MONTAGSFRAGE #2: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll!

Ich bin gerne dabei!!!


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Diese Frage kann ich kurz & bündig beantworten: Ich höre keine Hörbücher!

Natürlich habe ich mir hin und wieder ein Hörbuch angehört, die sehr gut produziert waren, und natürlich gibt es wunderbare Sprecherinnen & -sprecher – zweifellos,…

…aber es ersetzt für mich weder das Gefühl, das ich beim „klassischen“ Lesen habe, noch spricht es in dem Maße meine Sinne an, wie es das „klassische“ Lesen vermag!

Zudem habe ich an mir wahrgenommen, dass ich beim Anhören von Hörbüchern recht schnell ungeduldig werde: Die sprechende Person liest nicht in meinem Tempo, interpretiert eine Rolle vielleicht nicht in meinem Sinne, oder die Stimme passt für mich nicht zum Inhalt des Buches. Zudem wirken die Hörbücher auf mich oft auch sehr steril!

Interessanterweise empfinde ich dies nicht, wenn mir vorgelesen wird: Da spielen das „Live & in Farbe“ sowie das gemeinsame Erleben entscheidende, nicht zu unterschätzende Rollen!

  • Lesen – nur für mich: sehr, sehr gerne!
  • Vor-Lesen – in der Gemeinschaft: sehr, sehr gerne!
  • Vor-Lesen aus der Retorte: Danke, nein!

…und wie ist Eure Meinung? Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Kommentare!

[Rezension] Elizabeth Edmondson – Der Tote in der Kapelle

Vor 7 Jahren verschwand der Earl of Selchester in einer stürmischen Winternacht aus seinem Schloss und wart nicht mehr gesehen. 7 Jahre lang gab es kein Lebenszeichen von ihm, dafür umso mehr Gerüchte im Dorf über die Gründe seines Verschwinden. Nach 7 Jahren tauchen plötzlich seine Überreste bei Reparaturarbeiten unter dem Steinboden der Schloss-Kapelle auf. Er hatte sein Anwesend nie verlassen. Doch was war geschehen? Und…

…wer war der Täter? …und warum ist die Regierung nun so erpicht darauf, diese Angelegenheit so schnell wie möglich ad acta legen zu können?

Mit dem Begriff „Cosy-Krimi“ konnte ich bisher wenig anfangen: „Cosy“ – Was heißt das? Hineinschlüpfen und sich wohlfühlen? Nach der Lektüre dieses Krimis habe ich eine Vorstellung, was es bedeuten könnte. Denn genauso fühlt es sich bei diesem Krimi an! Und – Hey! – er macht eine Menge Spaß!

Alles ist vorhanden, was ich mir als leidenschaftlicher Liebhaber alter britischer Krimis (in diesem Fall: der sich anfühlt wie…) wünsche: pralle Charaktere, witzige Dialoge, viele Verdächtige mit Motiv, ein ungewöhnlicher Ermittler, verwirrende Verwicklungen, das Flair der 50er Jahre,…

…dazu nehme man die Atmosphäre aus den alten Miss Marple- und Edgar Wallace-Filmen, würze es mit ein wenig Landschaft aus Inspector Barnaby und gebe eine Prise Standesdünkel aus Downton Abbey hinzu,…

…et voilà: Fertig ist der Cosy-Krimi!

Nach meiner letzten schweren Krimikost danke ich Mrs Edmondson für dieses wohltuende Kontrastprogramm – genau das Richtige für gemütliche Lesestunden bei einer schönen Tasse Tee!

„Oh yes, indeed, my dear!“

erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442486120

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Erich Kästner – DER SEPTEMBER

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

Erich Kästner

[Rezension] George Pelecanos – Das dunkle Herz der Stadt

Washington, D. C., Anfang der 90er: Nick Stefanos lebt ein Leben am Abgrund. Der Ex-Detektiv, der sich als Bartender über Wasser hält, ist häufig sein bester Kunde. So auch an dem Abend, als er sturzbetrunken Ohrenzeuge am Mord eines Teenagers wird. Trotz erhöhter Promillezahl im Blut bemerkt er einige Ungereimtheiten an dieser scheinbaren Tat rivalisierender Gangs im Drogenmilieu. Der beste Freund des Opfers bleibt verschwunden, und Nick nimmt als alter Spürhund die Fährte auf.

