[Musical] Stephen Sondheim – SWEENEY TODD / Stadttheater Bremerhaven

Musik und Gesangstexte von Stephen Sondheim / Buch von Hugh Wheeler / nach dem gleichnamigen Stück „Sweeney Todd – The Demon Barber Of The Fleet Street“ von Christopher Bond / Orchestrierung von Jonathan Tunick / deutsche Fassung von Wilfried Steiner und Roman Hinze  // in deutscher Sprache

Premiere: 31. Januar 2026 / besuchte Vorstellung: 31. Januar 2026

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Davide Perniceni
INSZENIERUNG Toni Burkhardt
BÜHNE Wolfgang kurima Rauschning
KOSTÜME Adriana Mortelliti
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Daniel Lang

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham, Tonio Shiga
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
THEATERPÄDAGOGIK Katharina Dürr
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Josefine-Alicia Ocko


Es war der Montag vor der Premiere. Die Kostprobe zu SWEENEY TODD war vorüber: Über 2 Stunden boten uns das Produktionsteam und das Ensemble einen informativen wie kurzweiligen Einblick ins Werk. Vollbepackt mit Eindrücken begaben wir uns Richtung Ausgang, als eine Stimme vor mir mich aufhorchen ließ. Vor mir erblickte ich ein typisches Paar des Bildungsbürgertums: Während er raumgreifend und unüberhörbar palaverte, hing sie an seinen Lippen und ließ sich von ihm die Welt erklären. So nölte er recht lautstark, dass diese Musik „typisches Musical-Pling-Pling“ sei und somit wenig anspruchsvoll wäre. Komisch, mir persönlich erschienen bisher die Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart immer gefälliger und zugänglicher als die von Stephen Sondheim. Doch leider (!) firmiert sich SWEENEY TODD unter der Rubrik „Musical“. Stände auf dem Etikett „zeitgenössische Oper“, dann hätte er wahrscheinlich die innovative Komposition über alle Maßen gelobt. So pflegte er hingebungsvoll seinen Standesdünkel und suhlte sich genüsslich in einer fragwürdigen Gewissheit, dass er ein Kenner der Materie sei. Er wäre nicht der Erste (und leider auch nicht der Letzte), der aufgrund einer vorgefassten wie unumstößlichen Meinung einen spannenden Theaterabend verpassen würde. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass er aufgrund der enganliegenden Scheuklappen nicht ins Straucheln gerät.

Apropos Spannung: Der Tag der Premiere war da! Wir saßen fiebernd vor Spannung im Zuschauersaal und schraken zusammen als aus dem Orchestergraben die ersten dunklen, unheilvollen Töne der Orgel, die die Ouvertüre einleitete, erklangen. Das tückische Spiel um Liebe, Leid, Wahnsinn und Rache konnte beginnen. Ein geläufiges Sprichwort lautet „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.“ und bedeutet, dass Rache genussvoller ist, wenn sie weniger impulsiv sondern vielmehr wohlüberlegt und mit Bedacht ausgeführt wird. SWEENEY TODD bildet da die Ausnahme: Hier wird die Rache heiß serviert, so heiß wie Mrs. Lovetts Pasteten – frisch aus dem Ofen…

VORGESCHICHTE Der Barbier Benjamin Barker führte einst ein glückliches Leben mit seiner Frau Lucy und der gemeinsamen Tochter Johanna, bis Richter Turpin ihn unschuldig nach Australien verbannen ließ. Turpin missbrauchte Lucy und nahm Johanna als Mündel bei sich auf. Barker verschwand. Sein Glück blieb zerstört zurück. // 1. AKT Fünfzehn Jahre später kehrt Barker unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück – begleitet vom jungen Seefahrer Anthony Hope. Von Rache getrieben, sucht Sweeney seine alte Heimat auf und trifft auf Mrs. Lovett, die Besitzerin eines heruntergekommenen Pastetenladens. In ihren Räumen nimmt er sein früheres Handwerk als Barbier wieder auf. Eine geheimnisvolle Bettlerin scheint mehr zu wissen, als gut ist. Anthony verliebt sich in Johanna und fasst den Entschluss, sie aus Turpins Gewalt zu befreien. Sweeney und Mrs. Lovett begegnen dem selbsternannten Wunderbarbier Adolfo Pirelli und dessen Gehilfen Tobias Ragg. Ein öffentlicher Wettstreit entscheidet über Können und Ruhm. Sweeney gewinnt. Doch Pirelli will ihn erpressen. Ein fataler Fehler: Sweeney bringt ihn um. Kurz darauf steht ausgerechnet Richter Turpin vor seiner Tür. Die Rache ist greifbar nah. Doch Anthony platzt dazwischen, Turpin entkommt. Außer sich vor Wut fasst Sweeney einen mörderischen Entschluss: Von nun an soll kein Kunde seinen Laden lebend verlassen. Mrs. Lovett liefert die pragmatische Idee zur Verwertung der Leichen: als Pasteten. // 2. AKT Mrs. Lovetts Geschäft floriert. Sie träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Sweeney. Johannas Situation hingegen verschlimmert sich dramatisch: Weil sie Turpin die Ehe verweigert, wird sie in eine Irrenanstalt gesperrt. Sweeney und Anthony planen ihre Befreiung und nutzen Johanna zugleich als Köder. Turpins Ende scheint besiegelt. Doch Rache fordert ihren Preis.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Regisseur-Tausendsassa Toni Burkhardt brachte die Drehbühne zum Rotieren. Filmische Abläufe, in denen sich Szene an Szene reiht und so die Handlung im stetigen Fluss bleibt, sind beinah sein Markenzeichen und bei einem Werk wie SWEENEY TODD auch unabdingbar – zumal einige Szenen sich parallel zueinander abspielen. Er vermied wohltuend allzu Plakatives, Klamaukhaftes bzw. Burlesques. Seine Personenzeichnung war präzise, seine Figuren durften ambivalent sein, ihre Intentionen waren glaubhaft und nachvollziehbar. Fein steigerte er die Emotionalität seiner Inszenierung und dehnte Millimeter für Millimeter den Faden der Spannung bis es beinah für uns als Zuschauende unerträglich erschien.

Bühnenbildner Wolfgang kurima Rauschning schuf auf der Drehbühne ein verschachteltes Konstrukt über mehrere Ebenen, mit dem je nach Grad der Drehung bzw. durch die effektvolle Ausleuchtung immer wieder neue Spielräume geschaffen wurden. Stimmungsvolle Hintergrundprojektionen vervollständigen diesen Look. Adriana Mortelliti zitierte in ihren Kostümentwürfen den beliebten Steampunk und schlug so einen gelungenen Bogen von der viktorianischen Epoche zur modernen industriellen Zeit. Zudem passte dieser Look ganz hervorragend zur dystopischen Grundstimmung dieses Werks, aus dessen Dunkel Mortelliti die Kostüme von Mrs. Lovett (pink-orange, blutrot) und Johanna (weiß, hellblau) zueinander konträr leuchten ließ und so bereits optisch Rückschlüsse auf den Charakter der jeweiligen Figur ermöglichte.

