[Rezension] Kai Magnus Sting – TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 (Hörspiel)

Ich bin ja immer etwas zwiegespalten, wenn ein literarisches Werk – und zu diesen wollen wir ein Hörspiel mal zählen, denn schlussendlich liegt dem Ganzen ein Textbuch zugrunde – mit Preisen zugeschüttet und von der Kritik gelobhudelt wird. Nicht immer trifft das Urteil dieser hochintelligenten wie allwissenden Fachkräfte der Literaturszene meinen Geschmack.

Doch im Falle von TOD UNTER LAMETTA handelte es sich um den Publikumspreis, mit dem dieses Hörspiel im Rahmen der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2019 gewürdigt wurde. Naja, und das Publikum, das sind ja schließlich Menschen wie „du“ aber auch wie „ich“. Also schauen wir (ergo „ich“) mal, oder vielmehr hören wir (wieder „ich“) mal, was das Publikum so zu frenetischen Begeisterungsstürme animiert hat.


3 CDs+Bonus-CD/ TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 (2018-2020) von Kai Magnus Sting/ Buch: Kai Magnus Sting / Regie: Leonhard Koppelmann / Ton und Technik: Peter Harrsch / Dramaturgie und Redaktion: Uta-Maria Heim / mit Annette Frier, Jochen Malmsheimer, Bastian Pastewka und Kai Magnus Sting


TEIL 1 // Killende Weihnachtsmänner bringen in der Adventszeit 24 Leute um die Ecke: Tote werden mit Lichterketten erdrosselt, Leichen in Schneemännern versteckt, Glühwein, Gans und Knödel vergiftet. Und mittendrin Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg – hochintelligent, trinkt gern, isst noch lieber und hat immer das letzte Wort–, der dem mörderischen weihnachtlichen Treiben auf die Spur kommen will. Es hilft alles nichts: Um diesen Fall zu lösen, muss er ins Weihnachtskostüm springen. 

TEIL 2 // Kurz vor Weihnachten in einem verschneiten Luxushotel im Schwarzwald: Leute verschwinden spurlos. Der Yeti geht um. In der Heizung spukt‘s. Der Hoteldirektor weiß von nichts. Und zu guter Letzt gibt‘s statt der Bescherung eine mörderische Schneeballschlacht. Mittendrin Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg, der mit seinen beiden Freunden tief in seine kriminalistische Trickkiste greifen und sogar ins Christkindlkostüm schlüpfen muss, um dieses Abenteuer zu überleben.

 (Inhaltsangaben der Homepage des Verlages entnommen!)

Ich lauschte und lachte. Dann musste ich zurückzappen, da ich vor lauter Lachen das Nachfolgende nicht verstanden hatte, um dann wieder zu lachen, worauf ich wiederum zurückzappen musste, um abermals…! Verdammt, so kann’s doch nicht weitergehen. So dauert’s ja ewig, bis ich zum Ende dieser Geschichte komme und endlich erfahre, wer der/die Mörder war(en). Wer hat denn überhaupt diesen Blödsinn verzapft? Kai Magnus Sting. Aha! Muss ich den kennen?

Kai Magnus Sting ist in der Comedy-Szene kein Unbekannter, nur leider an mir ist er gänzlich vorbeigehuscht. Doch dies hat sich nun mit einem Paukenschlag geändert. TOD UNTER LAMETTA, für dessen Buch sich Sting wohl oder übel verantworten musste, bezeichnete er selbst als Krimigroteske. Krimigroteske: So eine harmlose Bezeichnung für diesen irrwitzigen Spaß.

Vorab: Zur Freude eines jeden Produzenten besteht das Ensemble höchst kostengünstig aus nur vier Personen. Neben dem Autor „himself“ erhoben noch Jochen Malmsheimer, Bastian Pastewka und Annette Frier nicht nur jeweils die eigene Stimme. Will sagen: Sie frönten ihrer Lust an multiplen Persönlichkeiten, indem sie in eine Unzahl an unterschiedlichen Figuren schlüpften.

Regisseur Leonhard Koppelmann tat gut daran, den Spieltrieb dieser Vier nur dezent lenkend Einhalt zu gebieten. Ansonsten setzte er auf ein perfektes Timing, auch dank Peter Harrsch, der am Mischpult wahre Wunder vollbrachte und mit Musik und Geräuschen eine geniale Kulisse kreierte, die mich an die TV-Serien der 60er und 70er Jahre erinnerte.

Zur Erklärung: Jochen Malmsheimer spricht hauptsächlich unseren eher wenig jugendlichen Helden ALFONS FRIEDRICHSBERG. Bastian Pastewka und Kai Magnus Sting geben Friedrichsbergs Freunde JUPP STRAATEN und WILLI DAHL sowie alle weiteren männlichen Figuren, wobei Kai Magnus Sting auch als ERZÄHLER fungiert. Annette Frier leiht jeder der weiblichen Figuren eine ihrer mannigfaltigen Stimmen.

Jochen Malmsheimer mimt ALFONS FRIEDRICHSBERG (hochintelligent, verfressen, versoffen, Privatier und Hobbydetektiv) getreu dem Motto „Was schert es die deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr schubbert?“, zumal er mit seiner markanten wie prägnanten Stimme und einer immensen Spielfreude eine deutliche Marke setzt. Wie Holmes seinen Watson hatte, so hat FRIEDRICHSBERG seinen JUPP STRAATEN, den Bastian Pastewka mit lakonischem Witz ausstattet. Als WILLI DAHL wird Kai Magnus Sting eher mitleiderregend von den zwei Freunden untergebuttert. Dafür glänzt er umso mehr als ERZÄHLER: Allein wie und mit welchem Wortwitz er hier intoniert, erinnerte mich stark an den wunderbaren Loriot. Annette Frier ließ mich staunen, da sie anscheinend über einen schier unendlichen Fundus an Stimmen verfügt und alle stimmlichen Facetten vom rustikalen Landei bis zur Femme Fatal beherrscht.

Apropos Loriot: Da kamen einige Passagen zu Gehör, die so grandios waren, dass sie auch direkt vom großen Meister des feinsinnigen Humors hätten sein können. Besonders Annette Frier und Bastian Pastewka werfen sich entsprechend meisterhaft die verbalen Bälle zu und switchen gekonnt durch die Dialekte und Stimmfärbungen. Da gab es höchst amüsante „Szenen einer Ehe“ zu belauschen, und sogar die Simultanübersetzung eines Gesprächs unter Chinesen wurde mir als Zuhörer geboten.

Das Buch von Kai Magnus Sting ist großartig abgedreht, erfreut mit witzigen Wortspielereien, glänzt mit Detailreichtum, bedient genüsslich hemmungslos jegliches Klischee und nimmt Anleihen von Monty Python bis Edgar Wallace, von Agatha Christie bis Arthur Conan Doyle. Mag es auch respektlos wirken, so ist dies doch eine liebevolle Hommage, mit der sich Kai Magnus Sting vor den Großen der Krimi-Zunft verbeugt.