Ganz in der Tradition der „hardboiled detectives“  wie Sam Spade oder Philip Marlowe lernt der Leser den Protagonisten kennen. Eine interessante Persönlichkeit, die gerne am Rande der Legalität agiert und im Vergleich zu seinen klassischen Vorbildern deutlich menschlicher und weniger frauenverachtend wirkt.

Damit verhindert der Autor, dass zwischen Leser und Protagonist eine Distanz entsteht, wie sie in den klassischen Krimis des Genres häufig üblich ist. Nick Stefanos ist keiner dieser arroganten, zynischen und illusionslosen Archetypen – obwohl „ganz Mann“ hat er sich eine weiche, mitfühlende Seite bewahrt.

Auch sein Partner wider Willen entspricht so gar nicht dem Bild des abgebrühten Privatdetektivs: Jack LaDuke, angeheuert um den verschwundenen Jungen zu finden, wirkt eher wie der schlaksige College-Boy von Nebenan, verbirgt aber eine äußerst dunkle Seite, die erst peu à peu zu Tage tritt.

Dieses ungleiche Gespann kämpft sich durch eine düstere Geschichte voller seelischer Abgründe, in der die Menschen zwischen Drogen, Kriminalität, Gewalt und Prostitution ihr Dasein fristen – ohne Hoffnung, ihrem Schicksal zu entfliehen.

George Pelecanos gelingt es mit harten, schnellen Schnitten, schnörkellosen Charakterisierungen und einer trostlosen Milieustudie, einen atmosphärisch-dichten und spannenden Krimi zu schaffen,…

…der die Fragen nach Recht & Unrecht, nach Schuld & Sühne, nach Moral & Gerechtigkeit aufwirft…

…und mit einem fulminanten Ende überrascht, das mich verblüfft und irritiert zurückließ! Harte Krimikost!

erschienen bei ars vivendi/ ISBN: 978-3869139173

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #1: Was ist das letzte Buch, das du gelesen hast, was liest du momentan, und welches Buch steht dieses Jahr auf jeden Fall noch auf deiner Leseliste? Wieso?

Montagsfrage (1)

Wissen Sie, warum ich so gerne blogge – abgesehen von den Gründen, die ich unter „Warum blogge ich?“ schon genannt habe?

Ich liebe diesen netten Austausch mit anderen literaturbegeisterten Menschen, der mir Freude und Inspiration bereitet  – dabei völlig frei von Eitelkeiten ist: Ideen dürfen hemmungslos „geklaut“ werden! Bei Aktionen darf unkompliziert teilgenommen werden!

So auch in diesem Fall:scan-verschoben1.jpg

DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde, die Antonia von „Lauter & Leise“ wiederbelebt hat. An jedem Montag stellt sie eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll!

Ich bin dabei!!!


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Was ist das letzte Buch, das du gelesen hast, was liest du momentan, und welches Buch steht dieses Jahr auf jeden Fall noch auf deiner Leseliste? Wieso?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war Sommer in Super 8 von Anne Müller. Momentan lese ich Das dunkle Herz der Stadt von George Pelecanos.

Beide Romane durfte ich im Rahmen einer Lesrunde auf „LovelyBooks“ lesen. Eine entsprechende Rezension wurde schon bzw. wird noch veröffentlicht. Darum spare ich mir hier die Einzelheiten…!

Da ich ein Liebhaber alter britischer Krimis bin, freue ich mich sehr auf Mord im alten Pfarrhaus von Jill McGown (erscheint bei DuMont) und Das Geheimnis der Grays von Anne Meredith (erscheint bei Klett-Cotta).

Zudem werden die Kommissar Maigret-Krimis von George Simenon im Kampa Verlag wieder im neuen Gewand präsentiert und mir bis zum Ende des Jahres mit Sicherheit vergnügliche Lese-Stunden schenken.


Ich bin schon sehr gespannt auf weitere Fragen! Sie auch?

