URLAUBSLEKTÜRE 2023

Der Sommer ist da! Zweifellos, unumstößlich und deutlich spürbar!

Und während die einen in heimischen Gefilden vor sich hin schwitzen und den Urlaub auf Balkonia oder in Bad Meingarten verbringen, zieht es die anderen in die Weite zu (un)bekannten Orten in fernen Ländern. Dabei dürstet es jedem Buch-Junkie nach einer leichten, unaufgeregten doch kurzweiligen Lektüre, deren Erscheinungsform locker in die Strandtasche oder in den Picknick-Korb passt und die beim Einnicken im Liegestuhl keine unschönen Druckstellen auf der Haut hinterlässt. Aus diesem Grund habe ich auf durchaus wunderbare doch leider voluminöse Bildbände bei meiner Auswahl verzichtet.

Seien es klassische Krimis vor exotischer Kulisse, eine Bootsfahrt von Müßiggängern, wehmütige Erinnerungen an Gärten, eine literarische Städte-Tour, ein humorvoller „Coming of Age“-Roman, ein satirischer Urlaubs-Ratgeber oder eine Sammlung witziger Anekdoten: Beim Stöbern in den Rezensionen aus 5 Jahren .LESELUST habe ich die nun folgenden neun Werke ausgewählt, die alle absolut urlaubstauglich und somit gut bekömmlich sind.

Urlaubslektüre 2023-1

Mord an der Riviera von John Bude
🌈 Parker Pyne ermittelt von Agatha Christie
Maigret macht Ferien von Georges Simenon

Urlaubslektüre 2023-2

🌈 Drei Mann in einem Boot von Jerome K. Jerome
Der Akazienkavalier. Von Menschen und Gärten von Ulla Lachauer
🌈 Junger Mann von Wolf Haas

Urlaubslektüre 2023-3

Keks, Frau K. und Katastrophen von Fanny Müller
🌈 Hamburg zum Verweilen/ Antje Flemming & Folke Havekost (Hrsg.)
Touristisch für Anfänger von Clemens Dreyer

Sowohl bei der Suche als auch bei der Beschaffung dieser oder einer anderen Urlaubslektüre ist Euch mit Freude die Buchhandlung Eures Vertrauens behilflich! 💖

Ich wünsche Euch viel Spaß beim entspannten Schmökern!!!

Herzlichen Glückwunsch: 5 Jahre .LESELUST

Ihr Lieben!

Ich weiß, ich schreibe dies in jedem Jahr zu meinem Blog-Geburtstag, aber in diesem Jahr passt es wie nie zuvor: Ich kann es kaum glauben,…

…denn plötzlich waren 5 Jahre rum! 5 Jahre, das entspricht 60 Monate oder 3.120 Wochen oder 21.840 Tage oder 524.160 Stunden oder…

…einundreizigmillionenvierhundertneunundvierzigtausendsechhundert Minuten!

Natürlich könnte ich hier nun abermals aufzählen, wie viele Bücher ich während diesem Zeitraum gelesen, wie viele Rezensionen ich geschrieben, wie oft ich ein Theater oder Konzert besucht und hinterher darüber berichtet habe. Ja, all dies könnte ich hier nennen. Doch vielmehr möchte ich einen Blick abseits des Blogs werfen, einen Blick jenseits der virtuellen Welt.

In diesen 5 Jahren ist so viel passiert – mit mir, in meinem Umfeld, auf der Welt:

  • Ich habe meinem Mann ein weiteres Mal geheiratet: Nach 18 Jahren Beziehung incl. 10 Jahre „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ haben wir uns nochmals „getraut“ und uns höchst offiziell auf dem Standesamt trauen lassen. Und bevor hier nun eine Flut an Glückwünschen auf mich/uns herniederprasselt: Es war schon im Jahre 2018! 😉
  • Ich habe während dieser Jahre zwei Mal den Arbeitsplatz gewechselt (genaugenommen waren es drei Mal: „…aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!“), habe viele neue Kolleg*innen, Patient*innen bzw. Klient*innen kennenlernen dürfen. Jeder Arbeitsplatzwechsel hat mich auf sehr unterschiedliche Weise gefordert, jede Begegnung hat mich reifen lassen.
  • Wir haben gemeinsam einer Pandemie getrotzt, aus der wohl jede*r von uns verändert hervorgegangen ist. Für mich erhielten einige Dinge einen anderen Stellenwert, und meine Beziehungen zu einigen Mitmenschen haben sich verändert. Doch vor allem bin ich demütiger geworden und nehme nichts mehr für selbstverständlich hin.
  • Als hätten wir mit Pandemie, Klimakrise und Inflation nicht schon genug um die Ohren, da muss ein durchgeknallter Diktator „in unmittelbarer Nachbarschaft“ zu unserem Land innerhalb Europas einen Krieg anzetteln, der nach wie vor tobt und Leid und Verwüstung hinterlässt. Ende offen! Es scheint unfassbar und ist erschreckend und schockierend…!

Das alles und noch viel mehr ist in den vergangenen 5 Jahren passiert, während ich hier auf meinem Blog „nur“ über Literatur und Kultur berichtet habe. Doch wo wären wir, wo wäre ich ohne sie? Sie bereichern mein Leben in guten Zeiten und machen die schlechten Zeiten erträglicher. Sie liefern nicht immer Lösungen, doch schaffen oftmals Erklärungen. Sie füttern meinen Geist und fordern ihn heraus. Sie sensibilisieren und streicheln meine Seele gleichermaßen. Sie haben den Schlüssel zu der Pforte meines Herzens und öffnen mir diese, auf das ich empfänglicher bin für die schönen Dinge des Lebens.

