MONTAGSFRAGE #77: Buch mit Huhn (oder Ei)?

Das letzte Mal, wo ich – so wie heute – nach dem Lesen einer Frage hysterisch aufgelacht habe, war im Jahre 1989, als ich einen ersten Blick auf die Aufgaben der Abi-Klausur im Fach „BWL“ warf. Das Ergebnis waren „sensationelle“ 3 Punkte. Für meine Abi-Klausur im Fach „Deutsch“, in der ich eine gelungene Abhandlung zu „Die Geschwister Oppermann“ von Lion Feuchtwanger lieferte, gab es dann stattliche 13 Punkte. Somit dürfte klar sein, warum ich hier Bücher rezensiere und keine Wirtschafts-Tipps gebe!

Doch nun habe ich ausgelacht, mich halbwegs wieder beruhigt und könnte mich somit der Beantwortung der heutigen Montagsfrage widmen. Unsere Hüterin der Montagsfragen Antonia sprach von einer recht leichten Frage: Hm, ja, nee, is klar…!

Morgen erscheint auf meinem Blog der erste Beitrag zu „Literaten im Fokus“, und so kreisen meine Gedanken seit einigen Tagen um Agatha Christie und ihren literarischen Geschöpfen. Wen wundert es da, dass mir bei dieser Frage als erstes der Name eines kleinen Belgiers (…nicht Franzose: Drauf legt er gesteigerten Wert!) einfiel.

  • Frage: Buch mit Huhn (oder Ei)?
  • Antwort: Jeder Roman mit Hercule Poirot in dem er ein Frühstück zu sich nimmt!

Unser genialer wie pedantischer Meisterdetektiv hat ein ausgewachsenes Faible für Symmetrie. Dieser Spleen geht soweit, dass er zum Frühstück immer 2 weichgekochte Eier zu sich nimmt, die in Größe und Aussehen absolut identisch sein müssen. Hierbei verlässt sich Poirot (ausnahmsweise) nicht auf sein exzellentes Augenmaß, sondern prüft Höhe und Breite der Eier mit Hilfe eines kleinen Lineals. Sind diese Eier nicht vollkommen, dann müssen sie – Vite! Vite! – schnellstens durch 2 neue Eier ersetzt werden. Poirot liebt die Perfektion, die er bis zur Manie pflegt.

Aber wahrscheinlich haben gerade diese kauzigen Eigenarten ihn zu dem erfolgreichen Meisterdetektiv werden lassen, dessen Beliebtheit bei der Leserschaft nach wie vor ungebrochen scheint.

…Buch, Huhn oder Ei? Was war als erstes da???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] August Heinrich Hoffmann von Fallersleben – DAS OSTEREI

Hei, juchhei! Kommt herbei!
Suchen wir das Osterei!
Immerfort, hier und dort
und an jedem Ort!

Ist es noch so gut versteckt,
endlich wird es doch entdeckt.
Hier ein Ei! Dort ein Ei!
Bald sind’s zwei und drei!

Wer nicht blind, der gewinnt
einen schönen Fund geschwind.
Eier blau, rot und grau
kommen bald zur Schau.

Und ich sag’s, es bleibt dabei,
gern such ich ein Osterei:
Zu gering ist kein Ding,
selbst kein Pfifferling.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

[Rezension] Das Buch der Märchen/ ausgewählt und illustriert von Friedrich Hechelmann

