MONTAGSFRAGE #116: Wie gut kennt Ihr euch eigentlich mit HTML und Java Script aus (oder wie eignet Ihr Euch eure Design-Kenntnisse sonst so an)?

Ein Schrei erschüttert die westliche Hemisphäre: In den Häuserschluchten der Stadt schallt sein mächtiges Echo von Straße zu Straße und bringt das Glas in den Fenstern zum Klirren. Aufgescheucht von diesem Höllenton schlagen die Hunde in der Nachbarschaft Alarm, ganze Vogelscharen flattern panisch davon, und selbst die abgebrühteste Straßenkatze sucht Schutz im Sicherheit versprechenden Gebüsch. Die Rede ist natürlich von meinem MONTAGSFRAGE-Schrei, den mir Antonia in unregelmäßigen Abständen entlockt. Schuld daran sind Fragen wie diese…! Also, bitte, Antonia, was soll ich bloß mit einer solchen Frage anfangen?

Frage: „Wie gut kennt Ihr euch eigentlich mit HTML und Java Script aus?“
Antwort: Gar nicht!
Frage: „Wie eignet Ihr Euch eure Design-Kenntnisse sonst so an?“
Antwort: Learning by doing! – Ich probiere einfach aus!

Im Laufe meines (Berufs-)Lebens habe ich schon den einen oder anderen PC-Kurs belegt mit dem Ergebnis, dass ich das Gelernte aufgrund mangelnder Gelegenheit zur Anwendung schnell wieder vergessen hatte. In dem Moment, wo ich entsprechende Informationen brauchte (z.Bps. beim Erstellen eines eigenen Buch-Blogs), war es ein langsames, zeitintensives Herantasten an die Materie. Ich bin weniger ein Anleitungs-Leser – vor allem da vieles auf Englisch verfasst ist – als vielmehr ein Ausprobierer. Und so habe ich mal hier etwas angeklickt, mal dort etwas eingefügt bis langsam aber stetig mein Buch-Blog „wie durch Zauberei“ vor meinem Auge erschien und seine jetzige Form annahm.

Dabei empfinde ich die eigenmächtigen Änderungen des Blog-Anbieters in Bezug auf die Anwendung als absolut überflüssig, und vollmundige Versprechen wie „…nun noch schneller zur Traumseite!“ entlocken mir eher ein entnervtes Augenrollen. Einzig und allein ich entscheide darüber, welche Anwendungen bei meinem Blog zum Einsatz kommen – schließlich zahle ich dafür – und da ich mit meinem momentanen Status Quo zufrieden bin, stressen mich irgendwelche aufgezwungenen „Verbesserungen“ vom Anbieter mehr, als das sie mir eine Arbeitserleichterung verschaffen. Lieber Anbieter: Sollte ich den Wunsch nach Veränderung verspüren, komme ich gerne auf Dein Angebot (!) zurück. Ansonsten verbuche ich die Auseinandersetzung mit solchen „Verbesserungen“ eher als lästige Zeitverschwendung.

Apropos Zeitverschwendung: Die bereits erwähnten PC-Kurse waren für mich aber durchaus keine vertane Zeit – ganz im Gegenteil – habe sie doch meine Scheu vor dem „mächtigen“ PC gemindert und mir Mut gemacht, mich an ihm auszuprobieren.

…PC-Crack oder PC-Depp? Zu welcher Gattung zählt Ihr Euch???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

MONTAGSFRAGE #115: Literarischer Osterausflug. Welche Bücher eignen sich besonders für eine Flucht aus der Realität?

Ihr Lieben! Ich begrüße Euch herzlich endlich wieder zu einer MONTAGSFRAGE und hoffe, Ihr hattet bisher ein ganz wundervolles Osterfest. Dem Drang, dem Alltag real zu entfliehen, um neue Länder zu erkunden, können wir momentan leider nur sehr eingeschränkt nachgeben. Aber zum Glück gibt es – neben Filmen und TV-Serien – ganz wunderbare Lektüren, die uns in unserer Fantasie auf weit entfernte Kontinente, in fremde Galaxien oder sogar zu magischen Welten entführen könnten. Nun bin ich selbst weder der Typ, der die Genre Fantasy oder Horror bevorzugt noch einen Hang zu weiten Reisen verspürt. „Weiter“ bedeutet für mich nicht zwangsläufig „besser“, und so bleibe ich auch gerne literarisch auf einem vertrauten Terrain.

