seiner Leserschaft nichts schuldig.

C.H.B. Kitchin ist ein Name, den ich mir unbedingt merken muss, und so hoffe ich sehr, dass der Klett-Cotta Verlag auch die drei noch fehlenden Romane rund um Malcolm Warren veröffentlicht. Es würde mich freuen…!


erschienen bei Klett-Cotta / ISBN: 978-3608966398 / in der Übersetzung von Dorothee Merkel
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Kerstin Hau – DAS LIED DES ENGELS/ mit Illustrationen von Selda Marlin Soganci

„Bald ist Weihnachten. Auf der Erde träumt jeder Käfer,
jede Katze und jedes Kind von großen Wünschen.
Andernorts träumt ein kleiner Engel von großen Taten…“

Ganz fein und zurückhaltend kommt diese Geschichte daher. Da gibt es kein großes Getöse, keinen lauten Wumms oder sonstigen Krawall, der die Aufmerksamkeit für sich einfordert. Nein, hier geht Autorin Kerstin Hau sehr leise zu Werke. Sie kreierte eine Geschichte, die gerade aufgrund ihrer Schlichtheit ganz besonders mein Herz berührt. Wie so oft bei mir sind es nicht die Bücher, die mit plakativen Mitteln versuchen auf ihre Botschaft aufmerksam zu machen. Dabei wirken die dort eingesetzten literarischen Mittel beinah wie eine billige Neon-Reklame, die grell blinkend immer wieder betont „Huhu! Hier kommt die Botschaft!“.

Engel helfen den Menschen auf vielfältige Weise: Sie trösten, beschützen oder heilen. Nur ein kleiner Engel kann seine Bestimmung einfach nicht finden. So gern möchte er den Menschen helfen. Am Weihnachtsabend dann erklingt eine Melodie, die alle Menschen froh macht – es ist das Lied des Engels. Mit einem Mal spürt er: Seine Gabe ist es, das Wunder der Weihnacht zu den Menschen zu bringen, um ihre Herzen zum Leuchten zu bringen.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages bzw.
dem Klappentext des Buches entnommen!)

Ⓒ Kerstin Hau. DAS LIED DES ENGELS – Illustration Selda Marlin Soganci (1)

In Kerstin Haus Geschichte geht es „nur“ um einen kleinen Engel, der für sich noch nicht herausgefunden hat, was seine Bestimmung ist. Auf seiner Suche muss er keine spektakulären Abenteuer bestehen oder sich großen Gefahren aussetzten: Er darf sich bei den großen Engeln, die z. Bsp. als Trostengel, Schutzengel oder Heilengel den Menschen beistehen, erproben, um so besser entscheiden zu können, welche Bestimmung zu ihm am besten passt.

Da ergeht es diesem kleinen Engel nicht anders als es uns ergangen ist: Wer von uns wusste als Kind schon, was seine Bestimmung ist. Auch wir mussten uns in unserem Leben oftmals erproben und so manches Mal den einen oder anderen Umweg in Kauf nehmen, bis wir dort gelandet sind, wo wir hingehören.

Wenn wir dort gelandet sind, wo wir hingehören! Manche von uns sind leider ein Leben lang auf der Suche oder haben sich notgedrungen mit den aktuellen Begebenheiten arrangiert. Doch auch uns spricht diese Geschichte Mut zu, die Suche nicht aufzugeben. Dabei muss es nicht immer die große, allumfassende Veränderung sein. Manchmal genügen nur kleine Neuerungen, um das eigene Leben wieder erfüllter werden zu lassen. So ist diese Geschichte auch ein Plädoyer an uns Erwachsene, uns eine kindliche Neugier zu bewahren und das Große im Kleinen zu wagen.


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Selda Marlin Soganci hat bei ihren Illustrationen einen ganz eigenen, ganz besonderen Stil, der in der Wahl ihrer „Leinwand“ begründet liegt. Sie verwendet als Untergrund Fichtenholz, auf dem sie mit Gouache und Stiften malt. Als ich von dieser Technik erfuhr, hatte ich ein wenig bedenken, dass bei den Illustrationen die Holzmaserung dominieren und das Bild somit zu rustikal erscheinen könnte. Meine Bedenken waren völlig unbegründet: Leicht und zart verschmelzen die Farben mit dem Holz und schaffen so eine ganz eigene Optik.

