Bin ich büchersüchtig…?

Gerade am 1. April stellte Blogger-Kollegin Reni Nürnberger auf ihrem Blog „RenisBooks“ sich und dem Rest der Welt die Frage Bin ich büchersüchtig?

Anfangs dachte ich an einen April-Scherz, doch je weiter ich in ihrem Beitrag las, umso faszinierender erschien mir diese Frage, und so musste auch ich sie mir stellen: Bin ich büchersüchtig?

Laut Renis Definition treffen von 5 Symptomen nur 2 auf mich zu (Puh! Glück gehabt!?). Warum habe ich trotzdem nicht das Gefühl, aus dem Schneider zu sein? Warum verspüre ich bei diesem Ergebnis nicht die erwartete Erleichterung?

Ich kann es mir nur so erklären: Ich möchte gerne, unbedingt, ohne schlechtes Gewissen und Angst vor den Nebenwirkungen mit Leib und Seele büchersüchtig sein!!!

Und ich bin es auch! Braucht Ihr Beweise? Ja! Hier kommen sie:

  1. Bücher sind für mich nicht nur irgentwelche Gegenstände: Ich brauche diese Droge als Unterstützung während einer schwierigen Lebensphase.
  2. Bücher werden gehegt und gepflegt: Meine Bücher sehen immer laden-neu aus und werden mind. 2x jährlich abgestaubt. Unreiner Stoff kommt mir nicht ins Haus!
  3. Bücher sind empfindlich: Kaffeebecher auf einem Buch abstellen? Geht gar nicht! Kontaminiertes Material schmälert meine Freude am Konsum!
  4. Wer – Bitteschön! – außer ein Büchersüchtiger macht sich die Mühe und fabriziert einen eigenen Buch-Blog? Es ist ja nicht so, dass es nicht ausreichend Buch-Blogs gibt und das www gerade auf meine geistigen Ergüsse gewartet hätte.

…und der fünfte und letzte Beweis:

  1. Ich bin charakterlich schon so abgestumpft und sittlich schon so sehr verroht, dass ich für sämtliche Rettungsversuche meines sozialen Umfelds absolut unempfänglich bin.

Im Gegenteil: Ich schreie es gerne in die Welt hinau…

„Ja, ich bin büchersüchtig! Und ich bin es mit Vergnügen!“

Jetzt habe ich mich so stark erregt, dass mir die Hände zittern. Oder ist es etwa doch ein Zeichen von Entzug? Dann brauche ich jetzt sofort ein neues Buch – oder lasst mich wenigstens an den Seiten eines neuen Buches schnuppern!

[Rezension] Rainer Moritz – Mein Vater, die Dinge und der Tod

„Rainer, Vati ist gestorben…“ so beginnt für Rainer Moritz eine überraschende Reise in seine Vergangenheit, gezwungenermaßen, denn „Vati ist gestorben…“! Plötzlich ist ein geliebter Mensch nicht mehr da. Was bleibt von diesem Leben übrig? Wie lange bleibt etwas von diesem Leben zurück? Hinterlässt dieses Leben Spuren im Leben Anderer? Rainer Moritz nähert sich sehr behutsam diesen Fragen ohne allzu sehr sentimental zu werden. Effektvoll auf die Tränendrüse zu drücken liegt ihm fern, dazu ist er zu sehr Sohn seines Vaters…!

Vergangene Begegnungen mit seinem Vater kommen ihm wieder in den Sinn – Begegnungen, an denen er schon seit Jahren nicht mehr gedacht hat, die plötzlich wieder in den Fokus rücken. Das Leben des Vaters wird rekapituliert und in ihm Gründe für sein späteres Handeln und für getroffene Entscheidungen gesucht. Einige waren nachvollziehbar, einige haben den Sohn rebellieren lassen – und welche hat er davon als Erbe seinen Kindern mitgegeben und somit deren Leben beeinflusst?

