[Rezension] Erich Kästner – DIE 13 MONATE/ mit Illustrationen von Dirk Schmidt

Das Neue Jahr steht noch am Anfang. Ganz klein und bloß liegt es da vor uns. Beinah hilflos ist es uns ausgeliefert. Was wird mit ihm geschehen? Wie wird es sich entwickeln? Sicher ist, es wird wirken – im Großen wie im Kleinen – je älter es wird. Das wusste auch schon Erich Kästner, als er im Jahre 1955 seinen Gedichtband DIE 13 MONATE veröffentlichte. Nun sehe ich meine geneigte Leserschaft bereits verdutzt die Augen aufreißen und verwirrt den Kopf schütteln „13 Monate? Wieso 13 Monate? Das handelsübliche Jahr besteht doch nur aus 12 Monaten! Extras waren nie vorgesehen.“ Wir haben es hier mit niemand geringerem als Erich Kästner zu tun – da muss immer mit Extras gerechnet werden.

Kästner wäre nicht Kästner würde er in seinen Versen „nur“ über die Besonderheiten der einzelnen Monate, die Schönheit der Natur, das Wetter, Flora und Fauna und vom Menschen im Wandel der Jahreszeiten schwadronieren. Das tut er natürlich auch in seiner ganz unverwechselbaren Art und Weise. Doch zwischen seinen Zeilen, sozusagen als „Untertext“, beinah versteckt und für die oberflächlichen Leser*innen schnell zu übersehen, streut er eine feine Prise Ironie über seine Lyrik, die seinen Versen eine pikante Note verleiht. Doch – wie bereits erwähnt – dafür sollte bei den verkonsumierenden Leser*innen ein empfindsamer Gaumen ausgeprägt sein, um dieses feine Geschmackserlebnis voll auskosten zu können.

Ursprünglich reimte Erich Kästner die ersten zwölf Gedichte (also der klassische Umfang eines Jahres in 12 Monate) im Auftrag der „Schweizer Illustrierten Zeitung“. Hier erschienen sie vom 30. Dezember 1952 bis zum 7. Dezember 1953 als monatliche Serie. Erst als die Buchausgabe vorbereitet wurde, schrieb er das Vorwort und verfasste das dreizehnte Gedicht. „Die hier versammelten Gedichte schrieb, im Laufe eines Jahres, ein Großstädter für Großstädter.“ eröffnet Kästner sein Vorwort und gibt unumwunden aber auch ein wenig beschämt zu, dass er zur korrekten Wiedergabe des Jahresablaufs vielfältige Quellen aus der Literatur zu Rate gezogen hat – obwohl er selbst bereits in einem so fortgeschrittenem Alter wäre, dass er die recherchierten Fakten hätte wissen müssen.

Das Altern, die Vergänglichkeit und das Vergehen der Zeit – dies sind alles Themen, die er gerne in diesen Gedichten aufgreift. So wird im Januar das Jahr als „klein und liegt noch in der Wiege“ beschrieben, während es im Dezember „dünne Haar“ hat und „gar nicht mehr gesund“ wirkt, und somit sein baldiges Ende unausweichlich ist. Zwischen diesen beiden Extremen zeigt sich das Jahr in seiner ganzen verschwenderischen Vielfalt. Kästner präsentiert die Monate beinah als Individuen, so als hätten sie eine eigene Persönlichkeit, mit der sie willentlich Einfluss auf den Jahresablauf nehmen.

Er erweckt ein heiteres Bild, betont die Schönheit jedes einzelnen Monats, mischt aber auch eine sanfte Melancholie unter seine Verse. Dabei variiert er sowohl mit der Länge der Gedichte als auch mit deren Versmaß und fordert mich als Leser stets auf Neue heraus, mich diesem wandelnden Rhythmus der Verse (wie auch der Monate) anzupassen. In „Der dreizehnte Monate“ schickt er unsere Phantasie auf Reise, sich einen Bonus-Monat zu erträumen und wagt eine kritische Anmerkung. Wozu brauchen wir einen dreizehnten Monat? Wer die vorherigen zwölf Monate nicht mit Farben füllen konnte, wird dies mit einem weiteren Monat auch nicht mehr bewerkstelligen und so das Versäumte nie mehr aufholen können.

In der Vergangenheit wurde das Kästner’sche Jahres-Menü gerne mit würzigen Illustrationen verfeinert, die die lyrische Idylle aufbrachen und so vor einer süßlichen Romantik retteten. Oftmals waren es Illustratoren wie Richard Seewald, Walter Trier und Celestino Piatti, die auch durch ihre politischen Karikaturen bekannt waren. In einer der mir vorliegenden vorangegangenen Auflagen schuf Hans Traxler die Monatsblätter mit seinem markanten wie unverwechselbaren Pinselstrich.

