[Rezension] Claire Gratias – Hör auf zu lesen!/ mit Illustrationen von Sylvie Serprix

Der kleine Rattenjunge Horatio hat schon eine ganz klare Vorstellung, was er später einmal werden möchte: Leseratte. Doch seine Eltern sind wenig begeistert und können seine Liebe zum Lesen nicht verstehen. Ihnen wäre es lieber, wenn ihr Sohn etwas ganz „normales“ machen würde, wie z. Bps. Fernsehen gucken. Doch Horatio liest, wann immer es geht und wo immer er gerade ist. Dabei vernachlässigt er seine Pflichten, und selbst in der Schule passt er nicht mehr richtig auf. Alle Ermahnungen prallen an ihm ab: So sind seine Eltern mit ihrer Geduld am Ende und greifen zu einer radikalen Maßnahme. Sie verschließen alle Bücher von Horatio in einem großen Koffer. Horatio ist verzweifelt. Ohne seine Bücher erscheint ihm das Leben so viel langweiliger. Doch dann hat er eine ungewöhnliche Idee: Er bewirbt sich als Kandidat bei der beliebten Ratten-Rate-Show zum Fachgebiet „Literatur“…!

Was ist an einem Bilderbuch das wichtigste Element? Naja, die Fragestellung implementiert scheinbar schon die Antwort: die Bilder. In diesem Fall schuf Sylvie Serprix farbenfrohe Bilder, die durch Bleistiftzeichnungen aufgebrochen werden und so die Gedanken der Protagonisten oder eine Nebenhandlung illustrieren. Über alles „verschüttet“ sie Buchstaben oder lässt sie über die Seiten durch Horatios Phantasie tanzen. Aus Buchstaben werden Wörter, aus Wörter werden Sätze, und aus den vielen Sätzen formen sich all die wunderbaren Geschichten, denen Horatio nicht widerstehen kann (und wir schlussendlich ja auch nicht).

Und nun kommt Autorin Claire Gratias ins Spiel, die mit ihrer charmanten Fabel erst den passenden Rahmen für Sylvie Serprix Kunst schafft. Die Welt unserer kleinen Leseratte mutet zwar durchaus phantastisch an, bietet doch ausreichend Anknüpfungspunkte zur Identifikation für die kleinen Leser*innen und punktet mit einer liebenswert-sympathischen Charakterisierung der Figuren. Zudem erscheint mir der Text auch sehr vorlesefreundlich zu sein und bietet mit seinen prallen Charakteren viel Potential für einen spannenden Vortrag.

Die Botschaft ist klar und unmissverständlich: Wenn du für etwas brennst, dann darfst du auch dafür einstehen! Unsere kleine Leseratte muss dies seinen Eltern erst begreiflich machen: Auch wenn Horatios Lösung beinah wie ein Widerspruch wirkt, so holt er doch seine Eltern dort ab, wo ihre Interessen zu liegen scheinen, und weist ihnen damit den Weg zu Toleranz und Akzeptanz.

Vor wenigen Wochen erschien mit „Lies mit mir!“ eine sicherlich ebenso reizende Fortsetzung: Wir dürfen gespannt sein, wie Horatios Geschichte weitergeht.


erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730609026

MONTAGSFRAGE #138: Wie steht ihr zu Buch-Merchandise?

Meine präferierte Herangehensweise an die Beantwortung der MONTAGSFRAGE besteht darin, dass ich mir vorab Antonias Antwort nicht anschaue, sondern meinen Assoziationen freien Lauf lasse. Meistens lag ich damit absolut richtig. Doch hin und wieder entdeckte ich durchaus einen neuen Blickwinkel, aus dem Antonia die Frage nicht betrachtet hatte. Aber gerade diese Vielfallt in den Wahrnehmungen macht diese Rubrik ja so spannend und interessant.

Doch in dieser Woche las ich die Frage und war… – Ja, was eigentlich? – …verstimmt, irritiert, überrascht? Wahrscheinlich war es ein Konglomerat aus div. Gemütszuständen, eine bunte Tüte aus „Von-allem-etwas“. In meinem Kopf formte sich die Frage „Was soll das denn?“. Ganz entgegen meiner Gewohnheit las ich Antonias Antwort noch bevor ich selbst aktiv wurde, in der Hoffnung, dass ich die Frage missverstanden hätte und sich hinter ihr ein mir bisher entgangener Aspekt verbirgt.

Doch leider scheint es sich wirklich „nur“ um eine Fortsetzung/Weiterführung der letzten MONTAGSFRAGE zu handeln. Meine persönliche Meinung zu Buch-Merchandise hatte ich Euch in MONTAGSFRAGE #137: Braucht ein Buch heute mehr als das klassische Buchformat? schon verraten, der ich aus meiner Sicht auch nichts Neues hinzufügen kann.

Und so beende ich meine wohl bisher kürzeste Antwort in der Geschichte der MONTAGSFRAGE mit meinem Fazit aus der schon erwähnten #137:

Ich benötige diese ganzen „Extras“ weder zu meinem Glück noch für mein Seelenheil und schon gar nicht, um Freude an der Literatur zu empfinden.

