[Rezension] Michael Ende – Die unendliche Geschichte (Neu-Auflage)

Meine Freude war groß als ich erfuhr, dass der Thienemann-Verlag anlässlich des 40. Geburtstages von „Die unendliche Geschichte“ eine Neu-Auflage plante, und ich erhoffte mir nun einen würdigen Nachfolger für mein altes Exemplar aus der Kindheit.

Über die Geschichte von Michael Ende muss ich wahrlich keine großen Worte mehr verlieren, und sie ist über jede Kritik erhaben: Michael Ende hat hier eine wunderbare Geschichte voller Phantasie und Anmut geschaffen, die mit ihren liebevoll gezeichneten Charakteren überzeugt und mit ihrer bildhaften Sprache überwältigt. „Die unendliche Geschichte“ wird dem, der sie gelesen hat, immer in Erinnerung bleiben und einen ewigen Platz in seinem Herzen haben.

Darum legte ich mein Augenmerk nun mehr auf die „neue“ Optik des Buches, die von Eva Schöffmann-Davidov gestaltet wurde: Begeistert bin ich vom Umschlag-Design, das in der Farbgebung „schwarz-weiß-gold“ sehr edel und modern wirkt. Auch die Vorsatzblätter gefallen mir gut, stellen für mich im Vergleich zur bisherigen Optik allerdings keine Verbesserung dar. Auch der zweifarbige Satzdruck in Rot und Grün ist ja hinlänglich bekannt.

Beim Weiterblättern machte sich langsam ein Hauch von Enttäuschung in mir breit: Nicht nur das verspielte Rankenmuster am Kopf einer jeden Seite fehlt, auch die wunderbaren „Von A bis Z mit Buchstaben und Bildern“ waren kleineren und unscheinbareren Anfangsbuchstaben bei den einzelnen Kapiteln gewichen. WARUM? Gerade diese Kombination aus Buchdruck und Inhalt steigerte den Reiz von „Die unendliche Geschichte“ und war damals für mich eine Sensation, die ich vorher aus der Kinder- und Jugendliteratur noch nicht kannte. Und wer – Bitteschön! – hat veranlasst, dass hinter der letzten Seite der Geschichte Werbung gedruckt wurde und somit beim Lesen unschön durchschimmert?

Natürlich ist dies nun „Leiden auf hohem Niveau“: Es kommt ja schließlich in der Hauptsache auf die Qualität der Geschichte an, und Neu-Leser werden auch nichts vermissen. Für Fans „der 1. Stunde“ stellt diese Neu-Auflage allerdings keine Alternative dar, da die optische Gestaltung in der Ur-Fassung mit den Buchstaben und Illustrationen von Roswitha Quadflieg deutlich liebevoller umgesetzt wurde!

Darum werde ich weiterhin mein 40 Jahre altes Exemplar aus Kindertagen sehr in Ehren halten: Ich weiß noch, wie ich damals meinen älteren Bruder bedrängte, mir doch bitte dieses Buch – und zwar NUR dieses Buch und kein anderes – zum Geburtstag zu schenken,…

„…aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!“

erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522202602

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #29: Auf welche (baldige) Buchveröffentlichung freust du dich momentan am meisten?

Montagsfrage (1)

Blogger-Kollegin Antonia Leise von „Lauter & Leise“ ist momentan im Examen-Stress: Jeder von uns, der schon einmal mitten in einer Prüfungsvorbereitung steckte, weiß, dass das persönliche Zeit-Raum-Kontinuum dabei in Mitleidenschaft gezogen wird, Grenzen verschwimmen und das Zeitgefühl zuweilen blockiert ist. Trotzdem hat sie eine wunderbare Frage für uns! Vielen Dank, liebe Antonia! Darum gibt es in dieser Woche die Montagsfrage an einem Dienstag mit der Option, sie am Mittwoch zu lesen, um dann am Donnerstag…!!! 😄

…und welch wunderbare Frage, die mich animierte, nochmals in den Verlagskatalogen zu blättern (Nur zur Sicherheit: Damit ich nichts übersehe!).


