[Rezension] Celia Fremlin – DER LANGE SCHATTEN

Sie wollte nie eine Lady werden, einen Haushalt führen oder das schmückende Beiwerk an der Seite eines Gatten sein. Somit studierte Celia Fremlin (Jahrgang: 1914) in Oxford klassische Philologie und Philosophie und musste nach dem bestandenen Examen doch typische Frauenjobs, wie Verkäuferin oder Kellnerin, annehmen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Schreiben tat sie nur so nebenbei, zumal ein Weltkrieg und eine Ehe dazwischen kamen. Erst im Alter von 44 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman, der ihr auf Anhieb den renommierten Edgar Allan Poe Award bescherte.

Der vorliegende Roman DER LANGE SCHATTEN erschien erstmals im Jahre 1975 und ist bei weitem kein klassischer Kriminalroman und schon gar nicht ein Weihnachtskrimi. Er spielt zwar zum Jahreswechsel, doch das Weihnachtsfest hat hierbei eine untergeordnete Rolle. Der Winter dient eher als Kulisse zur Schaffung einer entsprechend geheimnisvollen Atmosphäre.

Vom schrillen Klingeln des Telefons aus dem Schlaf gerissen, stolpert Imogen durch das dunkle, leere Haus, um den Anruf entgegenzunehmen. Zuerst versteht sie den Mann am anderen Ende der Leitung nicht. Er will sie nicht ernsthaft beschuldigen, ihren Ehemann Ivor getötet zu haben, der vor knapp zwei Monaten bei einem Autounfall ums Leben kam! Imogen möchte doch nichts anderes als in Ruhe über ihren Schmerz hinwegkommen. Aber genau diese Ruhe will man ihr nicht gönnen. Kurz vor Weihnachten reisen nacheinander Imogens erwachsener Stiefsohn samt Freundin, die Stieftochter mit Ehemann und zwei Kindern sowie Ivors Exfrau an. Und bald darauf geschehen merkwürdige Dinge: Wer hat die halb ausgetrunkene Whiskeyflasche neben Ivors Lieblingssessel abgestellt? Hat jemand in seinen Papieren gewühlt? Und warum hört dieser Fremde nicht auf, anzurufen und darauf zu bestehen, dass er Imogens Schuld am Tod ihres Mannes beweisen kann?

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Es ist dem Roman durchaus anzumerken, dass seine Autorin schon eine gewisse Lebenserfahrung mitbrachte. Da sind die inneren Monologe der Heldin wohldurchdacht, ihre Empfindungen verständlich, ihre Gedanken nachvollziehbar. Aus ihr spricht eine gereifte Persönlichkeit, die höchst individuell mit den Tod ihres Ehemanns umgeht. Sie trauert durchaus um ihn, vermeidet aber eine Glorifizierung seiner Person, wie es ihr Umfeld tut, und dies auch von ihr erwartet. Jede*r trauert auf eine eigene, sehr persönliche Art, und doch wird anscheinend von der Witwe eines angesehenen Mannes eine bestimmte Form der Trauer vorausgesetzt.

Die Autorin kreierte ihre Heldin somit sehr dreidimensional. Umso klischeehafter fielen die Nebenrollen aus und wirkten beinah wie Karikaturen auf mich. Ein Umstand, der dazu führte, dass ich von deren beschriebenen Allüren zuerst genervt und dann gelangweilt war. Vielleicht sollten besagte Nebenrollen für die „überraschende Komik“ sorgen, wie es uns der Verlag auf dem Umschlag dieses Buches verspricht. Leider konnte ich persönlich diese Komik nicht wahrnehmen.

Dafür baute Fremlin die Spannung sehr subtil, beinah unaufgeregt auf, indem sie der Geschichte Zeit gab, sich zu entwickeln, etliche Nebenschauplätze schuf und die Handlung gerne in unterschiedliche Richtungen lenkte. Dies erfolgte so raffiniert, dass immer wieder eine andere Person meine Aufmerksamkeit erregte und so in meinen Fokus gerückt wurde: Da hatte ich – von der Exfrau über die Nachbarin bis zu den erwachsenen Kindern und sogar die Witwe selbst – nahezu alle handelnden Personen im Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Kurzzeitig kam mir sogar der Gedanke, dass der Ehemann seinen Tod nur vorgetäuscht hätte. Die Auflösung kroch dagegen recht unspektakulär um die Ecke, war durchaus absolut schlüssig, hinterließ bei mir aber ein Gefühl der Enttäuschung: „Wie? Das war’s jetzt?“.

Doch ich hatte mich auch ein wenig über mich selbst geärgert und gedacht „Da hätte ich auch selbst drauf kommen können!“. Ich bin nicht auf die Lösung gekommen, was ja eher für das schriftstellerische Talent der Autorin spricht. Zumal auch ihre Ausgangsidee absolut genial wie beängstigend ist. Stellt euch bitte mal folgende Situation vor: Da steht plötzlich eine völlig fremde Person vor dir und flüstert…

„Ich weiß, was du getan hast!“

…und behauptet zudem, dies auch noch beweisen zu können. Gruselig!


erschienen bei Dumont / ISBN: 978-3832168483 / in der Übersetzung von Sabine Roth
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Sasha Filipenko – DER SCHATTEN EINER OFFENEN TÜR

Ich musste zu meiner Überraschung feststellen, dass ich meine Hemmschwelle gegenüber der russischen Literatur immer noch nicht gänzlich überwunden habe. Dabei war ich auf einem so guten Wege: Schon bei DAS ADELSGUT begeisterte mich wie der Autor Iwan Turgenjew die Worte mit Bedacht wählte. Auch die wunderbaren Jahreszeiten-Anthologien mit Erzählungen von Anton Čechov (in der äußerst gelungenen Übersetzung von Peter Urban), die ebenfalls im Diogenes-Verlag erschienen sind, konnten mich für sich einnehmen.

Doch anscheinend sitz der Stachel immer noch recht tief in meinem Fleisch: Ich war ungefähr 20 Jahre alt, als ich mich an ANNA KARENINA von Leo Tolstoi wagte und mich bald kläglich überfordert fühlte. Alles an diesem Roman war mir zu groß, zu mächtig, zu emotional, zu schwülstig und hatte so ganz und gar nichts mit mir und meinem kleinen, unbedeutenden Alltag zu tun. Die Russen mit ihrer Literatur und ich – wir passten wohl nicht zusammen, und diese Haltung sollte sich über Jahre nicht ändern.

Doch nun hatte ich mich doch schon langsam aber stetig angenähert, und trotzdem überlegte ich mit Bedacht, ob ich diesen kriminalistischen Roman (Die Russen und Kriminalromane: Kann das gut gehen?) lesen sollte. Dann trat ich mir selbst – natürlich rein metaphorisch – in den Hintern und bat den Verlag um ein Rezensionsexemplar.

