
Autor: Andreas Kück - .LESELUST
[Rezension] Lene Mayer-Skumanz – BEETHOVEN. Leben und Werk des großen Komponisten/ mit Illustrationen von Winfried Opgenoorth
Er zählt zu den herausragenden Komponisten in der Musikgeschichte. In den 57 Jahren, die er auf Erden verweilen sollte, kreierte eine wahre Fülle an Kompositionen. Sinfonien, Klaviersonaten, Streichquartetts, Messen, Kantaten, Singspiele und die Oper FIDELIO sowie eine Vielzahl an Liedern und Kanons stammen aus seiner Feder und zeugen von einer immensen künstlerischen Kraft. Da ist es mehr als selbstverständlich, dass er – neben Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart – im Portfolio des Annette Betz-Verlages in der Reihe „Das Musikalische Bilderbuch“ auftaucht.
Musste ich mich bei DER KLASSIK-KANON mit einem knappen Lebenslauf auf 4½ Seiten begnügen, nimmt sich hier Autorin Lene Mayer-Skumanz den nötigen Raum und erlaubt einen deutlich detaillierteren Blick auf das Leben von Ludwig van Beethoven. Die Irrungen und Wirrungen dieses außergewöhnlichen Künstlerlebens beschreibt sie mit leichter Feder und vermeidet dabei wohltuend eine pure Aneinanderreihung von Fakten, das schnell sehr oberflächlich hätte wirken können. Vielmehr lässt sie ihre Leser*innen auch an der Tragik im Leben des Künstlers teilhaben und porträtiert dessen manchmal recht schwierigen Charakter immer mit Respekt und Sympathie.
Nun ist Leben und Werk dieses Komponisten eng miteinander verbunden, da er überwältigende Kompositionen oft aufgrund einer persönlichen Not, einer Schwärmerei oder einer unerwiderten Liebe schuf und so seine Emotionen in eine enorme musikalische Kreativität umwandelte. So gibt es im gelungenen Text von Mayer-Skumanz auch immer wieder Hinweise auf den jeweiligen Lebensumstand zu den im entsprechenden Zeitraum entstandenen Kompositionen, von denen etliche auf der beigefügten CD zu finden sind. Hier ist dem Verlag eine gute Auswahl gelungen: Wenn auch oftmals „nur“ in Auszügen bietet die Musikauswahl einen gelungenen Querschnitt aus Beethovens Œuvre. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass im Text die entsprechende Track-Nummer vermerkt worden wäre, um mir eine Verknüpfung zwischen Text, Musik und Bild zu erleichtern.
Die Illustrationen von Winfried Opgenoort nehmen immer wieder Bezug auf im Text erwähnte Details und erinnern an die Gemälde des Klassizismus. Die Attribute dieser Epoche „Gleichmaß und Harmonie“ finden sich auch hier wieder: So sorgt Opgenoort innerhalb seiner Zeichnungen für beinah filmische Übergänge bzw. Überblenden, schafft es so, mehrere Handlungsebenen miteinander zu verbinden und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachtenden immer wieder auf interessante Kleinigkeiten.
Entstanden ist ein gelungenes Lese-, Bilder- und Hör-Buch für die ganze Familie, das sowohl lehrreich aus dem Leben und Wirken dieses einzigartigen Komponisten berichtet, dabei aber auch höchst unterhaltsam und kurzweilig daherkommt.
