[Rezension] Michael Bienert – Kästners Berlin: Literarische Schauplätze

Michael Bienert ist der absolute Kenner für das literarische Berlin: Neben seiner Tätigkeit als Kulturjournalist fungiert er im realen Leben ebenso wie zwischen zwei Buchdeckeln als versierter literarischer Stadtführer (www.text-der-stadt.de). Der interessierte Leser kann sich gemeinsam mit ihm auf Spurensuche begeben und je nach persönlichem Gusto einen Blick auf die literarischen Schauplätze von Bertolt Brecht, Alfred Döblin, E.T.A. Hoffmann oder Erich Kästner werfen.

Bienert folgt sehr akribisch aber nicht detailversessen dem großen Literaten auf seinen Wegen durch das Berlin zwischen den Jahren 1927 und dessen Tod. Dabei unterteilt er die Kapitel klug in Lebensphasen und Schaffensperioden ein. In den Lebensphasen Kästners begleiten wir ihn durch das pulsierende kulturelle Berlin der Vorkriegsjahre, besuchen mit ihm Kabaretts, Cafés und Theater und machen einen Abstecher ins Zeitungsviertel. Die Kriegsjahre engen den Freigeist nicht nur in seiner Kreativität ein. Auch geografisch wird Kästners Radius enger. Sowohl die Bücherverbrennung als auch die Reichspogromnacht erlebte er hautnah mit. Persönliche Repressalien durch die Gestapo veranlassten ihn, sich zunehmend zwischen den schützenden Wänden seiner Wohnung zurückzuziehen, da er sich nur hier wirklich sicher fühlte. Nach dem Krieg zog Kästner nach München, fühlte sich Berlin dank Familie und Freunden weiterhin verbunden.

Auch Kästners Figuren flanieren durch die Straßen der Weltmetropole: Emil und die Detektive scheuchen uns quer durch Berlin auf der Suche nach einem üblen Dieb. Pünktchen und Anton geben uns einen Einblick sowohl ins noble Villenviertel als auch in die zwielichtige Gegend rund um die Weidendammer Brücke. Seine Romanfigur Jakob Fabian lässt er plan- und ziellos durch das dekadente und verruchte Wedding treiben.

 

Anhand von historischen Straßenkarten mit detaillierten Ortsangaben kann ich als Leser den jeweiligen „Spaziergängen“ folgen und gemeinsam mit dem Autor und seinen Geschöpfen durch das frühere Berlin schlendern. Die Atmosphäre der damaligen Stadt wird durch zeitgenössische Dokumente, Fotografien und Postkarten heraufbeschworen. Demgegenüber vermitteln die aktuellen Fotos der Straßen und Orte einen guten Eindruck über die Veränderungen, die eine Stadt zwangsläufig über die Jahre bzw. Jahrzehnte durchlebt.

Michael Bienert überzeugt in jedem Kapitel mit fundierten Kenntnissen über das Leben und Wirken Erich Kästners. Doch auch der große Literat kommt hier selbst zu Wort und liefert uns in Anekdoten, Zitaten, Tagebucheintragungen und Artikeln seine persönliche Sicht auf „sein“ Berlin.

Die Fülle an Informationen wird komplementiert sowohl durch Anmerkungen von Bienert zu den jeweiligen Kapiteln als auch um ein Adressbuch „Kästners Berlin von A bis Z“, das trotz seines Umfangs keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Kästner war ein sehr umtriebiger Mensch, der Kontakte quer durch die Stadt pflegte. Wer kann da schon genau sagen, wo er sich überall „rumgetrieben“ hatte.

Michael Bienerts vorliegendes Werk über Erich Kästner nötigt mir Respekt ab. So schafft der Autor den schwierigen Spagat zwischen Sachbuch, Bildband und Zitaten-Sammlung äußerst informativ und unterhaltsam.


erschienen bei Verlag für Berlin-Brandenburg/ ISBN: 978-3945256008

MONTAGSFRAGE #89: Welche Tipps würdet ihr jungen (Literatur/Buch-)Bloggern geben?