Denn ja, trotz Chaos und Katastrophen gibt es sie immer noch – die schönen Dinge des Lebens! Wir selbst haben es in der Hand, dies zu gestalten. Jede und jeder kann dazu beitragen, indem Tugenden wie Moral, Toleranz und Respekt weiterhin gelebt werden, auch wenn vielfältige Gegen-Einflüsse spürbar sind. Diese Tugenden sorgen dafür, dass diese, unsere gemeinsame Welt ein lebens- und liebenswerter Ort bleibt. Lasst ihn uns bitte gemeinsam bewahren.

Bleibt bitte gesund und mir weiterhin gewogen! ❤️

Herzliche Grüße
Euer

Vorname

WELTTHEATERTAG: „Die ganze Welt ist eine Bühne…“

„…und alle Frauen und Männer bloße Spieler.“ William Shakespeare

Ich kann die Stunden, die ich in einem Theatersaal verbracht habe, gar nicht mehr zählen. Natürlich gab es Aufführungen, die mich mal mehr, mal weniger begeistert haben, aber ich kann mich nicht erinnern, je einen Theaterbesuch gänzlich bereut zu haben.

Besonders die Zeit der Pandemie hat mir wieder allzu anschaulich gezeigt, wie wichtig es für mich ist, am kulturellen Leben teilzunehmen. Die Monate „ohne“ habe ich noch in deutlicher aber wahrlich nicht bester Erinnerung. So war meine Freude umso überwältigender, als die Theater ihre Türen wieder öffnen durften: Ich saß im Theatersaal, lauschte dem Orchester und Tränen liefern mir über das Gesicht und sammelten sich unter meiner FFP2-Maske. Ich konnte nichts dagegen tun – es passierte einfach…! Vielleicht mag diese Reaktion der Einen oder dem Anderen aus meiner Leserschaft übertrieben erscheinen, und ich gestatte Euch gerne diese persönliche Haltung. Doch für mich war/ist/bleibt Kultur immer „existenziell“, und ohne sie habe ich das Gefühl, sowohl intellektuell als auch emotional zu vertrocknen.

In meinem Fall habe ich das Stadttheater Bremerhaven zu meinem „Stamm-Theater“ erwählt, dem ich mich schon über Jahre verbunden fühle. Es ist nicht das größte Theater! Es ist nicht das schönste Theater! Doch es ist wahrhaftig, ungekünstelt und bodenständig. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen, die hier arbeiten, einfach nur gutes Theater für ihr Publikum machen möchten – ohne Schnickschnack und Firlefanz. Vor einiger Zeit durfte ich bei einer exklusiven Führung auch einen BLICK HINTER DIE KULISSEN „meines“ Stadttheaters werfen.

Doch woran mag es liegen, dass selbst heutzutage – trotz einem digitalen Überangebot, das rund um die Uhr konsumiert werden kann – weiterhin Menschen ins Theater gehen oder Konzerte besuchen, sich mit einer Vielzahl anderer Menschen freiwillig in einen geschlossenen Raum setzten, um gemeinsam für einige Stunden in dieselbe Richtung zu schauen. Das Zauberwort lautet: „Live!“ Jede Aufführung ist einzigartig. Sie entsteht direkt in diesem Moment vor unseren Augen. Nichts ist vorhersehbar! Nichts ist wiederholbar! Dabei wird eine kreative Energie freigesetzt, die bestenfalls über den Bühnenrand hinweg auf das Publikum übergeht. In solchen magischen Momenten meine ich, dass der Kuss der Muse mich streift.

Nicht umsonst werden Theaterhäuser auch als Musentempel bezeichnet. Besonders die älteren Häuser mit der Patina der Jahr(hundert)e haben ein besonderes Flair, galten mit ihrem prunkvollen Bauten als Prestigeobjekte der jeweiligen Länder und spiegeln die Bedeutung der darstellenden Kunst in der Gesellschaft wieder. Eine Theaterpremiere war ein gesellschaftliches Ereignis, das nicht verpasst werden durfte. Es galt, zu sehen und gesehen zu werden…! Dagegen haben so manche Theaterbauten neueren Datums manchmal den Charme einer Tiefgarage.

Die schönsten Theater, die ich bisher besuchen durfte, waren die SEMPEROPER in Dresden (1996), das DET NY TEATER in Kopenhagen (2001) und das THEATER DES WESTENS in Berlin (2005).


SEMPEROPER in Dresden

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Von 1838 bis 1841 errichtete der Baumeister Gottfried Semper ein neues königliches Hoftheater. Die SEMPEROPER gilt mit seinem Rundbau in den Formen der italienischen Frührenaissance als eines der schönsten Theaterhäuser der Welt, und zugleich verbindet sich mit ihr der Weltruf künstlerisch hochkarätiger Leistungen, der sowohl vom Ensemble des Hauses wie auch durch zahlreiche internationale Gäste getragen wird. Mit zahlreichen Opern-Uraufführungen namhafter Komponisten wie Richard Strauss und Richard Wagner wurde hier Operngeschichte geschrieben.