Dafür „brauche“ ich nur das klassische Buchformat!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Thomas Gsella – Ich zahl’s euch reim. Neue politische Gedichte

Heinrich Heine hat es getan, Kurt Tucholsky hat es getan, Annette von Droste-Hülshoff hat es getan, Frank Wedekind hat es getan, und selbstverständlich hat Erich Kästner es auch getan, wie unzählige Poet*innen vor und nach ihnen…! Die Rede ist vom „politischen Gedicht“. Die Auseinandersetzung mit politischen Themen in Form der Lyrik ist (beinah) so alt wie die Menschheit. Dichter erhoben schon seit jeher gerne ihre Stimmen, um Missstände anzuprangern und die Mächtigen in Politik und Gesellschaft bloß zu stellen. Der besondere Reiz an dieser Form der Lyrik lag/liegt für die Leserschaft auch in der Offenbarung der persönlichen Meinung des Lyrikers, der mit seinen Versen die eigene Parteilichkeit aufdeckt.

Thomas Gsella ist in der Szene wahrlich kein Unbekannter und somit definitiv auch kein „unbeschriebenes Blatt“. Im Gegenteil: Er hat für Zeitschriften wie „Stern“ und „Titanic“ schon so manches Blatt mit seinen heiter-ironischen Versen gefüllt. Die in diesem Band veröffentlichten Gedichte sind in den Jahren zwischen 2016 und 2021 in div. Magazinen erschienen und hier nun erstmals in Buchform versammelt.

Doch was zeichnet ein politisches Gedicht aus? …vor allem sein Zeitbezug mit dem Wissen der Leser*innen um die momentane Situation. Die Pointe eines politischen Gedichts wird erst dann für mich verständlich, wenn ich um die Hintergründe weiß. Ich muss informiert sein, und dieses „informiert sein“ setzt eine eigenständige Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen in Politik und Gesellschaft voraus.

Gsellas Interessen sind da breit gefächert. Ob Laschet/Söder/Scholz, ob Biden/Trump, ob Plagiatsvorwürfe/Fridays for Future/die Alternativen, ob Podcasts/Talkshows/wahlweise mit oder ohne Till Schweiger: Sie alle bekommen bei ihm genüsslich ihr Fett weg. Selbst die Farce um die Übersetzung der Gorman-Gedichte wird von seiner spitzen Feder nicht verschont. Vielmehr ritzt er mit ihr ins Fleisch der Gleichgültigkeit und erzwingt so meine volle Aufmerksamkeit. So manches Mal stockte mir beim Lesen erst der Atem vor so viel Frechheit, bis sich ein Lachen aus meiner Kehle befreien konnte. Der Mann hat Chuzpe – mein Respekt!

Dabei muten seine Verse bei einer oberflächlichen Betrachtung eher harmlos an. Erst ein zweiter oder sogar dritter Blick enthüllt die Respektlosigkeit. Wobei es durchaus nicht schaden kann, bei der Lektüre sein Gehirn einzuschalten. Denn für den Genuss von einer intelligenten Lyrik brauche ich als Leser eben genau das: Intelligenz! Mit einem originellen Versmaß, charmanten Formulierungen bzw. Umschreibungen und einem locker-leichten Vers-Rhythmus konnte er so auch den Vor-Leser in mir sowohl überzeugen wie auch begeistern.

Doch die Anziehungskraft eines guten Lyrikers speist sich nicht nur aus seinem Talent, zielsicher den Finger in die Wunden seiner Opfer zu legen bzw. hemmungslos mit Verse um sich zu schlagen. Vielmehr sollte er einen ausgeprägten Hang zur Selbst-Ironie besitzen. Denn die Kunst besteht darin, sich und sein Profession, zwar ernst aber nicht allzu ernst zu nehmen. Der Gsella beherrscht diese Kunst!

Wahl

Er hat ja nicht, wie man erzählt,
Die Macht sich nur ergriffen.
Nein, Hitler wurde auch gewählt.
So ist auf Wahl gepfiffen.

Gewählt sind Trump und Erdogan
(Ab jetzt wird’s immer doofer:)
Und May und Merkel und Orbán
Und, ächz, der Horst Seehofer!

Doch herrschen soll der beste Mann!
Der tollste Weltenleiter!
Sein Name fängt mit Thomas an
(Und geht mit Gsella weiter…)

Thomas Gsella


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-3956144578

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Konzert] ERÖFFNUNGSGALA 2021/2022 / Stadttheater Bremerhaven

mit der Ouvertüre für Orchester von Grażyna Bacewicz und Arien von Johann Strauß, Charles Gounod, Jacques Offenbach, Albert Lortzing, Édouard Lalo und Eduard Künneke

mit Ausschnitten aus „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ von Tom Stoppard, „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmidt“ von Fin-Ole Heinrich & Dita Zipfl und dem Ballett „Faust“ von Sergei Vanaev

Premiere: 11. September 2021 / besuchte Vorstellung: 11. September 2021

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Marc Niemann, Davide Perniceni, Hartmut Brüsch
Moderation: Lars Tietje, Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Marcus Tatzig, Sergei Vanaev
Szenische Einrichtung: Edison Vigil

