[Konzert] Kazuyo Nozawa – DIE BREMER STADTMUSIKANTEN / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik & Text von Kazuyo Nozawa / basierend auf dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm

Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Premiere: 1. Juni 2025 / besuchtes Konzert: 1. Juni 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG & MODERATION Hartmut Brüsch 
ERZÄHLER Victor Seraphin Feuchte
SOPRAN (HAHN) Victoria Kunze
MEZZOSOPRAN (KATZE) Boshana Milkov
TENOR (HUND) Andrew Irwin
BASS (ESEL) Ulrich Burdack

Da sind sie wieder, die vier selbsternannten Musikanten, auf ihrem Weg nach Bremen, das sie nachweislich nie erreicht haben. Doch Geschichten wie diese eignen sich hervorragend dazu, Legenden zu erschaffen. Aber Legenden sind ja auch dafür da, um gepflegt zu werden, und so haben sie schon die Phantasie von so machen kreativen Köpfen angestachelt. In diesem Fall gehörte der kreative Kopf der japanischen Komponistin Kazuyo Nozawa, die Gesang und Komposition in Tokio und Wien studierte und für ihre Kompositionen internationale Auszeichnungen erhielt. Zur Seestadt Bremerhaven hat sie eine besondere Bindung: Von 1978 bis 2010 war sie Mitglied des Opernchores des Stadttheaters Bremerhaven. Ihr musikalisches Märchen DIE BREMER STADTMUSIKANTEN kam im Jahre 2014 im Stadttheater Bremerhaven zur Uraufführung, wo es gestern anlässlich des Kindertages (und zu Ehren des 80. Geburtstages der Komponistin) nochmals zur Aufführung kam.

Diese und viele weitere Informationen verriet uns der musikalische Leiter Hartmut Brüsch gleich zu Beginn des Konzertes und lenkte unser Augenmerk auf einige Besonderheiten des Stücks. So hatte Kazuyo Nozawa einige bekannte Melodien mit ihrer Komposition verwoben: Da gab es Anleihen zu Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, aber es erklangen auch Zitate aus bekannten Volks- und Weihnachtsliedern wie „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Selbst die Eurovisions Fanfare kam beim dramatischen Finale zum Einsatz. Dieser Kniff wurde von der Komponistin nicht etwa angewandt, weil ihr selbst nichts Gescheites mehr einfiel, vielmehr liegt ihr die Musikvermittlung an junge Menschen sehr am Herzen, und sie schuf so für ihre jungen Zuhörer*innen musikalische Anknüpfungspunkte.

Auch dem Philharmonischen Orchester ist die Musikvermittlung an Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Es gibt bei den Familienkonzerten immer ein musikalisches Vorprogramm im oberen Foyer des Stadttheaters, bei dem die Kids unter Anleitung der Orchester-Profis Instrumente kennenlernen und ausprobieren können. Und so nehmen die Musiker*innen ein Familienkonzert natürlich ebenso ernst wie ein großes philharmonisches Konzert.

Kazuyo Nozawas schuf wunderbar melodische Kompositionen, die charmant die einzelnen Stationen, die die Musikanten auf ihrer Wanderschaft durchlebten, untermalten und von Hartmut Brüsch und dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven mit Verve dargeboten wurden. Zudem gab es einige amüsante musikalische Anspielungen zu entdecken: Da durfte die Katze ihr Schicksal in Flamenco-Rhythmen à la CARMEN beklagen, oder der Hahn gackerte ganz aufgeregt eine Koloratur, wenn er die Bäuerin, die ihn in den Topf stecken wollte, als „Königin der Macht“ betitelte, was einen deutlichen  Bezug zur „Königin der Nacht“ aus Mozarts DIE ZAUBERFLÖTE darstellte.


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Doch all dieses Wissen trat gänzlich in den Hintergrund als unsere Star-Musikanten in der Verkörperung von Ulrich Burdack (Bass), Andrew Irwin (Tenor), Boshana Milkow (Mezzosopran) und Victoria Kunze (Sopran) die Bühne betraten. Schon allein optisch waren die Unterschiede dieser Vier nicht zu übersehen und deuteten auf die jeweilige Charakterisierung des Tieres hin.

Bei Ulrich Burdacks erstem Erscheinen als Esel fragte ich mich, warum er kein Kostüm trug. Doch dann entdeckte ich den grauen Schwanz unter dem Sakko des schwarzen Anzugs hervorlugen  und verstand, dass hier die graue Eminenz auf der Bühne stand, die voller Weisheit und in sich ruhend die Geschicke seiner kleinen Truppe lenkte. Andrew Irwin als Hund jaulte zum Steinerweichen. Er erschien gänzlich in Straßenköter-Beige gekleidet – bis hin zu den zwei Socken, die ihm als Schlappohren dienten, und so seinen bemitleidenswerten Zustand zusätzlich unterstrichen. Boshana Milkovs Katze hatte sich auch in ihrem hohen Alter ihre Eleganz bewahrt und betrauerte ihr Schicksal mit Noblesse. Wurde das schwarze Fell im Laufe der Jahre auch stumpf, so präsentierte sie wenigstens ihren Brustlatz noch im strahlenden Weiß. Victoria Kunzes Hahn war auch im Alter noch eine schillernde Erscheinung, dem man den in die Jahre gekommenen Gockel allerdings durchaus ansah, da er in seinem bunten Federkleid so manchen geknickten Kiel nicht verbergen konnte.

Galt es für die Sänger*innen in den Solis, dass sie die eigene Stimmlage für die Kids im Publikum besonders hervorhoben, so vereinten sie sich absolut harmonisch in den mehrstimmigen Passagen.

Victor Seraphin Feuchte lieferte souverän den erzählerischen Rahmen zu diesem musikalischen Märchen und sorgte so dafür, dass auch die jüngsten Zuschauer*innen die Zusammenhänge verstanden. Auch die stimmigen Hintergrundprojektionen dürfen nicht unerwähnt bleiben, da hierzu die Schüler*innen der Pestalozzischule in Bremerhaven ganz zauberhafte Bilder kreiert haben.

Die Kinder im Publikum folgten sehr aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne und reagiertem mit ansteckendem Lachen auf die humorvollen Wendungen in der Geschichte. Mit viel Jubel und Klatschen, was auch einer sichtlich gerührten Kazuyo Nozawa galt, wurden alle Künstler*innen von ihren jungen Zuschauer*innen verabschiedet. Doch allzu lange sollte dieser Abschied nicht dauern, denn, wie es sich für echte Stars gehörte, gaben sie nach dem Konzert noch eine Autogrammstunde für und mit ihren Fans.

💛💜❤️ ES WAR BEZAUBERND…! ❤️💜💛


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Oper] Jüri Reinvere – PEER GYNT (UA) / Stadttheater Bremerhaven

Oper von Jüri Reinvere / Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Schauspiel von Henrik Ibsen // Uraufführung der originalen deutschsprachigen Fassung / in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 3. Mai 2025 / besuchte Vorstellung: 25. Mai 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marc Niemann
INSZENIERUNG & BÜHNE Johannes Pölzgutter
KOSTÜME & VIDEO Tassilo Tesche
DRAMATURGIE Markus Tatzig
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Katharina Konopka

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
ASSISTENZ BÜHNE & KOSTÜME Mina Purešić
ORGANISATION & STIMMBILDUNG KINDERCHOR Katharina Diegritz
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham & Tonio Shiga
INSPIZIENZ Regina Wittmar
SOUFFLAGE Mahina Gallinger
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Tyler Wefer 


Mit „Es war eine Herausforderung,…“ habe ich hier schon den einen oder anderen Beitrag begonnen, um dann den Satz mit „…der ich mich gerne gestellt habe!“ zu beenden. In diesem Fall stimmte der erste Teil des Satzes vollumfänglich. Doch beim zweiten Teil des Satzes muss ich leider attestieren „Nein, ich habe es nicht gerne getan!“.

Die Oper PEER GYNT von Jüri Reinvere war für mich – Hm! Wie umschreibe ich es am besten? – verwirrend? …verstörend? …belastend?

Noch nie habe ich eine Opernkomposition gehört, bei der die Töne so schräg und (in meiner Wahrnehmung) willkürlich aneinander gereiht wurden, wie es bei diesem Werk der Fall war. Melodik? Fehlanzeige! So manches Mal fragte ich mich, ob es noch Töne seien oder doch eher nur Krach. Zumal diese massive Disharmonie auch physische Reaktionen bei mir auslösten: Da brach unvermittelt der Schweiß bei mir aus, und ich spürte, wie meine Nackenmuskulatur sich zunehmend verspannte. Als ein Mensch, der öfter unter Migräne zu leiden hat, reagiere ich bedauerlicherweise sensibler auf eine laute Geräuschkulisse und vermeide darum nach Möglichkeit, mich allzu viel Lärm auszusetzen. Einige Zuschauer*innen waren nach der Pause nicht mehr zu ihrem Platz zurückgekehrt. Warum ich trotzdem der Oper bis zum Ende beigewohnt habe, lag an dem Respekt, den ich für die Künstler*innen empfand. Zumal mir einige Sängerinnen und Sänger des Ensembles persönlich bekannt sind, und ich sowohl sie wie auch das restliche Ensemble für deren Leistung sehr bewundere.