Nun liegen seit einiger Zeit zwei Krimis sichtbar und somit griffbereit auf meinem Couchtisch und locken mich, eine imaginäre Reise nach Frankreich bzw. England anzutreten.

Im letzten Jahr habe ich etwas vorgegriffen, indem ich den dritten Fall als erstes gelesen habe, um ihn Euch für „Lektüre zum Fest“ vorstellen zu können. Dieser gefiel mir allerdings so außerordentlich gut, dass ich beim Bücherstöbern in der Buchhandlung meines Vertrauens nicht widerstehen konnte. Auch beim ersten Fall Lacroix und die Toten vom Pont Neuf von Alex Lépic alias Alexander Oetker rechne ich mit einem spannenden aber unaufgeregten Kriminalroman, wo die Ermittlungen den pfiffigen Commissaire Lacroix durch die Straßen und Gassen der Seine-Metropolen führen und Cafés und Brasserien einladen, eine kulinarische Pause einzulegen. Ich erhoffe mir, dass die Handlung mich mit Witz und Charme in ein Paris ohne Corona entführt, mich von einem Bummel zu den „Bouquinisten“ am Ufer der Seine träumen und somit eine gehörige Portion Savoir-vivre erahnen lässt….! (Seufz!)

Der Krimi Mord in Sussex von John Bude ist vor kurzem erst (wieder-)erschienen. Dank einiger rühriger Verlage gibt es für Fans wie mir immer wieder einige Krimi-Klassiker aus der s.g. goldenen Ära zu entdecken. In diesem Fall ist die Handlung – wie es der Titel schon verrät – an der Südküste Englands angesiedelt. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich schon durch eines der urigen Seebäder schlendern, genüsslich ein Eis schlecken, während die Musik der Karussells des nahen Jahrmarktes vom Wind über die See getragen wird. Oder ich mache barfuß einen Spaziergang am Strand, wo die warmen Wellen des Meeres meine Füße umspielen, und die Schreie der Möwen an den majestätischen Felsen der Steilküste widerhallen. Wie blöd nur, dass immer ausgerechnet in einem solch idyllischen Setting ein Mord verübt wird und somit im denkbar unpassenden Augenblick eine Leiche auftaucht. So’ne Leiche kann mir aber auch das schönste Urlaubsfeeling verleiten. Sehr rücksichtslos von so’ner Leiche…! (Grummel!)

…und in welchen literarischen Sphären verschlägt es Euch? Verratet mir gerne Eure Reise-Ziele!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

Ich wünsche Euch von Herzen…

Hallo Leute!

Wie schon im letzten [Blog-Ge-„switch“-er] erwähnt, fällt es mir gerade sehr schwer, mich mit Literatur zu beschäftigen. Irgendwie fühle ich mich etwas erschöpft und befinde mich in einem Lese-Tief. Doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass auch diese Zeit vergehen wird, und ich hinterher wieder voller Elan durchstarten werde. Erzwingen lässt sich nichts: Warum es demnach versuchen?

Aus dem Grund werde ich mir eine kleine Auszeit vom Bloggen gönnen: Bis einschließlich Ostern müsst Ihr nun leider so gänzlich ohne meine geistigen Ergüsse auskommen. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber – Tschakka! – Ihr schafft es. 😉

So bleibt mir nur noch eins…

Ich wünsche Euch von Herzen ein wunderbares Osterfest!

Liebe Grüße
Andreas

[Eine Geschichte…] Unbekannt – LEGENDÄRE WORTE

Eines Tages spazierte das Ehepaar Churchill durch Londons vornehmste Wohngegend. Die vorbeischlendernden Passanten grüßten und wechselten ein paar Worte mit dem Premierminister. Ein Straßenfeger hingegen grüßte vornehmlich Mrs. Churchill, die stehenblieb und sich für eine Weile mit ihm sehr vertraulich unterhielt.

Als sie weitergingen fragte Mr. Churchill seine Gattin, was sie so lange mit diesem ihm unbekannten Straßenfeger zu besprechen gehabt hätte. Mrs. Churchill lächelte verschmitzt und sagte „Ach, ich kenne ihn von früher. Er war vor langer Zeit einmal in mich verliebt.“ Mr. Churchill schmunzelte und meinte „Siehst du, hättest du ihn geheiratet, dann wärst du heute die Frau eines Straßenfegers“.