Musiktheater: Ulrich Burdack, Patrizia Häusermann, Signe Heiberg,
Marcin Hutek, Andrew Irwin
Ballett: Alicia Navas Otero, Ting-Yu Tsai, Tanaka Lionel Roki, Stefano Neri
Schauspiel: Henning Bäcker, Leon Häder, Dominik Lindhorst-Apfelthaler
JUB: Philipp Haase, Luca Hämmerle, Coco Plümer, Severine Schabon
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


Wie Ihr sicherlich schon bemerkt habt, berichte ich hier unter „Kulturelles Kunterbunt…“ gerne und oft von Aufführungen, die ich am Stadttheater Bremerhaven besucht habe. Nun könntet Ihr mir eine gewisse Einseitigkeit in der Berichterstattung vorwerfen bzw. mir unterstellen, ich wäre parteiisch. Dazu möchte ich folgendes erwidern: JA! STIMMT! 

Ich fühle mich der Stadt Bremerhaven und auch dem Stadttheater schon seit Jahrzehnten verbunden. Vielleicht wurde mir diese Verbundenheit schon in die Wiege gelegt: Mein Vater war in den 70er Jahren in der dortigen Fischerei tätig und fuhr mit den großen Fangschiffen „auf hohe See“. Als kleiner Pöks brachte ich ihn gemeinsam mit meiner Mutter zum Anleger und holte ihn dort – einige Monate später – auch wieder ab. Auch als mein Vater längst abgemustert hatte, drängte es ihn immer wieder zum Hafen. Jahre später entdeckte ich das Stadttheater Bremerhaven für mich und saß dort am 22. September 1991 zur Premiere des Musicals „Evita“ zum ersten Mal im Zuschauerraum. Viele weitere Vorstellungen sollten folgen, auch wenn es durchaus auch eine Zeit gab, in der ich die Programmauswahl wie auch einige Inszenierungen etwas bieder empfand und untreu wurde. Doch auch während dieser Periode richtete ich meinen Blick immer zum Stadttheater, und besonders die Intendanz von Ulrich Mokrusch empfand ich als wohltuenden Frische-Kick. Mir gefiel das Gesamtpaket aus Klassikern des Repertoires und aufregenden Neu- bzw. Wiederentdeckungen, aus interessanten Künstlerpersönlichkeiten, deren Weiterentwicklung ich mit verfolgen durfte, aus der spürbaren Nähe zum Publikum, die sich durch vielfältige Aktionen und in persönlichen Begegnungen widerspiegelt. Darum haben wir uns vor einigen Jahren für ein Abonnement entschieden.

Doch die Mokrusch-Ära ist nun vorbei, und der neue Intendant Lars Tietje stellte sich vor. So saßen wir im Zuschauerraum und warteten gespannt auf den Beginn der Eröffnungsgala, die uns einen kleinen Einblick in die kommende Spielzeit geben und gleichzeitig neue Gesichter im Ensemble vorstellen sollte. Ein Blick ins Spielzeitheft 2020/2021 schürte bei uns schon die Vorfreude und versprach, dass es eine spannende und abwechslungsreiche Saison werden würde.

Das Philharmonische Orchester unter der Leitung von GMD Marc Niemann eröffnete die Gala mit „Ouvertüre für Orchester“ von der polnischen Komponistin Grażyna Bacewicz. Sie wirkte auf mich beinah wie der Soundtrack eines alten Hollywood-Klassikers. So ging beim Klang dieses voluminösen Stücks meine Phantasie auf Reisen: Bei den dramatischen Passagen sah ich Cary Grant in einem Sportwagen über unwegsame Serpentinen rasen, in der Hoffnung seine Verfolger abschütteln zu können. Dieser Auftakt war klug gewählt: In der kommenden Konzert-Saison des Philharmonische Orchesters werden die Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, die leider allzu häufig ein Schattendasein gegenüber ihrer männlichen Kollegen führen, im Mittelpunkt stehen.

Intendant Lars Tietje führte souverän durch das Programm und holte sich zu den einzelnen Programmpunkten mit Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Marcus Tatzig und Sergei Vanaev gerne die Leitung der jeweiligen Sparte auf die Bühne.

Henning Bäcker, Leon Häder und Dominik Lindhorst-Apfelthaler vom Schauspiel-Ensemble überzeugten mit einem Ausschnitt aus der Tragigkomödie „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ von Tom Stoppard. Dieses Stück verspricht mit seinen pointierten Dialogen für eine intelligente Unterhaltung.

Philipp Haase, Luca Hämmerle, Coco Plümer und Severine Schabon vom JUB (Junges Theater Bremerhaven) sorgten in ihren Szenen aus „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmidt“ von Fin-Ole Heinrich & Dita Zipfl für frischen Wind auf der Bühne und amüsierten mit ihrer gerappten Darbietung eines Pfannkuchen-Rezepts.

Andächtige Stille herrschte im Publikum als die Tänzer*innen Alicia Navas Otero, Ting-Yu Tsai, Tanaka Lionel Roki und Stefano Neri die getanzte Version des Faust-Mythos ihres Ballettmeisters Sergei Vanaev virtuos präsentierten. Selbst in den Pausen zwischen den einzelnen Bildern wagte niemand, diese Atmosphäre durch Applaus zu zerstören. Dafür brandete am Ende der Darbietung der Beifall umso enthusiastischer auf.

