MONTAGSFRAGE #123: Gibt es Bücher, bei denen sich Eure Meinung über sie beim Nochmals-Lesen vollkommen geändert hat?

Stellt Euch bitte folgende Situation vor: Nach Jahren lest Ihr ein Buch ein zweites Mal und fragt Euch geschockt, was Euch damals so sehr an diesem Werk fasziniert hat. Irgendwas muss doch dran gewesen sein an diesem literarischen Machwerk? Doch was war es nur? Kommt Euch diese Situation irgendwie bekannt vor? Ja! Also, mir passiert dies eigentlich…

…nie!

Nun könnte meine geneigte Leserschaft vermuten, dass ich als passionierter Buch-Blogger prinzipiell ein Buch immer nur einmal und dann nie wieder lese. Nein, ganz so ist es nun auch wieder nicht. Es gibt durchaus eine Fülle an literarischen Werken, die ich schon ein zweites, drittes oder sogar viertes Mal gelesen habe. Aber dass ich ein Werk nach Jahren der Abstinenz und des eigenen geistigen Reifens plötzlich strunz-dumm und duddel-daddel-doof fand, kam in diesem Ausmaße bisher nicht vor.

Okay, es gab durchaus schon eine Krimi-Reihe, die im Laufe der Jahr(zehnt)e ihren Reiz für mich verloren hatte. Ich gewann den Eindruck, dass den Kreativen die inspirierenden Ideen auszugehen schienen, worauf ich als logische Konsequenz meine Sammelleidenschaft zügelte – so geschehen mit den Katzen-Krimis von Rita Mae Brown. Aber nach wie vor stehen die ersten Abenteuer aus der Feder von Sneaky Pie und ihrer Co.-Autorin in meinem Bücherregal, und dort werden sie auch weiterhin ihre Heimstätte behalten.

Ansonsten halte ich es mit der Literatur wie mit Hosen in den Größen, die mir nicht mehr passen:

Alles hatte seine Zeit!

…und so keimte in mir auch noch nie das Bedürfnis auf, den Lese-Geschmack meines früheren Ichs zu hinterfragen!

…und wie haltet Ihr es mit Euren literarischen „Jugendsünden“???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

MONTAGSFRAGE #122: Welches Stück Literatur deiner Sammlung liegt dir besonders am Herzen?

Och, wenn ich wollte, wie ich könnte, dann wäre diese Frage mit einem freundlichen Hinweis auf meine Rubrik DIE BÜCHER MEINES LEBENS schon beantwortet. Ich würde mich entspannt vom PC entfernen, mir meinen Krimi schnappen und mich auf den sommerlichen Balkon zurückziehen. Wenn ich wollte, wie ich könnte…!

Aber ich will nicht, wie ich kann: So billig kommt Ihr mir nicht davon – und ich mir selbst auch nicht. Denn neben den in der oben genannten Rubrik schon gewürdigten Werken gibt es natürlich auch noch andere literarische Veröffentlichungen, die vielleicht keinen sehr wichtigen aber durchaus einen wichtigen Stellenwert in meiner Sammlung einnehmen.

Also: Los geht’s!

Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.

Das kleine rote Taschenbuch aus dem dtv-Verlag ist schon ziemlich abgegriffen, die Seiten sind schon nachgedunkelt, und der Einband ist abgestoßen. Es ist ein sicheres Zeichen, dass ich dieses Büchlein gerne und häufig zur Hand nahm/nehme. Ich blättere durch die Seiten, mache irgendwo halt und lese Mascha Kalékos Gedichte, die mal weise, mal kraftvoll, sehr melancholisch, dann wieder klug oder gefühlvoll mich zum Sinnieren anregen und mir so kleine Momente der Muße schenken. Und obwohl ich seit letztem Jahr die gebundene und illustrierte Ausgabe ihrer Gedichte von der Büchergilde Gutenberg besitze – auch unbedingt besitzen wollte – wandert dieses Taschenbuch weiter wie durch einen magischen Zwang immer wieder und wieder in meine Hände. Vielleicht liegt es am deutlich handlicheren Format des Taschenbuchs, vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich bisher mit den Illustrationen der Büchergilde-Ausgabe noch nicht so richtig anfreunden konnte.