Kennt Ihr eigentlich schon meinen MONTAGSFRAGE-Schrei? Lang, lang ist es her, dass eine Frage von Antonia mich zum besagten Schrei animiert hat. Das letzte Mal entlockte mir die MONTAGSFRAGE #49 einen ebensolchen. Heute war es nun mal wieder so weit: In der idyllischen Stille meines Wohnumfeldes erschall ohne Vorwarnung ein Schrei, der eine Schar zart-gurrender Tauben aufscheuchte, über den Gartenzaun plaudernde Nachbarinnen verstummen lies und meinen Kater von seinem Lieblingsschlummerplatz verschreckte. Ach menno, Antonia, was soll denn das? Zur Beantwortung dieser Frage müsste ich ja so richtig überlegen, womöglich sogar mit dem Kopf! Aber, na gut, wenn’s denn sein soll…!

Als bei mir vor einigen Jahren der Wunsch aufkeimte, meine Liebe zum Buch und zum Lesen nicht nur weiterhin für mich allein im stillen Kämmerlein zu frönen, begab ich mich erstmal auf die Suche nach einem für mich geeigneten Medium. Bei der Auswahl war mir wichtig, dass ich dieses Medium auch im Rahmen meiner Möglichkeiten bedienen kann. Youtube kam nicht in Frage, da ich nicht permanent irgendwelche Filmchen drehen wollte. Instagram kam nicht in Frage, da ich kein Handy besitze, und die Präsentations-Möglichkeiten eher überschaubar schienen. Meine ersten tapsigen Blogger-Schritte machte ich dann auf Facebook und stellte ernüchternd fest, dass ich mich mit einem Blog dort nicht wohl fühlte. So bin ich bei WordPress gelandet und der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte! Lange Rede, kurzer Sinn: Sucht Euch ein Medium, dass Euch und Eurem Vorhaben/ Euren Wünschen entspricht!

Dann habe ich mir ganz viele andere Literatur/Buch-Blogs angesehen: Vieles fand ich gut, einiges fand ich weniger gut. Doch dank dieser Recherche wurde mir schnell klar, was mir nicht gefiel und wie mein Blog nicht sein sollte. Über diesen Umweg entstand bei mir recht schnell das Bild meines persönlichen Buch-Blogs vor meinem inneren Auge: Ich entschied mich für die Optik und etablierte die ersten Rubriken.

Im ersten ¾ Jahr war mein Blog im „work-in-progress“ und ich in „learning-by-doing“: Ich habe ausprobiert und verworfen, umgestellt und neu-strukturiert, und langsam endwickelte mein Blog sein eigenes Profil und spiegelte mich als Person wieder. Mir war/ist es wichtig, dass die Menschen dort draußen im großen WWW erkennen können, wer hinter .LESELUST steht. Darum grinst Euch auch meine Visage aus dem Header-Bild entgegen. Ebenso wichtig war mir ein klares Erscheinungsbild mit einer ausgesuchten Farbgebung, um einen möglichst großen Wiedererkennungswert zu erreichen. Die Profis nennen es wohl „Corporate Identity“.

Es klingt nun wahnsinnig professionell, was ich definitiv nicht bin: Mein Blog sollte meine Persönlichkeit widerspiegeln – nicht mehr aber auf keinem Fall auch nicht weniger! Zum Glück konnte ich der Versuchung widerstehen, alle Features, die so ein Blog-Portal anbietet, auch auszuprobieren bzw. anzuwenden. Die Bücher und das Lesen sollen definitiv im Mittelpunkt meines Blogs stehen und die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf sich ziehen und nicht irgendwelche blinkenden „Special-Effects“.

Zudem musste ich mich in meinem überschwänglichen Enthusiasmus auch stark zurück halten: Es gibt so viele wunderbare Literatur/Buch-Blogs, die mir Ansporn und Vorbild sind und mich – gerade am Anfang – unter Stress setzten, es ihnen gleichzutun bzw. sie nachzuahmen. Aber dann wäre mein Blog nur ein billiger Abklatsch eines deutlich besseren Originals geworden. Und wer möchte das schon? Ich ganz bestimmt nicht…!

Dabei spricht nichts dagegen, gute Ideen von Blogger-Kolleg*innen für sich zu adaptieren. Mein Credo lautet „Besser gut geklaut als schlecht selber gemacht!“. Wobei ich immer bemüht bin, die/den Ursprungs-Ideengeber*in mit einer namentlichen Nennung zu würdigen: Das gebietet der Anstand und zeugt von Respekt!

