[Rezension] Erich Kästner – Über das Verbrennen von Büchern

„Am 10. Mai 1933 ließ Joseph Goebbels auf öffentlichen Plätzen nationalsozialistische Kundgebungen veranstalten, bei denen die Studenten der deutschen Hochschulen Berge von Büchern verbrannten, die dem Staatsstreich gegen Freiheit, Toleranz und Intelligenz im Wege standen.“ So beginnt Kästner einen Artikel mit der Überschrift „Kann man Bücher verbrennen? Zum Jubiläum einer Schandtat“, der am 9. Mai 1947 in der Frankfurter „Die Neue Zeitung“ erschien.

Was darf/kann/soll/muss ich von einem politischen System halten, deren Anhänger die Werke der literarischen Opposition verbrennen? Sie als dumm oder ignorant zu bezeichnen, wäre als Kernaussage zu dürftig. Vielmehr erschreckt mich die Tatsache, dass mit diesem zerstörerischen Akt diese Menschen die Freiheit des eigenen Geistes willentlich einschränken und sich damit eine freie Meinungsäußerung und einen kreativen wie humanitären Umgang mit den Werken Andersdenkender verwehren.

Kästner war an dem besagten Termin in Berlin persönlich vor Ort. Er stand dem Flammenberg gegenüber. Er hörte Goebbels seinen Namen brüllen, während seine Bücher ins Feuer geworfen wurden. Seine Erinnerungen an diese schreckliche Nacht sollten nie verblassen. Vielmehr lässt er uns, alle diejenigen, die vielleicht von der Gnade der späten Geburt profitieren, an seinen Erinnerungen teilhaben. Zeitlebens war er ein Mahner, einer, der die Erinnerung in der Bevölkerung wachhält. So sprach er bei seiner Ansprache auf der Hamburger P.E.N.-Tagung am 10. Mai 1953 „Über das Verbrennen von Büchern“ und hinterfragte sein eigenes stilles Dulden zu der Zeit. So übt er nicht nur Kritik sondern zieht auch mit sich selbst vor Gericht: Angst blockiert und verändert den Menschen. Was hätte mit ihm in jener Mai-Nacht passieren können, hätte er seine Stimme gegen die Bücherverbrennung erhoben. Vielleicht kamen ihm sogar die Worte Heinrich Heines in den Sinn „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ So blieb er in dieser Nacht an diesem Ort in diesem Moment stumm und wurde dadurch zum Chronisten dieser Schandtat.

Doch Kästner möchte nicht „nur“ ein Chronist sein. Vielmehr deckt er auch auf, nennt Namen und legt somit den Finger in die empfindsame Wunde der Öffentlichkeit.

In seinem Artikel „Briefe in die Röhrchenstraße“ in „Die Neue Zeitung“ vom 5. August 1946 schildert er von der Engstirnigkeit und Verbohrtheit der sympathisierenden Literaten des NS-Regimes. Vom Realitätsverlust und ihrem Mangel an Selbsteinschätzung zu lesen, war für mich beinah körperlich schmerzhaft. Diesen braunen „Literaten“ ging es einzig und allein um die Ausübung von Macht und um den persönlichen Profit und nicht um die Literatur!

Wer nun glaubt, dass eine Bücherverbrennung sich nicht wiederholen werde, dem lehrt Kästner in seinem Beitrag „Lesestoff, Zündstoff, Brennstoff“ vom Oktober 1965 leider „schlechteres“: Am 3. Oktober 1965 versammelte sich eine Jugendgruppe des „Bundes Entschiedener Christen“ in Düsseldorf am Rheinufer und verbrannte mit Genehmigung des Ordnungsamtes Bücher von Erich Kästner, Günter Grass und anderen Autor*innen. Die Idee zu dieser Aktion kam den Beteiligten – nach eigener Aussage – ganz „spontan“. Über Wochen wurden ebenso „spontan“ die Bücher gesammelt, und „spontan“ wurde die Genehmigung beim Ordnungsamt beantragt. Dieses hat sich von so viel jugendlicher „Spontanität“ mitreißen lassen und „spontan“ seine Erlaubnis erteilt. Ein „spontan“ anwesender Pressefotograf der evangelischen Kirche machte dazu absolut „spontane“ Fotos…! Kästner konnte und wollte dies nicht unkommentiert lassen und erlebte bei den Beteiligten bzw. Zuständigen eine Ignoranz bzw. Naivität, die schier unglaublich scheint.

Der „Bund Entschiedener Christen“ wies einen Vergleich mit der Bücherverbrennung 1933 „entschieden“ (!) zurück, die Landeskirche distanzierte sich, der Oberbürgermeister von Düsseldorf verwies auf die Zuständigkeit des Ordnungsamtes, und das Ordnungsamt betonte, dass es im Zuge der öffentlichen Sicherheit nur für die Eindämmung des Funkenflugs zuständig sei und nicht für das Brennmaterial, aus dem die Funken entstanden sind. Beim Lesen dieses Essays fühlte ich mich an einen absolut missglückten Schildbürger-Streich erinnert: Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte!