Die Oper wurde zwar auf Deutsch vorgetragen, doch aufgrund der ungewöhnlichen Formulierungen, der fragwürdigen Betonungen und einem Gesang, der manchmal an der Grenze zum Schreien kratzte, war die Sprache irgendwann nebensächlich. Zudem manche für mich unlogische Antwort/Reaktion bei den Duetten (Ich nenne es mal so, da mir kein besserer Begriff einfällt.) bei mir für zusätzliche Verwirrung sorgte.

Apropos Verwirrung:

Peer Gynt ist ein Aufschneider. Ein Fantast. Ein Träumer. Seine Geschichten sind größer als das Leben im norwegischen Dorf. Auf einer Hochzeit überschreitet er alle Grenzen: Er reißt Ingrid, die Braut eines anderen, mit sich in den Wald. Sie scheint ihm zu verfallen. Doch Peer stößt sie von sich. Er flieht in die Berge. Im Reich der Trolle begegnen ihm groteske Figuren. Peer soll die Grüne heiraten, die triebhafte, animalische Tochter des Trollkönigs. Doch Peer entkommt – vor allem sich selbst. Solveig, ein Mädchen aus dem Dorf, sucht Peer mit dessen Mutter Åse. Geduldig findet sie Verständnis für Peers wankelmütiges Treiben. Sie könnte seine Wahrheit werden. Doch Peer geht wieder. Ein Luftgeist warnt ihn: «Du fliehst nicht.» Doch Peer flieht weiter. Åse stirbt. Peer bleibt allein und verlässt seine Heimat. In Marokko wird Peer Geschäftsmann, Prophet, Betrüger. Man feiert ihn als norwegischen Messias. In Rom sieht er in einem Schlachthaus Menschen, die sich aufgegeben haben. Die Macht der Zerstörung verführt ihn und legt seine brutalen Charakterzüge frei. Solveig erscheint ihm – wie eine Erinnerung an seinen Ursprung. Zerrissen landet Peer in einer Irrenanstalt in Ägypten. Er zweifelt: Wer bin ich? Was ist Wahrheit? Was ist Lüge? Ihm wird vor Augen geführt: Er ist nur ein Denkmal seiner selbst, eine Projektionsfläche für die Möglichkeiten eines gelebten Lebens. Die Grinsekatze erscheint – spöttisch und allwissend. Sie entlarvt Peers Lügen. Er bleibt allein. Zurück in Norwegen gerät Peer auf einen Friedhof. Bei Nacht wird ein junger Mann begraben. Peer ahnt: Dieses Begräbnis gilt auch ihm. Solveig erscheint. Vergangenheit und Gegenwart berühren sich für einen Moment. Die junge Solveig singt ein Schlaflied des Friedens und der Vergebung. In der späten Vereinigung mit seiner Seelenverwandten findet Peer endlich Frieden. Und seine Geschichten Unendlichkeit.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Ob Regisseur und Ausstatter Johannes Pölzgutter eine stringente Inszenierung gelungen ist, mag ich nicht beurteilen, da sich die Handlung alles andere als schlüssig, geschweige denn stringent aufbaut. Vielmehr sind es aneinandergereihte Tableaus, die Pölzgutter auf der Drehbühne um einen offenen Quader herum schuf. Hier sind ihm einige eindrückliche Szenen gelungen, sei es der Auftritt der Trolle, der Tod von Åse, das Marokko-Bild sowie die Szenen im Schlachthaus, im Irrenhaus und auf dem Friedhof. Auch die Projektionen von Tassilo Tesche, die überlebensgroß das Gesicht des Hauptdarstellers auf die Wand warfen, und so PEER GYNTs innere Zerrissenheit bzw. seine ambivalenten Gefühle widerspiegelten, waren sehr gelungen. Tesche war auch für die kreativen Kostüme zuständig.

GMD Marc Niemann stand am Dirigentenpult und lotste mit sicherer Hand Orchester wie Sänger*innen durch die tobenden Wogen der Partitur. Hier möchte ich die Orchestermusiker*innen loben, die hochkonzentriert der Partitur folgten, mit nur wenigen Tönen ihren Beitrag zu diesem Klang-Konglomerat beitrugen, um danach wieder auf den nächsten Einsatz zu warten. Der Orchestergraben war so überfüllt, dass das Percussion-Instrumentarium auf die Seitenbühne ausweichen musste. Ein großes Lob möchte ich auch dem Opernchor, dem Kinderchor sowie dem Extrachor aussprechen, die unter der Leitung von Edward Mauritius Münch aus ihren Stimmen einen beeindruckenden Klangteppich woben und in jeder Szene mit schauspielerischer Präsenz überzeugten.

Die Solist*innenriege bot Bewundernswertes: Michael Müller-Kasztelan verausgabte sich in der Titelrolle PEER GYNT bis zur Erschöpfung, forderte seinen kräftigen Tenor abseits des Schöngesangs, um dann in den ruhigeren Passagen mit feinem Pianissimo zu überraschen. Alle anderen Solist*innen hatten mehrere Rollen zu bewältigen. Kristín Anna Guðmundsdóttir war als INGRID, GRÜNE oder auch ANITRA mit ihrem durchschlagenden Sopran eine ebenbürtige Partnerin zu Müller-Kasztelans PEER GYNT und scheute sich auch nicht vor Töne an der Grenze des Wohlklangs. Boshana Milkov berührte mit ihrem sensiblen Spiel und hüllte ÅSE und die ALTE SOLVEIG in ihren Rolleninterpretationen in einen Mantel voller Melancholie. Victoria Kunze als SOLVEIG bzw. SOLVEIGS ERSCHEINUNG war mit ihrem zarten Sopran nicht nur ein Lichtblick im Leben des PEER GYNT sondern verkörperte auch einfühlsam die Hoffnung und die Unschuld. Ulrich Burdack überzeugte gleich in vier prägnanten Rollen (DER ALTE VOM BERGE aka Trollkönig, VON EBERKOPF, BEGRIFFELDFELDT und FRIEDHOFSWÄRTER) und führte seinen flexiblen Bass scheinbar mühelos durch die Partitur. Marcin Hutek (PFARRER, MONSIEUR BALLON, SCHLACHTER, HUSSEIN und PROBST) und Andrew Irwin (SCHMIED, HERR TRUMPETERSTRALE, HUHU und GEALTETER SCHMIED) zeigten auch in diesen kleineren Rollen ihre solistischen Qualitäten, indem sie jeweils überzeugend sehr individuelle Rollenporträts kreierten. Countertenor Gerben van der Werf als DER LUFTGEIST und GRINSEKATZE gestaltete seine Auftritte sehr geheimnisvoll und wirkte so beinah auf mich, als wäre er der Teufel, der PEER GYNT im Nacken sitzt.

Am Ende der Vorstellung spendete ich voller Überzeugung reichlich Applaus – nicht für das Werk, dafür umso herzlicher für alle Beteiligten. 💖

P.S.: Liebes Team am Stadttheater Bremerhaven, bitte bietet mir weiterhin Stücke abseits des gängigen Repertoires. Doch beim nächsten Mal hoffe ich, dass ich dann den Satz „Es war eine Herausforderung,…“ voller Überzeugung mit „…der ich mich gerne gestellt habe!“ beenden darf. 🙂


So schnell wie er aufgetaucht ist, so rasch verschwindet PEER GYNT auch wieder vom Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Opernabend.

[Ausstellung] SAMMELMAPPEN / Kunstverein Osterholz e.V.

Vernissage: 15. Mai 2025 / Besuch: 18. Mai 2025
Kunstverein Osterholz e.V. / Kleine Scheune / Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck


Sollte ich etwa doch nicht einer der wenigen sein, der noch eine SAMMELMAPPE mit eigenen Werken aus dem Kunstunterricht der Schule in der Schublade liegen hat? In dieser Mappe tummeln sich sanfte Landschaften neben selbst kreierten Comics, atmosphärische Stillleben sind ebenso zu finden wie neu gestaltete Covers zu meinen damaligen Lieblingsbüchern, schematische Skizzen zur Perspektive schmiegen sich an ausdrucksstarken Porträts, und so manche einsame Muschel wurde von mir per Bleistift auf die Weiten des Papiers geworfen. Ich hatte lange nicht mehr einen Blick in diese Mappe geworfen. Doch als ich es nun tat, explodierten die Erinnerungen in meinem Kopf und zauberten ein Lächeln auf meinen Lippen.

Da dachte ich doch tatsächlich, dass die SAMMELMAPPE eine aussterbende Spezies ist, da an den Schulen aufgrund Lehrermangel lieber so lebenspraktische Themen wie „das Verhalten im Unendlichen für ganzrationale Funktionen“ oder „das Beschreiben des freien Falls und des waagerechten Wurfs mithilfe von t-s- und t-v-Zusammenhängen“ vermittelt werden, anstatt Tuschen, Malen und Aquarellieren.