Doch nun sind wir im modernen Digital-Zeitalter angekommen, wo sich Sehgewohnheiten stetig verändern: Diesmal hat sich Dirk Schmidt, der bereits für renommierte Zeitungen und Illustrierten wie „Stern“, „Der Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet hat, der Visualisierung der Monate angenommen. Seine Illustrationen sind nett, durchaus charmant, betonen allerdings weniger die kabarettistische Note und lassen so an Biss vermissen.

So rutschen Kästners DIE 13 MONATE in der aktuellen Aufmachung eher in Richtung „gefälliges Geschenkbüchlein“, was ihnen leider nicht gerecht wird. Sollten so allerdings DIE 13 MONATE einem breiteren Publikum wieder zugänglicher werden, würde mich dies außerordentlich freuen!


erschienen bei Atrium / ISBN: 978-3855352357
Ich danke der Presseagentur Politycki & Partner herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] VOM GLÜCK, AUFS MEER ZU SCHAUEN. Die schönsten Geschichten und Gedichte/ ausgewählt von Jan Strümpel

Da unterbrach ich meinen Spaziergang zu den ALLTAGSMENSCHEN in Bremerhaven nur allzu gerne, um mir eine Pause auf einer Bank direkt an der Hafenkante zu gönnen. Vor mir befand sich zwar nicht direkt das Meer, doch die Lage der Stadt lässt die Nordsee durchaus bereits erahnen. So schaute ich sinnierend über das Wasser, lauschte dem Plätschern der Wellen und den Rufen der Möwen und schickte meine Gedanken auf Reise.

„Das muss eine Qualität des Meeres sein, dass es in jeder Form verlocken und entzücken kann, auch ohne Palmen, pittoreske Bergdörfer und gewaltige Brandungen. Wenn es denn nur zur Seele spricht.“ lässt Jan Strümpel in seinem Vorwort zu VOM GLÜCK, AUFS MEER ZU SCHAUEN verlauten, und da kann ich ihm nur beipflichten. Dies scheint eindeutig kein modernes Phänomen zu sein: Zu allen Zeiten übte das Meer seinen Reiz auf die Menschen aus und animierte sie zu Lyrik und Prosa, wie diese feine Sammlung beweist. Wie bereits bei der Auswahl zum Thema FRÜHLING seiner Kollegin Mareike von Landsberg, versammelt auch Jan Strümpel in seiner Anthologie eine äußerst abwechslungsreiche Riege an Literat*innen.

Da tummelt sich eingangs Hedwig Lachmann am Strand und ist da in bester Gesellschaft mit Theodor Storm. Clara Müller-Jahnke schwärmt da eher von einer turbulenten Fahrt auf dem Meer „Fühlst du die Bretter schwanken? Schon brandet dumpf das Meer…“, während Joachim Ringelnatz auf einem schwankenden Boot versucht, nicht den Humor zu verlieren. Erich Fried gibt uns lyrische Anweisungen, wie wir uns am Meer zu verhalten haben. Wilhelm Busch wird am Strand auf Borkum zu einigen Versen für eine mir nicht näher bekannten Dame namens Hermine inspiriert. Und sogar Elisabeth von Österreich (Ja, genau, die Sisi!) lässt sich zu einem Gedicht über die See animieren.

Aber auch die Damen und Herren der Prosa waren nicht untätig: Da gibt es kürzere Appetit-Häppchen aus MOBY Dick von Herman Melville und ZWANZIGTAUSEND MEILEN UNTER DEM MEER von Jules Verne, wie auch längere Passagen aus den Werken von Charles Dickens, Mark Twain, George Sand, Hans Christian Andersen und Victor Hugo. Da beginnen die Schiffsreisen in Stade, auf Ceylon und ab Nordstrand, um dann ihr Ziel auf Helgoland, Norderney, Mallorca und Mauritius nach einer mal mehr mal weniger beschwerlichen Überfahrt endlich zu erreichen. Denn die See kann verführerisch sanft und im nächsten Moment tückisch sein, weiß Else Lasker-Schüler zu erzählen. Doch zum Glück weisen die Lichter der Leuchttürme den Schiffen den Weg, wie Alphonse Daudet, der bereits auf einem von ihnen wohnte, berichten kann.

So vielfältig sich das Meer im Verlauf der Jahreszeiten oder bei unterschiedlichen Wetterbedingungen präsentiert, so kurzweilig sind auch die Texte und Gedichte der hier versammelten Literat*innen. Immer schwingt zwischen den Zeilen der Respekt vor dieser manchmal unberechenbaren Naturgewalt mit, die immer und überall auf der Welt die Phantasie der Menschen beflügelte und das Fernweh und den Drang nach Freiheit steigerte.