Bei den musikalischen Programmpunkten gab Marc Niemann den Taktstock einem Staffelstab gleich an seine Kollegen Davide Perniceni und Hartmut Brüsch weiter, die das Orchester und die Solisten ebenso überzeugend durch die Arien leiteten. Das Musiktheater-Ensemble wartete mit einigen vielversprechenden Neu-Zugängen auf: Signe Heiberg sang mit natürlichem Sopran und sympathischer Ausstrahlung die Arie „Grüß dich Gott“ aus der Johann Strauß Operette „Wiener Blut“. Andrew Irwins lyrischer Tenor schmiegte sich durch die Partitur „Vainement ma bien aimée“ von Édouard Lalos „Le Roi d’Ys“. Der variable Bass von Ulrich Burdack gefiel in der Arie „Fünftausend Taler“ aus der Oper „Der Wildschütz“ von Albert Lortzing. 5.000 – diese Zahl scheint bei ihm Programm zu sein: So hat er doch Anfang August bei der beliebten TV-Rate-Show „Gefragt-gejagt“ genau diesen Betrag (natürlich in Euro) erspielt, indem er im Alleingang gegen den Jäger das Finale gewann.

Aber auch die/der „alte“ Häsin/Hase aus dem Musiktheater konnten überzeugen: Bariton Marcin Hutek gehört schon seit der vergangenen Spielzeit zum Ensemble, konnte allerdings Pandemie-bedingt leider nur wenig von seinem Talent zeigen. Hier gab er nun mit der Arie „Avant de quitter ces lieux“ aus Charles Gounods Oper „Faust“ den gelungenen Einstieg zum gleichnamigen Ballett. Höhepunkt der jährlichen Eröffnungsgala ist immer die Verleihung des Herzlieb-Kohut-Preises, mit dem besondere künstlerische Leistungen am Stadttheater Bremerhaven gewürdigt werden. In diesem Jahr nahm eine sichtlich gerührte Patrizia Häusermann diesen Preis in Empfang. Die Mezzosopranistin Patrizia Häusermann gehört schon seit einigen Spielzeiten zum Ensemble und konnte mich immer mit ihrer Musikalität, ihrem Talent und ihrer Wandlungsfähigkeit überzeugen. Dass die Verleihung dieses Preises völlig zu Recht erfolgte, bewies sie mit der gefühlvoll interpretierten Arie „Vois sous…“ aus der Jacques Offenbach-Oper „Hoffmanns Erzählungen“. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen beendete sie die Gala mit dem schmissigen „Batavia-Fox“ aus der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke, zu dessen Gelingen Edison Vigil mit einer humorvollen szenischen Einrichtung beitrug.

Das Stadttheater Bremerhaven kredenzte uns wieder ein schmackhaftes Buffet mit vielen kleinen, feinen Leckereien: So verlies ich kulturell reichlich gesättigt und mit einem wohligen Hochgefühl das Theater!


Mit dieser Eröffnungsgala wurde die SAISON 2021/2022 am Stadttheater Bremerhaven feierlich eingeläutet.

MONTAGSFRAGE #137: Braucht ein Buch heute mehr als das klassische Buchformat?

Ich gebe es unumwunden zu: Ich las die Frage und war versucht, sie etwas umzuformulieren, den Fokus klarer einzugrenzen. Doch ich tat es nicht, obwohl irgendetwas mich an ihr störte. Ich konnte es anfangs nicht greifen. Ich grübelte und grübelte, und dann wurde mir bewusst, was es war. Ich störte mich an dem Begriff „braucht“.

Das Objekt Buch „braucht“ erstmal gar nichts. Einem Buch ist es völlig schnuppe, ob es von einem, vielen oder keinem Menschen gelesen wird. Ein Buch ist ein Buch und bleibt ein Buch. Die Leser brauchen Bücher, aber das Buch braucht die Leser nicht. Dabei möchte ich „brauchen“ gerne als Synonym gleichsetzen mit „es dringend benötigen“ und „zum Leben existenziell“. Und ebenso wenig „braucht“ das Buch clevere Vermarktungsstrategien, nette Gimmicks oder virtuelle Welten. Und ich bezweifle, dass der Konsument es ebenfalls „braucht“, wenn wir bei der schon eben erwähnten Definition bleiben.

Natürlich ist mir bewusst, dass unsere geschätzte Hüterin der MONTAGSFRAGE das Wort „braucht“ eher im Sinne von „Ist es sinnvoll…?“ verstanden wissen will. Ja, und ist es denn nun sinnvoll, dass eine ganze Industrie damit beschäftigt ist, die Fangemeinde mit Leckerlies (Merchandising, Internetcharaktere, Videospiele etc.) zu ködern bzw. bei der Stange zu halten. Ich vermute, dass dies auch abhängig vom jeweiligen Buch-Genre ist. So erinnere ich mich noch an die Anfänge der Harry Potter-Manie, wo plötzlich die Konterfeis der Held*innen auf Rucksäcken, Schultüten, Kugelschreiber und Zahnputzbechern prangten. Es gab Harry Potter-Figuren von Lego, Playmobil und Mattel, originalgetreue Nachbildungen der Zauberstäbe und den sprechenden Hut als Christbaumkugel.