erschienen bei Annette Betz / ISBN: 978-3219116694
APHO·RI·SI·A·KUM…

[Krimi] Patrick Barlow – DIE 39 STUFEN / bremer kriminal theater
Kriminalkomödie von Patrick Barlow / nach dem Roman von John Buchan und dem Film von Alfred Hitchcock / Deutsch von Bernd Weitmar
Premiere: 12. August 2010 / besuchte Vorstellungen: 12.05.2012, 22.11.2014, 06.01.2018 & 22.06.2024
bremer kriminal theater
INSZENIERUNG Ralf Knapp
KOSTÜME & REQUISITEN Bianca Oostendorp
Diese Nachricht schlug bei mir ein, wie eine Bombe: Das bremer kriminal theater verabschiedet sich von der Produktion, mit der das damals neugegründete Theater eröffnet wurde. Nach 15 langen, wunderbaren Jahren war dies die allerletzte Vorstellung einer Inszenierung, die so prägend für das künstlerische Verständnis dieses Theaters sein sollte. Immer wieder und wieder standen DIE 39 STUFEN auf dem Spielplan und erfreuten sich einer nicht nachlassenden Beliebtheit beim Publikum. Für mich war dieses Werk die erste Begegnung mit dem bremer kriminal theater, und im Laufe der Jahre verspürte ich immer wieder den Drang, diese Stufen abermals zu erklimmen. Nun saß ich in der 141. und letzten Vorstellung…
Während eines Auftritts von „Mister Memory“, eines Mannes, der mit seinem unglaublichen Gedächtnis auf jede Frage eine Antwort findet, fallen Schüsse. Panik bricht aus, die Menschen stürmen hinaus, und Annabelle Smith fällt buchstäblich in die Arme des Kanadiers Richard Hannay. Sie fühlt sich verfolgt und lädt sich zu Hannay nach Hause ein, wo sie ihm anvertraut, eine Spionin zu sein. Eine gewisse ausländische Macht habe geheime Dokumente gestohlen, alles drehe sich um die mysteriösen „39 Stufen“, vertraut sie Hannay an, der sich daraus jedoch keinen rechten Reim machen kann. Sie erwähnt einen Ort in Schottland und dass der Anführer der Spione einen verstümmelten kleinen Finger habe. Nachts kommt Annabelle zu Hannay geeilt, wo sie nach wenigen Worten mit einem Messer im Rücken stirbt, in ihrer Hand eine Landkarte mit einem markierten Ort in Schottland. Verfolgt von der Polizei, die ihn für Annabelles Mörder hält, flüchtet Hannay und macht sich mit dem Zug auf die Reise in das schottische Hochmoor. Als der Zug von der Polizei durchsucht wird, küsst er eine ihm unbekannte junge Frau, Pamela, um so seine Verfolger zu täuschen. Er erklärt ihr die Situation und bittet sie ihn zu decken, was sie jedoch nicht tut, sondern ihn der Polizei gegenüber als den gesuchten Mann identifiziert. Hannay entkommt durch einen Sprung aus dem Zug und flieht zu Fuß. Er gelangt zu einem einsamen Haus in den Bergen, wo er um Unterkunft ersucht. Margaret, die junge Gattin des mürrischen, wesentlich älteren Farmers, erkennt Hannay wegen seiner ungeschickten Reaktion auf einen Bericht über ihn in der Zeitung. Sie verhilft ihm zur Flucht und überlässt ihm einen Mantel ihres Mannes. Hannay trifft an dem gesuchten Ort auf Professor Jordan, einen offensichtlich angesehenen Bürger mit Frau und Kindern, den er in seine Geschichte einweiht. Der Professor entpuppt sich jedoch als eben der Spion mit dem verstümmelten kleinen Finger und schießt auf Hannay. Ein Gesangbuch in der Brusttasche des Mantels rettet Hannay das Leben. Er sucht nun Unterstützung bei der Polizei, die ihm nicht glaubt. Hannay muss erneut fliehen und landet in einer Wahlkampfveranstaltung, wo man ihn für den Hauptredner hält. Er improvisiert eine Ansprache, beantwortet sogar Fragen aus dem Publikum und wird zum Schluss bejubelt. In der Zwischenzeit ist jedoch ausgerechnet Pamela aufgetaucht, die ihn der „Polizei“ übergibt. Die „Polizisten“ (tatsächlich Mitarbeiter von Professor Jordan) nehmen auch Pamela mit (die ihn für schuldig hält) und ketten sie mit Handschellen an Hannay. Hannay kann zwar fliehen, muss aber die unwillige Pamela mit sich ziehen. Mit Hilfe von Drohungen kann er sie zu einer gewissen Kooperation bewegen. Sie finden als angeblich frisch getrautes Ehepaar, dessen Auto eine Panne hat, Unterschlupf in einem Gasthaus. Nachts befreit sich Pamela dort aus den Handschellen und belauscht zufällig ein Telefongespräch der Verfolger und versteht nun, dass diese keine Polizisten sind. Nun endlich vertraut sie Hannay und versucht ihm bei der Aufklärung zu helfen, indem sie Scotland Yard die Geschichte erzählt. Scotland Yard weiß jedoch nichts von gestohlenen Dokumenten und lässt Pamela überwachen, um auf diese Weise Hannay ausfindig zu machen. Bei einer Veranstaltung in London, auf der der Professor die geheimen Informationen erhalten soll, treffen Hannay und Pamela erneut auf „Mister Memory“. Nun wird Hannay klar, dass „Mister Memory“ den Inhalt der gestohlenen Dokumente auswendig gelernt hat und diese danach zurückgelegt wurden. Hannay fragt ihn vor dem gesamten Publikum nach den „39 Stufen“. Da „Mister Memory“ mit großem Berufsethos auf jede ihm während der Vorstellung gestellte Frage antwortet, rückt er mit der Wahrheit heraus: es handelt sich um eine ausländische Spionageorganisation. Professor Jordan, der sich in einer Loge versteckt hält, schießt auf ihn, woraufhin „Mister Memory“ zusammenbricht. Jordan wird von der Polizei gefasst. Mit letzter Kraft verrät „Mister Memory“ den Inhalt der gestohlenen Dokumente, die Formel für einen lautlosen Flugzeugmotor. Zum Happy End kann Hannay endlich Pamela in seine Arme schließen.