Mrs. Churchill warf ihrem Mann einen verwunderten Blick zu und sagte die legendären Worte: „Aber nicht doch, Darling, wenn ich ihn geheiratet hätte, dann wäre ich heute trotzdem die Frau eines Premierministers!“.

Unbekannt

[Noch ein Gedicht…] Ludwig Thoma – MÄRZ

Ah! Wie die buttergelbe Sonne
Uns wärmend durch die Poren dringt!
Wie neu erwachte Frühlingswonne
Uns das vergrämte Herz beschwingt!

Dem wintermüden Menschentume
Erheitert ihr die Phantasie,
Schneeglöckchen, Veilchen, Schlüsselblume
Und was auf Wiesen sonst gedieh!

Im Mistbeet herrscht ein reges Leben;
Das drängt sich an das helle Licht
Und will uns bald Gemüse geben,
Will Zutat sein zum Leibgericht.

Und wie sich froh den Hühnersteißen
Entringt das liebe Osterei!
So mag sich die Natur befleißen,
Dass sie nebst schön auch schmackhaft sei.

Das Starkbier regelt dann die Stühle,
Wenn Hertling spricht, ist’s ebenso,
Man sitzt im Frühlingslustgefühle
Und wird im Sitzen lebensfroh.

Ludwig Thoma

…zum Welttag der Poesie!

🌈💘💐

[Rezension] Carla Haslbauer – Die Tode meiner Mutter

Meine Mutter ist manchmal lieb und manchmal böse, manchmal leise und manchmal laut. Trotzdem ist meine Mutter einfach „nur“ meine Mutter. Auch wenn sie für ihr Leben gerne stirbt. Denn meine Mutter ist Opernsängerin, und da stirbt man eben sehr oft. Doch meistens ist sie ziemlich normal!

Die Mama unserer kleinen Ich-Erzählerin ist eine ganz außergewöhnliche Frau: Meistens ist sie eine Mutter, wie jede andere auch. Doch wenn sie sich für die Arbeit vorbereitet, dann hören es auch die Nachbarn. Und während andere Mütter vielleicht in einem Büro oder Geschäft arbeiten, geht diese Mutter ins Theater, verkleidet sich und stirbt als Mimi, Violetta oder Desdemona unter vokal-artistischem Einsatz einen höchst dramatischen Bühnentod. Ihre Tochter sitzt dann sehr stolz im Publikum, vergießt vielleicht ein Tränchen oder muss auch mal lautstark Partei ergreifen, wenn ihrer Mutter zu arg mitgespielt wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Autorin und Illustratorin Carla Haslbauer wuchs selbst als Tochter einer Opernsängerin auf und kann somit in dieser Geschichte auf Selbsterlebtem zurückgreifen. Dies spiegelt sich einerseits in der Absurdität wieder, wenn die Mutter in unterschiedlichen Aufmachungen und somit Persönlichkeiten mit ihren Kindern z.Bsp. Einkaufen geht. Andererseits spricht gerade aus dem normalen Umgang der Kinder zu dieser Absurdität eine große Herzlichkeit. „Die Tode meiner Mutter“ entstand als Abschlussarbeit zu ihrem Studium in „Illustration Fiction“ an der Design & Kunst-Hochschule in Luzern und ist somit ihr erstes Bilderbuch. Ihre Illustrationen wirken wie Bleistiftzeichnungen, die sich – ähnlich wie die Vokale bei den Stimm-Übungen der Mutter – leicht über das Papier verteilen und somit perfekt unperfekt voller skurriler Details erscheinen. Während der Alltag in frischen Farben daherkommt, wird die Bühnenwelt in dramatisch-dunklen Nuancen getaucht. Amüsiert habe ich mich auch über das Kuschelhäschen der Tochter, das – einem Running Gag gleich – unserer kleinen Ich-Erzählerin im Alltag zur Seite steht und deren Emotionen widerspiegelt.