Mit „Es war einmal…“ fangen alle Märchen an! Tatsächlich alle? Bei den in diesem Buch versammelten 22 Märchen beginnen nur 8 von ihnen mit diesem bekannten Opener, wovon 7 Geschichten aus der Feder der Brüder Grimm stammen. Ist dies nur ein Zufall und der vorliegenden Auswahl geschuldet? Ich weiß es nicht. Es ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist nur zu wissen, dass Friedrich Hechelmann hier eine abwechslungsreiche Auswahl an bekannten und weniger bekannten Märchen getroffen hat. Dies gilt sowohl für die Werke des schon genannten Brüderpaars (12) als auch für die Märchen von Wilhelm Hauff (3) und Ludwig Bechstein (6). Selbst Eduard Mörike ist mit seinem Märchen „Die Historie von der schönen Lau“ vertreten und bildet den krönenden Abschluss einer gelungenen Zusammenstellung, bei der sich Hechelmann auf die deutschen Märchensammler beschränkt hat.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einen enormen Nachholbedarf an Märchen von Hauff und Bechstein hatte, und auch Mörike war mir nicht als Märchenerzähler in Erinnerung. Doch dank dieses Märchenbuches konnte ich Abhilfe leisten…!

Märchen regen die Fantasie an, verpacken ihre Botschaft in eine spannende Geschichte und spielen mit Zeit und Raum. Die Charakterisierung der Figuren erfolgt in klaren Grenzen: Menschen mit guten Tugenden werden belohnt und das Böse hart bestraft. Märchen sind in ihrer Aussage oft auch sehr plakativ. Und so gibt es nur wenige Märchenbücher, die ihre Geschichten nicht in Kombination mit Illustrationen präsentierten.

Auch hier war Friedrich Hechelmann sehr aktiv und schuf für jedes Märchen einerseits ganzseitige Illustrationen, andererseits fügte er Bilder hinzu, die durchaus passend aber nicht explizit für dieses Märchen entstanden sind. Bei den Märchenbildern spielt der Künstler teilweise sehr humorvoll mit den Regeln der Dimension, verschiebt die Proportionen der Figuren beinah ins Groteske, präsentiert aber eine kindgerechte Märchenwelt in warmen, satten Farben. Die Illustrationen, die nicht unbedingt dem Märchen zugeordnet werden können, sind deutlich „stiller“. Sie „schreien“ nicht und springen dem Betrachter nicht unbedingt sofort ins Gesicht. Dafür verströmen sie eine zarte, beinah mystische Atmosphäre und zeigen mit der meisterlichen Kombination von Licht, Schatten und Farben eine Tiefe, die einen enormen Sog entwickelt. Die ausgewählten Bilder repräsentieren eine Schaffensperiode von vierzig Jahren.

Erwähnenswert empfinde ich auch die Zeichnungen zu den Anfangsbuchstaben der Märchen: Hier zimmern und bauen zwei Männchen – zum Teil mit einer Leiter bewaffnet – die Buchstaben aus Einzelteilen zusammen. Ein wunderbarer, augenzwinkernder Spaß…!

Ich besitze schon so einige Märchenbücher, und doch kommt von Zeit zu Zeit immer gerne wieder eins dazu!

Mein liebes Cousinchen, ich danke Dir von Herzen für dieses wundervolle Geschenk! ❤


erschienen bei Sanssouci/ ISBN: 978-3990560099

MONTAGSFRAGE #76: Welche Bücher könnt ihr Eltern (& gelangweilten Kindern) gerade sehr empfehlen?

Hihihi! So eine einfache Frage…! Antwort: Na, alles von Astrid Lindgren und Erich Kästner! So, fertig…!

Nein, keine Bange, so einfach mache ich es mir natürlich nicht. Aber da ich immer sehr gerne und mit wachsender Begeisterung auch der Kinder- und Jugendliteratur ein Plätzchen auf meinem Blog einräume, stöbere ich für Euch etwas in meiner Rubrik „Das geschriebene Wort…“ und stelle Euch eine kleine Kollektion zusammen:

Für kleine und große Entdecker…

Zauberhafte Bilderbücher mit Botschaft…

Klassiker: neu interpretiert…

Märchen schreibt die Zeit…

Lindgren, Kästner & Co. …

Woher nehmen und nicht stehlen…

Wer sich nun noch fragt, wie er in Zeiten der heimischen Isolation an Lesestoff kommen soll, für den habe ich hier drei ganz pragmatische Tipps:

  • Viele Buchhändler sind nach wie vor telefonisch, per Mail oder Fax für uns erreichbar und verfügen über einen Online-Shop: Einfach das gewünschte Buch bestellen und – Schwupps! – wird es bis vor die Haustür geliefert. Die Buchhandlung in Eurer Nachbarschaft findet Ihr hier.
  • Auch die Bibliotheken im Land sind weiterhin sehr rührig. Viele bieten in Zeiten von Corona eine kostenlose „Onleihe“ an. Erkundigt Euch gerne bei der Bibliothek in Eurer Nähe, ob sie diesen Service auch anbietet. Adressen findet Ihr hier.
  • Tauschen, tauschen, tauschen: Einfach mal bei Familie, Freunden und Nachbarn nachfragen, ob diese interessante Bücher haben oder ihnen die eigenen Bücher anbieten. Beim nächsten Spaziergang wird das Buch sicher am vereinbarten Ort (Terrasse, Garage, Carport) hinterlegt. Zudem wäre es eine wunderbare Geste, wenn eine witzige Karte mit einer persönlichen Nachricht beim Buch liegen würde! Manchmal bedarf es nur einer Kleinigkeit, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten! 🥰

Wer jetzt noch jammert, sie/er hätte nix mehr zu lesen, ist selber schuld!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Sarah-Jane Stratford – Radio Girls

Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts: Der 1. Weltkrieg war zwar vorbei aber noch lange nicht vergessen. Die Gesellschaft war im Umbruch begriffen. Das öffentliche Leben nahm wieder an Fahrt auf, und auch die Frauen definierten sich und ihre Rollen neu. Die Welt schien ihnen offen zu stehen: Doch viele unausgefochtene Kämpfe warteten noch auf sie, da das männliche Patriarchat noch allgegenwärtig war. Frauen eroberten sich Berufe, die sonst den Männern vorbehalten waren. Und auch das neubeschlossene Frauenwahlrecht leistete seinen grundlegenden Anteil zur weiblichen Emanzipation…!

Es ist das Jahr 1926. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Maisie Musgrave bewirbt sich bei der BBC – British Broadcasting Corporation, in der Hoffnung einen der begehrten Posten als Sekretärin zu ergattern. Das Glück ist ihr hold: Trotz mangelnder Referenzen wird sie einerseits die Assistentin der Sekretärin vom Generaldirektor John Reith, andererseits soll sie auch als Sekretärin für den Programmdirektor der Vortragsabteilung tätig sein. Zu ihrer größten Überraschung entpuppt sich der Programmdirektor als die agile, moderne und intelligente Hilda Matheson, die mit gewagten Themen und provokanten Referenten einen frischen, modernen Wind durch die BBC wehen lässt – häufig sehr zum Missfallen von Direktor John Reith, der zwar eine gute Publicity durchaus zu schätzen weiß, ansonsten allerdings eher einen konservativen Kurs fährt. Maisie ist fasziniert von dieser scharfsinnigen Frau und entdeckt dank dieser Mentorin ihr eigenes Potential. Peu à peu entwickelt sie sich vom schlichten, verängstigten Mädchen zur gescheiten, selbstbewussten jungen Frau, die, selbst als ihr Liebster dem Einfluss von Faschisten verfällt, nicht von ihrer Haltung abweicht…!

Der Autorin Sarah-Jane Stratford ist – Wie formuliere ich es treffend? – ein pulsierender Roman gelungen. Ja, „pulsierend“ trifft es am besten: Sie treibt die Handlung zügig voran und porträtiert das Arbeiten im Savoy Hill, dem damaligen Sitz der BBC, als ein schwirrender Bienenstock, wo weder die Zeit noch die dort tätigen Menschen still zu stehen scheinen. Alles ist in Bewegung! Schnelligkeit scheint gefordert! Ein rasches Handeln entscheidet über Erfolg oder Misserfolg!