Endlich gibt es ein wirksames Antidot für all diejenigen, die sich am süßlichen Kitsch, am Überfluss an Lichterketten, an Apfel, Nuss und Mandelkern, an „Last Christmas“ in Endlos-Schleife, an pappigen Lebkuchen, am überteuerten Glühwein, an einem unlustigen „Hohoho!“, an blinkenden Weihnachtsmannsmützen und an einer gezwungenen Besinnlichkeit sattgesehen, sattgehört, sattgegessen oder sonst wie gesättigt haben,…

…und so wünsche ich euch und all euren Lieben eine entschlackte Weihnachtszzzzz…

Der Schuss verhallt ungehört in den Weiten der Auen. In einiger Entfernung senkt der Weihnachtsmann die Waffe und murmelt in seinen weißen Rauschebart „Endlich ist er still!“. Neben ihm steht der Yeti und klopft ihm anerkennend auf die Schulter: „Guter Schuss!“. Arm in Arm verschwinden die Beiden im Dickicht des nahen Forsts, während über ihnen ein Sternlein blinkt: Es ist Advent!


erschienen bei der Hörverlag / ISBN: 978-3844540376
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hörexemplar!

LEKTÜRE zum FEST 2025…

Da ist sie wieder: meine liebste Zeit im Jahr! Auch nach all den Jahren, die ich nun schon auf dem Buckel habe, ist meine Freude an der Advents- und Weihnachtszeit nicht geschwunden, und ich habe mir immer noch ein kindliches Staunen bewahrt. Auch wenn ich Ende August aufstöhne, wenn ich mit T-Shirt und Shorts bekleidet vor den ersten Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt stehe, halblaut vor mir her schimpfe und Sätze wie „Das wird auch von Jahr zu Jahr früher!“ verlauten lasse. So verspüre ich doch innerlich ein verführerisches Kribbeln, das andeutet „Bald ist es soweit!“

Bald ist es soweit, und dann werde ich eine Vielzahl an Kartons aus dem Abstellraum kramen, sie öffnen, ihren Inhalt befreien, um ihn mit einer unbändigen Freude über die Zimmer unseres Heimes zu verteilen. Auch sind die Termine zu den vielfältigen und stimmungsvollen Weihnachtsmärkten der Region bereits in meinem Kalender notiert.

Doch meine Beschäftigung mit dieser besonderen Zeit begann schon viel früher: Bereits im Sommer habe ich in all den wundervollen Verlags-Vorschauen geblättert, um rechtzeitig meine Anfragen zweck Rezensionsexemplare für meine Lieblingsrubrik LEKTÜRE ZUM FEST starten zu können. Gleichzeitig warf ich aber wiederum einen Blick auf die Back-List der Verlage und bediente mich auch bei ihr.

Eine gute Geschichte wird nicht schlechter, nur weil ihre Veröffentlichung schon einige Zeit zurück liegt. Da wäre es doch sehr bedauerlich, wenn diese Bücher in Vergessenheit geraten würde, nur weil sie nicht mehr an vorderster Front in den Regalen der Buchhandlungen zu finden sind.



Auch in diesem Jahr habe ich mich bemüht, eine vielfältige Auswahl an Lektüre zusammenzustellen: So wird es poetisch, kriminalistisch, bildgewaltig, märchenhaft, klassisch,…!

Wir lassen uns durch die Saison geleiten mit einem literarischen Adventskalender und schmökern in Weihnachtsgeschichten von „schön bis schaurig“. So manches Verbrechen gilt es aufzuklären, bei dem zur Spannung auch das Lachen nicht zu kurz kommt. Wie bereits in den vergangenen Jahren schauen wir auch diesmal bei Ebenezer Scrooge vorbei. Nur anhand der Kraft der Illustrationen lassen wir uns eine entzückende Geschichte erzählen, bevor wir einem charmanten Telefonat zwischen Vater und Tochter lauschen. Dann amüsieren wir uns an einem perfekt unperfekten Weihnachtsfest, und müssen leider feststellen, dass der Wunsch nach Friede nie aus der Mode kommen wird.

Dies alles gibt es zu entdecken,…

  • NOCH 24 MAL SCHLAFEN. Ein literarischer Adventskalender/ ausgewählt von Ron Mieczkowski
  • Molly Thynne – EINGESCHNEIT MIT EINEM MÖRDER
  • Richard Johnson – ES WAR EINMAL EIN SCHNEESTURM
  • Kai Magnus Sting – TOD UNTER LAMETTA. Teil 1+2 (Hörspiel)
  • Kirsten Boie – DER WEIHNACHTSFRIEDEN/ mit Illustrationen von Claire Harrup
  • Beate Maly – ADVENT IM GRANDHOTEL. Eine Weihnachtsgeschichte
  • MEINE LIEBSTEN WEIHNACHTSGESCHICHTEN/ herausgegeben von Dirk Böhling
  • Rodolphe (nach Charles Dickens) – SCROOGE. Eine Weihnachtsgeschichte/ mit Illustrationen von Estelle Meyrand
  • SCHAURIGE WEIHNACHTEN. Klassische Horror- und Geistergeschichten/ ausgewählt von Jochen Veit
  • David Wagner – ALLE JAHRE WIEDER
  • Johanna Lindemann – DIE GESTOHLENE WEIHNACHTSGANS/ mit Illustrationen von Andrea Stegmaier

..und ich hoffe sehr, dass ihr beim Anblick meiner kleinen Auswahl eine unbändige Lust verspürt, selbst in die wunderbare Welt der Weihnachtslektüre einzutauchen. Es würde mich sehr freuen!

Ich wünsche Euch von Herzen eine wundervolle Adventszeit mit vielen inspirierenden Lese-Stunden!

Liebe Grüße
Andreas


P.S.: Wenn Planung und Wirklichkeit aufeinandertreffen, da kann so einiges passieren. Darum: Alle Angaben ohne Gewähr! 😉

[Rezension] Arthur Conan Doyle – SHERLOCK HOLMES & DIE DAME IN GRÜN (Hörspiel)

Die Corona-Zeit liegt zum Glück hinter uns, und sicherlich wird niemand gerne daran erinnert. Das Leben lag zuerst völlig brach und kam dann nur recht schleppend wieder in Bewegung. Kulturelle Einrichtungen durften unter Einhaltung pandemiekonformer Bedingungen ihre Türen wieder für ein Publikum öffnen.

So kreierte das bremer kriminal theater aus der Inszenierung von SHERLOCK HOLMES & DIE DAME IN GRÜN, die die Eröffnungsproduktion ihrer früheren Spielstätte war, ein Live-Hörspiel, das dann zu einer echten Hörspiel-Produktion nochmals veredelt wurde.


2 CDs/ Sherlock Holmes & Die Dame in Grün (2020) von Arthur Conan Doyle/ Regie: Ralf Knapp/ Aufnahmeleitung & Mix: Mark Derichs/ Musik & Sounds: Johannes Haase/ mit Christian Aumer, Mark Derichs, Martina Flügge, Ralf Knapp und Mateng Pollkläsener


Inspektor Gregson von Scotland Yard sieht sich grausigen Serienmorden gegenüber, bei denen junge Frauen ermordet werden und ihnen jeweils ein kleiner Finger fehlt. Die Opfer scheinen keine Gemeinsamkeiten aufzuweisen, so dass die Polizei von einer zufälligen Auswahl der Opfer ausgeht und den Täter für einen wahnsinnigen Affektmörder hält. Sherlock Holmes ist anderer Meinung, da er die Morde für logisch geplant hält und einen klugen Kopf hinter den Straftaten vermutet. Sir George Fenwick wird tot aufgefunden, und schnell wird deutlich, dass er Selbstmord begangen hat. Auf den ersten Blick stehen die Serienmorde und der Selbstmord nicht in Verbindung zueinander. Holmes und sein treuer Freund Dr. Watson kommen allerdings auf eine interessante Spur. Ein angesehener Mann ist in die Mordreihe involviert, denn bei ihm wurde ein abgetrennter Finger einer jungen Frau aufgefunden. Er stand während der Mordnacht unter einem fremden Einfluss und kann sich an viele Details der vergangenen Stunden nicht erinnern. Holmes stellt Nachforschungen an, welche Möglichkeiten bestünden, um einen Menschen so zu manipulieren, dass er einen Mord begeht, ohne sich daran erinnern zu können. Er nimmt an einem informativen Abend der Gesellschaft für Hypnose teil. Dort erfährt er von einer jungen Frau, die häufiger an diesen Abenden teilnimmt – die Frau in Grün. Nach und nach kommt er auf die Schliche von Professor Moriarty und dessen charmanter Komplizin Lydia Marlowe. In einem gefährlichen Versuch lässt sich Holmes auf eine Hypnose ein und wird beinahe Opfer von Professor Moriartys Plan.