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Komplementiert wird diese Text-Sammlung durch eine Chronik rund um die Ereignisse der Bücherverbrennungen und schließt mit einer (natürlich nur unvollständigen) Autorenliste der 1933 verbrannten Bücher.

Das vorliegende Büchlein mit seiner überschaubaren Anzahl an Essays wirkt äußerlich zwar „klitze-klein“, ist inhaltlich aber „riesengroß“. Es ist Erich Kästners eindringliche Mahnung gegen das Vergessen…!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855353897

MONTAGSFRAGE #91: Welches Buch aus einem Genre, das du eigentlich nicht magst, magst du?

Bevor Antonia Leise die MONTAGSFRAGE für den gesamten Monat August in die Sommerpause schickt, hat sie uns zum Abschied nochmals eine schwere Nuss zum Knacken gegeben…

…und spielt damit auf die MONTAGSFRAGE #26: Gibt es ein Genre, das du gar nicht (gern) liest? an. Denn Ausnahmen bestätigen nun mal durchaus häufig die Regel,…

…nur in diesem Fall nicht bei mir!!!

Das Lesen der Frage hatte wieder einen meiner MONTAGSFRAGE-Schreie zur Folge. Ich ahnte es schon beim Lesen und wurde bestätigt, trotzdem begab ich mich auf eine erfolglose Suche durch meine Bücherregale: Kein Werk eines von mir wenig geliebten Genres hatte seinen Weg zu mir gefunden. Bei der Wahl meiner Lektüre bleibe ich mir treu.

Meine Abneigung bzgl. der genannten Genres besteht weiterhin, und ich habe – zumindest nicht wissentlich – weder vor noch seither – ein Werk aus diesen Themengebieten gelesen, das mir hätte gefallen können. Zudem nehme ich mal stark an, dass, wenn es mir gefallen hätte, ich mich daran erinnern würde (Alzheimer lässt grüßen? Ich hoffe nicht…!).

Die verschiedenen Genres dürfen gerne weiterhin in friedlicher Koexistenz nebeneinander leben, und jede*r Leser*in darf frei nach persönlichem Gusto die Lieblingslektüre wählen. Dieses Privileg betrachte ich durchaus als großes Glück und Geschenk (Bei meiner Beschäftigung mit Erich Kästner wurde mir wieder bewusst, dass es in unserem Heimatland durchaus Zeiten gab, wo die persönliche Freiheit massiv eingeschränkt war!).

Ebenso wie mir die Wahl offen steht, möchte ich auch niemand anderen zu einem bestimmten Genre bekehren. Ganz im Gegenteil: Ich möchte Euch ermutigen, Eurem Stil treu zu bleiben. Lest worauf Ihr Lust habt und lasst Euch die Freude am Lesen nicht von selbsternannten Literaturkennern und/oder penetranten Besserwissern madig machen!

…seid Ihr Genre-treu oder darf es auch mal ein „Fehltritt“ sein???

P.S.: Die nächste MONTAGSFRAGE erscheint am 7. September 2020.


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Philip Kerr – Friedrich der grosse Detektiv

Kaum war das Buch erschienen, da war Friedrich auch schon der größte Fan von „Emil und die Detektive“. Und diese Schwärmerei ist nicht nur dem Umstand geschuldet, dass der Autor Erich Kästner mit seinem Vater befreundet ist und zudem direkt im Nachbarhaus wohnt. Diese Verehrung für den Autor wird nicht gleichermaßen gerne gesehen: Während seine Eltern weiterhin mit Kästner befreundet bleiben, sympathisiert sein älterer Bruder Rolf mit den Nazis. Er zwingt Friedrich, ihm sein Exemplar von „Emil und die Detektive“ auszuhändigen, dass er dann bei der Bücherverbrennung in die Flammen wirft. Doch als größter Fan besitzt Friedrich noch ein weiteres Exemplar seines Lieblingsbuches, das er schon über 20 Mal gelesen hat und dessen Existenz er nun vor seinem Bruder verheimlichen muss. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als gemeinsam mit seinen Freunden Albert und Viktoria als Detektive aktiv zu werden. Überraschend erhalten sie von der Polizei den Auftrag, einen Spion zu überwachen. Friedrichs Schreck ist groß als sich herausstellt, dass niemand geringerer als Erich Kästner im Visier der Gestapo steht. Da er sich sicher ist, dass Kästner unschuldig ist, sammelt er mit seinen Freunden Beweise für seine Unschuld. Als sie dabei im Park über die Leiche eines befreundeten Künstlers von Kästner stolpern, wird ihnen bewusst, dass Recht nicht mehr gleich Recht ist. Die politische Atmosphäre wird zunehmend angespannter: Die Welt droht aus den Fugen zu geraten…!

