MONTAGSFRAGE #49: Wie wichtig ist der Autor eines Buches?

Lange haben die Nachbarn meinen Schrei nicht gehört (s.a. hier): Heute hatten sie wieder das „Vergnügen“. WAS für eine Frage…!

Vorab: Da ich wenig bis nix im Fantasy-Bereich lese, kann ich zwar Antonias Ausführung bzgl. J.K. Rowling und der Harry-Potter-Welt durchaus nachvollziehen, komme allerdings selbst wenig in Verlegenheit diesbezüglich. Meinen Standpunkt zu Prequels bzw. Sequels habe ich zudem schon in MONTAGSFRAGE #34 dargelegt.

Darum: Ich erlaube mir „aus einer anderen Richtung“ auf diese Frage zu schauen und gestatte mir somit einen Perspektivwechsel…!

Natürlich sind viele Parteien am Entstehen eines Buches beteiligt, wobei die Anzahl der Beteiligten variieren kann – je nachdem ob ein renommierter Verlag involviert ist oder ein Autor in Eigenregie veröffentlicht. Aber ich unterstelle einmal, dass selbst der Self-Publisher sein Werk Freunden zur Durchsicht präsentieren wird, bevor er es veröffentlicht. Und somit nimmt jeder, der einen Blick auf dieses Werk wirft, Einfluss. Schlussendlich entscheidet aber nicht das hübsche Cover darüber, ob mir ein Buch gefällt, sondern der Inhalt.

Somit: Der Löwenanteil am Entstehen eines Buches gebührt dem Autor. Sein Talent UND – sofern mir bekannt (!) – seine Persönlichkeit entscheiden bei mir über Gefallen oder Nichtgefallen. Das Buch könnte noch so zauberhaft-phantasievoll, raffiniert konstruiert und/ oder intellektuell anspruchsvoll sein, würde die Geisteshaltung des Autors völlig konträr zu meiner eigenen stehen, würde ich dieses Buch nicht lesen, bzw. ich würde ein schon gelesenes Buch aus meiner Sammlung entfernen (…so auch schon passiert!).

Ich finde es zudem sehr zweifelhaft innerhalb eines erfolgreichen Konzepts einen Autoren gegen einen anderen zu ersetzten. Für mich hat diese Vorgehensweise immer ein bitteres „Geschmäckle“ und stinkt nach Profitgier. Beispiele gefällig? Sehr gerne!

Anfang der 90er Jahre tauchte auf dem Buchmarkt plötzlich eine Fortsetzung zu Margaret Mitchells Roman „Vom Winde verweht“ auf, und ich habe mich gefragt „Wer braucht so etwas?“. „Vom Winde verweht“ habe ich durchaus gerne gelesen und freue mich schon sehr auf die Neu-Übersetzung, die Anfang des kommenden Jahres erscheinen wird. Die Fortsetzung „Scarlett“ wurde von mir keines Blickes gewürdigt…!

Vor einigen Jahren gaben die Erben von Agatha Christie ihr Einverständnis für „neue“ Kriminalromane mit Hercule Poirot aus der Feder von Sophie Hannah. Zur Erklärung: Im Roman „Vorhang“ von 1975 lässt Christie ihren weltberühmten Detektiv sterben. Für mich ein Indiz, dass sie diese Serie als abgeschlossen bzw. vollendet sieht. Mir erschließt sich somit nicht die Sinnhaftigkeit für „neue“ Kriminalfälle mit dem kleinen, pedantischen Belgier – so sehr ich ihn auch liebe und verehre! Welche unbekannten Facetten könnte Mrs. Hannah dieser Figur entlocken, die die „Queen of Crime“ uns nicht schon längst offenbart hätte?

Schimpft mich einen Pedanten, aber Poirot ist nur „echt“ von Christie. Punkt! Aus! Ende!

Was bedeutet es somit im Umkehrschluss? Das Konzept entscheidet über den Erfolg, der Autor ist austauschbar? …eine wahrlich gruselige Vorstellung!

…und wie lautet Eure Meinung zu diesem Thema???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Christopher Isherwood – Leb wohl, Berlin

Willkommen! Bienvenue! Welcome!