Und: Weiter geht’s!

Für mich zählt dieses Märchenbuch aus dem Diogenes-Verlag zu den schönsten Märchenbüchern der Welt – wenn nicht sogar zu dem schönsten. Natürlich liegt dies zum einen an der gelungenen Auswahl der Märchen durch Christian Strich. Doch der Hauptverdienst gebührt der großartigen Künstlerin Tatjana Hauptmann, die mit ihren Illustrationen dieses Märchenbuch schwelgerisch veredelt. Doch bevor ich mich hier wiederhole, möchte ich auf die MONTAGSFRAGE #71 verweisen, im Rahmen dessen Beantwortung ich Euch dieses Werk ausführlich vorgestellt habe.

Endspurt!

Im damaligen Schweizer Haffmans Verlag erschien im Jahre 1995 der Roman „Girl“, der meiner Meinung nach damals viel zu wenig Aufmerksamkeit erhielt: Mini-Macho Bradley Barrett wähnt sich in einem Horror-Film, als er am Tag nach seiner OP aufwacht und sich nach wie vor im Besitz seiner Weisheitszähne befindet. Doch aufgrund einer Verwechslung der OP-Unterlagen vermisst er nun sein Genital, könnte sich aber stattdessen über zwei prachtvolle Brüste freuen. Tut er aber nicht…! Doch es gibt keine Alternative, und so muss Bradley sich an ein Leben als Frau gewöhnen – ein Leben, das durchaus Vorteile mit sich bringt aber auch ebenso viele Nachteile birgt, die ihm vorher als strammer hetero Macker nicht bewusst waren. Sein erzwungener Perspektivwechsel lässt ihn an seiner früheren Männer-Rolle zweifeln…! Lange vor der momentan vorherrschenden Gender-Diskussion lieferte Autor David Thomas eine aberwitzige wie tragische Geschichte, in der er sowohl die typisch männlichen wie typisch weibliche Verhaltensweisen ironisch auf den Prüfstand stellte und so das sogenannte Geschlechtsspezifische hinterfragte…!

So: Das war’s!

…und welche literarischen Werke haben in Eurer Sammlung einen dauerhaften Platz ergattert???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Kerstin Campbell – Ruthchen schläft

Was ist „Familie“? Kann mir mal bitte jemand diesen Begriff definieren? Es ist gar nicht so einfach, oder? Eine Familie besteht eben nicht mehr nur aus der klassischen Konstellation „Vater/Mutter/Kind(er)“. Da wird zwischen biologischer Familie und Wahl-Familie unterschieden, denn in der Zwischenzeit gibt es beinah unzählige Familien-Konstellationen: So bunt wie das Leben, so individuell wie die Menschen, so vielfältig sind die Familien-Zusammensetzungen. Auch für mich setzt sich eine Familie nicht unbedingt aus Blutsverwandten zusammen: Nur weil ich mit einem Menschen verwandt bin, bedeutet es nicht, dass dieser Mensch ein Teil meiner Familie ist. Zu meiner Familie gehören Menschen, die an meinem Leben Anteil nehmen, mich fraglos unterstützen und ebenso fraglos von mir unterstützt werden. Es sind Menschen, die mir gut tun, und denen ich hoffentlich ebenso gut tue, meine Familie…!!!

Frau Lemke lebt schon ihr ganzes Leben in dem Mietshaus, das Georg von seinem Opa geerbt hat. Bei ihr hat er seine Geburtstage gefeiert und sich geborgen gefühlt. Frau Lemke ist seine Familie. Doch nun wird Frau Lemke langsam gebrechlich, und alles scheint ihr beschwerlicher zu fallen. Ihr (blöder) Sohn möchte, dass seine Mutter zu ihm nach New York zieht. Nur solange ihre alte Katze Ruthchen noch lebt, darf sie in ihrem Zuhause in Berlin bleiben. Darum muss gut auf Ruthchen aufgepasst werden, damit sie ein möglichst biblisches Alter erreicht. Doch Ruthchen will bei diesem Plan partout nicht mitspielen und stirbt – einfach so…! Doch was wäre, wenn Ruthchen weiterhin auf dem Sofa liegen und schlafen würde? New York ist weit weg: Wie soll Frau Lemkes blöder Sohn dahinterkommen? So macht sich Georg auf den Weg zum Tierpräparator und stößt auf eine TierpräparatorIN: Caro ist so völlig anders als die Frauen, die er bisher kennengelernt hat, und krempelt sein Leben gehörig um. Zudem scheint New York wohl doch nicht so weit weg zu sein, wie er dachte: Plötzlich steht Frau Lemkes blöder Sohn vor der Tür…!