Aber: „Braucht“ es das alles wirklich? Hätten die Bücher es nicht auch ohne diesen ganzen Mumpitz geschafft, ihre Leser*innen zu erreichen? Oder ist unsere Welt in der Zwischenzeit schon so übersättigt, dass ein Buch, das sein Erscheinen ohne ein sensationelles Feuerwerk mit Fanfaren ankündigt, nicht mehr von Interesse ist? Sind wir schon so abgestumpft, dass nur das große Spektakel unsere Konzentration auf ein literarisches Werk lenken kann? Benötigen wir das spektakuläre Event, damit das Zentrum unserer Aufmerksamkeit weiterhin beim Buch liegt? Messen wir die Qualität eines Buches an dem Umfang des „Drumherums“? Ich hoffe nicht!!!

Doch ich gestehe auch gerne ein: Für eine allumfassende Antwort zu dieser Frage bin ich vielleicht nicht der richtige Ansprechpartner, da ich mich gerne und sehr bewusst den div. Zielgruppen verschließe. Denn mir persönlich ist es völlig schnuppe, ob neben dem eigentlichen Buch (sozusagen der Ursprungs-Quelle) noch ein ganzes Universum geschaffen wird. Ich benötige diese ganzen „Extras“ weder zu meinem Glück noch für mein Seelenheil und schon gar nicht, um Freude an der Literatur zu empfinden.

Dafür „brauche“ ich nur das klassische Buchformat!

…muss es heutzutage unbedingt „ein bisschen Mehr“ sein oder genügt auch nur das klassische Buch???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Gastbeitrag] SELFPUBLISHING. ICH MACH DAS DANN MAL SELBST! von Lars Schmitz-Eggen

Kennt Ihr das auch: Es gibt Menschen, die scheinen schon seit ewigen Zeiten ein Teil Eures Lebens zu sein. So geht es mir mit Lars. Seine Frau Britta und ich sind gefühlt seit der Steinzeit miteinander befreundet, und so blieben auch unseren Männern nichts anderes übrig, als sich anzufreunden. Allerdings haben sie sich nicht nur angefreundet, sondern auch ineinander einen Leidensgenossen gefunden und sich miteinander solidarisch erklärt. Beispiel gefällig? Aber gerne: In den Jahren als Britta und ich exzessiv im Krippenspiel unsere Kirchengemeinde involviert waren, wollte die Beiden doch tatsächlich eine Selbsthilfegruppe für „Krippenspiel-geschädigte Ehepartner“ gründen. Und obwohl Britta und mir diese Solidarität suspekt erschien, und wir alles versuchten, dieses Aufbegehren im Keim zu ersticken, war die Verbundenheit der „unterdrückten Gatten“ stärker. Ihr werdet es sicher schon bemerkt haben: Wir 4 pflegen einen sehr besonderen Humor! 😂

Und selbstverständlich haben wir auch den Entstehungsprozess seines ersten Sachbuches mit Interesse verfolgt. Ich fand seine Entscheidung, ein Buch in Eigenregie zu veröffentlichen und ohne den Background eines Verlages in Anspruch nehmen zu können, sehr mutig. Er verfolgte sein Ziel mit einer bewundernswerten Konsequenz, da er an das Thema glaubte. Neugierig habe ich mich damals immer wieder nach dem Stand der Dinge erkundigt und erfuhr so Details aus dem Verlagswesen, die mir bis dato völlig unbekannt waren. Wir freuten uns so sehr mit ihm, als sein Werk endlich erschien. Für mein Exemplar bat ich um eine Widmung, die er mir natürlich gegeben hat.

Anscheinend scheint „schreiben“ ein ähnlich hohes Suchtpotenzial zu haben wie „lesen“: Lars hat es selbstredend nicht nur bei der Veröffentlichung dieses einen Sachbuchs belassen…! 😉


Wer viel liest, ertappt sich vermutlich früher oder später bei dem Gedanken, selbst einmal ein Buch schreiben zu wollen. Bei mir war das jedenfalls vor über 20 Jahren so. Nun verdiene ich allerdings als Journalist mit dem Schreiben meinen Lebensunterhalt. Insofern klingt der Gedanke an ein eigenes Buch vielleicht nicht ganz so ambitioniert. Konkret wurde der Gedanke bei mir 1997, als ich mich an den Untergang des Hapag-Lloyd-Frachters „München“ erinnerte. Das Schiff sank 1978 während eines Sturms im Nordatlantik unter rätselhaften Umständen. Mancher erinnert sich vielleicht an das Unglück, zu dessen Zeitpunkt ich gerade mal 13 Jahre alt war. 1997 wollte ich jedenfalls die Geschichte noch mal im Detail nachlesen, fand aber kein Sachbuch zu diesem Thema. Dann halt nicht, lese ich was anderes, könnte man meinen. Aus irgendeinem Grund ging ich aber stattdessen in eine Uni-Bibliothek, fand dort einen längeren Aufsatz zum Schicksal der „München“ – und war infiziert. Der Aufsatz enthielt so viele Ansatzpunkte für tiefergehende Recherchen, dass ich an dem Thema dranblieb. Motto: „Wenn’s zu dem Thema kein Buch gibt, dann schreib ich es halt selbst!“