Berlin, Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts: Der junge Schriftsteller Christopher Isherwood kommt in diese pulsierende Metropole auf der Suche nach Inspiration für einen Roman. Inspiration findet er nicht – dafür verleiten ihn die vielen Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten: Persönlichkeiten, die nur eine Stadt wie Berlin hervorbringen oder anlocken kann.

Inspiration! – Inspiration brauchte der reale Isherwood nicht zu suchen! Inspiration hatte Isherwood zuhauf direkt vor seiner Nase!

Da ist seine ältliche Zimmerwirtin Fräulein Schroeder, die ihren besseren Zeiten hinterher träumt und trauert, über ihre Mieter stellvertretend am Leben teilnimmt und sich gezwungenermaßen mit jeglicher Regierung akklimatisiert. Was bleibt ihr auch übrig: Wo soll sie sonst hin?

Da ist der junge Otto Nowak, der mit seiner Familie in einem Hinterhof des Hinterhofs eines Hinterhofs lebt, und die in ihrer erbärmlichen Trostlosigkeit willig den Nährboden bietet für die Versprechungen der Nazis.

Da ist der intellektuelle Bernhard Landauer, Geschäftsmann aus dem noblen Villenviertel, der in seiner passiven Resignation gegenüber der Realität zwangsläufig zum Opfer für die Gräueltaten der Nazis wird.

Da ist die kapriziöse Sally Bowles, semi-talentiert aber dafür selbst-überschätzend, mit einem Hauch Verrücktheit, einer sexuellen Freigiebigkeit und einem hohen Maß an Unkompliziertheit, die in der damaligen Zeit sowohl für Faszination wie für Verwirrung bei ihren Mitmenschen sorgt.

 „Ich bin eine Kamera mit offenem Verschluss, ganz passiv, ich nehme auf, ich denke nicht.“

Der Autor wirkt beinah neutral und begegnet seinen Protagonisten wertfrei: Er ist Beobachter, nicht Analytiker. Er beschreibt die Szenerie durchaus detailliert aber unvoreingenommen. Trotzdem schafft er Atmosphäre ohne indifferent zu erscheinen.

Er porträtiert seine Protagonisten mit Witz, vermeidet es indes, sie der Lächerlichkeit preiszugeben – im Gegenteil: Oftmals offenbart sich in den alltäglichen Szenen und den scheinbar belanglosen Begegnungen eine bemitleidenswerte Tragik. Während die ersten Kapitel noch sehr detailliert das Geschehen wiedergeben, wirkt das letzte Kapitel mit seinen kurzen Episoden wie schnelle Schlaglichter, die eine wahrgenommenen Situation fragmentiert wiederspiegeln und trotz ihrer Kürze das Vage einer zunehmend unsicheren Wirklichkeit vermitteln.

Somit ist Christopher Isherwoods Episodenroman aus dem Jahre 1939 ein literarisches Zeugnis seiner Zeit und spiegelt eine Gesellschaft im Umbruch wieder: Das Weltoffene und Tolerante der Weimarer Republik ist noch spürbar, das Kleingeistige und Menschenverachtende des Nationalsozialismus ist schon zu erahnen. Das Berlin einer Sally Bowles wird bald Vergangenheit sein: Eine Epoche neigt sich dem Ende entgegen…!

Auf Wiedersehen! A bientôt! Good night!

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Foto: Gedenktafel am Haus Nr. 17 in der Nollendorfstraße in Berlin-Schöneberg

erschienen bei Hoffmann & Campe/ ISBN: 978-3455405002

MONTAGSFRAGE #48: Erfahrungen mit self-publishing Autoren?

Ein sehr häufig (Vorsicht: Subjektivität!) auftretendes Phänomen unter Buch-Blogger*innen scheint zu sein, dass viele auch das Verlangen in sich verspüren, einen eigenen Roman zu verfassen und greifen zur Verwirklichung dieses Traums zur Möglichkeit der „Selbstveröffentlichung“ – so weit so gut…!