Manchmal brauche ich sie einfach – diese federleichten Geschichte, bei denen ich schon nach wenigen Seiten weiß, dass alles gut ausgehen wird. Dies ist so eine Geschichte! Und dabei möchte ich nicht, dass der Ausdruck „federleicht“ eventuell als ein Synonym von „seicht“ verstanden und somit verwechselt wird. Denn damit würde ich dem Erstlingswerk von Autorin Kerstin Campbell Unrecht tun und ihm nicht gerecht werden.

Campbell ist eine wunderbare Symbiose aus gut gezeichneten Figuren, einer einnehmenden Handlung und detaillierter Milieuzeichnung gelungen. Die Konflikte der Protagonist*innen werden mir glaubhaft vermittelt. Ich fühle mit, aber ich leide nicht. Es zu lesen „tut mir nicht weh“. Der Autorin gelingt das Kunststück, dass ich als Leser mit diesem zusammengewürfelten Haufen Charaktere, aus dem sich langsam eine originell-unkonventionelle Familie formt, Sympathie empfinden kann (Ja, auch mit Frau Lemkes blöden Sohn!).

So fließt die Handlung zügig dahin, da Campbell sich nicht mit erzählerischem Ballast aufhält. Sie beschränkt sich auf das Wesentliche, was der Handlung gut bekommt und somit auf mich frisch – beinah „entschlackt“ – wirkt. Ich erhalte genügend Einblicke in die Motivationen der Protagonist*innen, ohne dass diese in epischer Breite ausgewalzt werden. Vielmehr sorgt sie – trotz der durchaus vorhandenen Dramatik – für eine ausreichende Wohlfühl-Atmosphäre. So entfleuchte mir am Ende meiner Lektüre ein wohliger Seufzer: Alles ist gut, Georg feiert wieder bei Frau Lemke seinen Geburtstag,…

…und Ruthchen liegt wie eh und je auf ihrem Kissen und schläft!


erschienen bei Oktopus (bei Kampa)/ ISBN: 978-3311300052

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #121: Welche Bücher wurden Euch mit dem Satz „Das musst du unbedingt lesen.“ empfohlen, habt Ihr aber bis jetzt noch nicht gelesen?

Vorab: Ich hoffe, Ihr hattet ein ganz und gar wunderbares Pfingstfest und wünsche Euch für die restlichen Feiertagsstunden genau eben dieses…!

Als ich die heutige MONTAGSFRAGE las, klingelte in der Hinterstube meines Denkkastens mit hellem Ton ein Glöckchen: Hatten wir diese Frage so oder so ähnlich nicht schon einmal? Nach über 120 beantworteten Fragen scheint mir dies nichts Ungewöhnliches zu sein, oder? Ein Blick in mein MONTAGSFRAGE-Archiv offenbarte mir die Frage #55 vom 14. Oktober 2019 mit dem Wortlaut Welches Buch, das man – nach allgemeiner Meinung – gelesen haben sollte, hast du noch nicht gelesen? Warum nicht?

Oberflächlich betrachtet ähneln sich die Fragen sehr, und auch die Antworten scheinen beiderseits kompatibel. Bei genauerem Hinsehen erkennt das geschulte Adlerauge durchaus differenzierte Unterscheidungsmerkmale: Während Frage #55 eher nach einem globalen Hype innerhalb des Literaturbetriebes fragt, meint die Frage #121 eher die persönliche Empfehlung von Mensch zu Mensch – unabhängig von aktuellen Bestseller-Listen. Und somit fallen selbstverständlich auch meine Antworten unterschiedlich aus…!