 (Inhaltsangabe der Wikipedia-Seite zum Film entnommen!)

Die Inszenierungen am bremer kriminal theater (kurz: b.k.t.) bestechen immer durch eine ganz eigene Ästhetik – sowohl in der Ausstattung wie auch in der Art der Darstellung. Diese Ästhetik konnte auch ins Hörspiel ganz wunderbar transferiert werden. Diese Mischung aus Dramatik und Spannung, aus (leichter) Übertreibung und Ironie, gepaart mit der hörbaren Lust am Spiel mit der Stimme, machte mir als Zuhörer eine immense Freude.

Theaterleiter und Regisseur Ralf Knapp besetzte die Rollen mit bekannten Gesichtern bzw. (in diesem Fall) mit bekannten Stimmen aus dem b.k.t.-Kosmos. Christian Aumer gibt den brillanten Meisterdetektiv mit wohldosierter Arroganz, der allerdings auch dem Weltlichen nicht abgeneigt scheint und so deutlich nahbarer wirkt. Regisseur Ralf Knapp selbst mimt dessen treuen Freund Dr. Watson und porträtiert ihn bodenständig aber durchaus auch etwas begriffsstutzig. Es ist herrlich witzig, wie Dr. Watson mit Inspektor Gregson darum buhlt, wer von ihnen nun der Erzähler und somit der Chronist dieser Geschichte ist. Mark Derichs stattet Inspektor Gregson mit jugendlichem Elan aus, der allerdings seine Überforderung gegenüber Holmes Genialität nicht kaschieren kann. Martina Flügge als die titelgebende DAME IN GRÜN weiß sich in dieser Männerriege zu behaupten, indem sie gekonnt stimmlich prägnante Akzente zwischen Verruchtheit und Verzweiflung setzt. Mateng Pollkläsener verleiht Professor Moriaty eine trügerische Gemütlichkeit, die nicht über den skrupellosen Schurken hinweg täuscht.

Der Regisseur machte – wie auch in vergangenen Inszenierungen am b.k.t. – aus einer Not eine Tugend. Er ließ (neben den erwähnten Hauptpartien) die div. Nebenrollen von den vorhandenen fünf Herren und der einzigen Dame im Ensemble einsprechen, die scheinbar mühelos in die vielen Charaktere hüpften. Zudem setzte er meisterhaft auf ein perfektes Timing und würzte die Geschichte mit witzigen Rand-Dialogen (Stichwort: Zeitungsverkäufer). Johannes Haase sorgte nicht nur für den atmosphärisch stimmigen Sound. Zur musikalischen Untermalung ließ er immer wieder die Geige erklingen, deren Einsatz ich als Reminiszenz an Sherlock Holmes musikalischem Talent gedeutet habe.

Mit dieser rundum gelungenen Hörspielproduktion braucht sich das bremer kriminal theater wahrlich nicht hinter Produktionen größerer Labels zu verstecken.


Das Hörspiel ist im Eigenverlag erschienen und nur direkt beim bremer kriminal theater erhältlich. Eine Bestellung ist über die Homepage des Theaters möglich.

[Rezension] Georges Simenon – DER MÖRDER (Hörspiel)

Normalerweise bespreche ich eine Box mit Kriminalhörspiele komplett, nachdem ich mir CD für CD, Hörspiel für Hörspiel angehört habe. Da picke ich mir nicht nur ein einzelnes Hörspiel heraus und lasse die anderen Hörspiele ungehört links liegen. Normalerweise…! In diesem Fall bin ich ganz bewusst von dieser hehren Absicht abgewichen. Ich war auf der Suche nach Non-Maigret-Hörspiele und stolperte irgendwann über diese WDR PRIME CRIME-Hörspielbox mit 6 CDs – längst vergriffen und nur noch antiquarisch auf den bekannten Portalen äußerst günstig käuflich zu erwerben. Da griff ich zu.

Die Zusammenstellung der Box wirkte etwas kurios auf mich: Inmitten der anderen Autoren, die alle aus Deutschland stammten, nimmt hier Georges Simenon eine Sonderstellung ein. Er ist der Paradiesvogel, der mit der Bekanntheit seines Namens internationales Flair versprüht und somit vielleicht auch einen Kaufanreiz bei der potenziellen Kundschaft setzen sollte. Bei mir hatte diese Taktik bestens funktioniert.

Der Roman DER MÖRDER, das literarische Original zu diesem Hörspiel, hatte mir sehr gefallen. Insbesondere die Veränderungen, die der Täter wie auch sein soziales Umfeld durchlaufen, wurden von Georges Simenon anschaulich beschrieben. Der Autor erschuf eine bedrückende Atmosphäre und sorgte so für eine fesselnde Lektüre. Würde die Hörspiel-Adaption eben jene Atmosphäre ebenso wiedergeben können?

Hans Kuperus ist ein angesehener Arzt in einem niederländischen Städtchen. Was er nicht weiß, ist, dass seine Ehefrau Alice ihn betrügt, wenn er einmal wöchentlich nach Amsterdam fährt oder nachts wegen medizinischer Notfälle das gemeinsame Bett verlässt. Eines Tages erhält Kuperus einen anonymen Brief, in dem ihm davon berichtet wird. Er beschließt Alice und ihren Liebhaber, den stadtbekannten Schürzenjäger Graf de Schutter, zu ermorden. An einem Dienstag, wenn Kuperus sich normalerweise mit seinen Medizinkollegen trifft, lauert er den beiden auf, erschießt sie und versenkt die Leichen im Kanal, der anschließend zufriert. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, meldet Kuperus seine Frau als vermisst, während er gleichzeitig, in sehr reueloser Manier, versucht die Position der getöteten Ehefrau Alice durch das Dienstmädchen Neel zu ersetzen. Als das Eis zu tauen beginnt, kann Kuperus sich eines Verdachts nicht mehr erwehren.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)


1 CD/ DER MÖRDER von Georges Simenon (1999)/ Hörspielbearbeitung & Regie: Walter Adler/ Übersetzung: Lothar Baier/ technische Realisierung: Thomas P. Sehringer & Matthias Fischenich/ mit Gerhard Garbers, Martin Reinke, Christiane von Poelnitz, Jele Brückner, Matthias Fuchs, Ernst August Schepmann, Susanne Barth, Hermann Lause, Herbert Schäfer, Pierre Siegenthaler u.a.