Selbstverständlich würde ich in diesem Frühling niemals auf Mord & Todschlag verzichten mögen. Zu meinem Glück und meiner Freude warten gleich zwei Krimi-Klassiker auf ihre Wieder-Veröffentlichung:

  • Maigret im Haus der Unruhe von Georges Simenon/ erscheint bei Kampa/ ISBN: 978-3311130000 (11. April 2019)
  • N oder M?: Ein Fall für Tommy und Tuppence von Agatha Christie/ erscheint bei Atlantik/ ISBN: 978-3455004830 (6. Mai 2019)

Dieses Frühjahr scheine ich ganz im Bann von Rainer Moritz zu stehen: Nachdem mein Lese-Eindruck zu Leseparadiese: Eine Liebeserklärung an die Buchhandlung schon erschienen ist, steht die Rezension zu Mein Vater, die Dinge und der Tod schon fest terminiert in den Startlöchern. Nun erwarte ich mit Freude einen Bildband, zu dem er sicher wieder in gewohnt unterhaltsamer Manier seine Texte beigetragen hat:

  • Zum See ging man zu Fuß: Wo die Dichter wohnen. Spaziergänge von Lübeck bis Zürich von Rainer Moritz/ mit Fotografien von Anna Aicher /erscheint bei Knesebeck/ ISBN: 978-3957280565 (16. April 2019)

Wie ich schon in der MONTAGSFRAGE #10 ausführlich berichtet habe, zählen Biografien nicht zu meinem bevorzugten Genre. Ich würde aber diesen beiden Werken durchaus eine Chance einräumen:

Lukas Hartmann widmet sich in seinem Roman der Lebensgeschichte des berühmtesten Sängers seiner Zeit: Josef Schmidt besaß eine der schönsten lyrischen Tenorstimmen seiner Epoche und feierte Triumphe – bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten.

  • Der Sänger von Lukas Hartmann /erscheint bei Diogenes/ ISBN: 978-3257070521 (24. April 2019)

Donald Windham schwelgt in seinen Lebens-Erinnerungen und erzählt Anekdoten über die Freundschaften zu seinen literarischen Kollegen: Eine Zeitreise zurück zu den klugen Köpfen der damaligen Zeit!

  • Verlorene Freunde: Truman Capote, Tennessee Williams und andere von Donald Windham/ erscheint bei Lilienfeld/ ISBN: 978-3940357427 (1. Dezember 2019)

…welch wunderbare Frage, die dazu einlädt bei Blogger-Kolleg*innen zu spicken, um so neue Lese-Impulse zu erhalten!

…und worauf freut Ihr Euch???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Komödie] Michael McKeefer – CHARLIES WEG / TiO Osterholz-Scharmbeck

Tragikkomödie von Michael McKeefer / Deutsch von Frank-Thomas Mende / Niederdeutsch von Werner Mahlendorf