Doch da sollte ich mich wohl getäuscht haben, wie diese Ausstellung nachdrücklich bewies: Schülerinnen und Schüler der 3. bis 13. Klasse der verschiedensten Schulformen aus dem erweiterten Stadtgebiet von Osterholz-Scharmbeck hatten die Gelegenheit, ihr Können einem breiteren Publikum zu präsentieren, oder wie es etwas sperrig auf dem Plakat zur Ausstellung zu lesen war:

Eine Ausstellung in der Galerie auf Gut Sandbeck, OHZ im Rahmen des Präsentations-Nachmittags des Kooperationsverbundes zur Förderung besonderer Begabung in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein OHZ

„Ja, nee, is klar!“ 😉


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Doch es gab für mich wirklich so viel Erstaunliches zu entdecken: Diese Ausstellung überraschte mich mit ihrer Vielfalt an Themen, Techniken und Formate. Die Formate variierten von der bekannten Größe eines DIN A 4-Blattes bis zu einem beeindruckenden Umfang von 1 x 2 Meter. Da gab es Collagen und Aquarelle, Farb-, Bunt- und Bleistift-Zeichnungen, Kolorationen und Drucke und ganz viel Acryl auf Leinwand. Auch bei der Wahl der Themen schien es (zum Glück) keine Grenzen gegeben zu haben.

Da waren die Kinder und Jugendlichen einerseits ganz in ihrer Phantasiewelt und schworen Spiderman bzw. Peter Parker herauf, andererseits gaben sie genau das wieder, was sie sahen: Wer zum Beispiel bei einem Titel wie „Ein Tag in Holland“ auf idyllische Grachten hoffte, der wurde von Mohnfeldern mit Windrädern überrascht. Auch durfte ein humorvoller Blick in die Zukunft nicht fehlen: Bei „Die Verwandtschaft kommt“ blickten mir drei grüne Männchen direkt in die Augen. Zudem gab es Kunstwerke, die digital entstanden waren, und bei denen sich der Betrachtende via QR-Code die passende Musik aufs Ohr holen konnte. Die drei großformatigen Werke entstanden im Rahmen einer Werkstattarbeit zu „Licht und Raum im Wandel der Tageszeiten“ und beeindruckten mich durch Detailreichtum und die gekonnte Wiedergabe der jeweiligen Lichtstimmungen.

Ich hoffe so sehr, dass die Verantwortlichen der Schulbehörden endlich aufwachen und erkennen, wie wichtig der Kunstunterricht bei der Entwicklung der Kids ist. Er fördert die kognitiven Fähigkeiten, die Kreativität und das räumliche Vorstellungsvermögen. Die Hand-Augen-Koordination wird trainiert und verfeinert. Die Fähigkeit zur Konzentration nimmt zu, und – vor allem – sowohl das Selbstbewusstsein wie auch die Fähigkeit der Kinder, sich selbst kritisch einzuschätzen, wird gestärkt.

Leider war der Ausstellung SAMMELMAPPEN nur eine kurze Verweildauer in der kleinen Scheune auf Gut Sandbeck beschieden. Ich hoffe aber sehr auf eine Wiederholung im kommenden Jahr.


Habe ich euer Interesse geweckt? Dann stöbert doch gerne auf der HOMEPAGE des Kunstvereins Osterholz e.V.

[Ballett] Irina & Marius Manole – SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE / Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Musik von div. Komponisten / nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm

Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 14. Mai 2025/ besuchte Vorstellung: 15. Mai 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


CHOREOGRAFIE & INSZENIERUNG Irina & Marius Manole
ZUSÄTZL. CHOREOGRAFIE Nicole Llauradó Neve

Vor 15 Jahren gründeten Irina und Marius Manole die Ballettschule Dance Art in Bremerhaven. Seit 15 Jahren geben sie nicht nur ihr Wissen und ihre Freude am Tanz an ihre Schüler*innen weiter, vielmehr vermitteln sie – insbesondere an die Kinder und Jugendlichen – Werte, die diese auf dem Weg zum Erwachsenwerden in ihrer Persönlichkeit stärken: Selbstbewusstsein, Toleranz, ein friedliches Miteinander und die Erkenntnis, dass in der Gemeinschaft viel erreicht werden kann.

Anlässlich ihres Jubiläums gönnten die Beiden sich eine fulminante Inszenierung des bekannten Märchen-Klassiker, die an zwei Abenden im Stadttheater Bremerhaven präsentiert wurde. Wobei „gegönnt“ haben sie sich wahrlich nichts: Vielmehr steckten sehr viel Enthusiasmus und sicherlich noch mehr Arbeit in der Realisierung dieses Projekts. 40 unterschiedliche Tänze sollten choreografiert und 240 Tänzer*innen mussten koordiniert werden. Als ich dies erfuhr, brach selbst bei mir der Schweiß aus, und ich fragte mich verwundert, wie Irina und Marius in der überschaubaren Anzahl der handelnden Personen des Märchens diese vielen Menschen unterbringen würden. Sie fanden eine äußerst unterhaltsame Lösung…!

Bereits zu Beginn des Märchens, nachdem die Erzählerin die bekannten Worte „weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“ ausgesprochen hatte, wirbelte Alexandra Thiele als Schneekönigin umringt von vielen kleinen und großen Schneeflocken über das Parkett. Auch Schneewittchens Aufenthalt im Wald bot dem/der Choreograf*in reichlich Gelegenheit, Flora und Fauna tanzen zu lassen. Aparte Waldfeen schwirrten durch das Gehölz, quirlige Kolibris flatterten über die Bühne, graziöse Magnolien „erblühten“. Doch die Natur hatte mit tanzenden Erdbeeren, Schmetterlingen, Lavendel, Marienkäfern und Glühwürmchen noch sehr viel mehr zu bieten. Da hoppelten die Kleinsten als Häschen über das Parkett und wurden dabei von einem knuddeligen Mini-Wolf verfolgt, oder sie drehten sich als Fliegenpilze drollig um die eigene Achse. Dann brach plötzlich ein Rudel Rehe aus dem Unterholz, um für humorige Verwirrung zu sorgen. Es war absolut erstaunlich, wieviel Trubel in so einem Wald herrschen kann. Dagegen geht es während der Rush Hour auf der nahen Columbusstraße eher gemütlich zu.

Doch selbstverständlich wurde auch am Hofe reichlich das Tanzbein geschwungen, sei es von den Debütantinnen beim Walzer oder auch von Schneewittchens loyalen Freundinnen. Drei Choreografien stachen aus der Fülle der Tänze, die eher am klassischen Ballett orientiert waren, heraus und boten so interessante Kontrapunkte. Beim so genannten Charaktertanz mit seinen Anleihen beim Flamenco zeigten die erwachsenen Schülerinnen der Ballettschule nachdrücklich, dass die Freude am Tanz nicht nur den Jüngeren vorbehalten ist. Aus einer Mischung aus Streetdance und Contemporary schuf Tanzlehrerin Nicole Llauradó Neve die effektvollen Choreografien sowohl für die Wölfe wie auch für die Hexen. Hier sorgte die stimmige Musik in Kombination mit dem ausdrucksstarken Tanz dafür, dass sich eine prickelnde Gänsehaut über meinem Körper ausbreitete.

Apropos Musik: Irina und Marius Manole hatten bei ihrer Auswahl ein sehr glückliches Händchen. Sie fanden adäquate Musikstücke, die sowohl für eine stimmige Atmosphäre sorgten sowie den Charakter der jeweiligen Szene besonders hervorhoben. Positiv abgerundet wurden die einzelnen Szenen durch einige wenige Requisiten in Kombination mit passenden Hintergrundprojektionen. Doch auch die vielen phantasievollen und detailreichen Kostüme boten ein Feuerwerk aus Tüll, Lichtern und Farben.


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Schauspielerin und Theaterpädagogin Kathrin Busch fungierte als charmante Erzählerin, überzeugte mit markanter Stimme und ebensolchem Spiel und sorgte für den erklärenden Rahmen bei den vielen Tanznummern. So konnten auch die Jüngsten im Publikum der Handlung ohne Probleme folgen.

Miriam Manole entzückte in der Titelpartie mit tänzerischem Können voller Grazie und Anmut. Dabei zeigte sie in ihrem bedachten Agieren mit den Kleinen und Kleinsten auf der Bühne pädagogisches Einfühlungsvermögen, indem sie mal dort leitend eingriff, mal hier sanft die Richtung wies. Dafür irritierte mich der Auftritt von Mats Tietjen als Prinz. Zugegeben: Die Rolle tauchte erst am Ende des Märchens auf und bot somit nur wenige Möglichkeiten, um zu brillieren. Vielleicht um dieses „Manko“ auszugleichen, grinste er penetrant ins Publikum und wirkte dadurch auf mich recht selbstverliebt. Da hätte ich Schneewittchen einen deutlich kernigeren Prinzen gewünscht. Ein Attribut, das ich Tobias Bruns als Schneewittchens Vater vorbehaltlos zusprechen konnte: Er gab einen äußerst stattlichen König und schaffte es so auch neben der prägnanten Stiefmutter von Mia Barnkow zu bestehen. Mia Barnkow meisterte ihre Solis bravourös und gestaltete ihren Part mit einer Zurückhaltung zwischen „geheimnisvoll“ und „gefährlich“. Ihrem Tanz mit dem „fleischgewordenen“ Spiegel von Gesa Wübben fehlte nicht an Dramatik. Die sieben Zwerge wurden von Thomas Brannemann, Charlotte Eufinger, Vivien Radeck, Mina Dammeyer, Sophie Flindt, Marta Sengewein und Elise Yuuka Shiga verkörpert und erstaunten (und erfreuten) mich mit ihrem wunderbaren Zusammenspiel. Wie kleine Kobolde tobten sie voller Energie über die Bühne, sorgten so für manche Lacher im Publikum und boten somit beste Unterhaltung.

