[Konzert] Boshana Milkov & Jan-Hendrik Ehlers – MEET THE GERSHWINS / „Food and Music“ Bremerhaven
Songs von George und Ira Gershwin / mit „Gast“-Kompositionen u.a. von George Shearing, George David Weiss, Sonny Burke und Henry Mancini
„Food an Music“ in Bremerhaven
GESANG Boshana Milkov
MUSIKALISCHE LEITUNG, PIANO, AKKORDEON & MODERATION Jan-Hendrik Ehlers
„I have a dream…!“
Naja, ganz so geschichtsträchtig und vor allem weltbewegend wird der Ausruf von Heinz Kromminga nicht gewesen sein. Doch einen Traum hat er sich mit „Food and Music“ definitiv erfüllt. Er verbindet zwei seiner Leidenschaften miteinander: gutes Essen und gute Musik. Um seine Koch-Leidenschaft auf ein solides Fundament zu stellen, hat er sogar zwei mehrwöchige Praktika in zwei Seafood-Restaurants in Irland absolviert. Doch auch als Musiker in einer Irish Folk-Band ist er aktiv. Wobei es ihm ein immenses Anliegen ist, möglichst viele Menschen zu erreichen, um sie für die Musik zu begeistern.
So lädt er – völlig ungezwungen und gänzlich unaufgeregt – in sein Heim zu Wohnzimmerkonzerte ein, bei denen auch Gast-Künstler*innen gerne gesehen werden: Da wird das Wohnzimmer kurzerhand zum Konzert-Podium umfunktioniert, und die Küche mutiert zur Bar, wo der Gastgeber gemeinsam mit seiner reizenden Frau neben Getränke auch leckere Snacks anbieten.
In diesem Fall handelten es sich bei den Gast-Künstler*innen um Boshana Milkov und Jan-Hendrik Ehlers: Zwei Namen, die aufmerksamen Leser*innen meines Blogs durchaus schon vor die Augen gekommen sind. Seit Boshana ans Stadttheater Bremerhaven als Mezzosopranistin engagiert wurde, und ich ihrer Vita entnehmen konnte, dass ihr Herz für den Jazz schlägt, lauerte ich auf eine Gelegenheit, sie live abseits der Opernbühne erleben zu dürfen. Jan-Hendrik Ehlers ist nicht nur der musikalische Leiter der Schauspiel-Sparte des Stadttheater Bremerhavens, vielmehr ist er „Jan (😀) Dampf in allen Gassen“ und überzeugt in diversen Band-Formationen und in unterschiedlichen musikalischen Formaten.
Nun ist nicht per se jede klassisch-ausgebildete Sängerin eine gute Jazz-Interpretin. Nur weil jemand die schweren, dramatischen Partien des Opern-Repertoires meistern kann, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass auch die Songs der sogenannten „leichten“ Muse geschmeidig aus der Kehle fließen. Entsprechende (negative) Beispiele wurden in der Vergangenheit leider reichlich auf Vinyl und CD konserviert. Damit die leichte Muse so fluffig über die Rampe kommt, bedarf es vorab harte Arbeit gepaart mit einer gehörigen Portion Talent.
Apropos: Talent besitzt Boshana Milkov reichlich. So überzeugte sie in den zurückliegenden zwei Spielzeiten am Stadttheater Bremerhaven im Musical HAIRSPRAY ebenso wie in der zeitgenössischen Oper BREAKING THE WAVES oder doch lieber klassisch in DER ROSENKAVALIER.
Leicht führt sie ihre Stimme durch die grandiosen Gershwin-Standards. Das Publikum wird von ihr mit einem bejahenden „’S wonderful“ begrüßt. Melancholie lässt sie bei „The Man I Love“ spüren, und sehnsuchtsvoll gedenkt sie der „Summertime“. Doch bevor beim Publikum die Sentimentalität überhandnimmt, zieht sie das Tempo wieder an und präsentiert mit Schwung Songs wie „I Got Rhythm“, „Strike Up The Band“ und „Fascinating Rhythm“. Mit feiner Gesangslinie und warm moduliertem Timbre gestaltet sie die weltbekannten Kompositionen von George Gershwin. Sein Bruder Bruder Ira Gershwin steuerte oftmals die brillanten Texte zu den Songs bei, die in der nuancierten Interpretation von Boshana in Balladen wie „Someone To Watch Over Me“ und „But Not For Me“ ihren Charme gänzlich entfalteten.