Die Maserung dieses Naturprodukts bleibt zwar stets sichtbar, steht aber nicht im Kontrast zu den filigranen Zeichnungen, die von phantasievolle Figuren bevölkert werden. Jeder Engel erhält von der Künstlerin seine persönliche, außergewöhnliche Erscheinung, die mit vielen witzigen Details begeistert.

Die besten Bilderbücher sind eben die, die Klein und Groß, Jung und Alt gleichermaßen ansprechen: Dies ist eine zauberhafte kleine Geschichte über das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten!


erschienen bei NordSüd / ISBN: 978-3314107016
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Celia Fremlin – DER LANGE SCHATTEN

Sie wollte nie eine Lady werden, einen Haushalt führen oder das schmückende Beiwerk an der Seite eines Gatten sein. Somit studierte Celia Fremlin (Jahrgang: 1914) in Oxford klassische Philologie und Philosophie und musste nach dem bestandenen Examen doch typische Frauenjobs, wie Verkäuferin oder Kellnerin, annehmen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Schreiben tat sie nur so nebenbei, zumal ein Weltkrieg und eine Ehe dazwischen kamen. Erst im Alter von 44 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman, der ihr auf Anhieb den renommierten Edgar Allan Poe Award bescherte.

Der vorliegende Roman DER LANGE SCHATTEN erschien erstmals im Jahre 1975 und ist bei weitem kein klassischer Kriminalroman und schon gar nicht ein Weihnachtskrimi. Er spielt zwar zum Jahreswechsel, doch das Weihnachtsfest hat hierbei eine untergeordnete Rolle. Der Winter dient eher als Kulisse zur Schaffung einer entsprechend geheimnisvollen Atmosphäre.

Vom schrillen Klingeln des Telefons aus dem Schlaf gerissen, stolpert Imogen durch das dunkle, leere Haus, um den Anruf entgegenzunehmen. Zuerst versteht sie den Mann am anderen Ende der Leitung nicht. Er will sie nicht ernsthaft beschuldigen, ihren Ehemann Ivor getötet zu haben, der vor knapp zwei Monaten bei einem Autounfall ums Leben kam! Imogen möchte doch nichts anderes als in Ruhe über ihren Schmerz hinwegkommen. Aber genau diese Ruhe will man ihr nicht gönnen. Kurz vor Weihnachten reisen nacheinander Imogens erwachsener Stiefsohn samt Freundin, die Stieftochter mit Ehemann und zwei Kindern sowie Ivors Exfrau an. Und bald darauf geschehen merkwürdige Dinge: Wer hat die halb ausgetrunkene Whiskeyflasche neben Ivors Lieblingssessel abgestellt? Hat jemand in seinen Papieren gewühlt? Und warum hört dieser Fremde nicht auf, anzurufen und darauf zu bestehen, dass er Imogens Schuld am Tod ihres Mannes beweisen kann?

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Es ist dem Roman durchaus anzumerken, dass seine Autorin schon eine gewisse Lebenserfahrung mitbrachte. Da sind die inneren Monologe der Heldin wohldurchdacht, ihre Empfindungen verständlich, ihre Gedanken nachvollziehbar. Aus ihr spricht eine gereifte Persönlichkeit, die höchst individuell mit den Tod ihres Ehemanns umgeht. Sie trauert durchaus um ihn, vermeidet aber eine Glorifizierung seiner Person, wie es ihr Umfeld tut, und dies auch von ihr erwartet. Jede*r trauert auf eine eigene, sehr persönliche Art, und doch wird anscheinend von der Witwe eines angesehenen Mannes eine bestimmte Form der Trauer vorausgesetzt.

Die Autorin kreierte ihre Heldin somit sehr dreidimensional. Umso klischeehafter fielen die Nebenrollen aus und wirkten beinah wie Karikaturen auf mich. Ein Umstand, der dazu führte, dass ich von deren beschriebenen Allüren zuerst genervt und dann gelangweilt war. Vielleicht sollten besagte Nebenrollen für die „überraschende Komik“ sorgen, wie es uns der Verlag auf dem Umschlag dieses Buches verspricht. Leider konnte ich persönlich diese Komik nicht wahrnehmen.