Autor Philip Kerr verfügte über genügend Erfahrung im Erzählen von Geschichten, die zur Zeit des Dritten Reichs angesiedelt sind. Und vielleicht brauchte es auch erst diesen versierten britischen Autoren, der es wagte, gleich zwei (un-)heilige Kühe zu schlachten: …eine Abenteuer- und Kriminalgeschichte für Kinder und Jugendliche zur Zeit des Dritten Reichs anzusiedeln, und Erich Kästner als Dreh- und Angelpunkt in diesem Buch auftreten zu lassen.

Neben Kästner finden weitere historische Persönlichkeiten in der Handlung Erwähnung und dienen dazu, den Umbruch der damaligen Zeit zu symbolisieren und den Widerstand und die Zivilcourage zu repräsentieren. Der freie Geist dieser Menschen wurde von den Nazis nicht toleriert: „Gleichschaltung“ lautete deren Parole. Und so stehen Erich Kästner und seine Künstler-Kollegen stellvertretend Pate für all die vielen Menschen, die dem Nazi-Regime zum Opfer fielen, nur weil sie es wagten, anders zu denken, anders zu glauben oder anders zu lieben. Dabei schoss Philip Kerr ein wenig über das Ziel hinaus: Zwar musste ich unwillkürlich schmunzeln, als ich von der Begegnung unseres Helden Friedrich mit Christopher Isherwood (Ja, genau der Christopher Isherwood, der im Oktober bei „Literaten im Fokus“ von mir gewürdigt wird!) las. Diese Begegnung war für den Fortgang der Handlung allerdings absolut unerheblich und somit entbehrlich. Vielmehr hatte ich – nachdem ich den entsprechenden Eintrag im Nachwort des Autors gelesen hatte – den Verdacht, dass Kerr mit dem Auftauchen dieser Person verdeutlichen wollte, dass auch Homosexuelle von den Nazis verfolgt wurden.

Dieses „Aufblähen“ der Handlung hätte das Werk gar nicht nötig gehabt. Kerr ist das Kunststück gelungen, sowohl den Spannungseffekt passend für eine junge Leserschaft zu schaffen und gleichzeitig die Umstände der damaligen Zeit überzeugend zu beschreiben. Die tagtägliche Bedrohung ist ebenso nachvollziehbar wie Friedrichs Trauer über den Abschied von seinem Freund jüdischen Glaubens oder den Verlust der liberal-denkenden Klassenlehrerin. Eine „normale“, ungezwungene Kindheit war nicht möglich. Ein Heranwachsen der Jugend zu eigenständig denkenden Erwachsenen war nicht erwünscht. Mit einem Prolog und Epilog erlaubt der Autor einen Blick in die Zukunft seiner Helden und verwehrt (für ein Kinder- und Jugendbuch ungewöhnlich) seinen jungen Lesern ein versöhnliches Ende: Für Friedrich und seine Freunde gibt es kein Happy-End!

So hebt Autor Philip Kerr diese Geschichte auf eine realistischere Ebene (Es ist nicht „nur“ ein fiktiver Abenteuerroman, vieles hätte damals durchaus wirklich so passieren können!)…

…und schafft somit eine Gesprächsgrundlage zwischen den Generationen, denn unkommentiert sollte niemand seinem Kind dieses Buch zum Lesen geben!

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Janina Lehmann von „Frau Lehmann liest“.

Lust auf ein weiteres Medium? Dann empfehle ich Euch den Spielfilm Kästner und der kleine Dienstag aus dem Jahre 2016 (Regie: Wolfgang Murnberger). Es handelt sich hierbei nicht um eine Verfilmung des o.g. Romans: Der Film vermittelt aber sehr eindrucksvoll ein Bild der damaligen Zeit.


erschienen bei rowohlt rotfuchs/ ISBN: 978-3499217913 / auch als Taschenbuch erschienen bei rowohlt rotfuchs/ ISBN: 978-3499000706

MONTAGSFRAGE #90: Was magst du lieber: Fiction oder Non-Fiction?

Hm…! (Grübel! Am Kopf kratzend!) Irgendwie klingt die Frage „Was magst du lieber?“ für mich etwas irritierend und wirft weitere Fragen auf. Bedeutet es, wenn ich das eine mag, dann mag ich das andere nicht bzw. weniger? Es ist definitiv so, dass ich von dem einen mehr lese als von dem anderen, aber ich mag beide…! Zudem fällt es mir schwer, beides miteinander zu vergleichen bzw. in Verbindung zueinander zu stellen, da jedes für sich unterschiedliche Bedürfnisse bei mir befriedigt. Ich bin mir sehr sicher, dass Antonia mit der Formulierung der Frage eine Wertung nicht im Sinn hatte. Und selbstverständlich bleibt es jeder/m unbenommen, sie nach eigenem Gusto zu beantworten. Doch ich erlaube mir die Freiheit und formuliere die Frage für mich ganz persönlich um in…

„Was liest du häufiger: Fiction oder Non-Fiction?“

Ein kurzer Blick auf meine Rezensionen genügt, und selbst die Kurzsichtigsten unter meinen Followern erkennen klar und deutlich, dass ich mehr Fiction lese…!