Im Laufe der Jahrhunderte musste das Haus etliche Katastrophen überstehen: Im Jahre 1869 wurde das Gebäude bei einem Brand völlig zerstört. Da Gottfried Semper wegen seiner Beteiligung an den Maiaufständen viele Jahre lang sächsischen Boden nicht mehr betreten durfte, wurde sein neuer Entwurf unter der Bauleitung seines Sohnes Manfred Semper von 1871 bis 1878 am Theaterplatz ausgeführt. Dieser zweite Bau erlitt am Ende des Zweiten Weltkriegs durch den Luftangriff auf Dresden in der Nacht des 13. Februar 1945 schwere Schäden und brannte zu großen Teilen aus. Erst im Jahre 1977 begann der Wiederaufbau unter der Leitung von Wolfgang Hänsch als Chefarchitekt. Hierbei wurden einerseits der Zuschauerraum erweitert, andererseits die Wände im Bühnenbereich nach außen versetzt, um dem gestiegenen Platzbedarf des modernen Opernbetriebes gerecht zu werden. Die Anzahl der Sitzplätze wurde auf 1300 verringert. Ansonsten wurde das Gebäude Sempers Plänen entsprechend wiederaufgebaut.

Als ich im Jahre 1996 die SEMPEROPER kennenlernte, war ich überwältigt von der überbordenden Pracht, die sich mir darbot: Marmor, Kristalllüster, rote Teppiche und Wandmalereien verteilten sich über die Flure und Wandelgänge. Am Abend der besuchten Vorstellung war ich von den mannigfaltigen Eindrücken völlig überfordert. So hatte ich mich spontan entschieden, am nächsten Tag einer Führung durch das Opernhaus beizuwohnen, bei der ich – dank einer kompetenten Begleitung – amüsante Anekdoten aus dem Opernbetrieb erfuhr und auf so manche baulichen Details hingewiesen wurde. Übrigens: Die Inszenierung der Oper LA BOHÈME steht noch heute auf dem Spielplan des Hauses.


DET NY TEATER in Kopenhagen

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Das DET NY TEATER in Kopenhagen wurde erstmals 1908 eröffnet und gilt mit mehr als 12.000 m² als eines der größten Theater Dänemarks. Es befindet sich in einem Gebäude, das eine Passage zwischen zwei Straßen an der Grenze zwischen den Stadtviertel Vesterbro und Frederiksberg überspannt. Zum Hauptsaal mit mehr als 1.000 Plätzen kam nach einer umfassenden Renovierung des gesamten Theaters im Jahre 1994 ein kleineres Theater, das im Keller errichtet wurde, hinzu. Das Theater ist dem Vorbild der Pariser Oper nachempfunden, vereint jedoch eine Mischung verschiedener Stile. So findet man Elemente mit klassischem „Trompe-l’œil-Effekt“ neben Art-Deco-Elementen kombiniert.

Bis in die 60er Jahre wurde hier ein Repertoire aus Klassikern und zeitgenössischen dänischen und europäischen Dramen gegeben. Im Laufe der folgenden Jahre wurde es immer schwieriger, dieses Theater ohne Subventionen zu betreiben, sodass es 1971 vor der Schließung stand. Erst das Eingreifen des Landkreises und des Kulturministeriums konnten dies – zumindest vorübergehend – verhindern. Die kommenden Jahre markierten den Beginn einer Theaterkrise, die die allgemeinen Widrigkeiten der Branche widerspiegelte. Das stark vernachlässigte Theater schloss dann 1991 auf unbestimmte Zeit seine Pforten. Den neuen Eigentümern gelang es, Gelder für eine gründliche Renovierung aufzubringen und das Haus im Jahre 1994 mit einer Produktion von „Die Fledermaus“ als Spielstätte für Operette und Musical wiederzueröffnen.

Nun ist es eine Spielstätte hauptsächlich für Musicals und hat eine Reihe großer internationaler Musicals produziert. Das erfolgreichste davon war „The Phantom of the Opera“, das von 2000 bis 2002 lief und im Jahre 2018 „zurückkehrte“. Gespielt wird natürlich in der Landessprache. Als wir am 8. November 2001 dort im Zuschauerraum Platz nahmen, waren wir ganz gefangen von der Eleganz. Selten hat ein Theater mit dem dort gezeigten Stück eine solche Symbiose gebildet: Es schien, als würden „The Phantom oft he Opera“ und das DET NY TEATER eine kongeniale Einheit bilden.


THEATER DES WESTENS in Berlin

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Das THEATER DES WESTENS wurde 1895/1896 im Stil des wilhelminischen Historismus errichtet, blickt auf eine sehr abwechslungsreiche Vergangenheit unter verschiedenen Leitungen und wurde hauptsächlich als Opern- und Operettenbühne genutzt. So standen immer wieder in den unterschiedlichsten Produktionen große Stars auf dieser Bühne: Maria Callas, Mario del Monaco, Dietrich Fischer-Dieskau, Anneliese Rothenberger, Hermann Prey und Rudolf Schock.

Ab 1961 wurde es dann Spielstätte des internationalen Musicals und feierte mit der Premiere von „My Fair Lady“ einen fulminanten Einstand. Nachfolgeproduktionen konnten an diesen Erfolg nicht anknüpfen. Erst 1984 unter der Intendanz von Götz Friedrich und mit Helmut Baumann als künstlerischen Direktor schien sich das Blatt zu wenden. Helmut Baumann entwickelte sich zum führenden Musical-Fachmann, der eine gute Mischung aus unbekannten Stücken und Publikumsrennern bot. Mit der Premiere von „La Cage aux Folles“ im Jahre 1985, in der Baumann kurzfristig die Hauptrolle übernahm, sprach die Presse von einem Theaterwunder à la „My Fair Lady“. Das Stück stand 10 Jahre lang immer wieder auf dem Spielplan des Theaters.