Die anspruchsvolle Partitur von Stephen Sondheim war beim musikalischen Leiter Davide Perniceni und dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven in den allerbesten Händen. Differenziert und fein nuanciert kamen Balladen und Duette zu Gehör, um dann mit dem nötigen Druck die Chorpassagen voluminös zu umrahmen.

Die Sänger*innen des Chores am Stadttheater Bremerhaven (Leitung: Edward Mauritius Münch) boten wieder Erlesenes: Beeindruckend kraftvoll in den Ensemble-Passagen, dann wieder reduziert wie ein griechischer Chor der Antike, der das Geschehen reflektiert und das Handeln der Solist*innen kommentiert.

Gustavo Oliva schlüpfte höchst amüsant in die Schuhe des Quacksalbers ADOLFO PIRELLI. Róbert Tóth gab einen diabolischen MR. FOGG. Der BÜTTEL BAMFORD von MacKenzie Gallinger war einerseits ekelerregend schmierig, zeigte andererseits komische Attitüden. Iris Wemme-Baranowski bot als BETTLERIN eine ergreifende Performance zwischen Wahnsinn und Wut, zwischen Mitleid und Abscheu.

Nuno Dehmel porträtierte TOBIAS RAGG als unbedarften, jungen Mann, der aufgrund seiner kognitiven Einschränkung manches nicht versteht aber dafür sensibler auf Zwischenmenschliches reagiert. Den Song  „Not While I’m Around“ gestaltete er mit schlichter Würde. Timothy Edlin lieferte als RICHTER TURPIN mit seinem dunklen Bass und einem nuancierten Spiel eine beängstigend abstoßende Charakterstudie eines Machtmenschen, der eben jene Macht wie selbstverständlich missbrauchte.

Als JOHANNA BARKER wirkte Caroline Hat ebenso zerbrechlich und zwitscherte ebenso zart wie die Vögelchen, mit denen sie sich beschäftigte, zeigte sich allerdings als mutige und charakterfeste junge Frau. Im Laufe seines Engagements am Stadttheater Bremerhaven hat Andrew Irwin sich zu einem exzellenten Liedinterpreten entwickelt. Als ANTHONY HOPE zeigte er abermals sein Können u.a. bei „Johanna“, das er mit feinen Nuancen und höchst sensibel intonierte.

In der Vergangenheit gewann ich den Eindruck, dass die Partie der MRS. LOVETT gerne unterschätzt wird. Viele haben da die Filmfassung mit Helena Bonham Carter in Erinnerung, die eher haucht als singt. Auf der Bühne schlüpften gerne prominente Schauspielerinnen (Christine Baranski, Emma Thompson, Imelda Staunton) in die Rolle, die alle aus ihrer reichhaltigen Expertise schöpften und ihr so ihren persönlichen Stempel aufdrückten. Dabei wurde allerdings mal mehr, mal weniger dem Sprechgesang gehuldigt. Wobei für mich von allen MRS. LOVETTs, die ich bisher auf Tonträger hören durfte, die wunderbare Angela Lansbury unerreicht ist. Die Partie ist sehr schnell, und es gibt viele Wechsel in der Betonung. Da ist es unumgänglich, dass die Darstellerin genauestens vorbereitet sein muss, um höchst präzise arbeiten zu können.

In Bremerhaven band sich nun Mezzosopranistin Boshana Milkov die Schürze der geschäftstüchtigen Pastetenbäckerin um und meisterte diese musikalisch wie technisch herausfordernde Partie bravourös. Dabei zeigte sie allein aufgrund ihres jungen Alters eine gänzlich neue Facette dieser Rolle. Beinah mädchenhaft naiv ließ Milkov ihre MRS. LOVETT sich in eben jene Jungmädchenträume verlieren. Da sehnte sie sich nach Zweisamkeit, Zärtlichkeit, Familie und dem eigenen Kind. All dies hatte das Objekt ihrer Begierde SWEENEY TODD in der Vergangenheit bereits besessen (Verständlich, dass sie alles, was ihn an diese Vergangenheit erinnerte, auf Abstand hielt.). Sie war so voller Sehnsucht, da schien ihr auf dem Weg zum Ziel jedes Mittel recht. Gekonnt switchte Milkov zwischen den Extremen. Da war sie einerseits die mütterliche Freundin für TOBIAS RAGG, andererseits die durchtriebene Mord-Komplizin unseres Titelhelden, den sie mit üppiger Erotik für sich zu gewinnen versuchte: Da vibrierte die Stimme, da bebte der Busen. Wie bisher ihre Pasteten an die Kundschaft, bot sie nun sich selbst dem Manne feil. Zudem war es ein Genuss, in dieser Rolle endlich einer Darstellerin zu lauschen, die auch tatsächlich singen kann.

Den Song „A Little Priest“, in dem sich MRS. LOVETT gemeinsam mit SWEENEY TODD fragt, wie wohl welche Berufsgruppe schmecken könnte, gestaltete Boshana Milkov gemeinsam mit Frank Josef Winkels so köstlich boshaft und triefend vor schwarzem Humor. Frank Josef Winkels ließ seinen markanten Bariton im gleichen Maße gefährlich brummend wie auch warm einlullend erklingen. Sein SWEENEY TODD war nicht der kalte Rächer sondern zeigte auch sehr viel Menschlichkeit und Humor: Da umspielte ein Lächeln seine Lippen und ein schelmischer Blick blitzte aus seinen Augen. Beinah beiläufig ließ er die Morde an sich abgleiten, dabei wirkte er weniger emotionslos als vielmehr erschöpft von der Welt – durch das, was er im Leben erdulden musste. Frank Josef Winkels stattete seinen SWEENEY TODD mit einer wohldosierten Aura der Melancholie aus, die auch bei seiner Interpretation der Songs zum Tragen kam, wie z. Bsp. beim Reprise von „Johanna“ als Quartett im 2. Akt (Gänsehaut!). Doch dann brachen wie bei „Epiphany“ die Emotionen wieder mit einer solchen Macht aus ihm heraus, dass er zwangsläufig ein Feld der Verwüstung hinterließ. Winkels bot ein absolut rundes Rollenprofil zwischen Bad Guy und geschundener Kreatur.

Standing Ovation mit Johlen, Pfeifen und Bravo-Rufe sowie einem Applaus, der mich in die Nähe eines Erschöpfungszustands brachte: Es war einer jener wunderbaren Theaterabende, die nachhallen und so lange in Erinnerung bleiben. Das Stadttheater Bremerhaven hatte es wieder einmal geschafft, spannendes Musiktheater auf hohem Niveau zu präsentieren!


Am Stadttheater Bremerhaven bieten der rachsüchtige SWEENEY TODD und seine durchtriebenen Komplizin Mrs. Lovett noch bis April 2026 „die schlechtesten Pasteten in London“ feil. Von einer Verkostung wird dringend geraten!!!