Dafür baute Fremlin die Spannung sehr subtil, beinah unaufgeregt auf, indem sie der Geschichte Zeit gab, sich zu entwickeln, etliche Nebenschauplätze schuf und die Handlung gerne in unterschiedliche Richtungen lenkte. Dies erfolgte so raffiniert, dass immer wieder eine andere Person meine Aufmerksamkeit erregte und so in meinen Fokus gerückt wurde: Da hatte ich – von der Exfrau über die Nachbarin bis zu den erwachsenen Kindern und sogar die Witwe selbst – nahezu alle handelnden Personen im Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Kurzzeitig kam mir sogar der Gedanke, dass der Ehemann seinen Tod nur vorgetäuscht hätte. Die Auflösung kroch dagegen recht unspektakulär um die Ecke, war durchaus absolut schlüssig, hinterließ bei mir aber ein Gefühl der Enttäuschung: „Wie? Das war’s jetzt?“.

Doch ich hatte mich auch ein wenig über mich selbst geärgert und gedacht „Da hätte ich auch selbst drauf kommen können!“. Ich bin nicht auf die Lösung gekommen, was ja eher für das schriftstellerische Talent der Autorin spricht. Zumal auch ihre Ausgangsidee absolut genial wie beängstigend ist. Stellt euch bitte mal folgende Situation vor: Da steht plötzlich eine völlig fremde Person vor dir und flüstert…

„Ich weiß, was du getan hast!“

…und behauptet zudem, dies auch noch beweisen zu können. Gruselig!


erschienen bei Dumont / ISBN: 978-3832168483 / in der Übersetzung von Sabine Roth
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Charles M. Schulz – ADVENT MIT DEN PEANUTS

Nicht nur die klassischen Werke von Friedrich Schiller, Heinrich von Kleist und Johann Wolfgang von Goethe tummeln sich zwischen den zwei Einbandpappen im prägnanten Gelb. In den letzten Jahren haben auch einige der sogenannten „modernen Klassiker“ ihren Weg ins Portfolie des rührigen Verlages aus Ditzingen in der Nähe von Stuttgart gefunden. So fand nun – wie zuvor bereits Loriot und Janosch – auch Charles M. Schulz eine gemütliche Bleibe für seine vorwitzige, altkluge und absolut bezaubernde Rasselbande:

Die PEANUTS

Sowohl pünktlich wie auch passend zur baldigen Adventszeit präsentiert uns der Reclam Verlag mit ADVENT MIT DEN PEANUTS in Form eines Adventskalenders ein Wiedersehen mit Charlie Brown, Snoopy, Woodstock, Charlies jüngere Schwester Sally, Peppermint Patty, Marcie („Sir“), Lucy, Linus und all den anderen liebenswerten Figuren. Erwachsene treten als handelnde Personen bei den PEANUTS höchst selten auf (in diesem Fall: gar nicht), werden auch weder benötigt noch vermisst.

So begleiten wir Tag für Tag, vom 1. bis zum 24. Dezember unsere charmanten Held*innen durch die Vorweihnachtszeit und werden Zeuge, wie sie souverän die kleinen Tücken des Alltags meistern und Antworten auf die großen Fragen der Kindheit finden. Da ist Charlie Brown so verliebt in ein Mädchen, dass er alles (un)mögliche unternimmt, um ihr ein schönes Paar Handschuhe zu Weihnachten schenken zu können. Snoopy erlebt mit Woodstock und ihrer gemeinsamen Pfadfindergruppe aufregende Zeiten bei einer Schneewanderung. Sally Brown greift ihrem Bruder (eher weniger als mehr) hilfreich unter die Arme beim Verkauf von Adventskränzen. Peppermint Patty würde so gerne die Maria im Krippenspiel geben und muss doch wieder ein Schaf („Mäh!“) mimen, während Marcie die begehrte Rolle ergattert, obwohl sie doch Brillenträgerin ist. Snoopy jobbt wenig überzeugend als Nikolaus, und Lucy und Linus diskutieren über die Formensprache von Schneeflocken.

Ⓒ Illustration Charles M. Schulz (1)

Ab den 50er Jahren schuf Charles M. Schulz mit einer Vielzahl an Comicstrips eine ganz eigene kleine Welt rund um den liebenswerten Pechvogel Charlie Brown, seinem äußerst regen Hund Snoopy und dem Vogel Woodstock. Die Geschichten spielen zwar in einem typischen amerikanischen Vorort, sind aber so allumfassend gültig, dass mir eine Identifikation mit den Figuren nie schwerfiel. Als Kind stand für mich der Spaß beim Betrachten der drolligen Abenteuer der PEANUTS im Vordergrund, während sich mir nun als Erwachsener zunehmend der Subtext, der tiefere Sinn offenbart.