Jan-Hendrik Ehlers entpuppte sich als kongenialer Begleiter am Piano ebenso wie am Akkordeon. Gekonnt zauberte er zu jedem Song ein wunderbares Intermezzo, verlor sich dabei wohltuend wenig in die Improvisation, sondern ließ das Grundthema der jeweiligen Komposition immer erkennbar mitschwingen. Zudem präsentiert er sich als sympathischer und eloquenter Moderator, der es humorvoll verstand, das Publikum bei Laune zu halten.
Auch scheute er sich nicht, die eine oder andere Komposition abseits der Gershwin-Brüder in das Programm zu streuen, wie „Lullaby Of Birdland“, „Black Coffee“ und (wunderschön) „What a Wonderful World“. Mit einem von Boshana zum Dahinschmelzen grandios vorgetragenen „Moon River“ als Zugabe endete ein ganz und gar wundervolles Konzert.
Fröhlich ein Lied summend stieg ich ins Auto und ließ mich be-swingt mit Ella Fitzgeralds Gershwin-Songbook im Player durch die Nacht gen Heimat tragen.
Eine musikalische Impression:
Alle, die nicht bis zum nächsten Auftritt von Boshana und Jan-Hendrik warten möchten oder generell einen musikalischen Motivationsschub benötigen, sollten mal bei YouTube vorbeischauen!
Viele weitere Informationen findet ihr auf der jeweiligen Homepage von BOSHANA MILKOV und JAN-HENDRIK EHLERS sowie auf FOOD AN MUSIC.
LI·TE·RA·RISCHE HEL·DEN…

[Rezension] Agatha Christie – EIN SCHRITT INS LEERE
Nach Rezensionen zu Hörspiel und Graphic Novel schien die Zeit reif – wenn nicht gar: überreif – zu sein für einen echten, unverfälschten „Christie“. So gelungen auch die vielfältigen Adaptionen durchaus sein können, das wahrhaftige „Whodunit“-Feeling stellt sich bei mir nur während der Lektüre eines ihrer Original-Werke ein.
Eigentlich sucht Bobby Jones am Fuß der Klippe nur seinen verschlagenen Golfball. Statt diesem findet er einen dort abgestürzten Mann. Der stirbt mit den rätselhaften letzten Worten: „Warum nicht Evans?“ Die Frage lässt Bobby keine Ruhe, und gemeinsam mit seiner lebenslustigen Freundin Frances macht er sich auf die Suche nach ihrer Bedeutung. Spätestens als Bobby mit einem zweifelhaften Angebot außer Landes gelockt werden soll und ein Mordanschlag mit Gift fehlschlägt, ist klar: Es war kein Unfall, und wer immer dahintersteckt, wird sich nicht so leicht zu erkennen geben.
(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)
Die mir bereits bekannte und schon oft erlebte Sog-Wirkung hatte wieder eingesetzt: Ab Kapitel 1 war ich verfallen und nutzte jede Gelegenheit, um zu lesen. Wenn sich zudem bei mir der bekannte Effekt einstellt, dass ich am Ende eines Kapitels denke „Ach, eins schaff’ ich noch!“, spricht dies für die Qualität der Geschichte.
Agatha Christie hat im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere durchaus Werke unterschiedlicher Güte zu Papier gebracht, ohne je ein gewisses Niveau zu unterschreiten. So konnte ihre Leserschaft sicher sein, egal welches Werk gewählt wurde, zumindest einen soliden Krimi, der zu unterhalten weiß, in den Händen zu halten. Doch aus diesem prachtvollen Collier strahlen einige Brillanten besonders hervor und zeugen für das schriftstellerische Können der Autorin: Da wären Titel wie MORD IM ORIENTEXPRESS, VORHANG, 16 UHR 50 AB PADDINGTON, TÖDLICHER IRRTUM sowie UND DANN GAB’S KEINES MEHR zu nennen. EIN SCHRITT INS LEERE darf sich ebenfalls in diese illustre Runde einreihen.