Dort liegen sie noch, die persönlichen Gegenstände seines Vaters, und zeugen von seinem Dasein,  oder sie wurden an die nächste Generation weitervererbt. So wie die Armbanduhr, die vom Sohn in Ehren getragen wird und den Charakter des Vaters so gut wiederspiegelt: ein Marken-Qualitätsprodukt von dauerhafter Wertigkeit, solide aber ohne protzig zu sein, selbstverständlich im Fachgeschäft erworben!

„Je länger ich an meinen toten Vater denke, desto mehr sprechen seine Dinge zu mir.“

Rainer Moritz beschreibt auch seine Trauer um die vielen vertanen Chancen und versäumten Gelegenheiten: Gespräche zwischen Vater und Sohn, die nie geführt wurden; Zärtlichkeiten zwischen Vater und Sohn, die nie ausgetauscht wurden. Dies beschreibt Moritz gänzlich ohne Groll, dafür mit viel Verständnis für die Lebensumstände des Vaters: das Verständnis zu wissen, warum der Vater zu dieser einzigartigen Persönlichkeit geworden ist. Einige Charakterzüge des Vaters hat auch der Sohn verinnerlicht und wie selbstverständlich in seiner Persönlichkeit verankert – für Außenstehende nicht unbedingt wahrnehmbar aber für den Sohn stets spürbar. Ihm ist bewusst, wie sehr sein Vater prägend für ihn war. Dank dieser Prägung und der daraufhin gemachten Erfahrung kann der Sohn auch eine andere Entscheidung treffen: Er hat die Wahl!

„Ein Mensch lebt so lange, wie sich andere an ihn erinnern.“

„Andreas, Opa ist gestorben…“ hätte es auch lauten können. Rainer Moritz stößt mich gedanklich zurück in meine eigene Geschichte, meine eigene Vergangenheit…! Während der Lektüre flatterten die Erinnerungsfetzen durch das Archiv meines Gedächtnisses. Vergangenes und scheinbar Vergessenes spülten wieder an die Oberfläche und riefen Emotionen in mir wach. Und ich spürte eine tiefe Dankbarkeit für den Mann, der für mich sehr prägend war…!

Dietrich Heinrich Friedrich Müller
* 16. Februar 1910 – † 7. Oktober 1982
❤


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-3956142574

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #30: Welches humoristische Werk gehört in den Schrank eines jeden Lesers?

Montagsfrage (1)

Was tun, wenn die Montagsfrage auf den 1. April fällt? Ganz einfach: Wir beschäftigen uns mit der humoristischen Literatur!

Spontan fallen mir drei wunderbare Vertreter der schreibenden Zunft ein,…

…und zwangsläufig werde ich mich bei solchen Fragen wiederholen müssen, da ich in der Vergangenheit schon häufiger von diesen Herren berichtet habe (…und in Zunkunft sicherlich auch weiterhin berichten werde!). Ich hoffe, Ihr verzeiht mir und tragt es mit Fassung!

Erich Kästner begleitet mich schon mein Leben lang: Groß geworden mit seinen grandiosen Kinderbüchern, entdecke ich seit einiger Zeit so peu à peu auch seine Werke für Erwachsene ebenso wie seine Gedichte. Die „Drei Männer im Schnee“ begeistern, erheitern und berühren mich schon seit Jahren: Ich liebe Kästners feine Ironie, seinen sensiblen Humor und die genaue Beobachtungsgabe. Und bei allem Amüsement bei der Lektüre dieses Klassikers kommt auch Herz und Seele nicht zu kurz: So liegen Lachen und Weinen bei mir sehr nah beieinander!

  • Drei Männer im Schnee von Erich Kästner, erschienen bei Atrium / ISBN: 978-3038820161


Joachim Ringelnatz kreierte skurrile Gedichte, die gleichzeitig witzig und feingeistig sind. Häufig musste ich seine Gedichte ein zweites oder gar drittes Mal lesen, um den Sinn und damit den Humor zu verstehen (…aber dann war es eine wahre Freude!). Dabei beschäftigte er sich häufig mit ganz banalen Alltagsthemen. Aber gerade diese Alltäglichkeit macht wohl einen großen Teil seiner nach wie vor anhaltenden Popularität und ungebrochenen Faszination aus: Der Leser findet sich und seine Welt in Ringelnatz Werken wieder und kann sich so sehr gut mit ihnen identifizieren.