[Konzert] Adventskonzert MERRY CHRISTMAS / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Georg Friedrich Händel, Tom A. Kennedy, César Franck, Morten Lauridsen, Johann Sebastian Bach, Gustav Holst, Georges Bizet, Jesse Edgar Middleton, James Bobby, John Williams sowie traditionelle Weihnachtslieder

Premiere: 30. November 2025/ besuchtes Konzert: 27. Dezember 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


DIRIGENT & MODERATION Hartmut Brüsch 
CHOR Edward Mauritius Münch
SOLIST:INNEN  Meredith Hoffmann-Thomson, Boshana Milkov, Weilian Wang, Timothy Edlin

Opernchor des Stadttheaters Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven
Kinderchor des Stadttheaters Bremerhaven
Kinder- und Jugendchöre der Musikschule Geestland

ORGANISATION & STIMMBILDUNG KINDERCHOR Katharina Diegritz
EINSTUDIERUNG KINDER- UND JUGENDCHÖRE DER MUSIKSCHULE GEESTLAND Gabriele Brüsch


An den Tagen zwischen den Feiertagen habe ich in jedem Jahr erneut das Gefühl, als würde sich die Welt langsamer drehen, so als würde sie – nur für diese wenigen Tage – ausgebremst werden. Natürlich ist mir bewusst, dass dies leider nicht der Fall ist: Die Welt dreht und dreht und dreht sich unbeirrbar, und irgendwo auf ihr passieren ungeheure Ungerechtigkeit – auch jetzt in diesem Moment, in dieser Sekunde.

Doch ich brauche am Ende eines ereignisreichen Jahres diese kurze Zeitspanne so sehr, um atmen zu können, zur Ruhe zu kommen und auch um zu träumen. Die Wochen vor Weihnachten brachten mir noch eine gehörige Portion Aufregung und sorgten so für reichlich Verwirrung. Doch nun waren alle Unsicherheiten beseitigt, und auch die vor-weihnachtliche Hektik war von mir abgefallen. Entsprechend entspannt machte ich mich auf den Weg in Richtung Bremerhaven, um einen Tag nach Weihnachten beim Adventskonzert MERRY CHRISTMAS die besinnliche Zeit nochmals „nachzuschmecken“. Der Weihnachtsmarkt in der Seestadt dauert traditionell bis zum 30. Dezember an, und so drehte sich auf dem Theodor-Heuss-Platz vor dem Theater immer noch das bunt beleuchtete Riesenrad. Von den geschmückten Buden wehten köstliche Düfte zu mir herüber: Bratwürstchen und Churros munden auch nach Weihnachten gar köstlich!

Nachdem der Leib im ausreichenden Maße gefüttert wurde, waren nun Herz und Hirn an der Reihe, um genussvoll gesättigt zu werden. Magnetisch zog mich das warme Licht durch die geöffneten Türen ins Innere des Theaters, wo zahlreiche Weihnachtsbäume und Lichterketten für ein festliches Ambiente sorgten. Auf der stimmungsvoll dekorierten Bühne hatten bereits vereinzelt Musiker*innen des Philharmonischen Orchester Platz genommen, um an ihren Instrumenten die eine oder andere tückische Passage nochmals zu üben.

Peu à peu füllte sich das Orchesterpodium. Das Licht im Zuschauersaal wurde gedimmt, und unter Applaus betrat der musikalische Leiter Hartmut Brüsch mit den Sänger*innen des Opernchors die Bühne, um gemeinsam das Konzert mit „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Felix Mendelsohn Bartholdy musikalisch prachtvoll zu eröffnen. Hartmut Brüsch erwies sich abermals als versierter Moderator, der es verstand, Wissen so leicht und humorvoll zu vermitteln, das wir im Publikum kaum wahrnahmen, dass wir etwas lernten.


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Das Programm führte uns durch 400 Jahre Musikgeschichte (vom Barock über die Romantik zu zeitgenössischen Werken), ließ uns musikalisch – neben Deutschland – auch Länder wie England, USA, Kanada und Frankreich bereisen und war so imposant gefüllt mit so vielen bemerkenswerten Momenten, dass es mir unmöglich ist, die mitwirkenden Künstler*innen für alle ihrer Darbietungen gebührend zu würdigen.

Boshana Milkovs samtener Mezzo umschmeichelte mit feiner Koloratur insbesondere die Oboe bei „Bereite dich, Zion“ aus WEIHNACHTSORATORIUM von Johann Sebastian Bach. Weilian Wangs schön timbrierter Tenor schien bei „Panis Angelicus“ von César Franck mit dem Klang des Orchesters zu verschmelzen. Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson entzückte mit einem zauberhaft beseelten „In the Bleak Midwinter“ von Gustav Holst. Timothy Edlin gestaltete mit seinem warmen Bass äußerst gefühlvoll „O little Town of Bethlehem“ und bot so dem nachfolgenden Kinderchor einen wunderbaren Einstieg in seinen ersten Auftritt.

Der Kinderchor setzte sich aus dem Kinderchor des Stadttheaters Bremerhaven (Einstudierung: Edward Mauritius Münch und Katharina Diegritz) und den Kinder- und Jugendchören der Musikschule Geestland (Einstudierung: Gabriele Brüsch) zusammen, der die englischen Carols ebenso entzückend zu Gehör brachte wie zu einem späteren Zeitpunkt die deutschen traditionellen Weihnachtslieder. Manche Kinder und Jugendlichen waren so hochkonzentriert bei der Sache, dass ihnen vor Aufregung der Text entfiel. Ich erkannte es an ihrem leicht verschreckten Gesichtsausdruck, was mir ein verständnisvolles Schmunzeln entlockte. Zumal sie bravourös auch anspruchsvolle Chorpartien meisterten, so das älteste kanadische Weihnachtslied „The Huron Carol“ von Jesse Edgar Middleton, das sie gemeinsam mit dem Opernchor a cappella vortrugen.

Auch das mystisch-sphärische „O Magnum Mysterium“ von Morten Lauridsen erklang stimmgewaltig a cappella durch den Opernchor. Beim würdigen Finale mit „Merry Christmas“ aus KEVIN ALLEIN IN NEW YORK von John Williams verband sich die orchestrale Kraft des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven mit dem brillanten Gesang der Sänger*innen des exzellenten Opernchors.

Traditionell endete auch dieses ADVENTSKONZERT mit einem fulminanten Chor – bestehend aus Solist*innen, Opern- und Kinderchor sowie den 685 Zuschauer*innen – im gänzlich ausverkauften Großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven. Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Dat Joahr geiht to End“ endete ein so beglückendes Konzert, das mich beseelt nach Hause fahren ließ und einen versöhnlichen Abschluss für dieses herausfordernde Jahr bildete.

„Du denkst still bi di: Wedder een Joahr vorbi,
un wat wür, wür dat schlecht oder good?“

Ich sende ein großes Dankeschön an alle, die dieses wunderbare Konzert möglich gemacht haben: Euch ist es zu verdanken, dass ich nun zuversichtlicher in mein persönliches Neues Jahr 2026 blicke!