Premiere: 2. März 2019 / besuchte Vorstellung: 24. März 2019

TiO – Theater in OHZ, Osterholz-Scharmbeck


Inszenierung: Bernd Schröter
Bühne: Heinz Windhorst
Kostüme: Ute Schmonsees


Da erhält Charlie Bock die Diagnose einer lebenslimitierenden Krankheit, und sein Leben steht Kopf: Nur noch wenige Monate bleiben ihm, um zu leben – um endlich richtig (!) zu leben. Wie war sein Leben bisher? Statt selbst ein Schriftsteller zu werden, wurde er ein mittelmäßiger Lektor in einem mittelmäßigen Verlag mit einem mittelmäßigen Gehalt in einer mittelmäßigen Stadt…! Nun fährt er ziellos in seinem mittelmäßigen Auto umher und nimmt scheinbar zufällig einen Anhalter mit: Doch bei Willy ist nichts zufällig. Schon seit Charlies Geburt war er unsichtbar an seiner Seite und hat auf seinen Einsatz gewartet. Nun ist er gekommen: Willy ist Charlies persönlicher Tod und bereit, ihn auf ebendiesen vorzubereiten. Dummerweise stranden die beiden aufgrund einer Panne in einem trostlosen Hotel, das von Nelly nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes allein bewirtschaftet wird. Unterstützung erhält sie vom ansässigen Autoschlosser Theo, der ein ganz persönliches Interesse hat, dass Charlie so schnell wie möglich wieder verschwindet. Zwischen Todes-Sehnsucht und Hoffnung spürt Charlie nun ein für ihn gänzlich neues Gefühl: Er ist verliebt! Und so springt Irmi, seine persönliche Liebe aus den Tiefen seiner Gefühlskommode ans Licht und streut – blind wie ein Maulwurf, im quietsch-pinken Outfit und mit permanenter guter Laune gesegnet – wieder Hoffnung in Charlies trostloses (Rest-)Leben. Tod Willy ist der Verzweiflung nah…!

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Hochachtung für das TiO – Theater in OHZ, das sich als reine Amateur-Bühne immer wieder an neue Herausforderungen wagt. Hochachtung für das Ensemble, das diese Herausforderung annahm und souverän umsetzte. Hochachtung für den Regisseur, der dafür sorgte, dass dieses doch sehr dialoglastige Stück kurzweilig und berührend aber nie sentimental über die Rampe kam.

Wie bei jeder Amateur-Bühne ist es nicht immer selbstverständlich, dass ein Stück in allen Rollen adäquat besetzt werden kann. In diesem Fall ist es gelungen: Karl-Heinz Fürst gibt den eher schlichten Theo mit sehr viel Sympathie, dessen Handeln nur auf der Sorge um und seine Zuneigung für Nelly beruht. Die Nelly von Tina Stelljes ist zwar mehr die handfeste Macherin (die aber auch aufgrund der Umstände machen musste), lässt aber auch leise, verletzliche Töne erkennen. Petra Frerichs scheint als die persönliche Liebe von Charlie ständig unter Strom zu stehen und versprüht eine beinah schon ekelerregende gute Laune, hat zum Glück auch ihre zarten, ruhigen Momente.

Jens Wendelken schafft scheinbar mühelos den (nicht einfachen) Spagat, dass der Zuschauer mit seinem Charlie zwar sehr mitfühlt aber nie Mitleid empfindet. Überzeugend gelingt ihm auch die Darstellung der ersten Krankheitssymptome. Sein verbaler Schlagabtausch mit dem Tod birgt neben der Tragik auch sehr viel Komik – aber wie bei jeder guten Komödie bedingt beides einander!

Carsten Mehrtens glänzt als Willy mit gekonnten Spiel: Sein Tod ist Verführer und Pragmatiker, schonungslos ehrlich und zärtlich umfangend, unterstützend und niederschmetternd, dabei sehr komisch aber nie furchteinflößend! Mehrtens und Wendelken sind perfekt aufeinander eingespielt und liefern eine Darstellung, die sich deutlich über dem Niveau einer Amateur-Bühne befindet!

Etliche Plätze blieben bei den Vorstellungen leer, da einige Besucher aufgrund der „Schwere“ des Stücks den Weg ins TiO scheuten: Ich kann sie nur bedauern, denn ihnen ist das beste Stück der dortigen Saison entgangen. Das TiO hat eindrucksvoll bewiesen, dass die plattdeutsche Sprache alles andere als „platt“ ist.


Am 24. März 2019 war die letzte Vorstellung von CHARLIES WEG und gleichzeitig auch Saison-Ende im TiO – Theater in OHZ. Weitere Infos findet Ihr hier.

[Rezension] Elizabeth Edmondson – Mord auf Selchester Castle

Hach! – Wie schön, da sind wir wieder auf Selchester Castle im gleichnamigen beschaulichen Örtchen. Das bedeutet für mich, ich kann mich entspannt zurücklegen und auf eine kurzweilige aber unaufgeregte Handlung freuen. Klang das nun etwas negativ? Oh, pardon! – Es war so nicht von mir gemeint. Ganz im Gegenteil: Nichts anderes erwarte ich von einem Cosy-Krimi!