Natürlich befasse ich mich auch hin und wieder mit Non-Fiction: Gerade in meiner letzte Rezension beschäftigte ich mich mit Non-Fiction und wandelte auf den Spuren von Erich Kästner. Doch auch in der Vergangenheit weckten tolle Kinder-Bilder-Sachbücher mein Interesse oder machten die Fotos in einem ansprechenden Bildband mich staunend. Beispiele findet Ihr unter der Rubrik „Das geschriebene Wort…“ hier auf meinem Blog. Auch beruflich als examinierte Pflegefachkraft greife ich hin und wieder zu einem Sachbuch bzw. zu den Standardwerken in der Pflege: Besonders bei Pflegetätigkeiten, die ich nicht so häufig durchführe oder seit einiger Zeit nicht mehr durchgeführt habe, dient die Lektüre dazu, mir vor ewigen Zeiten Gelerntes wieder in Erinnerung zu rufen. Zu aktuellen Themen und Entwicklungen in der Pflege informiere ich mich dann doch eher auf den entsprechenden Portalen im Internet. So kommen Sachbücher eher punktuell bzw. Anlassbezogen bei mir zum Einsatz…!

Doch das größte Stück vom Lese-Kuchen bleibt der fiktiven Literatur in seinen vielfältigen Formen vorbehalten:

„Lesen heißt durch fremde Augen träumen.“ Fernando Pessoa

Der portugiesische Dichter und Schriftsteller beschreibt in so wenigen Worten genau das Phänomen, das sich (bestenfalls) beim Lesen fiktiver Geschichten bei mir einstellt: Die Realität lasse ich hinter mir. Ich begebe mich auf die Reise in fremde Länder, erhasche Einblicke in frühere Epochen und nehme Anteil an den Schicksalen vielfältiger Persönlichkeiten. Vor meinem inneren Auge entstehen ganze Welten, imaginäre Bühnenbilder entfalten sich Szene für Szene in denen die Protagonisten agieren. Am Korsett meiner Emotionen wird so lange gerüttelt bis meine Empfindungen an die Oberfläche schwappen, sich Bäche von Tränen oder Lachen oder beidem aus mir ergießen und so die angestaute Spannung lösen. Am Ende meiner Lektüre erwache ich aus meinem Traum und spüre eine süße Trauer, da ich mich zu meinem Bedauern von liebgewonnenen Figuren verabschieden muss. Diese Komplexität an inneren Abläufen und Empfindungen lösen nur fiktive Geschichten bei mir aus…

…und nicht die Lektüre eines Tatsachenberichts über den Alltag eines Krankenpflegers in einem ambulanten Pflegedienst! 😉

…darf es bei Euch eher realitätsnah oder lieber realitätsfern sein???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Michael Bienert – Kästners Berlin: Literarische Schauplätze

Michael Bienert ist der absolute Kenner für das literarische Berlin: Neben seiner Tätigkeit als Kulturjournalist fungiert er im realen Leben ebenso wie zwischen zwei Buchdeckeln als versierter literarischer Stadtführer (www.text-der-stadt.de). Der interessierte Leser kann sich gemeinsam mit ihm auf Spurensuche begeben und je nach persönlichem Gusto einen Blick auf die literarischen Schauplätze von Bertolt Brecht, Alfred Döblin, E.T.A. Hoffmann oder Erich Kästner werfen.

Bienert folgt sehr akribisch aber nicht detailversessen dem großen Literaten auf seinen Wegen durch das Berlin zwischen den Jahren 1927 und dessen Tod. Dabei unterteilt er die Kapitel klug in Lebensphasen und Schaffensperioden ein. In den Lebensphasen Kästners begleiten wir ihn durch das pulsierende kulturelle Berlin der Vorkriegsjahre, besuchen mit ihm Kabaretts, Cafés und Theater und machen einen Abstecher ins Zeitungsviertel. Die Kriegsjahre engen den Freigeist nicht nur in seiner Kreativität ein. Auch geografisch wird Kästners Radius enger. Sowohl die Bücherverbrennung als auch die Reichspogromnacht erlebte er hautnah mit. Persönliche Repressalien durch die Gestapo veranlassten ihn, sich zunehmend zwischen den schützenden Wänden seiner Wohnung zurückzuziehen, da er sich nur hier wirklich sicher fühlte. Nach dem Krieg zog Kästner nach München, fühlte sich Berlin dank Familie und Freunden weiterhin verbunden.

Auch Kästners Figuren flanieren durch die Straßen der Weltmetropole: Emil und die Detektive scheuchen uns quer durch Berlin auf der Suche nach einem üblen Dieb. Pünktchen und Anton geben uns einen Einblick sowohl ins noble Villenviertel als auch in die zwielichtige Gegend rund um die Weidendammer Brücke. Seine Romanfigur Jakob Fabian lässt er plan- und ziellos durch das dekadente und verruchte Wedding treiben.

