[Noch ein Gedicht…] Theodor Fontane – DER SCHWESTER ZU SILVESTER

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,
Kreische vor Lust
In Juni, Juli und August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober,
Und bleibe meine gute Schwester
Bis zum Dezember und nächsten Silvester.

Theodor Fontane

MONTAGSFRAGE #64: Was war dein Lesehighlight 2019?

Ein wenig könnte die heutige und somit letzte Montagsfrage in diesem Jahr als Fortsetzung der Montagsfrage #63 anmuten: Dort hatte ich schon hinreichend von literarischen Neuentdeckungen in meinem Lese-Leben berichtet, die durchaus ebenso zu meinen Lesehighlights gezählt werden können. Und doch gab es noch drei weitere Highlights innerhalb des letzten Jahres für mich, die zum Teil sehr bewusst von mir ausgewählt wurden aber mich manchmal auch sehr überraschend berührten.

Dieses Jahr war für mich geprägt durch einen intensiven Blick in meine Vergangenheit, und doch überraschten mich meine Empfindungen während der Lektüre von Mein Vater, die Dinge und der Tod. Rainer Moritz schildert darin seinen sehr persönlichen Abschied von seinem Vater. Auch in meiner Erinnerungskommode begann es zu rappeln, und ich gedachte mit Wehmut und Dankbarkeit an meinem vor über 37 Jahren verstorbenen Großvater.

Positive Vorbilder spielen in der Entwicklung bei Kindern eine immens wichtige Rolle und können prägend für die Zukunft sein. So war meine Wahl der „Lektüre zum Fest“ am Ende des Jahres in diesem Zusammenhang zwar kein bewusst gewählter aber durchaus ein nachvollziehbarer Schritt. Bei Weihnachten mit Astrid Lindgren warf ich ausdrücklich einen gewollten Blick Richtung Kindheit, sagte Lindgrens entzückenden Heldinnen und Helden guten Tag und wärmte mich an der Herzlichkeit der Geschichten.

Georges Simenons Weihnachten in Paris passte einerseits zu meinem Konzept „Lektüre zum Fest“, andererseits bin ich seit einiger Zeit dabei, diesen Autor mehr für mich zu entdecken. Doch ich hätte nie geahnt, dass sich hinter der Erzählung „Sieben Kreuzchen in einem Notizbuch“ ein kleines, literarisches Schätzchen verbirgt. Diese Geschichte begeisterte nicht nur den Krimi-Leser in mir, auch der Theaterfreund wurde angesprochen: Bei der Lektüre sah ich die Szenerie wie bei einem Schauspiel deutlich vor meinem inneren Auge und lies die handelnden Personen einem Regisseur gleich auf meiner imaginären Bühne agieren. Großartig…!

Dies war nun meine Antwort zur letzten Montagsfrage im Jahr 2019, und gleichzeitig ist es eine wunderbare Gelegenheit, mich zu bedanken: Zum einen möchte ich herzlich Antonia Leise von „Lauter & Leiser“ für ihre originellen Fragen danken, zum anderen schicke ich Euch – meinen Leserinnen & Lesern – ein dickes Dankeschön, dass Ihr mich durch dieses Jahr begleitet habt,…

…und ich wünsche uns allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2020!!!

Happy New Year!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Komödie] Jacobs & Netenjakob – EXTRAWURST / Stadttheater Bremerhaven

Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob

Premiere: 20. Dezember 2019 / besuchte Vorstellung: 28. Dezember 2019

Stadttheater Bremerhaven / Kleines Haus


Inszenierung & Bühne: Andreas Rehschuh

Kostüme: Juliane Götz


Eine Vereinsversammlung in der Provinz. Dr. Heribert Bräsemann (Kay Krause), Präsident des Tennisclubs TC Lengenheide, ist gerade mit 100 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Als letzter Punkt der Tagesordnung muss noch über den Kauf eines neuen Grills für das alljährliche Sommerfest entschieden werden, und dann geht der gemütliche Teil des Abends mit Bier und kaltem Nudelsalat los. Aber da schlägt Melanie (Julia Lindhorst-Apfelthaler), Doppelpartnerin von Erol, vor, dass man doch einen zweiten Grill anschaffen sollte, weil Erol und seine Frau ihr Grillgut nicht zum Schweinefleisch der anderen Mitglieder auf den Grill legen dürfen. Erol (Henning Bäcker) will diese «Extrawurst» gar nicht, aber Melanie lässt nicht locker, zum Missfallen des stellvertretenden Vorsitzenden Matthias (Max Roenneberg). Und ihr Mann Torsten (Richard Lingscheidt) unterstützt ihr Anliegen zwar prinzipiell, beobachtet Melanies Fürsorge für Erol aber mit wachsender Eifersucht. Und mir nichts dir nichts ist der schönste Streit im Gange, es ist von «Türkenwurst» und «Schweinedampf» die Rede und Heriberts Vorschlag, seinen unbenutzten Elektro-Grill zu benutzen, lehnt Erol mit dem Argument ab, das fühle sich an wie «Türken-Charity».

Im vertrauten Setting einer Jahresversammlung gelingt den beiden Autoren das Kunststück, in einer pointierten Komödie die entscheidende Frage zu stellen: Gibt es auch am Grill eine deutsche Leitkultur? Die Zuschauer sind als Vereinsmitglieder Teil des Geschehens und erleben hautnah mit, wie sich eine Gesellschaft nachhaltig zerlegen kann, wenn Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, «Gutmenschen» und Hardliner frontal aufeinanderprallen. (Text von Peter Hilton Fliegel für das Programmheft zu „Extrawurst“)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Deutsche und seine Vereinskultur: Das Patriarchat agiert in der Verkleidung der Demokratie. Der Verein als Profilierungsbühne des kleinen Mannes.

Regisseur Andreas Rehschuh lässt im steril-sauberen, tennis-weißen Bühnenbild ein Abbild der Gesellschaft vor den Blicken der Zuschauer entstehen. Überspitzt comic-haft haben die Gegenstände markante schwarze Konturen, ebenso wie die Kostüme von Juliane Götz, die mit wenigen prägnanten Strichen, die Charaktere der Handlungspersonen beschreibt bzw. die Klischees, die sich dahinter verbergen (die strenge Bügelfalte vom spießigen Präsidenten, der betonte Hosenschlitz vom potenten Türken etc.). Geschickt verteilt Rehschuh die Schauspieler im Zuschauerraum: Ihr verbaler Schlagabtausch zwingt die Zuschauer – wie bei einem Tennisturnier der Blick dem Ball folgt – den Kopf nach links und rechts zu wenden, um die Reaktionen der Protagonisten zu beobachten.

„Links“ und „Rechts“: Wo steht wer? Unterdrückte Ressentiments spülen an die Oberfläche einer scheinbaren Toleranz. Gerne wäre jeder von uns ein Gutmensch, doch leider kämpfen wir alle mit unseren persönlichen Vorurteilen. Diese Komödie deckt bloß aber liefert nicht aus. Sie erlaubt ein befreiendes Auflachen aber sorgt auch dafür, dass das Lachen in der Kehle stecken bleibt.

Regisseur Andreas Rehschuh greift am Stadttheater Bremerhaven auf ein talentiertes Ensembles zurück, dass frei von übertriebenen Attitüden die Motivation der jeweiligen Person für das Publikum glaubwürdig sichtbar macht – ohne an Sympathie zu verlieren. Sie sind eben auch nur Menschen…!


Die EXTRAWURST wird noch bis April 2020 im Stadttheater Bremerhaven auf dem Rost liegen und auf komödiantische Abnehmer warten.

[Noch ein Gedicht…] Rainer Maria Rilke – ES GIBT SO WUNDERWEISSE NÄCHTE

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumsgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke

[Noch ein Gedicht…] Joachim Ringelnatz – VOM SCHENKEN

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk –
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz

[Rezension] Georges Simenon – Weihnachten in Paris

„Vielleicht gibt es Paris überhaupt nicht,
und es ist nur eine Erfindung von Simenon.“
The New York Times

Beinah könnte ein Leser, der noch nie leibhaftig in Paris war, tatsächlich den Eindruck gewinnen, diese Stadt wäre der Phantasie eines genialen Kopfes entsprungen.