  • Sämtliche Gedichte von Joachim Ringelnatz, erschienen bei Diogenes/ ISBN: 978-3257234671


Heinz Erhardt begeistert mich durch seine Wortspielereien und heiteren Verdrehungen. Seine „Helden des Alltags“ bemühen sich redlich und scheitern doch häufig. Auch schreckt er nicht davor zurück, den Tod vergnüglich zu thematisieren und rückt damit sehr in die Nähe des „schwarzen Humors“. Seine Gedichte erscheinen auf dem ersten Blick albern, auf dem zweiten Blick erkennt man die brillante Wortwahl und gekonnte Vers-Aufteilung: Erhardt war Perfektionist und hat auch hier nichts dem Zufall überlassen.

  • Noch´n Gedicht von Heinz Erhardt, erschienen bei Lappan/ ISBN: 978-3830335474

…und welcher April-Scherz bringt Euch zum Lachen???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

5 Gründe, warum man öfter zum Buch greifen sollte…

Mann - Buch - sexy.jpg

Blogger-Kollegin Daniela Kaufmann-Strässle von „read eat live“ hat einen wunderbaren, kurzweiligen Beitrag zu 5 Gründe, warum man öfter zum Buch greifen sollte verfasst, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Daniela ist der Meinung, dass das Lesen das Gehirn trainiert, sowohl den Wortschatz als auch den Horizont erweitert, Stress reduziert UND sexy macht!

Gerade der letzte Punkt lies mich aufhorchen: Daniela behauptet, dass Menschen, die sich mit einem Buch in der Öffentlichkeit zeigen, attraktiver und begehrenswerter erscheinen. Dabei kommt es aber sicher auch auf den Titel des Buches an. Was kann man da alles verkehrt machen! Ich finde, da sollte es eine „dos and don’ts“ -Liste geben,…

…und doch lässt der letzte Punkt hoffen, dass jeder – und zwar ausnahmslos – mit dem richtigen Buch viel sexyer wirkt. Hier der Beweis:

Donald ohne Buch
Donald T. aus W. ohne Buch
Donald mit Buch.jpg
Donald T. aus W. mit Buch

Die positive Veränderung ist verblüffend, oder?

[Rezension] Michael Ende – Die unendliche Geschichte (Neu-Auflage)

Meine Freude war groß als ich erfuhr, dass der Thienemann-Verlag anlässlich des 40. Geburtstages von „Die unendliche Geschichte“ eine Neu-Auflage plante, und ich erhoffte mir nun einen würdigen Nachfolger für mein altes Exemplar aus der Kindheit.

Über die Geschichte von Michael Ende muss ich wahrlich keine großen Worte mehr verlieren, und sie ist über jede Kritik erhaben: Michael Ende hat hier eine wunderbare Geschichte voller Phantasie und Anmut geschaffen, die mit ihren liebevoll gezeichneten Charakteren überzeugt und mit ihrer bildhaften Sprache überwältigt. „Die unendliche Geschichte“ wird dem, der sie gelesen hat, immer in Erinnerung bleiben und einen ewigen Platz in seinem Herzen haben.

Darum legte ich mein Augenmerk nun mehr auf die „neue“ Optik des Buches, die von Eva Schöffmann-Davidov gestaltet wurde: Begeistert bin ich vom Umschlag-Design, das in der Farbgebung „schwarz-weiß-gold“ sehr edel und modern wirkt. Auch die Vorsatzblätter gefallen mir gut, stellen für mich im Vergleich zur bisherigen Optik allerdings keine Verbesserung dar. Auch der zweifarbige Satzdruck in Rot und Grün ist ja hinlänglich bekannt.