 

Anhand von historischen Straßenkarten mit detaillierten Ortsangaben kann ich als Leser den jeweiligen „Spaziergängen“ folgen und gemeinsam mit dem Autor und seinen Geschöpfen durch das frühere Berlin schlendern. Die Atmosphäre der damaligen Stadt wird durch zeitgenössische Dokumente, Fotografien und Postkarten heraufbeschworen. Demgegenüber vermitteln die aktuellen Fotos der Straßen und Orte einen guten Eindruck über die Veränderungen, die eine Stadt zwangsläufig über die Jahre bzw. Jahrzehnte durchlebt.

Michael Bienert überzeugt in jedem Kapitel mit fundierten Kenntnissen über das Leben und Wirken Erich Kästners. Doch auch der große Literat kommt hier selbst zu Wort und liefert uns in Anekdoten, Zitaten, Tagebucheintragungen und Artikeln seine persönliche Sicht auf „sein“ Berlin.

Die Fülle an Informationen wird komplementiert sowohl durch Anmerkungen von Bienert zu den jeweiligen Kapiteln als auch um ein Adressbuch „Kästners Berlin von A bis Z“, das trotz seines Umfangs keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Kästner war ein sehr umtriebiger Mensch, der Kontakte quer durch die Stadt pflegte. Wer kann da schon genau sagen, wo er sich überall „rumgetrieben“ hatte.

Michael Bienerts vorliegendes Werk über Erich Kästner nötigt mir Respekt ab. So schafft der Autor den schwierigen Spagat zwischen Sachbuch, Bildband und Zitaten-Sammlung äußerst informativ und unterhaltsam.


erschienen bei Verlag für Berlin-Brandenburg/ ISBN: 978-3945256008

MONTAGSFRAGE #89: Welche Tipps würdet ihr jungen (Literatur/Buch-)Bloggern geben?

Kennt Ihr eigentlich schon meinen MONTAGSFRAGE-Schrei? Lang, lang ist es her, dass eine Frage von Antonia mich zum besagten Schrei animiert hat. Das letzte Mal entlockte mir die MONTAGSFRAGE #49 einen ebensolchen. Heute war es nun mal wieder so weit: In der idyllischen Stille meines Wohnumfeldes erschall ohne Vorwarnung ein Schrei, der eine Schar zart-gurrender Tauben aufscheuchte, über den Gartenzaun plaudernde Nachbarinnen verstummen lies und meinen Kater von seinem Lieblingsschlummerplatz verschreckte. Ach menno, Antonia, was soll denn das? Zur Beantwortung dieser Frage müsste ich ja so richtig überlegen, womöglich sogar mit dem Kopf! Aber, na gut, wenn’s denn sein soll…!

Als bei mir vor einigen Jahren der Wunsch aufkeimte, meine Liebe zum Buch und zum Lesen nicht nur weiterhin für mich allein im stillen Kämmerlein zu frönen, begab ich mich erstmal auf die Suche nach einem für mich geeigneten Medium. Bei der Auswahl war mir wichtig, dass ich dieses Medium auch im Rahmen meiner Möglichkeiten bedienen kann. Youtube kam nicht in Frage, da ich nicht permanent irgendwelche Filmchen drehen wollte. Instagram kam nicht in Frage, da ich kein Handy besitze, und die Präsentations-Möglichkeiten eher überschaubar schienen. Meine ersten tapsigen Blogger-Schritte machte ich dann auf Facebook und stellte ernüchternd fest, dass ich mich mit einem Blog dort nicht wohl fühlte. So bin ich bei WordPress gelandet und der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte! Lange Rede, kurzer Sinn: Sucht Euch ein Medium, dass Euch und Eurem Vorhaben/ Euren Wünschen entspricht!

Dann habe ich mir ganz viele andere Literatur/Buch-Blogs angesehen: Vieles fand ich gut, einiges fand ich weniger gut. Doch dank dieser Recherche wurde mir schnell klar, was mir nicht gefiel und wie mein Blog nicht sein sollte. Über diesen Umweg entstand bei mir recht schnell das Bild meines persönlichen Buch-Blogs vor meinem inneren Auge: Ich entschied mich für die Optik und etablierte die ersten Rubriken.

Im ersten ¾ Jahr war mein Blog im „work-in-progress“ und ich in „learning-by-doing“: Ich habe ausprobiert und verworfen, umgestellt und neu-strukturiert, und langsam endwickelte mein Blog sein eigenes Profil und spiegelte mich als Person wieder. Mir war/ist es wichtig, dass die Menschen dort draußen im großen WWW erkennen können, wer hinter .LESELUST steht. Darum grinst Euch auch meine Visage aus dem Header-Bild entgegen. Ebenso wichtig war mir ein klares Erscheinungsbild mit einer ausgesuchten Farbgebung, um einen möglichst großen Wiedererkennungswert zu erreichen. Die Profis nennen es wohl „Corporate Identity“.