Schulz scheint unsere Sicht auf die jeweilige Handlung bewusst einengen zu wollen: Er fokussiert und sorgt dadurch für eine Komprimierung auf das Wesentliche. Die scheinbar unbedeutenden Sorgen und Nöte der Kids bekommen so eine enorme Relevanz. Die Äußerungen von Charlie Brown und seinen Freund*innen erhalten eine philosophische Tiefe, die weit über den gewohnten Rahmen eines Comicstrips, der als Gimmick einer Tageszeitung für kurzfristige Erheiterung sorgen soll, hinausgeht. Hier wird mit einer kindlich-verführerischen Naivität über Ängste, Depressionen, Freundschaft, Liebe, (Selbst-)Zweifel und Hoffnung gesprochen. Die Themen der PEANUTS werden plötzlich universell, treten aus dem Fokus heraus und ermöglichen mir als Leser so eine unbefangenere Sichtweise.

Mein Fazit nach der Lektüre dieses kleinen Büchleins:

Die PEANUTS sind weise! Die PEANUTS sind zauberhaft!
Die PEANUTS sind Kult!

Ⓒ Illustration Charles M. Schulz (2)


erschienen bei Reclam / ISBN: 978-3150145814 / in der Übersetzung von Matthias Wieland

[Rezension] Hauck & Bauer – CARTOONS ZU WEIHNACHTEN

Kurz bevor ich hier auf meinem Blog mit der Rubrik LEKTÜRE ZUM FEST feierliche Stimmung verbreite und meiner Lust an weihnachtlicher Besinnlichkeit in literarischer Form fröne, möchte ich allen Advents-Muffeln gerne dieses aparte Büchlein (14,5 x 9,5 cm) wärmstens ans Herz legen. Da gibt es Mitmenschen, die schon jetzt kaum mehr in den Schlaf finden, da sie mit Grausen einer Zeit mit zu viel Lebkuchen, zu viel Kitsch, zu viel Lametta, zu viel „Last Christmas“, zu viel „von allem“ entgegenzittern. Diese bemitleidenswerten Zeitgenossen haben mit CARTOONS ZU WEIHNACHTEN aus der Ideenschmiede von Hauck & Bauer nun ein wirksames Antidot gegen die zu erwarteten Grausamkeiten. Dabei setzt die Wirksamkeit dieses Gegenmittels nicht erst ab der Einnahme einer höheren Dosis ein, auch bei homöopathisch genossenen Mengen zeigt sich durchaus schon eine Wirkung.

Beim Cartoonisten-Duo Hauck & Bauer handelt es sich um Elias Hauck (Zeichnungen) und Dominik Bauer (Text). Größere Bekanntheit erreichten sie ab 2003 mit dem wöchentlich erscheinenden Comicstrip „Am Rande der Gesellschaft“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Veröffentlichungen in der Titanic, bei Spiegel Online sowie in der Apotheken Umschau sollten ebenso folgen wie div. Preise und Auszeichnungen.

Hier nehmen sie nun das Fest der Liebe mit spitzer Feder und flinkem Wort aufs Korn und offenbaren uns so sehr treffsicher die Gedanken einer piefigen Spießbürgerlichkeit. Ups, ich übersah, es sind ja gar keine Gedanken: Dieses Wort wurde im Titel durchgestrichen und durch „Cartoons“ ersetzt. „Gedanken“ klingt ja auch irgendwie nach „rauchendem Schädel“, „weltverändernden Erkenntnissen“ und „Kritik am Establishment“. Nein, so weit wollen die Zwei nicht gehen: Sie haben doch „nur“ ein paar Bildchen gemalt und mit Wörtern verschönt.


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Doch diese Bildchen mit Wörtern haben es durchaus in sich: Da gibt es so manchen Streit am und um den Weihnachtsbaum. Sie verraten etliche pikante Anekdötchen zu Christis Geburt – direkt vom Rand der Krippe und somit brandaktuell. Es geht um nachhaltiges Bauen zu Grimmschen Zeiten: Da steht selbst bei der Knusperhexe die Ökobilanz ihres Lebkuchenhauses im Vordergrund. Auch der Weihnachtsmann mit all seinen Nöten findet ebenso Gehör wie die Klagelieder so manch armer Kreaturen, die auf der Suche nach einem passenden Geschenk für Familie, Verwandtschaft oder Kollegium sind. Und die Serie „Gedanken zum Advent mit Elmar Punsch“ wird selbstverständlich in vier Teilen kredenzt.