Carla Haslbauer ist ein federleichtes Bilderbuch gelungen, das Kindern die Angst vor der hehren Kunst nimmt und ihnen somit die Welt der Oper auf spielerische Art näher bringt. So begreift schon jedes Kind:

In der Oper wird mit einem Messer im Rücken zuallererst gesungen und dann gestorben! 😄

Auf der Homepage des Verlages ist ein kleines Interview mit der Autorin zu finden.


erschienen bei NordSüd/ ISBN: 978-3314105616

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #114: Gibt es ein Buch, das du richtiggehend hasst?

Hass! Es ist so ein großes mächtiges Gefühl, das allumfassend deinen Verstand einengt und dein Handeln manipuliert, das alles menschliche und mitfühlende in dir blockiert und ein logisches Denken schier unmöglich macht! Bisher hat es noch kein Mensch geschafft, dass ich ihn hassen könnte. Selbst die so genannte Ausbilderin während meiner ersten Ausbildung zum Industriekaufmann habe ich nicht gehasst: Ich habe sie durchaus aus tiefsten Herzen verabscheut – doch nicht gehasst!

Auch gegenüber einem Buch habe ich dieses große mächtige Gefühl ebenfalls noch nie empfunden: Ungeliebt? Überschätzt? Überflüssig? Ja! Ja! und nochmals: Ja!

All dies empfinde ich, wenn ich an einen ganz bestimmten Roman denke!

Es geschah im 2. Halbjahr des dritten und somit meines letzten Jahres auf dem Gymnasium: Im Leistungskurs „Deutsch“ dreht sich alles um die Gegenwartsliteratur. Sicherlich aus dem gutgemeinten Grund, unsere Motivation zu steigern, lies die Lehrerin uns die Lektüre selbst auswählen. Selbstverständlich wäre diese Lektüre dann auch relevant für das Abitur.

Eine Kurskameradin schwärmte über alle Maßen von Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. „Das ist sooo toll! Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen!“ palaverte sie vollmundig mit verklärtem Blick. Der literarische Enthusiasmus dieser Mitschülerin überraschte mich doch sehr. So hatte ich doch bisher den Eindruck, dass ihre hauptsächliche Lektüre aus der „BRAVO Girl“ bestand, in der sie ganz verzückt während der Deutsch-Stunde heimlich unter dem Tisch blätterte. Leider ließen sich meine Kurskamerad*innen von ihrem Enthusiasmus anstecken, und so durfte auch ich mich durch Kunderas Werk quälen: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ entpuppte sich für mich zur unerträglichen Schwere des Lesens.

Ich habe diesen Roman nicht verstanden! Ich habe die Intension des Autors nicht verstanden! Ich habe das Handeln der Personen nicht verstanden! Im Gegenteil: Es war mir zuwider! Ich fand den selbstverliebten Egoismus des sexbesessenen Tomas absolut abstoßend. Teresas stilles Leiden und mitleidiges Ausharren brachten mich zur schieren Verzweiflung. Als Kundera dann in der Mitte des Romans – für mich völlig unverständlich und absolut irrelevant – eine seitenlange Abhandlung über „Scheiße“ in die Handlung einfließen lässt, hatte ich mich endgültig von diesem „literarischen Kleinod“ verabschiedet. Was blieb, war ein ängstliches Bangen, dass ich zum Abitur ausgerechnet zu diesem Roman eine Abhandlung verfassen müsste.

Der Tag der Abiturprüfung kam: Wir saßen in der Aula unseres Gymnasiums. Die Aufgabenzettel wurden abgedeckt auf unseren Tischen platziert. Erst auf ein Zeichen der Aufsichtsperson durften wir gleichzeitig diese umdrehen. Ich warf einen Blick auf den Zettel und unterdrückte einen Freudenschrei. Als Thema der Deutsch-Prüfung wurde mir „Die Geschwister Oppermann“ von Lion Feuchtwanger geschenkt. Ich atmete vor Erleichterung auf, während ich mir den vorab vergossenen Angstschweiß von der Stirn wischte. Dann griff ich zum Füller und brachte voller Elan meine Abhandlung zu Papier. Während der gesamten Prüfung jubilierte ich innerlich in den höchsten Tönen und wurde am Ende für meine geistigen Ergüsse mit 13 Punkten belohnt!

„Die unerträgliche Leichtigkeit…“ landete kurz nach dem Abitur im Altpapier. „Die Geschwister Oppermann“ stehen immer noch in meinem Regal!