Auch auf mich übt das Meer einen unerklärlichen Zauber aus, schürt meine Sehnsucht und nährt meine Melancholie. Kann ich auch lange Zeit ohne sein, so zieht es mich irgendwann doch wieder ans Wasser. Denn nur beim Blick über die Wellen verspüre ich diese absolute Ruhe, die dem Gefühl von Friede sehr nahe kommt.


erschienen bei anaconda / ISBN: 978-3730614662

[Rezension] FRÜHLING. Die schönsten Geschichten und Gedichte/ ausgewählt von Mareike von Landsberg

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohl bekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.

…zitierte ich unlängst erst vor wenigen Tagen in meinem Beitrag zu LE NOZZE DE FIGARO aus dem Gedicht „Er ist’s“ von Eduard Mörike, das natürlich auch in dieser Anthologie mit Geschichten und Gedichte rund um den Frühling nicht fehlen darf.

Der Anaconda-Verlag hatte im vergangenen Jahr mit dem Untertitel „Geschichten und Gedichte“ eine kleine, feine Reihe gestartet: In jedem Buch versammeln sich besagte „Geschichten und Gedichte“ zu einem bestimmten Thema. Gestartet wurde mit GROSSELTERNJAHRE. Gemeinsam mit FRÜHLING erschien auch VOM GLÜCK, AUF’S MEER ZU SCHAUEN. GOLDENER HERBST und CHRISTIAN MORGENSTERN sind schon für die zweite Jahreshälfte angekündigt.

Und abermals wird der Verlag seinem guten Ruf gerecht, Weltliteratur auch für Leser*innen mit einem schmaleren Geldbeutel erschwinglich zu machen. In einfacher Ausstattung zwischen zwei Pappbuchdeckeln versteckt sich hier eine illustre Gruppe hochkarätiger Literatinnen und Literaten. Da finden sich – sowohl heitere wie auch melancholische – Ergüsse in Vers-Form u.a. von Wilhelm Busch, Annette von Droste-Hülshoff, Max Dauthendey, Paula Dehmel, Joseph von Eichendorf, Elisabeth Langgässer, Heinrich Heine, Joachim Ringelnatz, Ludwig Uhland, Else Lasker-Schüler und Rainer Maria Rilke.

Als Leser wurde ich erfreut mit Kurzgeschichten bzw. passenden Auszügen aus einem Roman z. Bsp. von Theodor Storm, Adalbert Stifter, Johann Wolfgang von Goethe („Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und „Die Leiden des jungen Werther“), Stefan Zweig und Arthur Schnitzler.

Die jeweiligen Werke gruppieren sich unter eine der Rubriken „Vorfrühling“, „Das Wunder des Frühlings“, „Ostern“, „Der dunkle Frühling“ und „Frühlingsgefühle“, und erleichterten mir so das Finden der passenden Prosa bzw. Lyrik zum jeweiligen Anlass bzw. zu meiner persönlichen Gemütsverfassung.

Zudem verführte dieses Büchlein mich, es immer mal wieder in die Hand zu nehmen, um mal hier ein Gedicht zu lesen oder sich dort eine kleine Geschichte zu gönnen. Wobei die Gedichte deutlich in der Überzahl gegenüber den Geschichten sind, was für mich allerdings kein Nachteil darstellt. Vielmehr machte der FRÜHLING mich neugierig auf die weiteren Bände dieser Reihe.

Wer nun allerdings bei Anaconda die hippen, trendigen Poet*innen der aktuellen Literaturszene sucht, der hat leider das Prinzip des Verlages nicht verstanden.


erschienen bei anaconda / ISBN: 978-3730615102

[Rezension] Thomas Gsella – HEREIMSPAZIERT. Neue komische Gedichte

Der legitime Nachfolger von Joachim Ringelnatz, Heinz Erhardt und Konsorten ist wieder da!

Nach ICH ZAHL’S EUCH REIM. Neue politische Gedichte steht er nun abermals hinter dem Bar-Tresen, kreiert lyrische Cocktails zu allerlei menschlichen Absonderlichkeiten und kredenzt seine Martinis nicht nur gereimt sondern auch noch geschüttelt – mit ein wenig Satire anstatt einer Olive.

Diesmal präsentiert sich Thomas Gsella „ganz privat“, politisches wird tunlichst vermieden (Wer’s glaubt!). Da wird hemmungslos in Vers-Form über Lust und Liebe – gerne auch incl. Orgasmus, sowie passenderweise über Schuld und Sühne schwadroniert. Er thematisiert in Versen Fußball und Zölibat (oder: Zölibat im Fußball?). Allgemein scheint im Leben des Thomas Gsella der Fußball eine feste Größe zu sein, dem er gerne in mannigfachen Facetten – von der WM in Katar über Spielerfrauen bis Frauenfußball – seine Aufmerksamkeit schenkt.