Schon seit einigen Jahren steht der Kriminalroman „Die Augen eines Mörders“ von Antonia Muñoz Molina bei mir im Regal und wartet darauf, von mir aus seinem Dornröschen-Schlaf geweckt zu werden. Liebe Bekannte, die schon mehrere Lesungen von mir besucht hatten und so meinen Faible für Kriminalromane kannten, überreichten mir bei einem Besuch dieses Buch als Gastgeschenk mit den Worten „Das ist der beste Krimi, den wir je gelesen haben…!“. So steht er nun in meinem Regal und wartet und wartet und wartet…! Und ich weiß noch nicht einmal, warum er schon so lange wartet, da er doch alle Zutaten vereint, die ich mir von einem guten Krimi wünsche. Wenn unsere gemeinsame Zeit endlich gekommen ist, werdet Ihr es genau hier an dieser Stelle erfahren. Versprochen…!

Anfang Februar traf bei mir über facebook eine Nachricht von der Buchhändlerin meines Vertrauens (Ja, genau die, die vor kurzem mit einem Beitrag bei mir zu Gast war!) ein: „Tolles Buch, unbedingt lesen, lass dir ein Rezi-Exemplar schicken, wenn du keins mehr bekommst, leihe ich Dir meins.“ Die Rede war von Im Wasser sind wir schwerelos von Tomasz Jedrowski, eine bittersüße Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse im Polen der 80er Jahre. Ich bestellte ein Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde, und begann zu lesen…! Über die ersten Seiten schien ich nur so dahin zu fliegen. Dann bahnte sich schon vor Ostern ein kleines persönliches Drama an, das sich über die weiteren zwei Wochen nach Ostern ausdehnen sollte. Mein Lesefluss wurde abrupt unterbrochen und tat sich in den Wochen danach extrem schwer, wieder in einen entspannten Flow zu geraten. Ich begann wieder mit der Lektüre des Romans und legte es nach nur wenigen Seiten wieder aus der Hand. Irgendwie war aufgrund der Anspannung der vorangegangenen Wochen meine Leselust etwas in Mitleidenschaft gezogen, und dieser Roman war leider nicht dazu geeignet, mich aus dieser Lese-Lethargie zu befreien. So legte ich ihn vorerst durchaus mit Bedauern zur Seite in der Hoffnung auf eine weitere gemeinsame Chance zu einem späteren Zeitpunkt…!

…und welche Schätzchen, die Euch wärmsten ans Herz gelegt wurden, schlummern noch so in Euren Regalen???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Gastbeitrag] DANN EBEN DURCH DIE HINTERTÜR. BUCHHANDEL IN ZEITEN VON CORONA von Ute Gartmann

Wenn ich hier auf meinem Blog von „die Buchhändlerinnen meines Vertrauens“ spreche, dann ist u.a. auch sie damit gemeint: Meine erste Gästin ist Ute Gartmann, die eine Hälfte des dynamischen Schwestern-Duos (Auf diesem Wege: Liebe Grüße an Sabine, die andere Hälfte…!), das die Geschicke in meiner Stamm-Buchhandlung lenkt – und das schon seit Jahrzehnten. Darum kann ich auch nicht mit Gewissheit sagen, wie lange Ute und ich uns schon kennen: Es scheint mir wie eine gefühlte Ewigkeit. Im Laufe dieser Zeit haben wir uns schon bei so manchen Projekten gegenseitig unterstützt, und es war mir immer eine wahre Freude…!