…und welches literarische Werk bringt Euch in Wut? Oder steht Ihr eher über den Dingen??? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Friedrich Dürrenmatt – Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman

Am Anfang stand das Wort,…

…und Wort für Wort entstand ein Drehbuch: Im Jahre 1958 lieferte Friedrich Dürrenmatt die Vorlage für den Film „Es geschah am hellichten Tag“ in der Regie von Ladislao Vajda und brachte so in der von Heimatfilmen, Dramen und Musikkomödien dominierten Kinos eine neue Nuance. Die Erzählweise des Films wirkt unaufgeregt, ruhig, beinah spröde. Die Spannung resultiert aus dem fiebrigen Warten auf die bevorstehende Tat, da der Regisseur sich einem Kniff bediente, den sein prominenter Kollege Alfred Hitchcock schon zur Perfektion beherrschte: Suspence – das Publikum weiß immer mehr als der Kriminal! Zudem überzeugte der Film mit einer exzellenten Besetzung bis in die kleinsten Rollen.

Nach einem Vortrag des Ich-Erzählers über das Verfassen von Kriminalromane wird er von Dr. H., dem pensionierten Kommandanten der Kantonspolizei Zürich angesprochen, der seine Ausführung kritisch zu widerlegen versucht. Hierzu lädt er den Ich-Erzähler ein, ihn an die Schauplätze eines realen Verbrechens, das sich vor Jahren ereignet hatte, zu begleiten. Während dieser Fahrt berichtet Dr. H. von dem Fall der kleinen Gritli Moser, die, wie schon zwei Mädchen vor ihr in anderen Kantonen, von einem bis dahin Unbekannten mit einem Rasiermesser ermordet wurde. Schnell erhärtete sich der Verdacht gegenüber dem Hausierer, der die Leiche des Kindes gefunden hatte. Nach einem stundenlangen Verhör gestand er, begann danach in der Zelle allerdings Selbstmord. Alle waren erleichtert, dass dieses brutale Verbrechen so schnell aufgeklärt werden konnte. Nur der scheidende Kommissär Matthäi, der sich schon auf dem Sprung Richtung Delegation nach Jordanien befand, zweifelte an der Schuld des Hausierers und stellte ohne Unterstützung der Polizei eigene Nachforschungen an. Hierzu pachtete er an einer stark frequentierten Straße, die die einzelnen Kantone miteinander verbindet, eine Tankstelle und stellte zusätzlich eine junge Frau als Hauswirtschafterin ein. Ihre kleine Tochter präsentierte er – wie ein rotes Tuch dem Stier – dem Mörder als Köder. Nun blieb ihm nichts weiter übrig, als zu warten…!

Wer den Film kennt und liebt wird über den Roman evtl. überrascht sein. Naja, vielleicht auch nicht…! Dürrenmatt wäre nicht er, hätte er sein Drehbuch einfach 1:1 in einen Roman verwandelt. Zudem er sich vom fertigen Film und seiner Besetzung nicht besonders angetan zeigte und sich ein anderes, realitätsnahes Ende gewünscht hätte. So korrigierte er literarisch die Fehler an dieser Geschichte, die seiner Meinung nach bei der filmischen Umsetzung entstanden sind.

Aber was genau hat er denn nun verändert? Eigentlich nicht viel: Er bleibt der Geschichte in ihrer Grundstruktur treu. Er wechselt „nur“ den Blickwinkel, schaltet das künstliche Licht der Filmstudios aus und betrachtet alles unter Tageslicht. Kommissär Matthäi zeigt sich in seiner Charakterisierung weit entfernt vom Gut-Menschen, offenbart sich als zynisch und verbohrt und wirkt so manchmal beinah unangenehm real. Die jahrelange Auseinandersetzung des Jägers mit dem Psychogram des Gejagten nimmt Einfluss auf seine Persönlichkeitsentwicklung, seine Haltung gegenüber nahestehenden Menschen und seine Stellung innerhalb der Gesellschaft. Die Identität des Mörders bleibt dem Kommissär Zeitlebens verborgen. Diese Gnade des Wissens und die damit verbundene Erlösung werden Matthäi nicht zuteil. Es scheint wie Ironie und darum so bösartig, dass Dr. H., der durch Zufall erfährt, wer für die Morde verantwortlich war und somit die Gründe nennen kann, warum die Mordserie abrupt aufhörte, seinem ehemaligen Mitarbeiter dies verschweigt und dafür umso bereitwillig dem namenlosen Ich-Erzähler Auskunft erteilt.

