Gestern war es wieder soweit,…

…Melanie Raabe war zum 2. Mal Gast in der Buchhandlung unseres Vertrauens. Für mich als passionierter Vor-Leser kam es einer „Fortbildung“ gleich…

Nicht jeder gute Autor ist auch ein guter Vor-Leser: Diese Erfahrung musste ich leider bei so einigen Lesungen machen – somit kein Wunder, dass viel Hörbücher von Schauspielern eingelesen werden. Im Umkehrschluss kann ein eher mittelmäßiger Roman von einem guten Vor-Leser somit auch aufgewertet werden.

Leider mussten wir auch Lesungen über uns ergehen lassen, wo gefühlt NICHTS stimmte. Ich kann mich noch gut an eine Lesung erinnern, bei der ein – in seiner offensichtlich wahrnehmbaren Langeweile – unsympathisch wirkender Autor aus seinem neusten (Mach-)Werk las, dabei wenig Kontakt zu seinem Publikum suchte (anscheinend dies auch nicht wollte) und in seiner arroganten Selbstüberschätzung demonstrierte, dass DIESE Lesung in DIESER Buchhandlung in DIESEM Kaff absolut unter seinem Niveau sei.

Dies sind die wenigen Momente bei denen ich mir bei einer Lesung eine Pause wünsche, um  (wenigstens theoretisch) dezent verschwinden zu können. Natürlich sind wir höflich geblieben – schließlich befanden wir uns in UNSERER Buchhandlung in UNSEREM Kaff – und haben uns über die schmachtenden Damen in der ersten Reihe amüsiert: Es scheint an dem Gerücht etwas dran zu sein, dass ein gewisser Typ Frau bei Männern auf A….l…er steht!

Spüre ich, dass ein Autor mit Herz bei der Sache ist, Spaß an der Lesung hat und zudem seinem Publikum zugewannt ist, dann schaue ich auch gerne über „Mängel“ im Vortrag hinweg und empfinde es eher als liebenswerte Eigenart einer interessanten Persönlichkeit.

001.jpg(Foto: Lesung vom 21.09.2015)

Wenn ein guter Autor aber auch gleichzeitig ein guter Vor-Leser ist, dann wird es himmlisch.

Dann wird aus einer „Fortbildung“ das pure Vergnügen, und ich lausche völlig verzückt meinen VOR-bildern der VOR-lesenden Zunft, wie z. Bsp. Elke Heidenreich, Finn-Ole Heinrich, Reiner Moritz oder…

…Melanie Raabe, die mit ihrem sympathischen Wesen, ihrer erfrischenden, humorvollen Art und einer positiven Ausstrahlung uns wieder einen unterhaltsamen Abend schenkte – auch dank UNSERER Buchhandlung in UNSEREM Kaff. Vielen, herzlichen Dank!

„Bücher kauft man am Scharmbecker Bach, nicht am Amazonas.“ – BUY LOCAL

MONTAGSFRAGE #3: Gab es schon einmal einen auf einem Buch basierten Film, den du besser fandest als das Buch?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll!

Ich bin gerne dabei!!!


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Gab es schon einmal einen auf einem Buch basierten Film, den du besser fandest als das Buch?

Auch diese Frage kann ich kurz & bündig beantworten: NEIN!

…und dieses NEIN! begründet sich nicht auf „Das Buch ist eh immer besser als der Film!“, sondern ich bin da ganz pragmatisch:

Ich vergleiche sie nicht!

Buch und Film sind zwei völlig unterschiedliche Medien, die bei mir auch teilweise völlig unterschiedliche Sinne und somit auch unterschiedliche Gefühle ansprechen.

Beim Buch bin ich ganz für mich allein. Es ist still. Das Buch liegt in meiner Hand. Ich atme den Duft des Papiers ein, während ich mich langsam in die Geschichte hinein finde. In meinem Kopf entstehen peu à peu die Bilder, die Romanfiguren gewinnen an Konturen, und das Setting entwickelt sich in meiner Fantasie. Ein Buch begleitet mich nicht nur über wenige Stunden: Es ist mein Begleiter über einige Tage! So spüre ich bei einigen Büchern am Ende der Lektüre eine wenig Wehmut und einen Hauch Trennungsschmerz,…

…eine sehr intime Atmosphäre!

