Die nächsten hundert Fragen startet Antonia heute mit einem Thema über das ich bisher nicht einen einzigen Gedanken verschwendet habe: Trigger-Warnungen. Natürlich sind mir entsprechende Hinweise auf den Kanälen der s.g. sozialen Medien aufgefallen. Bei einigen Filmchen wird darauf hingewiesen, dass sie gewaltverherrlichende, sexistische, diskriminierende oder andere „geschmackvolle“ Darstellungen beinhalten, deren „Genuss“ einen negativen Einfluss auf die Psyche und die Seele des Zuschauers nehmen kann. Häufig wurden/werden mir diese Filmchen als „Werbeanzeige“ ungefragt in meine Timeline gespült, anfangs mühevoll von mir gemeldet und in der Zwischenzeit geflissentlich ignoriert. Gerade aufgrund der unreflektierten Verbreitung dieser Geschmacklosigkeiten durch einige Anbieter sozialer Medien habe ich mich entschieden, auf den entsprechenden Kanälen meine Aktivitäten massiv zu reduzieren.
Aber sollte es auch für Romane oder Sachbücher entsprechende Hinweise auf dem Cover geben? Ich bin da sehr zwiegespalten: Einerseits sollte jede*r die nötigen Informationen erhalten, um Leid an Leib und Seele zu vermeiden. Nur: Wo anfangen? Wo aufhören? und müsste der Betroffene nicht vielmehr die nötige Hilfe und Unterstützung erhalten (und annehmen), um mit entsprechenden Traumata auslösende Elementen umgehen zu lernen?
Andererseits wage ich die Behauptung, dass Bilder deutlich drastischer wirken als es das geschriebene Wort je könnte. Beim Film habe ich als Zuschauer keinen Einfluss, wie detailliert mir gewisse Szenen präsentiert werden. Schlimmstenfalls verlasse ich den Kinosaal oder betätige den AUS-Knopf der Fernbedienung. Bei der Lektüre eines Romans ist es meiner eigenen Fantasie freigestellt, wie detailreich ich mir eine Szene vorstelle. Meine Vorstellungskraft fungiert als Regisseur und kreiert die Szenerie der Handlung. Und auch hier habe ich es wortwörtlich in der Hand, kann das Buch jederzeit zuklappen und aus der Hand legen.
Vielleicht bin ich da auch sehr naiv, da gewisse Inhalte nie ihren Weg in meinen Blu-Ray-Player bzw. in mein Bücherregal finden würden: Medien, die (um bei meinen o.g. Worten zu bleiben) gewaltverherrlichende, sexistische, diskriminierende oder andere „geschmackvolle“ Darstellungen beinhalten, werden von mir schlicht und ergreifend nicht konsumiert.
Eine Trigger-Warnung bei Büchern halte ich für übertrieben: Als mündiger Leser weiß ich was mich erwartet, wenn ich ein Buch aufschlage. Da müssten die Werbung und der Klappentext zum besagten Buch schon arg nebulös und missverständlich sein, was auf mich dann schon beinah wie ein (gewollter?) Etiketten-Schwindel wirkt.
…und wie ist Eure Meinung? Trigger-Warnung bei Büchern: Ja oder Nein?
Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!
In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.