Die gottverlassene Provinzstadt Ostrog wird von einer Suizidserie von Jugendlichen im Waisenhaus erschüttert. Kommissar Alexander Koslow aus Moskau soll die Ermittlungen in die Hand nehmen, doch die örtliche Polizei hat ihre eigenen Theorien. Als Petja, ein Sonderling mit einem Herz für die Natur, verhaftet wird, glaubt Koslow nicht an dessen Schuld. Aber warum geriet Petja damals derart außer sich, als der Bürgermeister von Ostrog den Heimkindern einen Griechenland-Urlaub spendieren wollte?

 (Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Apropos „Hintern“: Ich bekam eben jenen nicht mehr aus dem Lesesessel heraus, nachdem ich mit der Lektüre begonnen hatte. Seite für Seite zog Sasha Filipenko mich immer tiefer in die Handlung hinein. Sein Ermittler Kommissar Alexander Koslow ist ein Sonderling, dem das Leben zwar die eine oder andere schmerzhafte Narben auf der Seele hinterließ, der sich aber bisher nicht hat brechen lassen und weiterhin seine Hoffnung im Herzen trägt. Es ist durchaus eine ambivalente Figur, die sich gerade aufgrund ihre Vielschichtigkeit meiner Sympathie sicher sein konnte.

Filipenko beschreibt die Ödnis einer Kleinstadt im russischen Nirgendwo so genau, dass diese deprimierende Atmosphäre beinah spürbar schien. Gleichgültigkeit prägt den Umgang der Menschen untereinander. Eine Gleichgültigkeit, die auch die ungewollten Kinder des Waisenhauses zu spüren bekommen – Kinder, die niemals eine Kindheit haben durften. Das Leben dieser Kinder ist ein einziger Überlebenskampf, ein Umstand, der sich für sie auch nicht ändern wird, sollten sie das Erwachsenenalter erreichen.

Unser zweiter Held Petja Pawlow ist eines dieser dem Waisenhaus entwachsenen Wesen. Unermüdlich versucht er in dem unwirtlichen Umfeld dieser tristen Kleinstadt seinen Platz zu finden. Er ist ein Phantast, ein Kindskopf, einer, bei dem das Glas stets halbvoll und nie halbleer ist. Er ist jemand, der, selbst nachdem er der brutalen Polizeiwillkür ausgesetzt war, seine positive Haltung zu den Menschen und zum Leben nicht verliert. Petja ist eine tragische Figur und gerade darum so liebenswert.

Zwischen diesen beiden (Anti-)Helden siedelt der Autor die weiteren Figuren der Handlung an, bei denen er überzeugend eine plakative Schwarz-Weiß-Zeichnung vermeidet. Auch die Handlung selbst entwickelt sich nicht stringent in eine einzige Richtung: Filipenko bricht sie auf, legt ihre losen Fäden mal hierhin und mal dorthin, um dann schlussendlich eine Lösung zu präsentieren, die im ersten Moment enttäuschend, doch vom psychologischem Standpunkt nachvollziehbar erscheint. Selbst eine sensationelle, aufsehenerregende Lösung des Falls wird diesem öden Kaff Ostrog nicht gegönnt.

Bei all dieser deprimierenden Trostlosigkeit und der wahrnehmbaren Melancholie, die mich als Leser durchaus hätte niederdrücken können, gelinkt Sasha Filipenko ein wunderbares Kunststück: Er umhüllt Figuren wie Handlung mit einem feinen Netz aus Humor, lässt sie dadurch leicht erscheinen und mildert so die Schwere hin zum Erträglichen.

Wenn ich nun behaupte, es wäre mir eine Freude gewesen, diesen Roman zu lesen, dann meine ich dies im wahrsten Sinn des Wortes: Ja, es war tatsächlich eine Freude!


erschienen bei Diogenes / ISBN: 978-3257071597 / in der Übersetzung von Ruth Altenhofer
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] AGATHA CHRISTIE’S MISS MARPLE. Zwölf neue Kriminalgeschichten

„Sex, Crime & Action“ werden gerne als scheinbar unverzichtbare Zutaten für einen gelungenen Kriminalroman bemüht. Wer würde da vermuten, dass eine Roman-Heldin, die mit der erstgenannten Ingredienz so absolut nicht dienen kann, trotzdem zu einer der beliebtesten Kriminalfiguren der Welt avancierte. Mit einer gehörigen Portion Sex-Appeal kann Miss Jane Marple nun wahrlich nicht für sich einnehmen. Muss sie auch, denn sie hat dafür andere Reize – Äh! – ich meinte natürlich: Qualitäten.

Ab dem Jahre 1927 hatte die ältliche Jungfer aus dem beschaulichen Dörfchen St. Mary Mead ihre ersten Auftritte in einigen Kurzgeschichten, bevor ihre Schöpferin Agatha Christie sie dann 1930 erstmals in dem Roman MORD IM PFARRHAUS umfangreicher kriminalisieren ließ. Insgesamt sollte in 12 Romanen und 20 Kurzgeschichten ihr scharfer Verstand gepaart mit einer gehörigen Portion Menschenkenntnis beim Lösen vielfältiger Mordfälle zum Einsatz kommen.

Doch wäre Agatha Christie der Meinung gewesen, dass weitere Miss Marple-Stories benötig werden, hätte sie diese sicherlich während ihrer langandauernden Karriere verfasst, oder? Hat sie aber nicht!

Ergo: Wozu brauchen wir nun zwölf neue Kriminalgeschichten?
Antwort: „Brauchen“ brauchen wir sie nicht! Aber es macht so viel Spaß, sie zu lesen!

Zumal die hier versammelten Autorinnen mit so viel Liebe und Respekt einen Blick auf die erdachte Figur ihrer großen Kollegin werfen. Allen Geschichten ist gemein, dass sie nah am Original und somit innerhalb des bekannten Rahmens bleiben und sich höchstens nur kleine, charmante „Zugaben“ zum Charakter der Hauptperson erlauben. Somit muss kein eingefleischter Christie-Fan befürchten, dass seiner geliebte Miss Marple „neue“ Eigenschaften angedichtet werden, und sie womöglich nun Motorrad fährt, sich vulgär ausdrückt oder vielleicht sogar hemmungslos über Sex spricht („Shocking!“). Nein, Miss Marple ist und bleibt so, wie wir sie alle kennen und lieben.

Überrascht und mit Freude durfte ich feststellen, dass sich alle Autorinnen anscheinend so intensiv mit der Welt der Miss Marple beschäftigt haben, dass die jeweiligen Geschichten beinah nahtlos an die Originale anknüpfen konnten. Da tauchen die schon bekannten und beliebten Personen abermals auf, aber auch die neu-erdachten Figuren fügen sich ganz wunderbar in Miss Marples Welt ein. Nur der eine oder andere Handlungsort ist ein wenig „exotischer“, als wir es vom Original gewöhnt sind.

Bei DER ZWEITE MORD IM PFARRHAUS knüpft Val McDermid an den ersten Marple-Roman an und lässt auch diesmal die Geschichte aus der Sicht von Rev. Leonard Clement erzählen, dem es äußerst unangenehm ist, dass in seinem Haus ein zweiter Mord verübt wurde. In MISS MARPLE EROBERT MANHATTAN von Alyssa Cole begleitet Miss Marple ihren Neffe Raymond West und dessen Frau Joan nach New York, wo ein Stück von Raymond innerhalb der alternativen Theater-Szene am Broadway zur Aufführung kommen soll, was einige dubiose Gestalten zu verhindern versuchen.