Nun hatte ich meinen wunderbaren eigenen Blog, und „kein Schwein ruft mich an“, will sagen: Kein Mensch hat meine geistigen Ergüsse gelesen. Woher sollte die Welt da draußen auch wissen, dass es einen brillanten neuen Buch-Blog gibt? Also stürzte ich mich in das bunte Treiben der Buch-Blogger-Welt, hinterließ mal hier einen Kommentar, setzte mal dort ein LIKE und machte bei Aktionen wie dieser MONTAGSFRAGE mit. Mein Blog wurde mit der Zeit bekannter, die ersten Follower trudelten ein, und ich lernte ganz tolle Blogger-Kolleg*innen kennen. Dieses Geschenk kann ich nicht hoch genug bewerten: Wir kommunizieren hier auf einem sehr hohen Niveau, müssen dabei zwar nicht immer einer Meinung sein, begegnen uns aber mit einem gehörigen Maß an Wertschätzung. Dafür bin ich sehr dankbar!

Doch so ein Blog soll ja auch über Jahre mit Inhalt gefüttert werden. Bücher müssen gelesen werden, damit anschließend über sie berichtet werden kann. Das Schreiben von längeren Beiträgen, wie Rezensionen oder die Antworten zur MONTAGSFRAGE, bündelt natürlich viel Zeit, die ich gerne erübrige – schließlich ist dieser Blog ja auch mein Hobby – aber hin und wieder fehlt mir aufgrund der Anforderungen des Alltags gerade diese Zeit. So habe ich auf meinem Blog Rubriken etabliert, bei denen das Erstellen der Inhalte deutlich weniger Zeit benötigt, die aber trotzdem meine Liebe zum Lesen und zur Literatur widerspiegeln. Zudem nutze ich einen Jahreskalender, um die Übersicht nicht zu verlieren: Einerseits garantiere ich so beim Erscheinen meiner Beiträge eine gewisse Abwechslung, andererseits kann ich zu gewissen Themen und Rubriken die Beiträge „vor-produzieren“ und entsprechend terminieren. Zudem hilft mir dieser Kalender, nicht in Panik auszubrechen bzw. mich selbst nicht unter Druck zu setzten, nur weil ich das Gefühl habe, ich müsste die fünf vorliegenden Rezensionsexemplare möglichst schnell/ gleichzeitig lesen. Ein Blick auf meinem Kalender verrät mir, wann welches Buch an der Reihe ist. Mein einziger Anspruch dabei: Ich möchte (nach Möglichkeit!) pro Woche eine Buch-Rezension veröffentlichen.

All diese „Werkzeuge“ helfen mir dabei, damit mein Blog mir weiterhin Spaß und Freude bereitet. Stress gibt es so schon zuhauf! 😉

…und welche Tipps habt Ihr so in petto???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Erich Kästner – Sonderbares vom Kurfürstendamm: Berliner Beobachtungen/ herausgegeben von Sylvia List

Berlin und ich: Wir stehen uns sehr zwiespältig gegenüber. Irgendwie wurden wir nie richtig miteinander warm. Bei meinem ersten Besuch der Stadt kurz nach dem Mauerfall schlenderte ich über den Kurfürstendamm und wollte – ganz Touri – einen Blick ins Kaufhaus des Westens werfen. In einem Buchladen am Ku’damm fragte ich die Verkäuferin beim Bezahlen an der Kasse, in welche Richtung ich mich zum KdW wenden müsste. Mich traf ein abschätziger Blick und im breitesten Berlinerisch bekam ich als Antwort „Imma de Menschenmasse nach!“. Berliner Schnauze und Norddeutscher Fischkopp scheinen mir wenig kompatibel.