Beim Film ist die Atmosphäre eine gänzlich andere als beim Lesen: Ich sitze entweder gemeinsam mit anderen Menschen in einem Kino-Saal oder alleine/ zu zweit vor dem Fernseher. Hier sind die Bilder  schon vorgegeben, und somit ist meine Fantasie weniger gefordert. Dafür erfreue ich mich – im Idealfall – an einer gelungenen optischen Umsetzung, an einer kluge Inszenierung und an der Kunst des Schauspiels. Nach wenigen Stunden ist der „Spuk“ vorbei. Trennungsschmerz? Nö!

Zudem wird die Handlung durch die Musik begleitet und unterstützt: Musik übt eine magische Anziehung auf mich aus. Sie kann mich über das Ohr direkt in Herz und Seele treffen – ohne Umweg über die Logik. Musik hat eine immense Kraft: Es gibt Musikstücke, bei denen ich – durch das bloße Zuhören – eine Gänsehaut bekomme oder mir die Augen feucht werden.

2 unterschiedliche Medien – 2 unterschiedliche Arten der Wahrnehmung: Darum vergleiche ich nicht!


…und was meint Ihr? Ich könnte mir vorstellen, dass es zu dieser Frage einige konträre Meinungen gibt!

Zeit für Geschichten…

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ZEIT für GESCHICHTEN – Zeit für etwas Neues…

Unsere neue Vor-lese-Reihe für Kinder geht in die 3. Runde:

Diesmal ermittelt Kommissar Gordon bei ZEIT für GESCHICHTEN. In seinem Wald werden im großen Stil Nüsse gestohlen. Ober er den Fall lösen kann?

…am 21. September 2018

…um 17.00 Uhr

…in der Buchhandlung die schatulle, Bahnhofstraße 98, 27711 Osterholz-Scharmbeck

Eintritt: frei – Meldet Euch vorher an (04791-8585) und seid am Vorlesetag pünktlich nachmittags um 5 hier.

[Rezension] Wolf Haas – Junger Mann

Nach Sommer in Super 8 ist dies in kürzester Zeit der 2. Roman, den ich gelesen habe, dessen Handlung in den 70er Jahren angesiedelt ist: Was mache ich hier? Vergangenheitsbewältigung? Muss ich mir Sorgen machen?

Denn schon beim 1. Blick auf dem Umschlag war ich mir im Klaren – oranger Frottee-Schonbezüge – definitiv die 70er! Beim 2. Blick fragte ich mich weiter: Was hat es nur mit dieser Waage aufsich?…

…und da ich von Natur aus ein neugieriges Kerlchen bin, wollte ich diese Frage beantwortet wissen und habe die Vergangenheitsbewältigung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Die österreichische Provinz, Ölkrise und Autofreie Tage: Nur für den Tscho, dem coolsten Kerl im Dorf, gelten andere Regeln. Das nagt gewaltig am Gemüt unseres jugendlichen Helden, der mit den Problemen seiner jungen Vergangenheit kämpft – zu viele Unfälle, zu viele Gipsbeine, zu viel Trostschokolade, zu viel Gewicht und nun…

…zu viel Gefühl: Ausgerechnet in Elsa, der hübschen Ehefrau vom Tscho, muss er sich verlieben. Aber – Hey! – wo liegt das Problem? Warum soll der Tscho alles haben und er nix?

So startet er eine radikale Abmagerungskur (darum die Waage auf dem Umschlag) und findet immer neue Ausreden, um in der Nähe des „zauberhaften Lächelns“ zu sein. Doch plötzlich steht der Tscho vor ihm und unterbreitet ihm ein Angebot, dass er nicht ausschlagen kann,…

…und so beginnt ein Roadtrip Richtung „Erwachsenwerden“!

Wolf Haas lässt in seinem Roman humorvoll die 70er wieder aufleben und begleitet seinen Helden auf dem steinigen Weg des Heranwachsens: Dabei strotzt dieser so sehr vor naiver Selbstüberschätzung, dass ihm weder seine über-korrekte Mutter oder sein psychotischer Vater, noch die 10 Jahre Altersunterschied zu seiner Angebeteten in seinem Handeln bremsen.