Bei DIE JADEKAISERIN von Jean Kwok befindet sich Miss Marple auf einem Kreuzfahrt-Schiff Richtung Hongkong, wo der überraschende Tod eines Mitreisenden gepaart mit chinesischen Ritualen ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Den an einer Schaffenskrise leidende Schriftsteller Felix Jeffries, der einen unorthodoxen Mord plant, lernt Miss Marple bei einem MORD IN DER VILLA ROSA (von Elly Griffiths) an der wunderschönen Amalfiküste Italiens kennen.

Ein Wiedersehen mit Miss Marples langjähriger Freundin Dolly Bantry gibt es gleich im Doppelpack: In DAS VERSCHWINDEN von Leigh Bardugo sorgen sowohl der Selbstmord eines jungen Mädchens als auch das Verschwinden eines ebenso jungen Mannes für Unruhe in der Gemeinde. MISS MARPLES WEIHNACHTEN von Ruth Ware verspricht ein stimmungsvolles Rätselraten um verschwundene Perlen auf dem Landsitz der Bantrys.

Die weiteren, ebenso kurzweiligen Geschichten stammen aus den Federn von Lucy Foley, Natalie Haynes, Naomi Alderman, Dreda Say Mitchell, Karen M. McManus und Kate Mosse.

Bei solchen Anthologien scheint es beinah unvermeidbar, dass sie Erzählungen unterschiedlicher Qualität in sich vereinen: Da überzeugt dann leider nicht jede Geschichte gleichermaßen. Doch in diesem Fall darf ich den versammelten Autorinnen das große Kompliment machen, dass sie sich alle literarisch auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen. Bravo!

Nein, „brauchen“ brauchen wir diese zwölf neuen Kriminalgeschichten sicherlich nicht. Aber das Leben besteht nicht nur aus dem, was der Mensch wirklich lebensnotwendig braucht. Manchmal darf es für mich gerne dieses Quäntchen „mehr“ sein, das das Leben versüßt und mir eine gute Zeit schenkt. Diese Anthologie hat dies definitiv geschafft…!


erschienen bei Atlantik / ISBN: 978-3455017014 / in der Übersetzung von Alexander Weber
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Agatha Christie – EIN SCHRITT INS LEERE

Nach Rezensionen zu Hörspiel und Graphic Novel schien die Zeit reif – wenn nicht gar: überreif – zu sein für einen echten, unverfälschten „Christie“. So gelungen auch die vielfältigen Adaptionen durchaus sein können, das wahrhaftige „Whodunit“-Feeling stellt sich bei mir nur während der Lektüre eines ihrer Original-Werke ein.

Eigentlich sucht Bobby Jones am Fuß der Klippe nur seinen verschlagenen Golfball. Statt diesem findet er einen dort abgestürzten Mann. Der stirbt mit den rätselhaften letzten Worten: „Warum nicht Evans?“ Die Frage lässt Bobby keine Ruhe, und gemeinsam mit seiner lebenslustigen Freundin Frances macht er sich auf die Suche nach ihrer Bedeutung. Spätestens als Bobby mit einem zweifelhaften Angebot außer Landes gelockt werden soll und ein Mordanschlag mit Gift fehlschlägt, ist klar: Es war kein Unfall, und wer immer dahintersteckt, wird sich nicht so leicht zu erkennen geben.

 (Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Die mir bereits bekannte und schon oft erlebte Sog-Wirkung hatte wieder eingesetzt: Ab Kapitel 1 war ich verfallen und nutzte jede Gelegenheit, um zu lesen. Wenn sich zudem bei mir der bekannte Effekt einstellt, dass ich am Ende eines Kapitels denke „Ach, eins schaff’ ich noch!“, spricht dies für die Qualität der Geschichte.

Agatha Christie hat im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere durchaus Werke unterschiedlicher Güte zu Papier gebracht, ohne je ein gewisses Niveau zu unterschreiten. So konnte ihre Leserschaft sicher sein, egal welches Werk gewählt wurde, zumindest einen soliden Krimi, der zu unterhalten weiß, in den Händen zu halten. Doch aus diesem prachtvollen Collier strahlen einige Brillanten besonders hervor und zeugen für das schriftstellerische Können der Autorin: Da wären Titel wie MORD IM ORIENTEXPRESS, VORHANG, 16 UHR 50 AB PADDINGTON, TÖDLICHER IRRTUM sowie UND DANN GAB’S KEINES MEHR zu nennen. EIN SCHRITT INS LEERE darf sich ebenfalls in diese illustre Runde einreihen.

Da werden die beiden jungen Held*innen zwar sympathisch aber nicht frei von Fehlern und Allüren porträtiert. Um sie herum spinnt die Autorin geschickt eine feine Vita, die als plausible Erklärung für deren Verhalten überzeugt. Als vierter und somit jüngster Sohn eines Landpfarrers wohnt Bobby Jones nach seiner Entlassung aus der Navy wieder bei seinem Vater und hat Mühe, sein Leben in eine neue Richtung zu lenken. Noch aus Kindertagen kennt er Lady Frances Derwent, die mit aristokratischer Herablassung und dank Papas großzügigen Zuwendungen sehr unbeschwert und sorgenfrei lebt bzw. sich langweilt. Da bereitet ihr die Wahl des passenden Hutes durchaus schon Kopfschmerzen. Es war mir eine Freude, die kurzweiligen Dialoge der beiden zu folgen: In einer wunderbar leichten und ironisch-humorvollen Art kommunizieren sie miteinander und zeigen dabei die Arroganz der Jugend gegenüber der älteren Generation. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr verändert sich die Haltung unseres jugendlichen Duos: Beide durchlaufen einen Reifungsprozess, wodurch die Figuren an Tiefe gewinnen.

Agatha Christie vereint hier abermals die Charakteristika, die ich so sehr an ihren Werken schätze. Wie bereits erwähnt, überzeugt die Autorin in EIN SCHRITT INS LEERE durch geschliffene Dialoge. Diese bettet sie in eine im besten Sinne verwirrende Geschichte ein, deren Plot sich in mannigfaltige Richtungen entwickelt und eine gediegene Schar an prägnanten Protagonist*innen bietet, bei denen nie sicher war, wer Freund und wer Feind ist. So führen so manche Hinweise nicht nur unseren Held und unsere Heldin in die Irre, auch ich selbst tappte im Dunkeln. Doch Christie verstand es abermals, dieses Knäul meisterlich zu entwirren, und präsentierte mir eine Lösung, die keine Fragen unbeantwortet ließ und mich somit wie durch Zauberhand aus dem Nebel der Unwissenheit befreite.