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Operette] Emmerich Kálmán – DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN / Stadttheater Bremerhaven

Operette von Emmerich Kálmán / Libretto vom Leo Stein und Béla Jenbach // in deutscher Sprache

Premiere: 8. November 2025 / besuchte Vorstellungen: 08.11. & 21.12.2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Hartmut Brüsch
INSZENIERUNG Sebastian Kranner
BÜHNE & KOSTÜME Anna Kreinecker
CHOREOGRAFIE Katharina Glas
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Katharina Konopka

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
ASSISTENZ KOSTÜME & BÜHNE Elisabeth Pscheidl
DANCE CAPTAIN Melissa Panetta, Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham, Tonio Shiga
INSPIZIENZ Regina Wittmar
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Josefine-Alicia Ocko


Hach! Es ist manchmal so wohltuend, sich dem Schmalz hinzugeben und in eine Phantasie-Welt abzutauchen, wo die Probleme überschaubar sind und sich die Liebenden nach einigen unterhaltsamen Irrungen und Wirrungen schlussendlich in die Arme fallen. Happy End! Welches Genre wäre da besser geeignet als die gute alte, oftmals schon todgesagte Operette. Doch wie heißt es so schön:

„Todgesagte leben länger!“.

Insbesondere am Stadttheater Bremerhaven wird eine jahrzehntelange Operetten-Tradition gepflegt. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da gab es sowohl ein Opern- wie auch Operetten-Ensemble. Letzteres bediente pro Saison neben mind. zwei Operetten auch noch das Musical. Ob die Qualität der Inszenierungen mit der Quantität der Aufführungen mithalten konnte, wage ich nicht mehr zu beurteilen (In meinem hohen Alter sieht man einiges auch schon sehr verklärt. 😁). Heutzutage widmen sich am Stadttheater Bremerhaven dieselben Sänger*innen der so genannten leichten Muse, die sonst auch in der Oper brillieren, und garantieren so Gesangskunst auf hohem Niveau.

In dieser Saison stand nach langer Zeit wieder einmal ein Werk von einem der Begründer der Silbernen Operettenära auf dem Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. Denn wenn ich mich richtig erinnere, dann „verirrte“ sich zuletzt in der Spielzeit 2018/2019 mit DIE HERZOGIN VON CHICAGO ein Werk von Emmerich Kálmán auf die große Bühne meines Stammtheaters.

Sylva Varescu ist der Star der Budapester Varietészene. Der adlige Edwin Lippert-Weylersheim ist unsterblich in sie verliebt. Seine Freunde Boni und Feri raten ihm, die Finger von ihr zu lassen und das leichte Leben zu genießen. Edwins Eltern, Anhilte und Leopold Maria, sind gegen Edwins Verbindung. Sie schicken den Vetter Eugen von Rohnsdorff, um Edwin zum Militärdienst zu rufen und an seine Verlobung mit Cousine Anastasia Eggenberg, genannt Stasi, zu erinnern. Edwin verspricht, seinen Dienst anzutreten, macht Sylva aber zuvor einen Heiratsantrag – den sie annimmt. Als sie erfährt, dass Edwin bereits verlobt ist, beschließt sie, nach Amerika zu gehen. Edwin hat sich damit abgefunden, Stasi heiraten zu müssen. Seine Eltern bleiben aber skeptisch. Boni und Sylva – mittlerweile zurück aus Amerika – tauchen als vermeintliches Grafen-Ehepaar auf. Sie wollen Edwins Eifersucht wecken. Es funktioniert. Edwin bittet Sylva erneut, ihn zu heiraten. Sie sagt wieder Ja. Gleichzeitig gesteht Boni Stasi seine Liebe. Edwin will, dass Sylva ihren erfundenen Titel als Gräfin behält, um die Zustimmung seiner Eltern zu gewinnen. Sylva lehnt ab und verlässt Edwin. Boni versucht, Sylva wieder mit Edwin zu versöhnen. Erfolglos. Stattdessen ermuntert Feri Sylva, auf die Bühne zurückzukehren. Als Feri Edwins Vater begegnet, erzählt er von seiner eigenen Liebe zu einer Chansonette, die später adlig geheiratet hat. Leopold Maria erkennt, dass diese Frau seine eigene Ehefrau ist. Er gibt seinen Widerstand auf – und der Liebe von Edwin und Sylva steht nichts mehr im Weg.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Es passiert viel, es muss auch viel passieren, und Regisseur Sebastian Kranner tat auch gut daran, viel passieren zu lassen. So gestaltete er die Übergänge zwischen Sprechtext, Gesang und Tanz sehr fließend, setzte dafür gekonnt die Drehbühne ein und erfreute mit originellen Ideen: Da schaute via Gemälde hoch oben über der Bühne Kaiser Franz Joseph mahnend auf die Gesellschaft herab und drohte bei allzu vielen Verfehlungen auch schon mal mit Absturz. Oder das fürstliche Paar LEOPOLD MARIA und ANHILTE kehrte pompös vom Ausritt heim, der sich als Hobby Horsing entpuppte. Doch auch ernste Töne lässt der Regisseur zu: Da klingt der gesellschaftlichen Wandel der damaligen Zeit ebenso an wie der Umgang mit der Prostitution. Dies machte er durchaus sehr deutlich aber ohne den moralinsauren erhobenen Zeigefinger.

Allerdings sorgten einige Szenen bei mir auch für Irritation, da ich nicht ergründen konnte, durch welche der beiden Brillen (Ironie oder Ernsthaftigkeit) der Regisseur sie betrachtet hatte. Diese Szenen wirkten irgendwie so „dazwischen“. Dabei gab es sie durchaus, die herrlich komischen Szenen voller Ironie und Witz, die purer Spaß waren, ebenso wie Momente der Ernsthaftigkeit, die den Mantel der Operetten-Seligkeit abwarfen und dafür umso mehr berührten.

Bedauerlicherweise hatte ich auch den Eindruck, dass Kranner nicht ausreichend mit den Solist*innen an den Dialogen gearbeitet hat. Bei der Operette wird auch sehr viel gesprochen, da über die Dialoge Informationen transportiert und so wichtige Einzelheiten zur Handlung bzw. zu den Figuren dem Publikum offenbart werden. Hier litt am Premierenabend leider manchmal die Textverständlichkeit (unabhängig vom individuellen sprachlichen Hintergrund): Betonungen wurden ungewöhnlich gesetzt, Gesprochenes hatte keinen natürlichen Fluss und wirkte dadurch hölzern. Da wünschte ich mir einen Otto Schenk herbei: Der legendäre österreichische Schauspieler und Regisseur, der vornehmlich Opern aber auch Operetten inszenierte, war bekannt für seine exzellente Dialog-Regie. Oder zumindest hätten mir zum besseren Verständnis deutsche Übertitel sicherlich geholfen. So hoffe ich sehr, dass die Sänger*innen sich im Laufe der weiteren Vorstellungen freispielen, und sie die Worte selbstverständlicher über die Lippen bringen.

