[Rezension] Iwan Turgenjew – Das Adelsgut

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Dieses Adelsgut – irgendwo in der Pampa von Russland – hat eine wechselvolle Geschichte, eine Geschichte voller Entbehrung, Liebe, Leidenschaft, Verzicht…

Ebenso wechselvoll gestaltete sich das Leben von Fjodor Lawretzki, der nach seinem Studium in Moskau, einer gescheiterten Ehe in Paris und ereignisreichen Jahren in Italien endlich auf seinen Familiensitz zurückkehrt. Nach Jahren des unsteten Lebens sehnt er sich nach Beständigkeit und Traditionen. In Lisa, der Tochter seiner Cousine, scheint er eine treue Partnerin gefunden zu haben. Doch Lawretzki ist nach wie vor verheiratet, und eine Beziehung mit diesem jungen Mädchen im konservativ-katholischen Russland wäre gänzlich unmöglich…!

Auf über 300 Seiten portraitiert Iwan Turgenjew die Gesellschaft Russlands des 19. Jahrhunderts: Es passiert in diesem Roman im Grunde genommen nichts weltbewegend Neues. Im Grunde genommen finden sich in diesem Roman alle Zutaten für eine kitschig-süßliche Schmonzette. Was dies verhindert? Die Sprache…!

Ich lese die Sätze und bin bezaubert: Turgenjew wählt die Worte mit Bedacht, reiht sie wie Perlen auf einer Schnur auf und vereint sie zu großer Formulierkunst. Er kreiert Bilder mit diesen Worten. Seine Sprache ist voller Wehmut und Melancholie und entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie.

Ich lese die Sätze und bin begeistert: Lange Text-Passagen kommen gänzlich ohne Dialoge aus. Vielmehr stellt er sich in seiner Erzählweise als Vermittler an die Seite des Lesers und beschreibt ihm die Situationen. Dies gelingt ihm mit viel Leidenschaft und Verständnis für seine Protagonisten. Die Dialoge, besonders die Wortwechsel der gehobenen Gesellschaft, besitzen dafür einen feinen Witz.

Ich lese die Sätze und bin gefangen: Die grazile Sprachmelodie nimmt mich für sich ein. Einige Sätze lese ich mit Freude zum wiederholten Mal und zolle innerlich auch der Übersetzerin Christiane Pöhlmann meinen uneingeschränkten Respekt.

„Eine Sprache mit Geschick handhaben heißt, eine Art Beschwörungszauber treiben.“ Charles Baudelaire

Mit „Das Adelsgut“ von Iwan Trugenjew halte ich zum ersten Mal einen Band aus der „Manesse Bibliothek“ in meinen Händen: Ich liebe schöne Bücher und würde einem gebundenen Buch immer den Vorrang geben. Der Manesse-Verlag gestaltet diese Reihe äußerst geschmackvoll und sehr hochwertig. Es kommt eben nicht nur auf den Inhalt an!

erschienen bei Manesse/ ISBN: 978-3717524489

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #11: Was ist dein Trick zum preiswerten Bücherkauf?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Was ist dein Trick zum preiswerten Bücherkauf?

Liebe Antonia! Im Grunde genommen hast Du schon alle Möglichkeiten aufgezählt, die auch ich zum günstigen Bücherkauf gerne nutze.

Dafür bietet das Netz „unendliche“ Möglichkeiten: Meine bevorzugten Plattformen (Vorsicht Werbung!) sind da Medimops und Booklooker, die ich (auch) zur Vorbereitung auf eine Lesung gerne in Anspruch nehme: Da brauche ich erstmal eine Menge an Futter, aus dem ich dann peu à peu mein Vorlese-Menü zusammenstelle.

Sehr beliebt sind bei mir auch Gebrauchtmöbellager, die gerne – je nach Größe des Lagers – mindestens eine Bücherecke wenn nicht sogar eine eigene Bücherabteilung anbieten, die zum Stöbern einladen.

Gerade um die Advents- und Weihnachtszeit stehen auch gerne die Mitglieder des Lions Clubs mit einem gut gefüllten Stand auf den Weihnachtsmärkten und verkaufen für kleines Geld ihre gespendeten Bücher. Mit den Erlösen unterstützen Sie wohltätige Projekte.

Bei allen 3 Möglichkeiten konnte ich schon mit Freude verschollene Schätze für kleines Geld bergen: Häufig wusste ich bis zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass ich ein bestimmtes Buch „unbedingt“ benötige, bis ich es plötzlich in meiner Hand hielt.

Dabei spielt allerdings der Zustand der Bücher für mich eine entscheidende Rolle: Eselsohren, Flecke, Knicke im Schutzumschlag, schiefgelesene Buchrücken oder ein muffiger Geruch sind NO GOs für mich!

Im Umkehrschluss werden o.g. Möglichkeiten (insbesondere 1 + 3) auch von mir gerne genutzt, um mich von ungeliebten, unverstandenen und ungelesenen Büchern wieder zu trennen: Ich hege die große Hoffnung, dass sie dann endlich jemanden finden, der sie mehr zu schätzen weiß!