Das Auftreten historischer Persönlichkeiten und die geschichtlichen Ereignisse der Zeit (Frauenwahlrecht, der schwarze Freitag) werden geschickt mit der Handlung verwoben, ohne dass dies aufgesetzt wirkt oder den Fluss der Geschichte bremst. Auch die Gefahr, die durch die Anhänger des Faschismus in Großbritannien ausgeht, wird glaubhaft dargestellt und ohne übermäßige Effekthascherei beschrieben.

So gibt die Autorin uns einen interessanten Einblick hinter den Kulissen der damals noch recht jungen BBC, der den Rahmen für die eigentliche Geschichte bildet. „Radio Girls“ ist im Grunde eine Geschichte über die Emanzipation der Frauen. Maisie Musgrave steht stellvertretend für alle Frauen, die die Ketten der Vergangenheit abschüttelten, den männlichen Konventionen trotzten und ihre Chancen ergriffen, da sie mehr wollten (und konnten!) als einzig und allein Schreibkraft, Vorzimmerdame, Ehefrau oder Mutter zu sein.

…ein lockerer Unterhaltungsroman, der sich – wie in meiner Antwort zur MONTAGSFRAGE# 74 schon erwähnt – definitiv als Quarantäne-Lektüre eignet. 😉


erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442716449

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #75: Habt ihr im Moment mehr oder weniger Zeit zum Lesen?

Die heutige Montagsfrage kann ich mit einem schlichten und pragmatischen „weder/noch“ beantworten.

Mein Leben verläuft (noch) in verhältnismäßig normalen Bahnen: Ich gehe nach wie vor in gewohnter Weise meiner Arbeit nach, kümmere mich um Haushalt und Garten und tätige die Einkäufe des täglichen Bedarfs. Auch das tägliche Füttern der .LESELUST-Seite auf facebook mit Inhalt bindet eine gewissen Zeit.

Nebenbei mache ich mir schon Gedanken bzgl. der Oster-Präsente für Familie und Freunde und habe diesbezüglich schon die ersten Gutscheine bei den ortsansässigen Geschäften geordert.

Durchaus fehlen mir die regelmäßigen Besuche von Theater, Konzert, Kino u.v.m., und ich versuche dies mit einem Klick auf die div. kulturellen Online-Seiten zu kompensieren.

Was ich allerdings nur mäßig kompensieren kann (und da helfen Telefonate auch nur bedingt), sind Treffen mit lieben Menschen. Ich bin eben der soziale Typ und brauche den direkten Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden. Der Gedanke, dass dieser Zustand vielleicht noch Wochen anhält, lässt mich durchaus schwindlig werden. Aber aufgeben und jammern wären definitiv keine Optionen für mich. Da heißt es eher „Arschbacken zusammenkneifen und durch…!“

Doch dass die Langeweile mich nun schier überrollt und zum vermehrten Lesen animiert, kann ich nun nicht behaupten.

…und wie sieht es bei Euch aus: Lese-Flut oder Lese-Flaute???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

Literaten im Fokus…

Manchmal ist es wie verhext: Ohne eigenem Zutun und somit beinah wie aus heiterem Himmel fallen mir manchmal Bücher zu Autorinnen und Autoren in den Schoss, die sich wunderbar eignen, um im überschaubaren Rahmen einer kleinen Monats-Reihe hier auf meinem Blog rezensiert zu werden. Dabei handelt es sich einerseits um Original-Werke der jeweiligen Autorin/ des jeweiligen Autors aber auch um Begleit-Werke, die auf die originalen Werke Bezug nehmen, von ihnen inspiriert wurden oder deren Autor*innen als Zeitzeugen fungieren.