Die „Queen of Crime“ hat sich mit diesem Kriminalroman wieder von ihrer allerbesten Seite gezeigt!


erschienen bei Atlantik / ISBN: 978-3455011852 / in der Übersetzung von Michael Mundhenk

[Rezension] Arthur Conan Doyle – DER HUND DER BASKERVILLES (Hörspiel)

Da kann ein Autor bzw. eine Autorin noch so fleißig sein und Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte in Hülle und Fülle aufs Papier bannen. Doch so manches Mal ist es „nur“ ein einziges Werk, das im kollektiven Gedächtnis haften bleibt und scheinbar für immer und ewig stellvertretend für alle anderen Werke in einem Atemzug mit dem Namen des Verfassers/der Verfasserin genannt wird.

Wer denkt bei MORD IM ORIENTEXPRESS nicht augenblicklich an Agatha Christie. Beim Klang des Namens Thomas Mann kommt uns sofort BUDDENBROOKS in den Sinn. Und kann jemand ein weiteres Werk von Johanna Spyri – abgesehen von HEIDI – nennen? Auch Arthur Conan Doyle gelang dieses Kunststück mit DER HUND DER BASKERVILLES.

Bastian Pastewka, Schauspieler, Komiker, Drehbuchautor, Synchronsprecher u.v.m. hegt eine tiefe Liebe zu den Krimi-Hörspielen der Vergangenheit und frönt dieser hemmungslos in seinem Podcast KEIN MUCKS! – Der Krimi-Podcast – zwischenzeitlich in der 5. Staffel. Wen wundert’s, dass er dem Angebot nicht widerstehen konnte, zu diesem Krimi-Klassiker nicht nur die Hörspielfassung zu erstellen sondern auch die Regie zu übernehmen.

Der Landarzt Dr. Mortimer fürchtet um das Leben des jungen Sir Henry Baskerville, der aus Amerika anreist um im Dartmoor sein Erbe anzutreten. Er ist der letzte aus dem Geschlecht der Baskervilles. Sein Onkel Sir Charles starb vor kurzem an einem Herzinfarkt, als er allein in der Dunkelheit wartete. Sein ganzes Leben lang fürchtete er den Fluch der Baskervilles in Form eines riesigen Hundes, und nun sieht es so aus, als hätte eben dieser Hund aus der Hölle ihn in den Tod geängstigt. Auch Sir Henry hat schon eine anonyme Warnung erhalten, die ihn vor dem Einzug auf Baskerville Hall warnte. Zudem verschwanden erst ein neuer Stiefel und dann ein alter Stiefel von ihm. Nur der neue Stiefel tauchte wieder auf, was Sherlock Holmes nachdenklich stimmt. So schickt er Dr. Watson gemeinsam mit Sir Henry und Dr. Mortimer nach Dartmoor, damit er ein wachsames Auge auf den jungen Erben werfen kann. Auf Baskerville Hall werden die Herren vom alten Haushälter-Ehepaar Barrymore begrüßt, die – wie sich im Verlauf des Aufenthaltes zeigt – ein dunkles Geheimnis verbergen. Der Bruder von Mrs. Barrymore ist aus dem Gefängnis geflohen, versteckt sich nun im Moor und wird von den Barrymores mit Nahrung und der alten, abgelegten Kleidung von Sir Henry versorgt. Dies wird dem Flüchtigen zum Verhängnis, da der geheimnisvolle Hund ihn als Sir Henry wittert, anfällt und so tödlich verletzt. Sir Henry findet Gefallen an der jungen Beryl Stapleton, die mit ihrem Bruder Jack, einem Insektenforscher, in der Nachbarschaft lebt. Jack Stapleton scheint von der Freundschaft seiner Schwester zu Sir Henry wenig angetan zu sein und reagiert höchst verdächtigt. Dies alles beunruhigt Dr. Watson ebenso, wie der geheimnisvolle Fremde, der sich im Moor versteckt und die Geschehnisse rund um Baskerville Hall zu beobachten scheint…!


2 CDs/ Der Hund der Baskervilles (2014) von Arthur Conan Doyle/ Hörspielbearbeitung & Regie: Bastian Pastewka/ Übersetzung: Gisbert Haefs/ Musik: Henrik Albrecht/ mit Frank Röth, Gerhard Garbers, Thomas Kügel, Peter Jordan, Robert Gallinowski, Debora Weigert, Walter Renneisen, Johanna Gastdorf, Ulrich Voß, Susanne Pätzold, Jochen Striebeck u.a.


Die Neu-Auflage einer alten Geschichte im Gewand des Hörspiels kommt überraschend unaufgeregt, beinah von überflüssigen Ballast befreit um die Ecke. Alle Ingredienzien, wie sie bei den Verfilmungen und Hörspiel-Fassungen der Vergangenheit bemüht wurden und die Story gerne in Richtung Mystery, Horror und Gothic rückten, wurden hier tunlichst vermieden. Vielmehr baut Bastian Pastewka bei seiner Fassung ganz auf die Kraft des Originals. Schließlich präsentierte der Autor Arthur Conan Doyle hier eine gut skizzierte Handlung mit prallen Charakteren und überraschenden Wendungen. So bemüht Pastewka den legendären Hund auch nur wohldosiert und lässt die Spannung sich aus dem Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Personen entwickeln. Musik und Ton-Technik gelingt bestens die schwierige Aufgabe, das Klangbild fein zu beeinflussen und so für die unverzichtbare Atmosphäre in einem Sherlock Holmes-Krimi zu sorgen, ohne hier mit billigen Effekten zu übertreiben.

Wie nicht anders bei einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks zu erwarten, wurde wieder ein erlesenes Ensemble zusammengestellt: Frank Röth gibt den Meisterdetektiv Sherlock Holmes mit präziser Artikulation, analytischem Habitus und einem Hauch Arroganz. Der Dr. Watson von Gerhard Garbers ist da deutlich rustikaler, ohne trottelig zu wirken, und meistert zudem die schwierige Aufgabe, als Erzähler die Aufmerksamkeit der Zuhörenden auf ein hohes Niveau zu halten. Peter Jordan stattet Sir Henry Baskerville mit einer aristokratischen Schnöseligkeit aus, ohne an Sympathie einzubüßen. Bei Robert Gallinowski ist Jack Stapleton von einer schmierigen Freundlichkeit, er lässt aber die Gefährlichkeit in seiner Stimme unterschwellig mitschwingen. Debora Weigert erscheint als Beryl Stapleton zwar durchaus überzeugend verängstigt aber mimt erfreulich wenig das hilfsbedürftige Weib, das auf ihren edlen Retter wartet. Inspector Lestrade wirkt in der Interpretation von Jochen Striebeck äußerst handfest und zupackend, so als könnte ihn irgend so eine Töle im Moor nicht ängstigen. Selbst für die wenigen Sätze einer Mrs. Barrymore konnte die wundervolle Johanna Gastdorf als Sprecherin gewonnen werden.