Doch auch mit ganz pragmatischen Alltags-Tipps zu Brückentagen, Grabinschriften und Gehaltsverhandlungen kann er aufwarten und kennt sich nur allzu gut mit so mancher Tücke des Objekts aus, sei es bei Partnerbörsen, dem Schlüsseldienst oder der Post.

Natürlich geht´s nicht gänzlich ohne Politik (s.a. „Vermutungen zu Alice Weidel u.a.“), aber auch hier ist Gsella ganz der innovative Aufklärer, der mit überraschenden Denkanstößen Verständnis beim Gegenüber generiert (ACHTUNG: Ironie). Selbst anlässlich des Todes der Queen findet er tröstende Verse für das trauernde Volk und lotst uns sicher durch das Kalenderjahr mit seinen mannigfaltigen Feiertagen und dem Wechsel der Jahreszeiten.

So manches Mal fordert mich seine Kunst heraus – weniger mit der persönlichen Haltung des Dichters, die zwischen den Zeilen stets sehr deutlich erkennbar bleibt: Da finde ich mich durchaus wieder. Vielmehr reimt er manchmal etwas unorthodox, variiert den Rhythmus und weicht vom erwarteten Reim-Schema ab. Doch mit großer Freude stelle ich mich dieser Herausforderung: Rückt er doch nur allzu gerne auch mit seiner Themenauswahl vom Erwarteten ab.

Jedes, wirklich und wahrhaftig jedes Thema scheint ihm würdig, in Lyrik gebettet zu werden – getreu dem Motto „Wenn es sich reimt, tut es gar nicht mehr so weh!“. Doch es kam durchaus nicht selten vor, dass mir das Lachen beim Lesen einer seiner gereimten Ergüsse spontan im Halse hängen blieb. Mit Thomas Gsella verlasse ich als Leser die gefälligen Pfade und begebe mich auf einen holprigen Untergrund, was es umso aufregender macht, ihn Schritt für Schritt zu erkunden.

Böse, ja, böse sind sie auch, seine Verse, herrlich böse – und so wahr!


AN DIE HETZER & SCHWÄTZER

Ihr Rassisten, die ihr jene tretet,
Die das Elend fliehn und den Tyrann,
Habt die Lüge Tag und Nacht trompetet:
Retter zögen Flüchtlingsboote an.

Wissenschaftler haben nun bestätigt:
Nichts an eurer Lüge traf je zu.
Doch aus dem, der Tag und Nacht unflätigt,
Fallen Fladen wie aus einer Kuh.

Wäre nicht so eklig euer Denken,
So verschimmelt euer Wort und faul,
Würdet ihr den Kopf nun schamrot senken
Und verkünden: „Gut, wir halten’s Maul.“

Thomas Gsella


erschienen bei Kunstmann / ISBN: 978-3956146039
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Erich Kästner – Gesang zwischen den Stühlen. Gedichte

Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken.

Mit „Was auch geschieht!“ beginnt Kästners Gedichtband, der erstmals im Jahre 1932 erschien: Sein „Gesang zwischen den Stühlen“ könnte auch als Gesang zwischen zwei Weltkriegen, zwischen zwei Gesellschaftsformen, zwischen dem Tanz auf dem Vulkan und dem Schwimmen gegen die brauen Flut, zwischen zwei Leben eines Literaten verstanden werden.

Kästner spielt mit dem Versmaß und variiert mit der Länge der Gedichte. Thematisch deckt er eine große Bandbreite ab und reimt über alltägliches, politisches, philosophisches wie auch persönliches. Teilweise deutet er seine Meinung nur an und versteckt die Kritik hinter Verse, die scheinbar unbedeutende Normen beschreiben, die gesellschaftlich akzeptiert und somit wenig hinterfragt werden. Kästner hinterfragt: Feingeistig, ironisch und gesellschafts-kritisch legt er die Schwachpunkte offen.

So hinterfragt er z. Bsp. im Gedicht „Brief an meinen Sohn“ die klassische Rollenverteilung in der Erziehung. In „Das Riesenspielzeug“ weist er auf die damalige hohe Zahl von jugendlichen Erwerbslosen hin, die ohne Perspektive nur allzu empfänglich für den Lockruf der Nazis waren. Im Gegenzug wechselt er in „Ein Quartaner denkt beim Anblick des Lehrers“ die Sichtweise: Wie kann ein Lehrer ein gutes Vorbild sein, wenn der Schüler, den er auf das Leben vorbereiten soll, gesellschaftlich über ihm steht und dessen Summe an Taschengeld höher ist als das Salaire des Lehrers?