Bei allen 4 Autor*innen handelt es sich um bekannte Namen in der Literatur: Alle werden von mir gleichermaßen hochgeschätzt und sind mit ihren Werken durchaus schon häufiger auf meinem Blog in Erscheinung getreten. Doch nun möchte ich Euch nicht länger auf die Folter spannen und Euch die Namen meiner 4 Auserwählten verraten…!

Ladies First: Ich beginne meine kleine Reihe im April mit Agatha Christie, der unumstrittenen „Queen of Crime“. Im Juni werfen wir einen (Augen-)Blick auf das Schaffen vom großen Literaten Erich Kästner. Der August offenbart uns das eine oder andere Highlight aus dem Œuvre von Georges Simenon. Im Oktober verweilen wir einen Moment bei Christopher Isherwood und ergötzen uns an seinem Talent.

Wir Buch-Blogger neigen dazu, allzu häufig auf die Verlagsvorschauen mit den Neuerscheinungen zu schielen und übersehen darüber leicht die literarischen Schätze der Vergangenheit. Vielleicht kann ich mit meiner kleinen Reihe dem ein wenig entgegenwirken und hoffe, dass Euch diese kleinen Retrospektiven viel Freude bereiten!!!

[Rezension] Jeff Cohen – Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen

Samuel Hoenig ist der felsenfesten Überzeugung, dass die Menschheit nur auf seine neugegründete Agentur „Fragen Beantworten“ gewartet hat. Schließlich hat jeder Mensch hin und wieder eine Frage, die es effizient und logisch zu beantworten gilt, und darin ist Samuel ein wahrer Meister. In vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens ist er eher überfordert und neigt zu Fehleinschätzungen. Als Asperger-Autist liegen seine Kernkompetenzen eben nicht im zwischenmenschlichen Bereich. Da kommt ihm die Unterstützung von Janet Washburn gerade recht, die der Zufall in sein Büro geweht zu haben scheint, und die er kurzerhand als seine Partnerin/Assistentin rekrutiert. Aber auf die Verlässlichkeit vom „Zufall“ verlässt sich Samuel nicht, besonders nicht beim Beantworten der Frage „Wo ist der Kopf von Mrs. Masters-Powell?“, die Dr. Marschall Ackerman ihm stellt. Als Direktor eines Instituts, das sich mit Kryonik beschäftigt, war ihm bedauerlicherweise der tiefgefrorene Kopf eines „Gastes“ abhanden gekommen. Bei einem Ortstermin stolpern Samuel und Janet zudem über die Leiche einer beim Institut angestellten Ärztin und finden sich unversehens zwischen einem inkompetenten Detective, dem ruppigen Sicherheits-Chef, der neugierigen Science-Bloggerin und den aufgebrachten Familienangehörigen von Mrs. Masters-Powell wieder. Da heißt es umso mehr, einen kühlen Kopf zu bewahren, um nicht ebendiesen zu verlieren…!

„Spezielle“ Ermittler scheinen seit einiger Zeit sehr „en Vogue“: So flimmerte ab 2002 Tony Shalhoub als neurotischer Adrian Monk über unsere Bildschirme, und auch der deutsche Autor Gil Ribeiro (alias Holger Karsten Schmidt) schickte 2017 mit Lost in Fuseta einen Ermittler mit Asperger-Syndrom ins literarische Rennen.

Bei allen genannten Darstellungen wird der Betroffene nie als Witzfigur oder Freak bloßgestellt, und auch zum Mitleid besteht hier keinen Grund. Gerade diese Andersartigkeit, die oftmals gepaart ist mit einem extrem logischen Geist, macht diesen Ermittler-Typ so einzigartig und vielschichtig.

Ebendies ist Autor Jeff Cohen auch mit der Figur des Samuel Hoenig gelungen. Dadurch, dass er sich nicht von menschlichen Empfindungen, verbalen Floskeln und gesellschaftlichen Konventionen ablenken lässt, arbeitet er äußerst effizient. Damit er nicht in peinliche Fallen tappt, die das zwischenmenschliche Miteinander so mit sich bringen, etabliert Cohen mit der empathischen Janet Washburn eine Figur, die einerseits als attraktiver Sidekick für Hoenig fungiert, andererseits mit einer eigenen Geschichte, die sicherlich Potenzial für weitere (auch zwischenmenschliche) Verwicklungen in sich birgt, ausgestattet wurde.