Irina und Marius Manole haben gemeinsam mit ihrem Team das bemerkenswerte Kunststück vollbracht, Menschen unterschiedlichen Alters, die zudem auf verschiedenen Ausbildungslevels sind, in einer Show harmonisch miteinander zu vereinen. Auf dieser bewundernswerten Leistung dürfen alle Beteiligten zu Recht stolz sein. Standing Ovation und ein frenetischer Applaus waren der Lohn für einen wahrlich märchenhaften Abend.


Hier gibt es ganz und gar wundervolle IMPRESSIONEN von den Proben! Zur Homepage der Ballettschule Dance Art geht es in dieser RICHTUNG, oder ihr schaut mal auf INSTAGRAM vorbei.

[Konzert] Pe Werner – VITAMIN PE. DAS PLAUSCHKONZERT / TiF Bremerhaven

Premiere: 3. Oktober 2024 / besuchtes Konzert: 27. April 2025

TiF – Theater im Fischereihafen Bremerhaven


PE-geisternd – PE-eindruckend – PE Werner

Ach, was soll ich hier großartig schreiben: Eigentlich war es wie immer! Lest einfach meinen Beitrag zu BEST OF: VON A NACH PE, und ihr wisst Bescheid.

So, fertig, Schluss und Ende…!

Nein, natürlich ist dieser Beitrag hier noch lange nicht zu Ende. Es wäre absolut respektlos den Künstler*innen gegenüber und würde dem wunderschönen Abend, der uns geschenkt wurde, nicht gerecht werden.

Mit VITAMIN PE hat Pe Werner erstmals Songs zuerst auf CD und Vinyl gebrannt und dann zum Konzert vereint, die sie ursprünglich für andere Künstler*innen komponiert und getextet hatte. Dabei sieht sie sich ganz pragmatisch als Dienstleisterin für die besagten Künstler*innen, wie sie frei von der Leber weg ausplaudert. Da ist für Eitelkeiten kein Platz, schließlich soll sich der Song möglichst so sehr an die jeweilige Persönlichkeit anschmiegen, dass bestenfalls der Eindruck entsteht, er wurde eigenhändig von dieser komponiert.

So legte sie Katja Ebstein schon die ROSEN UNTERM SCHNEE ins talentierte Goldkehlchen und brachte Bernd Stelter die Erkenntnis LIEBE GEHT BEKANNTLICH DURCH DEN MAGEN. Auch Barbara Schöneberger ließ sie philosophieren WAS EIN MANN TUN MUSS, gab Stefan Gwildis den Rat WER LOS LÄSST, HAT DIE HÄNDE FREI, und das Duo Marshall & Alexander beklagte den LEIHERKASTENMANN. Ihrer Freundin Mary Roos kreierte sie nicht nur das kesse UNBEMANNT, sondern sie führte auch die Feder bei deren Biografie AUFRECHT GEH’N. MEIN LIEDERLICHES LEBEN.

Sogar für den Eurovision Song Contest war sie schon kreativ: Für Caroline Fortenbacher schuf sie die wunderbar poetische Ballade HINTERM OZEAN, mit der sie 2008 im ESC-Vorentscheid mit nur einem Prozent (!) hinter dem (so offensichtlich auf ESC gepimpten) Song der No Angels zurücklag. Im Finale des ESCs teilten sich die „Engel“ dann den letzten Platz mit den punktgleichen Schlusslichtern Polen und England.


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Und natürlich brachte sie uns an diesem Abend all diese tollen Lieder zu Gehör. Doch sie wäre nicht die Werner, hätte sie ihre eigenen Songs einfach nur gecovert. Nein, jeden Song hüllte sie in ein individuelles Arrangement und ließ ihn so in anderen Farben erstrahlen. Da feilte sie gekonnt an der Orchestrierung und veränderte das Tempi, bis die Komposition absolut PE-glückend war.

An ihrer Seite saß wieder Peter Grabinger am Klavier, das er so virtuos zu spielen verstand, und auch Ton-Mann Pit Lenz musste abermals das Dunkel seines Mischpults verlassen, um sowohl vokal wie auch „mundharmonikalisch“ im Rampenlicht zu glänzen. Pe Werner griff sogar höchstpersönlich zur Klampfe und zupfte gekonnt die Saiten ihrer Gitarre.

Wie es sich für ein Plauschkonzert gehörte, plauderte sie charmant aus dem Nähkästchen und verriet uns das eine oder andere Anekdötchen. So erfuhren wir, warum sie sich mit dem Wunsch Annett Louisans nach einer Textänderung (eigentlich war es nur eine einzige Zeile) nicht anfreunden konnte, und besagter Song somit nicht von Annett eingesungen wurde. Für Mireille Mathieu hatte sie hingegen gerne Änderungen vorgenommen: Dank dieser Änderungen konnte die Französin Mireille Mathieu den deutschen Text deutlich flüssiger singen. Auch Barbara Schöneberger war nicht von allen ihren musikalischen Ergüssen gleichermaßen entzückt. Doch dies stellte für Pe Werner kein Problem dar: Dann landete die Komposition eben vorerst in der heimischen Schublade, bis sie bei passender Gelegenheit ihr eigenes Kröpflein zum Schwingen brachte.

In diesem Konzert gesellten sich zu den genannten Songs nahtlos ihre eigenen Hits und verbanden sich zu einer harmonischen Einheit. Da streute sie voller Melancholie NE PRISE ZIMT in unseren Coffee-to-go, schickte sehnsuchtsvoll den SEGLER AUS PAPIER auf Reise und sorgte mit KRIBBELN IM BAUCH, dass die Tränen über meine Wangen rannen.

Es war nicht einer dieser Abende mit einem, zwei oder drei Highlights: Oh nein, der komplette Abend war ein einziges grandioses Highlight! Es war wieder so schön! 💖


Es wird weiterhin geplauscht! Pe Werner und ihre Mannen sind mit VITAMIN PE. DAS PLAUSCHKONZERT immer noch fleißig auf Tour.

[Event] THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT / Stadtbibliothek Bremerhaven

THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT mit Auszügen aus LE NOZZE DI FIGARO
Termin des Events: 2. April 2025

Stadtbibliothek im Hanse Carré in Bremerhaven


Ich liebe Kooperationen, bei denen zwei Institutionen eine Partnerschaft eingehen, ihre Kräfte bündeln und gemeinsam an Formate tüfteln, um das jeweilige Klientel des anderen Partners zu erreichen und somit (im besten Fall) einen Synergieeffekte zu erzielen. Was wie ein berechnetes Kalkül erscheint, kann sich allerdings unter stimmigen Voraussetzungen zu einem Gewinn für alle beteiligten Parteien entwickeln, insbesondere für die Klientel – ergo: somit auch für mich!

Die Stadtbibliothek Bremerhaven und das Stadttheater Bremerhaven sind eine solch fruchtbare Kooperation eingegangen und bieten eine tolle Veranstaltungsreihe an: THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT.

Doch was steckt dahinter?

Jeden ersten Mittwoch im Monat um 12:30 Uhr lädt die Stadtbibliothek Mitglieder aus dem Ensemble des Stadttheaters ein, kleine Snacks aus dem aktuellen Programm zu präsentieren. Mal literarisch, mal musikalisch – und immer ganz nah, direkt auf unserer Strandkorbbühne. Und damit zur Mittagszeit auch an das leibliche Wohl gedacht ist, können Sie sich gern an unserem Kaffeeautomaten versorgen und die Brotdose auspacken beim Lauschen (auf warme, geruchsintensive Speisen bitten wir zu verzichten).

(Text der Homepage der Stadtbibliothek Bremerhaven entnommen.)

Diesmal standen Auszüge aus der Oper LE NOZZE DI FIGARO von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Und es schien beinah wie ein gutes Omen, dass ein gerahmtes Porträt des Meisters die Wand hinter der Strandkorbbühne zierte. Was sollte da noch schiefgehen? Nix!


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Torben Selk, der als Dramaturg die aktuelle Inszenierung der Oper am Stadttheater betreute, führte sympathisch durch das Programm und hatte sich mit den Sängerinnen Victoria Kunze (SUSANNA) und Boshana Milkov (CHERUBINO) seine charmanten Interview-Partnerinnen gleich mitgebracht. So erfuhren die Zuschauer*innen u.a. während des Interviews, dass beide Künstlerinnen ihre ersten Berührungspunkte mit Mozarts Opera buffa und somit auch mit der jeweiligen Partie schon während ihres Studiums hatten. Auch wurde das Frauenbild (insbesondere das Bild der SUSANNA) in dieser Oper beleuchtet: Victoria Kunze beschrieb SUSANNA als sehr intelligent, zupackend aber auch pragmatisch, die schon zur Entstehungszeit der Oper ein sehr modernes Bild einer Frau vermittelte. Für Boshana Milkov steckt CHERUBINO mitten in der Pubertät, wird geleitet von seinen Gefühlen und ist eher für den Spaßfaktor in der Oper zuständig. An die erfreulich vielen Jugendlichen unter den anwesenden Gästen schickte Victoria Kunze den Appell, sich zu trauen, eine Opernaufführung zu besuchen, da diese manches Mal gar nicht so elitäre wäre, wie vielleicht befürchtet. Und Boshana Milkov konstatierte so treffend, dass die Irrungen und Wirrungen in Mozarts Oper die einer Daily Soap nicht unähnlich seien.