Es klingt nun wahnsinnig professionell, was ich definitiv nicht bin: Mein Blog sollte meine Persönlichkeit widerspiegeln – nicht mehr aber auf keinem Fall auch nicht weniger! Zum Glück konnte ich der Versuchung widerstehen, alle Features, die so ein Blog-Portal anbietet, auch auszuprobieren bzw. anzuwenden. Die Bücher und das Lesen sollen definitiv im Mittelpunkt meines Blogs stehen und die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf sich ziehen und nicht irgendwelche blinkenden „Special-Effects“.

Zudem musste ich mich in meinem überschwänglichen Enthusiasmus auch stark zurück halten: Es gibt so viele wunderbare Literatur/Buch-Blogs, die mir Ansporn und Vorbild sind und mich – gerade am Anfang – unter Stress setzten, es ihnen gleichzutun bzw. sie nachzuahmen. Aber dann wäre mein Blog nur ein billiger Abklatsch eines deutlich besseren Originals geworden. Und wer möchte das schon? Ich ganz bestimmt nicht…!

Dabei spricht nichts dagegen, gute Ideen von Blogger-Kolleg*innen für sich zu adaptieren. Mein Credo lautet „Besser gut geklaut als schlecht selber gemacht!“. Wobei ich immer bemüht bin, die/den Ursprungs-Ideengeber*in mit einer namentlichen Nennung zu würdigen: Das gebietet der Anstand und zeugt von Respekt!

Nun hatte ich meinen wunderbaren eigenen Blog, und „kein Schwein ruft mich an“, will sagen: Kein Mensch hat meine geistigen Ergüsse gelesen. Woher sollte die Welt da draußen auch wissen, dass es einen brillanten neuen Buch-Blog gibt? Also stürzte ich mich in das bunte Treiben der Buch-Blogger-Welt, hinterließ mal hier einen Kommentar, setzte mal dort ein LIKE und machte bei Aktionen wie dieser MONTAGSFRAGE mit. Mein Blog wurde mit der Zeit bekannter, die ersten Follower trudelten ein, und ich lernte ganz tolle Blogger-Kolleg*innen kennen. Dieses Geschenk kann ich nicht hoch genug bewerten: Wir kommunizieren hier auf einem sehr hohen Niveau, müssen dabei zwar nicht immer einer Meinung sein, begegnen uns aber mit einem gehörigen Maß an Wertschätzung. Dafür bin ich sehr dankbar!

Doch so ein Blog soll ja auch über Jahre mit Inhalt gefüttert werden. Bücher müssen gelesen werden, damit anschließend über sie berichtet werden kann. Das Schreiben von längeren Beiträgen, wie Rezensionen oder die Antworten zur MONTAGSFRAGE, bündelt natürlich viel Zeit, die ich gerne erübrige – schließlich ist dieser Blog ja auch mein Hobby – aber hin und wieder fehlt mir aufgrund der Anforderungen des Alltags gerade diese Zeit. So habe ich auf meinem Blog Rubriken etabliert, bei denen das Erstellen der Inhalte deutlich weniger Zeit benötigt, die aber trotzdem meine Liebe zum Lesen und zur Literatur widerspiegeln. Zudem nutze ich einen Jahreskalender, um die Übersicht nicht zu verlieren: Einerseits garantiere ich so beim Erscheinen meiner Beiträge eine gewisse Abwechslung, andererseits kann ich zu gewissen Themen und Rubriken die Beiträge „vor-produzieren“ und entsprechend terminieren. Zudem hilft mir dieser Kalender, nicht in Panik auszubrechen bzw. mich selbst nicht unter Druck zu setzten, nur weil ich das Gefühl habe, ich müsste die fünf vorliegenden Rezensionsexemplare möglichst schnell/ gleichzeitig lesen. Ein Blick auf meinem Kalender verrät mir, wann welches Buch an der Reihe ist. Mein einziger Anspruch dabei: Ich möchte (nach Möglichkeit!) pro Woche eine Buch-Rezension veröffentlichen.

All diese „Werkzeuge“ helfen mir dabei, damit mein Blog mir weiterhin Spaß und Freude bereitet. Stress gibt es so schon zuhauf! 😉

…und welche Tipps habt Ihr so in petto???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Erich Kästner – Sonderbares vom Kurfürstendamm: Berliner Beobachtungen/ herausgegeben von Sylvia List

Berlin und ich: Wir stehen uns sehr zwiespältig gegenüber. Irgendwie wurden wir nie richtig miteinander warm. Bei meinem ersten Besuch der Stadt kurz nach dem Mauerfall schlenderte ich über den Kurfürstendamm und wollte – ganz Touri – einen Blick ins Kaufhaus des Westens werfen. In einem Buchladen am Ku’damm fragte ich die Verkäuferin beim Bezahlen an der Kasse, in welche Richtung ich mich zum KdW wenden müsste. Mich traf ein abschätziger Blick und im breitesten Berlinerisch bekam ich als Antwort „Imma de Menschenmasse nach!“. Berliner Schnauze und Norddeutscher Fischkopp scheinen mir wenig kompatibel.