Doch für viele – besonders den Kunstschaffenden – hat/hatte Berlin eine schier magische Anziehungskraft. So verschlug es auch den aufstrebenden Jungschriftsteller Erich Kästner im Jahre 1927 vom beschaulichen Leipzig in die pulsierende Metropole, und er verdingte sich seine ersten Sporen mit Veröffentlichungen von Gedichten, Glossen und Rezensionen in unterschiedlichen Tageszeitungen sowie Kritiken für das Magazin „Die Weltbühne“. Die Jahre zwischen 1927 und 1933 gelten als seine produktivste Zeit, in der er zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren Berlins aufstieg und in der neben den schon genannten Publikationen auch „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ entstanden. Die Texte aus dieser Zeit spiegeln auch den Lebenshunger der Berliner wieder: Authentisch beschreibt er die Kabaretts und Revuen, das schillernde Volk in den Bars und Vergnügungstempeln, aber auch das zweifelhafte Amüsement für die einfachen Leute in Form eines Rummelplatzes im Hinterhof. Auch Auszüge aus „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ dürfen in dieser Berliner „Chronik“ nicht fehlen. Zwischen seinen Zeilen spürt der Leser den pulsierenden Herzschlag einer Stadt: Kästner schrieb über Triviales ebenso ernsthaft, wie er über Erhabenes spottete. Seine Gedichte sind schelmisch, ironisch aber auch durchaus poetisch zart. Große Persönlichkeiten der Theater- und Kultur-Szene finden in seinen Rezensionen Erwähnung. Die Informationen des Anhangs offenbaren die Tragik: Die meisten von ihnen mussten entweder emigrieren oder fielen der Tötungsmaschinerie der Nazis zum Opfer.

In den Jahren von 1933 bis 1945 war Kästner zur Untätigkeit verdammt: Den Nationalsozialisten war er als liberal-denkender Literat suspekt. Seine satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Werke galten „wider den deutschen Geist“ und wurden bei der öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 verbrannt. Trotz massiver Repressalien, wie Verhöre bei der Gestapo, Berufsverbot und Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, blieb Kästner in Berlin: Er sah sich als Chronist dieser Zeit und führte ein geheimes Tagebuch über die damaligen Geschehnisse. Die Texte aus diesen Jahren erschüttern! Die Gedichte und Aufzeichnungen zeugen von der Absurdität nationalsozialistischem Gedankengut, oder um es mit Kästners eigenen Worten zu beschreiben:

„Gut und Böse, unwandelbare Maßstäbe des menschlichen Herzens, wurden durch Gesetz und Verordnung ausgetauscht. […] Wer unschuldige Menschen umbrachte, wurde befördert. Wer seine menschliche oder christliche Meinung sagte, wurde geköpft oder gehängt.“

Über „Berlin nach 1945“ schrieb Kästner keine einzige Zeile

Herausgeberin Sylvia List hat eine abwechslungsreiche Sammlung an Texten aus dem Œuvre von Erich Kästner zusammengestellt, die einen gelungen Bogen schlagen von „Babylon Berlin“ zu „Berlin in Trümmern“. Mit dieser Anthologie beweist sie abermals, was jedem Leser von Kästners Werken durchaus schon bewusst ist:

Kästner amüsiert, Kästner kritisiert, und er unterhält auf hohem Niveau!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855354139

MONTAGSFRAGE #88: Warst/bist du in einem Buchclub (oder könntest du es dir vorstellen)?

Bevor ich zur Beantwortung der heutigen Montagsfrage komme, musste ich den Begriff „Buchclub“ für mich genau definieren. Nachdem ich die Frage erstmals gelesen hatte, tollten in meinem Kopf ganz andere Assoziationen, als die von Antonia Leise beschriebenen, herum.

Für mich ist/ war ein Buchclub ein Geschäftsmodel, wo ich aktuelle Bücher in besondere/ eigener Ausstattung ein wenig günstiger erhalte. Dafür werde ich Mitglied in diesem Club und verpflichte mich, einmal pro Quartal dort ein Buch (oder ein anderes Medium) zu erwerben. Sollte ich zu einem festgelegten Termin noch nichts aus dem Sortiment gewählt haben, wird mir automatisch der Vorschlagsband zum Vorzugspreis zugeschickt.

Ja, vor einiger Zeit war ich für ein paar Jahre Mitglied im Bertelsmann Buchclub. Noch heute stehen viele der dort gekauften Bücher in meinem Bücherregal, z. Bsp. „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, „Die Erben Kains“ von John Jakes und „Ein Stück Himmel“ von Janina David. Praktischerweise gab es hier in Osterholz-Scharmbeck die (Partner-)Buchhandlung Postmeyer, die das Buchclub-Sortiment in einem eigenen Ladenbereich präsentierte und mir zudem nicht Vorrätiges ohne zusätzliche Portokosten bestellten. Im Laufe der Jahre veränderten sich allerdings meine Lese-Vorlieben, und ich fand im dortigen Sortiment immer weniger, was mir zusagte. Auch wirkte auf mich irgendwann diese Form, Literatur unter das Volk zu bringen, eher bieder und angestaubt, und so trennten wir uns wieder. Weder der Bertelsmann Buchclub noch die Buchhandlung Postmeyer existieren noch. In der Zwischenzeit erleben einige Buchclubs eine kleine Renaissance und erfreuen ihre Mitglieder mit Werken in moderner, außergewöhnlich schöner und bibliophiler Aufmachung (z. Bsp. Büchergilde Gutenberg).