[Rezension] Ulf Nilsson – Kommissar Gordon: Der erste Fall/ mit Illustrationen von Gitte Spee

„Schreckliche Diebe! – Dreckliche Schiebe!“

Im Wald treibt ein tückischer Dieb sein Unwesen und stielt dem armen Eichhörnchen seine Nüsse, die es sich mühsam als Wintervorrat gesammelt hat. Kommissar Gordon, die weise, alte Kröte, muss ermitteln. Dabei gerät anfangs das kleine Mäusemädchen Buffy in Verdacht. Doch dank der exzellenten Ermittlungsmethoden von Kommissar Gordon (Zuhören, Nachdenken, Stempeln, Muffins essen) kann schnell ihre Unschuld bewiesen werden. Sie wird sogar zur Polizeiassistentin ernannt,…

…wird es dem brillanten Kommissar Gordon mit Hilfe seiner schlauen Assistentin Buffy gelingen, die Nuss-Diebe zur Strecke zu bringen?

Ulf Nilsson schuf einen entzückenden Kinderkrimi mit einem liebenswerten Anti-Helden, der mich mit seinem Humor und den witzigen, warmherzigen Texten begeisterte. Abgerundet wird dieses Buch durch die stimmungsvollen Zeichnungen von Gitte Spee.

Genau die richtige Lektüre zum Vorlesen für Klein und Groß!

(…und wer es sich gerne vorlesen lassen möchte, hätte hier die Gelegenheit dazu.)

erschienen bei Moritz/ ISBN: 978-3895652882

[Anekdoten-Archiv]…

Anekdoten-Archiv2

In diesem Monat starte ich mit einer neuen Kategorie: Anekdoten-Archiv…

Im Laufe meiner „Karriere“ als Vor-Leser habe ich schon so einige Lesungen „verzapft“, und hin und wieder entstehen dabei witzige, berührende oder kuriose Momente, die ich mir mit Hilfe dieser Kategorie gerne in Erinnerung rufen möchte,…

…und ich hoffe natürlich sehr, dass meine Leser ebenfalls Spaß an diesen Anekdoten haben.

Jede Lesung ist für mich eine Herausforderung! Jede Lesung ist einzigartig! Jede Lesung war für mich ein besonderes Erlebnis. Aber nicht jede Lesung liefert Stoff für Anekdoten. Darum werde ich in dieser Kategorie auch nur sehr unregelmäßig etwas veröffentlichen.

Wer wissen möchte, was ich bisher schon alles „verzapft“ habe, findet die Antwort hier.

Liebe Grüße

Andreas Kück

[Rezension] Anne Müller – Sommer in Super 8

Eine scheinbar perfekte Kindheit in den 70er Jahren, festgehalten auf etlichen Super 8-Filmchen, in einer scheinbar perfekten Familie, in einer scheinbar perfekten Idylle,…

…aber schon ab dem ersten Kapitel durchzieht den Roman einen Hauch des Vergänglichen: Dieses filigrane, familiäre Konstrukt droht in jedem Moment in sich zusammen bzw. auseinander zu brechen.

Zwischen den Eltern gibt es wenig Zärtlichkeit, umso mehr Unausgesprochenes – sie, die Nachkriegsgeneration, die durch eine Kriegsgeneration erzogen wurde: Der Vater, angesehener Arzt mit eigener Landpraxis; die Mutter, ehemalige Sportstudentin, die für die Familie die eigenen Karrierewünsche verdrängt; 5 Kinder, von dem das Mittlere, das sogenannte „Sandwichkind“, unsere Ich-Erzählerin ist.

Diese perfekte Idylle bekommt sehr schnell die ersten Risse: Das bemerkt der Leser an einem scheinbar belanglosen Nebensatz, an einer wie zufällig hingeworfenen Beschreibung – Anne Müller kreiert hierfür nicht die großen Szenen sondern lässt die Familientragödie in kleinen Augenblicken ablaufen, die zusammengenommen eine umso zerstörerischere Wucht entwickeln. Ganz langsam aber subversiv tropft das Leben mit seinem alltäglichen Wahnsinn in die Kindheit und raubt ihr die Unbeschwertheit.