Nachdem Geheimagent Hugo Hawksworth den Tod des bisherigen Earl of Selchester aufklären konnte,  taucht nun überraschend sein unehelicher Sohn auf, der zudem noch (Shocking!) Amerikaner ist, um das Erbe anzutreten. Die adlige Verwandtschaft ist „not amused“. Zudem scheint jemand dem amtierenden Earl of Selchester nach dem Leben zu trachten: Wie sonst lassen sich diese scheinbar zufälligen Missgeschicke erklären, die ihm seit seiner Ankunft in England wiederfahren…?

Auch der zweite Roman um den rührigen Geheimagent Hugo Hawksworth ist wieder ein Wohlfühl-Krimi, dessen Handlung diesmal allerdings ein wenig vor sich hin plätschert. Dabei lässt Elizabeth Edmondson ihre bekannten Hauptdarsteller*innen und die liebenswert-skurrilen Nebenrollen wieder auftreten und garniert diese illustre Runde mit einigen interessanten Neu-Zugängen. Dabei spielt sie zwar durchaus humorvoll mit den Klischees „Alte Welt vs. Neue Welt“ – die modernen Amerikaner treffen auf britische Traditionen und adligem Snobismus –  hätte mit diesem „Pfund“ aber durchaus mehr „wuchern“ können.

Zudem wirkten einige Handlungsstränge etwas konstruiert, und mir fehlten ein wenig ihre bewährten Zutaten („pralle Charaktere, witzige Dialoge, viele Verdächtige mit Motiv, ein ungewöhnlicher Ermittler, verwirrende Verwicklungen, das Flair der 50er Jahre,…“), die den Vorgänger auszeichneten.

Trotz dieser Kritikpunkte ist ihr ein durchaus unterhaltsamer Krimi gelungen!

erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442488247

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Ralf Butschkow – Wir gehen in die Buchhandlung

Sofie ist traurig! Sie hat sich so sehr auf ihr neues Regal gefreut, doch ihr Vater ist außerstande ihr diesen kleinen Wunsch zu erfüllen. Zu groß ist für ihn die Anstrengung und zu schwer scheint für ihn diese Aufgabe, ein Regal an der Wand zu befestigen. Sofie ist verzweifelt: Was kann sie nur tun, um sich aus dieser prekären Situation zu befreien? Nur in der Buchhandlung ihres Vertrauens „die schatulle“ findet sie ein offenes Ohr für ihre Nöte: Die Buchhändlerin Frau Gartmann weiß genau, was ihr fehlt – ein Buch! Es ist nicht irgendein Buch. – Nein! – Dieses Buch hilft Sophies Mutter sich aus der erdrückenden Dominanz ihres Versager-Ehemanns zu lösen und aus eigener Kraft das Regal an die Wand zu dübeln…!

Dem Autor ist hier ein Standard-Werk der Kinderliteratur gelungen: Schonungslos werden die Sorgen der heutigen Kindergeneration thematisiert – Themen wie Verlust,  Enttäuschung und Zukunftsängste. Zu alledem kommt eine sozialkritische Brisanz: Sophie erfährt, dass die Buchhändlerin ein Seniorenpflegeheim mit Büchern versorgt, um den dort von ihren Angehörigen abgeschobenen Senioren ein wenig Freude in ihren öden Alltag zu bringen. So lernen die Kinder schon früh zu erkennen, dass auf dieser Welt kein Platz ist für Phantastereien, unbekümmertes Spiel und kindlicher Freude. Für alle Zweifler gibt es bestimmt das passende Buch…!

Dieses Werk steht völlig zu Recht auf der SPIEGEL Bestseller-Liste und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Das Kultusministerium für Niedersachsen hat per Dekret angeordnet, dass dieses Werk nun Pflichtlektüre an allen Schulen wird.