Antonia Leise verbindet mit einem Buchclub ein regelmäßiges Treffen von Literaturbegeisterten, die sich über einen gewissen Zeitraum mit ein und demselben Buch beschäftigen, sich darüber austauschen und diskutieren. Ich kenne dies eher als Lesekreis oder -zirkel. Aber unabhängig davon, wie wir „das Kind“ nennen, war ich an einer solchen Runde noch nie beteiligt, aber es würde mich sehr interessieren. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, hier in meiner Heimatstadt entsprechendes zu initiieren. Jetzt werdet Ihr Euch sicherlich fragen, warum dies bisher noch nicht erfolgt ist. Die Antwort (vielleicht ist es auch schlicht und ergreifend nur eine Ausrede) lautet: zu wenig Zeit, zu viele Ideen! Ich habe so viele Ideen, was ich hier in meiner Heimatstadt zum Thema „Lesen“ alles anstellen könnte, dass mich die Fülle anscheinend eher ausbremst. Vielleicht sollte ich aus dieser Vielzahl an Ideen eine Prioritäten-Liste erstellen und die Projekte Punkt für Punkte langsam abarbeiten. Uuups, falsche Formulierung: Nach Arbeit sollten sich solche Projekte nun wahrlich nicht anfühlen. Lesen bedeutet Spaß!

Sobald eine meiner Ideen Realität wird, werde ich selbstverständlich hier darüber berichten. Bis dahin: Habt bitte Geduld mit mir! 😉

…und welche Erfahrungen habt Ihr mit einem Buchclub gemacht???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Gustav Falke – SOMMER

Ihr singt von schönen Frühlingstagen,
Von Blütenduft und Sonnenschein,
Ich will nichts nach dem Frühling fragen,
Nein Sommer, Sommer muss es sein.

Wo alles drängt und sich bereitet
Auf einen goldnen Erntetag,
Wo jede Frucht sich schwellt und weitet
Und schenkt, was Süßes in ihr lag.

Auch ich bin eine herbe, harte,
Bin eine Frucht, die langsam reift.
O Glut des Sommers, komm! Ich warte,
Dass mich dein heißer Atem streift.

Gustav Falke

MONTAGSFRAGE #87: Wo befindest du dich gerade in deiner momentanen Lektüre?

Eine simple Antwort zu einer schlichten Frage verspricht an diesem Montag die Hüterin der Montagsfrage Antonia Leise. Einfach einen Blick in die aktuelle Lektüre werfen und Ort und Zeit der Handlung nennen: Fertig!

Auch wenn ich sonst immer behaupte, ich würde keine zwei (oder mehr) Bücher parallel lesen, so hat mich diese Frage eben genau dabei ertappt. Wobei ich meine Beschäftigung mit dem zweiten Buch nicht unbedingt als „lesen“ bezeichnen würde.

Bei dem Roman „Meine Mutter, unser wildes Leben und alles dazwischen“ von Joanna Nadin befinde ich mich noch ziemlich am Anfang der Geschichte auf Seite 60: Es ist der Monat März des Jahres 1978. Die 7-jährige Dido Sylvia Jones lebt nun seit einigen Monaten mit ihrer unkonventionellen Mutter Edie in einem geerbten Haus in einer Kleinstadt in Essex. In diese geordnete, gutbürgerliche Umgebung passen sie ungefähr ebenso perfekt hinein wie Donald Trump in das Amt des Präsidenten der USA. Wobei Dido und Edie deutlich amüsanter sind, und sie in dem verschlafenen Nest für einige Verwirrung sorgen (Okay! Für Verwirrung sorgt Trump auch, aber das Lachen ist mir bei ihm gänzlich vergangen!). „Eigentlich“ sollte die Rezension zu diesem Roman in dieser Woche erscheinen: Leider hatte mich die Hitze der vergangenen Tage nicht nur einfach ausgebremst sondern vielmehr völlig lahmgelegt. Darum bitte ich um ein wenig Geduld…!