Die folgenden drei Jahre investierte ich einen Großteil meiner Freizeit in Recherchen rund um die „München“. Wochenlang ging ich zum Beispiel im Bremer Staatsarchiv ein und aus. Hier lagen (liegen?) alle Akten zu dem Fall, allerdings für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Dank meines Presseausweises gewährte man mir unter strengen Auflagen Einsicht in die hunderten von Seiten. Kopieren verboten! Mühsam wertete ich Seite für Seite systematisch aus. Neue Details zum „München“-Fall waren für mich wie Schätze, die in mir Endorphine freisetzten und zum Weitermachen anspornten. Ich steckte meine volle Konzentration in den Inhalt dieses Buchs. Wie aus dem Text und einigen wenigen Fotos später einmal ein „richtiges“ Buch würde, daran dachte ich in den drei Jahren kaum. So sprach ich die ersten Verlage auch erst an, als ich der Meinung war, mein Buch sei jetzt (inhaltlich) fertig. Es folgten diverse frustrierende Begegnungen mit Menschen aus der Verlagswelt. Selbst ein klitzekleines Endorphin wäre zwischendurch mal schön gewesen, gab’s aber nicht. Manche fanden das Schicksal der „München“ als Buchthema nicht spannend genug – sprich: sie sahen zu geringe Aussichten auf ausreichende Verkaufszahlen. Andere zeigten sich scheinbar begeistert, erwähnten im Nachsatz aber, dass ich bzw. ein von mir zu findender Sponsor die Druckkosten in fünfstelliger Höhe übernehmen müsste. Einer der namhaftesten Verlage für Schifffahrtsliteratur antwortete mir nicht, sondern griff das Thema selbst auf. Als Schnellschuss brachte er ein reich bebildertes Werk zu „meinem“ Thema heraus. Damit war ich aus dem Rennen. Das Thema war im Handel von einem renommierten Verlag besetzt worden. Alle anderen hatten daraufhin kein Interesse mehr an meiner Buch-Idee. „Sie sind zu spät!“, hieß es sinngemäß. Drei Jahre Arbeit umsonst…?

Der Zufall wollte es, dass damals die Idee der Selbst- bzw. Eigenverlage – neudeutsch Selfpublishing genannt – an Fahrt aufnahm. Auslöser waren günstige neue Druckverfahren, die „Publishing on Demand“ ermöglichten: Ein Buch wird erst gedruckt, wenn es von einem Kunden bestellt worden ist. Dadurch fallen keine Lagerkosten an, und es besteht kein Risiko, sich mit seiner geschätzten Druckauflage zu verkalkulieren. Nachteil: Der Titel steht nicht im Regal eines Buchhändlers, sondern „nur“ im Internet auf den Webseiten der (heute) zahllosen Online-Bookstores. Einer der ersten Anbieter dieses Druckverfahrens in Deutschland war BoD aus der Nähe von Hamburg, heute vielleicht der größte Dienstleister auf diesem Gebiet. Mein „München“-Buch gehörte zu den ersten Titeln, die dank BoD in den Handel kamen. Ich bat eine Kollegin, die sich mit InDesign auskannte, meinen Text und einige Schwarz-Weiß-Fotos so zu layouten, dass es ein Buch ergab. Ich denke, diese äußerliche Beschreibung des Paperbacks würde auch unter den professionellen Augen von Ute Gartmann (Buchhandlung „die schatulle“) bestehen können. Von opulent war es jedenfalls weit entfernt. Und weil vergleichbare Sachbücher im Handel nicht zu finden waren, an denen ich mich hätte orientieren können, legte ich als Verkaufspreis willkürlich 15 Euro fest. Das war gerade so viel, dass mir von jedem verkauften Exemplar knapp zwei Euro als Honorar blieben. Damit war ich unbemerkt in die Rolle eines typischen Selfpublishers gerutscht: recherchieren, schreiben, herstellen, vermarkten, vertreiben und abrechnen. Man muss sich um alles selbst kümmern. So verfasste ich einen kurzen Pressetext, in dem ich mein Buch vorstellte, und schickte ihn mit einer Abbildung des Covers an die maritime Fachpresse und diverse norddeutsche Zeitungen. Dann hieß es warten und geduldig sein. Beißt jemand an? Ja! Einige Redaktionen griffen meine Pressemitteilung auf, und die ersten Bestellungen trudelten ein – die meisten bei BoD, einige auch direkt bei mir zu Hause. Ich wurde mutiger, erweiterte den Kreis der Adressaten und überlegte, wie ich mein Buch in den stationären Handel – sprich: Buchhandlungen – bringen könnte. Auf Schifffahrt spezialisierte Fachbuchhandlungen nahmen mir einige Exemplare als Kommissionsware ab, hier und dort kam mein „München“-Buch auch in die Shops von Schifffahrtsmuseen. In einem Augenblick des Übermuts schickte ich auch der Literaturredaktion des Nachrichtenmagazins „Focus“ ein Rezensionsexemplar. Deren dreizeiliger Hinweis auf meine Neuerscheinung gab dem Buchverkauf einen gehörigen Schub.