Nach all dieser „grauen“ Theorie sollte nun der Gesang nicht zu kurz kommen: Boshana Milkov begann den musikalischen Reigen mit CHERUBINOs Arie „Non so più cosa son, cosa faccio“. Beim turbulenten Duett „Aprite, presto, aprite!“ gesellte sich Victoria Kunze dazu, die den Reigen mit SUSANNAs sehnsuchtsvoller Arie „Deh vieni non tardar, o gioia bella“ beendete. Eloquent begleitet wurden die beiden Künstlerinnen am Klavier von Hartmut Brüsch.

Wenige Schritte neben der Strandkorbbühne entdeckte ich ein beeindruckend langes Regal mit Medien zur aktuellen Theatersaison: Da waren CDs und DVDs ebenso zu finden wie Noten und Libretti, zudem Biografien, Romane, musikalische Bilderbücher und vieles, vieles mehr. Und natürlich durften auch die Spielzeithefte vom Stadttheater Bremerhaven, dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven und dem JUB – Junges Theater Bremerhaven ebenso wenig fehlen. Ich war ganz und gar begeistert.

Die Stadtbibliothek Bremerhaven hatte in ihrem Text zur Veranstaltung nicht zu viel versprochen: Nah und direkt – genau so habe auch ich es empfunden. Der THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT ist ein kurzweiliges Format, das jedem ermöglicht, sich der „hehren“ Kunst behutsam anzunähern und Lust macht, sich mit dem Theater in all seinen Facetten – auch literarisch – zu beschäftigen.


Weitere Termine zum THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT findet Ihr sowohl auf der Homepage der Stadtbibliothek Bremerhaven als auch auf der Homepage vom Stadttheater Bremerhaven.

[Schauspiel] Andrew Bovell – ALLENS, WAT ICK SEKER WEET / TiO Osterholz-Scharmbeck

Schauspiel von Andrew Bovell / Deutsch von Maria Harpner und Anatol Preissler / Niederdeutsch von Ulrike Stern und Rolf Petersen

Premiere: 1. März 2025 / besuchte Vorstellung: 16. März 2025

TiO – Theater in OHZ, Osterholz-Scharmbeck


REGIE Ulf Goerges
REGIEASSISTENZ Beate Schöne
BÜHNENKONZEPT Beate Schöne

SOUFFLEUSE Elke Weber
REQUISITE / AUSSTATTUNG Frauke Meyer
MASKE Petra Kießler
KOSTÜME Ute Schmonsees
BÜHNENBAU Jens Koslowsky und Ralf Frerichs
LICHT & TON Rolf Kießler, Michael Garbade und Bernd Meyer


Ich betrat den Zuschauersaal der großen Scheune auf Gut Sandbeck und stutzte. Trotzdem ich vorgewarnt war, stutzte bzw. staunte ich über die Ausrichtung der Bühne. Naja, Bühne konnte man den grünen Kunstrasen mitten im Saal nun wahrlich nicht nennen. Es war eher eine Fläche – ja, es war eine Spielfläche: einige Gartenmöbel, Blumenkübel, eine Gartenbank unter einem Baum, an dem noch eine alte Schaukelt vor sich hin bammelte bzw. gammelte. Die Stuhlreihen für die Zuschauer*innen schlossen rechts und links an dieser Spielfläche an und erhöhten sich treppenartig. Auf den Vorhang, der sich für das Spiel öffnen würde, musste verzichtet werden: Er wäre auch völlig überflüssig, denn wir saßen schon mittendrin…

Zu Beginn und am Ende dieses Schauspiels listet Rosie, die jüngste Tochter der sechsköpfigen Familie Voss, ihre Liste der Dinge auf, die sie sicher weiß, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Und so lernen wir die Familie kennen, die Eltern Thomas und Manuela, die vier Kinder Ben, Marc, Pia und das Nesthäkchen Rosie. Schnell taucht man ein in das komplexe Familiengebilde, das eine sehr große Liebe ebenso zusammenhält wie auseinandertreibt. Jedes Kind sucht seinen eigenen Weg aus dem liebevollen Nest der Eltern, deren Garten lange Zeit die Welt für sie bedeutet hat. Dort fanden die wichtigsten, aber auch ganz banale Familienereignisse statt: gemeinsame Spiele und Grillparties, geheime Rückzüge, Ausgelassenheit, Trauer, die Hochzeit der ältesten Tochter Pia. Doch so groß die Liebe der Eltern ist, so erdrückend kann sie auch sein, so ungleich ist sie verteilt, wenn die Mutter die Söhne ebenso bevorzugt wie der Vater die Töchter, wenn sich Tochter Pia und ihre Mutter Manuela zu ähnlich sind, die jüngere Frau die Chance auf ein neues Glück ergreift, die die Mutter vorbeiziehen ließ, um für ihre Kinder da zu sein. Die Kinder, die die Erwartungen ihrer Eltern, die hart für sie und ihre Ausbildung gearbeitet haben, kennen, aber ihren eigenen Weg suchen müssen. Rosie ist die Jüngste und noch nicht ganz flügge geworden. Nachdem ihr erster Versuch, sich abzunabeln und möglichst weit weg von Zuhause die Welt zu erkunden, an gebrochenem Herzen gescheitert ist, ist sie in den sicheren Familien-Hafen zurückgekehrt. Während sie noch Orientierung sucht, haben ihre Geschwister ihre Wege bereits beschritten, und bringen damit das Gleichgewicht der Familie immer wieder ins Schwanken. Und wie wird es um die Ehe von Manuela und Thomas bestellt sein, wenn auch Rosie endgültig auszieht?

(Inhaltsangabe der Homepage des Theaterverlages entnommen.)


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Der Garten, das eigene Fleckchen Land, familiäres Hoheitsgebiet, Sehnsuchts- und Rückzugsort, voller Erinnerungen – gute wie auch weniger gute, klar begrenzt und doch nach allen Seiten offen. Und wir, wir waren die neugierigen Nachbarn, die von oben in den Garten lusterten, scheinbar versteckt hinter der Gardine. Der Blick auf das Drama von Nebenan lenkt vom Dreck vor der eigenen Haustür ab. Die Handlung offenbarte sich uns sehr fokussiert wie auf dem Präsentierteller oder auch wie auf einem Objektträger unter dem Mikroskop – nichts blieb im Verborgenen.

Im Mikrokosmos Garten zeigte Regisseur Ulf Georges eine ganze Welt: Er ließ sein Figuren lieben und leiden, kämpfen, siegen und sich ergeben, lachen und weinen. Gesellschaftliche Konventionen fanden keine Beachtung: Hier galten die familieninternen Regeln. Brutal direkt und darum umso ehrlicher ließ Georges die verschiedenen Charaktere heftig aufeinander- bzw. voneinander ab-prallen, gönnte ihnen aber auch die kleinen, leisen Momente und gestaltete diese inneren Monologe sehr intim und berührend.

Dabei formte er ein so homogenes Ensemble, das das Echte und Ungekünstelte der Amateure mit der Intensität der Profis vereinte. Und so fällt es mir schwer, eine Person besonders hervorzuheben, da es wahrhaftig eine Ensembleleistung war: mit Iris Richters und Carsten Mehrtens als die Eltern sowie Tina Stelljes (Pia), Timon Finke (Marc), Jendrik Ische (Ben) und Amelie Odia (Rosie) als deren Kinder. Jede*r durfte sowohl humorvolle Situationen kreieren wie auch liebenswerte Schrullen aus der jeweiligen Figur herauskitzeln.

Zudem schienen die Mitglieder des Ensembles so viel Vertrauen zueinander aufgebaut zu haben, dass auch ganz besondere Augenblicke großer Intensität möglich waren. Da standen nicht nur den Schauspieler*innen die Tränen in den Augen, auch mir wurden die Augen feucht. Vergeblich versuchte ich den sprichwörtlichen Kloß im Hals hinunterzuschlucken und musste mehrfach tief Luft holen, um mich von meiner Anspannung zu lösen. So kurzweilig die humorvollen Stücke auch sind, in Erinnerung bleiben mir eher die „unbequemen“ Theaterabende, die auch noch über Tage nachwirken.

Mit dieser grandiosen Inszenierung bewirbt sich das Theater in OHZ um den renommierten Willy Beutz-Preis zur Förderung des Niederdeutschen Schauspiels. Ich drücke ganz fest die Daumen!


EILMELDUNG: Am 5. April 2025 wurde in Oldenburg der Willy Beutz-Preis verliehen, und das TiO – Theater in OHZ erzielte mit dem Schauspiel ALLENS, WAT ICK SEKER WEET den 1. Platz. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Wer Amateur-Theater auf hohem Niveau erleben möchte, sollte sich beeilen: Für das Schauspiel ALLENS, WAT ICK SEKER WEET in der großen Scheune auf Gut Sandbeck gibt es nur noch wenige Termine.