Doch für viele – besonders den Kunstschaffenden – hat/hatte Berlin eine schier magische Anziehungskraft. So verschlug es auch den aufstrebenden Jungschriftsteller Erich Kästner im Jahre 1927 vom beschaulichen Leipzig in die pulsierende Metropole, und er verdingte sich seine ersten Sporen mit Veröffentlichungen von Gedichten, Glossen und Rezensionen in unterschiedlichen Tageszeitungen sowie Kritiken für das Magazin „Die Weltbühne“. Die Jahre zwischen 1927 und 1933 gelten als seine produktivste Zeit, in der er zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren Berlins aufstieg und in der neben den schon genannten Publikationen auch „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ entstanden. Die Texte aus dieser Zeit spiegeln auch den Lebenshunger der Berliner wieder: Authentisch beschreibt er die Kabaretts und Revuen, das schillernde Volk in den Bars und Vergnügungstempeln, aber auch das zweifelhafte Amüsement für die einfachen Leute in Form eines Rummelplatzes im Hinterhof. Auch Auszüge aus „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ dürfen in dieser Berliner „Chronik“ nicht fehlen. Zwischen seinen Zeilen spürt der Leser den pulsierenden Herzschlag einer Stadt: Kästner schrieb über Triviales ebenso ernsthaft, wie er über Erhabenes spottete. Seine Gedichte sind schelmisch, ironisch aber auch durchaus poetisch zart. Große Persönlichkeiten der Theater- und Kultur-Szene finden in seinen Rezensionen Erwähnung. Die Informationen des Anhangs offenbaren die Tragik: Die meisten von ihnen mussten entweder emigrieren oder fielen der Tötungsmaschinerie der Nazis zum Opfer.

In den Jahren von 1933 bis 1945 war Kästner zur Untätigkeit verdammt: Den Nationalsozialisten war er als liberal-denkender Literat suspekt. Seine satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Werke galten „wider den deutschen Geist“ und wurden bei der öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 verbrannt. Trotz massiver Repressalien, wie Verhöre bei der Gestapo, Berufsverbot und Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, blieb Kästner in Berlin: Er sah sich als Chronist dieser Zeit und führte ein geheimes Tagebuch über die damaligen Geschehnisse. Die Texte aus diesen Jahren erschüttern! Die Gedichte und Aufzeichnungen zeugen von der Absurdität nationalsozialistischem Gedankengut, oder um es mit Kästners eigenen Worten zu beschreiben:

„Gut und Böse, unwandelbare Maßstäbe des menschlichen Herzens, wurden durch Gesetz und Verordnung ausgetauscht. […] Wer unschuldige Menschen umbrachte, wurde befördert. Wer seine menschliche oder christliche Meinung sagte, wurde geköpft oder gehängt.“

Über „Berlin nach 1945“ schrieb Kästner keine einzige Zeile

Herausgeberin Sylvia List hat eine abwechslungsreiche Sammlung an Texten aus dem Œuvre von Erich Kästner zusammengestellt, die einen gelungen Bogen schlagen von „Babylon Berlin“ zu „Berlin in Trümmern“. Mit dieser Anthologie beweist sie abermals, was jedem Leser von Kästners Werken durchaus schon bewusst ist:

Kästner amüsiert, Kästner kritisiert, und er unterhält auf hohem Niveau!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855354139

MONTAGSFRAGE #88: Warst/bist du in einem Buchclub (oder könntest du es dir vorstellen)?

Bevor ich zur Beantwortung der heutigen Montagsfrage komme, musste ich den Begriff „Buchclub“ für mich genau definieren. Nachdem ich die Frage erstmals gelesen hatte, tollten in meinem Kopf ganz andere Assoziationen, als die von Antonia Leise beschriebenen, herum.

Für mich ist/ war ein Buchclub ein Geschäftsmodel, wo ich aktuelle Bücher in besondere/ eigener Ausstattung ein wenig günstiger erhalte. Dafür werde ich Mitglied in diesem Club und verpflichte mich, einmal pro Quartal dort ein Buch (oder ein anderes Medium) zu erwerben. Sollte ich zu einem festgelegten Termin noch nichts aus dem Sortiment gewählt haben, wird mir automatisch der Vorschlagsband zum Vorzugspreis zugeschickt.

Ja, vor einiger Zeit war ich für ein paar Jahre Mitglied im Bertelsmann Buchclub. Noch heute stehen viele der dort gekauften Bücher in meinem Bücherregal, z. Bsp. „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, „Die Erben Kains“ von John Jakes und „Ein Stück Himmel“ von Janina David. Praktischerweise gab es hier in Osterholz-Scharmbeck die (Partner-)Buchhandlung Postmeyer, die das Buchclub-Sortiment in einem eigenen Ladenbereich präsentierte und mir zudem nicht Vorrätiges ohne zusätzliche Portokosten bestellten. Im Laufe der Jahre veränderten sich allerdings meine Lese-Vorlieben, und ich fand im dortigen Sortiment immer weniger, was mir zusagte. Auch wirkte auf mich irgendwann diese Form, Literatur unter das Volk zu bringen, eher bieder und angestaubt, und so trennten wir uns wieder. Weder der Bertelsmann Buchclub noch die Buchhandlung Postmeyer existieren noch. In der Zwischenzeit erleben einige Buchclubs eine kleine Renaissance und erfreuen ihre Mitglieder mit Werken in moderner, außergewöhnlich schöner und bibliophiler Aufmachung (z. Bsp. Büchergilde Gutenberg).