Beim zweiten Buch handelt es sich um „Vater und Sohn: Sämtliche Abenteuer“ von E.O. Plauen. Diese reizenden Bildergeschichten schuf Erich Ohser unter Pseudonym und erschienen hauptsächlich zwischen 1934 und 1937 in der Berliner Illustrierten Zeitung. Seine Bildergeschichten sind liebevoll und amüsant, kommen (beinah) ohne Worte aus und machen somit „lesen“ überflüssig. Als Freund und Wegbegleiter von Erich Kästner wird Erich Ohser Euch in naher Zukunft hier auf meinem Blog nochmals begegnen.

…und in welcher Zeit und an welchem Ort steckt Ihr in Eurer Lektüre gerade fest???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

Literaten im Fokus: Erich Kästner

Im Juli startet „Literaten im Fokus“ in die zweite Runde: Nachdem sich im April alles um Agatha Christie drehte, werde ich nun einen „verschärften“ Blick auf einen unserer großen deutschen Schriftsteller werfen.

Als Einstieg möchte ich Euch gerne mein Kästner-Kurz-Porträt, das vor einem Jahr aus Anlass seines 45. Todestages hier auf diesem Blog erschien, ans Herz legen.

Beginnen werde ich mit „Sonderbares vom Kurfürstendamm: Berliner Beobachtungen“:  Erich Kästners kritisch-ironische Liebeserklärung an Berlin, die er prosaisch und lyrisch zum Ausdruck bringt.

Dann machen wir uns mit „Kästners Berlin: Literarische Schauplätze“ von Michael Bienert auf eine Spurensuche der besonderen Art und folgen seinen Figuren durch die Stadt.

In „Friedrich der grosse Detektiv“ lässt Philip Kerr den großen Meister selbst als Romanfigur auftreten und erzählt die Geschichte von Friedrich, der von seinem Lieblingsbuch „Emil und die Detektive“ nicht genug bekommen kann und zudem das Glück hat, das Erich Kästner sein Nachbar ist. Doch die Bücherverbrennung im Jahre 1933 vernichtete auch „Emil und die Detektive“…!

Erich Kästner war in der Nacht der Bücherverbrennung persönlich dabei, als auch seine Bücher den Flammen zum Opfer fielen: In „Über das Verbrennen von Büchern“ gibt er uns in Reden, Essays und Briefen einen bedrückenden Einblick in diese Zeit.

Erich Ohser war nicht nur Wegbegleiter sondern auch ein guter Freund Kästners, dessen Schicksal unter dem NS-Regime nicht unerwähnt bleiben darf. Unter dem Pseudonym E.O. Plauen schuf er die entzückenden „Vater und Sohn“-Abenteuer.

Ihr Lieben, ich bin mir sicher, dies wird ein literarischer Monat mit spannenden, aufwühlenden, berührenden und erheiternden Momenten. Darauf freue ich mich schon sehr,…

…und Euch wünsche ich viel Vergnügen!

[Rezension] Harald Martenstein – Vom Leben gezeichnet: Tagebuch eines Endverbrauchers

Die Kolumne [von der Kolumne des Drucksatzes, von lateinisch columna ‚Stütze‘, ‚Säule‘] bezeichnet in der Presse einen kurzen Meinungsbeitrag als journalistische Kleinform. Diese Kolumnen erscheinen meist regelmäßig an gleicher Stelle unter dem gleichem Titel und sind vom Umfang begrenzt. Der Autor einer regelmäßig erscheinenden Kolumne wird Kolumnist genannt.

Kolumnen gibt es in der Zwischenzeit wie Sand am Meer und zu unterschiedlicher Thematik: Lifestyle, Kochen, Politik, Kindererziehung, Gesellschaft, Beauty undsoweiterundsofort – das Angebot scheint schier unerschöpflich. Leider kann die gebotene Qualität nicht immer mit der Quantität an Kolumnen mithalten.