Seine Erfahrungen als Drehbuchautor kommen auch diesem Krimi zugute: Die Handlung gewinnt mehr und mehr an Fahrt, Verwicklungen nehmen zu, und jede/r erscheint irgendwie verdächtig. Zudem spielt Cohen unterhaltsam mit Klischees, die wir aus bekannten TV-Serien kennen und lieben. Zudem gelingt ihm das Kunststück, den „Behinderten“ zwischen all den „Nichtbehinderten“ mit ihren Allüren, Ängsten und Geheimnissen erfreulich „normal“ erscheinen zu lassen und gönnt dieser Figur den nötigen Raum zur Entwicklung.

Alles in allem ist dem Autor ein witziger und kurzweiliger Krimi für entspannte Lesestunden geglückt: Manchmal braucht es aber auch nicht mehr!


erschienen bei Blanvalet/ ISBN: 978-3734103490

MONTAGSFRAGE #74: Welches Buch hast du zuletzt beendet, und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

Vorweg: Jedes Buch, das begeistert, fesselt, zum Nachdenken anregt und unterhält, taugt als gute Quarantäne-Lektüre. Obwohl: Albert Camus „Die Pest“ würde ich zurzeit eher höchst ungern lesen wollen, ebenso wie alle sonstigen Romane mit Endzeit-Szenarien. Somit habe ich innerhalb von Sekunden meinem „Vorweg“ mit einem „Obwohl“ widersprochen. …?!… Ach, egal…!

Gerade beendet habe ich den Roman „Radio Girls“ von Sarah-Jane Stratford, der nun auf seine Rezension wartet. Darum bitte ich um Euer Verständnis, dass ich mich bezüglich des Inhalts noch etwas bedeckt halte. Aber ein paar Eckdaten – sozusagen als Appetizer – könnte ich Euch doch schon kundtun: 20er-30er Jahre, Anfänge der BBC, starke Frauenfiguren, Emanzipation, Spionage…! Nein, mehr wird nicht verraten! Nur noch dies: Es eignet sich sehr als unterhaltsame Quarantäne-Lektüre.

Ansonsten versuche ich, mich nicht von der momentanen Situation niederringen zu lassen. Einerseits verfüge ich in meiner Tätigkeit als Krankenpfleger nicht über die Zeit, um ausgiebig zu jammern. Andererseits versuche ich meine Möglichkeiten zu nutzen, um möglichst viel positive Energie in die Welt zu schicken. So habe ich meine fb-Seite (www.facebook.com/andreaskueck.leselust) re-aktiviert, poste wieder alles und nichts rund um Literatur, Kultur und was mir sonst so ein- und gefällt und evtl. meinen Leser*innen Freude bereitet.

Zum Glück wird es mir an Literatur nicht mangeln, da die Buchhandlung meines Vertrauens nach wie vor via Online-Shop für mich erreichbar ist. Letzte Woche wurde mir meine erste Bestellung von der Buchhändlerin meines Vertrauens per Fahrrad bis zur Haustür geliefert (Übrigens: Einen Online-Shop haben schon sehr viele Buchhandlungen im Bundesgebiet.). Und da ich momentan deutlich weniger Geld für Tinnef verplempere, wird sicherlich die nächste Buchbestellung in kürzester Zeit folgen.

Für das Wochenende planen wir, unsere Nachbarn zum „Café Kokolores“ einzuladen: Unser Küchenfenster grenzt an deren Innenhof. Wir öffnen das Fenster und sitzen in unserer Küche mit eigenem Kaffee und Kuchen, während unsere Nachbarn sich im Innenhof mit ihrem Kaffee und Kuchen befinden. Der Sicherheitsabstand bleibt gewahrt, und trotzdem sehen wir uns und können mal wieder klönen.