Simenons „Weihnachten in Paris“: Das ist weit entfernt von „Heile Welt“, romantischen Gassen und sonstigen Weihnachtskitsch. Zwei Erzählungen vereinen sich in diesem Band und unterhalten den Leser. Wobei die Unterhaltung nicht luftig-locker-leicht hereinschneit, sondern sehr dramatisch und brutal ehrlich auftritt. Und doch erzählen beide Geschichten jeweils von kleinen Wundern zur Weihnachtszeit.

Beginnen möchte ich gerne mit der zweiten, kleineren Erzählung: Bei „Das kleine Restaurant bei der Place des Ternes“ brauchte ich meine Zeit, um die Beweggründe der handelnden Personen zu begreifen. Weihnachten ist die Zeit, in der die meisten Selbstmorde in Paris passieren. Zwei Frauen, die sich vorher anscheinend nicht kannten, werden unfreiwillig Zeuge eines jenes Selbstmordes. Dieses Ereignis veranlasst die ältere der beiden Frauen, die seit einigen Jahren als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdingt, Einfluss auf den Verlauf des weiteren Abends zu nehmen, um der Jüngeren ein ähnliches Schicksal zu ersparen. Dabei erscheint Simenons Heldin alles andere als heldinnenhaft: Mit ihrem schnoddrig-ordinären Auftreten pfeift sie hemmungslos auf gängige Konventionen.

Simenon erzählt äußerst dicht und detailreich. In der Erzählung „Sieben Kreuzchen in einem Notizbuch“ schafft er eine beinah intime Atmosphäre, indem er die Handlung in nur einem Raum spielen lässt. In der Schaltzentrale der Polizei laufen alle Fäden zusammen. Auf einem Stadtplan blinken Lämpchen auf, wenn irgendwo in Paris an einer Notrufsäule Alarm geschlagen wird. Plötzlich blinken Lämpchen für Lämpchen auf, und die Inspektoren ahnen, dass hier wieder der Serienmörder zuschlägt, der schon seit Wochen die Polizei in Atem hält. Nun wird an der einen Notrufsäule das blutbeschmierte Taschentuch eines Kindes gefunden, und der Fall entwickelt sich in eine gänzlich neue und überraschende Richtung…!

Wäre ich schon ein Simenon-Experte, würde ich vollmundig behaupten, mit dieser Erzählung erlebt der Leser „Simenon at his best“. Ich bin kein Simenon-Experte, aber durchaus in der Lage, eine exzellente Geschichte zu erkennen: Hier ist eine solche…!!! Diese Geschichte habe ich, ohne eine einzige Pause, ohne ein einziges Mal das Buch abzusetzen, gelesen. Seite für Seite steigerte sich die (An-)Spannung bis zum erlösenden Schluss, bei dem mir vor Erleichterung Tränen über die Wangen rannen. Kammerspielartig hat der Autor die Geschichte aufgebaut. Nur durch die Dialoge des Handlungspersonals erfährt der Leser Einzelheiten, die sich außerhalb des Raumes abspielen.

Schonungslos erzählt Simenon vom Leben der kleinen Leute von Paris, von ihren Überlebenskämpfen und Niederlagen, von ihren kleinen Glücksmomenten, die ja so selten und somit umso flüchtiger sind. Grandiose Erzählkunst!


erschienen bei Kampa/ ISBN: 978-3311134305

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Eine Geschichte…] Iris Macke – PERSPEKTIVWECHSEL

Advent heißt Warten

Nein, die Wahrheit ist

Dass der Advent nur laut und schrill ist

Ich glaube nicht

Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann

Dass ich den Weg nach innen finde

Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt

Es ist doch so

Dass die Zeit rast

Ich weigere mich zu glauben

Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint

Dass ich mit anderen Augen sehen kann

Es ist doch ganz klar

Dass Gott fehlt

Ich kann unmöglich glauben

Nichts wird sich verändern

Es wäre gelogen, würde ich sagen:

Gott kommt auf die Erde!

(Und nun lest den Text von unten nach oben!)

Iris Macke

[Rezension] Hermann Hesse – In Weihnachtszeiten

Ich liebe die kleinen, bibliophilen Bände der Insel-Bücherei, die mit ihrer klassischen Optik und der wertigen Haptik mich immer wieder erfreuen und so verführen, mich auch bisher unbekannten Themen und Autor*innen zuzuwenden.