[Oper] Wolfgang Amadeus Mozart – LE NOZZE DI FIGARO / Stadttheater Bremerhaven

Opera buffa von Wolfgang Amadeus Mozart / Libretto von Lorenzo Da Ponte / nach der Komödie La Folle Journée ou le Mariage de Figaro (Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro) von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais / in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 15. März 2025 / besuchte Vorstellungen: 15. & 29. März 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Davide Perniceni
INSZENIERUNG Achim Lenz
BÜHNE & KOSTÜME Bernhard Bruchhardt
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Frauke Richter

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham & Tonio Shiga
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Tyler Wefer


Mozart passt – immer und zu jeder Gelegenheit, ob beim Sport, beim Hausputz oder zur Klausurvorbereitung. Während der Schwangerschaft nimmt Mozart positiven Einfluss auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Wer mit Mozart ins Bett geht, kann die Einschlafprobleme bald vergessen.

Mozart ist ein Alleskönner, ein Tausendsassa, ein Genie: Er entspannt, hilft und heilt,…

…und er unterhält auf hohem Niveau!

In einem unmöblierten Zimmer nimmt Figaro Maß für sein künftiges Ehebett. Er ist glücklich: Vor wenigen Jahren war er noch ein einfacher Barbier in Sevilla. Nun ist er Kammerdiener des Grafen und wird in wenigen Tagen seine geliebte Susanna heiraten, die Kammerzofe der Gräfin. Die Hochzeitsvorbereitungen laufen, doch was seine Zukünftige noch nicht weiß: Der Graf hat mit Hintergedanken dem Paar dieses Zimmer im Schloss spendiert. Als Figaro seiner Braut stolz ihr künftiges Ehezimmer präsentiert, wird Susanna ärgerlich. Ihr ist bekannt, dass der Graf Almaviva seine Gemahlin fortlaufend betrügt und es nun auch auf sie abgesehen hat. Mit diesem Zimmer will er sie nur in seiner Nähe wissen. Figaro ist schockiert, als er dies hört. Es wird ihm einiges klar: Nun weiß er, warum ausgerechnet er beauftragt wurde, als Kurier nach London zu reisen. Doch diese Schmach wird er nicht einfach hinnehmen. Es wird sich noch herausstellen, wer von den beiden der Raffiniertere ist: der feine Herr Graf oder der listige Figaro? Schon lange hat der Graf ein Auge auf Susanna geworfen. Dumm nur, dass er höchst persönlich das „ius primae noctis“, das Recht der ersten Nacht abgeschafft hat, und er nun andere Mittel anbringen muss, um hoffentlich bei der reizenden Susanna landen zu können. Er versucht sie mit einem kleinen Vermögen zu locken, damit sie sich ihm am Abend im Park hingibt. Dumm nur, dass sein eigener Page Cherubino, im Zimmer versteckt, das schmutzige Angebot angehört hat. Cherubino wiederum ist in die Gräfin verliebt, flirtet aber auch heftig mit Susanna und ist auch einem Tête-à-Tête mit Barbarina, der Tochter des Gärtners Antonio, nicht abgeneigt. Als der Graf dies zufällig erfährt, will er den jungen Burschen zur Strafe zur Armee schicken. Doch auch aus einer anderen Richtung droht Gefahr: Die Haushälterin Marcellina will die Hochzeit platzen lassen, da Figaro ihr einst die Ehe versprochen hatte, sollte er seine Schulden bei ihr nicht bezahlen können. Unterstützung erhält sie von Bartolo, dem Leibarzt des Grafen, mit dem sie früher einmal ein kleines amouröses Techtelmechtel hatte. Später stellt sich überraschenderweise heraus, dass die Frucht ihrer gemeinsamen Leidenschaft eben genau jener Figaro ist, den sie zu heiraten gedachte. Da ist die „frischgebackene“ Mutter überglücklich und zerreißt voller Freude den Schuldschein. Die Begeisterung von Bartolo ist dagegen eher überschaubar, da er Figaro nie verzeihen konnte, dass er damals seine Heiratsabsichten mit der Gräfin torpediert hatte. Susanna wird bewusst, dass sie dringend handeln muss. Gemeinsam mit der Gräfin Almaviva, die zunehmend unter der Untreue ihres Gatten leidet, schmiedet Susanna einen Plan, um den Hochmut der Kerle endgültig empfindlich zu stutzen. Bei der Ausübung ihrer Pläne erhalten sie die Unterstützung von Cherubino, den sie als Frau verkleidet haben, damit er der Strafe des Grafen entgeht. Die Gräfin diktiert Susanna einen Brief, den sie dem Grafen zuspielt und somit dem erhofften Schäferstündchen zustimmt. Die beiden Frauen tauschen ihre Garderoben. Dabei erscheint die Gräfin verkleidet mit Susannas Hut und Kleid zum Treff mit ihrem untreuen Gatten, was Figaro zu ganz falschen Schlussfolgerungen treibt und ihm ein paar Ohrfeigen einbringt. Glücklicherweise erkennt er noch rechtzeitig seine geliebte Susanna in der Robe der Gräfin und weiß sich so ihrer Treue sicher. Doch auch der Graf Almaviva leistet seiner Gattin reumütig Abbitte.

Mozarts Musik zu lauschen, ist für mich ein absoluter Hochgenuss! Mozarts Werk auf der Bühne zu erleben, ist für mich die pure Wonne. Selbst (allzu) kreative Regie-Konzepte können dem Meister nichts anhaben. So sehr diese auch ihre Berechtigung haben, ihren Reiz auf mich ausüben, indem sie meinen Blickwinkel verändern und so meinen Horizont erweitern. Doch bei einer naturalistischen Inszenierung schalte ich unwillkürlich in den Wohlfühl-Modus: Mit einem wohligen Seufzer lehne ich mich in meinem Sitz zurück, und mein Herz springt und hüpft vor Freude!


HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DER BESPROCHENEN INSZENIERUNG SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Schon beim Klang der Ouvertüre wurde mir wieder allzu deutlich, dass es in dieser Oper äußerst turbulent zugeht: Es ist nicht zu überhören, dass die handelnden Personen voller Gefühl mit- und umeinander ringen und so reichlich Bewegung in die Geschichte bringen. Trefflich zu einer Opera buffa kitzelte Davide Perniceni genau diese vibrierende Leichtigkeit aus dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven heraus. Schwelgerisch, in großen musikalischen Bögen umrahmte er die Sänger*innen bei den Arien. Zudem gab es bei dieser Inszenierung im/am Orchestergraben Ungewohntes zu bestaunen: Der Orchestergraben wurde angehoben, was für einen schlankeren Klang sorgte (mein subjektiver Eindruck). Zudem begleitete Perniceni die Sänger*innen bei den Rezitativen höchstpersönlich am Cembalo.

Einer klassischen Screwball-Komödie nicht unähnlich zieht Regisseur Achim Lenz in der ersten Hälfte das Tempo an. Da werden so manche Türen geöffnet und wieder geschlossen, nur um zu erleben, dass das, was man dahinter wähnte, nicht (mehr) dort zu sein scheint. Bereits während der Ouvertüre tobten die Darsteller*innen vor dem geschlossenen Vorhang über die Vorderbühne und gaben sich so unverwechselbar, dass dies einer nonverbalen Vorstellung der Personen gleichkam. Lenz drehte bei der Charakterisierung der Figuren an der empfindlichen Schraube zur Übertreibung, lotete diese souverän aus und gab die Figuren nie der Lächerlichkeit preis, indem er sie in albernem Klamauk verfallen ließ. Vielmehr wusste er um die Talente seines Ensembles und nutzte diese charmant: So durfte beispielsweise Victoria Kunze (als studierte Harfenistin) in ihrer Rolle als Susanna zu eben jenem Instrument greifen, um die Canzone, die Cherubino für seine angebetete Gräfin gedichtet hatte, musikalisch zu untermalen. Das genannte Tempo ließ sich natürlich nicht dauerhaft durchhalten – nicht, dass der Regisseur dazu nicht befähigt gewesen wäre. Da hatte schon der Meister Mozart selbst den erzählerischen Ton verändert, um zu verhindern, dass die Figuren zu bloßen Abziehbildern verkamen. Vielmehr waren sie nun getriebene Charaktere, denen zunehmend die Masken vom Gesicht gerissen wurden, und die so in tragikomische Situationen tappten. Genau diese Weiterentwicklung arbeitete Lenz mit seinem talentierten Ensemble fein heraus.

Ausstatter Bernhard Bruchhardt stellte auf die Drehbühne ein Bilderbuch-Italien, in dem die Sonne heller strahlte und die Sterne romantischer funkelten: mit hohen Fassaden, ebenso hohen Fenstern mit passenden Fensterläden, mit üppiger Wandmalerei im Boudoir der Gräfin und einem echten Olivenbaum im herrschaftlichen Garten – stimmungsvoll ausgeleuchtet und mit ebenso stimmungsvollen Hintergrundprojektionen komplementiert. Seine Kostüme zitieren den Historismus und beschreiben klar den Stand bzw. die Position der jeweiligen Person im sozialen Gefüge.