Nach ca. 50 Minuten war der „Spaß“ dann auch schon wieder vorbei. Der CD-Player war verstummt. Ich saß vor mich hin sinnierend in meinem Sessel und war mit dem, was ich gerade gehört hatte, irgendwie unzufrieden. Alle wohlwollenden Gründe zugunsten der Adaption hatte ich bereits in die Waagschale geworfen, und doch senkte sich die Negativ-Schale nur allzu deutlich. Doch was war es, das mich so unzufrieden sein ließ? Antwort: Die atmosphärische Dichte des Originals ging beim Hörspiel ebenso verloren, wie auch die psychologische Komponente außer Acht gelassen wurde.

Vielmehr erschien es mir wie ein „aufgehübschtes“ Hörbuch: Gerhard Garbers fiel als Erzähler der Hauptpart zu. Die restlichen Sprecher*innen sowie Musik und Geräusche wirkten eher wie Gimmicks, die eingefügt wurden, um die Aufnahme etwas aufzulockern. Somit hatten die Sprecher*innen auch kaum Möglichkeiten, um ein interessantes Rollenprofil zu erschaffen und so nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen.

Walter Adler bemühte sich in seiner Bearbeitung um einen ruhigen Erzählton, konnte aber die ambivalenten Gefühle, die sich bei den Protagonist*innen hinter der biederen Fassade der Gutbürgerlichkeit versteckten, nicht glaubhaft vermitteln. Auch ließ er oftmals eine Szene nahtlos an die vorherige Szene anknüpfen und sorgte bei mir für Verwirrung beim Zuhören, da ich (scheinbar) unwillkürlich auftauchende Stimmen nicht sofort zuordnen konnte. Erst nach einige Sekunden war ich wieder soweit orientiert, um mich dann in die Handlung wieder einzufinden. Hätte ich den Roman vorher nicht bereits gelesen, wäre mir dies deutlich schwerer gefallen.

So wirkte diese Hörspiel-Adaption eines Georges Simenon-Klassiker bedauerlicherweise sehr blutarm auf mich.


erschienen bei Random House Audio / ISBN: 978-3898302838
ebenfalls erschienen als Download bei DAV / ISBN: 978-3862316649 / als Teil der Hörspielbox Maigret & Co. Meisterhafte Fälle

[Rezension] Erich Kästner – DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (Hörspiel)

Wie fühlt es sich für mich an, wenn ich Erich Kästner lese? Ich werde warm umarmt und von einer Welle aus Humor, Weisheit und Menschlichkeit umspült. Er schafft es wie kein anderer Literat, dass mir seine Werke auch beim wiederholten Lesen niemals langweilig werden. Vielmehr entdecke ich immer wieder neue Aspekte, die mich berühren und/oder zum Nachdenken anregen.

Doch würde dies im gleichen Maße auch eine Adaption schaffen? Bei den älteren Verfilmungen gelingt dies ganz famos, da hier der Meister am Entstehungsprozess elementar beteiligt war. Nun habe ich zum ersten Mal einem Hörbuch, das auf einem seiner Werke basiert, gelauscht…


1 CD/ DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER von Erich Kästner (1964)/ Produktion & Hörspielbearbeitung: Kurt Vethake/ Regie: Benno Schurr/ mit Heinz Schimmelpfennig, Wolfgang Reinsch, Ludwig Thiesen, Hannes Tannert, Maja Scholz, Irene Marwitz, G. Noebel, Rainer Baudisch, Lutz Hochstrate, Thomas Rosengarten, Tim Elstner, Karl-Heinz Butzen, Herbert Dardel u.a.


Seit Jahren sind die Schüler aus dem Internat Kirchberg und von der benachbarten Realschule verfeindet. Beide Gruppen denken sich die verrücktesten Streiche aus, um die anderen zu ärgern. Als die Realschüler die Diktathefte der Gymnasiasten klauen und dabei auch noch einen Schüler gefangen nehmen, hört der Spaß allerdings auf: Uli, Matthias und ihre Freunde fordern die Realschüler zum alles entscheidenden Kampf auf.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Schon zu meiner Rezension des Romans DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER fiel es mir schwer, die Inhaltsangabe für eine Geschichte zusammenzuschustern, in der so viel passiert. Wie mag es da den Verantwortlichen des vorliegenden Hörspiels ergangen sein, die sich der herausfordernden Aufgabe stellen mussten, ein komplexes Werk auf eine vertretbare Länge (in diesem Fall: 51 Minuten) kürzen zu müssen? Da werden Handlungsstränge zwangsläufig nur komprimiert wiedergegeben. Einige Aspekte können nur angerissen werden, andere fallen völlig weg. So taucht die titelgebende Schulaufführung nur als Randerscheinung auf, und auch das Wiedersehen zwischen Dr. Johannes „Justus“ Bökh und dem Nichtraucher wird arg verkürzt wiedergegeben.

Wie die obige Inhaltsangabe des Verlages offenbart, wurde der Schwerpunkt auf die Fehde zwischen den Schülern der unterschiedlichen Schulen gelegt. Dies gelingt Kurt Vethake mit seiner Hörspielfassung auch sehr charmant. Regisseur Benno Schurr sorgt in der Umsetzung für ausreichend jugendlichen Elan und lässt die vor allem jungen Sprecher sehr natürlich agieren.

Die Jungenschar war durchweg talentiert besetzt und wirkte so homogen in ihrem Zusammenspiel, dass ich niemanden hervorheben möchte bzw. kann. Anfangs irritierten mich allerdings die unterschiedlichen Tonlagen der Jungs: Es klang, als wären die Einen noch weit vom Stimmbruch entfernt, während andere schon in einer reiferen Bariton-Lage brummten.

Heinz Schimmelpfennig übernimmt hier den Part, den Kästner bei den Verfilmungen gerne selbst übernommen hat, und führt als Erzähler souverän-sympathisch durch die Handlung. Wolfgang Reinsch (Dr. Bökh) und Ludwig Thiesen (der Nichtraucher) mimen überzeugend die erwachsenen Bezugspersonen der Jungs. Hannes Tannert sorgt als Professor Kreuzkamm für die kauzig-komischen Momente.

Der Geist von Erich Kästner war bei diesem Hörspiel zwar durchaus spürbar, und ich fühlte mich fraglos gut unterhalten. Doch aufgrund der Kürzungen, die zwangsläufig bei der Umsetzung für dieses Medium unerlässlich sind, konnte mich das Hörspiel emotional nicht so sehr berühren wie es Roman oder Film vermögen:

Da lache und weine ich – immer im Wechsel, und hinterher bin ich glücklich.


erschienen bei Oetinger. audio / ISBN: 978-3837301458
ebenfalls erschienen als Roman bei Atrium / ISBN: 978-3855356072 und als Hörbuch bei Oetinger. audio / ISBN: 978-3837307207

[Rezension] Oscar Wilde – DAS GESPENST VON CANTERVILLE (Hörspiel)

Es sollte Oscar Wildes erste veröffentlichte Geschichte werden: Auch 137 Jahre später wird DAS GESPENST VON CANTERVILLE nach wie vor geliebt und gelesen. Zudem animierte sie die Kreativität vieler Künstler*innen, die aus diesem bezaubernden Grusel-Spaß eigene Adaptionen schufen. Natürlich dürfen in diesem illustren Reigen der Versionen die wunderbaren Hörspiele nicht fehlen: Hier entstehen nur dank der Aneinanderreihung vieler Töne die bunten Bilder im imaginären Kopfkino der Zuhörer*innen.