Bereits im Jahre 1915 veröffentlichte der schottische Schriftsteller John Buchan einen Spionageroman mit dem Titel DIE 39 STUFEN. 20 Jahre später verfilmte der „Master of Suspence“ Alfred Hitchcock diesen Roman, indem er dazu das Grundgerüst des Buches mit einigen seiner Handlungselemente übernahm. Wiederum 70 Jahre später kreierte der Autor Patrick Barlow auf der Grundlage des Films eine Theaterfassung. Barlow war bekannt dafür, dass er für krude Vorlagen wie diese, die aufgrund der vielen Personen und Schauplätze gänzlich schlecht für eine Bühnen-Adaption geeignet schienen (s.a. obige Inhaltsangabe ), eine Form findet, die eben genau dies ermöglichte. Er stampfte die üppige Personenriege auf nur 4 Schauspieler*innen zusammen, die in einem affenartigen Tempo von der einen in die andere Rolle schlüpfen müssen. Auch die Handlungsorte werden nur durch wenige Requisiten oder passende Ton-Einspielungen angedeutet. Alles Weitere wird der Vorstellungskraft des Publikums überlassen.
Dies funktioniert natürlich nur mit einem bestens eingespielten Team: Regisseur Ralf Knapp setzte in seiner Inszenierung auf ein atemraubendes Tempo, timte die Auf- und Abgänge so exakt, dass ein Leerlauf auf der Bühne schier nicht existent war, und schuf mit geringem aber wirkungsvollem Einsatz von Requisiten im plakativen Comic-Look sowie variablen Bühnenteilen immer neue Spielorte. Stimmige Musik-, Ton- und Sprach-Einspielungen waren dabei ein wichtiger Teil der Illusion und somit die „5. Person“ auf der Bühne.
Ihm zur Seite standen in all den Jahren die Künstler*innen der ersten Stunde (Allein dieser Umstand verdient Hochachtung!) und präsentierten sich mit ihrer Freude am Spiel und an der Übertreibung. Denn hier bot sich uns eine absolut hanebüchene und darum so unterhaltsame Mischung aus schwarzem Humor und Slapstick, die zusätzlich mit einer Prise Monty Python verfeinert wurde. Um dies so schmackhaft auf die Bretter zu bringen, bedurfte es eine immense Präzision in der Darstellung und ein feines Gespür für das richtige Timing.
Christian Kaiser hatte das große Glück, dass er in der Rolle des Richard Hannay, dem Helden dieses Stücks, nur diese eine Rolle verkörpern durfte. Dafür stand er permanent auf der Bühne und lieferte sich mit seinen Kolleg*innen eine körperlich herausfordernde Tour de Force auf, über, unter und neben der Bühne. Sein Held blieb – trotz aller Unwegsamkeit – stets der eloquente Charmeur der alten Schule, der mit schelmischer Nonchalance meinte, jede noch so vertrackte Situation meistern zu können – würde ihm nicht seine Schwäche zur holden Weiblichkeit immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen.