Nun war Hermann Hesse mir nicht gänzlich unbekannt – das eine oder andere Gedicht hatte ich durchaus schon gelesen – aber in dieser komprimierten Form hatte ich mich mit seinem Werk noch nicht beschäftigt. So vereint dieses Büchlein immerhin Werke aus über 50 Jahren seines Schaffens und offenbart die beide Professionen des Künstlers: Neben ausgesuchten Erzählungen und Gedichten Hesses können auch einige seiner Aquarelle bewundert werden.

Die Aquarelle zeigen vornehmlich winterliche Landschaften (passend zum Sujet des Buches) und wirken wie Skizzen, die mit leichtem Pinselstrich auf das Papier geworfen wurden.

Hermann Hesses Erzählungen „In Weihnachtszeiten“ offenbaren einerseits den Romantiker, der mit verklärtem Blick, die Kindheit zurücksehnt. Andererseits hebt er mahnend die Stimme und verarbeitet Autobiografisches aus seinem Leben: So klingt immer der Pazifist in seinen Texten durch, der sich deutlich gegen Krieg und Patriotismus ausspricht. Andere Geschichten wirken mit ihren philosophischen Elementen beinah spirituell oder haben von ihrer Aktualität (erschreckenderweise) nichts eingebüßt.

Die Insel-Bücherei schafft mit diesem Büchlein für Neulinge einen gelungenen Einstieg in die literarische Welt eines der meist gelesenen deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

In Weihnachtszeiten reis‘ ich gern
Und bin dem Kinderjubel fern
Und geh‘ in Wald und Schnee allein.
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
Trifft meine gute Stunde ein,
Daß ich von allem, was da war,
Auf einen Augenblick gesunde
Und irgendwo im Wald für eine Stunde
Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
Und wieder Knabe bin…


erschienen bei Insel-Bücherei/ ISBN: 978-3458178118

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Nichts als Weihnachten im Kopf/ herausgegeben von Céleste Blum / mit Illustrationen von Nikolaus Heidelbach

Weihnachtsbücher gibt es wie Sand am Meer: Jahr für Jahr kommen neue hinzu, die – bei näherer Betrachtung – gar nicht so neu sind. Gerne wärmen einige Verlage ältere Auflagen wieder auf, verpassen ihnen ein zeitgemäßes Outfit und einen frischen Titel, um so die Leserschaft zum Kauf zu animieren. Oder es werden die allseits bekannten Geschichten neu gemischt und erscheinen so in einer aktuellen Weihnachts-Anthologie. Wobei diese Geschichten nicht die schlechtesten sind, nur eben leider schon x-mal veröffentlicht.

Aber mit Weihnachtsbüchern lässt sich Umsatz machen: Was bleibt somit einem jungen, aufstrebenden Verlag anderes übrig, als auf diesen lukrativen Zug aufzuspringen. Der Kampa-Verlag besteht seit gut einem Jahr, überzeugt als Heimstätte von Simenons Kommissar Maigret und verlegt die frisch gebackene Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. In diesem Jahr legt der Verlag nun sein erstes Weihnachtsbuch vor.

Dieses Weihnachtsbuch ist wohltuend traditionell und gleichzeitig erfrischend anders. „Hä?“ werden sich jetzt der eine oder die andere Leser*in fragen „Ist dies nicht ein Widerspruch?!“ So antworte ich voller Überzeugung „Nein, ist es nicht!“

Auf der traditionellen Seite finden sich die klassischen Gedichte von Rainer Maria Rilke, Theodor Storm und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben sowie die Geschichten „Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu“ von Joachim Ringelnatz, Thomas Manns „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ und „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Ludwig Thoma. Gleichwertig stehen ihnen die moderneren Werke gegenüber, seien es Gedichte u.a. von Jan Weiler oder Geschichten von Gerhard Henschel („Adventskalender und Adventskranz“), Axel Hacke („Zeit der Rituale“) und der prämierten Olga Tokarczuk („Bardo. Die Weihnachtskrippe“).