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Mozart hat in dieser Oper dem Chor ein eher überschaubares Pensum zugedacht, doch dies nutzte der Opernchor unter der Leitung von Edward Mauritius Münch wieder mit Bravour. Zudem schlüpften aus seinen Reihen einige Sänger*innen voller Spielfreude in die div. Nebenrollen, seien es Masahiro Yamada als wenig verschwiegener ANTONIO, Katharina Diegritz als seine kecke Tochter BARBARINA oder auch Gustavo Oliva als buckelnder BASILIO bzw. „sprunghafter“ DON CURZIO.

Brigitte Rickmann überzeugte als resolute MARCELLINA und gab sehr unterhaltsam die auf den eigenen Vorteil bedachte Intrigantin. Ihr zur Seite stand Bass Ulrich Burdack als BARTOLO, der erfolglos versuchte, seine Rachsucht („Bah, wat hat er für ’ne fiese Charakter!“ 😄) zu unterdrücken: Bei „La vendetta, oh, la vendetta!“ zügelte Burdack noch seine Gefühle, die er dann später völlig unvermittelt aus sich herausbrechen ließ.

Mezzosopranistin Boshana Milkov gefiel abermals in einer Hosenrolle: Als hormonell aufgeladener Jungspund CHERUBINO, der verzweifelt dem Grafen zu entkommen versucht, erntete sie reichlich Lacher aus dem Publikum. Mit der Arie „Non so più cosa son, cosa faccio“ setzte sie einen von vielen gesanglichen Glanzpunkten in dieser Inszenierung.

LA CONTESSA DI ALMAVIVA ist für mich – inmitten all dieser „buffa“-Figuren – die einzig wahre „seria“-Partie. Von Anfang an umweht die Gräfin ein Hauch von Traurigkeit und Wehmut. Kristín Anna Guðmundsdóttir gestaltete dies u.a. bei „Porgi, amor, qualche ristoro“ äußerst feinfühlig mit ihrem jugendlich klingenden Sopran. Ihre CONTESSA schien kaum älter als SUSANNA. So sah ihre Beziehung zueinander auch weniger nach einem Arbeitsverhältnis zwischen Herrin und Dienerin aus, vielmehr spürte ich als Zuschauer stets die Vertrautheit und Loyalität zwischen diesen beiden starken Frauen.

Victoria Kunze als SUSANNA glänzte wieder mit ihrer Natürlichkeit in der Rollengestaltung. Blitze anfangs in ihrem Spiel noch ein wenig ELIZA DOOLITTLE auf, gewann schnell SUSANNA mit eigener Körpersprache die Oberhand: eine selbstbewusste und zupackende junge Frau, die ihr Leben (und die Liebe) selbstbestimmt in die Hand nimmt. Dafür, dass SUSANNA eine solch wichtige Figur in dieser Oper ist, hat Mozart ihr häufig „nur“ die Aufgabe der Duett-Partnerin (abgesehen von der kurzen Arie „Venite… inginocchiatevi“ im 2. Akt) zugeteilt. Erst kurz vor dem Finale ehrte sie der Meister mit Rezitativ und Arie „Giunse alfin il momento“ und „Deh vieni non tardar, o gioia bella“, beides gefühlvoll von Kunze mit kultiviert geführter Stimme und silbrig schimmernden Sopran gestaltet.

SUSANNAS Love Interest FIGARO präsentierte sich in der wohlgeformten Gestalt von Bariton Florian Götz, der schon mit seinem ersten gesungenem „Cinque…“ verdeutlichte, dass hier ein wahrer Charmebolzen auf der Bühne steht, der nicht nur seine SUSANNA bezirzt sondern auch das Publikum problemlos um den Finger wickelt. Mit potenter Stimme gefällt er bei „Non più andrai, farfallone amoroso“, um gegen Ende der Oper bei Rezitative und Arie „Tutto è disposto“ und „Aprite un po’ quegli occhi“ auch Verzweiflung auszudrücken, bevor er seine geliebte SUSANNA zum Happy End endlich in die Arme schließen darf.

Gefühlt seit Jahren fordere ich „Gebt dem Mann endlich eine große Partie!“. Ob ich nun tatsächlich erhört wurde, mag ich nicht zu beurteilen, ist aber schlussendlich auch ohne Belang. Marcin Hutek wurde mit IL CONTE DI ALMAVIVA eine Partie anvertraut, in der er seine Talente endlich zeigen darf. Gesanglich überzeugte er abermals mit seinem schönen Bariton. Doch es steckte auch viel komödiantisches Potential in diesem Kerl, das er in der Rolle des Grafen – sehr zum Vergnügen des Publikums – voll entfalten durfte: Er protzte und schwadronierte, er gockelte und drohte – alles umsonst. Je mehr er diese Allüren an den Tag legte, umso drastischer glitten ihm die Fäden aus den Händen. Da half ihm auch nicht sein angeberisches Auftreten wie bei „Hai già vinta la causa!“ und „Vedrò, mentr’io sospiro“. So schaffte Hutek das Kunststück, dass mir diese Figur trotz (oder wegen) ihrem Scheitern sympathisch blieb.

Kritikpunkte! Gab es Kritikpunkte? Naja, den zweiten Teil der Vorstellung nach der Pause empfand ich als etwas zu hektisch. Doch diesen Umstand schrieb ich dem holprigen Probenprozess aufgrund Krankheit im Ensemble gepaart mit der Aufregung zur Premiere zu. Doch ist dies wirklich ein Kritikpunkt, oder fällt es nicht vielmehr unter die Rubrik „Leiden auf hohem Niveau“?

In 14 Tagen schaue ich nochmals am Hofe Almavivas im Italien an der Weser vorbei. Ich freue mich drauf!!! ❤


Nachtrag zum 29. März 2025 …oder auch DER DOPPELTE FIGARO: Frühling lässt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land.“ dichtete einst Eduard Mörike so fein. Doch mit Düfte tummeln sich auch die fiesen Pollen durch die Lüfte, und so trat Dramaturg Torben Selk zu Beginn der Vorstellung vor den Vorhang, um das Publikum zu informieren, dass der Sänger des Figaros Florian Götz leider von einer Pollen-Allergie betroffen sei: Die Partie spielen könne er, nur leider nicht singen. Glücklicher- wie auch dankenswerterweise hatte sich Bariton Carl Rumstadt von der Oper Bonn bereiterklärt, die Partie vom Bühnenrand zu singen und so dem indisponierten Kollegen seine Stimme zu leihen. Florian Götz gab abermals einen agilen und kraftstrotzenden Figaro, sang die Partie im kaum hörbaren „pianissimo“ und suchte den Blickkontakt mit seinem Kollegen, um möglichst synchron seine Lippen zu dessen Gesang zu bewegen. Dies gelang den beiden Künstlern so überzeugend, dass sich meine anfängliche Irritation (Darsteller von vorne, Stimme von links) schnell legte, und ich flott in den Genuss-Modus umschalten konnte. Zumal die warme, volltönende Stimme von Carl Rumstadt ganz wunderbar mit der Charakterisierung des Figaros von Florian Götz harmonierte. Es war grandios!

Kritikpunkte! Kritikpunkte? Welche Kritikpunkte? Ach ja, da war ja noch etwas…! 14 Tage nach der Premiere zur 4. Vorstellung haben sich alle „Kritikpunkte“ in Wohlgefallen aufgelöst. Da stimmten die Zwischentöne ebenso wie das neckende Zusammenspiel der Sänger*innen, die Abläufe waren fließender, und von der Hektik der Premiere fehlte jede Spur. Übrig blieb „nur“ ein rundum gelungener Abend!!!


Sopranistin Victoria Kunze gönnt uns musikalische Ausschnitte aus dieser Inszenierung.


Mozarts zauberhafte Oper LE NOZZE DIE FIGARO steht leider nur für wenige Vorstellungen auf dem Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. Also: Nix wie hin!

[Konzert] Kammerkonzert – FREI ABER EINSAM. SELTENE MUSIK DER ROMANTIK / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Kompositionen von Clara Schumann, Robert Schumann und August Klughardt

Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Premiere: 17. Februar 2025 / besuchtes Konzert: 17. Februar 2025

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven/ New York Saal


OBOE Luc Durand
VIOLA Kari Träder
KLAVIER Zuzanna Hutek


Ich trat aus dem geschützten Parkhaus hinaus, und eine klirrende Kälte empfing mich. Meine Schritte lenkten mich an der gläsernen Werft vorbei direkt ans Hafenbecken. Ich blieb für einen Moment am Rand der Hafenmauer stehen, gierig sog ich die frische Luft in mich ein und lauschte den Geräuschen der Hafenwelten: Aus einem nahen Lokal erklang beim Öffnen der Tür das Stimmengewirr der Gäste und das Klappern von Geschirr zu mir herüber. Ein leichter Wind ließ die Wellen sanft an die Kaimauer schlagen, und über mir schrien die Möwen für mich unsichtbar im Dunkel des Abends. Ich schlenderte weiter über die Fußgängerbrücke und näherte mich dem Deutschen Auswandererhaus, dessen düstere Fensterfront vor mir aufragte. Nur die Beleuchtung in der Lobby ließ erahnen, dass hier noch nicht zur Gänze Ruhe eingekehrt war…!