Bastian Pastewka bleibt bei seiner Bearbeitung sehr nah an der originalen Vorgabe, nimmt zwar die für eine Hörspielfassung unumgänglichen Kürzungen vor, vermeidet allerdings den Handlungsablauf zu verfälschen. Und doch überrascht er am Ende der Geschichte mit einer so genannten „kriminal-kritischen Analyse“, indem er Holmes die Aussage treffen lässt:

„Wenn man seinen Standpunkt erst einmal verändert hat,
dann wir gerade der belastenste Beweis zum Schlüssel für die Wahrheit!“

Dies bedeutet so viel, dass unter Berücksichtigung aller vorliegenden Fakten in Kombination mit dem gesunden Menschenverstand auch eine andere Lösung des Falls möglich wäre,…

…eine Lösung des Falls, die erschreckend plausibler erscheint, als die, die Conan Doyle sich erdachte. Ich hörte dies und war verwirrt: Als meine Verwirrung sich peu à peu auflöste, und ich mich langsam von diesem Schock erholt hatte, brach ich in schallendes Gelächter aus.

Da hatte der Schelm Pastewka meine schöne bequeme und über Jahre antrainierte Sicht auf die Welt von Sherlock Holmes kräftig durcheinander gewirbelt. Und gleichzeitig passt dieses durchaus möglich erscheinende Alternativ-Ende, das raffiniert konzipiert und ebenso vertont wurde, ganz und gar wunderbar in den bekannten Holmes-Kosmos.

Chapeau!


Doch lassen wir den Regisseur gerne selbst zu Wort kommen:


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844515152
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-Exemplar!

[Rezension] BEST OF KRIMI KULT KISTE. Krimi-Hörspiele der 50er und 60er Jahre

In der Ferne hört man den typischen Lärm der Großstadt, hastige Schritte hallen auf nassem Asphalt, ein Schuss durchbricht die Sille der einsamen Straße, und der durchdringende Schrei einer Frau prallt als Echo von den Häuserwänden ab,…

…und erst nach diesem dramatischen Opener erklang die Titelmelodie:

Hach, war das damals nicht herrlich? Da versammelte sich die Familie kollektiv vereint vor dem Radio, um einer weiteren Folge einer der damals so beliebten Krimi-Hörspiele zu lauschen. Ein Fernsehapparat war damals noch eine sehr teure Anschaffung, die sich nur wenige Gutbetuchte leisten konnten. Die Mehrheit saß vor dem Radio und kreierte die Bilder mit viel Fantasie und mit Hilfe der akustischen Vorgaben aus den Rundfunkanstalten im eigenen Kopf.

Dabei waren die Verantwortlichen auf ihrer Suche nach spannenden Stories durchaus sehr erfindungsreich, griffen auf bekannte und bewährte Vorlagen zurück oder ließen eigene Krimi-Formate entwickeln. Viele der hier genannten Formate waren so beliebt und erfolgreich, dass sie es auch als Serie ins Fernsehen schafften. Warum auch nicht: Die bekannten Figuren waren schon so etabliert, dass die Wahrscheinlichkeit, sie würden auch mit Ton und Bild ebenso erfolgreich sein, als sehr hoch einzuschätzen war. So sollte es auch sein.

In der Zwischenzeit haben sie alle, die Hörspiele ebenso wie die Serien mit ihrem schwarz-weißen Retro-Charme, einen wahren Kultstatus erreicht. So peu à peu werden die alten Krimi-Hörspiele aus ihrem erzwungenen Dornröschen-Schlaf in den Archiven der Rundfunkanstalten befreit. Unter der Rubrik KRIMI KULT KISTE hat „der Hörverlag“ einige dieser Schätzchen wieder ausgegraben und sich hierbei auf die Werke des Schriftstellerehepaars Alexandra und Rolf Becker sowie der beiden Engländer Francis Durbridge und Lester Powell konzentriert. Entstanden sind insgesamt sieben Editionen mit jeweils 3 Hörspiele auf (durchschnittlich) 10 CDs, aus denen dieses BEST OF zusammengestellt wurde, das einen wunderbaren Querschnitt bietet und mir äußerst unterhaltsame wie spannende Hör-Stunden bescherte.


3 CDs/ Gestatten, mein Name ist Cox. Tod auf Gepäckschein 3311 (1959) von Alexandra & Rolf Becker/ Regie: Walter Netzsch/ mit Carl-Heinz Schroth, Konrad Georg, Karin Jacobsen, Siegfried Lowitz, Ulrich Bernsdorff, Uli Steigberg, Heinz Leo Fischer, Elisabeth Linhardt, Ursula Kube u.a.


4 CDs/ Paul Temple und der Fall Lawrence (1958) von Francis Durbridge/ Regie: Eduard Hermann/ mit René Deltgen, Annemarie Cordes, Kurt Liek, Ingeborg Schlegel, Robert Neugebauer, Carl Brückel, Willi Zickel, Peter René Körner, Herbert Hennies, Hans Fuchs, Karl-Heinz Bender, Magda Hennings u.a.


4 CDs/ Die Dame mit den grauen Löckchen (1959) von Lester Powell/ Regie: A.C. Weiland/ mit A.C. Weiland, Brigitte Dryander, Christa Adomeit, Heinz Pielbusch, Erich Herr, Hans Dilg, Friedrich Otto Scholz, Susanne Heym, Ernst Köstling, Margot Schönberger u.a.


Bonus-CD/ Kaum zu glauben (1962) von Francis Durbridge/ Regie: Heinz-Günter Stamm/ mit Eberhard Müller-Elmau, Martin Benrath, Gisela Zoch-Westphal, Alexander Kerst, Susanne Korda, Erwin Faber, Ernst Fritz Fürbringer, Horst Sachtleben, Hans Eichleiter u.a.


Wie meine verehrte Leserschaft vielleicht schon bemerkt hat, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, für jedes Hörspiel eine Kurzfassung der Handlung zu erstellen. Es schien mir auch nicht nötig. Jede*r Krimi-Freund*in kennt das eine oder andere Hörspiel. Alle Unwissenden müssen sich nun eben auf meine Lobhudelei verlassen. Und dieses BEST OF KRIMI KULT KISTE bietet einen ganz wunderbaren Einstieg in die Materie. Schenkt sie der Zuhörerschaft doch alles, was sie für einen unterhaltsamen Krimi-Abend benötigen. Da sind zum einen die aufregenden Original-Geschichten der versierten Autor*innen, die ganz wunderbar gealtert sind und trotz Remastering glücklicherweise ihre charmante Patina nicht verloren haben. Natürlich darf bei einem Radio-Hörspiel die Musik nicht fehlen, die als Original-Kompositionen sowohl als Titel- und somit Erkennungs-Melodie zum Einsatz kam als auch zur atmosphärischen Untermalung diente. Apropos „Atmosphäre“: Hier machte auch die Tontechnik einen ganz hervorragenden Job und schuf für jeden Raum den passenden Hall, für jede Situation das passende Ambiente.