Helmut Baumann wurde 1993 auch Intendant des THEATER DES WESTENS und sorgte mit einer abwechslungsreichen Stückwahl und herausragenden Inszenierungen für ein internationales Renommeé des Hauses. Doch das Ziel, hochwertige Musicals dem Publikum zu zeigen, konnte aufgrund geringerer öffentlicher Zuschüsse in Kombination mit einem Einstellungsstopp schlecht realisiert werden. Helmut Baumann verließ darauf das Haus mit Ende der Spielzeit im Sommer 1999. Die Jahre bis 2002 waren eher unrühmlich für dieses wunderbare Haus, bis „Stage Entertainment“ das Theater übernahm. Sie beschäftigt seitdem kein festes Ensemble mehr und zeigt Langzeit-Aufführungen ihrer Produktionen. Als wir am 31. Juli 2005 dort eine Vorstellung von „Die 3 Musketiere“ besuchten, waren wir geblendet von der Opulenz dieses Theaters.


Einen Eindruck vom Können Helmut Baumanns erhielten wir in den Jahren 2000 bis 2004: In dieser Zeit inszenierte er die Musicals „La Cage aux Folles“, „Cabaret“, „My Fair Lady“, „Kiss me, Kate“ und „Victor & Victoria“ am Bremer Theater. Ein wahrgewordener Musical-Traum…!

Erinnerungen: „La Cage aux Folles“ / Bremer Theater (Spielzeit 2000/01)

VORLESEWETTBEWERB 2022/23: And the winner is…

…und wieder war es soweit: „Same procedure as every year!“

„Nein, ist es nicht!“ juchzte ich vor Freude, und „Hurra! In diesem Jahr ist es nicht wie im letzten Jahr!“ jubelte ich lautstark. Denn in diesem Jahr gab es in der Buchhandlung meines Vertrauens „die schatulle“ der Schwestern Sabine und Ute Gartmann endlich wieder eine Präsenz-Veranstaltung zum Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs.

Nachdem ich in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren allein vorm heimischen PC saß und digital die Lese-Beiträge ansah, um danach „meines Amtes zu walten“, freute ich mich nun umso mehr, wieder im direkten Austausch mit meinen beiden Jury-Kolleginnen zu sein. Denn neben meiner Wenigkeit war natürlich Iris Belz, Leiterin der Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck wieder mit an Bord. Dritte im Bunde, zum ersten Mal dabei und somit unser „Frischling“ war Alina Deylig, ehemalige Praktikantin der Buchhandlung „die schatulle“ und somit Bücher-Fan.

In der gut gefüllten Buchhandlung saßen am vergangenen Mittwoch acht junge Menschen und warteten aufgeregt darauf, dass die Veranstaltung endlich beginnen möge. Hinter ihnen verteilten sich über die Stuhlreihen ihre Familien, Freunde, Lehrer und sonstige Interessierte, die sicherlich mitfieberten und den kleinen „Stars“ kräftig die Daumen drückten.


Der Ablauf ist seit Jahren identisch: Die Kids müssen 2 Runden absolvieren. In der ersten Runde stellen sie innerhalb von 3 Minuten einen Auszug aus ihrem Wahlbuch incl. einer erklärenden Einleitung vor. Die Jury entscheidet dann über Lesetechnik, Textgestaltung und Textverständnis. Bei der zweiten Runde erhalten die Kids einen ihnen unbekannten Text und werden von der Jury in Lesetechnik und Textgestaltung bewertet. Dann zieht sich die Jury zur Beratung zurück, zählt die jeweils vergebenen Punkte zusammen und diskutiert manchmal durchaus kontrovers, bis dann endlich die/der Sieger*in feststeht und bekanntgegeben werden kann.


Auch in diesem Jahr wurde uns ein wilder, abwechslungsreicher und spannender Trip durch die Jugendliteratur geboten: Fynn hatte sich für einen Band aus der Flüsterwald-Serie von Andreas Suchanek entschieden. Amira las aus dem humorvollen Roman Abenteuer eines Döner-Checkers von Stefan Gemmel. Jovis wählte für seinen Vortrag das Buch Die Legende von Drachenhöhe 1 von Frank Schmeißer. Enie griff zum bekannten Klassiker Die Vorstadtkrokodile von Max von der Grün. Mats vertiefte sich in einen Roman aus der Welt von Minecraft FREEDOM von Paluten von Klaas Kern. Maksim überzeugte mit einem Ausschnitt aus Percy Jackson 3 von Rick Riordan. Und Theo ließ uns bei Mitten im Dschungel von Katherine Rundell mit den Held*innen mitfiebern. Als Siegerin ging aus diesem Wettstreit Emma Klefeker hervor, die mit ihrem überzeugenden Vortrag aus Die Frechen Krabben und das Schnee-Ungeheuer von Barbara Rose bei uns ebenso punkten konnte, wie mit der ihr unbekannten Passage aus Magic Agents. In Dublin sind die Feen los! von Anja Wagner. Gratulation!