Der amerikanische Gesandte Hiram B. Otis reibt sich begeistert die Hände: Er hat soeben vom amtierenden Lord Canterville das Familienanwesen nebst Hausgeist käuflich erworben. Doch die Warnung des Lords vor eben diesem Gespenst, das seit Hunderten von Jahren im Schloss sein Unwesen treibt und schon so manchen Bewohner in den Wahnsinn getrieben hat, schlägt er leichtfertig in den Wind. Schließlich kommt er aus der neuen Welt und ist sowohl ein modern denkender Mensch als auch waschechter Republikaner. Für übernatürliche Phänomene fehlt ihm schlicht das Verständnis. So zieht Mr. Otis zusammen mit seiner Gattin Lucretia, dem ältesten Sohn Washington, seiner Tochter Virginia und den Zwillingen „The Star and Stripes“ in ihr neues Heim. Der Geist gibt sein Bestes, die neuen Hausbesitzer gebührend zu empfangen, und lässt seine Ketten gar schauerlich nächtens rasseln. Ein Umstand der Mr. Otis veranlasst, ihm eine Flasche Schmieröl auszuhändigen mit der freundlichen aber bestimmten Aufforderung, er möge seine Ketten ölen. Das Gespenst von Canterville ist erschüttert über diese bodenlose Respektlosigkeit und droht mit drastischeren Maßnahmen. Dummerweise hat er nicht mit dem vehementen Widerstand der Familie gerechnet. Nur Virginia hält sich diskret aus dem sich immer weiter zuspitzenden Scharmützel heraus…!


1 CD/ DAS GESPENST VON CANTERVILLE von Oscar Wilde (1993)/ Hörspielbearbeitung & Regie: Lilian Westphal & Gabriele Sachtleben/ Musik: Benedikt Hoenes/ Ton & Technik: Hans Scheck & Susanne Herzig/ mit Peter Fricke, Marion van de Kamp, Robinson Reichel, Dorothee Hartinger, Jakob Haas, Julian Sonner, Horst Sachtleben, Philipp Moog, Irmgard Först, Henning Schlüter, Rufus Beck u.a.


Schritte hallen, Schreie ertönen, Ketten klirren: Doch ein Gefühl des Gruselns – so richtig mit Gänsehaut, angespannten Nerven und sonstigem Zipp und Zapp – wollte sich bei mir nicht einstellen. Und das war auch gut so, denn dafür ist Wildes Geschichte einfach viel zu lustig. So saß ich auch eher lachend vor dem CD-Player und erfreute mich an der gelungenen Hörspiel-Adaption, die trotz obligatorischer Kürzungen den Spirit (in diesem Zusammenhang mochte ich nicht von „Geist“ sprechen) von Oscar Wildes Originalgeschichte ganz wunderbar einfängt.

Zu verdanken ist dies natürlich sowohl der behutsamen Bearbeitung durch Lilian Westphal und Gabriele Sachtleben, die auch für die Regie verantwortlich zeichneten, wie auch der Kunst der Tontechnik durch Hans Scheck und Susanne Herzig. Leider ist Benedikt Hoenes mit seiner Musik nicht kontinuierlich auf diesem hohen Niveau: Da schuf er atmosphärisch stimmige Kompositionen, die sowohl die Szenerie unterstützt wie auch für die Zeit, in der die Geschichte spielt, sehr passend sind. Dann mixte er immer wieder Jingles dazwischen, die an einer TV-Kindersendung erinnern und den Spannungsbogen eher unterbrechen als aufrecht erhalten.

Größtes Pfund dieser Hörspiel-Produktion ist allerdings das talentierte Ensemble, das von dem bekannten TV-Mimen Peter Fricke angeführt wird, der als Mr. Otis einerseits äußerst pragmatisch, andererseits ganz wunderbar nonchalant daherkommt. Seite an Seite steht ihm Marion van de Kamp als resolute Mrs. Otis in nichts nach. Umschwirrt werden sie von talentierten Jung-Sprecher*innen: Robinson Reichel verleiht dem ältesten Sohn Washington eine altkluge Reife, Jakob Haas und Julian Sonner als die Zwillinge begeistern durch eine quirlige Natürlichkeit, und Dorothee Hartinger als Virginia bezaubert durch ihren mädchenhaften Charme.

Horst Sachtleben kann als amtierender Lord Canterville mit aristokratischen Attitüden aufwarten, während sein bemitleidenswerter Vorfahr, eben jenes Titelgebende Gespenst, durch Henning Schlüter mit markanter Stimme überzeugend zwischen „beängstigend“ und „bemitleidend“ hin und her schwankt.

Über 30 Jahre hat diese Ausgrabung aus dem Hörspiel-Archiv des Bayerischen Rundfunks nun schon auf dem Buckel und klingt nach wie vor so herrlich frisch, dass sicherlich auch die nächsten 30 Jahre ihm nichts anhaben werden. Gutes ist und bleibt eben zeitlos!


erschienen bei DAV / ISBN: 978-3742426376

[Rezension] Arthur Conan Doyle – DER HUND DER BASKERVILLES (Hörspiel)

Da kann ein Autor bzw. eine Autorin noch so fleißig sein und Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte in Hülle und Fülle aufs Papier bannen. Doch so manches Mal ist es „nur“ ein einziges Werk, das im kollektiven Gedächtnis haften bleibt und scheinbar für immer und ewig stellvertretend für alle anderen Werke in einem Atemzug mit dem Namen des Verfassers/der Verfasserin genannt wird.

Wer denkt bei MORD IM ORIENTEXPRESS nicht augenblicklich an Agatha Christie. Beim Klang des Namens Thomas Mann kommt uns sofort BUDDENBROOKS in den Sinn. Und kann jemand ein weiteres Werk von Johanna Spyri – abgesehen von HEIDI – nennen? Auch Arthur Conan Doyle gelang dieses Kunststück mit DER HUND DER BASKERVILLES.

Bastian Pastewka, Schauspieler, Komiker, Drehbuchautor, Synchronsprecher u.v.m. hegt eine tiefe Liebe zu den Krimi-Hörspielen der Vergangenheit und frönt dieser hemmungslos in seinem Podcast KEIN MUCKS! – Der Krimi-Podcast – zwischenzeitlich in der 5. Staffel. Wen wundert’s, dass er dem Angebot nicht widerstehen konnte, zu diesem Krimi-Klassiker nicht nur die Hörspielfassung zu erstellen sondern auch die Regie zu übernehmen.