…und welche Möglichkeiten nutzt Ihr zur Schnäppchen-Jagd?

 

[Comedy / Kabarett] Sissi Perlinger – Ich bleib dann mal jung! / TiF Bremerhaven

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Foto: Franziska Schrödinger

Premiere: 5. April 2018 / besuchte Vorstellung: 8. November 2018 / TiF – Theater im Fischereihafen Bremerhaven


Regie: Dieter Woll
Kostüme: Entwurf Sissi Perlinger – Realisation Magda Bast
Choreografie: Regina Weber
Musik: Sissi Perlinger und Scheibe


Die bayrische Kult-Diva machte einen Abstecher in den Norden und bescherte uns ihr unvergleichliches Talent mit ihrem aktuellen Programm „Ich bleibe dann mal jung!“. Kein Thema rund um die „Best-Ager“ blieb von ihr verschont: ob Schönheitswahn, schwindende Libido, Meno-Pause oder knackende Knochen…!

Während im 1. Teil die Gags Comedy-like wie ein Feuerwerk verschossen wurde, konnte sie im 2. Teil ihren kabarettistischen Wurzeln nicht verleugnen: Da blieb dem Publikum auf halben Weg in die Freiheit das Lachen auch mal im Halse stecken.

Perlinger brilliert als scharfe Beobachterin mit frecher Schnauze, ist dabei durchaus frivol aber nie ordinär, überrumpelt so manchen männlichen Gast in der 1. Reihe, stellt nicht bloß sondern bleibt doch ganz und gar eine charmante Gastgeberin.

Die Fachkraft der gehobenen Blödelei überzeugt mit ihrer direkten Art und brilliert auch in Gesang, im Tanz und an der Klampfe. Bei ihr mutiert sogar der Bauchladen mit Schönheitstuben und –tiegeln zum Percussion-Instrument.

Sie porträtiert die heutigen Alten überspitzt aber respektvoll mit Mimik, Körperhaltung, Sprache und Kostüm: Sei es die aufgepimpte Ewig-Junge mit Atombusen, die aufgrund ihrer Schlauchbootlippen nur noch aus der Schnabeltasse trinken kann, oder die von Altersarmut betroffene Witwe, die sich nach Jahren der Aufopferung für die Familie auf dem Amt vorwerfen lassen muss, sie hätte ja nie gearbeitet.

Wer nun glaubt, einer Depressionsfördernden Veranstaltung beizuwohnen, kennt die Perlinger nicht: Mit Witz und Ironie klopft sie alle positiven Aspekte des „Älter Werdens“ ab und macht Mut, die  Zukunft in die eigenen erfahrenen Hände zu nehmen. Sie appelliert an ihr Publikum, die Festplatte im Kopf zu entmüllen und eine frische Denke hochzuladen, um das Leben zu genießen und in all seinen Facetten auszukosten – noch nie war es so lang wie heute!

Ihr Credo: „Sterbt jung aber das möglichst alt!“

Wir werden uns alle erdenkliche Mühe geben!


Sissi Perlinger ist mit ihrem Programm Ich bleib dann mal jung! auch weiterhin auf Tournee. Vielleicht auch in Eurer Nähe!

[Rezension] Enid Blyton – 5 Freunde im alten Turm

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8. November 1977: Mein Großvater schenkte mir mein erstes „richtiges“ Buch zum Geburtstag. Meine Gedanken damals waren „Wie blöd, das ist ja nichts zum Spielen!“. Aber ich bedankte mich brav, und das Buch landete erstmal unbeachtet auf einem Regal in meinem Kinderzimmer. Beinah täglich fragte Opa „Und? Gefällt Dir das Buch?“, bis meiner Mutter der Kragen platzte, und sie mich anranzte „Nun ließ das Buch, damit Opa endlich Ruhe gibt!“. Und so lass ich widerwillig die ersten Seiten, tauchte ein in eine Welt voller Abenteuer, und mein Widerwille schwand mit jeder gelesenen Seite.

Zu Ostern & Weihnachten, zum Zeugnis oder „einfach nur mal so“ gab es von Opa ein weiteres Buch, bis ich zum Schluss alle 22 Bände im Regal stehen hatte.

Spät-pubertär habe ich alle meine „uncoolen“ Kinderbücher verschenkt, und dies später sehr bereut.

Heute nenne ich – dank eines Antiquariats im Internet – ein altes Exemplar dieses ersten „richtigen“ Buches wieder mein Eigen, habe mich nach langer Zeit wieder „hineinverlesen“ und fühlte mich zurück versetzt…

…Kindheit!

erschienen bei cbj/ ISBN: 978-3570172070

Wilhelm Busch – IM HERBST

IM HERBST von Wilhelm Busch.png

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Die ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Wilhelm Busch

MONTAGSFRAGE #10: Unterhalten dich Biografien, oder findest du die non-fiction Geschichten anderer Menschen eher öde?