„Das Versprechen“, den Mörder ihrer Tochter zu finden, das Matthäi der Mutter der ermordeten Gritli Moser gibt, schwebt wie ein Damoklesschwert über das weitere Leben des Kommissärs und lässt ihn in seinem weiteren Handeln manisch vorgehen: Da die Identität des Täters ihm vorenthalten wird, hofft er vergebens auf Erlösung. Dürrenmatt arbeitet gerne mit solchen bildhaften Metaphern, um Personen zu beschreiben oder Situationen zu skizzieren. So lässt er das Mädchen immer wieder in einem „roten Röcklein“ in Erscheinung treten und will mit der Wahl dieser Signal-Farbe nicht nur die offensichtlich blutige Kindestötung symbolisieren sondern deutet auch einen vorangegangenen Missbrauch an. Wie eine immer wieder aufgezogene Spieluhr singt das Kind in einer infantilen Monotonie das Lied „Mariechen saß auf einem Stein“. So wirkte sie auf mich als Leser beängstigend entmenschlicht, vielmehr wie eine Sache, ein Gegenstand, der begehrt wird, eine schöne Spieluhr, die bei allzu grobem Gebrauch durchaus zerbricht…!

Mit diesem „Requiem auf den Kriminalroman“ befreite Dürrenmatt die Vorlage aus der „filmischen Fiktion“. Obwohl ich selbst den Wunsch des Publikums nach Gerechtigkeit und der trügerischen Sicherheit, dass das Böse verliert und das Gute triumphiert, nur zu gut nachvollziehen kann (und ich den Film nach wie vor großartig finde). Bevor ich erstmals den Roman gelesen habe, hatte ich mir zuerst nochmals den Film angesehen und gestehe, dass diese Kombination einen besonderen Reiz auf mich ausübte. Mir schien es beinah, als hätte ich durch die Kenntnis beider Kunstformen ein „allmächtiges“ Wissen erlangt, das ich nicht hätte, wäre mir nur eine von beiden bekannt.

Aber seine „literarische Realität“ als Totengesang zu titulieren halte ich doch für stark übertrieben. Ganz im Gegenteil: Dieser gelungene Kriminalroman rüttelt auf, packte und fesselte mich und ermöglichte mir so neue Blickwinkel auf eine mir schon lange bekannte Geschichte.

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Ruth Kirschbaum von „hey welt – ich bin’s“.


erschienen bei Diogenes/ ISBN: 978-3257228120

[Revue] LIEBEvoll / Ohnsorg Theater Hamburg

Revue (Eine gespielte Lesung) mit Texten & Musik div. Autoren / Auswahl und Zusammenstellung von Cornelia (Conny) Stein

Live-Premiere: sobald wie möglich

Ohnsorg Theater in Hamburg


Musikalische Leitung & Arrangements: Stefan Hiller
Inszenierung & Produktionsleitung: Murat Yeginer
plattdeutsche Übersetzungen, Kamera & Schnitt: Christian Richard Bauer

Alles schreit – Ach, was sag’ ich! – alles brüllt in mir nach Kultur, und ich spüre eine große Sehnsucht, endlich wieder „live & in Farbe“ meine Lieblingsbühnen besuchen zu dürfen. Bis dahin stöbere ich auf den jeweiligen Seiten und entdeckte nun beim Ohnsorg Theater ein kleines Schmankerl.