In „Sozusagen in der Fremde“ beschreibt er mit bitterem Ton die Vereinsamung des Einzelnen, obwohl dieser von Menschenmassen umringt scheint. Bei „Die deutsche Einheitspartei“ führt er die Daseinsberechtigung eben dieser ad absurdum, indem er das Widersinnige und die Sinnlosigkeit bloßlegt. Mit „Das ohnmächtige Zwiegespräch“ wirft der Autor einen beängstigenden Blick in die nahende Zukunft und beendet hiermit diese Vers-Sammlung von insgesamt 47 Gedichten.

Und je mehr ich Gedicht für Gedicht lese, je mehr ich mich in Kästners Lyrik vertiefe, umso mehr verdichtet sich in mir der Verdacht, dass es sich hier weniger um einen volltönenden, schönstimmigen Gesang (wie der Titel fälschlicherweise versprechen könnte) handelt. Vielmehr versteckt sich hinter Kästners Versen ein zwar scharfzüngiger aber auch tottrauriger Ab-Gesang, der ein Ausblick gab auf die folgenden Jahre, die alles verändern sollten.

Und so bitter seine Verse auch klingen mögen, so brutal er den literarischen Finger auf die offenen Wunden der Gesellschaft legt, so blickt er mit einer melancholischen Heiterkeit doch auch voller Verständnis auf die Menschheit.

Denn schließlich war er ja einer von ihnen: ein Mensch unter Menschen…!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3038820116

[Rezension] Thomas Gsella – Ich zahl’s euch reim. Neue politische Gedichte

Heinrich Heine hat es getan, Kurt Tucholsky hat es getan, Annette von Droste-Hülshoff hat es getan, Frank Wedekind hat es getan, und selbstverständlich hat Erich Kästner es auch getan, wie unzählige Poet*innen vor und nach ihnen…! Die Rede ist vom „politischen Gedicht“. Die Auseinandersetzung mit politischen Themen in Form der Lyrik ist (beinah) so alt wie die Menschheit. Dichter erhoben schon seit jeher gerne ihre Stimmen, um Missstände anzuprangern und die Mächtigen in Politik und Gesellschaft bloß zu stellen. Der besondere Reiz an dieser Form der Lyrik lag/liegt für die Leserschaft auch in der Offenbarung der persönlichen Meinung des Lyrikers, der mit seinen Versen die eigene Parteilichkeit aufdeckt.

Thomas Gsella ist in der Szene wahrlich kein Unbekannter und somit definitiv auch kein „unbeschriebenes Blatt“. Im Gegenteil: Er hat für Zeitschriften wie „Stern“ und „Titanic“ schon so manches Blatt mit seinen heiter-ironischen Versen gefüllt. Die in diesem Band veröffentlichten Gedichte sind in den Jahren zwischen 2016 und 2021 in div. Magazinen erschienen und hier nun erstmals in Buchform versammelt.

Doch was zeichnet ein politisches Gedicht aus? …vor allem sein Zeitbezug mit dem Wissen der Leser*innen um die momentane Situation. Die Pointe eines politischen Gedichts wird erst dann für mich verständlich, wenn ich um die Hintergründe weiß. Ich muss informiert sein, und dieses „informiert sein“ setzt eine eigenständige Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen in Politik und Gesellschaft voraus.

Gsellas Interessen sind da breit gefächert. Ob Laschet/Söder/Scholz, ob Biden/Trump, ob Plagiatsvorwürfe/Fridays for Future/die Alternativen, ob Podcasts/Talkshows/wahlweise mit oder ohne Till Schweiger: Sie alle bekommen bei ihm genüsslich ihr Fett weg. Selbst die Farce um die Übersetzung der Gorman-Gedichte wird von seiner spitzen Feder nicht verschont. Vielmehr ritzt er mit ihr ins Fleisch der Gleichgültigkeit und erzwingt so meine volle Aufmerksamkeit. So manches Mal stockte mir beim Lesen erst der Atem vor so viel Frechheit, bis sich ein Lachen aus meiner Kehle befreien konnte. Der Mann hat Chuzpe – mein Respekt!

Dabei muten seine Verse bei einer oberflächlichen Betrachtung eher harmlos an. Erst ein zweiter oder sogar dritter Blick enthüllt die Respektlosigkeit. Wobei es durchaus nicht schaden kann, bei der Lektüre sein Gehirn einzuschalten. Denn für den Genuss von einer intelligenten Lyrik brauche ich als Leser eben genau das: Intelligenz! Mit einem originellen Versmaß, charmanten Formulierungen bzw. Umschreibungen und einem locker-leichten Vers-Rhythmus konnte er so auch den Vor-Leser in mir sowohl überzeugen wie auch begeistern.