Da werden die beiden jungen Held*innen zwar sympathisch aber nicht frei von Fehlern und Allüren porträtiert. Um sie herum spinnt die Autorin geschickt eine feine Vita, die als plausible Erklärung für deren Verhalten überzeugt. Als vierter und somit jüngster Sohn eines Landpfarrers wohnt Bobby Jones nach seiner Entlassung aus der Navy wieder bei seinem Vater und hat Mühe, sein Leben in eine neue Richtung zu lenken. Noch aus Kindertagen kennt er Lady Frances Derwent, die mit aristokratischer Herablassung und dank Papas großzügigen Zuwendungen sehr unbeschwert und sorgenfrei lebt bzw. sich langweilt. Da bereitet ihr die Wahl des passenden Hutes durchaus schon Kopfschmerzen. Es war mir eine Freude, die kurzweiligen Dialoge der beiden zu folgen: In einer wunderbar leichten und ironisch-humorvollen Art kommunizieren sie miteinander und zeigen dabei die Arroganz der Jugend gegenüber der älteren Generation. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr verändert sich die Haltung unseres jugendlichen Duos: Beide durchlaufen einen Reifungsprozess, wodurch die Figuren an Tiefe gewinnen.
Agatha Christie vereint hier abermals die Charakteristika, die ich so sehr an ihren Werken schätze. Wie bereits erwähnt, überzeugt die Autorin in EIN SCHRITT INS LEERE durch geschliffene Dialoge. Diese bettet sie in eine im besten Sinne verwirrende Geschichte ein, deren Plot sich in mannigfaltige Richtungen entwickelt und eine gediegene Schar an prägnanten Protagonist*innen bietet, bei denen nie sicher war, wer Freund und wer Feind ist. So führen so manche Hinweise nicht nur unseren Held und unsere Heldin in die Irre, auch ich selbst tappte im Dunkeln. Doch Christie verstand es abermals, dieses Knäul meisterlich zu entwirren, und präsentierte mir eine Lösung, die keine Fragen unbeantwortet ließ und mich somit wie durch Zauberhand aus dem Nebel der Unwissenheit befreite.
Die „Queen of Crime“ hat sich mit diesem Kriminalroman wieder von ihrer allerbesten Seite gezeigt!
erschienen bei Atlantik / ISBN: 978-3455011852 / in der Übersetzung von Michael Mundhenk
LI·TE·RA·RISCHE HEL·DEN…

[Rezension] Siegfried Lenz – SO ZÄRTLICH WAR SULEYKEN
Allein der Titel klingt wie ein Versprechen…!
Suleyken: dieses kleine ostpreußische Dorf im Masurenland, das mit seinen knapp über 300 Einwohnern und ohne Anschluss an eine Bahnverbindung kaum einer Erwähnung wert wäre. Hätte es da nicht diesen Literaten gegeben, der den dort lebenden Menschen mit seinen Geschichten ein literarisches Denkmal setzte.
Siegfried Lenz lässt als Ich-Erzähler die Leserschaft sehr nah an sich und seine Figuren heran. Da werden wir direkt von ihm angesprochen und aufgefordert, uns einen eigenen Eindruck von den manchmal merkwürdig anmutenden Geschehnissen in Suleyken zu machen. So lernen wir Hamilkar Schaß, den Großvater des Erzählers, kennen, der als hochgebildet gilt, da er eine ausgeprägte Liebe zur Literatur pflegt. Diese Liebe ist so mächtig, dass weder ein dramatischer feindlicher Überfall noch die Einberufung zu den Kulkaker Füsiliere seine Lese-Sucht stoppen kann. Dank dieser Sucht bleibt unser wackerer Hamilkar Schaß selbst bei den zähen Verhandlungen um die Poggenwiese völlig entspannt und lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Der Erfolg gibt ihm Recht.
Doch auch die anderen Leut’ in diesem kleinen Dorf bezaubern durch eine listige Bauernschläue und einem recht ursprünglichen Gefühl für Ehre. Bei ihrer sehr eigensinnigen Auslegung von Recht und Ordnung, die durchaus auch sehr handgreiflich ausgetragen werden kann, sind sie niemals bösartig, hinterhältig oder gemein. So würde Alec Puch nie von Diebstahl sprechen, wenn er für sich und seine Söhne Köstlichkeiten für das Osterfest „organisiert“ (s.a. DER OSTERTISCH). Ich glaube, dass das Adjektiv „plietsch“ es am ehesten beschreibt.