Der wirtschaftliche Aspekt stand für mich aber (zum Glück) nicht an erster Stelle. Mir ging’s zunächst nur ums Thema, das mich angefixt hatte. Nach dem Erscheinen merkte ich dann, wie sehr das Thema viele Menschen auch über 20 Jahre nach dem Untergang der „München“ immer noch bewegte: Seeleute und ehemalige Besatzungsmitglieder meldeten sich bei mir noch Jahre nach dem Erscheinen ebenso wie Angehörige der verschollenen Besatzung, Personen, die an der Suche nach der „München“ beteiligt waren, Funker anderer Schiffe, die wenige Stunden vor dem SOS-Ruf mit dem deutschen Frachter Kontakt hatten. Alle hatten das Bedürfnis, mir ihre Erinnerungen rund um die „München“ mitzuteilen und mit mir über das Schiff und die Menschen an Bord zu sprechen. Für mich sind diese Begegnungen das größte Honorar, das ich mir vorstellen kann. Die Erfahrungen, die ich mit meinem „München“-Buch gemacht habe, waren so positiv, sodass weitere Titel zu verschiedenen Themen auf demselben Weg entstanden sind.

Selfpublishing ist für mich seitdem keine Notlösung, sondern eine gleichwertige Alternative zu einem Verlagsvertrag. Mir war es immer wichtig, thematisch ungebunden, ohne Termindruck und verlegerischen Vorgaben zum Inhalt, ohne Verpflichtungen im Rahmen von Marketingmaßnahmen und ohne kurzen Verkaufszeitraum arbeiten zu können. Dafür nahm und nehme ich es in Kauf, mit meinen Titeln nicht automatisch im stationären Handel präsent zu sein und vermutlich eine geringere verkaufte Auflage zu erzielen. Mittlerweile sind alternative Wege der Publikation nichts Ungewöhnliches mehr: Websites, Blogs, Newsletter, Podcasts oder YouTube-Channels machen Autoren unabhängig von Verlagen bzw. Redaktionen und bieten sehr gute Chancen, als Fachmann/-frau thematische Nischen zu besetzen und hochwertigen Inhalt zu publizieren. Selfpublishing gehört in diese Reihe und ist heute keineswegs mehr das, was anfangs – zugegeben – nicht ganz zu Unrecht behauptet wurde: Eine Plattform für von Verlagen abgewiesenen Autoren, die ohne Lektorat, ohne grafischem Sachverstand und ohne professionellem Vertriebsnetzwerk den Buchmarkt zusätzlich verstopfen. Auf diesem alternativen Weg kann man durchaus erfolgreich sein, wobei „Erfolg“ jeder für sich definieren muss. Diverse Dienstleister gibt es heute, die Selfpublisher auf Wunsch begleiten und dabei helfen, am Ende ein Buch vorzulegen, das auch optisch professionellen Ansprüchen genügt.

Lars Schmitz-Eggen


Lars Schmitz-EggenLars Schmitz-Eggen wurde 1965 in Aachen geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend im Raum Köln sowie Luxemburg. Nach Abitur und Zivildienst absolvierte er ein Volontariat im Bastei-Lübbe-Verlag. Ab 1990 war er als Lokalredakteur beim Remscheider General-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau tätig. 1994 wechselte er als Redakteur zum Feuerwehr-Magazin in Bremen, ab 1996 war er Chefredakteur des Rettungs-Magazins. Von 1994 bis 1997 studierte er (berufsbegleitend) Kommunikationswissenschaften an der FU Berlin. Seit 2019 ist er als freier Journalist tätig.

Weitere Informationen findet Ihr auch hier.

Vorlesewettbewerb. Finale 2020/21 & Start 2021/22…

Eine ungewöhnliche wie ungewohnte Saison beim Vorlesewettbewerb neigt sich dem finalen Ende entgegen, das vom 30. September bis 1. Oktober 2021 in Berlin stattfinden wird. Auch in diesem Jahr war Corona-bedingt das Prozedere leider wieder etwas schwieriger: Alle Vorentscheide fanden digital statt. Und auch das Finale wird sicher wieder digital über die Bühne gehen: Ich vermute, dass sich – wie auch schon im vergangenen Jahr – die Finalisten im Live-Stream der Jury präsentieren, die wieder prominent besetzt sein wird. So wird u.a. auch die Vorjahressiegerin Jonna Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern ein Mitglied dieser Jury sein. Natürlich wird dieses Ereignis abermals im rbb und auf KiKA ausgestrahlt.

Ich drücke den Finalisten Emily, Sol, Helena, Rosalie, Thorge, Johanna, Ella, Amélie Sophie, Minou, Sophia, Lucie, Ava, Sveja, Ludger, Madita und Alma ganz kräftig die Daumen: Jede*r von Euch hat den Sieg verdient.