Beim Weiterblättern machte sich langsam ein Hauch von Enttäuschung in mir breit: Nicht nur das verspielte Rankenmuster am Kopf einer jeden Seite fehlt, auch die wunderbaren „Von A bis Z mit Buchstaben und Bildern“ waren kleineren und unscheinbareren Anfangsbuchstaben bei den einzelnen Kapiteln gewichen. WARUM? Gerade diese Kombination aus Buchdruck und Inhalt steigerte den Reiz von „Die unendliche Geschichte“ und war damals für mich eine Sensation, die ich vorher aus der Kinder- und Jugendliteratur noch nicht kannte. Und wer – Bitteschön! – hat veranlasst, dass hinter der letzten Seite der Geschichte Werbung gedruckt wurde und somit beim Lesen unschön durchschimmert?

Natürlich ist dies nun „Leiden auf hohem Niveau“: Es kommt ja schließlich in der Hauptsache auf die Qualität der Geschichte an, und Neu-Leser werden auch nichts vermissen. Für Fans „der 1. Stunde“ stellt diese Neu-Auflage allerdings keine Alternative dar, da die optische Gestaltung in der Ur-Fassung mit den Buchstaben und Illustrationen von Roswitha Quadflieg deutlich liebevoller umgesetzt wurde!

Darum werde ich weiterhin mein 40 Jahre altes Exemplar aus Kindertagen sehr in Ehren halten: Ich weiß noch, wie ich damals meinen älteren Bruder bedrängte, mir doch bitte dieses Buch – und zwar NUR dieses Buch und kein anderes – zum Geburtstag zu schenken,…

„…aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!“

erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522202602

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #29: Auf welche (baldige) Buchveröffentlichung freust du dich momentan am meisten?

Montagsfrage (1)

Blogger-Kollegin Antonia Leise von „Lauter & Leise“ ist momentan im Examen-Stress: Jeder von uns, der schon einmal mitten in einer Prüfungsvorbereitung steckte, weiß, dass das persönliche Zeit-Raum-Kontinuum dabei in Mitleidenschaft gezogen wird, Grenzen verschwimmen und das Zeitgefühl zuweilen blockiert ist. Trotzdem hat sie eine wunderbare Frage für uns! Vielen Dank, liebe Antonia! Darum gibt es in dieser Woche die Montagsfrage an einem Dienstag mit der Option, sie am Mittwoch zu lesen, um dann am Donnerstag…!!! 😄

…und welch wunderbare Frage, die mich animierte, nochmals in den Verlagskatalogen zu blättern (Nur zur Sicherheit: Damit ich nichts übersehe!).


Selbstverständlich würde ich in diesem Frühling niemals auf Mord & Todschlag verzichten mögen. Zu meinem Glück und meiner Freude warten gleich zwei Krimi-Klassiker auf ihre Wieder-Veröffentlichung:

  • Maigret im Haus der Unruhe von Georges Simenon/ erscheint bei Kampa/ ISBN: 978-3311130000 (11. April 2019)
  • N oder M?: Ein Fall für Tommy und Tuppence von Agatha Christie/ erscheint bei Atlantik/ ISBN: 978-3455004830 (6. Mai 2019)

Dieses Frühjahr scheine ich ganz im Bann von Rainer Moritz zu stehen: Nachdem mein Lese-Eindruck zu Leseparadiese: Eine Liebeserklärung an die Buchhandlung schon erschienen ist, steht die Rezension zu Mein Vater, die Dinge und der Tod schon fest terminiert in den Startlöchern. Nun erwarte ich mit Freude einen Bildband, zu dem er sicher wieder in gewohnt unterhaltsamer Manier seine Texte beigetragen hat:

  • Zum See ging man zu Fuß: Wo die Dichter wohnen. Spaziergänge von Lübeck bis Zürich von Rainer Moritz/ mit Fotografien von Anna Aicher /erscheint bei Knesebeck/ ISBN: 978-3957280565 (16. April 2019)

Wie ich schon in der MONTAGSFRAGE #10 ausführlich berichtet habe, zählen Biografien nicht zu meinem bevorzugten Genre. Ich würde aber diesen beiden Werken durchaus eine Chance einräumen:

Lukas Hartmann widmet sich in seinem Roman der Lebensgeschichte des berühmtesten Sängers seiner Zeit: Josef Schmidt besaß eine der schönsten lyrischen Tenorstimmen seiner Epoche und feierte Triumphe – bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten.