Nach Jahrzehnten, nachdem ich als junger Mensch ein Klassik-Abonnement beim Kulturzentrum Gut Sandbeck bei uns in Osterholz-Scharmbeck hatte, gönnte ich mir wieder ein Kammerkonzert. Während die großen Symphonie-Konzerte mit orchestraler Wucht und ihrem Zusammenspiel einer Vielzahl an Instrumentalisten überzeugen, punkten Kammerkonzerte durch ihren Minimalismus, indem nur wenige Instrumente im Rampenlicht stehen. So wird meine Aufmerksamkeit als Zuhörer auf die jeweiligen Solist*innen fokussieren. Mit Interesse und Bewunderung beobachte ich sie so nur allzu gerne bei der Ausübung ihrer Kunst.

Der New York Saal im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven entpuppte sich als ein funktionaler Mehrzweckraum. Würde auch hier die Musik das Wunder vollbringen können, diese beinah sterile Atmosphäre aufzubrechen – zumal der Untertitel des Konzerts uns SELTENE MUSIK DER ROMANTIK versprach? Als Solist*innen betraten Luc Durand an der Oboe, Kari Träder mit der Viola und Zuzanna Hutek am Klavier die „Bühne“. Werke von Robert Schumann, Clara Schumann und August Klughardt standen auf dem Programm.


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Nachdem Luc Durand das Publikum begrüßt und einige Anmerkungen zum Programm gemacht hatte, startete das Konzert mit DREI ROMANZEN FÜR OBOE UND KLAVIER OP. 94 von Robert Schumann, die im Zusammenspiel von Durand mit Zuzanna Hutek beinah verträumt erschienen. Leicht und sehr verspielt entführten mich die Kompositionen in meiner Phantasie zu einem lauen Frühlingstag voller Unbeschwertheit.

Bei SCHILFLIEDER OP. 28 FÜR OBOE, VIOLA UND KLAVIER von August Klughardt gesellte sich Kari Träder dazu. Der Klang der Viola gab sofort den Ausdruck dieser Kompositionen vor: Mit einem dunkleren und somit volleren Ton als die Violine meinte ich die Melancholie in den Melodien erahnen zu können. Ich erinnerte mich an meine Empfindungen kurz vor Eintreffen im Auswandererhaus: Die Wellen spielten über die Wasseroberfläche, und der Wind rauschte über das Schilf hinweg. Die SCHILFLIEDER entstanden nach dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Nikolaus Lenau, die Luc Durand freundlicherweise als Kopie dem Programmzettel beigefügt hatte. Dies gab mir die Gelegenheit, während der Darbietung der Künstler*innen den Versen zu folgen, die Klughardt zu seiner Musik inspiriert haben. Die schwermütigen Verse um eine unerfüllbare Liebe wurden von den Melodien kongenial untermalt.

Die DREI ROMANZEN von Clara Schumann wurden von Luc Durand eigens für dieses Konzert für Oboe (ursprünglich Violine) und Klavier eingerichtet. Mit einer schwelgerischen Eleganz gingen hierbei die beiden Instrumente eine schwärmerische Verbindung ein, bei der insbesondere Zuzanna Hutek mit einem dynamischen Klavierpart überzeugte.

Den Abschluss bildeten die MÄRCHENERZÄHLUNGEN. VIER STÜCKE FÜR KLARINETTE (OBOE), VIOLA UND KLAVIER OP. 132 von Robert Schumann. Diese Kompositionen kamen anfangs sehr verspielt daher, entwickelnden im zweiten Part ihre Dramatik, wechselten dann zu romantischen Klängen, um dann lebhafter im Happy End zu gipfeln. Beinah schien es mir, als hätte Robert Schumann musikalisch versucht, einen ähnlichen Spannungsaufbau zu kreieren, wie es auch für eine verschriftlichte Märchenerzählung üblich ist.

Wie eingangs bereits erwähnt, genieße ich es sehr, die Künstler*innen unmittelbar zu erleben. Sehr deutlich wurde mir dabei abermals, dass, um ein Instrument virtuos beherrschen zu können, der gesamte Körper involviert und in Bewegung ist – so wie es auch beim Gesang der Fall ist. Auch bewunderte ich das wortlose sich aufeinander abstimmen der drei Solist*innen: Da genügte manches Mal nur ein Blick oder ein dezentes Nicken mit dem Kopf.

Luc Durand, Kari Träder und Zuzanna Hutek haben nachdrücklich den Beweis erbracht, dass Musik die Macht besitzt, selbst einen kargen Raum wie dem New York Saal in allen Farben der Melodik zu tauchen und ihm etwas von seiner Tristesse zu nehmen.


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Literatur & Artverwandtes] BILDERBUCHKINO: KOMPOSTFRANZI von Simona Smatana / Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck

Bilderbuchkino für alle Kinder ab 3 Jahren am 13. Februar 2025 / Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck


Da werde ich alt wie Methusalem, lasse mich nur allzu gerne für die Leseförderung einspannen, hatte aber bisher keinen blassen Schimmer wie ein BILDERBUCHKINO abläuft. Und so habe ich mich kurzerhand am Abend des Kreisentscheids vom VORLESEWETTBEWERB selbst bei Iris Belz für den nächsten Tag in die STADTBIBLIOTHEK eingeladen.

Überpünktlich betrat ich um 15.20 Uhr (Beginn: 15.30 Uhr) die STADTBIBLIOTHEK und war ein wenig erstaunt, sie beinah verweist vorzufinden. Ich hatte mit einer Horde aufgeregter Kinder gerechnet. In der Nische der Vorlese-Ecke war alles vorbereitet: Die Fenster waren abgedunkelt, der Beamer warf sein weißes Licht auf die gegenüberliegende Wand, neben gemütlichen Polstern mit einer Vielzahl an Kissen waren auch etliche Mini-Hocker vor der Leinwand verteilt.

Ich begrüßte Johanna Augustin, die mir von dem Workshop BILDERBÜCHER UNTER DER LUPE noch in bester Erinnerung war. Während wir noch am Plaudern waren, rollte wie eine kleine, quirlige Welle die ankommenden Kids über uns hinweg und nahmen die Vorlese-Ecke im Sturm für sich ein. Mütter und Großmütter platzierten sich dezent am Rand. Wie selbstverständlich zogen die Kids ihre Winterstiefel und -schuhe aus, um die Polster und Teppiche nicht zu beschmutzen (beschämt blickte ich auf meine Schuhe), griffen sich ein Plüschtier und eroberten den jeweils begehrten Platz. Der Vorhang zur Bibliothek wurde geschlossen, das BILDERBUCHKINO konnte beginnen…!

In einem Komposthaufen im Garten, versteckt unter Eierschalen und Gemüseresten lebt Franzi, der Regenwurm. Eigentlich ist Franzi ein fröhlicher kleiner Wurm, doch eine Sache macht ihm ziemlich zu schaffen. All seine Kumpels haben ein besonderes Talent, nur er hat keinen Schimmer, was ihm Spaß machen würde. Grille Giovanni kann ganz toll Flöte spielen und Marienkäfer Marie ist eine begnadete Gärtnerin. Franzi kann nur eines: endlose Tunnel kreuz und quer in die Erde graben. Ein vollkommen nutzloses Talent, denkt er. Oder etwa doch nicht?

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Nach und nach wurden die Illustrationen des Bilderbuches vom Beamer auf die Wand geworfen. Doch Johanna Augustin begnügte sich nicht damit, nur den Text vorzulesen. Vielmehr stellte sie gezielte Fragen und forderte die Kinder so auf, zu berichten, was es zusätzlich auf den Bildern zu entdecken gab: Da wurden Obst- und Gemüsesorten von den Kindern bestimmt und die bunte Schar an Insekten benannte („Das da ist ein Glühbirnchen!“ ❤ ). Abschließend versammelte Frau Augustin die Kinder um sich und zeigte ihnen Karten mit verschiedenen „Abfällen“ (Kartoffelschalen, Rasenschnitt, Glas, Kaffeefilter, Plastik u.v.m.): Gemeinsam bestimmten sie, was von diesen Dingen in den Kompost darf und was nicht. So wurde spielerisch Wissen vermittelt. Während der gesamten Veranstaltung waren die Kids bewundernswert konzentriert und äußerst interessiert bei der Sache.

Nachdem Schuhe und Stiefel wieder an den Füßen waren, verhandelten einige Kinder mit ihren Begleitungen, wie viele Bilderbücher (…oder vielleicht doch eher einen Tonie?) sie sich für zuhause ausleihen dürfen. Ich trippelte in meinen Schuhen auf Zehenspitzen um Teppiche und Polster herum, penibel darauf bedacht, nichts zu beschmutzen.

Mein Dank gilt Frau Augustin, die sehr viel Empathie bei der Formulierung ihrer Fragen an die doch sehr jungen Zuhörer*innen zeigte und so für eine angenehm entspannte Atmosphäre sorgte.


Das Bilderbuch KOMPOSTFRANZI von Simona Smatana ist erschienen bei leykam / ISBN: 978-3701182725 / in der Übersetzung von Michael Stavarič


Hier findet ihr den VERANSTALTUNGSKALENDER der Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck. Schaut gerne mal vorbei…!