Ich weiß, ich weiß, ich wiederhole mich. Aber kann nicht genug betonen, wie sehr ich mich jedes Jahr auf diesen Termin freue, und wie schmerzlich ich ihn vermisst habe. Dabei taten mir vor allem die Kinder leid, die in den letzten beiden Jahren teilgenommen haben. Ihnen entging die Möglichkeit, ganz wunderbare Erfahrungen machen zu dürfen: kein kribbeliges Lampenfieber, kein erleichtertes Aufatmen nach Beendigung des Vortrags, kein gespanntes Warten auf die Entscheidung der Jury, keinen Foto-Termin mit der Presse, keinen ausführlichen Bericht in den örtlichen Zeitungen,…!

Und auch mir fehlte diese besondere Atmosphäre eben jener Live-Lesungen. Zudem habe ich meine beiden Mit-Juror*innen vermisst: die anregenden Gespräche, das nette Beisammensein, das Fachsimpeln und Diskutieren,…!

Doch dies gehört nun hoffentlich der Vergangenheit an. Diesbezüglich blicke ich positiv in die Zukunft und werde für Emma, die sich nun weiter beim Bezirksentscheid behaupten wird, tüchtig beide Daumen drücken und ihr optimistisch zurufen…

🍀 TOI TOI TOI 🍀


Anekdote am Rande: Unser neues Jury-Mitglied stand vor mir und reichte mir zur Begrüßung die Hand. Ich blickte ihr ins Gesicht und dachte „Du kommst mir irgendwie bekannt vor!“. Dann nannte sie ihren Namen und bei mir fiel der so oft bemühte Groschen: Bis 2016 war Alina eines „meiner“ Kids, mit denen ich einige Jahre das Krippenspiel zum Familiengottesdienst am Heiligen Abend einstudiert hatte. Seit unserem letzten gemeinsamen Krippenspiel hatten wir uns nicht mehr gesehen, und nun stand hier eine junge, sympathische Frau vor mir, die in der Zwischenzeit die 10. Klasse am Gymnasium Osterholz-Scharmbeck besuchte und sich mit mir/uns kompetent über die eben gehörten Vorträge austauschte. Aus klein wird eben groß! 🧡


P.S.: Hier geht es zu den Zeitungsberichten: OSTERHOLZER KREISBLATT

Fotoshooting für das Stadttheater Bremerhaven: „Ich habe heute leider kein Foto für dich!“

„Mir doch egal, ich habe eigene!“

Wie es dazu kam, möchtet ihr nun erfahren? Das kann ich euch gerne verraten! Anfang Mai des vergangenen Jahres traf via Mail folgende Nachricht bei mir ein…

Lieber Herr Kück,

wie Sie wissen, sind wir sehr dankbar für Ihr Engagement und Ihre Treue zum Stadttheater. Deswegen dachten wir bei der Planung unserer neuen Außenwerbung auch als Erstes an Sie: Für unsere neue Abokampagne wollen wir unsere Zuschauer:innen bei uns im Saal zeigen, mit einem kleinen humorvollen Bruch im Bild. Eines der Motive soll eine berufstätige Person sein, die im Stadttheater Inspiration findet und den Alltag hinter sich lässt.

Dabei dachten wir an Sie! Haben Sie Lust sich dafür im Stadttheater professionell fotografieren zu lassen? Die Kampagne wird an Plakatwänden in der Stadt und online zu sehen sein.

Wir freuen uns sehr von Ihnen zu hören.
Liebe Grüße aus dem Stadttheater

Na, selbstverständlich hatte ich Lust: So machte ich mich – nachdem einige weitere Mails hin und her gegangen waren und bei einem erhellenden Telefonat auch meine letzten Fragen beantwortet wurden – am 1. Juni auf den Weg nach Bremerhaven zum dortigen Stadttheater – im Gepäck verschiedene Oberteile (Mantel, Sakko, Hemd) und div. Utensilien, die meinen Beruf symbolisieren sollten. Freundlich begrüßt wurde ich am vereinbarten Treffpunkt bei der Theaterkasse von Evelyn Walton, Referentin Marketing & Öffentlichkeitsarbeit, die mich in den Zuschauersaal des Großen Hauses führte. Dort erwarteten mich schon Kristin Niemann, die Leiterin der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, und die Fotografin Manja Herrmann, deren Arbeit ich schon mehrfach zu div. Inszenierungen an diesem Haus bewundern durfte.

Und da stand ich nun ziemlich dumm da – mitten im Zuschauersaal mit Blick auf die leere Bühne. Während die Damen handfest anpackten und tatkräftig das nächste Setting einrichteten, wurde ich zur Maske geführt, wo mir die Stellen meines Gesichts abgepudert wurden, die glänzten und somit beim Shooting für unschöne Reflektionen hätten sorgen können – will sagen: Mein Gesicht wurde komplett eingepudert!

Danach quetschte ich mich in eine Glitzerweste und schnürte mir einen Rüschenkragen um den Hals – beides von Frau Walton dem Kostümfundus entliehen. Hinter diesem Aufzug verbarg sich folgende Idee: „Mit einem Besuch im Theater dem Alltag entfliehen und neue Welten entdecken!“. So gewandet nahm ich im Zuschauersaal neben einer üppigen Gips-Putte Platz, während passenderweise hinter meinem Rücken ein Kulissenteil im Rokoko-Stil ins Bild geschoben wurde. Um Verwechslungen zu vermeiden: Ich bin auf den Fotos die linke Putte!