„Rückwärts durch die Knie betrachtet ist die Welt immer am interessantesten.“

Mit diesen Zutaten gelingt Haas ein Roman völlig ohne übertriebenes Pathos und Selbstmitleid: Sein Schreibstil ist locker und unterhaltsam, mit lakonischem Witz und einer Menge Ironie,…

…ein herrlicher „Coming of Age“-Roman.


erschienen bei Hoffmann & Campe/ ISBN: 978-3455003888

[Rezension] Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung

Meine Wunderbare Buchhandlung.JPG

Was treibt einen halbwegs intelligenten, sogar studierten Menschen dazu, seine gesicherte Existenz aufzugeben, um ohne jegliches Vorwissen – und in Zeiten von Amazon, Thalia & Co. – eine eigene Buchhandlung zu eröffnen? Wahnsinn? Abenteuerlust? Lebensmüdigkeit? Nein, Leidenschaft!

„Die Bücher entzünden uns, wenn das Glück uns lacht, sie trösten uns, wenn das Ungemach uns zu quälen beginnt.“ Arthur Schnitzler

Petra Hartlieb hat genau aus diesem Grund das oben Beschriebene gemacht: Im Jahr 2004 eröffnet sie gemeinsam mit ihrem Mann eine kleine Buchhandlung in einem ebenso kleinen Wiener Bezirk und bricht dafür ihre Zelte in Hamburg ab. Allein aus den Unterschieden im Nord-Süd-Gefälle ließen sich – auch ohne Buchhandlung – wunderbare Geschichten kreieren: Frau Hartlieb schildert völlig unsentimental aber mit viel Humor die Tücken der Anfänge (von 0 auf 100), berichtet von Mitarbeitersuche, Autorenlesungen und Weihnachtsgeschäft und verschweigt nicht die vielen kleinen und weniger kleinen alltäglichen Katastrophen im Buchhandel – dies alles tut sie aber mit einem schelmischen Zwinkern im Auge!

Petra Hartlieb ist ein charmantes Statement mit Herz für alle kleinen Buchhandlungen gelungen: Eine inhabergeführte Buchhandlung ist so viel mehr als ein Ort, wo ich eine Ware kaufe. Sie ist Anlaufhafen, Kontaktbörse, Ruhepol, die pure Verlockung,… (Aufzählung darf gerne ergänzt werden.)

Ich spürte bei der Lektüre auf jeder Seite dieses wunderbaren Buches, warum Frau Hartlieb dieses Abenteuer gewagt hat: Die Liebe zum Buch! Die Liebe zum Handel vor Ort! BUY LOCAL!

erschienen bei DuMont/ ISBN: 978-3832164553

Eine Idee…

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…der Gruppe „Buchhandelstreff“ auf Facebook schwappt nun auch über auf die fb-Seiten anderer Literaturbegeisterter.

„Make books great again“-Challenge: 7 x in 7 Tagen das Cover eines Buches posten, das mir persönlich viel bedeutet – ohne Kommentar oder Bewertung! (Bitte nicht vergessen, pro Tag einen Freund oder Bekannten zu nominieren!)

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Momentan scheint es ja sehr „in“ zu sein, das es zu jedem Thema (und sei es noch so abwegig) eine Challenge gibt. Normalerweise kann ich dieser Modeerscheinung nichts abgewinnen: Aber diese Idee fand ich spannend, da ich mit verhältnismäßig wenig Aufwand einerseits etwas von mir preisgebe – gleichzeitig aber erfahre, an welchen Büchern die Herzen meiner Freunde und Bekannten hängen.

So lernen wir uns nochmals auf einer anderen Ebene kennen und erhalten viele, sehr unterschiedliche Literatur-Tipps.

Natürlich darf diese Idee gerne von Euch „geklaut“ werden! 😉

Ich wünsche Euch viel Spaß!!!