Dabei schrammt das kreative Autoren-Duo häufig knapp an der Grenze der „political correctness“ vorbei, bekommt aber immer wieder rechtzeitig die Kurve. So stutzte ich häufig und schaute mir den Cartoon durchaus ein weiteres Mal an, um sicher zu sein, dass ich die Botschaft verstanden hatte. Erst dann brach ich in ein schallendes Gelächter aus. Geschickt vermeiden die Zwei ein „Zuviel“, ein „über das Ziel hinausschießen“, da dies bei mir sicherlich keine Lachen ausgelöst sondern eher zu einer unangenehmen Befangenheit geführt hätte.

Gekrönt wir diese Ansammlung humoresker Skizzen mit einer festlichen Geschichte von Kristof Magnusson: Sollte hier nun eine spritzig-witzig-satirische Erzählung erwartet werden, da muss ich leider enttäuschen. Vielmehr schenkt Magnusson uns eine kleine traurig-anrührende Geschichte, die einen deutlichen Kontrast zu den Cartoons bildet und so umso mehr ihre Wirkung entfaltet.

Einziger Nachteil dieses Büchlein: das kleine Format! Der Zeichenstil von Elias Hauck in Kombination mit den Texten von Dominik Bauer wirken so filigran, dass es mir manches Mal schwer fiel, Details im Bild bzw. die Schrift deutlich zu erkennen.

Ansonsten: Frohe Weihnachten!


erschienen bei Kunstmann / ISBN: 978-3956146084
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] ESEL HUND KATZE HAHN. Geschichten, Gedichte und Lieder von den Bremer Stadtmusikanten/ Anna Lott (Hrsg.)

Ist es nicht erstaunlich? Da werden vier altersschwache Gesellen die bekanntesten Botschafter einer Stadt, die sie nachweislich nie erreicht haben. Es klingt wie im Märchen.

Es war einmal…

…im Jahre 1819, als DIE BREMER STADTMUSIKANTEN erstmals in der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm auftauchten. Doch erst 80 Jahre später entdeckten die Bremer selbst das (Werbe-)Potenzial der vier Musikanten und wussten es als Wahrzeichen für ihre Stadt zu nutzen.

Doch irgendwie hatte ich immer schon dieses undefinierbare Gefühl, dass die Geschichte nicht zu Ende erzählt wurde: Da blieben mir zu viele Fragen unbeantwortet. Glücklicherweise kann da nun Anna Lott mit diesem Bilder-Lese-Buch Licht ins märchenhaft-nebulöse Dunkel bringen. Gemeinsam mit einer Vielzahl ihrer Schreiber- und Illustrations-Kolleg*innen, die allesamt in, um oder drumherum von Bremen zuhause sind, bleiben (beinah) keine Fragen mehr offen.

Neben Herausgeberin Anna Lott steuerten ebenfalls Michael Augustin, Carolin Helm, Jörg Isermeyer, Ulrike Kuckero, Hendrik Lambertus, Johanna Lindemann, Florian Müller und Hortense Ullrich ihre phantasievollen Geschichten, Lieder oder Gedichte bei. Die Künstler*innen Anke Bär, Bettina Bexte, Lois Brendel, Ina Clement, Mario Ellert, Martin Ernsting, Ruben Hilgert, Marie-Lulu Högemann, Olaf Kock, Tessa Rath und Valeska Scholz haben das Geschriebene wunderbar in Szene gesetzt. Entstanden ist ein ganz und gar unterhaltsames und abwechslungsreiches Buch, das mir beim Anschauen und darin Schmökern eine Menge Spaß bereitet hat.