Andreas hat mich gefragt, ob ich was für seinen Blog schreibe – schaut mal…

DANN EBEN DURCH DIE HINTERTÜR… aber das ist nur der zweite Teil des Lebens in der Buchhandlung in Corona-Zeiten – vielleicht auch schon der dritte: Am 17. März 2020 haben wir abends „die schatulle“ abgeschlossen und wussten nicht, wie und ob es am nächsten Tag weiter geht – ein zutiefst trauriges Gefühl, unbeschreiblich – irgendetwas zwischen Ohnmacht, Trauer und Angst. Das einzige, was klar war, dass wir uns alle am nächsten Tag wieder in der Buchhandlung sehen und schauen, was kommt. Strategien haben wir noch am Abend entworfen: Präsenz auf dem Wochenmarkt, Anzeigen schalten, um den Webshop zu bewerben und, und, und…! Und dann kam der besagte Mittwoch: Das Telefon klingelte ununterbrochen, Mails kamen im Viertelstundentakt, Bestellungen über den Webshop purzelten nur so herein. Ein unglaublicher Start in den Lockdown: Wir hatten alle Hände voll zu tun, denn selbst für eine Schullektüre für 1.80 € mussten wir eine Rechnung schreiben. Aber auch darüber hinaus war es der grandiose Wahnsinn: Die Kund*innen verschenkten hohe Gutscheine, schickten über uns dicke Pakete an die Verwandtschaft und die Freunde, orderten Buchgeschenke zu Geburtstagen des ganzen Jahres…! Wir berieten, bestellten, packten, stellten Touren zusammen und radelten abends durch die verschiedenen Quartiere der Stadt. Nachbetrachtend: eine tolle Zeit! Im März 2020: sehr beängstigend…!

Dann das Ende des Lockdowns. Die Osterholzer stürmten unseren Laden. Es war ein Gefühl wie Weihnachten! Und der Lesehunger nahm das gesamte Jahr nicht ab. So viele Leser*innen, die sich auf das lokale Einkaufen zurückbesonnen und Amazon und Co. den Rücken gekehrt haben, die in Zeiten von Homeoffice auf dem Heimweg oder in der Mittagspause nicht bei Thalia einkauften. Kurz: Es war ein Fest für den inhabergeführten Buchhandel! Wäre da nicht Corona: Wir arbeiteten in Teams, damit der Laden nicht schließen müsste, sollte sich eine von uns infizieren. Im Sommer: super/ im Garten liegend/ drei Tage arbeitend/ drei Tage frei! Im Laden: manchmal Stress, weil einfach zwei Personen fehlten. Bis kurz vor Weihnachten fast schon wieder alles normal war (Unsere schicken aus Schweden importierten Einkaufstaschen halfen uns, die „Besucherzahlen“ im Griff zu haben.). Doch dann – dann die Ankündigung des zweiten Lockdowns zum 14.Dezember. Das Grauen – die umsatzstärksten Tage des Jahres ohne Kund*innen im Laden. Aber: gut gegangen dank „click & collect“, denn mit dem Fahrrad hätten wir es im Dezember nicht geschafft. Doch die unglaubliche Treue unserer Kund*innen hat uns auch das überstehen lassen. Weihnachten lagen wir alle erschöpft, zufrieden und demütig auf den Sofas, schlossen alle großartigen Menschen in unseren Jahresrückblick ein und hofften auf 2021. Die ersten zwei Monate waren hart: Winter, wenige Menschen unterwegs, die Stimmung der Republik auf dem Tiefststand – aber (s.o.) DANN EBEN DURCH DIE HINTERTÜR…!

Jetzt haben wir wieder geöffnet, und der Staat hat erkannt, dass Bücher lebensnotwendig sind – wir sind den Lebensmittelläden gleichgestellt und haben Inzidenzwert unabhängig geöffnet. Aber viel wichtiger ist uns: Bücher sind Ihnen wieder viel wichtiger geworden. Sie gestalten Ihre Freizeit mit einem Buch. Sie alle lesen viel mehr, Kinder entdecken Bücher neu und beginnen sie zu lieben. Mußestunden werden wieder mit Büchern verbunden. Wir alle entdecken Welten, die wir wegen Corona nicht bereisen können. Wir treffen neue Freunde zwischen den Seiten, weil wir die realen nicht treffen dürfen/ können. Wir sprengen unseren zurzeit kargen Alltag durch phantastische Erzählungen und bringen Farbe in dieses graue Frühjahr…!

Wir freuen uns auf nicht digitale Lesungen sondern Live-Veranstaltungen, auf Exkursionen, die wir planen, auf Ihr Lachen ohne die Maske vor Ihrem Gesicht,…

…und wir freuen uns, dass Sie uns treu geblieben sind und unsere Anstrengungen und Leistungen schätzen!