Auch Harald Martenstein darf sich somit Kolumnist „schimpfen“: Seit 2002 erscheinen seine Kolumnen in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Eine Auswahl wurde 2004 in Form dieses Sammelbands veröffentlicht, und…

…er bietet nicht nur Quantität sondern auch Qualität: Seine satirischen Plaudereien wirken oft so harmlos, so unschuldig, treffen dann aber in ihrer scheinbaren Spitzbübigkeit den Leser schmerzhaft in der Magengrube. Beinah arglos beleuchtet er die Absurditäten unseres Alltags, die oft erst durch ihn ausgeleuchtet im absurden Licht erstrahlen. Ausreichend Themen liefert ihm das Leben auf einem silbernen Tablet: Über Gewichtsprobleme, Sex und Schönheit, über Drogen allgemein und speziell, über Karrieren, Kirchentage und Kriminalität, über Berlin und München, über Literatur allgemein und speziell und sogar über Hitler, Penisvergrößerung und Scientology.

Es darf viel geschmunzelt und auch ein wenig laut gelacht werden. Wobei so manches Lächeln mir im Gesicht gefror. Martenstein bohrt und legt den Daumen in Wunden, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe! Er dehnt die Grenze des Erlaubten, ohne sie zu überschreiten. Aber wer hat festgelegt, was erlaubt ist? Trotzdem war mir die Lektüre nie unangenehm: Ich fühlte mich ertappt aber nicht vorgeführt. Nach einer Schocksekunde konnte ich wieder schmunzeln und unumwunden zugeben „Ja, logisch, völlig gaga!“. Mit scheinbar kindlicher Naivität traut er sich, Konventionen zu hinterfragen und auf ihre Substanz zu überprüfen.

„Martenstein lesen“ heißt, die Banalitäten des Lebens im neuen Licht zu sehen!


erschienen bei Hoffmann und Campe/ ISBN: 978-455094651 / als Taschenbuch erschienen bei Penguin/ ISBN: 978-3328101093

MONTAGSFRAGE: …macht heute Pause!

Liebe Leute!

Die Hüterin unserer Montagsfragen Antonia Leise ist gesundheitlich etwas angeschlagen und braucht dringend ein wenig Zeit zur Regeneration: Ich gönne es ihr von Herzen!

Es bedeutet aber auch, dass es an diesem Montag keine Frage zur Beantwortung gibt. Doch welches Alternativ-Programm bietet sich stattdessen an? Hm, mal überlegen…! Ich könnte endlich mal meinen Stapel mit Unterlagen auf meinem Schreibtisch sortieren. Oder ich durchforste meinen Kleiderschrank und miste die Klamotten, die ich nicht mehr trage, aus. Oder ich widme mich intensiv dem Unkraut in meinen Blumenbeeten vor der Haustür. Oder ich setzte mich mit einem Becher Kaffee und einem Buch aufs Sofa. Oder ich kümmere mich um den Stapel Bügelwäsche, während die Waschmaschine für Nachschub sorgt. Oder ich schwinge den Putzlappen und rücke dem Badezimmer zu Leibe. Oder…!!!

Ratet mal, für welches Alternativ-Programm ich mich schlussendlich endschieden habe. Da kommt Ihr nie drauf! 😉

Lieben Gruß
Andreas

P.S.: In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv könnt Ihr gerne meine Antworten vergangener Fragen nochmals nachlesen. Viel Spaß!

[Rezension] Agatha Christie – Das fehlende Glied in der Kette. Poirots erster Fall

15. Juni 2020/ 10:43 Uhr: Es klingelt an der Haustür! Ich öffne. Die Postbotin begrüßt mich freundlich und drückt mir mit einen Lächeln ein Päckchen in die Hand. Der Absender ist der renommierte Verlag „Hoffmann und Campe“ aus meiner Lieblingsstadt Hamburg. Ich bin verdutzt, hatte ich doch kein Leseexemplar angefordert. Flugs wird das Päckchen aufgerissen, und ein Buch zusammen mit einer Karte fällt mir in die Hände:

„Lieber Herr Kück, 
heute möchte ich Ihnen diesen tollen Band ans Herz legen, der im Juli bei uns erscheint. Poirots erster Fall jährt sich in diesem Jahr ja zum 100. Mal.
Ich hoffe, Sie haben viel Freude mit dem Buch. 
Herzliche Grüße
Svenja Schwentker“

Natürlich ist mir bewusst, dass außer mir noch einige weitere Buch-Blogger*innen diese Post erhalten haben. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich ein wenig geschmeichelt: Es scheint in Hamburg aufgefallen zu sein, dass hier ein Christie-Fan lebt. Und so gönne ich allen anderen Buch-Blogger*innen von Herzen ebenfalls ihre Post und hoffe, sie haben sich ebenso wie ich darüber gefreut. Liebe Frau Schwentker, herzlichen Dank!!!