Der Landarzt Dr. Mortimer fürchtet um das Leben des jungen Sir Henry Baskerville, der aus Amerika anreist um im Dartmoor sein Erbe anzutreten. Er ist der letzte aus dem Geschlecht der Baskervilles. Sein Onkel Sir Charles starb vor kurzem an einem Herzinfarkt, als er allein in der Dunkelheit wartete. Sein ganzes Leben lang fürchtete er den Fluch der Baskervilles in Form eines riesigen Hundes, und nun sieht es so aus, als hätte eben dieser Hund aus der Hölle ihn in den Tod geängstigt. Auch Sir Henry hat schon eine anonyme Warnung erhalten, die ihn vor dem Einzug auf Baskerville Hall warnte. Zudem verschwanden erst ein neuer Stiefel und dann ein alter Stiefel von ihm. Nur der neue Stiefel tauchte wieder auf, was Sherlock Holmes nachdenklich stimmt. So schickt er Dr. Watson gemeinsam mit Sir Henry und Dr. Mortimer nach Dartmoor, damit er ein wachsames Auge auf den jungen Erben werfen kann. Auf Baskerville Hall werden die Herren vom alten Haushälter-Ehepaar Barrymore begrüßt, die – wie sich im Verlauf des Aufenthaltes zeigt – ein dunkles Geheimnis verbergen. Der Bruder von Mrs. Barrymore ist aus dem Gefängnis geflohen, versteckt sich nun im Moor und wird von den Barrymores mit Nahrung und der alten, abgelegten Kleidung von Sir Henry versorgt. Dies wird dem Flüchtigen zum Verhängnis, da der geheimnisvolle Hund ihn als Sir Henry wittert, anfällt und so tödlich verletzt. Sir Henry findet Gefallen an der jungen Beryl Stapleton, die mit ihrem Bruder Jack, einem Insektenforscher, in der Nachbarschaft lebt. Jack Stapleton scheint von der Freundschaft seiner Schwester zu Sir Henry wenig angetan zu sein und reagiert höchst verdächtigt. Dies alles beunruhigt Dr. Watson ebenso, wie der geheimnisvolle Fremde, der sich im Moor versteckt und die Geschehnisse rund um Baskerville Hall zu beobachten scheint…!


2 CDs/ Der Hund der Baskervilles (2014) von Arthur Conan Doyle/ Hörspielbearbeitung & Regie: Bastian Pastewka/ Übersetzung: Gisbert Haefs/ Musik: Henrik Albrecht/ mit Frank Röth, Gerhard Garbers, Thomas Kügel, Peter Jordan, Robert Gallinowski, Debora Weigert, Walter Renneisen, Johanna Gastdorf, Ulrich Voß, Susanne Pätzold, Jochen Striebeck u.a.


Die Neu-Auflage einer alten Geschichte im Gewand des Hörspiels kommt überraschend unaufgeregt, beinah von überflüssigen Ballast befreit um die Ecke. Alle Ingredienzien, wie sie bei den Verfilmungen und Hörspiel-Fassungen der Vergangenheit bemüht wurden und die Story gerne in Richtung Mystery, Horror und Gothic rückten, wurden hier tunlichst vermieden. Vielmehr baut Bastian Pastewka bei seiner Fassung ganz auf die Kraft des Originals. Schließlich präsentierte der Autor Arthur Conan Doyle hier eine gut skizzierte Handlung mit prallen Charakteren und überraschenden Wendungen. So bemüht Pastewka den legendären Hund auch nur wohldosiert und lässt die Spannung sich aus dem Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Personen entwickeln. Musik und Ton-Technik gelingt bestens die schwierige Aufgabe, das Klangbild fein zu beeinflussen und so für die unverzichtbare Atmosphäre in einem Sherlock Holmes-Krimi zu sorgen, ohne hier mit billigen Effekten zu übertreiben.

Wie nicht anders bei einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks zu erwarten, wurde wieder ein erlesenes Ensemble zusammengestellt: Frank Röth gibt den Meisterdetektiv Sherlock Holmes mit präziser Artikulation, analytischem Habitus und einem Hauch Arroganz. Der Dr. Watson von Gerhard Garbers ist da deutlich rustikaler, ohne trottelig zu wirken, und meistert zudem die schwierige Aufgabe, als Erzähler die Aufmerksamkeit der Zuhörenden auf ein hohes Niveau zu halten. Peter Jordan stattet Sir Henry Baskerville mit einer aristokratischen Schnöseligkeit aus, ohne an Sympathie einzubüßen. Bei Robert Gallinowski ist Jack Stapleton von einer schmierigen Freundlichkeit, er lässt aber die Gefährlichkeit in seiner Stimme unterschwellig mitschwingen. Debora Weigert erscheint als Beryl Stapleton zwar durchaus überzeugend verängstigt aber mimt erfreulich wenig das hilfsbedürftige Weib, das auf ihren edlen Retter wartet. Inspector Lestrade wirkt in der Interpretation von Jochen Striebeck äußerst handfest und zupackend, so als könnte ihn irgend so eine Töle im Moor nicht ängstigen. Selbst für die wenigen Sätze einer Mrs. Barrymore konnte die wundervolle Johanna Gastdorf als Sprecherin gewonnen werden.

Bastian Pastewka bleibt bei seiner Bearbeitung sehr nah an der originalen Vorgabe, nimmt zwar die für eine Hörspielfassung unumgänglichen Kürzungen vor, vermeidet allerdings den Handlungsablauf zu verfälschen. Und doch überrascht er am Ende der Geschichte mit einer so genannten „kriminal-kritischen Analyse“, indem er Holmes die Aussage treffen lässt:

„Wenn man seinen Standpunkt erst einmal verändert hat,
dann wir gerade der belastenste Beweis zum Schlüssel für die Wahrheit!“

Dies bedeutet so viel, dass unter Berücksichtigung aller vorliegenden Fakten in Kombination mit dem gesunden Menschenverstand auch eine andere Lösung des Falls möglich wäre,…

…eine Lösung des Falls, die erschreckend plausibler erscheint, als die, die Conan Doyle sich erdachte. Ich hörte dies und war verwirrt: Als meine Verwirrung sich peu à peu auflöste, und ich mich langsam von diesem Schock erholt hatte, brach ich in schallendes Gelächter aus.

Da hatte der Schelm Pastewka meine schöne bequeme und über Jahre antrainierte Sicht auf die Welt von Sherlock Holmes kräftig durcheinander gewirbelt. Und gleichzeitig passt dieses durchaus möglich erscheinende Alternativ-Ende, das raffiniert konzipiert und ebenso vertont wurde, ganz und gar wunderbar in den bekannten Holmes-Kosmos.

Chapeau!


Doch lassen wir den Regisseur gerne selbst zu Wort kommen:


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844515152
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-Exemplar!

[Rezension] BEST OF KRIMI KULT KISTE. Krimi-Hörspiele der 50er und 60er Jahre

In der Ferne hört man den typischen Lärm der Großstadt, hastige Schritte hallen auf nassem Asphalt, ein Schuss durchbricht die Sille der einsamen Straße, und der durchdringende Schrei einer Frau prallt als Echo von den Häuserwänden ab,…

…und erst nach diesem dramatischen Opener erklang die Titelmelodie:

Hach, war das damals nicht herrlich? Da versammelte sich die Familie kollektiv vereint vor dem Radio, um einer weiteren Folge einer der damals so beliebten Krimi-Hörspiele zu lauschen. Ein Fernsehapparat war damals noch eine sehr teure Anschaffung, die sich nur wenige Gutbetuchte leisten konnten. Die Mehrheit saß vor dem Radio und kreierte die Bilder mit viel Fantasie und mit Hilfe der akustischen Vorgaben aus den Rundfunkanstalten im eigenen Kopf.

Dabei waren die Verantwortlichen auf ihrer Suche nach spannenden Stories durchaus sehr erfindungsreich, griffen auf bekannte und bewährte Vorlagen zurück oder ließen eigene Krimi-Formate entwickeln. Viele der hier genannten Formate waren so beliebt und erfolgreich, dass sie es auch als Serie ins Fernsehen schafften. Warum auch nicht: Die bekannten Figuren waren schon so etabliert, dass die Wahrscheinlichkeit, sie würden auch mit Ton und Bild ebenso erfolgreich sein, als sehr hoch einzuschätzen war. So sollte es auch sein.