Endlich ein Lichtblick im kinderliterarischen Einerlei…!!!

erschienen bei pixi (Carlsen)/ ISBN: 978-3551685759

Ich danke dem Verlag herzlich für das nicht zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Ihr Lieben! Die Buchhandlung meines Vertrauens hat nun ein eigenes pixi-Buch (Wie geil ist das denn?!), und ich konnte mir den kleinen Spaß nicht verkneifen, zu diesem entzückenden und gänzlich harmlosen Büchlein eine deprimierende Rezension zu verfassen. Wobei ich den Inhalt absolut wahrheitsgetreu wiedergegeben habe: Schließlich ist es ja alles nur eine Frage der Interpretation! Nicht wahr? 😉 Herzliche Grüße…!

Ein Porträt: Edgar Allan Poe

Edgar Allan Poe (* 19. Januar 1809/ † 7. Oktober 1849)

Edgar Allan Poe wurde als Sohn eines Schauspieler-Ehepaares geboren. Nach 4 Jahren Ehe verließ der Vater die Familie. Nur ein Jahr später starb die Mutter an Tuberkulose. Der zweijährige Poe, sein zwei Jahre älterer Bruder William Henry Leonard und seine ein Jahr jüngere Schwester Rosalie blieben als Waisen mittellos zurück. Die Kinder wuchsen getrennt voneinander bei Pflegefamilien auf. Poe verbrachte seine Kindheit auf einem Internat in England bis die Pflegeeltern gezwungen waren, aufgrund der Wirtschaftskrise von 1819 nach Amerika zurückzukehren.

Dort immatrikulierte Poe an der Universität von Virginia in Charlottesville. Hier kam sein Hang zur Selbstzerstörung zum ersten Mal zum Vorschein: Er trank übermäßig, war spielsüchtig und hatte nach nur acht Monaten Studium Schulden in Höhe von 2000 US-Dollar. Von seinem Pflegevater konnte er keine Unterstützung erhoffen, dem er eh vorwarf, ihn nur unzureichend finanziell zu unterstützen. Um seinen Gläubigern zu entgehen flüchtete Poe nach Boston und lebte dort unter falschem Namen, bevor er der US Army beitrat. Während dieser Zeit erschien auch sein erster Gedichtband, der allerdings ohne nennenswerte Resonanz blieb.

Auch seine Karriere bei der US Army gestaltete sich ebenso schwierig wie sein Verhältnis zu seinem Pflegevater, der sich für seine Aufnahme bei der US Army eingesetzt hatte. Um diesen zu verletzen, provozierte er seine Entlassung aus der Armee. Er wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und der Militärakademie verwiesen.

Sein weiteres Leben sollte unstetig bleiben: Baltimore, Richmond, New York, Philadelphia und Dupin waren nur einige Stationen. Die ersten kleinen schriftstellerischen Erfolge stellten sich ein. Um sich finanziell über Wasser zu halten, nahm Poe Arbeiten bei verschiedenen Zeitschriften an, bei denen auch einige seiner Erzählungen erschienen und seinen Ruf als Prosaautor festigten. Dabei waren es weniger die Erzählungen, die ihn berühmt (wenn nicht gar berüchtigt) machten, sondern seine gefürchteten Literaturkritiken, mit denen er versuchte den restaurativen Literaturbetrieb abzuschütteln. Er bemühte sich um allgemeingültige, ästhetische Maßstäbe in der Literatur.

1845 entstand in New York wohl sein bekanntestes Gedicht Der Rabe und verschaffte ihm Erfolg und Popularität.

Poes Phasen künstlerischen Schaffens wurden immer wieder durch sein selbstzerstörerisches Verhalten unterbrochen: Er gab sich Alkoholexzesse hin! Sein Verhältnis zu Frauen galt als zwiespältig: Seine Schwärmereien zu älteren Frauen wie auch zu jungen Mädchen könnten noch als Mutter- bzw. Schwester-Komplex gedeutet werden. Dieses zwiespältige Verhältnis zu Frauen greift Poe in den meisten seiner Erzählungen auf, dabei wird insbesondere der Tod einer schönen, oft jungen Frau thematisiert.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Virginia trifft Poe im Jahr 1849 seine Jugendliebe Elmira Shelton in Richmond wieder. Sie verlieben sich, und Elmira akzeptiert seinen Heiratsantrag.