  • Der Sänger von Lukas Hartmann /erscheint bei Diogenes/ ISBN: 978-3257070521 (24. April 2019)

Donald Windham schwelgt in seinen Lebens-Erinnerungen und erzählt Anekdoten über die Freundschaften zu seinen literarischen Kollegen: Eine Zeitreise zurück zu den klugen Köpfen der damaligen Zeit!

  • Verlorene Freunde: Truman Capote, Tennessee Williams und andere von Donald Windham/ erscheint bei Lilienfeld/ ISBN: 978-3940357427 (1. Dezember 2019)

…welch wunderbare Frage, die dazu einlädt bei Blogger-Kolleg*innen zu spicken, um so neue Lese-Impulse zu erhalten!

…und worauf freut Ihr Euch???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Komödie] Michael McKeefer – CHARLIES WEG / TiO Osterholz-Scharmbeck

Tragikkomödie von Michael McKeefer / Deutsch von Frank-Thomas Mende / Niederdeutsch von Werner Mahlendorf

Premiere: 2. März 2019 / besuchte Vorstellung: 24. März 2019

TiO – Theater in OHZ, Osterholz-Scharmbeck


Inszenierung: Bernd Schröter
Bühne: Heinz Windhorst
Kostüme: Ute Schmonsees


Da erhält Charlie Bock die Diagnose einer lebenslimitierenden Krankheit, und sein Leben steht Kopf: Nur noch wenige Monate bleiben ihm, um zu leben – um endlich richtig (!) zu leben. Wie war sein Leben bisher? Statt selbst ein Schriftsteller zu werden, wurde er ein mittelmäßiger Lektor in einem mittelmäßigen Verlag mit einem mittelmäßigen Gehalt in einer mittelmäßigen Stadt…! Nun fährt er ziellos in seinem mittelmäßigen Auto umher und nimmt scheinbar zufällig einen Anhalter mit: Doch bei Willy ist nichts zufällig. Schon seit Charlies Geburt war er unsichtbar an seiner Seite und hat auf seinen Einsatz gewartet. Nun ist er gekommen: Willy ist Charlies persönlicher Tod und bereit, ihn auf ebendiesen vorzubereiten. Dummerweise stranden die beiden aufgrund einer Panne in einem trostlosen Hotel, das von Nelly nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes allein bewirtschaftet wird. Unterstützung erhält sie vom ansässigen Autoschlosser Theo, der ein ganz persönliches Interesse hat, dass Charlie so schnell wie möglich wieder verschwindet. Zwischen Todes-Sehnsucht und Hoffnung spürt Charlie nun ein für ihn gänzlich neues Gefühl: Er ist verliebt! Und so springt Irmi, seine persönliche Liebe aus den Tiefen seiner Gefühlskommode ans Licht und streut – blind wie ein Maulwurf, im quietsch-pinken Outfit und mit permanenter guter Laune gesegnet – wieder Hoffnung in Charlies trostloses (Rest-)Leben. Tod Willy ist der Verzweiflung nah…!

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Hochachtung für das TiO – Theater in OHZ, das sich als reine Amateur-Bühne immer wieder an neue Herausforderungen wagt. Hochachtung für das Ensemble, das diese Herausforderung annahm und souverän umsetzte. Hochachtung für den Regisseur, der dafür sorgte, dass dieses doch sehr dialoglastige Stück kurzweilig und berührend aber nie sentimental über die Rampe kam.