In der Zwischenzeit haben sie alle, die Hörspiele ebenso wie die Serien mit ihrem schwarz-weißen Retro-Charme, einen wahren Kultstatus erreicht. So peu à peu werden die alten Krimi-Hörspiele aus ihrem erzwungenen Dornröschen-Schlaf in den Archiven der Rundfunkanstalten befreit. Unter der Rubrik KRIMI KULT KISTE hat „der Hörverlag“ einige dieser Schätzchen wieder ausgegraben und sich hierbei auf die Werke des Schriftstellerehepaars Alexandra und Rolf Becker sowie der beiden Engländer Francis Durbridge und Lester Powell konzentriert. Entstanden sind insgesamt sieben Editionen mit jeweils 3 Hörspiele auf (durchschnittlich) 10 CDs, aus denen dieses BEST OF zusammengestellt wurde, das einen wunderbaren Querschnitt bietet und mir äußerst unterhaltsame wie spannende Hör-Stunden bescherte.


3 CDs/ Gestatten, mein Name ist Cox. Tod auf Gepäckschein 3311 (1959) von Alexandra & Rolf Becker/ Regie: Walter Netzsch/ mit Carl-Heinz Schroth, Konrad Georg, Karin Jacobsen, Siegfried Lowitz, Ulrich Bernsdorff, Uli Steigberg, Heinz Leo Fischer, Elisabeth Linhardt, Ursula Kube u.a.


4 CDs/ Paul Temple und der Fall Lawrence (1958) von Francis Durbridge/ Regie: Eduard Hermann/ mit René Deltgen, Annemarie Cordes, Kurt Liek, Ingeborg Schlegel, Robert Neugebauer, Carl Brückel, Willi Zickel, Peter René Körner, Herbert Hennies, Hans Fuchs, Karl-Heinz Bender, Magda Hennings u.a.


4 CDs/ Die Dame mit den grauen Löckchen (1959) von Lester Powell/ Regie: A.C. Weiland/ mit A.C. Weiland, Brigitte Dryander, Christa Adomeit, Heinz Pielbusch, Erich Herr, Hans Dilg, Friedrich Otto Scholz, Susanne Heym, Ernst Köstling, Margot Schönberger u.a.


Bonus-CD/ Kaum zu glauben (1962) von Francis Durbridge/ Regie: Heinz-Günter Stamm/ mit Eberhard Müller-Elmau, Martin Benrath, Gisela Zoch-Westphal, Alexander Kerst, Susanne Korda, Erwin Faber, Ernst Fritz Fürbringer, Horst Sachtleben, Hans Eichleiter u.a.


Wie meine verehrte Leserschaft vielleicht schon bemerkt hat, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, für jedes Hörspiel eine Kurzfassung der Handlung zu erstellen. Es schien mir auch nicht nötig. Jede*r Krimi-Freund*in kennt das eine oder andere Hörspiel. Alle Unwissenden müssen sich nun eben auf meine Lobhudelei verlassen. Und dieses BEST OF KRIMI KULT KISTE bietet einen ganz wunderbaren Einstieg in die Materie. Schenkt sie der Zuhörerschaft doch alles, was sie für einen unterhaltsamen Krimi-Abend benötigen. Da sind zum einen die aufregenden Original-Geschichten der versierten Autor*innen, die ganz wunderbar gealtert sind und trotz Remastering glücklicherweise ihre charmante Patina nicht verloren haben. Natürlich darf bei einem Radio-Hörspiel die Musik nicht fehlen, die als Original-Kompositionen sowohl als Titel- und somit Erkennungs-Melodie zum Einsatz kam als auch zur atmosphärischen Untermalung diente. Apropos „Atmosphäre“: Hier machte auch die Tontechnik einen ganz hervorragenden Job und schuf für jeden Raum den passenden Hall, für jede Situation das passende Ambiente.

Und dann waren da noch die herausragenden Sprecher*innen, die alle Könner*innen ihres Fachs waren. Aus der Fülle an Namen möchte ich nur einige exemplarisch nennen: René Deltgen schlüpfte hier in die Rolle des plitschen Privatdetektivs Paul Tempel, bevor er später als Edgar Wallace Bösewicht „Der Hexer“ auch im Kino für Furore sorgen sollte. Ernst Fritz Fürbringer war prädestiniert für destingierte, doch auch undurchsichtige Charaktere, wie er sie später gerne in Krimi-Serien wie „Derrick“ verkörperte. Gisela Zoch-Westphal galt als eine der wichtigsten Stimmen für Hörbuch/Hörspiel und legte ihr Augenmerk auf Vertonungen der Werke von Schriftstellerinnen wie Ingeborg Bachmann, Katherine Mansfield und (insbesondere) Mascha Kaléko. Mir ging das Herz auf, als die Stimmen von Carl-Heinz Schroth und Siegfried Lowitz erklangen, die als Paul Cox und Kriminalinspektor Carter zwar beide auf der Seite von Recht und Ordnung stehen, dabei aber sehr unterschiedliche, sich konkurrierende Methoden anwenden. Auch sie sollten beide später Fernsehgeschichte schreiben. All diesen tollen Schauspieler*innen zu lauschen, die ihr Handwerk noch verstanden, bereitete mir eine außerordentliche Freude.

Darum: Gönnt euch dieses BEST OF KRIMI KULT KISTE, dimmt das Licht, huscht mit einem Getränk eurer Wahl und ein paar Knabbereien unter die Wolldecke, und dann steht einem gemütlichen Abend vor dem CD-Player nichts mehr im Wege.


Euch gelüstet es nach mehr Krimi-Spaß im Retro-Charme? Dann schaut euch gerne das Video KEIN MUCKS! in concert an. Bastian Pastewka lässt gemeinsam mit dem WDR Rundfunkorchester den Sound der legendären Krimis aus den 50er und 60er Jahren wieder aufleben und kredenzt zusätzlich herrlich amüsante Anekdoten.


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844525946
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-exemplar!

[Rezension] Enid Blyton – FÜNF FREUNDE IM ALTEN TURM (Hörspiel)

Kennt ihr das auch? Es gibt Bücher, die man als Kind gelesen hat, die in der Erinnerung einen verklärten Eindruck hinterlassen haben. Obwohl: Es ist weniger ein Eindruck sondern vielmehr ein Gefühl, das man zum besagten Zeitpunkt mit dem Lesen eben jenes Buches verbindet. Allein die Erinnerung daran lässt dieses Gefühl wieder aufleben.

In meinem Fall ist es das Gefühl nach Ruhe und Geborgenheit – beides war in meinem chaotischen Elternhaus eher wenig vorhanden. Dank der Intention meines Großvaters lernte ich, mich dem Chaos zu entziehen, und so wird FÜNF FREUNDE IM ALTEN TURM immer zur Rubrik DIE BÜCHER MEINES LEBENS gehören und somit stets einen Platz in meinem Herzen haben.


1 CD/ FÜNF FREUNDE IM ALTEN TURM von Enid Blyton (1980)/ Hörspielbearbeitung & Regie: Heikedine Körtling/ Musik: Bert Brac/ mit Lutz Mackensy, Oliver Rohrbeck, Oliver Mink, Ute Rohrbeck, Maud Ackermann, Marianne Kehlau, Karl-Walter Diess, Marlen Krause u.a.