Das Ohnsorg Theater dürfte vielen von Euch aus dem Fernsehen bekannt sein: Mit dem NDR besteht seit 1954 eine intensive Kooperation. Anfangs wurden die Stücke im alten Bunker des damaligen NWDR zwecks Auszeichnung eingespielt. Später wanderten die Kameras direkt ins Theater, und die Stücke wurden vor Publikum aufgezeichnet. Dabei entstand ein sprachliches Kuriosum: Damit auch Fernsehzuschauer jenseits des Weißwurst-Äquators die Stücke verstehen, sprachen die Schauspieler*innen „Missingsch“, eine Mischung aus Hochdeutsch mit platt- bzw. norddeutscher Färbung. Doch die Bühnensprache im Ohnsorg war, ist und bleibt das Plattdeutsch. Wir selbst durften im Laufe der Jahre schon häufiger im Ohnsorg zu Gast sein: Anfangs noch im alten Haus „Große Bleichen“, das in älteren Fernsehaufzeichnungen noch zu sehen ist und in dem Ohnsorg-Stars wie Heidi Kabel, Henry Vahl, Werner Riepel, Karl-Heinz Kreienbaum, Heidi Mahler, Erna Raupach-Petersen oder Edgar Bessen schon auf der Bühne standen. Im Jahre 2011 erfolgte dann der Umzug in das größere und modernere Biberhaus am jetzigen Heidi-Kabel-Platz.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Doch ich sprach zu Anfang von einem Schmankerl: Was könnte das Ohnsorg Theater, das wie alle Bühnen von der Einstellung des Spielbetriebes betroffen ist, da ihrem Publikum schon bieten? Och, nicht viel: …nur eine kleine literarische Revue mit vier Schauspieler*innen und einem Pianisten, fein inszeniert und raffiniert gefilmt.

Dramaturgin Cornelia Stein hat dafür eine sowohl kluge wie auch facettenreiche Textauswahl zum Thema Liebe getroffen. Sie sorgt so für nahtlose Übergänge vom Text zum Song (und retour). In der flüssigen Regie von Murat Yeginer, Oberspielleiter am Haus, agieren Beate Kiupel, Tanja Bahmani, Markus Gillich und Christian Richard Bauer, der sowohl für die gelungene Übersetzung einzelner Texte und Songzeilen ins Plattdeutsche wie auch für den raffinierten Schnitt verantwortlich war.

Alle vier Künstler*innen sind schon langjährig dem Ohnsorg Theater verbunden, stürzen sich voller Spielfreude in die Interpretation der Texte und bieten viel Amüsement mit einer Prise Melancholie. So bekommen die Worte von William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe, Oscar Wilde, Friedrich Schiller, Theodor Storm, Guy de Maupassant oder Heinrich Heine eine ganz neue Dynamik und klingen auf Plattdeutsch überraschend unverbraucht. Auch der Gesang kann sich durchaus hören lassen: Der musikalische Leiter Stefan Hiller hat die bekannten Songs seinem Ensemble passgenau in die Kehlen arrangiert und bietet eine musikalische Bandbreite, bei dem das Zuhören einfach nur Spaß bereitet. Da klimpert die Titelmelodie zu Drei Haselnüsse für Aschenbrödel lieblich aus dem Klavier, Lennon & McCartneys Do you want to know a secret wird zelebriert, So bist Du von Peter Maffey wird vom traditionellen Dat du mien leefsten büst abgelöst, Bee Gees How deep is your love erklingt mehrstimmig, und  Verdammt, ich lieb dich von Matthias Reim fetzt auch auf Plattdeutsch.

Bei dieser abwechslungsreichen Auswahl an Worten – ob nun gesprochen oder gesungen – haben alle Akteur*innen reichlich Spielraum, sich darstellerisch auszutoben und unterschiedliche Facetten von sich zu zeigen. Und auch hier zeigen sich die Stärken eines Ohnsorg-Schauspielers: echt und wahrhaftig, mit Witz und Ironie, mit Herz und Verstand aber ohne unnötiges intellektuelles Chichi.

Ich schaue mir diese wunderbare Revue an, ich singe und lausche, ich lache und weine, ich fühle mich wohlig umfangen. Doch meine Sehnsucht kann nicht gestillt werden. Ganz im Gegenteil: ICH BRAUCHE KULTUR!


…Lust auf Liebe? Dann wünsche ich Euch viel Spaß mit dem Video zu LIEBEvoll! Weitere Informationen zum Ohnsorg Theater findet Ihr auf der Homepage.

[Rezension] Elke Heidenreich – Frauen und Leidenschaften. Ausgewählte Lieblingstexte (Hörbuch)

Frauen und Leidenschaften: Wer könnte darüber besser berichten als Elke Heidenreich. Schlummern doch in ihrer Brust so einige Leidenschaften, die sie – sehr zur Freude ihres Publikums – regelmäßig aus dem besagten Schlummer erweckt und ans Licht der Öffentlichkeit bringt. Ihre wohl größte Leidenschaft ist das Schreiben, und so hat sie zu einigen Veröffentlichungen für/von/mit/über Frauen schon etliche Vor- und Nachworte verfasst.