Apropos „holde Weiblichkeit“: Hier bot Franziska Mencz famos für jede Rolle ein gänzlich eigenständiges Profil. Als Agentin Annabelle Smith gab sie sich ganz und gar geheimnisvoll-verführerisch, bei der Farmers-Gattin Margaret zeigte sie berührend dramatische Züge, während sie Hannays endgültiges Love-Interest Pamela schön zickig und kratzbürstig doch stets sympathisch und unterhaltsam über die Rampe schickte.
Alle (!) weiteren Rollen – von Mister Memory und dem Conférencier zu den Polizisten und den Agenten, von den Handelsvertretern zu den Schaffnern bis zu Mutter und Sohn im Hotel McBates sowie Professor Jordan nebens Gattin – wurden von Martin Leßmann und Christian Aumer brillant Seite an Seite verkörpert. Ich kann die Beiden auch nur im Gespann benennen, da sie einander ebenbürtig in Sekundenschnelle so grandios Mimik, Haltung, Gestik und Stimmfarbe veränderten, als würde unsereins mal eben das Hemd wechseln.
Unter vollem Körpereinsatz schenkten diese Vier uns einen respektlosen Spaß mit wilden Slapstick-Einlagen. So wurde bei einer rasanten Verfolgungsjagt mangels real vorhandenem Gegenwind einfach selbst an der Kleidung gezerrt und „nebenbei“ das Moor, eine Ginsterhecke und eine ganze Schafherde gleich mitgespielt. Doch auch andere Werke vom „Master of Suspence“ wurden genüsslich und zur Freude des Publikums zitiert.
Es war eine skurril-schwarzhumorige Pflichtveranstaltung für alle Sadomasochisten, die auf schmerzhafter Kiefernsperre, chronischer Zwerchfellreizung und hypertrophen Tränenfluss stehen,…
…kurz & bündig: Es war wieder G E N I A L !!!
ABSPANN: Seit meinem ersten Besuch dieser Inszenierung kann ich mir den „ernsten“ Hitchcock-Klassiker nicht mehr anschauen, ohne immer wieder und wieder in schallendes Gelächter auszubrechen, da mir zwangsläufig die entsprechenden Szenen aus dem Stück wieder in den Sinn kommen. Doch Mr. Hitchcock war selbst bekannt für seinen berüchtigten schrägen Humor: Da würde er mir sicher verzeihen!
Dies war nun leider die absolut letzte Vorstellung von DIE 39 STUFEN. Doch das bremer kriminal theater bietet noch viele weitere spannende Inszenierungen.
APHO·RI·SI·A·KUM…

[Noch ein Gedicht…] Eugen Roth – DER URLAUB
Ein Mensch, vorm Urlaub, wahrt sein Haus,
Dreht überall die Lichter aus,
In Zimmern, Küche, Bad, Abort –
Dann sperrt er ab, fährt heiter fort.
Doch jäh, zu hinterst in Tirol,
Denkt er voll Schrecken: »Hab ich wohl?«
Und steigert wild sich in den Wahn,
Er habe dieses nicht getan.
Der Mensch sieht, schaudervoll, im Geiste,
Wie man gestohlen schon das meiste,
Sieht Türen offen, angelweit.
Das Licht entflammt die ganze Zeit!
Zu klären solchen Sinnentrug,
Fährt heim er mit dem nächsten Zug
Und ist schon dankbar, bloß zu sehn:
Das Haus blieb wenigstens noch stehn!
Wie er hinauf die Treppen keucht:
Kommt aus der Wohnung kein Geleucht?
Und plötzlich ist’s dem armen Manne,
Es plätschre aus der Badewanne!
Die Ängste werden unermessen:
Hat er nicht auch das Gas vergessen?
Doch nein! Er schnuppert, horcht und äugt
Und ist mit Freuden überzeugt,
Dass er – hat er’s nicht gleich gedacht? –
Zu Unrecht Sorgen sich gemacht.
Er fährt zurück und ist nicht bang. –
Jetzt brennt das Licht vier Wochen lang.
Eugen Roth
URLAUBSLEKTÜRE 2024
🌞
Sommer, Sonne, Sandstrand…!