Ein sehr guter Freund veröffentlicht seine Fachbücher zum Thema „Seenotrettung“ in Eigenregie: Ihm war durchaus bewusst, dass renommierte Verlage dieses Thema nicht unbedingt zu ihrem „Favourite“ küren würden. Dafür hat er sich im Laufe der Jahre mit Publizierung auf entsprechenden Foren eine kleine aber feine Anhängerschaft erarbeitet. Und genau das ist es für Self-Publisher: Arbeit! Es gibt keinen renommierten Verlag im Hintergrund, der die Finanzierung, das Lektorat, die Gestaltung des Covers, die Werbung und all die weiteren kleinen Aufgaben übernimmt. Hier ist der Self-Publisher als „Hans Dampf in allen Gassen“ für ALLES selbst verantwortlich! Hochachtung!

Meine persönlichen Erfahrungen mit self-publishing Autoren sind eher überschaubar: Über lovelybooks habe ich an zwei Leserunden, bei denen die Autoren ihre neusten, in Eigenregie publizierten Werke zur Verfügung stellten, teilgenommen.

Im ersten Fall handelte es sich um einen Friesen-Krimi: Der Krimi war flott geschrieben, gefiel mit einer gut durchdachten Handlung und bot überraschende Wendungen. Nur leider empfand ich einige Szenen wie auch Charaktere als wenig ausgearbeitet und mir fehlte etwas mehr »Flair« des Handlungsortes. Der Funke wollte einfach bei mir nicht überspringen! Dies habe ich dem Autor respektvoll mitgeteilt und ihn gebeten, auf eine Rezension von mir freundlichst zu verzichten.

Beim zweiten Mal handelte es sich um eine Anthologie mit Geschichten schwuler Thematik: Diesmal habe ich eine Rezension veröffentlicht und meine Meinung kundgetan. Ich erhielt daraufhin vom Autor eine sowohl nette wie ausführliche Mail in der er mir sehr explizite Fragen stellte, die ich ihm ebenso nett und ausführlich aber auch respektvoll-ehrlich beantwortet habe. Eine weitere Antwort vom Autor blieb aus…!

Ebenso wurde ich durchaus schon direkt – sei es über lovelybooks oder per Mail-Adresse meines Buch-Blogs – von Autoren angesprochen, ob ich Interesse hätte, ihr Werk zu lesen, um es danach selbstverständlich auch zu rezensieren. Ich habe höfflich abgelehnt, da die Themen der Werke nicht meinen Interessengebieten entsprachen. Apropos Interessengebiete: Ich habe manchmal den Eindruck (Vorsicht: Subjektivität!), dass besonders self-publishing Autoren ein wirres Themen-Allerlei in ihren Werken verwursten, getreu dem Motto „Alles, was ich selbst gerne lese, packe ich in einen (!) Roman!“. Da ist dann von einem „young-adult-dark-fantasy-gothic-crime-thriller“ die Rede, und allein das Lesen dieser Bezeichnung überfordert mich schon kolossal…!!!

Prinzipiell ist Self-Publishing ein guter Weg, seinen Traum von einem eigenen Buch zu erfüllen – wenn die Qualität stimmt. Aber da gelten dieselben Regeln wie bei den Verlagsprodukten: Gekauft wird, was gefällt! Ähnliches gilt auch für meinen Blog: Rezensiert wird, was mir gefällt!

Jede/r Buchblogger*in, die/der Interesse an self-publishing Autoren hat, findet Kontakte auf den entsprechenden Internet-Foren, wie z. Bsp. „Buchblogger gesucht!“ auf facebook.

Ich wünsche Euch sowohl „Viel Erfolg!“ als auch „Viel Spaß!“

…und welche Erfahrungen habt Ihr schon mit self-publishing Autoren gemacht?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Rachel Williams – Magische Welten. Entdecke verborgene Lebensräume mit der Zauberlupe!/ mit Illustrationen von Carnovsky

Das liebste Patenkind der Welt war wieder begeistert und hielt mich für den mega-coolste Patenonkel…!

10 magische Welten – vom Kongo-Regenwald über das Anden-Gebirge bis zur Serengeti-Ebene – verbergen sich in diesem Riesen-Bilder-Sach-Buch, und dank der Zauberlupe öffnen sich diese Welten dem Betrachter erst auf dem zweiten oder dritten Blick. Je nachdem durch welche der drei Farb-Lupen der Blick fällt, geben sich entweder die tagaktiven Tiere (rot), die nachtaktiven Tiere (blau) oder die Flora (grün) des jeweiligen Lebensraums zu erkennen. Auf 3 Doppelseiten pro Reiseziel erfährt der interessierte Beobachter etwas über den jeweiligen Lebensraum, erspäht auf der Aussichtsplattform dank Lupe die Tiere und Pflanzen und erfährt im Artenführer weiteres Wissenswertes über die einzelnen Tierarten. Texterin Rachel Williams versorgt uns mit dem nötigen Background-Wissen.