Doch die Anziehungskraft eines guten Lyrikers speist sich nicht nur aus seinem Talent, zielsicher den Finger in die Wunden seiner Opfer zu legen bzw. hemmungslos mit Verse um sich zu schlagen. Vielmehr sollte er einen ausgeprägten Hang zur Selbst-Ironie besitzen. Denn die Kunst besteht darin, sich und sein Profession, zwar ernst aber nicht allzu ernst zu nehmen. Der Gsella beherrscht diese Kunst!

Wahl

Er hat ja nicht, wie man erzählt,
Die Macht sich nur ergriffen.
Nein, Hitler wurde auch gewählt.
So ist auf Wahl gepfiffen.

Gewählt sind Trump und Erdogan
(Ab jetzt wird’s immer doofer:)
Und May und Merkel und Orbán
Und, ächz, der Horst Seehofer!

Doch herrschen soll der beste Mann!
Der tollste Weltenleiter!
Sein Name fängt mit Thomas an
(Und geht mit Gsella weiter…)

Thomas Gsella


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-3956144578

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Theodor Fontane – Der kinderleichte Fontane/ ausgewählt von Gotthard Erler/ mit Illustrationen von Sabine Wilharm

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – wer kennt ihn nicht, und auch das Leiden der Effi Briest mussten schon viele Generationen an Schüler*innen über sich „ergehen“ lassen. Doch kennt jemand noch mehr von Fontane? Ich leider bisher nicht…! Doch dank dieser entzückenden Anthologie kann nun Abhilfe geschaffen werden.

Auch wenn dieses Büchlein mit Der kinderleichte Fontane betitelt wurde, so ist es nicht ausschließlich nur für Kinder geeignet. Auch dem interessierten Neu-Einsteiger ins Fontansche Werk (so wie ich einer bin) verschafft es einen guten Überblick. Neben einer Vielzahl an Gedichten kredenzt uns Herausgeber Gotthard Erler eine abwechslungsreiche Mischung aus spannenden Geschichten (aus: Romane und Erzählungen in acht Bänden), Märchen und Sage (aus: Wanderungen durch die Mark Brandenburg), mystischen Erzählungen (aus: Das erzählerische Werk) und Berichten aus dem Leben eines Lausbuben (aus: Meine Kinderjahre. Autobiografischer Roman): Wir erfahren, wie Steuermann John Maynard das brennende Schiff unter Einsatz seines Lebens ans rettende Ufer bringt. Bei den Streichen und Abenteuern des kleinen Buben Theodor sind wir erleichtert über die Schutzengel, die über ihn wachen. Wir lernen mit Grete Minde eine resolute junge Frau kennen, die zu drastischen Mitteln greift, als sie von ihrem Bruder nicht ihr gewünschtes Erbe erhält. Fritz Katzfuß hat unser vollstes Verständnis bei seinem Versuch, seine heimliche Leidenschaft gegenüber seiner Lehrherrin zu verbergen – vergebens. Und natürlich sind auch für uns die Birnen aus dem Havelland noch immer die süßesten…!

In seiner kurzweilig geschrieben Einleitung lässt Gotthard Erler das Leben Fontanes Revue passieren und gibt einen prägnanten Einblick in die Persönlichkeit dieses vielschichtigen Künstlers. Illustratorin Sabine Wilharm, die u.a. bekannt durch ihre Covergestaltung der Harry-Potter-Romane wurde, lässt in der Einleitung amüsant Ribbecks Birnen über die Seiten toben, um einzelne Lebensstationen des Autors nachzustellen. Bei den Erzählungen und Gedichten trifft sie mit ihren kurios-kantig-komischen Illustrationen überzeugend den jeweiligen Grundton.

Diese gelungene wie abwechslungsreiche Zusammenstellung offeriert uns einen äußerst vielfältigen Poeten, der schon zu Lebzeiten als ein Pedant bekannt war und oftmals bis kurz vor Druck seiner Werke noch Änderungen an eben diesen vornahm. Das Ergebnis gab ihm recht: Seine Geschichten überzeugen durch eine geschliffene Sprache. Seine Lyrik erfreut mich als Vor-Leser mit einem interessanten Duktus und einem pulsierendem Rhythmus der Verse. Beinah melodisch sind seine Reime aufgebaut und verführen geradezu zu einer musikalischen Vertonung.

Apropos Vertonung: Schon im Jahre 1978 wählte Achim Reichel ein Gedicht Fontanes für sein Album Regenballade aus. Ribbecks Birnen sind eben in jeglicher Form zu und zu schmackhaft…!


erschienen bei Aufbau/ ISBN: 978-3351037734

[Rezension] »Mir träumte, du bliebest mir gut« – Die schönsten Liebesgedichte/ herausgegeben von Matthias Reiner/ mit Illustrationen von Isabel Pin

Ach ja, die Liebe…!