Der Führerscheinentzug des Vaters, das Tuch am Hals der Mutter (obwohl sie nie Tücher trägt), die ausbleibenden Patienten in der Praxis: All dies sind Indizien für eine bröckelnde Fassade der Gutbürgerlichkeit. Unsere Ich-Erzählerin durchlebt Klavier- und Ballettstunden, Konfirmandenunterricht und Tanzschule, raucht die erste Zigarette, bekommt den ersten Kuss und muss sich – auf Drängen der Eltern – gemeinsam mit ihren Geschwistern bei Dorffesten als Vorzeige-Familie präsentieren.

Es vervollständigt das Bild keiner perfekten Familie aber doch einer sehr normalen Familie: Die Tragödien in der Kindheit hinterlassen in jungen Jahren immer den Eindruck, dass sie alleine nur die eigene Familie treffen. Mit der Zeit kommen wir zu der tröstlichen Erkenntnis, dass sich Tragödien hinter jeder Fassade abspielen. Wir sind nicht allein!

Diese scheinbare Tristesse der Normalität wird immer wieder humorvoll von der Autorin durchbrochen: Als Leser erlebte ich einige Déjà-vu-Erlebnisse, musste häufig schmunzeln, hin und wieder auch laut lachen!

Selbst in den 70er groß geworden, kenne ich dieses Gefühl, das Anne Müller in ihrem Erstlingsroman aufleben lässt: Der Zauber der unbeschwerten Kindheit ist noch spürbar, zugleich nimmt man verunsichert die kommende Veränderung wahr und lauert ängstlich auf den Wendepunkt!

Wie tröstlich wäre das Leben, wenn verloren gegangene Momente wieder hervorgeholt werden könnten, indem wir den Super 8-Film einfach zurückspulen und von vorne beginnen.

Beim Lesen dieses kraftvollen und zugleich leisen Romans spürte ich die Atmosphäre, die ich auch immer zu dieser Jahreszeit verspüre: Das Licht ist sanft. Die Luft ist mild. Der Sommer ist noch nicht gänzlich verflogen, doch sein Ende lässt sich schon erahnen…

…Vergänglichkeit! …Wehmut!

erschienen bei Penguin/ ISBN: 978-3328600152

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Rafik Schami – Ich wollte nur Geschichten erzählen

Rafik Schami beschreibt es in seiner Einleitung so treffend:

„Unser Leben ist keine stetige Linie. Es ähnelt eher einem Mosaikgemälde. Je näher man kommt, umso sichtbarer werden die Bruchlinien, umso charaktervoller die einzelnen Steine.“

…und da hier seine Geschichten die Steine bilden, die sich peu à peu zum Ganzen verbinden, fällt es mir schwer, einzelne Abschnitte hervorzuheben und dadurch anderen weniger Beachtung zu gönnen.

Und wie bei einem Mosaikgemälde üblich, sind seine Steine unterschiedlich geformt: mal als kleines Steinchen in der Form von nur einer Seite, mal als größerer Brocken von 4-5 Seiten.

Er lässt uns teilhaben an seinen Anfängen als Exilautor in Deutschland und den damit verbundenen (positiven wie negativen) Erfahrungen, schärft die Sinne seiner Leser für die Schönheit seiner Heimatstadt Damaskus und schürt das Verständnis für Flüchtlinge in der Fremde.

Dabei wirft er einen kritischen Blick in beide Richtungen: auf das geliebte Heimatland mit seinem gefürchteten Regime und auf das Gastland, das erst Schritt für Schritt, Jahr für Jahr langsam zur Heimat wurde.

Ich spürte eine leichte Melancholie beim Lesen der autobiografischen Mosaik-Stückchen – frei von jeglicher Sentimentalität und jeglichem Selbstmitleid,…

…und mir wurde wieder schnell deutlich: Rafik Schami besticht auch hier mit seiner großen Erzählkunst.

„Eine Geschichte ist dann gut, wenn sie für kluge Menschen jeglichen Alters geschrieben wurde.“

Wie wahr…!!!

erschienen bei Hirnkost/ ISBN: 978-3945398654

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!