Denn gesungen wurde – wie eingangs bereits erwähnt – auf hohem Niveau: Meredith Hoffmann-Thomson gab die Titelfigur SYLVA VARESCU mit großer Stimme und geschmackvoller Erotik und machte auch tänzerisch – insbesondere bei den Revue-Szenen – eine gute Figur. Stimmlich ihr ebenbürtig und von attraktiver Gestalt war Alexander Geller. Allerdings zeigte sein EDWIN RONALD sehr wenig Rückgrat bzw. hatte „keine Eier in der Hose“ (Von der Regie so gewollt?). Da hätte ich der CSÁRDÁSFÜRSTIN einen schneidigeren Galan gewünscht.

Einen Mangel an Schneid konnte man GRAF BONI KÁNCSIÁNU von Andrew Irwin nicht vorwerfen: Da wurde mit Elan vorangeprescht, um aus vollen Zügen das Leben und (vor allem) die Liebe zu genießen. Wie gut, dass Irwins BONI mit der lebenslustigen KOMTESSE STASI von Victoria Kunze eine kongeniale Partnerin zur Seite gestellt wurde. Kunze brillierte abermals mit ihrem wunderbaren Timing für Komik und der Fähigkeit, auch den irrwitzigsten Dialogen Leben einzuhauchen.

Timothy Edlin als väterlicher Freund FERI VON KEREKES ruhte gänzlich in sich selbst, war der ausgleichende Pol gegenüber seinen jugendlichen Freunden und schaffte es, einen wohldosierten Hauch von Melancholie und Vergänglichkeit zu versprühen. James Bobby als LEOPOLD MARIA und Iris Wemme-Baranowski als dessen Gattin ANHILTE sorgten für reichlich Amüsement als herrlich exaltiertes „Sissi & Franzl-Look alike“. Róbert Tóth gab einen (nach Außen) polternden, doch (innerlich) gutmütigen EUGEN VON ROHNSDORFF, und Ines Mayhew-Begg, Yvonne Blunk und Elena Zehnoff gefielen als handfeste MÄDIS.

Doch für mich waren die heimlichen Stars der Inszenierung der prachtvoll singende wie ebenso agierende Opernchor sowie die großartigen Tänzer*innen vom Ballett-Ensemble, die die spritzige Choreografie von Katharina Glas schwungvoll über die Rampe brachten. Wenn sie auftraten, passierte in jeder Ecke der Bühne immer so viel, dass ich meinen Blick so manches Mal förmlich von ihnen losreißen musste, um mich wieder auf die Hauptpartien konzentrieren zu können.

Ausstatterin Anna Kreinecker schuf stimmige Kostüme, die die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten klar voneinander trennten. Die Kostüme in den Revue-Szenen strahlten extravagant im Stil der legendären 20er Jahre, während der Adel allzu üppig und immer etwas „Over the Top“ gewandet war. Zudem stellte sie ein wandlungsfähiges Bühnenbild auf die Drehbühne, das nach vorne glitzerte und prunkte, nach hinten eher nüchtern bzw. heruntergewirtschaftet wirkte und so symbolisierte, dass alles „mehr Schein als Sein“ ist.

„Last“ doch definitiv „not least“: Operetten-Spezialist Hartmut Brüsch kitzelte aus dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven wieder so herrlich süffig schmelzend die Kálmán’schen Melodien hervor, die längst schon zu Evergreens geworden sind. Dabei pendelten die Musiker*innen gekonnt zwischen folkloristischen Pusta-Klängen, sehnsuchtsvollen Duetten und schmissigen Tanz-Nummern.

Auf meiner „Tanz-Karte“ stehen mindestens noch zwei weitere Vorstellungen von DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN: Endlich ein Naschwerk, das nach Verzehr nicht sofort eins zu eins auf meiner Hüfte landet!


Operetten-Seligkeit bis ins Neue Jahr: Dies verspricht DIE CSÁDÁSFÜRSTIN am Stadttheater Bremerhaven allen Fans beschwingter Unterhaltung. 

[Oper] Sergei Prokofjew – DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN / Stadttheater Bremerhaven

Oper von Sergei Prokofjew / Libretto vom Komponisten und Vera Janacópulos / nach Wsewolod Meyerholds Adaption eines Stückes von Carlo Gozzi / deutsche Textfassung von Werner Hintze / reduzierte Orchestrierung von Philipp Haag // in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 13. September 2025 / besuchte Vorstellung: 16. Oktober 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marc Niemann
INSZENIERUNG & BÜHNE Julius Theodor Semmelmann
KOSTÜME Devin McDonough
DRAMATURGIE Markus Tatzig
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Katharina Konopka

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham, Tonio Shiga
INSPIZIENZ Regina Wittmar
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Josefine-Alicia Ocko


Ja, Donnerlittchen! Potz Blitz! Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Was ist denn hier passiert? Welche halluzinogenen Substanzen hatte sich Komponist Sergei Prokofjew eingeworfen, bevor er diesen überdrehten Spaß zusammenschusterte? Oder gönnte er sich – nachdem er aufgrund der Oktoberrevolution in Russland Exil in den USA suchte – die Freiheit, mit allen Opern-Konventionen zu brechen? Gemäß dem Motto „Neues Land – neues Glück: Ich erfinde mich neu!“.

Alles, was sich der durchschnittliche Opernkonsument von einer Oper erhofft, wird bei DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN gänzlich gegen den Strich gebürstet. Ouvertüre: Fehlanzeige! Koloraturarie und Tenorschmelz: Fehlanzeige! Gassenhauer: Fehlanzeige! Logik: Fehlanzeige! Realismus (Okay! Kann beim Genre Oper manchmal durchaus hinterfragt werden.): Fehlanzeige!

Und Regisseur und Bühnenbildner Julius Theodor Semmelmann machte sich noch nicht einmal die Mühe, irgendeinen Sinn aus dieser kruden Geschichte herauszukitzeln (Frechheit!). Es darf übertrieben werden! Es darf so übertrieben werden, dass es manches Mal beim Zuschauen beinah schmerzt! Es muss übertrieben werden!