Und nachdem das Licht eingerichtet und die Kamera überprüft worden war, ertönten aus drei Kehlen gleichzeitig die Anweisungen, was ich nun zu tun hätte: Kopf höher/ tiefer/ nach links/ nach rechts, Mund schließen, Augen offen lassen, linken/ rechten Arm anheben, Sakko glätten, Armbanduhr entfernen, wahlweise interessiert/ gespannt/ überrascht gucken und bitte dabei gaaanz natürlich wirken. Und nach dem Wechsel der Garderobe begann das Spiel von Vorne!

Glücklicherweise hatte ich dank meiner früheren Tätigkeit bei der Scharmbecker Speeldeel schon etwas Erfahrung bzgl. Posen vor der Kamera. Und so regte sich in mir die alte Rampensau und buddelte sich aus mir heraus an die Oberfläche, um sich hier und jetzt ein wenig auszutoben.

Erstaunlich: Es wurden so viele Fotos in unterschiedlichen Klamotten, Posen und Settings gemacht, in der Hoffnung, dass das Foto dann darunter ist. Eine kleine Auswahl unserer gemeinsamen Bemühungen seht ihr hier:


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Am 17. Januar ist die Kampagne nun angelaufen: Die Groß-Plakate hängen quer über Bremerhaven verteilt an öffentlichen Plätzen, schmücken div. Plakatwände und werben so für die Abonnements des Stadttheaters Bremerhaven.

Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass es so etwas Ähnliches wie einen BRAVO-Starschnitt geben soll: In den Programmheften des Premieren-Abos wird jeweils ein Teil von mir – sozusagen als Gimmick – beigelegt. Wer jede Premiere besucht und alle Programmhefte sammelt, kann die Teile dann zusammenkleben und mich in Lebensgröße ins Schlafzimmer, aufs Gäste-Klo oder sonst wo hinhängen. Dann könnte ich endlich mit Stolz geschwellter Brust aller Welt verkünden

„Ich bin ein Star, hängt mich hier auf!“
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️


Anmerkung zum krönenden Abschluss: Vielleicht habe ich oben ein klitze-klein wenig dick aufgetragen und meinen Bericht etwas ironisch überhöht bzw. (dem Ort angemessen) theatralisch überspitzt. Doch Scherz beiseite und bahr jeglicher Ironie: Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich danke dem Stadttheater Bremerhaven, insbesondere Kristin Niemann und Evelyn Walton, von Herzen, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Mein Dank gilt selbstverständlich auch Manja Herrmann für die sensationellen Fotos. ❤

Ich habe es sehr gerne getan,…

…und ich würde es immer wieder tun!!!

…auch ohne Starschnitt. 😉

Herzlichen Glückwunsch: 4 Jahre .LESELUST

Ihr Lieben!

Ich kann es kaum glauben: Schon wieder ist ein Jahr rum, und das bedeutet,…

Mein Blog und ich feiern nun schon unseren vierten gemeinsamen Geburtstag!

Seit 4 Jahre: befasse ich mich nun intensiver mit der Literatur, blättere regelmäßig in Verlagsvorschauen, wage mich hin und wieder sogar aus meiner Komfortzone heraus, stolpere beim Lesen über das eine oder andere Zitat und bemühe mich, wunderbare Lyrik aufzuspüren.

Seit 4 Jahre: setze ich mich an den Computer und haue mehr oder weniger intelligente Rezensionen zu dem, was ich gelesen habe, in die Tasten: vielleicht nicht immer gänzlich objektiv, dafür aber stets fair. Einige meiner Rezensionen haben es sogar auf die jeweiligen Verlagsseiten geschafft.

Seit 4 Jahren: versuche ich auch das, was mir kulturell so begegnet, in passende Worte zu fassen. Und auch hier durfte ich sowohl mit großer Überraschung als auch mit einem Hauch Stolz wahrnehmen, dass meine „Kritiken“ anscheinend wert sind, auf der jeweiligen Homepage der Sänger*innen, Regisseur*innen, Choreograf*innen, Bühnen- und Kostümbildner*innen und Künstleragenturen Erwähnung zu finden.

Seit 4 Jahre: schaue ich so bedeutend fokussierter auf meine Hobbies. Das Niederschreiben meiner Eindrücke und Empfindungen zu dem, was ich gelesen, gesehen und gehört habe, lässt mich das Erlebte abermals Revue passieren und es nochmals intensiv durchleben. Gleichzeitig dient mir dieser Blog als mein ganz persönliches Archiv.

Seit 4 Jahren: schenkt mir dieser Blog immer wieder interessante Kontakte, vielfältige Anknüpfungspunkte und inspirierende Begegnungen, die ich ohne ihn vielleicht nie hätte erleben dürfen.

Seit 4 Jahren: habe ich eine kleine aber feine Schar an Followern, von denen mir einige schon seit der Stunde Null folgen. Ich empfinde dies – besonders in diesen verrückten Zeiten – wahrlich nicht als Selbstverständlichkeit. Euch allen danke ich von Herzen für Eure Treue!

So freue ich mich wiederum auf ein weiteres gemeinsames Jahr mit ganz viel .LESELUST…!!!

Herzliche Grüße
Andreas

Vorlesewettbewerb 2021/22: And the winner is…

„Same procedure as last year!“ – Ja, leider…!