Wie bei jeder Amateur-Bühne ist es nicht immer selbstverständlich, dass ein Stück in allen Rollen adäquat besetzt werden kann. In diesem Fall ist es gelungen: Karl-Heinz Fürst gibt den eher schlichten Theo mit sehr viel Sympathie, dessen Handeln nur auf der Sorge um und seine Zuneigung für Nelly beruht. Die Nelly von Tina Stelljes ist zwar mehr die handfeste Macherin (die aber auch aufgrund der Umstände machen musste), lässt aber auch leise, verletzliche Töne erkennen. Petra Frerichs scheint als die persönliche Liebe von Charlie ständig unter Strom zu stehen und versprüht eine beinah schon ekelerregende gute Laune, hat zum Glück auch ihre zarten, ruhigen Momente.

Jens Wendelken schafft scheinbar mühelos den (nicht einfachen) Spagat, dass der Zuschauer mit seinem Charlie zwar sehr mitfühlt aber nie Mitleid empfindet. Überzeugend gelingt ihm auch die Darstellung der ersten Krankheitssymptome. Sein verbaler Schlagabtausch mit dem Tod birgt neben der Tragik auch sehr viel Komik – aber wie bei jeder guten Komödie bedingt beides einander!

Carsten Mehrtens glänzt als Willy mit gekonnten Spiel: Sein Tod ist Verführer und Pragmatiker, schonungslos ehrlich und zärtlich umfangend, unterstützend und niederschmetternd, dabei sehr komisch aber nie furchteinflößend! Mehrtens und Wendelken sind perfekt aufeinander eingespielt und liefern eine Darstellung, die sich deutlich über dem Niveau einer Amateur-Bühne befindet!

Etliche Plätze blieben bei den Vorstellungen leer, da einige Besucher aufgrund der „Schwere“ des Stücks den Weg ins TiO scheuten: Ich kann sie nur bedauern, denn ihnen ist das beste Stück der dortigen Saison entgangen. Das TiO hat eindrucksvoll bewiesen, dass die plattdeutsche Sprache alles andere als „platt“ ist.


Am 24. März 2019 war die letzte Vorstellung von CHARLIES WEG und gleichzeitig auch Saison-Ende im TiO – Theater in OHZ. Weitere Infos findet Ihr hier.

[Rezension] Elizabeth Edmondson – Mord auf Selchester Castle

Hach! – Wie schön, da sind wir wieder auf Selchester Castle im gleichnamigen beschaulichen Örtchen. Das bedeutet für mich, ich kann mich entspannt zurücklegen und auf eine kurzweilige aber unaufgeregte Handlung freuen. Klang das nun etwas negativ? Oh, pardon! – Es war so nicht von mir gemeint. Ganz im Gegenteil: Nichts anderes erwarte ich von einem Cosy-Krimi!

Nachdem Geheimagent Hugo Hawksworth den Tod des bisherigen Earl of Selchester aufklären konnte,  taucht nun überraschend sein unehelicher Sohn auf, der zudem noch (Shocking!) Amerikaner ist, um das Erbe anzutreten. Die adlige Verwandtschaft ist „not amused“. Zudem scheint jemand dem amtierenden Earl of Selchester nach dem Leben zu trachten: Wie sonst lassen sich diese scheinbar zufälligen Missgeschicke erklären, die ihm seit seiner Ankunft in England wiederfahren…?

Auch der zweite Roman um den rührigen Geheimagent Hugo Hawksworth ist wieder ein Wohlfühl-Krimi, dessen Handlung diesmal allerdings ein wenig vor sich hin plätschert. Dabei lässt Elizabeth Edmondson ihre bekannten Hauptdarsteller*innen und die liebenswert-skurrilen Nebenrollen wieder auftreten und garniert diese illustre Runde mit einigen interessanten Neu-Zugängen. Dabei spielt sie zwar durchaus humorvoll mit den Klischees „Alte Welt vs. Neue Welt“ – die modernen Amerikaner treffen auf britische Traditionen und adligem Snobismus –  hätte mit diesem „Pfund“ aber durchaus mehr „wuchern“ können.

Zudem wirkten einige Handlungsstränge etwas konstruiert, und mir fehlten ein wenig ihre bewährten Zutaten („pralle Charaktere, witzige Dialoge, viele Verdächtige mit Motiv, ein ungewöhnlicher Ermittler, verwirrende Verwicklungen, das Flair der 50er Jahre,…“), die den Vorgänger auszeichneten.