Doch werfen wir zum besseren Verständnis (oder zur gänzlichen Verwirrung) einen Blick auf die so genannte (!) Handlung:

PROLOG Im Theater kracht es. Das Publikum ist sich uneinig, welches Stück gespielt werden soll. Die Bühnentechniker bringen Ordnung ins Chaos. Heute Abend: Die Liebe zu den drei Orangen. // 1. AKT Im Palast gibt es nichts zu lachen. Zumindest nicht für den Prinzen, der trübselig im Bett liegt und keinen Spaß versteht. Truffaldino soll ihn aufmuntern – bisher ohne Erfolg. In einem albtraumhaften Kartenspiel unterliegt der gute Magier Tschelio der bösen Zauberin Fata Morgana. Währenddessen schmieden Prinzessin Clarice und ihr Handlanger Leander Pläne für den Sturz der Königsfamilie. // 2. AKT Im Palast wird gefeiert. Der Prinz soll mit einem absurden Fest geheilt werden. Im Tumult mit Truffaldino geht Fata Morgana zu Boden – und der Prinz lacht! Im Zorn verwünscht die Zauberin diesen: Er soll sich in drei Orangen verlieben. Trotz aller Warnungen macht sich der Prinz mit Truffaldino auf die Reise. // 3. AKT Im Rückenwind des Luftgeists Farfarello erreichen der Prinz und Truffaldino das Zauberschloss der Riesin Cremona. In der Küche bewacht die Köchin die drei Orangen. Mit der Hilfe des Zauberers überlisten der Prinz und Truffaldino diese, schnappen sich die Früchte und ziehen in die Wüste. Durstig und erschöpft öffnet Truffaldino heimlich zwei Orangen, die sich als die verzauberten Prinzessinnen Linetta und Nicoletta entpuppen – und kurzerhand verdursten. Aus der dritten Orange schlüpft Prinzessin Ninetta. Eine plötzlich erscheinende Wasser-flasche ist ihre Rettung. Der Prinz ist verliebt. Listig verzaubert Fata Morgana die Prinzessin in eine Ratte und ersetzt sie durch Smeraldina als falsche Braut. Tschelio und Fata Morgana streiten erneut. // 4. AKT Im Palast wird Hochzeit gefeiert. Die Pläne von Fata Morgana werden durchkreuzt. Tschelio verwandelt die Ratte zurück in Ninetta. Dieses Märchen kennt ein glückliches Ende. Vielleicht sogar für arglose Bösewichte.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Im Vergleich zu seinen bekannteren Werken – beispielsweise zum später entstandenen Musikmärchen PETER UND DER WOLF (1936) – ist DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN nicht das Werk von Prokofjew, das aufgrund seiner eingängigen Melodien in meinem Gedächtnis haften bleiben wird. Aus dem Orchestergraben musizierte das Philharmonische Orchester Bremerhaven unter der Leitung von Marc Niemann natürlich wieder auf höchstem Niveau, und auch die Solist*innen, der Opernchor sowie der Extrachor zeigten eine so wunderbar ausgewogene Ensembleleistung, dass man es mir verzeihen möge, wenn ich den musikalischen wie gesanglichen Aspekten diesmal weniger Beachtung schenke.

Vielmehr gab es inszenatorisch und somit auch darstellerisch so viel zu sehen, dass ich kaum entscheiden konnte, wohin ich zuerst blicken sollte, und Gefahr lief, mir einen Tennis-Nacken einzufangen. Julius Theodor Semmelmann hat die imaginäre 4. Wand gnadenlos zum Einstürzen gebracht: Schon vor Beginn trudelten peu à peu die Sängerinnen des Chores im Zuschauersaal ein, um – kaum vom realen Publikum zu unterscheiden – in der ersten Reihe Platz zu nehmen. Doch kaum hatte die Vorstellung begonnen, erhob sich aus besagter Reihe lautstark Protest und gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen, die aus dem Foyer hinzukamen, stürmten sie die Bühne. Dort hatte Semmelmann den Zuschauersaal über die Bühne hinweg verlängert, indem er die Konzert-Muschel, die normalerweise zwecks Verbesserung der Akustik bei philharmonischen Konzerten zu Einsatz kommt, frecherweise zum Königspalast umfunktioniert: das königliche Bett in die Mitte, Lüster drüber und fertig. Doch die erste Reihe blieb nicht ungenutzt: Auch einige Solist*innen durften dort im Laufe der Vorstellung Schutz suchen und boten dem Publikum so die Gelegenheit, die exaltierten Kostüme und Frisuren von Devin McDonough näher in Augenschein zu nehmen.

Semmelmanns Inszenierung ist gespickt mit kruden Ideen und aberwitzigen Details, die meine Phantasie beflügelten und mich animierten, ebensolchen wirren Mumpitz in einige Szenen hinein zu interpretieren. Beispiele gefällig? Sehr gerne!

  • Wenn eine studierte Harfenistin sich an der Alt-Panflöte abarbeitet.
  • Wenn beim Film-mäßigen Vorspann – statt der brüllende MGM-Löwe – ein ORANG-Utan (!) von der Leinwand lächelt.
  • Wenn Prinzessin Clarice sich probeweise die Hermelinschärpe vom Königsmantel um die Schulter wirft, obwohl der König noch im Mantel steckt.
  • Wenn die Köchin per Kamera auf eine große Leinwand, vor der Truffaldino agiert, übertragen wird, und so die Illusion entsteht, die Riesin würde den kleinen Zwerg in die Pfanne hauen.
  • Wenn ich meine im Küchen-Bild der Köchin, freche Easter-Eggs zu entdecken.
  • Wenn der ehrwürdige Magier Tschelio plötzlich in seiner schättrigen Long John Cowboy-Unterwäsche vor dem Publikum steht.
  • Wenn der Luftgeist Farfarello so aufgeblasen auftritt, dass selbst sein Kostüm wie ein Luftballon anschwillt.
  • Wenn die Zauberin Fata Morgana von den Bühnenarbeitern betäubt und in eine Plastikplane gehüllt wird, bei deren Anblick mir prompt der Werbe-Slogan einer Gefrierbeutel-Marke in den Sinn kommt.
  • Wenn eine wilde Verfolgungsjagd mit allen Beteiligten zu einer irrwitzigen Slapstick-Szene wie aus „Väter der Klamotte“ mutiert.
  • Wenn…! Wenn…! Wenn…!

Und ich bin sehr sicher, dass mir bei einem zweiten Besuch der ORANGEN noch viele weitere Details auffallen würden.

Und das Ensemble nutze diese Möglichkeit zur schamlosen Übertreibung mit spürbarer Freude hemmungslos aus: Timothy Edlin wirkte als KÖNIG TREFF so introvertiert ehrwürdig und gleichzeitig so grau und farblos, als wäre er von einer Krankheit betroffen und nicht sein Sohn, der frisch und gesund seine hypochondrische Depression pflegte. Als herrlich schräge KÖCHIN à la Julia Child war Edlin dann extraordinär-extrovertiert und ging darin gänzlich aus sich heraus. Weilian Wang zeigte als PRINZ „der traurigen Gestalt“ seine hypochondrische Depression so bewundernswert konsequent in Körperhaltung und Mimik, dass mich ein kurzzeitig auftauchendes Lächeln auf seinem Gesicht völlig irritierte. Victoria Kunze bot an der Alt-Panflöte ein komödiantisches Kabinettstückchen, um dann als PRINZESSIN NINETTA (Orange Nr. 3) völlig sphärisch wie von einem anderen Stern zu sein. Andrew Irwin gab TRUFFALDINO mit vollem Körpereinsatz und dem burlesquen Charme eines Schmierenkomödianten. Boshana Milkov hauchte PRINZESSIN CLARICE alle nötigen Attitüden einer waschechten, karrieregeilen Intrigantin à la Lucrezia Borgia ein, gefiel aber auch in der kleinen Partie der PRINZESSIN LINETTA (Orange Nr. 1). LINETTAs Handlanger LEANDER lieh Kai Preußker seine männlich-markante Gestalt, der – stets auf seinen Vorteil bedacht – auch schamlos mit FATA MORGANA flirtete. Meredith Hoffmann-Thomson gab FATA MORGANA im glamourösen 50er Jahre Hollywood-Outfit mit divenhafter Exaltiertheit. Ihren Kontrahenten ZAUBERER TSCHELIO versuchte Frederic Mörth erfolglos würdevoll erscheinen zu lassen und scheiterte bereits daran, seinen festgeklemmten Zauberstab aus dem Bühnenboden zu befreien. Marcin Hutek wirkte als PANTALON, der rechten Hand von KÖNIG TREFF, bemitleidenswert überfordert und somit kurz vor dem Nervenzusammenbruch, war dafür als FARFARELLO (im wahrsten Sinne des Wortes) ganz wunderbar aufgeblasen. Katharina Diegritz verkörperte die undankbare Rolle der SMERALDINA mit Souveränität: Immer dann, wenn die Handlung neue Impulse brauchte oder eine Wendung benötigte, war SMERALDINA zur Stelle. Auch die entzückende PRINZESSIN NICOLETTA (aka Orange Nr. 2) von Minji Kim und der jugendliche, hochmotivierte ZEREMONIEMEISTER von Anton Kononchenko sollen nicht unerwähnt bleiben.