Es ist Februar und somit wieder an der Zeit, dass ich mich als Juror für des hiesigen Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs versuche. Auch in diesem Jahr findet keine Präsens-Veranstaltung in der Buchhandlung „die schatulle“ statt. Auch in diesem Jahr kann ich die Beiträge der Kids „nur“ via Video bewundern und darf so eine*n Sieger*in küren. Waren im letzten Jahr drei Teilnehmer*innen am Start, so steigerte sich in diesem Jahr die Teilnehmerzahl um unglaubliche 100%! 😉

Bestand im vergangenen Jahr die Jury nur aus meiner Person, erhalte ich in diesem Jahr Unterstützung von Ute Segger-Steinwede, die u.a. schon als Lesepatin an Grundschulen aktiv war, und den Gartmann-Schwestern „herself“. Doch all das, was ich an einer Teilnahme als Jury-Mitglied so sehr mag und schätze, ist natürlich aufgrund der räumlichen Distanz und der individuellen Zeiten, wann die Videos betrachtet werden, nicht möglich: kein Austausch, kein Abwegen, kein Argumentieren, kein Feilschen um die Punkte.

So vergab jede*r für sich – einsam und allein im Kämmerlein – die Plätze 1 bis 3, aus deren häufigster Übereinstimmung die Siegerin ermittelt wurde. Das fehlende Gender-Sternchen ist kein Versehen: In diesem Jahr waren die Mädels deutlich stärker als die Jungs, und somit konnte Louisa den Sieg mit ihrem Vortrag aus „Adresse Unbekannt“ von Susin Nielsen für sich entscheiden. Herzlichen Glückwunsch!

Doch warum auf höherer Ebene des Vorlesewettbewerbs die Verantwortlichen weiterhin darauf bestanden, dass keine Präsens-Veranstaltung stattfinden durfte, blieb mir ein Rätsel. Zumal ich mir sehr sicher bin, dass die ausführende Buchhandlung meines Vertrauens Mittel und Wege gefunden hätte, die eine Corona-konforme Durchführung der Veranstaltung ermöglicht. Die Kids werden sicherlich nur einmal in ihrem Leben an einem Vorlesewettbewerb teilnehmen: Die Erfahrung aus eben jener Live-Lesung wird ihnen leider ebenso fehlen wie die Erinnerung an ein einzigartiges Ereignis. Es ist sehr bedauerlich…!

Darum plädiere ich für den Vorlesewettbewerb 2022/23 wieder für „LIVE“: Ich wäre gerne bereit dazu! 🤩

POETRY on the MARKET…

Eben noch gezittert, dann schon wieder vorbei: So ein Bundesweiter Vorlesetag rauscht an einem vorbei wie nix…! Hatte ich im letzten Jahr noch mit Abwesenheit geglänzt, da ich eine rechtzeitige Planung/ Anmeldung schlicht und ergreifend verpennt hatte, freute ich mich in diesem Jahr umso mehr, wieder dabei zu sein. Eine Idee zu einer Aktion war schnell gefunden: Unter der Überschrift POETRY on the MARKET würde ich auf dem Wochenmarkt mit einer „Lostrommel“ voller Gedichte präsent sein und die Marktbesucher*innen ansprechen, um sie einzuladen, ein Los zu ziehen. Ich würde ihnen das gezogene Gedicht vortragen, das sie hinterher natürlich mit nach Hause nehmen dürfen. Meine Idee war so simple wie genial! Doch ein banges Gefühl blieb: Wie würden die Marktbesucher*innen auf meine Ansprache reagieren???

Die erste Runde, die Ute Gartmann (Buchhändlerin meines Vertrauens) und ich über den Wochenmarkt machten, fiel eher ernüchternd aus: Nur wenige Marktbesucher*innen waren unterwegs, und die, die wir ansprachen, reagierten eher verhalten auf unser Angebot, ihnen nicht nur ein Gedicht zu schenken sondern ihnen dieses auch „Live & in Farbe“ vorzutragen.

Im Gegenteil: Ich erhielt sogar eine Abfuhr! Vor dem Stand eines Blumenhändlers hatte sich ein Trio mittleren Alters versammelt und plauderte miteinander. In meiner mir eigenen, wenig empathischen Art habe ich mich rücksichtslos in dieses Gespräch gedrängt, wagte frech, mich für diese Störung zu entschuldigen, und versuchte ihnen zudem noch brutal ein Gedicht aufzuzwingen. Eine der angesprochenen Damen fühlte sich absolut zu Recht von mir massiv belästigt, und machte mir in der ihr eigenen charmanten Art und in einem freundlich-wertschätzenden Ton deutlich, dass mein Verhalten nicht nur unverschämt sondern auch unpassend wäre. Ich nahm dies zum Anlass, mich dreist abermals zu entschuldigen und ihnen ein beleidigendes „Ich wünsche ihnen einen schönen Tag!“ an den Kopf zu werfen. Jetzt mache ich mir solche Vorwürfe: Hoffentlich habe ich bei dieser Dame kein irreparables Trauma ausgelöst. Wenn ich mich und meine Emotionen weiterhin so wenig im Griff habe, dann wird es schwer für mich, im Diesseits ausreichend positives Karma fürs Jenseits anzusammeln.