TOI – TOI – TOI 

Das Bundesfinale ist noch nicht vorbei, da geht auch schon die Planung für 2021/22 los. Im Oktober und November 2021 starten die Klassen- und Schulentscheide der 8. Klassen. Die Sieger*innen werden sich dann im Februar 2022 auf Kreisebene messen.

Ich hoffe so sehr, dass wir dann wieder LIVE den Lesungen der Kids lauschen können und nicht nur digital…! „Digital“ ist zwar immer noch besser als nichts, doch LIVE ist durch nichts zu ersetzten. Ich würde es den Kids von Herzen wünschen, dass sie diese Erfahrung machen dürfen. Und ich wünsche es auch mir selbst:  Seit etlichen Jahren sitze ich in der Jury zum Kreisentscheid des Landkreises Osterholz, der von der Buchhandlung meines Vertrauens „die schatulle“ ausgerichtet wird. Dieses „Amt“ übe ich mit einem nie versiegendem Enthusiasmus und einer immens großen Freude aus!!!

Weitere Infos erhaltet ihr auf der Homepage des Vorlesewettbewerbs.

MONTAGSFRAGE #136: Liest Du eigentlich schon immer gern oder bist Du erst später im Leben zum Lesen gekommen?

Ja, ich habe immer schon gerne gelesen. Ich kann mich an keinen Zeitraum in meinem Leben erinnern, an dem ich nicht gelesen habe (von kurzfristigen Leseflauten mal abgesehen – aber die zählen für mich nicht). Schon recht früh wurde meine Liebe zum Wort geweckt, bzw. sie musste erst gar nicht geweckt werden, denn sie war einfach da…!

Seit meinem 5. Lebensjahr lese ich. Angefangen hat alles damit, dass ich es als kleiner Pöks wahnsinnig spannend fand, wenn mein 7 Jahre älterer Bruder morgens schon zur Schule durfte. Ich musste leider zuhause bleiben, dabei hätte es mich sehr interessiert, was mein Bruder in der Schule so alles erlebt (Mein Bruder hätte mit Freude und äußerst bereitwillig mit mir getauscht!).

 So nötigte ich unsere Mutter, mit mir „Schule“ zu spielen. Bei dieser Gelegenheit kam die erste Schul-Fibel von meinem Bruder wieder zum Einsatz und zu neuen Ehren. Ich war fasziniert von den vielen bunten Bildern, wollte aber auch unbedingt die komischen Zeichen neben den Bildern verstehen. Unsere Mutter erklärte mir zwischen Staubsaugen, Abwasch und Mittag kochen (Bitte beachten: Wir befinden uns im Jahr 1974!) die einzelnen Buchstaben, und schon bald konnte ich aus den einzelnen Hieroglyphen erst ganze Worte und dann vollständige Sätze formen, um den Abenteuern von Peter, Ursula, Flocki, Muschi und Igel selbständig zu folgen.

 Mit Beginn der Schule ebnete meine LESELUST ein wenig ab und pendelte sich auf Normal-Null ein: Schließlich gab es jetzt mit den Klassenkameraden und Schulfreunden so viel anderes Neues zu entdecken. Bis zum 8. November 1977 – meinem 8. Geburtstag,…

 …an diesem „denkwürdigen“ Tag schenkte mir mein Großvater mein erstes „richtiges“ Buch: 5 Freunde im alten Turm. Meine Gedanken damals waren „Wie blöd, das ist ja nichts zum Spielen!“. Aber ich bedankte mich brav, und das Buch landete erstmal unbeachtet auf einem Regal in meinem Kinderzimmer. Beinah täglich fragte Opa „Und? Gefällt Dir das Buch?“, bis meiner Mutter der Kragen platzte, und sie mich anranzte „Nun ließ das Buch, damit Opa endlich Ruhe gibt!“.

 Und so lass ich widerwillig die ersten Seiten, tauchte ein in eine Welt voller Abenteuer, und mein Widerwille schwand mit jeder gelesenen Seite. Seitdem verspüre ich diese LESELUST,…

 …und sie wurde auch in den Jahren darauf geschürt, da direkt in meiner Grundschule die Gemeindebücherei einzog – anfangs nur in einem ehemaligen Klassenraum beheimatete, später auf zwei Klassenräume ausgeweitet. Es waren wahrlich paradiesische Verhältnisse für mich: In den Pausen oder nach dem Unterricht stromerte ich durch die Regale auf der Suche nach spannenden Abenteuern. Auch nach einem Wechsel der Schule blieb ich meiner kleinen Bücherei treu.

Auch die div. pubertärer Verirrungen führten nie dazu, dass meine Liebe zum Lesen einschlief. Ganz im Gegenteil: Dank meiner Bücher überstand ich halbwegs schadlos diese besagten pubertären Verirrungen, denn sie waren und sind mir Sorgenstiller, Freudenspender und Seelenstreichler. Meine Rubrik Die Bücher meines Lebens verdeutlicht sehr anschaulich, dass es immer Bücher gab, die mir in wichtige, prägende und herausfordernde Phasen meines Lebens beistanden, und es wird sie auch weiterhin geben.

Vielleicht fragt Ihr Euch nun, was mich da so sicher sein lässt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht, aber ich bin es: Bücher werden mir immer treue Begleiter sein!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.