Und dann waren da noch die herausragenden Sprecher*innen, die alle Könner*innen ihres Fachs waren. Aus der Fülle an Namen möchte ich nur einige exemplarisch nennen: René Deltgen schlüpfte hier in die Rolle des plitschen Privatdetektivs Paul Tempel, bevor er später als Edgar Wallace Bösewicht „Der Hexer“ auch im Kino für Furore sorgen sollte. Ernst Fritz Fürbringer war prädestiniert für destingierte, doch auch undurchsichtige Charaktere, wie er sie später gerne in Krimi-Serien wie „Derrick“ verkörperte. Gisela Zoch-Westphal galt als eine der wichtigsten Stimmen für Hörbuch/Hörspiel und legte ihr Augenmerk auf Vertonungen der Werke von Schriftstellerinnen wie Ingeborg Bachmann, Katherine Mansfield und (insbesondere) Mascha Kaléko. Mir ging das Herz auf, als die Stimmen von Carl-Heinz Schroth und Siegfried Lowitz erklangen, die als Paul Cox und Kriminalinspektor Carter zwar beide auf der Seite von Recht und Ordnung stehen, dabei aber sehr unterschiedliche, sich konkurrierende Methoden anwenden. Auch sie sollten beide später Fernsehgeschichte schreiben. All diesen tollen Schauspieler*innen zu lauschen, die ihr Handwerk noch verstanden, bereitete mir eine außerordentliche Freude.

Darum: Gönnt euch dieses BEST OF KRIMI KULT KISTE, dimmt das Licht, huscht mit einem Getränk eurer Wahl und ein paar Knabbereien unter die Wolldecke, und dann steht einem gemütlichen Abend vor dem CD-Player nichts mehr im Wege.


Euch gelüstet es nach mehr Krimi-Spaß im Retro-Charme? Dann schaut euch gerne das Video KEIN MUCKS! in concert an. Bastian Pastewka lässt gemeinsam mit dem WDR Rundfunkorchester den Sound der legendären Krimis aus den 50er und 60er Jahren wieder aufleben und kredenzt zusätzlich herrlich amüsante Anekdoten.


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844525946
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-exemplar!

[Rezension] Robert Galbraith – DAS STRÖMENDE GRAB

Seit Oktober des letzten Jahres liegt dieser Roman auf meinem SuB und wartet darauf, dass ich ihn endlich aus seinem durchsichtigen Cellophan-Kleidchen befreie. Mehrfach hielt ich ihn schon in der Hand, trug schwer an seinem Gewicht, wiegte ihn unschlüssig hin und her, zauderte und legte ihn dann doch wieder zurück. Nur zu gut erinnerte ich mich an den letzten „Galbraith“, der mir zwar durchaus sehr gefiel aber auch mit „parallel abgedruckte Chat-Verläufe, Auszüge aus Twitter-Accounts, lange Dialog-Passagen über mehrere Seiten, ein üppiges Handlungspersonal mit Klarnamen und Internet-Pseudonymen“ (Zitat aus meiner damaligen Rezension) meine Konzentration extrem herausforderte. Zudem waren mir meine Versuche noch recht präsent in Erinnerung, diesen schweren „Backstein“, der aus 1343 Seiten bestand, in einer für mich halbwegs angenehmen Art zu händeln.

Und darum lag sein Nachfolger nun schon so lange auf meinem SuB, bis ich vor einigen Tagen ein gänzlich anderes Buch suchte, dies zwar nicht fand, dafür aber wieder diesen Roman in der Hand hin und her wiegte. Aus einem spontanen Impuls heraus riss ich ihm sein Kleidchen vom papierenen Leib und begann zu lesen…

Cormoran Strike wird von einem besorgten Vater kontaktiert, dessen Sohn Will sich im ländlichen Norfolk einer undurchsichtigen Glaubensgemeinschaft angeschlossen hat. Die Universal Humanitarian Church ist nach außen hin eine friedfertige Organisation, die sich für eine bessere Welt einsetzt. Doch Strike entdeckt bald, dass unter der harmlosen Oberfläche böse Machenschaften und unerklärte Todesfälle lauern. Um Will zu retten, reist Strikes Geschäftspartnerin Robin Ellacott nach Norfolk, um sich der Sekte anzuschließen und inkognito unter den Mitgliedern zu leben. Doch sie ist nicht auf die Gefahren vorbereitet, die sie dort erwarten, geschweige denn auf den Preis, den sie wird zahlen müssen …

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Auch wenn Robert Galbraith aka Joanne K. Rowling meinen Handgelenken eine Erleichterung von 47 Seiten schenkte, die dieser Schmöker weniger als sein Vorgänger auf die Waage bringt, ist auch er mit 1296 Seiten wahrlich kein Leichtgewicht. Doch trotz dieser Fülle hatte ich während der Lektüre zu keiner Zeit das Gefühl, es wäre ein „Zuviel“. Im Gegenteil: Galbraith/Rowling baute auch diesmal die Handlung wieder äußerst raffiniert auf, so dass sie sich erst Schritt für Schritt steigerte, um mich dann beim großen Showdown mit unvorhersehbaren Wendungen zu überraschen. Dabei verteilte sie die Geschehnisse auf viele Kapitel mit überschaubaren Seitenzahlen. Dies erzielte bei mir den bekannten Effekt, dass ich am Ende eines Kapitels dachte „Ach, eins schaff’ ich noch!“. Ruckzuck hatte ich so – statt der anfangs geplanten ½ Stunde – über STUNDEN in meinem Lieblingssessel verbracht, um zu lesen.

Die Szenen, die bei der Universal Humanitarian Church spielen, sind wahrlich keine leichte Kost. Die dort praktizierte menschenverachtende Haltung erinnerte mich an Vorgehensweisen totalitärer Regime, die die Menschen mit Unterdrückung und Angst geißeln, um ihre dogmatischen Lehren mit aller Macht durchzusetzen. Die Szenen sind sehr plastisch beschrieben, wühlen emotional auf und zeugen in ihrer Detailliertheit von einer akribischen Recherche der Autorin.

Abermals staunte ich über Rowlings Talent, Dialoge schlüssig, glaubhaft, beinah organisch zu entwickeln und dabei nah an der Gefühlswelt der Protagonist*innen zu sein. Sowohl den Haupt- wie auch den Nebenrollen schenkte sie den nötigen Raum, um abermals zu reifen. Dazu verriet sie bisher unbekannte Details oder setzte sie herausfordernden Situationen aus, wodurch das Profil des jeweiligen Charakters deutlich an Schärfe gewann. So hielten – neben der Haupthandlung – auch die zwischenmenschlichen Irrungen und Wirrungen der Protagonisten so manche Überraschung bereit und sorgten dafür, dass mich die Held*innen – allen voran natürlich Cormoran Strike und Robin Ellacott – nicht eine Sekunde lang langweilten.

Und wie schon am Ende meiner Rezension zu DAS TIEFSCHARZE HERZ fordere ich auch nun: Wann gibt es bei den Kriminalromanen von Robert Galbraith endlich die längst überfällige Änderung im Titel: Ein Fall für Cormoran Strike sollte abgelöst werden von Ein Fall für Strike und Ellacott – Robin hätte es mehr als verdient!!!


erschienen bei Blanvalet / ISBN: 978-3764508654 / in der Übersetzung von Wulf Bergner,Christoph Göhler und Kristof Kurz 
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

URLAUBSLEKTÜRE 2024

🌞

Sommer, Sonne, Sandstrand…!