Bedauerlicherweise blieben bei der von mir besuchten Vorstellung viele Plätze im Zuschauerraum unbesetzt. Jaja, mit dem Humor ist es halt so eine Sache: Je weniger massenkompatibel der gezeigte Humor ist, umso schwerer lassen sich Menschen für ihn begeistern, bzw. umso weniger sind sie bereit, sich dem Unbekannten zu stellen.

Mein Humorzentrum hingegen wurde an diesem Abend ganz wunderbar wachgekitzelt und entlockte noch auf dem Heimweg meiner Kehle wieder und wieder ein amüsiertes Gekicher.


Vitamine sind ja so gesund – besonders im Herbst: Darum darf von diesen Frücht(ch)en weiterhin genascht werden. Noch bis zum Ende des Jahres steht DIE LIEBE ZU DEN FREI ORANGEN auf dem Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. 

[Konzert] ERÖFFNUNGSGALA 2025/2026 / Stadttheater Bremerhaven

mit dem Marsch Nr. 1 aus der SUITE FÜR JAZZORCHESTER NR. 2 von Dimitri Schostakowitsch sowie Arien, Songs und Musiken von Emmerich Kálmán, Sergei Prokofjew, Guiseppe Verdi, Antonio Vivaldi, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Vincenco Bellini, Stephen Sondheim und Erich Wolfgang Korngold

mit Ausschnitten aus SEIN ODER NICHTSEIN von Nick Whitby, DIE BAGAGE von Coco Plümer (nach Monika Helfer), 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER von Justine Wiechmann (nach Jules Verne), TROJA! BLINDE PASSAGIERE IM TROJANISCHEN PFERD von Henner Kallmeyer, FÜNFTER SEIN von Inda Buschmann und JUB-Ensemble

sowie aus den Balletten DIE VIER JAHRESZEITEN und DER NUSSKNACKER von Alfonso Palencia

Premiere: 30. August 2025 / besuchte Vorstellung: 30. August 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marc Niemann, Davide Perniceni, Hartmut Brüsch
CHOR Edward Mauritius Münch
SZENISCHE EINRICHTUNG Annika Ellen Flindt
MODERATION Lars Tietje, Marc Niemann, Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Alfonso Palencia, Markus Tatzig

Musiktheater: Timothy Edlin, Meredith Hoffmann-Thomson, Marcin Hutec, Andrew Irwin, Victoria Kunze, Boshana Milkov, Weilian Wang
Ballett: Marco Maronglu, Dawon Yang und Ballettkompagnie
Schauspiel: Frank Auerbach, Anna Caterina Fadda, Leon Häder, Angelika Hofstetter, Julia Lindhorst-Apfelthaler, Alexander Smirzitz und Marc Vinzing
JUB: Ümran Algün, Sander Lybeer, Coco Plümer und Tobias Sill
Opernchor am Stadttheater Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


Wie schön, dass diese furchtbare theaterlose Zeit nun (vorerst) vorbei ist!

Hatte ich mich zwar – wie auch schon in den vergangenen Jahren – mit der entsprechenden Lektüre versucht zu trösten und bin so zwischen zwei Buchdeckeln auf kultureller Wanderschaft gegangen, so war dies doch eher ein schwacher Ersatz für einen Besuch in einem echten Theater. Und so fieberte ich dem vergangenen Wochenende, an dem mein Stammtheater zwei Tage lang den Saison-Beginn zelebrieren sollte, voller Freude und Neugier entgegen.

Äußerst schwungvoll eröffnete GMD Marc Niemann und das Philharmonische Orchester Bremerhaven mit dem Marsch Nr. 1 aus der SUITE FÜR JAZZORCHESTER NR. 2 von Dimitri Schostakowitsch die Gala. Beinah schien es, als hätte der Komponist versucht, alles Militärische in diesem Marsch spielerisch zu ironisieren. Es wird die letzte Spielzeit von Marc Niemann am Hause sein: So kann BRÜCKEN, der Titel der kommenden Konzert-Saison wohl programmatisch interpretiert werden. Doch er hat in den vergangenen Jahren „das Feld“ (aka das Orchester) gut bestellt und mit Davide Perniceni und Hartmut Brüsch zwei feste Stützen am Haus, die auch an diesem Abend zeigten, dass sie das Philharmonische Orchesters souverän zu leiten verstanden.

Auch in diesem Jahr ließ es sich Intendant Lars Tietjen nicht nehmen, die Gala eloquent zu moderieren und uns somit durch den Abend zu geleiten. „Schützenhilfe“ erbat er sich von den jeweiligen Sparten-Leitungen Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Markus Tatzig und Alfonso Palencia, die das Programm gemeinsam mit den Künstler*innen zusammengestellt hatten und so noch viele zusätzliche Informationen zu den entsprechenden Programmpunkten beisteuern konnten.

„So viele Komödien wie in dieser Spielzeit, spielen wir sonst nie“ meinte Peter Hilton Fliegel beinah entschuldigend und fügt hinzu, dass genau diese Art von Komödien so wichtig sei, da sie diejenigen verspottet, die unsere Freiheit bedrohen. Eingedeckt mit diesem Hintergrundwissen erhielt die Szene aus Nick Whitbys SEIN ODER NICHTSEIN, mit der das Schauspiel die Saison im großen Haus einläutet, eine zusätzliche Würze. Julia Lindhorst-Apfeltahler und Marc Vinzing boten einen pointiert-ironischen wie auch amüsanten Ausschnitt aus dieser wohl herrlich doppelbödigen Komödie.

Mit ihrer aparten Erscheinung und der Arie „Heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ aus DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN von Emerich Kálmán stellte sich Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson dem Bremerhavener Publikum vor. Gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Opernchor unter der Leitung von Edward Mauritius Münch bot sie reichlich Operetten-Seligkeit.