In wenigen Tagen beginnen hier in Niedersachsen die Sommerferien und somit begeben sich viele meiner Mitmenschen auf eine urlaubsbedingte Völkerwanderung. Doch bevor es so richtig losgehen kann, stürzen sich einige freiwillig in den Vor-Urlaubs-Stress beim Abarbeiten div. To do-Listen: Da werden Klamotten zurecht gelegt, scheinbar unentbehrliche Utensilien zusammengestellt sowie Papiere und Unterlagen griffbereit platziert. Absprachen mit Nachbarn, Verwandtschaft oder Freunden werden getroffen, damit auch Tiere und/oder Zimmerpflanzen versorgt sind und der Briefkasten regelmäßig geleert wird. Ach, und hat jemand die Zeitung abbestellt? Die To do-Liste weist zu diesem Posten einen beruhigenden Haken auf, was ein erleichterndes Ausatmen zur Folge hat.
Allerdings zweifle ich ernsthaft daran, dass auf wirklich jeder To do-Liste einer der wichtigsten Posten verzeichnet ist:
🔲 sich mit ausreichend Urlaubslektüre in der Buchhandlung des Vertrauens eindecken
Doch was wäre ein Urlaub ohne eine unterhaltsame Urlaubslektüre? Es wäre wie BA ohne AB, wie Hila ohne Voku, wie Doof ohne Dick – genau, es wäre doof.
Ein Urlaub ohne Urlaubslektüre wäre einfach nur doof!
Darum habe ich es mir nicht nehmen lassen, aus den von mir gelesenen Büchern der vergangenen 12 Monate eine kleine, urlaubstaugliche Auswahl zu treffen. Da nehmen die Krimis unübersehbar den deutlich größten Raum ein. Aber ihr müsst zugeben: Krimi und Urlaub passen einfach sensationell gut zusammen!

☀ MORD AUF DER KREUZFAHRT von Nicholas Blake
🌈 EIN SPIEL ZUVIEL von P.D. James
☀ WIE EIN HAUCH IM WIND von Josephine Tey

🌈 NEUN LEBEN von Peter Swanson
☀ LACROIX UND DIE TOTEN VOM PONT-NEUF von Alex Lépic
🌈 DER TWYFORD-CODE von Janice Hallett

☀ LEB WOHL, MISTER CHIPS von James Hilton
🌈 WER BRAUCHT SCHON WUNDER von Anne Müller
☀ SO ZÄRTLICH WAR SULEYKEN von Siegfried Lenz
Und so gibt es neben den eher klassischen bzw. klassisch-angehauchten Kriminalromanen auch drei neuere Werke aus dem Genre der Spannungsliteratur zu entdecken. Trotzdem kann ich euch zu den Krimis auch noch zwei wunderbare Romane bieten, die mir beide – jeder auf seiner ganz besonderen Weise – sehr gefallen haben. Zu meinem letzten Vorschlag gibt es doch tatsächlich noch keine Rezension hier auf meinem Blog: Die Erzählungen in SO ZÄRTLICH WAR SULEYKEN von Siegfried Lenz lese ich gerade selbst, bin aber so begeistert von den entzückenden und warmherzigen Geschichten, dass ich sie euch nicht vorenthalten wollte.
Sowohl bei der Suche als auch bei der Beschaffung dieser oder einer anderen Urlaubslektüre ist Euch mit Freude die Buchhandlung Eures Vertrauens behilflich! 💖
Ich wünsche Euch einen wunderbaren Urlaub
mit viel Spaß beim entspannten Schmökern!!!
🌞
LI·TE·RA·RISCHE HEL·DEN…

[Rezension] Dominique Ziegler (nach Agatha Christie) – DIE TOTE IN DER BIBLIOTHEK. Ein Miss-Marple-Krimi/ mit Illustrationen von Olivier Dauger
O je, da habe ich es doch tatsächlich wieder getan. Und das, obwohl ich mir beim letzten Mal so sicher war, dass es nicht noch einmal passieren würde. Ich bin leider dem neusten Streich aus dem Carlsen-Verlag, der unter der Rubrik „Agatha Christie Classics“ veröffentlicht wurde, abermals auf den Leim gegangen. Alles, wo Agatha Christie draufsteht, scheint beinah eine unwiderstehliche Sog-Kraft auf mich auszuüben. Vielleicht ist dies auch meinem unausgesprochenen Wunsch geschuldet, endlich eine Comic-Adaption einer Christie-Geschichte in den Händen zu halten, die beides – korrekte Wiedergabe des Inhalts und ansprechende Illustrationen – für mich zufriedenstellend miteinander verbindet.