Der Obrigkeit stehen die Bewohner*innen von Suleyken durchaus mit Respekt, doch nicht übermäßig ehrerbietig gegenüber. Verordnungen sind dafür da, – Naja! – um für Ordnung zu sorgen. Doch oftmals entspricht diese Ordnung nicht den Vorstellungen der Dorfbewohner*innen. Da beherbergt Jadwiga Plock, die – obwohl seit Jahren Witwe – es sich nicht nehmen lässt, regemäßig strammen Kindern das Leben zu schenken, eine mehr-köpfige Gesundheits-Kommission äußerst geduldig und gastfreundlich in ihrem Heim. Diese Kommission ist extra zusammengekommen, um die Plocksche Kinderschar zu impfen. Dumm nur, dass diese sich direkt nach Ankunft im nahen Wald versteckt hat und erst wieder auftaucht, als die Kommission nach Wochen des Ausharrens unverrichteter Dinge wieder abzieht.
Vielmehr tragen die Suleykener*innen ein gütiges Herz in ihrer Brust, das oftmals auch auf der Zunge zu finden ist. Doch manches Mal schlägt dieses Herz so voller Macht bis zum Hals, dass das Sprechen kaum möglich scheint. Wie sonst wäre der ungewöhnliche Heiratsantrag zu erklären, den der große, schweigsame Holzfäller Joseph Waldemar Gritzan seiner angebeteten Maid Katharina Knack macht (s.a. EINE LIEBESGESCHICHTE). So lässt der Autor vor unserem inneren Auge prägnante Porträts von einfachen Menschen entstehen, die stets sehr viel Wärme ausstrahlen und nie die Wertschätzung vermissen lassen.
Doch schon im Jahre 1955, als Siegfried Lenz diese zwanzig gar kunstvollen „Masurischen Geschichten“ zu Papier brachte, gab es das von ihm beschriebene Masurenland nicht mehr. Selbst direkt um die Ecke in der Stadt Lyck geboren, wurde Suleyken für ihn zum Sehnsuchtsort seiner Kindheit, zur Erinnerung an eine längst vergangene Zeit. Seine Figuren sind urwüchsig, skurril und gütig. Sie stolpern von der einen in die nächste unglaubliche Geschichte, die Lenz liebevoll mit schelmischen Witz, feiner Sensitivität und einem unverwechselbaren Charme erzählt.
Ach, Syleyken, du bist mir so sehr ans Herz gewachsen!
erschienen bei Hoffmann und Campe / ISBN: 978-3455405309
ebenfalls erschienen bei Fischer/ ISBN: 978-3596203123 und 978-3596520879
APHO·RI·SI·A·KUM…

[Noch ein Gedicht…] Heinz Erhardt – DIE POLYGLOTTE KATZE
Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: „Da wart nicht lange ich,
die Maus, die fange ich!“
Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
„Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!“
Da plötzlich hört sie – statt „miau“-
ein laut vernehmliches „wau-wau“
und lacht: „Die arme Katze,
der Hund, der hatse!
Jetzt muß sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!“
Doch leider – nun, man ahnt`s bereits-
war das ein Irrtum ihrerseits,
denn als die Maus vors Loch hintritt –
es war nur ein ganz kleiner Schritt –
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft!—
Danach wäscht sich die Katz die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
„wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man ’ne fremde Sprach kann…!“
Heinz Erhardt
🐱 Heute ist der INTERNATIONALE TAG der KATZE! 🐱
[Rezension] Arthur Conan Doyle – DER HUND DER BASKERVILLES (Hörspiel)
Da kann ein Autor bzw. eine Autorin noch so fleißig sein und Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte in Hülle und Fülle aufs Papier bannen. Doch so manches Mal ist es „nur“ ein einziges Werk, das im kollektiven Gedächtnis haften bleibt und scheinbar für immer und ewig stellvertretend für alle anderen Werke in einem Atemzug mit dem Namen des Verfassers/der Verfasserin genannt wird.