Anlässlich ihres 75. Geburtstags vor drei Jahren nahm sie diese Texte nochmals zur Hand, entstaubte sie und las sie erstmals ein (eine weitere ihrer Leidenschaften). Denn diese Texte sind viel zu schade, um in Büchern oder Anthologien in Vergessenheit zu geraten, da es sich zudem um Themen handelt, die sie (O.-Ton!) „leidenschaftlich bewegen“. Sie ist eine Frau, die viel liest, viel schreibt, gerne am Meer lustwandelt, sich Rosen schenken lässt und ihr Leben mit einem Mops teilt (…hin und wieder durchaus auch mit einem Mann, aber der bessere Lebensbegleiter bleibt der Hund!).

Und schon sind wir mitten drin im Geschlechter-Clinch. Zu jedem Thema verdeutlicht die Autorin uns äußerst überzeugend, dass Frauen und Männer aufgrund ihrer unterschiedlichen Programmierung rein genetisch nicht zusammen passen können (Diese Tatsache war mir als schwuler Mann durchaus schon seit geraumer Zeit bewusst 😉). Und so kontert sie gegenüber den Dichtern und Denkern, Seebären, Rosenkavalieren und Hundehaltern unter all den Männern auf der Welt höchst unterhaltsam und kurzweilig. In ihren eleganten Ausführungen lässt sie Sprüche, Zitate und Anekdoten einer Vielzahl an Literat*innen einfließen, die ich mir leider nicht ansatzweise merken konnte und mir darum – ungewöhnlich für ein Hörbuch – eine Anlage mit Quellenverweise gewünscht hätte. Hängen geblieben ist mir (wie könnte es auch anders sein) ihr Zitat von Erich Kästners „Marktanalyse“, das – schon im Jahre 1949 veröffentlicht – so herrlich genüsslich die akademische Hochnäsigkeit mancher Männer ad absurdum führt:

Der Kunde zur Gemüsefrau: „Was lesen Sie denn da, meine Liebe? Ein Buch von Ernst Jünger?“
Die Gemüsefrau zum Kunden: „Nein, ein Buch von Gottfried Benn. Jüngers kristallinische Luzidität ist mir etwas zu prätentiös. Benns zerebrale Magie gibt mir mehr.“

Sollte hier nun der Eindruck entstehen, dass die Autorin bei ihren Ausführungen die Männer nicht allzu gut wegkommen lässt, dann kann ich versichern „Ja, es stimmt!“, aber bei jedem Seitenhieb auf das angeblich starke Geschlecht ist ein schelmisches Augenzwinkern ebenso wahrnehmbar.

Mit diesem Hörbuch beweist Elke Heidenreich abermals, dass sie eine brillante Vorleserin ist, die mit Intelligenz, Humor und (Selbst-)Ironie zu begeistern weiß. Zu gerne würde ich sie wieder einmal bei einer Live-Lesung hören und sehen: ein Erlebnis, das bisher eine ungetrübte Freude bei mir hinterließ. Bis es endlich soweit ist, erfreue ich mich weiter an diesem Plädoyer für die starken, talentierten und selbstbewussten Frauen dieser Welt…!

Liebe Frauen!
Somit sende ich Euch nur die besten Wünsche…
…zum Internationalen Frauentag!
🌺🌹🌷


Die ausgewählten Texte stammten ursprünglich aus den folgenden Anthologien: Einige Bücher sind leider nur antiquarisch zu erhalten, andere können noch über den Verlag bezogen werden.

  • Stefan Bollmann – Frauen, die lesen, sind gefährlich; erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3938045060
  • Stefan Bollmann – Frauen, die schreiben, leben gefährlich; erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3938045121
  • Tania Schlie – Frauen am Meer; erschienen bei Thiele/ ISBN: 978-3938045060
  • Dörte Binkert – Frauen und Rosen; erschienen bei Thiele/ ISBN: 978-3851791846
  • Ulla Fölsing – Frauen und ihre Hunde; erschienen bei Thiele/ ISBN: 978-3851793321

erschienen bei Random House Audio/ ISBN: 978-3837142037

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-exemplar!