Was musste sie nicht schon alles aushalten? Wofür musste sie nicht schon alles herhalten? Freundschaften gingen zu Bruch, und Feindschaften entstanden. Kriege wurden wegen ihr entfacht und wieder beendet. Gefühls-Tsunamis tobten in so mancher Seele, und der Boden bebte unter so manchen Füßen beim Anblick des geliebten Menschen. Kapitelweise wurde sie in Büchern beschrieben, und Verse über Verse füllen unzählige Seiten.

Ach ja, die Liebe…!

Die ansprechende Insel-Bücherei ist immer ein Blick wert und verführt mit anspruchsvollen Inhalten in Kombination mit einer exquisiten Optik. Ich habe mir vorgenommen, dass so nach und nach alle Bücher dieser Reihe in mein Bücherregal einziehen dürfen. So beschenke ich mich zum heutigen Valentinstag selbst mit diesem wunderbaren Büchlein voller Liebesgedichte. Herausgeber Matthias Reiner schlägt mit dieser Auswahl einen spannenden Bogen zwischen klassischen und zeitgenössischen Lyriker*innen.

Da wird Edurard Mörikes Herz Auf einer Wanderung durch einen Liebeshauch berührt, Wislawa Szymborska trauert auf dem Bahnhof einer vertanen Chance hinterher, und für Robert Gernhardt ist ein Gelungener Abend mit einem „besonderen“ Schluck verbunden.

Emily Dickinson sehnt sich Wilde Nächte herbei, während Joachim Ringelnatz eine männliche Briefmarke gezwungenermaßen auf Reisen schickt. Ulla Hahn wollte Nie mehr dieses Gefühl des sehnsuchtsvollen Wartens erleben, und Mascha Kaléko schreibt sich Weil du nicht da bist die Einsamkeit von der Seele.

Oswald von Wolkenstein reimt und rüttelt, „verst“ und schüttelt sich seitenweise voller überschäumender Sehnsucht die Liebste herbei. Christian Morgenstern huldigt in Die zwei Wurzeln der alten Liebe, die zwar nicht mehr so stürmisch dafür umso beständiger ist.

Isabel Pin unterstreicht die Vielfalt der Gedichte mit ihren federleichten Illustrationen, die wie „hingeworfen auf Papier“ wirken.

Ach ja, die Liebe…!

In diesem kleinen, feinen Büchlein wird sie in der schönsten und poetischsten Weise gehuldigt.

❣️Ich wünsche Euch von Herzen einen wunderbaren Valentinstag!❣️


erschienen bei Insel-Bücherei/ ISBN: 978-3458205258

[Rezension] Fritz Eckenga – Eva, Adam, Frau und Mann – Da muss Gott wohl nochmal ran. Neue Rettungsreime/ mit Illustrationen von Nikolaus Heidelbach

Liebling,
ich habe nach dem Küffen
immer Fuffeln im Mund.
Kennft du den Grund,
wiefo ich die hab?

Blödmann,
nimm einfach die Maske ab.

*

Kabarettist Fritz Eckenga schlägt gnadenlos zu und trifft dabei empfindlich ins Schwarze: Statt „Aua“ zu brüllen, lacht der/die/das Getroffene aus voller Kehle und präsentiert die wehrlose Flanke in der wohligen Hoffnung auf einen weiteren Schlag. Ich wurde nicht endtäuscht: Eine Armada an Verse prasselte auf mich ein, und ich quiekte vor Vergnügen.

Thematisch beschäftigt sich Eckenga mit den essenziellen Bs des menschlichen Seins. Unter den Rubriken Belebt, Beliebt, Beruf, Begangen, Behütet, Verwirt, Berühmt, Bespielt, Bedacht und Bewundert schüttelt, rüttelt und reimt er alles zusammen, was nicht bis 3 auf einem Baum ist. Untermalt werden seine Werke durch den großen Nikolaus Heidelbach, dem er abschließend ein eigenes Gedichtchen widmet.

Mit spitzer Feder „verst“ er über Zwischenmenschliches und -tierisches, Politisches, Prominentes, Sportliches, Berufliches sowie All- und Feiertägliches, und es darf – aus aktuellem Anlass – auch Pandemisches nicht fehlen (Ratet mal, hinter welcher „Maske“ sich die hierzu passende Rubrik versteckt? 😉).

Ich habe Zeit, ich bin so frei,
ich schrei-
be hier auf Norderney,
wie einst der große Heinrich Hei-
ne sozusagen nebenbei,
bei einem Pott Ostfriesentee,
mit Blick auf Milchbar, Damm und See,
ne ziemlich große Menge Rei-
me in die daumendicke Spei-
sekarte des Café-
und Restaurants Marienhöh.