Wer denkt bei MORD IM ORIENTEXPRESS nicht augenblicklich an Agatha Christie. Beim Klang des Namens Thomas Mann kommt uns sofort BUDDENBROOKS in den Sinn. Und kann jemand ein weiteres Werk von Johanna Spyri – abgesehen von HEIDI – nennen? Auch Arthur Conan Doyle gelang dieses Kunststück mit DER HUND DER BASKERVILLES.
Bastian Pastewka, Schauspieler, Komiker, Drehbuchautor, Synchronsprecher u.v.m. hegt eine tiefe Liebe zu den Krimi-Hörspielen der Vergangenheit und frönt dieser hemmungslos in seinem Podcast KEIN MUCKS! – Der Krimi-Podcast – zwischenzeitlich in der 5. Staffel. Wen wundert’s, dass er dem Angebot nicht widerstehen konnte, zu diesem Krimi-Klassiker nicht nur die Hörspielfassung zu erstellen sondern auch die Regie zu übernehmen.
Der Landarzt Dr. Mortimer fürchtet um das Leben des jungen Sir Henry Baskerville, der aus Amerika anreist um im Dartmoor sein Erbe anzutreten. Er ist der letzte aus dem Geschlecht der Baskervilles. Sein Onkel Sir Charles starb vor kurzem an einem Herzinfarkt, als er allein in der Dunkelheit wartete. Sein ganzes Leben lang fürchtete er den Fluch der Baskervilles in Form eines riesigen Hundes, und nun sieht es so aus, als hätte eben dieser Hund aus der Hölle ihn in den Tod geängstigt. Auch Sir Henry hat schon eine anonyme Warnung erhalten, die ihn vor dem Einzug auf Baskerville Hall warnte. Zudem verschwanden erst ein neuer Stiefel und dann ein alter Stiefel von ihm. Nur der neue Stiefel tauchte wieder auf, was Sherlock Holmes nachdenklich stimmt. So schickt er Dr. Watson gemeinsam mit Sir Henry und Dr. Mortimer nach Dartmoor, damit er ein wachsames Auge auf den jungen Erben werfen kann. Auf Baskerville Hall werden die Herren vom alten Haushälter-Ehepaar Barrymore begrüßt, die – wie sich im Verlauf des Aufenthaltes zeigt – ein dunkles Geheimnis verbergen. Der Bruder von Mrs. Barrymore ist aus dem Gefängnis geflohen, versteckt sich nun im Moor und wird von den Barrymores mit Nahrung und der alten, abgelegten Kleidung von Sir Henry versorgt. Dies wird dem Flüchtigen zum Verhängnis, da der geheimnisvolle Hund ihn als Sir Henry wittert, anfällt und so tödlich verletzt. Sir Henry findet Gefallen an der jungen Beryl Stapleton, die mit ihrem Bruder Jack, einem Insektenforscher, in der Nachbarschaft lebt. Jack Stapleton scheint von der Freundschaft seiner Schwester zu Sir Henry wenig angetan zu sein und reagiert höchst verdächtigt. Dies alles beunruhigt Dr. Watson ebenso, wie der geheimnisvolle Fremde, der sich im Moor versteckt und die Geschehnisse rund um Baskerville Hall zu beobachten scheint…!
2 CDs/ Der Hund der Baskervilles (2014) von Arthur Conan Doyle/ Hörspielbearbeitung & Regie: Bastian Pastewka/ Übersetzung: Gisbert Haefs/ Musik: Henrik Albrecht/ mit Frank Röth, Gerhard Garbers, Thomas Kügel, Peter Jordan, Robert Gallinowski, Debora Weigert, Walter Renneisen, Johanna Gastdorf, Ulrich Voß, Susanne Pätzold, Jochen Striebeck u.a.
Die Neu-Auflage einer alten Geschichte im Gewand des Hörspiels kommt überraschend unaufgeregt, beinah von überflüssigen Ballast befreit um die Ecke. Alle Ingredienzien, wie sie bei den Verfilmungen und Hörspiel-Fassungen der Vergangenheit bemüht wurden und die Story gerne in Richtung Mystery, Horror und Gothic rückten, wurden hier tunlichst vermieden. Vielmehr baut Bastian Pastewka bei seiner Fassung ganz auf die Kraft des Originals. Schließlich präsentierte der Autor Arthur Conan Doyle hier eine gut skizzierte Handlung mit prallen Charakteren und überraschenden Wendungen. So bemüht Pastewka den legendären Hund auch nur wohldosiert und lässt die Spannung sich aus dem Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Personen entwickeln. Musik und Ton-Technik gelingt bestens die schwierige Aufgabe, das Klangbild fein zu beeinflussen und so für die unverzichtbare Atmosphäre in einem Sherlock Holmes-Krimi zu sorgen, ohne hier mit billigen Effekten zu übertreiben.