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Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Unterhalten dich Biografien, oder findest du die non-fiction Geschichten anderer Menschen eher öde?

Ohje! Wunder Punkt!

„Wunder Punkt“ deshalb, weil ich mich immer wieder daran versuche. Mich interessieren durchaus bestimmte Künstler, und darum möchte ich mehr über sie und ihr Leben erfahren. Der einfachste Weg: Der Griff zur Biografie (sofern vorhanden).

Dabei habe ich für mich festgestellt, dass eine Biografie mich eher packt und fesselt, wenn der besagte Künstler sie selbst verfasst hat und sehr viel von seiner Persönlichkeit in die Biografie einfließen lässt. Natürlich ist dieses Werk dann sehr individuell „gefärbt“, will sagen: einige Episoden werden aus der subjektiven Sicht des Künstlers erzählt, geben seine Meinung wieder und entsprechen nicht unbedingt den objektiven Tatsachen. Aber ist es nicht genau das, was ich als Leser erfahren möchte: die eigene (Selbst-)Wahrnehmung eines Künstlers?

Wer nun annimmt, dass bei einem Biografen, der über eine Persönlichkeit berichtet, zwangsläufig eine kritische Distanz besteht, liegt leider falsch. Entweder mutiert die Biografie zur Götteranbetung oder hakt chronologisch sachlich-emotionslos die Lebensstationen ab. Beides empfinde ich als unangenehm zu lesen!

Von folgenden Künstlern habe ich die Auto-Biografien mit Freude gelesen: Heidi Kabel, Katharine Hepburn, Lili Palmer, Hape Kerkeling, Jan Josef Liefers und Agatha Christie.

Im Großen und Ganzen stehen Biografien und ich allerdings „auf Kriegsfuß“: Es war, wurde und wird nie mein bevorzugtest Genre.

Vielleicht bin ich auch einfach nicht voyeuristisch genug! 😉


…und wie ist es bei Euch? Interessieren Euch „die Leben der Anderen“?

 

[Rezension] Anne Meredith – Das Geheimnis der Grays

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„Adrian Gray wurde im Mai 1862 geboren und starb Weihnachten 1931 eines gewaltsamen Todes durch die Hand eines seiner eigenen Kinder. Das Verbrechen geschah aus dem Augenblick heraus, ohne Vorsatz, und der Mörder, noch nicht beunruhigt, geschweige denn verängstigt, stand nur stumm da, starrte ungläubig die Waffe auf dem Tisch an und sah dann zu dem Toten hin, der im Halbdunkel am Fuß der schweren Vorhänge lag.“

…lauten die ersten Zeilen dieses Kriminalromans: Noch tappt der Leser im Dunkel, welcher Spross der Gray-Familie den Familien-Oberhaupt ermordet hat. Vielmehr machen wir vorerst die Bekanntschaft mit den einzelnen Mitgliedern dieser zwar angesehenen aber nicht glücklichen Familie, bei der Prestige wichtiger scheint als Menschlichkeit. So zeichnet Anne Meredith feine Portraits der Familienmitglieder, die mal mehr mal weniger Sympathie beim Leser wecken.

…und plötzlich ist der Mord geschehen: Der Leser erfährt sofort, wer diese schändliche Tat begangen hat. Die Spannung dieses Krimis beruht somit nicht auf der klassischen Frage „Whodunit?“, sondern „Wird es dem Täter gelingen, seine Spuren zu verwischen?“ und „Wie wirkt sich die Tat auf das Leben der anderen Familienmitglieder aus?“.

Der Roman besticht mit einer gut durchdachten Handlung, dem intelligenten Wechseln der Erzählperspektiven und mit geschliffenen Dialogen – eine eher unübliche wie ungewohnte Herangehensweise für Krimis, die zu jener Zeit gerne „cosy“ waren.

Von „cosy“ ist dieser psychologisch-feine Roman sehr weit entfernt, dessen Original-Titel „Portrait of a Murderer!“ mir auch deutlich passender scheint als die eher farblose deutsche Titelwahl.

Dieser Roman war ein verschollener kriminalistischer Schatz aus dem Jahre 1933, den der Klett-Cotta Verlag dankenswerterweise für uns Leser wieder ans Tageslicht gehoben hat.

erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608962994

LADIES of CRIME…

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Wow! 😯

Ich habe gerade erfahren, dass meine Lesung am 24. November im Carpe Diem ausverkauft ist!

Wow! 😯

Das ging aber schnell…!

Wow! 😯

Ich bin ganz überwältigt, freue mich riesig über diesen tollen Zuspruch…

…und stöbere gerade fleißig in den Werken der Krimi-Ladies. Wobei mir eine Entscheidung, welche Stories letztendlich bei der Lesung von mir vorgetragen werden, sehr schwer fällt: Die Damen sind einfach zu gut!!!

Welche Geschichten es ins „Finale“ geschafft haben, verrate ich an anderer Stelle!