In wenigen Tagen beginnen hier in Niedersachsen die Sommerferien und somit begeben sich viele meiner Mitmenschen auf eine urlaubsbedingte Völkerwanderung. Doch bevor es so richtig losgehen kann, stürzen sich einige freiwillig in den Vor-Urlaubs-Stress beim Abarbeiten div. To do-Listen: Da werden Klamotten zurecht gelegt, scheinbar unentbehrliche Utensilien zusammengestellt sowie Papiere und Unterlagen griffbereit platziert. Absprachen mit Nachbarn, Verwandtschaft oder Freunden werden getroffen, damit auch Tiere und/oder Zimmerpflanzen versorgt sind und der Briefkasten regelmäßig geleert wird. Ach, und hat jemand die Zeitung abbestellt? Die To do-Liste weist zu diesem Posten einen beruhigenden Haken auf, was ein erleichterndes Ausatmen zur Folge hat.

Allerdings zweifle ich ernsthaft daran, dass auf wirklich jeder To do-Liste einer der wichtigsten Posten verzeichnet ist:

🔲 sich mit ausreichend Urlaubslektüre in der Buchhandlung des Vertrauens eindecken

Doch was wäre ein Urlaub ohne eine unterhaltsame Urlaubslektüre? Es wäre wie BA ohne AB, wie Hila ohne Voku, wie Doof ohne Dick – genau, es wäre doof.

Ein Urlaub ohne Urlaubslektüre wäre einfach nur doof!

Darum habe ich es mir nicht nehmen lassen, aus den von mir gelesenen Büchern der vergangenen 12 Monate eine kleine, urlaubstaugliche Auswahl zu treffen. Da nehmen die Krimis unübersehbar den deutlich größten Raum ein. Aber ihr müsst zugeben: Krimi und Urlaub passen einfach sensationell gut zusammen!

Urlaubslektüre 2024-1

MORD AUF DER KREUZFAHRT von Nicholas Blake
🌈 EIN SPIEL ZUVIEL von P.D. James
WIE EIN HAUCH IM WIND von Josephine Tey

Urlaubslektüre 2024-2

🌈 NEUN LEBEN von Peter Swanson
LACROIX UND DIE TOTEN VOM PONT-NEUF von Alex Lépic
🌈 DER TWYFORD-CODE von Janice Hallett

Urlaubslektüre 2024-3

LEB WOHL, MISTER CHIPS von James Hilton
🌈 WER BRAUCHT SCHON WUNDER von Anne Müller
SO ZÄRTLICH WAR SULEYKEN von Siegfried Lenz

Und so gibt es neben den eher klassischen bzw. klassisch-angehauchten Kriminalromanen auch drei neuere Werke aus dem Genre der Spannungsliteratur zu entdecken. Trotzdem kann ich euch zu den Krimis auch noch zwei wunderbare Romane bieten, die mir beide – jeder auf seiner ganz besonderen Weise – sehr gefallen haben. Zu meinem letzten Vorschlag gibt es doch tatsächlich noch keine Rezension hier auf meinem Blog: Die Erzählungen in SO ZÄRTLICH WAR SULEYKEN von Siegfried Lenz lese ich gerade selbst, bin aber so begeistert von den entzückenden und warmherzigen Geschichten, dass ich sie euch nicht vorenthalten wollte.

Sowohl bei der Suche als auch bei der Beschaffung dieser oder einer anderen Urlaubslektüre ist Euch mit Freude die Buchhandlung Eures Vertrauens behilflich! 💖

Ich wünsche Euch einen wunderbaren Urlaub
mit viel Spaß beim entspannten Schmökern!!!

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[Rezension] Dominique Ziegler (nach Agatha Christie) – DIE TOTE IN DER BIBLIOTHEK. Ein Miss-Marple-Krimi/ mit Illustrationen von Olivier Dauger

O je, da habe ich es doch tatsächlich wieder getan. Und das, obwohl ich mir beim letzten Mal so sicher war, dass es nicht noch einmal passieren würde. Ich bin leider dem neusten Streich aus dem Carlsen-Verlag, der unter der Rubrik „Agatha Christie Classics“ veröffentlicht wurde, abermals auf den Leim gegangen. Alles, wo Agatha Christie draufsteht, scheint beinah eine unwiderstehliche Sog-Kraft auf mich auszuüben. Vielleicht ist dies auch meinem unausgesprochenen Wunsch geschuldet, endlich eine Comic-Adaption einer Christie-Geschichte in den Händen zu halten, die beides – korrekte Wiedergabe des Inhalts und ansprechende Illustrationen – für mich zufriedenstellend miteinander verbindet.

Bedauerlicherweise habe ich bis jetzt eine entsprechende Graphic Novel noch nicht gefunden…!

In der Bibliothek des Landhauses des Ehepaares Bantry wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde augenscheinlich erwürgt. Dolly Bantry zieht ihre alte Freundin Miss Marple hinzu, da sie befürchtet, dass ihr Mann hinter vorgehaltener Hand immer als Verdächtiger gelten würde, sollte der Mord nicht aufgeklärt werden. Da es keinen Hinweis auf eine Verbindung zwischen der Toten und dem Ehepaar gibt, versucht man anhand von Vermisstenmeldungen den Namen der Toten zu ermitteln. Dem Alter nach kommt nur die Pfadfinderin Pamela Reeves infrage, ihre Beschreibung passt aber nicht zu der der Toten. Dann trifft die Vermisstenmeldung von Ruby Keene ein. Sie wird von ihrer Cousine Josie Turner identifiziert, die – wie auch Ruby – als Tänzerin im nahe gelegenen Majestic Hotel in Danemouth arbeitete. Kurzerhand quartieren sich die beiden Damen im besagten Hotel ein, wo Miss Marple den Täter zur Strecke bringen will – mit viel Gespür und noch mehr Verstand. Doch sowohl die ermittelnden Polizeibeamten wie auch Miss Marple werden mit allerlei verdächtigen Personen konfrontiert. Zum einen sind da die verwitweten Schwiegerkindern des vermögenden Mr. Jefferson, der eine gewisse Zuneigung zu Ruby Keene entwickelt hatte und ihr einen erheblichen Teil seines Vermögens vermachen wollte. Dann gibt es da noch einen sehr nervösen jungen Mann namens Bartlett und den im Filmgeschäft tätigen Basil Blake. Allerdings haben die Schwiegerkinder zur Tatzeit ein Alibi. Bartlett verhält sich zwar verdächtig, hat allerdings kein Motiv, und Blake war mit dem Mädchen kaum bekannt. Doch wenig später wird die Leiche einer weiteren jungen Frau im ausgebrannten Wagen von Bartlett gefunden…


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Die wesentlichen Details der Handlung hat Dominique Ziegler bei seiner Konzeption des Comics durchaus berücksichtigt und gibt diese nachvollziehbar wieder. Zwangsläufig musste er einige Passagen kürzen bzw. das Handlungspersonal entsprechend reduzieren, um dem vorgegebenen Rahmen einer Graphic Novel gerecht zu werden. Leider ließ er einige Personen sehr unsympathisch und schon beinah abstoßend arrogant wirken, wieder anderen legte er so manche hohle Plattitüde in den Mund, die absolut unglaubwürdig und somit unpassend zur Szene wirkte.