Wie nicht anders bei einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks zu erwarten, wurde wieder ein erlesenes Ensemble zusammengestellt: Frank Röth gibt den Meisterdetektiv Sherlock Holmes mit präziser Artikulation, analytischem Habitus und einem Hauch Arroganz. Der Dr. Watson von Gerhard Garbers ist da deutlich rustikaler, ohne trottelig zu wirken, und meistert zudem die schwierige Aufgabe, als Erzähler die Aufmerksamkeit der Zuhörenden auf ein hohes Niveau zu halten. Peter Jordan stattet Sir Henry Baskerville mit einer aristokratischen Schnöseligkeit aus, ohne an Sympathie einzubüßen. Bei Robert Gallinowski ist Jack Stapleton von einer schmierigen Freundlichkeit, er lässt aber die Gefährlichkeit in seiner Stimme unterschwellig mitschwingen. Debora Weigert erscheint als Beryl Stapleton zwar durchaus überzeugend verängstigt aber mimt erfreulich wenig das hilfsbedürftige Weib, das auf ihren edlen Retter wartet. Inspector Lestrade wirkt in der Interpretation von Jochen Striebeck äußerst handfest und zupackend, so als könnte ihn irgend so eine Töle im Moor nicht ängstigen. Selbst für die wenigen Sätze einer Mrs. Barrymore konnte die wundervolle Johanna Gastdorf als Sprecherin gewonnen werden.
Bastian Pastewka bleibt bei seiner Bearbeitung sehr nah an der originalen Vorgabe, nimmt zwar die für eine Hörspielfassung unumgänglichen Kürzungen vor, vermeidet allerdings den Handlungsablauf zu verfälschen. Und doch überrascht er am Ende der Geschichte mit einer so genannten „kriminal-kritischen Analyse“, indem er Holmes die Aussage treffen lässt:
„Wenn man seinen Standpunkt erst einmal verändert hat,
dann wir gerade der belastenste Beweis zum Schlüssel für die Wahrheit!“
Dies bedeutet so viel, dass unter Berücksichtigung aller vorliegenden Fakten in Kombination mit dem gesunden Menschenverstand auch eine andere Lösung des Falls möglich wäre,…
…eine Lösung des Falls, die erschreckend plausibler erscheint, als die, die Conan Doyle sich erdachte. Ich hörte dies und war verwirrt: Als meine Verwirrung sich peu à peu auflöste, und ich mich langsam von diesem Schock erholt hatte, brach ich in schallendes Gelächter aus.
Da hatte der Schelm Pastewka meine schöne bequeme und über Jahre antrainierte Sicht auf die Welt von Sherlock Holmes kräftig durcheinander gewirbelt. Und gleichzeitig passt dieses durchaus möglich erscheinende Alternativ-Ende, das raffiniert konzipiert und ebenso vertont wurde, ganz und gar wunderbar in den bekannten Holmes-Kosmos.
Chapeau!
Doch lassen wir den Regisseur gerne selbst zu Wort kommen:
erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844515152
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-Exemplar!
[Noch ein Gedicht…] Mascha Kaléko – DER MANN IM MOND
Der Mann im Mond hängt bunte Träume,
Die seine Mondfrau spinnt aus Licht,
Allnächtlich in die Abendbäume,
Mit einem Lächeln im Gesicht.
Da gibt es gelbe, rote, grüne
Und Träume ganz in Himmelblau.
Mit Gold durchwirkte, zarte, kühne,
Für Bub und Mädel, Mann und Frau.
Auch Träume, die auf Reisen führen
In Fernen, abenteuerlich.
– Da hängen sie an Silberschnüren!
Und einer davon ist für dich.
Mascha Kaléko