Am Morgen des 27. September 1849 reist Poe per Schiff von Richmond nach Baltimore, um in seinem Haus in Fordham Vorbereitungen für die Hochzeit zu treffen. Was in den darauf folgenden Tagen geschieht, bleibt nebulös im Dunkel. Erst am 3. Oktober 1849 wird er in einem verwahrlosten und verwirrten Zustand in Baltimore aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Dort stirbt er am 7. Oktober 1849: Die Umstände des Todes sind unklar. Die Todesursache ist unbekannt.

Edgar Allan Poe gilt als der Wegbereiter der modernen Kriminal-, Horror- und Schauerliteratur. Seine Werke offenbaren die menschlichen Abgründe, sind düster und gleichzeitig poetisch und haben eine ausgeprägte Symbolik. Zudem war er ein sehr vielseitiger Schriftsteller, der Kurzgeschichten und Gedichte schrieb aber auch theoretische Aufsätze verfasste.


Auswahl seiner Werke:
  • Der Rabe (Übersetzer: Hans Wollschläger) erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458190066
  • Der Rabe (Übersetzer: Theodor Etzel) erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730601693
  • Unheimliche Geschichten: Illustrierte Buchreihe erschienen bei Galiani/ ISBN: 978-3869711676
  • Unheimliche und phantastische Geschichten (3 Bände) erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730605943
  • Gesammelte Werke erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3866477568

MONTAGSFRAGE #28: Wie hat sich dein Leseverhalten innerhalb der letzten zehn Jahre (nicht) verändert?

Montagsfrage (1)

Moment! Moment! Um diese Frage beantworten zu können, muss ich mein jüngeres Ich vor meinem geistigen Auge erscheinen lassen:

Es ist der 18. März 2009, und ich bin zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt. Mein Mann und ich hatten im Jahr zuvor still und heimlich geheiratet (oder uns vielmehr lebenspartnerschaftlich eintragen lassen), wollten ein Jahr später Familie und Freunde mit der Einladung zu einem rauschenden Fest überraschen, das leider aus persönlichen Gründen nie stattfinden sollte. Trotzdem fanden wir es an der Zeit, dass besagte Familie und Freunde endlich über diese für uns so wichtige Veränderung unserer Beziehung informiert werden. Und das hatten wir gerade per postalischer Bekanntmachung getan.

Ich kann mich noch genau an die Reaktionen erinnern. Ich weiß auch noch genau, was ich beruflich zu diesem Zeitpunkt gemacht habe. Aber was habe ich damals (nicht) gelesen??? Hmm!!!

Im Wesentlichen war mein damaliges Leseverhalten schon sehr ähnlich meinem heutigen: Krimis nahmen einen großen Stellenwert ein. Ich war ein großer Fan von den Katzen-Krimis von Rita Mae Brown: Wobei mein Enthusiasmus im Jahre 2009 schon am Abklingen war. Ich hatte allerdings mit Colin Cotterill einen würdigen Nachfolger gefunden, und Alan Bradley stand auch schon bei mir in den literarischen Startlöchern.

Auf jedem Fall war meine Leidenschaft zu Agatha Christie noch nicht wieder zur vollen Blüte erwacht: Sie war immer vorhanden, schlummert allerdings noch! Auch meine Liebe zu Kurzgeschichten wurde erst einige Jahre später mit meiner zunehmenden Tätigkeit als Vor-Leser erweckt, und auch die Lyrik musste noch ein wenig ausharren, bis ich ihr eines Blickes würdigte.

Fazit: Das Leseverhalten von dem 39-jährigen Andreas unterscheidet sich nicht gravierend von dem jetzigen Andreas. Der Mensch ist eben das berühmt-berüchtigte Gewohnheitstier, und mit zunehmenden Alter hat sich auch das Leseverhalten entwickelt und gefestigt.