Dann betrat ein schlanker Jüngling die Bühne und überraschte mit seiner vollen Stimme: Bassbariton Timothy Edlin überzeugte gemeinsam mit Andrew Irwin in einer drolligen Szene aus der Oper DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN von Sergei Prokofjew, die Lust auf mehr machte.

Auch der letzte Neu-Zugang im Opern-Ensemble überzeugte auf ganzer Linie: Weilian Wang präsentierte bei „Lunge da lei … O mio rimorso!“ aus LA TRAVIATA, all das, was ich mir von einer tragfähigen, schön timbrierten Tenor-Stimme erhoffe.

Einer der Höhepunkt der jährlichen Gala ist stets die Verleihung des Herzlieb-Kohut-Preises, mit dem besondere künstlerische Leistungen am Stadttheater Bremerhaven gewürdigt werden. Die Namensgeberin, die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts selbst im Ensemble des Stadttheaters Bremerhaven war, hätte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert. Zudem vergab die Stiftung bereits seit 20 Jahren diesen nach ihr benannten Preis. Anlass genug, ihr Leben in Wort und Bild durch die/den frühere*n Preisträger*in Julia Lindhorst-Apfelthaler, Victoria Kunze und Mark Vinzing Revue passieren zu lassen.

In den vergangenen Jahren habe ich im Vorfeld immer gerätselt, wer den Preis erhalten könnte. Längst habe ich dies aufgegeben und lasse mich an dem Abend gerne überraschen. Wobei Insider, die einen wissenden Blick auf das Programm werfen, natürlich klar im Vorteil sind: Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass der Programmpunkt, der nach der Verleihung an der Reihe ist, im direkten Zusammenhang mit dieser steht. Auch in diesem Jahr traf es zu: Ballettdirektor und Chefchoreograf Alfonso Palencia, Assistent Bobby Briscoe und die Tänzer*innen der Ballettcompagnie durften diesen Preis für ihre herausragende künstlerische wie tänzerische Leistung in der vergangenen Spielzeit entgegen nehmen. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Direkt im Anschluss zeigte die Compagnie ihre Kunst in einem Ausschnitt aus dem Ballett zu DIE VIER JAHRESZEITEN aus der Saison 2023/2024. Mit dem „Pas de deux“ aus DER NUSSKNACKER begeisterten Dawon Yang und Marco Maronglu voller Grazie, Kraft und Anmut und machten Lust auf Tschaikowskis Märchenballett, dass im Oktober im Großen Haus zur Premiere kommt.


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Im JUB – Junges Theater Bremerhaven steht mit TROJA! BLINDE PASSAGIERE IM TROJANISCHEN PFERD von Henner Kallmeyer anscheinend eine sehr vergnügliche „Geschichtsstunde“ auf dem Programm, wie uns Coco Plümer, Tobias Sill und Sander Lybeer nachdrücklich bewiesen. Zu dem danach folgenden Auszug aus FÜNFTER SEIN gesellte sich zusätzlich Ümran Algün mit einem charmanten Auftritt zu ihren Kolleg*innen vom JUB.

Im kleinen Haus feiert bald DIE BAGAGE nach dem Roman von Monika Helfers seine Premiere. Diese Bühnenfassung wurde von JUB-Schauspielerin Coco Plümer erstellt und kommt somit als Erstaufführung auf die Bühne. Anna Caterina Fadda, Leon Häder und Angelika Hofstetter gaben einen sehr intensiven Einblick von der ersten Szene des Stücks.

„Romeo & Julia III.“: Nachdem in den vergangenen Jahre sowohl der Klassiker von Shakespeare als auch das Ballett mit der Musik von Prokofjew auf einer der Bühnen des Stadttheaters zu sehen war, scheint der Weg zur Opern als logische Folge unausweichlich. Als konzertante Fassung wird I CAPULETI E I MONTECCHI von Vincenzo Bellini den Spielplan bereichern. Sopranistin Victoria Kunze kleidete bei der Romanze „Oh! Quante volte“ Julias Sehnsucht nach ihrem Liebsten in feinen lyrischen Gesangslinien voller sanfter Melancholie.

Mit SWEENEY TODD von Stephen Sondheim steht in dieser Saison ein grandioses Werk aus dem Musical-Kanon auf der Agenda des Stadttheaters Bremerhaven. Wie feinsinnig, subtil und gleichzeitig lustig Musical sein kann, das beweist nicht nur dieses Werk sondern auch die Interpretin bzw. der Interpret. Nuanciert, mit schlichter Zurückhaltung und zartem Schmelz besang Tenor Andrew Irwin als Anthony seine große Liebe „Johanna“. Voller Spielfreude schlüpfte Mezzosopranistin Boshana Milkow in die Rolle der Mrs. Lovett und versuchte schlitzohrig und mit deftigen Charme „Londons schlimmste Pasteten“ unter das Volk zu bringen (Oder doch eher das Volk unter die Pasteten?). Beide meisterten sie grandios die Tücken der anspruchsvollen Partitur.

Apropos „schlichte Zurückhaltung“: Für die Arie „Mein Sehnen, mein Wehnen“ aus DIE TOTE STADT von Erich Wolfgang Korngold schien die lyrische Stimme des Baritons Marcin Hutek geradezu prädestiniert zu sein. Hier bewahrheitete sich abermals das Motto „weniger ist mehr“, denn nicht jedes Musikstück gewinnt durch eine auftrumpfende Stimme.

Doch dank LA TRAVIATA muss auf die große Oper in dieser Saison nicht verzichtet werden: Bevor Victoria Kunze und Weilian Wang mit „Libiamo, ne´lieti calici“ das ganz große Opern-Besteck auspackten, glänzte der Opernchor bei „Cori di Zingarelle/Mattadori“ in schönster stimmlicher Pracht.

Wie ein prall gefüllter Korb mit vielfältigen Leckereien präsentierte das Stadttheater Bremerhaven sein Programm zur Spielzeit 2025/2026 und lockte so verführerisch, dass ich mit Sicherheit das eine oder andere kulturelle Häppchen davon naschen werde.


THEATERFEST 2025 Nur wenige Stunden später lud das Stadttheater Bremerhaven zum Theaterfest ein, öffnete alle seine Türen und präsentierte ein buntes Programm vor, auf, hinter und neben der Bühne, u.a. mit Führungen, Mini-Konzerte, Besuch der Werkstätten, Einblicke in Proben, Kostümverkauf und vielen Mitmach-Aktionen. Da fiel es mir wahrlich schwer, eine Auswahl zu treffen, und ich musste aufpassen, dass es nicht zu einem Theater-Marathon ausartete. Glücklicherweise ist bei mir ein „Programmpunkt“ zwecks Regeneration jedes Jahr fest gesetzt: Der Besuch des Kuchenbüfetts der Landfrauen! 😉

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Mit der Eröffnungsgala und dem Theaterfest beginnt offiziell die SAISON 2025/2026 am Stadttheater Bremerhaven, das mich wieder mit einem vielfältigen Programm begeistert.