Nach einer kurzen Verschnaufpause gestaltete sich die zweite Runde deutlich angenehmer: So wurden wir u.a. von zwei Freundinnen scheinbar schon sehnlichst erwartet, die von der Aktion in der Zeitung gelesen hatten. Die Idee, ein Überraschungsgedicht aus einer „Lostrommel“ zu ziehen, das ihnen dann auch noch vorgetragen wird, fanden die beiden einfach ganz wunderbar. Und so entschieden sie sich, unsere „follower“ zu werden: Während wir langsam über den Wochenmarkt schlenderten, folgten sie uns, um weiteren Gedichten lauschen zu können. Plötzlich schien mein negatives Karma seine Macht verloren zu haben: Egal, wenn wir ansprachen, jede*r reagierte mit Begeisterung auf unsere Idee. Vielmehr lockten wir, während ich ein Gedicht vorlas, weitere Interessierte an, die erstaunt ihren Marktgang unterbrachen, zuhörten, um hinterher äußerst bereitwillig selbst ein Gedicht aus der „Lostrommel“ zu ziehen.

Es wurde gelauscht, gelacht und manchmal sogar gemeinsam rezitiert. Und ebenso schnell wie die Zeit verflog, minimierten sich unsere Lose. Mein Fazit: „Schön war’s!“ und „Wir brauchen beim nächsten Mal mehr Gedichte, definitiv viel mehr Gedichte!“

Den Artikel zum Vorlesetag in Osterholz-Scharmbeck findet ihr hier oder auf facebook.

INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ja, hallo, da ist er ja wieder! Wie schnell doch so’n Jahr vergeht! Und wie erschreckend, dass es immer noch diesen Tag bedarf, um auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen zu müssen.

In diesem Jahr gibt es anlässlich dieses hohen „Feiertages“ (!) keinen eigens von mir verfassten Text. Getreu meinem Motto „Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht!“ habe ich mir einen etwas älteren Text von Standup-Comedian, Autor und Moderator Markus Barth, den er schon im Jahre 2017 auf seiner fb-Seite (O-Ton: „Hier ist die gute Seite des Internets.“) veröffentlichte, gemopst. Da ich den Meister höchstoffiziell um Erlaubnis gefragt habe, ist es auch kein richtiger Diebstahl sondern vielmehr ein Ausborgen: Der besagte Text ist a). immer noch gut und b). immer noch zutreffend (leider)…!


Ich habe gerade fünf Minuten Zeit, da dachte ich, ich könnte mal eben die Homophobie abschaffen. Also, los geht’s, die beliebtesten Sätze, die wichtigsten Antworten:

  • „Homosexualität ist nicht natürlich.“ Da wir ja auch von der Natur geschaffen, und nicht von Einhorn-Aliens auf der Erde abgesetzt wurden, kann man getrost sagen: Doch, 100% natürlich.
  • „Das ist gegen meine Kultur.“ Egal aus welcher Kultur du kommst: Das ist garantiert gelogen. Informier dich mal richtig, nimm dann alle Homosexuellen und ihre Werke aus deiner Kultur raus, und schau, was dann noch übrig bleibt. Das wird ne traurige Veranstaltung!
  • „Das ist gegen meine Religion.“ Dann ist leider deine Religion das Problem, nicht die Homosexualität. Homosexualität ist real, echt, nachweisbar. Gott dagegen… na ja, schwierige Geschichte! Warum also Religionen kritiklos akzeptieren und Homosexualität nicht?
  • „Ich bin halt so erzogen.“ Ich dagegen bin so erzogen, dass man nur freitags Fisch isst, kein Leitungswasser trinkt und das „A-Team“ nicht schaut, weil es eine fürchterlich gewaltverherrlichende Serie ist. Solche Erziehungsregeln kann man irgendwann hinterfragen und verwerfen. Das ist ehrlich gesagt der ganze Spaß am Erwachsenwerden.
  • „Mir geht’s ja nur um den Schutz der Kinder.“ Super, mir auch. Aber Homosexualität hat nichts mit Kindern zu tun. Das ist Pädophilie. Davor sollte man Kinder schützen. Und vor Eltern, die den Unterschied nicht kennen.
  • „Man muss Homosexualität verbieten, damit Familien gegründet werden und die Gesellschaft erhalten bleibt.“ Der Anteil von Schwulen und Lesben in einer Gesellschaft ist immer gleich groß, egal, ob man Homosexualität erlaubt oder verbietet. Niemand wird heterosexuell, nur weil Homosexualität in seinem Land verboten ist – er oder sie flüchtet sich höchstens in eine Scheinehe. Verbote, Verfolgung und Schikane sorgen also nicht für mehr Kinder, sondern nur für mehr unglückliche Menschen.
  • „Das ist eine persönliche Entscheidung.“ Haha, schön wär’s! Kurz gefragt: wenn du dich entscheiden könntest, ob du dich als Teenager genau wie all deine Freunde/Freundinnen zum ersten Mal in ein Mädchen/einen Jungen verliebst, oder ob du jahrelang daneben hockst und dich nicht traust, irgendjemandem zu sagen, wie du dich wirklich fühlst – wofür würdest du dich wohl entscheiden? Eben.
  • „Ich hab ja nichts dagegen, aber muss man das so in die Öffentlichkeit tragen?“ Du hast erst dann nichts dagegen, wenn du’s auch in der Öffentlichkeit aushältst.

So. Alles geklärt? Wunderbar. Wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, brauchen wir dann ja schon nächstes Jahr keinen Internationalen Tag gegen Homophobie mehr. Denn:

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ (Hannibal, Das A-Team)

Markus Barth

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