Die Illustrationen von Carnovsky wirken wie ein einziges unüberschaubares Durcheinander: Erst der Blick durch die jeweilige Lupe lässt die Artenvielfalt sehr detailreich erkennen. Flora und Fauna werden sehr naturalistisch, beinah wissenschaftlich dargestellt. Das Werk ist weit davon entfernt, als anspruchslose Kinderlektüre nur „putzig“ sein zu wollen. Hier haben wir es mit einem hochwertigen Sachbuch für Kinder zu tun, dass sich – auch dank des Gimmicks der Farbzauberlupe – lange das Interesse der Kids sicher sein kann.

Das liebste Patenkind der Welt hat nach dem Betrachten des Buches den Inhalt einer großen Spielzeugkiste auf dem Teppich entleert, um zu überprüfen, welche der abgebildeten Tiere er als Spielfigur besitzt. („Junger Mann, das räumst du aber schön alleine wieder auf!“)


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791372822

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Finn-Ole Heinrich – Gestern war auch schon ein Tag

Sympathisch sind sie mir nun nicht gerade – die Protagonisten in Finn-Ole Heinrichs Erzählungen. Mit keinem von ihnen würde ich einen Abend verbringen wollen. Aber der Autor möchte auch nicht anbiedernd Sympathie beim Leser erhaschen. Kantig sind sie – kantig und schnörkellos. Und dabei so echt und so weit entfernt vom Gut-Menschen.

Lieber würde ich über Gut-Menschen lesen: Es wäre für mich einfacher. Aber „einfacher“ will der Autor auch nicht sein. Er möchte unangenehm sein, seine Geschichten sollen unangenehme Emotionen beim Leser auslösen. Das Lesen dieser Erzählungen kratzt an der schönen Oberfläche des Lesers.

Aber warum empfinde ich es als unangenehm? Weil es wahrhaftig ist! Weil seine Protagonisten mit Emotionen kämpfen, die mir so vertraut sind. Weil sie Menschen sind, und somit ihre Gefühle menschlich sind – so wie auch meine Gefühle menschlich sind. Weil mir ein Spiegel vorgehalten wird, und ich erbarmungslos gezwungen werde, einen kritischen Blick in ihn zu werfen.

Schön ist es nicht unbedingt, was ich dort zu sehen bekomme.

Doch warum lese ich weiter? Weil ich erleichtert bin: Auch ich darf mir Gefühle zugestehen, die nicht „edel, hilfreich und gut“ sind. Und weil der Autor seine Figuren in all ihrer Menschlichkeit nicht bewertet: Sie werden von ihm nicht verraten, und somit fühle auch ich mich nicht bloßgestellt.

Es fällt mir schwer, die Inhalte der Erzählungen wiederzugeben: Dafür sind die Geschichten auch wieder zu unterschiedlich. Dafür sind die Schicksale der Protagonisten auch wieder zu individuell. Nur eines ist ihnen gemein: Finn-Ole Heinrich pfeift in seinen Geschichten auf den schönen Schein. Seine Geschichten sind klar. Seine Sprache ist klar – und erbarmungslos ehrlich: „Man bekommt, was man sieht!“

Glamour? Glamour muss ich mir woanders suchen! Das hier beschreibt nur das schnöde Leben!


erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442713189

MONTAGSFRAGE #47: Kann man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen?

Objektivität! Was ist das? – Ach, ist das nicht dieses Dingsbums, bei dem Reinhold Messner glaubte, es im Himalaya gesichtet zu haben: Jeder glaubt, es zu kennen, aber keiner hat es bisher gesehen?