Trotz dieser Kritikpunkte ist ihr ein durchaus unterhaltsamer Krimi gelungen!

erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442488247

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Ralf Butschkow – Wir gehen in die Buchhandlung

Sofie ist traurig! Sie hat sich so sehr auf ihr neues Regal gefreut, doch ihr Vater ist außerstande ihr diesen kleinen Wunsch zu erfüllen. Zu groß ist für ihn die Anstrengung und zu schwer scheint für ihn diese Aufgabe, ein Regal an der Wand zu befestigen. Sofie ist verzweifelt: Was kann sie nur tun, um sich aus dieser prekären Situation zu befreien? Nur in der Buchhandlung ihres Vertrauens „die schatulle“ findet sie ein offenes Ohr für ihre Nöte: Die Buchhändlerin Frau Gartmann weiß genau, was ihr fehlt – ein Buch! Es ist nicht irgendein Buch. – Nein! – Dieses Buch hilft Sophies Mutter sich aus der erdrückenden Dominanz ihres Versager-Ehemanns zu lösen und aus eigener Kraft das Regal an die Wand zu dübeln…!

Dem Autor ist hier ein Standard-Werk der Kinderliteratur gelungen: Schonungslos werden die Sorgen der heutigen Kindergeneration thematisiert – Themen wie Verlust,  Enttäuschung und Zukunftsängste. Zu alledem kommt eine sozialkritische Brisanz: Sophie erfährt, dass die Buchhändlerin ein Seniorenpflegeheim mit Büchern versorgt, um den dort von ihren Angehörigen abgeschobenen Senioren ein wenig Freude in ihren öden Alltag zu bringen. So lernen die Kinder schon früh zu erkennen, dass auf dieser Welt kein Platz ist für Phantastereien, unbekümmertes Spiel und kindlicher Freude. Für alle Zweifler gibt es bestimmt das passende Buch…!

Dieses Werk steht völlig zu Recht auf der SPIEGEL Bestseller-Liste und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Das Kultusministerium für Niedersachsen hat per Dekret angeordnet, dass dieses Werk nun Pflichtlektüre an allen Schulen wird.

Endlich ein Lichtblick im kinderliterarischen Einerlei…!!!

erschienen bei pixi (Carlsen)/ ISBN: 978-3551685759

Ich danke dem Verlag herzlich für das nicht zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Ihr Lieben! Die Buchhandlung meines Vertrauens hat nun ein eigenes pixi-Buch (Wie geil ist das denn?!), und ich konnte mir den kleinen Spaß nicht verkneifen, zu diesem entzückenden und gänzlich harmlosen Büchlein eine deprimierende Rezension zu verfassen. Wobei ich den Inhalt absolut wahrheitsgetreu wiedergegeben habe: Schließlich ist es ja alles nur eine Frage der Interpretation! Nicht wahr? 😉 Herzliche Grüße…!

Ein Porträt: Edgar Allan Poe

Edgar Allan Poe (* 19. Januar 1809/ † 7. Oktober 1849)

Edgar Allan Poe wurde als Sohn eines Schauspieler-Ehepaares geboren. Nach 4 Jahren Ehe verließ der Vater die Familie. Nur ein Jahr später starb die Mutter an Tuberkulose. Der zweijährige Poe, sein zwei Jahre älterer Bruder William Henry Leonard und seine ein Jahr jüngere Schwester Rosalie blieben als Waisen mittellos zurück. Die Kinder wuchsen getrennt voneinander bei Pflegefamilien auf. Poe verbrachte seine Kindheit auf einem Internat in England bis die Pflegeeltern gezwungen waren, aufgrund der Wirtschaftskrise von 1819 nach Amerika zurückzukehren.