Ute Gartmann


Ute GartmannUte Gartmann wurde als jüngste von drei Schwestern in Braunschweig geboren. Nach Abitur Studium incl. 2. Staatsexamen auf „Lehramt“ in Oldenburg. Seit 1987 Mit-Geschäftsführerin in der schwesterlichen Buchhandlung die schatulle, die u.a. mehrfach mit dem „Deutschen Buchhandlungspreis“ und als „Prädikatsbuchhandlung. Partner für Leseförderung“ ausgezeichnet wurde. Hobbies: lesen (na logisch!) wahlweise mit oder ohne Katze (am liebsten: mit Katze), Garten, Urlaub in Sizilien (Heimat ihres Mannes), Sport: Tennis, Laufen, Fitness, Rennrad. Fühlt sich der Stadt Osterholz-Scharmbeck sehr verbunden, die sie sehr mag.


BE MY GUEST… oder ICH LADE GERN MIR GÄSTE EIN!

Ein beliebter Ausspruch meines Gatten in Bezug auf meine Person lautet:

„Gebt ihm ein Stichwort!“

Dieser Ausspruch liegt in der Tatsache begründet, dass in meinem Leben Musik eine immens wichtige Rolle spielt und auch immer spielte. Ich reagiere schon beinah unbewusst auf bzw. mit Musik: Aus dem Radio eines vorbeifahrenden Autos weht der Fetzen eines Schlagers zu mir herüber – noch bevor ich die Straße überquert habe, pfeife ich diesen Evergreen. Während eines Gesprächs fällt der Name einer Serie – einen Augenblick später summe ich die Titelmelodie. Ich gehe an einem Reisebüro vorbei, das in seinem Schaufenster für ein Musical wirbt – innerhalb von Sekunden trällere ich einen Song aus diesem Werk. Ergo:

„Gebt mir ein Stichwort!“

…und ich pfeife, summe oder singe die passende Melodie und merke es meist selbst nicht, dass ich es tue!

So schwirren immer wieder abwechselnd zwei Melodien durch meinen Kopf, wenn ich unseren Esstisch fein eindecke, während mein Gatte am Herd steht, um seine Kochkünste unter Beweis zu stellt: die Arie „Ich lade gern mir Gäste ein!“ aus der Johann Strauß-Operette „Die Fledermaus“ und der Song „Be our guest“ aus dem Disney-Klassiker „The Beauty and the Beast“. In solchen Momenten erwarten wir mit Vorfreude liebe Menschen zum Essen, um gemeinsam mit ihnen einen geselligen entspannten Abend zu verbringen. Leider sind diese Momente in den letzten Monaten sehr rar geworden. Und doch möchte ich mir weiterhin Gäste einladen – wenn schon nicht im realen Leben, dann wenigstens hier auf meinem Block.

In meinem nahen und näheren Umfeld kenne ich so viele tolle, interessante Persönlichkeiten, die ich nun in unregelmäßigen Abständen auf meinem Blog als Gast begrüßen darf, und die sich hier mit einem Gastbeitrag zu Wort melden werden. Die Themen-Auswahl wird dabei ebenso vielfältig sein, wie die Menschen, die diese Beiträge verfassen. Ihr dürft gespannt sein!

Und meinen Gästen rufe ich zu:

Liebe Gäste!
Fühlt Euch herzlich willkommen:
Ich freue mich so sehr, dass Ihr nun hier bei mir seid,
und danke Euch für Euer Erscheinen!
Herzliche Grüße
Euer
Andreas

MONTAGSFRAGE #120: Schreibt Ihr auch außerhalb eures Blogs (Geschichten, Bücher etc.), und habt Ihr vielleicht schon selbst veröffentlicht?

Ähem…! Hüstel! Jaaa…! (mit einem extrem gedehntem A) Ich habe durchaus schon außerhalb meines Blogs geschrieben, und dies wurde auch veröffentlicht. Doch bevor hier irgendjemand verzückt aufschreit und mich nach Buchtitel, Verlag und ISB-Nummer fragt: Es war kein Buch, auch keine Geschichte und noch nicht mal ein schnödes Gedicht.