So fühlte ich mich nun sanft genötigt, eine Rezension zu verfassen. Wobei ich fürchte, dass es weniger eine Rezension als vielmehr eine Hommage an eine der faszinierendsten Kriminalfiguren geworden ist.

Vor beinah genau 100 Jahren erschien mit dem ersten Roman der damals 30-jährigen Autorin ein kleiner penibler Belgier, der erst 55 Jahre, 33 Romane und etliche Kurzgeschichten später wieder von der Bildfläche verschwinden sollte. Obwohl Agatha Christie ihn in Vorhang: Poirots letzter Fall sterben lies, verschwand er nie gänzlich. Im Gegenteil: In unzähligen Gestalten wurde er wieder und wieder zum Leben erweckt. Schon in der ersten Bühnenfassung einer Poirot-Geschichte spielte im Jahre 1928 niemand geringerer als der Charakter-Mime Charles Laughton den belgischen Privatdetektiv. Einer bis heute anhaltenden Beliebtheit erfreuen sich auch die Verfilmungen aus den 70er Jahren mit großem Staraufgebot: Während Albert Finney in „Mord im Orient-Express“ schon deutliche Züge des literarischen Vorbilds erkennen ließ, spielte Peter Ustinov in den darauf folgenden Filmen durchaus unterhaltsam eher sich selbst. Erst mit der TV-Adaption „Agatha Christie’s Poirot“, die zwischen 1989 und 2013 produziert wurde, stand mit dem brillanten David Suchet ein Schauspieler vor der Kamera, der bis ins Detail der literarischen Vorlage gerecht wurde. Für mich ist dies die beste filmische Umsetzung der Poirot-Geschichten und wurde bisher auch von keiner neueren Verfilmung übertroffen. In ihnen wird Poirot recht unterschiedlich und für mich auch durchaus ambivalent porträtiert: Während im Kino Kenneth Branagh eher den maskulinen Abenteurer mimt, legt John Malkovich ihn für das Fernsehen eher als gebrochene Kreatur an. Aber auch in anderen Medien trat Poirot erfolgreich in Erscheinung u.a. als Comic bzw. Graphic Novel, in Hörspiele und einer japanischen Manga-Serie. Seit einigen Jahren gibt es sogar s.g. „neue“ Fälle von Hercule Poirot, geschrieben von Sophie Hannah und von Agatha Christies Erben autorisiert.

Für mich allerdings begann das literarische Leben von Hercule Poirot mit „Das fehlende Glied in der Kette“ und endete mit „Vorhang“. In beiden Romanen lässt Christie die Handlung aus Sicht von Captain Arthur Hastings für die Leser Revue passieren und wählte dazu einen identischen Handlungsort. So bilden diese beiden Romane eine Klammer und sorgen für eine Einheit der verschiedenen Geschichten und Romane rund um Hercule Poirot. Schon in ihrem Erstlingswerk zeigt die Autorin viele Details, die sie in späteren Werken perfektionierte und die ihren Ruf als „Queen of Crime“ festigten: ein mysteriöser Mord in einem geschlossenen Raum, ein Verdächtiger mit Alibi, interessantes Handlungspersonal, spannender und abwechslungsreicher Plot-Aufbau, ungewöhnliche Erzählperspektive…!

Es ist mir eine Freude, dass diese Jubiläums-Ausgabe nun in gebundener Form vorliegt (…was ich mir für alle Christie-Romane wünschen würde! ACHTUNG: Leiden auf hohem Niveau!). Und so wird dieser ansprechende Band dauerhaft meinen Lesetisch in unserer Mediothek zieren. Dabei ist er in bester Gesellschaft mit „The Mystery oft he Blue Train“ (dt.: „Der blaue Express“) von Agatha Christie. Als Fremdsprachenlegastheniker habe ich mir dieses englische Exemplar selbstverständlich nicht gekauft, um es zu lesen, sondern einzig und allein, weil mir die Aufmachung so sehr gefiel. Zwecks Lektüre greife ich natürlich nach der deutschen Taschenbuch-Ausgabe aus dem Atlantik-Verlag.

So, und nun beende ich endgültig diese schamlose Lobhudelei! 😀


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455008838

Ich danke dem Verlag und besonders Frau Schwentker herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!