Nikolaus Heidelbach schafft mit seinen Illustrationen einen humorvollen Rahmen: Seine Grafiken wirken scheinbar klassisch gefällig und lassen mit ihrer klaren Formgebung erst auf dem zweiten Blick die versteckte Ironie erkennen.

Der Herausgeberin Céleste Blum ist das Kunststück gelungen, dass Sentimentalität, Ironie, Schwermut und Witz sich in dieser Zusammenstellung gekonnt die Waage halten. Als Leser bemerkte ich mit Freude, dass die Beiträge mit Bedacht ausgewählt wurden: So beziehen sich die Geschichten durchaus aufeinander, sei es, dass sie aus der Feder eines Autoren stammen (Hans Fallada) oder der Phantasie zweier Köpfe (Salomon Friedländer/ Kurt Tucholsky) entsprungen sind. So befruchten sich diese Geschichten gegenseitig und lassen einen roten Faden innerhalb dieser Anthologie erkennen.

Die „Gebrauchsanweisung für das familienfreundliche Absingen der wichtigsten Weihnachtslieder“ von Daniel Glattauer habe ich persönlich stimmstark erprobt. Bei „Das Weihnachtsfest des alten Schauspielers Nesselgrün“ von Salomon Friedländer schaufelte sich der Vor-Leser (die alte Rampensau) in mir an die Oberfläche: Ich konnte der Versuchung nicht wiederstehen, dieses kleine humoristische Kabinettsstückchen laut vorzutragen.

Der Sammlung „Nichts als Weihnachten im Kopf“ ist es gelungen, mir neue Impulse für zukünftige Lesungen zu schenken. Somit kann ich nur attestieren: Alles richtig gemacht, Kampa-Verlag!


erschienen bei Kampa/ ISBN: 978-3311250074

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #63: Welcher Autor war deine literarische Neuentdeckung des Jahres?

„Ohje,“ dachte ich beim ersten Blick auf die heutige Montagsfrage „literarische Neuentdeckungen: gab es die für mich überhaupt? Ich lese doch immer das Gleiche…!“

Doch dann warf ich einen Blick auf meine Rezensionen und korrigierte meine vorschnell gemachte Selbst-Einschätzung: Oh, ja, es gab die eine oder andere literarische Neuentdeckung für mich. Die letzten beiden Worte sind bewusst unterstrichen: Da sind Autor*innen durchaus schon bekannt und etabliert bzw. ihre Werke sind schon seit einiger Zeit erschienen. Doch für mich waren sie unbekannt und stellten somit eine Neuentdeckung für mich dar.

Im April fiel mir das entzückende Erstlingswerk von Anne Cathrine Bomann in die Hände und schaffte auf wenigen Seiten das, was so manche andere Autor*innen seitenstark nicht schaffen: mein Herz zu berühren und mich mit einem wohligen Gefühl zu beschenken.

Im Juli steckte ich zum ersten Mal meine Nase in einen Schinken von P. G. Wodehouse und war für die nächsten Stunden hoffnungslos verloren – verloren in der aberwitzigen, respektlosen Welt von Bertram Wooster und seinem brillanten Butler Jeeves. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann mich ein Werk zuvor in einem Zustand des hemmungslosen Kicherns versetzt hat.

Im August schaffte es Stuart Turton das Krimi-Genre nicht unbedingt neu zu erfinden, dafür aber äußerst spannend und vielschichtig neu zu interpretieren. Dieser Roman fesselte mich im wahrsten Sinne des Wortes auf meinem Sofa. Unterbrechungen der Lektüre konnte ich nur schwer ertragen, da ich unbedingt „dranbleiben“ wollte, um auch die unheilvolle Stimmung, die Turton geschickt kreiert, nicht zu zerstören.

Im Oktober widmete ich mich dann dem neusten Werk von Kathrin Aehnlich, dass sich auf besonderer Art mit dem Mauerfall und der Wende beschäftigte. Dies gelingt Aehnlich ohne Peinlichkeiten, Schuldzuweisungen und überzogenen Klischees – dafür mit Humor und einem verständnisvollen Blick auf Ost wie West.

…und so konnte ich Euch doch eine kleine, feine Auswahl meiner ganz persönlichen literarischen Neuentdeckungen präsentieren!

…und welche literarischen Überraschungen hielt das Jahr 2019 für Euch parat?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.