Wie Mr Walker mich in Panik versetzte…

Anekdoten-Archiv2

Lesung mit Martin Walker „Femme Fatale“ im Rathaussaal in Osterholz-Scharmbeck/ Buchhandlung „die schatulle“


Beginnen möchte ich meine neue Kategorie Anekdoten-Archiv… mit einem Erlebnis, das sozusagen als Beginn meiner „Karriere“ als Vor-Leser stehen könnte:

10. September 2013: Nun saß ich also neben einem Bestseller-Autoren und wartete auf meinen Einsatz: Er lass das 1. Kapitel im englischen Original, ich war dann für 3 weitere (vom Verlag vorgegebene) Stellen aus dem Roman auf Deutsch vorgesehen…

Wochenlang hatte ich mich vorbereitet, die Textstellen immer wieder gelesen, an der Betonung und meiner französischen Aussprache gefeilt: Gerade diese französische Aussprache bereitete mir als Fremdsprachen-Legastheniker immense Kopfschmerzen. Jedes französische Wort wurde mit Unterstützung meines Mannes zuerst korrekt ausgesprochen und dann in Lautschrift im Text notiert.

Nun saß ich hier – schweißgebadet und mit meiner Konfirmanden-Blase gestraft. Meine Nerven lagen nicht unbedingt gänzlich blank, aber ein Teil der Isolierung war im Laufe des Abends schon abgeschabt worden.

Einerseits dank Mr Walker, der mit selbstbewusster Arroganz die glorreiche Idee hatte, die Letzte, der von mir vorbereiteten Textstellen, zu streichen und mich dafür mit einer anderen Passage zu „belohnen“ (Dies löste spontan „Kreislauf“ und „Schnappatmung“ bei mir aus!).

Andererseits wurde die Lesung aufgrund der großen Nachfrage von der gemütlichen Buchhandlung „die schatulle“ der Schwestern Ute & Sabine Gartmann in den weitaus größeren Rathaussaal verlegt: Mir gegenüber saßen nun (geschätzt) 300 Zuhörer und starrten mich erwartungsfroh an,…

…und dabei hatte ich 1 ½ Jahre zuvor vorerst nur 3 klitze-klitze-klitze-kleine Lesungen gemacht.

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Dieser Auftakt meiner „Karriere“ als Vor-Leser war somit eine echte Herausforderung,…

…und ich schien diese Herausforderung gut gemeistert zu haben: Als Lohn für meine Mühe erhielt ich – neben einem jovialen Schulterklopfen von Mr Walker –  viel positives Feed-Back der Zuhörer und eine originale Gartmann-Kuh, wie sie sonst nur die Autoren als Dank für ihre Lesung erhalten.

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Mr Walker hatte seine Kuh im Hotelzimmer „versehentlich“ „vergessen“! Meine Kuh wird gehegt und gepflegt und hat in der Zwischenzeit Gesellschaft von einer Schwester bekommen.

Mr Walker wurde seitdem nicht wieder zu einer Lesung eingeladen. Ich habe in der Zwischenzeit schon einige tolle Projekte gemeinsam mit den Gartmann-Schwestern realisieren dürfen.

„Böse ist, wer schlechtes dabei denkt!“ 😈

MONTAGSFRAGE #2: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll!

Ich bin gerne dabei!!!


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Diese Frage kann ich kurz & bündig beantworten: Ich höre keine Hörbücher!

Natürlich habe ich mir hin und wieder ein Hörbuch angehört, die sehr gut produziert waren, und natürlich gibt es wunderbare Sprecherinnen & -sprecher – zweifellos,…

…aber es ersetzt für mich weder das Gefühl, das ich beim „klassischen“ Lesen habe, noch spricht es in dem Maße meine Sinne an, wie es das „klassische“ Lesen vermag!

Zudem habe ich an mir wahrgenommen, dass ich beim Anhören von Hörbüchern recht schnell ungeduldig werde: Die sprechende Person liest nicht in meinem Tempo, interpretiert eine Rolle vielleicht nicht in meinem Sinne, oder die Stimme passt für mich nicht zum Inhalt des Buches. Zudem wirken die Hörbücher auf mich oft auch sehr steril!

Interessanterweise empfinde ich dies nicht, wenn mir vorgelesen wird: Da spielen das „Live & in Farbe“ sowie das gemeinsame Erleben entscheidende, nicht zu unterschätzende Rollen!

  • Lesen – nur für mich: sehr, sehr gerne!
  • Vor-Lesen – in der Gemeinschaft: sehr, sehr gerne!
  • Vor-Lesen aus der Retorte: Danke, nein!

…und wie ist Eure Meinung? Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Kommentare!