Habt ihr euch am Ende eines Märchens nicht auch schon oft gefragt, wie es weiterging? Denn irgendwie ist eine Schlusssatz wie „…und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende!“ sehr unbefriedigend, lässt Raum für Spekulationen und verführt zu einem fordernden

„Ja, und? Was passierte DANN?“

Da lieferte das Original-Märchen unseren Kreativen sowohl Impulse, die Geschichte in mannigfaltigen Richtungen weiterzuspinnen, als auch Inspiration, sich an einer moderneren Deutung zu wagen. So eröffnet das Buch mit „Des Märchens zweiter Teil“ von Michael Augustin in den farbenfrohen Pastell-Illustrationen von Marie-Lulu Högemann und erzählt die Geschichte nicht nur logisch nachvollziehbar weiter, sondern präsentiert gleichzeitig die schon längst überfällige Auflösung zum Märchen DER RATTENFÄNGER VON HAMELN. Bei „Im Taxi durch Bremen“ begleiten wir den Dachs, wie er seine tierischen Fahrgäste per Daxi (!) durch die Hansestadt zum Weserstadion kutschiert, nichtsahnend, dass einige Fahrgäste die berühmten Musiker sind, die in eben jenem Weserstadium ihren großen Auftritt haben werden. In den drolligen Illustrationen von Valeska Scholz erkannte ich viele Orte und Sehenswürdigkeiten Bremens wieder. Aber auch den vertriebenen Räubern wird eine Geschichte bzw. eine Räuberballade gewidmet: Hendrik Lambertus berichtet in „Der kleine Räuber Balduin“ von einem raffinierten Komplott zwischen den Stadtmusikanten und dem kleinsten Räuber aus der kriminellen Bande.

Bei Jörg Isermeyer scheint es sich um einen Tolkien-Fan zu handeln: Anders kann ich es mir nicht erklären, dass er die zwei Teile seines Endzeit-Märchens „Der Lauf der Dinge“ mit „Die Gefährten“ und „Die zwei Türme“ untertitelte. Natürlich schickt er in seiner modernen Version andere Tiere (Eisbär, Rentier, Orang-Utan und eine Hummel) auf eine wichtige Mission, die mit einer reduzierten aber stimmungsvollen Farbgebung von Bettina Bexte visualisiert wurde.

Kinderliedermacher Florian Müller widmet dem dynamischen Quartett gleich fünf Songs, die von Martin Ernsting eindrucksvoll verschönt wurden. Dank Anke Bär und Max Görgen dürfen wir einen exklusiven Blick in das Tour-Tagebuch der fantastischen Vier (😉) werfen und erhalten so einen humorvollen Eindruck vom Leben dieser Superstars. Anna Lott verrät uns charmant, „Wie die Bremer Stadtmusikanten unter die Erde gekommen sind“, und liefert so die Erklärung, warum aus einem Gully vor der Bremer Bürgerschaft tierische Töne zu hören sind.

Silhouette DIE BREMER STADTMUSIKANTEN

Ach, und wer von euch nun unbedingt wissen möchte, „Warum die Bremer Stadtmusikanten nie in Bremen ankamen…!“, dem wird die entsprechende Antwort von Johanna Lindemann in ihrer zwei-geteilten Geschichte beschert, die übrigens herrlich skurril von Mario Ellert verschönt wurde. Doch natürlich darf auch das Original-Märchen von 1819 nicht fehlen, das nach wie vor seinen ganz besonderen Charme hat. Lois Brendel hat das Märchen mit eleganten Illustrationen in einer Art Linoldruck verschönt, die an die wundervollen Reliefs erinnern, wie sie noch in einigen Alt-Bremer Häusern zu finden sind.

Es gibt in diesem Buch noch so viel mehr zu entdecken, und jede*r, ob nun klein oder groß, wird dabei sicherlich seine Favoriten küren: Der einen gefällt mehr diese Geschichte, dem anderen gefällt mehr jenes Gedicht. Doch genau so soll/muss es bei einem guten Bilder-Lese-Buch sein, das so sehr verführerisch ist, dass es immer wieder nur allzu gerne in die Hand genommen wird.

Stellte sich mir nur noch die (nicht ernst gemeinte) Frage, ob der Carl Schünemann-Verlag nun zu früh oder zu spät mit diesem Buch auf dem Markt kam? Der 200. Geburtstag der vier Musiker wurde schon im Jahre 2019 ganz groß gefeiert, und ihren 205. Geburtstag haben sie erst im nächsten Jahr.

Doch im Endeffekt spielt es keine Rolle, da dieses Buch einfach nur durch und durch Freude bereitet!


Schon so einige Male sind sie mir über den Weg gelaufen, und darum gibt es hier auf meinem Blog unter dem Schlagwort DIE BREMER STADTMUSIKANTEN auch bereits einiges zu entdecken.


erschienen bei Carl Schünemann / ISBN: 978-3796112089
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!