…oder ist an dem Mythos „Alle 7 Jahre ändert sich der Mensch!“ doch etwas dran? Was meint Ihr???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Chiaki Okada & Ko Okada – Bist du der Frühling?

Seine großen Brüder können alle schon in die Äste der Bäume springen. Seine großen Brüder kennen auch alle schon den Frühling. Nur das jüngste Hasenkind hat den Frühling noch nie gesehen und würde es seinen Brüdern so gerne gleichtun. So schleicht er an einem frühen Morgen aus der Hütte, da er glaubt, die Schritte des Frühlings gehört zu haben…!

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Illustration: Chiaki Okada/ Text: Ko Okada

Mit zarten Strichen lässt Chiaki Okada in ihren detailreichen Illustrationen die winterliche Heimat des kleinen Hasen aufleben. Nur wenigen Farben bedarf es, um die Schönheit einer verschneiten Landschaft wiederzugeben. Mit dem gekonnten Einsatz von Schattierungen bringt sie den Schnee auf dem Waldboden zum Glänzen und die ersten Sonnenstrahlen auf den Ästen der Bäume zum Tanzen. Dabei sind ihre Bilder von einer einnehmenden Ästhetik und strahlen eine wohltuende Ruhe aus.

Unterstützung finden ihre Illustrationen in den wenigen Sätzen von Ko Okada, die sehr reduziert aber durchaus wohlüberlegt eingesetzt werden und in der Kombination mit den Bildern eine emotionale Tiefe schaffen.

Auf dem ersten Blick wirkt dieses Bilderbuch wenig spektakulär, wenig abwechslungsreich…! Seine Botschaft drängt sich nicht plakativ beim oberflächlichen Betrachten auf. Der Zauber erschließt sich erst im wiederholten Anschauen der Bilder, wenn der Blick über die Illustrationen der wunderbaren Winterlandschaft wandert und bei kleinen Details hängen bleibt.

Ohne den pädagogisch erhobenen Zeigefinger ist dem Künstlerpaar ein wahrlich entzückendes Bilderbuch gelungen, das sehr einfühlsam Themen wie „Großwerden“, „(Ab-)Warten können“, „Freundschaft“ und „Anders sein“ den Kleinen näher bringt!

Und ich kann die Ungeduld des kleinen Hasen sooo gut verstehen: So warte auch ich voller Sehnsucht auf den Frühling!

erschienen bei Moritz/ ISBN: 978-3895653728

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Erich Kästner – FRÜHLINGSLÄCHELN

Die Sonne lockt nach einem Weilchen
die schönsten Dinge an das Licht,
zum Beispiel: Birkengrün und Veilchen,
und Reiselust und Liederzeilchen,
und manches lächelnde Gesicht.

Der Frühling neckt uns. Wir erwachen.
Die Welt wird wieder froh und grün
und möchte sich vertausendfachen.
Die Blumen blühen, wenn sie lachen.
Die Frauen lächeln, wenn sie blühn.

Erich Kästner

[Rezension] Vea Kaiser – RÜCKWÄRTSWALZER. oder Die Manen der Familie Prischinger

Lorenz Prischinger ist am Ende: seine Schauspiel-Karriere stagniert, seine Freundin verlässt ihn für irgendeinen Deppen, die Schulden stehen ihm bis zum Hals, weswegen er seine schicke Wiener Nobel-Wohnung untervermieten muss. Nun nächtigt er im ehemaligen Kinderzimmer seiner Cousine, denn er ist bei seiner Tante Hedi und seinem Onkel Willi untergeschlüpft und muss eine geballte Ladung Tanten-Power über sich ergehen lassen, da Hedis Schwestern Mirl und Wetti auch stets zur Stelle sind. Tiefer kann er nicht sinken, denn schlimmer kann es nicht werden! Doch! Kann er! Sicher! Wird es!