*

Für eine gute Pointe verkauft er nicht nur seine Großmutter, sondern scheut sich nicht, das Versmaß zu verbiegen und die wehrlosen Worte hemmungslos zu trennen – Hauptsache, es reimt sich. Wirkte diese Vorgehensweise auch anfangs so krude auf mich, dass ich nur dusselig aus der Wäsche gucken konnte, offenbarte sich nach einem wiederholten Lesen der Spaß. So hätte ich nie gedacht, dass diese Art ironischer Lyrik mir so viel Freude bereiten könnte. Darum…

Ja, schlag mich weiter! Ich brauch’ es…!


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-956143861

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Erich Kästner – Sonderbares vom Kurfürstendamm: Berliner Beobachtungen/ herausgegeben von Sylvia List

Berlin und ich: Wir stehen uns sehr zwiespältig gegenüber. Irgendwie wurden wir nie richtig miteinander warm. Bei meinem ersten Besuch der Stadt kurz nach dem Mauerfall schlenderte ich über den Kurfürstendamm und wollte – ganz Touri – einen Blick ins Kaufhaus des Westens werfen. In einem Buchladen am Ku’damm fragte ich die Verkäuferin beim Bezahlen an der Kasse, in welche Richtung ich mich zum KdW wenden müsste. Mich traf ein abschätziger Blick und im breitesten Berlinerisch bekam ich als Antwort „Imma de Menschenmasse nach!“. Berliner Schnauze und Norddeutscher Fischkopp scheinen mir wenig kompatibel.

Doch für viele – besonders den Kunstschaffenden – hat/hatte Berlin eine schier magische Anziehungskraft. So verschlug es auch den aufstrebenden Jungschriftsteller Erich Kästner im Jahre 1927 vom beschaulichen Leipzig in die pulsierende Metropole, und er verdingte sich seine ersten Sporen mit Veröffentlichungen von Gedichten, Glossen und Rezensionen in unterschiedlichen Tageszeitungen sowie Kritiken für das Magazin „Die Weltbühne“. Die Jahre zwischen 1927 und 1933 gelten als seine produktivste Zeit, in der er zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren Berlins aufstieg und in der neben den schon genannten Publikationen auch „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ entstanden. Die Texte aus dieser Zeit spiegeln auch den Lebenshunger der Berliner wieder: Authentisch beschreibt er die Kabaretts und Revuen, das schillernde Volk in den Bars und Vergnügungstempeln, aber auch das zweifelhafte Amüsement für die einfachen Leute in Form eines Rummelplatzes im Hinterhof. Auch Auszüge aus „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ dürfen in dieser Berliner „Chronik“ nicht fehlen. Zwischen seinen Zeilen spürt der Leser den pulsierenden Herzschlag einer Stadt: Kästner schrieb über Triviales ebenso ernsthaft, wie er über Erhabenes spottete. Seine Gedichte sind schelmisch, ironisch aber auch durchaus poetisch zart. Große Persönlichkeiten der Theater- und Kultur-Szene finden in seinen Rezensionen Erwähnung. Die Informationen des Anhangs offenbaren die Tragik: Die meisten von ihnen mussten entweder emigrieren oder fielen der Tötungsmaschinerie der Nazis zum Opfer.

In den Jahren von 1933 bis 1945 war Kästner zur Untätigkeit verdammt: Den Nationalsozialisten war er als liberal-denkender Literat suspekt. Seine satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Werke galten „wider den deutschen Geist“ und wurden bei der öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 verbrannt. Trotz massiver Repressalien, wie Verhöre bei der Gestapo, Berufsverbot und Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, blieb Kästner in Berlin: Er sah sich als Chronist dieser Zeit und führte ein geheimes Tagebuch über die damaligen Geschehnisse. Die Texte aus diesen Jahren erschüttern! Die Gedichte und Aufzeichnungen zeugen von der Absurdität nationalsozialistischem Gedankengut, oder um es mit Kästners eigenen Worten zu beschreiben:

„Gut und Böse, unwandelbare Maßstäbe des menschlichen Herzens, wurden durch Gesetz und Verordnung ausgetauscht. […] Wer unschuldige Menschen umbrachte, wurde befördert. Wer seine menschliche oder christliche Meinung sagte, wurde geköpft oder gehängt.“

Über „Berlin nach 1945“ schrieb Kästner keine einzige Zeile

Herausgeberin Sylvia List hat eine abwechslungsreiche Sammlung an Texten aus dem Œuvre von Erich Kästner zusammengestellt, die einen gelungen Bogen schlagen von „Babylon Berlin“ zu „Berlin in Trümmern“. Mit dieser Anthologie beweist sie abermals, was jedem Leser von Kästners Werken durchaus schon bewusst ist:

Kästner amüsiert, Kästner kritisiert, und er unterhält auf hohem Niveau!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855354139