Gerade dieses „sich sehen und klönen“ fehlt mir zwar sehr, und ich kann es recht gut mit Telefonate und Mails mit/an meine Lieben kompensieren. Doch wenn mein 4-jähriger Patensohn mir per Telefon zuruft „Ich hab dich lieb!“, dann nützen auch keine Durchhalteparolen: Da rollen bei mir die Tränen, und ich finde die Situation ziemlich „Schei…!“. Umso mehr freue ich mich auf die Zeit, wenn wir wieder über den Spielplatz toben oder die Enten am Teich mit Brot bewerfen. 😘

In diesem Sinne: Bleibt gesund & haltet durch!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Nina Hundertschnee – Leopeule/ mit Illustrationen von Pe Grigo

Im Nest der Euleneltern liegen 5 Eier: 4 Eier sehen sich sehr ähnlich. Das 5. Ei ist goldgelb mit dunklen Punkten und lässt schon erahnen, dass hier eine besondere Eule aus dem Ei schlüpfen wird. Aber während die Geschwistereulen alle schon dem Ei entsprungen sind, lässt sich Leopeule Zeit mit dem Schlüpfen. Aber Leopeule braucht für alles mehr Zeit: Während die Geschwister ihre Umwelt erkunden, sitzt Leopeule ängstlich im Nest, denn Fliegen kann sie nicht, und hüpfen kann sie nicht, und singen kann sie auch nicht. Dabei wäre Leopeule so gerne wie alle anderen. Doch mit ihrem goldgelben Gefieder mit den dunklen Punkten fällt sie auf, und die anderen Vögel fragen „Was ist das?“. „Ich weiß nicht“, antwortet da Leopeule. „Ich glaube, das bin einfach ich.“ Und trifft mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf. Sie kann zwar nicht viele von den Dingen, die andere Vögel können, aber als einzige bemerkt sie den Fuchs, der sich an die Vögel anschleicht. Da offenbart sich ein Talent, das die anderen Vögel nicht besitzen: …das Talent, Füchse in die Flucht zu schlagen!

Autorin Nina Hundertschnee ist selber Mutter einer „Leopeule“: Ihre Tochter kam mit Trisomie 21 auf die Welt. Sie schuf mit der Illustratorin Pe Grigo ein reizendes Bilderbuch, das das Thema der Andersartigkeit charmant beschreibt. Dank dem ansprechenden Text und den bunten, positiv wirkenden Illustrationen können auch kleinere Kinder erfahren, dass es absolut okay ist, anders zu sein. Diese Andersartigkeit birgt sogar die Chance, mit Talenten zu glänzen, die andere Kinder vielleicht nicht haben.

Die Texte von Nina Hundertschnee sind in einer einfachen, leicht verständlichen Sprache gehalten und bieten viele Anknüpfungspunkte aus dem eigenen Erleben eines Kindes. Pe Grigos Illustrationen greifen diese Einfachheit auf, amüsieren trotzdem mit entzückenden Details (z. Bsp. die zwei einsamen Federn auf Leopeules Kopf) und schaffen für die Handlung eine wahre Bilderbuch-Kulisse.

Dieses Bilderbuch ist ein Plädoyer dafür, dass jedes Kind etwas Besonderes ist, und es auch sein darf! Dank der unterschiedlichen Persönlichkeiten, die uns tagtäglich begegnen, ist unsere Gesellschaft interessant und abwechslungsreich. So gebe auch ich gerne meinen bescheidenen Beitrag zu einer bunten Welt voller Vielfalt!

Natürlich hat es seinen Grund, dass gerade am heutigen Tag diese Rezension erscheint. Denn…

…heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag!


erschienen bei HarperCollins Dragonfly / ISBN: 978-3748800262

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!