Dort immatrikulierte Poe an der Universität von Virginia in Charlottesville. Hier kam sein Hang zur Selbstzerstörung zum ersten Mal zum Vorschein: Er trank übermäßig, war spielsüchtig und hatte nach nur acht Monaten Studium Schulden in Höhe von 2000 US-Dollar. Von seinem Pflegevater konnte er keine Unterstützung erhoffen, dem er eh vorwarf, ihn nur unzureichend finanziell zu unterstützen. Um seinen Gläubigern zu entgehen flüchtete Poe nach Boston und lebte dort unter falschem Namen, bevor er der US Army beitrat. Während dieser Zeit erschien auch sein erster Gedichtband, der allerdings ohne nennenswerte Resonanz blieb.

Auch seine Karriere bei der US Army gestaltete sich ebenso schwierig wie sein Verhältnis zu seinem Pflegevater, der sich für seine Aufnahme bei der US Army eingesetzt hatte. Um diesen zu verletzen, provozierte er seine Entlassung aus der Armee. Er wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und der Militärakademie verwiesen.

Sein weiteres Leben sollte unstetig bleiben: Baltimore, Richmond, New York, Philadelphia und Dupin waren nur einige Stationen. Die ersten kleinen schriftstellerischen Erfolge stellten sich ein. Um sich finanziell über Wasser zu halten, nahm Poe Arbeiten bei verschiedenen Zeitschriften an, bei denen auch einige seiner Erzählungen erschienen und seinen Ruf als Prosaautor festigten. Dabei waren es weniger die Erzählungen, die ihn berühmt (wenn nicht gar berüchtigt) machten, sondern seine gefürchteten Literaturkritiken, mit denen er versuchte den restaurativen Literaturbetrieb abzuschütteln. Er bemühte sich um allgemeingültige, ästhetische Maßstäbe in der Literatur.

1845 entstand in New York wohl sein bekanntestes Gedicht Der Rabe und verschaffte ihm Erfolg und Popularität.

Poes Phasen künstlerischen Schaffens wurden immer wieder durch sein selbstzerstörerisches Verhalten unterbrochen: Er gab sich Alkoholexzesse hin! Sein Verhältnis zu Frauen galt als zwiespältig: Seine Schwärmereien zu älteren Frauen wie auch zu jungen Mädchen könnten noch als Mutter- bzw. Schwester-Komplex gedeutet werden. Dieses zwiespältige Verhältnis zu Frauen greift Poe in den meisten seiner Erzählungen auf, dabei wird insbesondere der Tod einer schönen, oft jungen Frau thematisiert.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Virginia trifft Poe im Jahr 1849 seine Jugendliebe Elmira Shelton in Richmond wieder. Sie verlieben sich, und Elmira akzeptiert seinen Heiratsantrag.

Am Morgen des 27. September 1849 reist Poe per Schiff von Richmond nach Baltimore, um in seinem Haus in Fordham Vorbereitungen für die Hochzeit zu treffen. Was in den darauf folgenden Tagen geschieht, bleibt nebulös im Dunkel. Erst am 3. Oktober 1849 wird er in einem verwahrlosten und verwirrten Zustand in Baltimore aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Dort stirbt er am 7. Oktober 1849: Die Umstände des Todes sind unklar. Die Todesursache ist unbekannt.

Edgar Allan Poe gilt als der Wegbereiter der modernen Kriminal-, Horror- und Schauerliteratur. Seine Werke offenbaren die menschlichen Abgründe, sind düster und gleichzeitig poetisch und haben eine ausgeprägte Symbolik. Zudem war er ein sehr vielseitiger Schriftsteller, der Kurzgeschichten und Gedichte schrieb aber auch theoretische Aufsätze verfasste.


Auswahl seiner Werke:
  • Der Rabe (Übersetzer: Hans Wollschläger) erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458190066
  • Der Rabe (Übersetzer: Theodor Etzel) erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730601693
  • Unheimliche Geschichten: Illustrierte Buchreihe erschienen bei Galiani/ ISBN: 978-3869711676
  • Unheimliche und phantastische Geschichten (3 Bände) erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730605943
  • Gesammelte Werke erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3866477568