In den Weihnachtsferien wollen sich die fünf Freunde in einer tollen Skihütte so richtig erholen und freuen sich auf einen zünftigen Urlaub mit Ski, Rodel und viel, viel Schnee. Doch dann entdecken sie auf dem gegenüberliegenden Berg eine Burg mit einem geheimnisvollen Turm, der von einem scharfen Hund bewacht wird und mit einem elektrischen Zaun gesichert ist. Als die fünf Freunde einen unterirdischen Gang aufspüren, der zu einem verschlossenen Gewölbe führt, sind sie mitten in einem neuen Abenteuer.

(Inhalt dem Cover der CD bzw. der Homepage der Produktionsfirma entnommen.)

Auch das vorliegende Hörspiel drehte sich häufig auf meinem Plattenteller. Ja, ich besaß noch Schallplatten. Für die jüngere Generation: Die Schallplatte war der Vorgänger der Compact Disc, war allerdings größer, hatte dafür in der Mitte ein kleineres Loch und konnte von beiden Seiten abgespielt werden. 😉🙂😄

Dieses Hörspiel lief so oft – gefühlte unendliche Male – auf dem kleinen orange-farbenen Plattenspieler in meinem Kinderzimmer, dass ich die Dialoge mitsprechen konnte. Und auch diesmal ertappte ich mich dabei, wie meine Lippen sich lautlos bewegten. So lauschte ich voller Sentimentalität den ach so bekannten Stimmen von Lutz Mackensy als Erzähler, Oliver Rohrbeck (Julian), Oliver Mink (Dick), Ute Rohrbeck (Anne) und Maud Ackermann (George). Ich erfreute mich an der liebevollen Umsetzung der Geschichte, die dank der versierten Arbeit der Tontechniker auch akustisch trefflich in Szene gesetzt wurde.

Doch auch der verklärte Blick durch die Brille der Nostalgie täuschte mich nicht darüber hinweg, dass Enid Blytons Geschichten mir als Erwachsener eher wenig bieten können. Sie hat sehr genau für „ihre“ Zielgruppe der 8- bis 12-jährigen Kinder geschrieben. Ein „Extra“, eine zweite Ebene oder einen Untertext in der Geschichte, wie z. Bsp. die sanfte Melancholie einer Astrid Lindgren oder die feine Ironie des Erich Kästners, die ihre Werke auch für ältere Generationen so reizvoll machen, suchte ich bei Enid Blyton vergeblich.

Enid Blyton schrieb ganz und gar wahrhaftig „nur“ für die Kinder. Und das ist auch gut so und darf so sein!


erschienen bei Europa (Sony Music)/ ISBN: 978-3866296251

[Rezension] Agatha Christie – ACHT HERCULE POIROT KRIMIS (Hörspiel)

Kennt ihr das auch? Ihr habt gerade mehrere Bücher beendet und natürlich in salbungsvollen Worten eine Rezension verfasst, da lacht euch auch schon das nächste vom Verlag spendierte Leseexemplar an. Da brauche ich hin und wieder eine Auszeit! Nein, ich greife dann nicht nach einer Haselnuss- oder Milch-Schnitte (Obwohl die Versuchung gegeben wäre!). Vielmehr gelüstet es mich nach einer appetitlichen Krimi-Schnitte.

Wie gut, dass da die Sendeanstalten vom Südwestrundfunk und vom Mitteldeutschen Rundfunk mit ihrem Krimisommer in den Jahren 2002 bis 2006 für eine wunderbare Auswahl an klassischen Krimi-Leckerlis vorgesorgt haben. So gab sich nur die Elite dieses verbrecherischen Genres die Ehre: Dorothy L. Sayers (Lord Peter/ 2002), Georges Simenon (Kommissar Maigret/ 2003), Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes und Dr. Watson/ 2004) und Gilbert Keith Chesterton (Pater Brown/ 2005).

Im Jahre 2006 durfte dann Agatha Christie mit Hercule Poirot den letzten Krimisommer bestreiten.


4 CDs/ Acht Hercule Poirot Krimis von Agatha Christie (2006)/ Hörspielbearbeitung: Alexander Schnitzler/ Regie: Stefan Hilsbecher/ Musik: Henrik Albrecht/ mit Felix von Manteufel, Friedhelm Ptok, Stephanie Kämmer, Peter Fricke, Susanne Heydenreich, Abak Safaei-Rad, Leslie Malton, Udo Schenk, Hedi Kriegeskotte u.a.

  • CD 1: Eine Tür fällt ins Schloss / Tot im dritten Stock
  • CD 2: Vierundzwanzig Schwarzdrosseln / Der verräterische Garten
  • CD 3: Der Traum / Poirot und der Kidnapper
  • CD 4: Urlaub auf Rhodos / Lasst Blumen sprechen

Aus der Vielzahl an spannenden Fällen, die der kauzige kleine Belgier im Laufe seiner literarischen Karriere lösen durfte, griff man auf die oben genannten acht Kurzgeschichten zurück. Kenner der Materie werden beim Hören rasch bemerken, dass Alexander Schnitzler sich bei seiner Bearbeitung nah am Original gehalten und gesamte Textpassagen eins zu eins übernommen hat. Diese Vorgehensweise kann ich nur befürworten: Warum sollte er eine gute Vorlage verschlimmbessern? Umrahmt werden die Geschichten durch die Musik von Henrik Albrecht, die wiederholt zum Einsatz kommt und somit – wie ein roter Faden – die einzelnen Erzählungen miteinander verknüpft. Dabei ist die Musik atmosphärisch stimmig, drängt sich aber niemals in den Vordergrund. Gleiches gilt für die Regie von Henrik Albrecht, der klug auf das Können seiner Sprecher*innen setzt, und vielleicht nur hier und da ein wenig das Tempo im Sinne der Spannung anzieht.

Das Ensemble setzt sich aus versierten Schauspieler*innen aus Theater, Film und Fernsehen zusammen: Da tauchen bekannte Namen wie Stephanie Kämmer, Peter Fricke, Susanne Heydenreich, Abak Safaei-Rad, Leslie Malton, Udo Schenk und Hedi Kriegeskotte auf, die teilweise in mehreren Geschichten unterschiedliche Charaktere verkörpern. Dies meistern sie so gekonnt individuell und abwechslungsreich, dass ich manchmal nur anhand der Besetzungsliste erkannte, dass es sich um ein und dieselbe Person handelte.

Dreh- und Angelpunkt dieser acht Hercule Poirot Krimis – und somit prägend für diese Hörspiel-Produktion – sind allerdings Friedhelm Ptok und Felix von Manteufel. Friedhelm Ptok führte mich als Hörer mit seiner markanten Stimme durch den Plot. Dabei ist er manchmal „nur“ der Erzähler, dann schlüpft er wieder in die Schuhe von Arthur Hastings, Poirots Sidekick, der auch im literarischen Original so manches Mal erzählerisch durch die Geschichte führte. Prägnant in Szene gesetzt werden die Hörspiele durch die Stimme von Felix von Manteufel. Er „französelt“ höchst amüsant und versieht den weltberühmten Detektiv mit einer liebenswerten Schrulligkeit. Dies macht er so ausnehmend überzeugend, dass ich unseren Helden beinah leibhaftig vor mir sah.

Mit einer Länge zwischen 30 und 55 Minuten sind die einzelnen Episoden wunderbare Appetithäppchen, gar köstliche akustische Happenpappen, um den Tag zwar durchaus unterhaltsam spannend aber nicht allzu aufgeregt zu beenden.


erschienen bei der Hörverlag/ ISBN: 978-3867176095