Antonia Leise verbindet mit einem Buchclub ein regelmäßiges Treffen von Literaturbegeisterten, die sich über einen gewissen Zeitraum mit ein und demselben Buch beschäftigen, sich darüber austauschen und diskutieren. Ich kenne dies eher als Lesekreis oder -zirkel. Aber unabhängig davon, wie wir „das Kind“ nennen, war ich an einer solchen Runde noch nie beteiligt, aber es würde mich sehr interessieren. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, hier in meiner Heimatstadt entsprechendes zu initiieren. Jetzt werdet Ihr Euch sicherlich fragen, warum dies bisher noch nicht erfolgt ist. Die Antwort (vielleicht ist es auch schlicht und ergreifend nur eine Ausrede) lautet: zu wenig Zeit, zu viele Ideen! Ich habe so viele Ideen, was ich hier in meiner Heimatstadt zum Thema „Lesen“ alles anstellen könnte, dass mich die Fülle anscheinend eher ausbremst. Vielleicht sollte ich aus dieser Vielzahl an Ideen eine Prioritäten-Liste erstellen und die Projekte Punkt für Punkte langsam abarbeiten. Uuups, falsche Formulierung: Nach Arbeit sollten sich solche Projekte nun wahrlich nicht anfühlen. Lesen bedeutet Spaß!

Sobald eine meiner Ideen Realität wird, werde ich selbstverständlich hier darüber berichten. Bis dahin: Habt bitte Geduld mit mir! 😉

…und welche Erfahrungen habt Ihr mit einem Buchclub gemacht???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Gustav Falke – SOMMER

Ihr singt von schönen Frühlingstagen,
Von Blütenduft und Sonnenschein,
Ich will nichts nach dem Frühling fragen,
Nein Sommer, Sommer muss es sein.

Wo alles drängt und sich bereitet
Auf einen goldnen Erntetag,
Wo jede Frucht sich schwellt und weitet
Und schenkt, was Süßes in ihr lag.

Auch ich bin eine herbe, harte,
Bin eine Frucht, die langsam reift.
O Glut des Sommers, komm! Ich warte,
Dass mich dein heißer Atem streift.

Gustav Falke

MONTAGSFRAGE #87: Wo befindest du dich gerade in deiner momentanen Lektüre?

Eine simple Antwort zu einer schlichten Frage verspricht an diesem Montag die Hüterin der Montagsfrage Antonia Leise. Einfach einen Blick in die aktuelle Lektüre werfen und Ort und Zeit der Handlung nennen: Fertig!

Auch wenn ich sonst immer behaupte, ich würde keine zwei (oder mehr) Bücher parallel lesen, so hat mich diese Frage eben genau dabei ertappt. Wobei ich meine Beschäftigung mit dem zweiten Buch nicht unbedingt als „lesen“ bezeichnen würde.

Bei dem Roman „Meine Mutter, unser wildes Leben und alles dazwischen“ von Joanna Nadin befinde ich mich noch ziemlich am Anfang der Geschichte auf Seite 60: Es ist der Monat März des Jahres 1978. Die 7-jährige Dido Sylvia Jones lebt nun seit einigen Monaten mit ihrer unkonventionellen Mutter Edie in einem geerbten Haus in einer Kleinstadt in Essex. In diese geordnete, gutbürgerliche Umgebung passen sie ungefähr ebenso perfekt hinein wie Donald Trump in das Amt des Präsidenten der USA. Wobei Dido und Edie deutlich amüsanter sind, und sie in dem verschlafenen Nest für einige Verwirrung sorgen (Okay! Für Verwirrung sorgt Trump auch, aber das Lachen ist mir bei ihm gänzlich vergangen!). „Eigentlich“ sollte die Rezension zu diesem Roman in dieser Woche erscheinen: Leider hatte mich die Hitze der vergangenen Tage nicht nur einfach ausgebremst sondern vielmehr völlig lahmgelegt. Darum bitte ich um ein wenig Geduld…!

Beim zweiten Buch handelt es sich um „Vater und Sohn: Sämtliche Abenteuer“ von E.O. Plauen. Diese reizenden Bildergeschichten schuf Erich Ohser unter Pseudonym und erschienen hauptsächlich zwischen 1934 und 1937 in der Berliner Illustrierten Zeitung. Seine Bildergeschichten sind liebevoll und amüsant, kommen (beinah) ohne Worte aus und machen somit „lesen“ überflüssig. Als Freund und Wegbegleiter von Erich Kästner wird Erich Ohser Euch in naher Zukunft hier auf meinem Blog nochmals begegnen.

…und in welcher Zeit und an welchem Ort steckt Ihr in Eurer Lektüre gerade fest???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.