Objektivität! Nein, ich glaube nicht, dass ich bei meinen Rezensionen objektiv bin. Vielmehr, ich bin mir sicher, dass ich es nicht bin. Und dabei ist es völlig unerheblich, ob ich das zu rezensierende Buch selbst gekauft, als Geschenk erhalten oder als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Objektivität! Ich bin eine einmalige Persönlichkeit, die durch ganz individuelle Ereignisse geleitet, eine Vielzahl an Erfahrungen geformt und den Einfluss anderer einmaliger Persönlichkeiten geprägt wurde. All diese Faktoren bestimmen meine Sicht der Dinge, d.h. jeder Mensch trägt sein individuelles Päckchen. Dieses Päckchen ist Fluch und Segen zugleich, gibt es doch vor, mit welchem Blick/ aus welchem Blickwinkel ich (um bei der heutigen Montagsfrage zu bleiben) ein Buch lese. Und bei allem was ich tue, spornt mich der Inhalt des Päckchens entweder an oder bremst mich aus. Glücklicherweise sind wir alle in der Lage, unser persönliches Päckchen mit ein Quentchen Mut ein wenig neu zu packen. Es liegt nur an uns selbst!

Apropos heutige Montagsfrage: Nein, auch ein Rezensionsexemplar beurteile ich nicht objektiv. Aber wenn mir ganz persönlich ein Buch nicht gefällt, bzw. der Funke nicht überspringen will, dann verfasse ich darüber auch keine Rezension – so schon durchaus in der Vergangenheit passiert: Dann erhalten die Mitarbeiterinnen des Bloggerportals von Random House ebenso eine „Absage“, wie ein Autor, der sein Werk in Eigenregie veröffentlicht hat – und dies selbstverständlich mit allem nötigen Respekt und Wertschätzung.

Wobei ich explizit darauf hinweisen möchte, dass ich diese Bücher generell nicht für „schlecht“ halte. Dieses vernichtende Urteil maße ich mir nicht an. Ein Buch, das mir nicht gefällt, kann selbstverständlich den Geschmack eines anderen Lesers durchaus treffen. Darum würde ich auch nie einer positiven Rezension dieses Buches durch einen begeisterten Leser widersprechen. Wer bin ich denn, dass ich die Einschätzung eines anderen Menschen in Frage stelle?

Auch die Toleranz, eine andere Meinung gelten zu lassen, zeugt für mich von Respekt und Wertschätzung.

Objektivität! Vieles wäre einfacher, hätten wir alle einen ähnlichen Fokus. Ja, vieles wäre einfacher aber auch viel langweiliger!

ES LEBE DIE VIELFALT!!!

…und wie schätz Ihr Euch selbst ein? Seid Ihr objektiv?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Cruschiform – COLORAMA: Das Buch der Farben

Farben über Farben: Doch Blau ist nicht gleich Blau, Rot ist nicht gleich Rot, Grün ist nicht gleich Grün, und selbst Weiß überrascht mit einer immensen Vielfalt,…

…das ist uns allen sicherlich bewusst, aber nehmen wir die Farben auch so intensiv in ihren unterschiedlichen Schattierungen wahr? Ich glaube eher weniger! Und doch verbinden wir etliche Pflanzen, Tiere und Gegenstände mit einem bestimmten Farbton. Oftmals wird beides in einem Atemzug genannt: Kornblumenblau, Feuerwehrrot, Sonnenblumengelb, Eierschalenweiß… – Ich könnte meine Aufzählung unendlich fortführen!

Das Pariser Kreativstudio „Cruschiform“ von Marie-Laure Cruschi widmet sich mit einem kleinen Wälzer diesem Phänomen und zaubert auf 133 Farbtafeln eine „kleine“ Auswahl aus der kunterbunten Welt der Farbtöne und -nuancen. So habe ich nicht gewusst, dass es einen kleinen aber feinen Unterschied gibt zwischen Kurkuma (051) und Indischgelb (052): Auf dem oberflächlichen Blick scheinen beide Farbnuancen identisch, erst der direkte Vergleich offenbart den Unterschied.

Während auf der rechten Buchseite sich ganzseitig der jeweilige Farbton „breitmacht“, erfahre ich auf der linken Buchseite den nötigen Background. Das vermittelte Wissen reicht von „wissenschaftlich-wertvoll“ bis „kurios-unnütz“ (…oder habt Ihr gewusst, dass es ein spezielles Tiffany-Blau gibt, und auch Grünspan ein eigener Farbton ist?). Aber gerade diese bunte Vielfalt macht diesen Wälzer so abwechslungsreich-unterhaltsam.