Die Zeichnungen von Olivier Dauger sind zwar detailreich, wirken allerdings in ihrer einheitlichen „Ausleuchtung“ ohne jegliche Schattierung sehr steril und ließen darum an Atmosphäre deutlich vermissen. Bei der Physiognomie des Handlungspersonals zeigte er durchaus Abwechslung in der Gestaltung. Ob die jeweilig gewählte Optik nun überzeugt, muss jede*r Betrachter*in der Geschichte selbst für sich entscheiden. Ich hätte mir bei einigen Figuren durchaus mehr Charakter – insbesondere bei Miss Marple – gewünscht.

Ist es so, dass das Genre der Graphic Novel mir nicht zu liegen scheint? Das, was den Stil diese Genres ausmacht, entspricht anscheinend so ganz und gar nicht meinen Erwartungen. Doch bin ich deswegen nun enttäuscht oder frustriert? Ja, durchaus, vielleicht ein wenig! Mein Wunsch, eine gelungene Comic-Adaption eines Christie-Klassikers genießen zu dürfen, ist doch recht groß. Und so werde ich hoffnungsvoll wohl auch die nächste Veröffentlichung HERCULE POIROTS WEIHNACHTEN, die für Herbst dieses Jahres angekündigt ist, genau unter die Lupe nehmen.

Die Hoffnung stirbt eben zuletzt…!


erschienen bei Carlsen / ISBN: 978-3551794130 / in der Übersetzung von Thomas Schöner
ebenfalls erschienen als Roman bei Atlantik / ISBN: 978-3455650051 und als Hörbuch bei DER HÖRVERLAG / ISBN: 978-3899407860 

[Rezension] Nicholas Blake – MORD AUF DER KREUZFAHRT

Wie schon bei DAS GEHEIMNIS DER SILVESTERNACHT angekündigt, geht das Roulett bzgl. der Chronologie der Nigel Strangeways-Krimis fröhlich weiter. Waren wir beim eben erwähnten Krimi schon im Jahr 1964 angekommen, hüpfen wir mit der aktuellen Wiederveröffentlichung aus dem Klett-Cotta Verlag wieder um einige Jahre zurück. Sollte/könnte/müsste ich mich über diese nicht nachvollziehbare Veröffentlichungspraxis des Verlages aufregen? Ach, nö!

Vielmehr freue ich mich über jeden klassischen Kriminalroman, der mit einer Wiederveröffentlichung die Chance erhält, eine neue Generation von Leser*innen zu begeistern. Zumal es mir bisher immer Vergnügen bereitete, Nigel Strangeways auf seinen Missionen zu begleiten.

„Haben Sie jemals versucht, eine erwachsene Frau über die Reling eines Schiffes zu werfen?“ Die renommierte Bildhauerin Clare Massinger hat eine kreative Flaute. Um sie zu inspirieren, bucht ihr Partner, der Meisterdetektiv Nigel Strangeways, eine Kreuzfahrt in der Ägäis. Mit seinen griechischen Tempeln und Sandstränden soll dieser malerische Trip der perfekte Kurzurlaub werden. Doch schon, als sie auf die anderen Passagiere treffen, ahnen Nigel und Clare, dass diese Kreuzfahrt böse Überraschungen bereithalten wird. An Bord der Menelaos, einem Kreuzfahrtschiff in der Ägäis, scheint es, als wüsste jeder über die Angelegenheiten der anderen Bescheid: Eine Lehrerin, die sich von einem Nervenzusammenbruch erholt, wird von einer ehemaligen Schülerin zur Rede gestellt. Ein Intellektueller wird von eben dieser Lehrerin in Verlegenheit gebracht. Eine Verführerin bringt die männlichen Gäste ein ums andere Mal in Verlegenheit. Und zu allem Überfluss überwachen zwei Wichtigtuer jeden Passagier des Schiffes auf Schritt und Tritt. Als sich die Leben der Urlauber immer mehr verflechten, scheint Gefahr in der Luft zu liegen. Und dann geschieht tatsächlich ein Mord – und dann noch einer. Plötzlich ist jeder verdächtig. Nigels Urlaub währt also nicht allzu lange, und er muss die Wahrheit aufdecken, bevor ein weiterer Passagier aus dem Leben gerissen wird.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Auch diesmal kredenzte uns Nicholas Blake einen flotten, flüssig zu lesenden Kriminalroman, der in bester „Whodunit“-Manier eine üppige Zahl an Verdächtigen innerhalb einer wendungsvollen Handlung präsentierte. Er griff dabei zu einem oft erprobten und allzeit beliebten Kniff seiner Zunft und ließ sein Handlungspersonal innerhalb eines in sich abgeschlossenen Schauplatzes (Schiff bzw. Insel) agieren. Wobei Blake eine stimmungsvolle wie ansprechende Atmosphäre kreierte, die wie eine Symbiose aus „Das Traumschiff“ und „Tod auf dem Nil“ wirkte: Unterhaltung gepaart mit Spannung.

Am Ende überrumpelte er mich doch tatsächlich mit einer Wendung, die ich durchaus hätte erahnen können, die mich allerdings so unvorbereitet dann doch überraschte.

Doch bis das verdiente Happy End eingeläutet werden konnte, hatte unser Held eine äußerst harte Nuss zu knacken: So musste er diesmal gleich zwei Morde aufklären. Oder waren es vielleicht doch nur ein Mord und ein Selbstmord, ein Unfall und ein Selbstmord oder doch ein Mord und ein Unfall…? Ja, da rauchte unserem Meisterdetektiv so manches Mal der Schädel. Zumal die Aussagen der Zeug*innen nicht immer glaubhaft, und die verdächtigen Personen nur allzu sehr darauf bedacht waren, ihre schmutzigen Geheimnisse für sich zu behalten. Doch auch mir rauchte der Kopf beim Mit-Rätseln. So flog ich nur so über die Seiten, begierig zu erfahren, wer der/die Täter*in ist, und wie er/sie „es“ gemacht hat.

Warum der Autor trotzdem der Meinung war, er müsste die Aufmerksamkeit der Leserschaft mit unheilschwangeren Vorahnungen wie „Hätte er da schon gewusst, dass…!“ oder „Sie konnte ja nicht absehen, was später…!“ ködern, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Zumal dieser fragliche „Kunstgriff“ mir absolut überflüssig und somit entbehrlich erschien. Doch dies ist in der Gesamtheit des positiven Eindrucks nur eine Kleinigkeit und somit eher zu vernachlässigen.

So hoffe ich sehr auf weitere Krimi-Wiederentdeckungen aus dem Klett-Cotta Verlag: Zumal unser gewitzter Privatdetektiv Nigel Strangeways noch von zwölf weiteren spannenden Kriminalfällen berichten könnte…!


erschienen bei Klett-Cotta / ISBN: 978-3608986969 / in der Übersetzung von Michael von Killisch-Horn
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!