Meine Veröffentlichungen waren deutlich profaner: Ich habe facebook-Seiten betreut, d.h. ich war für die Fotos incl. Texte zuständig. So habe ich mich einerseits drei Jahre lang um die Seite eines Spezialitäten-Geschäfts in Osterholz-Scharmbeck gekümmert, bis dieses aus persönlichen Gründen im Februar 2020 leider geschlossen wurde. Meine Aufgaben waren dabei recht vielfältig: Ich erstellte Fotos, um die Waren ansprechend zu präsentieren, verfasste dazu den passenden Text und antwortete auf Kommentare der Kunden. „Nebenbei“ lieferte ich auch Ideen für Werbe-Aktionen sowie Veranstaltungen und entwarf die entsprechenden Flyer. Auch für die Veranstaltungen lieferte ich den Text und sorgte dafür, dass diese in den unterschiedlichsten fb-Gruppen beworben wurden bzw. auf der Homepage der Stadt auftauchten. Für diese Tätigkeit habe ich sogar höchst offiziell ein Gewerbe angemeldet, um die Möglichkeit zu haben, ebenfalls höchst offiziell eine Rechnung ausstellen zu können.

Ähnlich aber „in abgespeckter Form“ habe ich zwei Jahre die fb-Seite meiner Kirchengemeinde betreut – natürlich absolut ehrenamtlich. Während es bei der „gewerblichen“ Seite natürlich hauptsächlich um Werbung ging, war es mir hier eher wichtig, die Seite als Tor zu unserer Kirchengemeinde zu gestalten. Hier ging es mir darum, die Aktivitäten in unserer Gemeinde der Öffentlichkeit transparent darzustellen. Ich habe mich bemüht, die Stimmung bzw. die Haltung, die bei uns vorherrscht, widerzugeben, um so eine vielleicht vorhandene Schwellenangst bei den Besucher*innen unserer Seite gegenüber einer christliche Gemeinschaft abzubauen.

In beiden Fällen waren meine Texte zu den Fotos mit Sicherheit nicht unbedingt lyrisch-poetische Ergüsse mit literarischem Mehr-Wert. Aber ich konnte bei dieser Arbeit enorm viel lernen: Wie drücke ich mich kurz aber treffend aus? Auf welche Worte kann ich getrost verzichten? Welche Worte müssen sein, um den richtigen Ton zu treffen. Zudem habe ich meine Texte gerne im „Plauderton“ gehalten, damit sich die Leser*innen persönlich angesprochen fühlten.

Ich liebte es, mit Worten zu spielen und die passenden Begriffe zu suchen, um so die richtigen Formulierungen zu finden. Ich liebe es noch heute – mit dem einen gravierenden Unterschied, dass ich mich nun hier auf meinem eigenen Blog hemmungslos „in epischer Breite“ austoben darf! 😉

…und schlummern auch in Euch verkante Poet*innen? Dann gebt Euch bitte zu erkennen!!!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ja, hallo, da ist er ja wieder! Wie schnell doch so’n Jahr vergeht! Und wie erschreckend, dass es immer noch diesen Tag bedarf, um auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen zu müssen.

In diesem Jahr gibt es anlässlich dieses hohen „Feiertages“ (!) keinen eigens von mir verfassten Text. Getreu meinem Motto „Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht!“ habe ich mir einen etwas älteren Text von Standup-Comedian, Autor und Moderator Markus Barth, den er schon im Jahre 2017 auf seiner fb-Seite (O-Ton: „Hier ist die gute Seite des Internets.“) veröffentlichte, gemopst. Da ich den Meister höchstoffiziell um Erlaubnis gefragt habe, ist es auch kein richtiger Diebstahl sondern vielmehr ein Ausborgen: Der besagte Text ist a). immer noch gut und b). immer noch zutreffend (leider)…!