Dies ist keine Publikation, die ich von Farbtafel 001 (Schneeweiß) bis Farbtafel 133 (Mondlicht) konsequent chronologisch durcharbeiten werde, – Nein! – dieses Buch wird griffbereit in der Nähe meines Lieblingsleseplatzes liegen, damit ich es immer mal wieder zur Hand nehme und darin blättere, um mich an der bunten, lustigen Vielfalt der Farben zu erfreuen.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373270

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Erich Kästner – DER JULI

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.

Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.

Erich Kästner

MONTAGSFRAGE #46: Können Bücher bei euch das Blut in den Adern gefrieren lassen?

Irgendwie erinnert Antonias heutige Frage an ein vorgezogenes Halloween-Special,…

…dabei meint sie nicht nur die passende Literatur zu diesem „wunderbaren“ (!) „Feiertag“ (!) sondern ob das Lesen von entsprechenden Büchern generell vegetative Reaktionen beim Leser auslösen könnte.

Manchmal braucht es dafür auch nur ein bestimmtes Geräusch: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag lagen mein Mann und ich von der Hitze des Tages ermattet im Bett. Mein Mann schnarchte leise vor sich hin, während ich vergeblich mich bemühte, zur Ruhe zu kommen. Alle Fenster sowie die Balkontür waren weit geöffnet, um möglichst viel Kühle hinein und ebenso viel Wärme hinaus zu lassen. Plötzlich hörte ich das besagte Geräusch, das mir das Blut in den Adern gefrieren lies und dafür sorgte, dass meine Nackenhaare zu Berge standen. Unser Kater war über die geöffnete Balkontür ins Haus gelangt und teilte mir mit seinem unverwechselbar kehligen Gurren mit „Schau mal, was ich dir schönes mitgebracht habe!“. Ich feuerte Stoßgebete Richtung Himmel ab „Bitte, bitte, lass es schon tot sein!“. Meine Gebete wurden zwar erhört, trotzdem zählt die nächtliche Bestattung einer Maus nicht zu meinen favorisierten Beschäftigungen, und die Balkontür blieb in der nächsten Nacht vorsorglich geschlossen. Aber unser Kater sorgte weiterhin für die Seinen: Am Morgen des darauffolgenden Tages lagen drei Geschenke auf dem Balkon sowie ein Geschenk vor der Haustür. Ist unser Kater nicht ein Prachtkerl? Dank ihm müssten wir nie Hunger leiden!

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Natürlich kann das Lesen bestimmter Geschichten dazu beitragen, dass beim Leser das Blut in den Adern gefriert. Ebenso sind aber auch alle anderen nur erdenklichen Gefühlsregungen möglich. Lesen versetzt Dich in andere Welten, löst Stimmungen aus, lässt dich mitleiden und mitfühlen, bringt dich zum Lachen oder zum Weinen und weckt längst verschollen geglaubte Erinnerungen. Wünschenswerte Voraussetzung für diese Achterbahn der Gefühle wäre eine entsprechende Disposition des Lesers. Ich besitze diese beschriebene Disposition – und nicht nur beim Lesen. Ich bin, was dieses Thema anbelangt, äußerst empfänglich: Im Kino zerquetsche ich die Hand meines Mannes, da ich die Spannung kaum ertragen kann. In der Oper rinnen mir Träne über die Wangen, da mich die Schönheit des Gesangs so sehr berührt. Beim Hören bestimmter Lieder bessert sich meine Laune sekündlich, und ich verbringe den Tag mit einem Wurm im Ohr. In einer Ausstellung schwelge ich in den Farben des Künstlers,…

…und auch das Lesen kann die komplette Bandbreite an Gefühlen und Regungen bei mir auslösen.

Welche Bücher dies im Einzelnen sind, werde ich Euch (noch) nicht verraten: Einige dieser mir wichtigen Bücher habe ich Euch schon vorgestellt, andere werden zum Ende des Jahres im Rahmen einer besonderen Aktion folgen. Ich hoffe, Ihr mögt Euch bis dahin gedulden!

Gibt es Geschichten, die Euch berühren? Kommt, lasst die Emotionen fließen…!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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