Bedauerlicherweise habe ich bis jetzt eine entsprechende Graphic Novel noch nicht gefunden…!
In der Bibliothek des Landhauses des Ehepaares Bantry wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde augenscheinlich erwürgt. Dolly Bantry zieht ihre alte Freundin Miss Marple hinzu, da sie befürchtet, dass ihr Mann hinter vorgehaltener Hand immer als Verdächtiger gelten würde, sollte der Mord nicht aufgeklärt werden. Da es keinen Hinweis auf eine Verbindung zwischen der Toten und dem Ehepaar gibt, versucht man anhand von Vermisstenmeldungen den Namen der Toten zu ermitteln. Dem Alter nach kommt nur die Pfadfinderin Pamela Reeves infrage, ihre Beschreibung passt aber nicht zu der der Toten. Dann trifft die Vermisstenmeldung von Ruby Keene ein. Sie wird von ihrer Cousine Josie Turner identifiziert, die – wie auch Ruby – als Tänzerin im nahe gelegenen Majestic Hotel in Danemouth arbeitete. Kurzerhand quartieren sich die beiden Damen im besagten Hotel ein, wo Miss Marple den Täter zur Strecke bringen will – mit viel Gespür und noch mehr Verstand. Doch sowohl die ermittelnden Polizeibeamten wie auch Miss Marple werden mit allerlei verdächtigen Personen konfrontiert. Zum einen sind da die verwitweten Schwiegerkindern des vermögenden Mr. Jefferson, der eine gewisse Zuneigung zu Ruby Keene entwickelt hatte und ihr einen erheblichen Teil seines Vermögens vermachen wollte. Dann gibt es da noch einen sehr nervösen jungen Mann namens Bartlett und den im Filmgeschäft tätigen Basil Blake. Allerdings haben die Schwiegerkinder zur Tatzeit ein Alibi. Bartlett verhält sich zwar verdächtig, hat allerdings kein Motiv, und Blake war mit dem Mädchen kaum bekannt. Doch wenig später wird die Leiche einer weiteren jungen Frau im ausgebrannten Wagen von Bartlett gefunden…
Die wesentlichen Details der Handlung hat Dominique Ziegler bei seiner Konzeption des Comics durchaus berücksichtigt und gibt diese nachvollziehbar wieder. Zwangsläufig musste er einige Passagen kürzen bzw. das Handlungspersonal entsprechend reduzieren, um dem vorgegebenen Rahmen einer Graphic Novel gerecht zu werden. Leider ließ er einige Personen sehr unsympathisch und schon beinah abstoßend arrogant wirken, wieder anderen legte er so manche hohle Plattitüde in den Mund, die absolut unglaubwürdig und somit unpassend zur Szene wirkte.
Die Zeichnungen von Olivier Dauger sind zwar detailreich, wirken allerdings in ihrer einheitlichen „Ausleuchtung“ ohne jegliche Schattierung sehr steril und ließen darum an Atmosphäre deutlich vermissen. Bei der Physiognomie des Handlungspersonals zeigte er durchaus Abwechslung in der Gestaltung. Ob die jeweilig gewählte Optik nun überzeugt, muss jede*r Betrachter*in der Geschichte selbst für sich entscheiden. Ich hätte mir bei einigen Figuren durchaus mehr Charakter – insbesondere bei Miss Marple – gewünscht.
Ist es so, dass das Genre der Graphic Novel mir nicht zu liegen scheint? Das, was den Stil diese Genres ausmacht, entspricht anscheinend so ganz und gar nicht meinen Erwartungen. Doch bin ich deswegen nun enttäuscht oder frustriert? Ja, durchaus, vielleicht ein wenig! Mein Wunsch, eine gelungene Comic-Adaption eines Christie-Klassikers genießen zu dürfen, ist doch recht groß. Und so werde ich hoffnungsvoll wohl auch die nächste Veröffentlichung HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN, die für Herbst dieses Jahres angekündigt ist, genau unter die Lupe nehmen.
Die Hoffnung stirbt eben zuletzt…!
erschienen bei Carlsen / ISBN: 978-3551794130 / in der Übersetzung von Thomas Schöner
ebenfalls erschienen als Roman bei Atlantik / ISBN: 978-3455650051 und als Hörbuch bei DER HÖRVERLAG / ISBN: 978-3899407860
APHO·RI·SI·A·KUM…