Ich habe gerade fünf Minuten Zeit, da dachte ich, ich könnte mal eben die Homophobie abschaffen. Also, los geht’s, die beliebtesten Sätze, die wichtigsten Antworten:

  • „Homosexualität ist nicht natürlich.“ Da wir ja auch von der Natur geschaffen, und nicht von Einhorn-Aliens auf der Erde abgesetzt wurden, kann man getrost sagen: Doch, 100% natürlich.
  • „Das ist gegen meine Kultur.“ Egal aus welcher Kultur du kommst: Das ist garantiert gelogen. Informier dich mal richtig, nimm dann alle Homosexuellen und ihre Werke aus deiner Kultur raus, und schau, was dann noch übrig bleibt. Das wird ne traurige Veranstaltung!
  • „Das ist gegen meine Religion.“ Dann ist leider deine Religion das Problem, nicht die Homosexualität. Homosexualität ist real, echt, nachweisbar. Gott dagegen… na ja, schwierige Geschichte! Warum also Religionen kritiklos akzeptieren und Homosexualität nicht?
  • „Ich bin halt so erzogen.“ Ich dagegen bin so erzogen, dass man nur freitags Fisch isst, kein Leitungswasser trinkt und das „A-Team“ nicht schaut, weil es eine fürchterlich gewaltverherrlichende Serie ist. Solche Erziehungsregeln kann man irgendwann hinterfragen und verwerfen. Das ist ehrlich gesagt der ganze Spaß am Erwachsenwerden.
  • „Mir geht’s ja nur um den Schutz der Kinder.“ Super, mir auch. Aber Homosexualität hat nichts mit Kindern zu tun. Das ist Pädophilie. Davor sollte man Kinder schützen. Und vor Eltern, die den Unterschied nicht kennen.
  • „Man muss Homosexualität verbieten, damit Familien gegründet werden und die Gesellschaft erhalten bleibt.“ Der Anteil von Schwulen und Lesben in einer Gesellschaft ist immer gleich groß, egal, ob man Homosexualität erlaubt oder verbietet. Niemand wird heterosexuell, nur weil Homosexualität in seinem Land verboten ist – er oder sie flüchtet sich höchstens in eine Scheinehe. Verbote, Verfolgung und Schikane sorgen also nicht für mehr Kinder, sondern nur für mehr unglückliche Menschen.
  • „Das ist eine persönliche Entscheidung.“ Haha, schön wär’s! Kurz gefragt: wenn du dich entscheiden könntest, ob du dich als Teenager genau wie all deine Freunde/Freundinnen zum ersten Mal in ein Mädchen/einen Jungen verliebst, oder ob du jahrelang daneben hockst und dich nicht traust, irgendjemandem zu sagen, wie du dich wirklich fühlst – wofür würdest du dich wohl entscheiden? Eben.
  • „Ich hab ja nichts dagegen, aber muss man das so in die Öffentlichkeit tragen?“ Du hast erst dann nichts dagegen, wenn du’s auch in der Öffentlichkeit aushältst.

So. Alles geklärt? Wunderbar. Wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, brauchen wir dann ja schon nächstes Jahr keinen Internationalen Tag gegen Homophobie mehr. Denn:

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ (Hannibal, Das A-Team)

Markus Barth

🌈

[Eine Geschichte…] Unbekannt – DURCHBLICK

Ein junges Ehepaar zieht in eine neue Nachbarschaft. Beim Frühstück am nächsten Morgen sieht die junge Frau ihre Nachbarin draußen beim Aufhängen der Wäsche. „Diese Wäsche ist nicht besonders sauber“, sagt sie. „Sie weiß nicht, wie man richtig wäscht. Vielleicht braucht sie auch ein besseres Waschmittel.“ Ihr Mann sieht hin, bleibt aber still.

Jedes Mal, wenn ihre Nachbarin die Wäsche zum Trocknen aufhängt, macht die junge Frau die gleiche Bemerkung.

Ungefähr einen Monat später sieht sie plötzlich im Nachbargarten schöne saubere Wäsche an der Leine hängen. Freudig überrascht sagt sie zu ihrem Mann: „Guck mal, endlich hat sie gelernt, wie man richtig wäscht! Ich frage mich, wer ihr das beigebracht hat.“ Darauf entgegnet ihr Mann trocken: „Heute Morgen bin ich früh aufgestanden und habe unsere Fenster geputzt.“

Unbekannt