Überraschend stirbt Onkel Willi (ein schwaches Herz, hatte seine Mutter schon): Gemäß seinem letzten Wunsch soll er in seiner Heimat Montenegro beerdigt werden. Eine offizielle Überführung ist zu teuer, also wird zu einer unkonventionellen Lösung gegriffen: Lorenz macht sich im kleinen Fiat Panda mit dem toten, tiefgefrorenen Onkel auf dem Beifahrersitz und seinen drei Tanten auf dem Rücksitz auf den Weg in die 1029 km entfernte Heimat seines Onkels.

Vea Kaiser lässt – eingerahmt von diesem ausgefallenen „Road Trip“, der im hier und jetzt spielt – die Vergangenheit der Prischinger-Familie wiederaufleben. Dabei erscheint es, als würde sie einen Film zurückspulen, anhalten und ein Stück wieder laufen zu lassen, um dem Publikum (=Leser) eine weitere Szene als Rückblende vorzuführen. In Etappen verrät sie dem Leser die Lebensgeschichten der 5 Prischinger-Kinder: neben Mirl, Hedi und Wetti gibt es noch Sepp, den Vater von Lorenz, und Nenerl, den verstorbenen Zwillingsbruder von Mirl. In dieser schon äußerst abwechslungsreichen Familiengeschichte verwebt Vea Kaiser zusätzlich den Lebensweg von Onkel Willi. Mit all diesen parallel verlaufenden Handlungsstränge und Rückblenden hätte es für den Leser sehr schnell unübersichtlich und unverständlich werden können! Das wird es nicht, da Vea Kaiser immer die Zügel in der Hand behält, den Weg im Blick und somit das Ziel vor Augen hat.

Vea Kaiser liebt ihre Protagonisten mit all ihren Fehlern, Marotten und (Fehl-)Entscheidungen. Sie portraitiert die einzelnen Personen sehr detailliert und ironisch aber nie entlarvend. Ihr Humor ist manches Mal lakonisch, mit viel Mutterwitz (…oder sollte ich lieber „Tantenwitz“ sagen?) aber stets respektvoll.

Dabei scheinen auch immer die Verstorbenen der Familie aus dem Jenseits, Einfluss auf die Protagonisten zu nehmen und somit deren Handeln zu prägen: „Die Manen der Familie Prischinger“ lautet nicht ohne Grund der Untertitel dieses Romans. Der Begriff „Manen“ kommt aus dem lateinischen und meint die Geister der Toten der römischen Mythologie. Ist unser aller Handeln nicht ebenso geprägt durch Begegnungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit? Erschrecken wir nicht über uns selbst, wenn wir Eigenarten eines Elternteils an uns entdecken, die wir „nie und nimmer“ annehmen wollten? Erkennen wir es nicht auch selbst, dass die Taten unserer Ahnen, Einfluss auf unser Werden hatten?

Dieser Roman öffnet sich dem Leser nur Seite für Seite, Szene für Szene, Stück für Stück…!

Ich habe über dieses komplexe Handlungsgerüst, die vielschichtigen Charaktere und intelligenten Dialoge gestaunt: Nie gab es für mich einen Moment der Langeweile. Im Gegenteil: Stets wollte ich mehr über diese Familie erfahren, amüsierte mich über die humorvollen Situationen, die durchaus in Richtung Slapstick hätten abgleiten können aber immer rechtzeitig ausgebremst wurden, oder war gerührt von der Wärme, mit der die allzu menschlichen und somit verständlichen Schwächen der Familienmitglieder beschrieben wurden.

Vea Kaiser liebt ihre Protagonisten, und darum lieben wir sie ebenso!


erschienen bei Kiepenheuer & Witsch/ ISBN: 978-3462051421

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Wer noch eine 2. oder gar 3. Meinung benötigt, der wird bei Lesen… in vollen Zügen und bei Leseschatz fündig!

Welche Freude: Am 22. Mai wird Vea Kaiser mit einer Lesung aus diesem Roman bei uns zu Gast sein!