[Rezension] Clemens Dreyer – Touristisch für Anfänger: Die wichtigste Sprache der Hauptsaison

Passend zum Ferienbeginn in Niedersachsen und der damit verbundenen Völkerwanderung möchte ich Euch einen besonderen humoristischen Schmankerl der Reiselektüre nicht vorenthalten:

Liebe*r Urlaubsfetischist*in,

hier eine kleine Übung für Sie – eine Lernzielkontrolle sozusagen, um zu überprüfen, ob Sie Ihren Sprachkurs „Touristisch für Anfänger“ konzentriert durchgearbeitet und die wichtigsten Lektionen verstanden haben.

Hintergrund: Ich befinde mich auf dem hellen und freundlichen Balkon meines Hotelzimmers, der zur Meerseite gelegen ist, und habe meinen Allerwertesten auf eine Komfort-Sitzgelegenheit, die ich am frühen Morgen durch das Auslegen eines Handtuchs für mich reserviert haben, platziert. Während ich an einer Tasse gefüllt mit einem landestypischen Getränk nippe, lese ich im o.g. Sprachkurs und kann partout natürliche akustische Emissionen nicht verhindern. Kann der sich dadurch gestört fühlende Nachbar vom Nebenbalkon zu Recht klagen, oder muss er dies als „Allgemeines Lebensrisiko“ hinnehmen?

Na, alles verstanden? Nein! Dann müssen Sie DRINGEND diesen Sprachkurs wiederholen.

Woher sollten Sie sonst wissen,…

  • …dass ein Süßwasser-Swimmingpool auch für Diabetiker geeignet ist,
  • …dass Sie die Pooltiefe an der Rötung des Wassers erkennen,
  • …dass Sie an der Rezeption Ihres Hotels gefahrlos SM mit HP oder OV buchen können.

Und obwohl die Hotels schon nach der DEHOGA kategorisiert sind, sollten auch Urlaubsreisen einen Warnaufkleber erhalten – wie Zigaretten und Medikamente:

„Verreisen ist gesundheitsschädlich und kann zu Impotenz führen!“

oder

„Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage oder tragen ihren Arzt zum Apotheker!“

Na, denn: BON VOYAGE!


erschienen bei Langenscheidt/ ISBN: 978-3468738258

MONTAGSFRAGE #42: Buch mit Notiz?

Tja, zu dieser Frage werden die Antworten der Bücherfreunde in der Community sicherlich sehr konträr ausfallen. Für die einen kommt es einem Sakrileg gleich, den Stift anzusetzen, um die Seiten eines Buches zu beschriften. Die anderen tun dies mit Freude, um eigene Gedanken zum Gelesenen festzuhalten und sich und der Nachwelt zu erhalten.

Und wie stehe ich dazu? Ich würde mich tendenziell eher zur erstgenannten Kategorie zählen. Meine Bücher sind mir heilig! Da gibt es keine Eselsohren, Knicke im Schutzumschlag oder schiefgelesene Buchrücken – und natürlich auch keine Randnotizen. Dafür sind sie mir zu sehr lieb & teuer (in Emotionen und Euronen gemessen). Zudem mache ich mir beim Lesen nie solche tiefschürfenden Gedanken, die es wert wären, festgehalten zu werden. Vielleicht lese ich aber auch nur die falschen Bücher, oder ich lese zwar die richtigen Bücher, aber in meinem Kopf…(?): Darüber sollte ich mal nachdenken! (Grübel!)

Aber auch bei mir bestätigt die vielzitierte Ausnahme die Regel: Zur Vorbereitung auf eine Lesung greife auch ich zum weichen (!) Bleistift, um mir am Rand eines Textes Notizen zu machen. Dabei gleicht dieser Text eher dem Textbuch eines Schauspielers: Im Laufe der Jahre als Vor-Leser habe ich für mich ganz individuelle Abkürzungen und Zeichen entwickelt, um so während des Vortrags blitzschnell zu erkennen, was gemeint ist. Da wird der Stimmungswechsel ebenso notiert, wie ein theatralisches Seufzen. Für die wohlüberlegte Pause findet sich ebenso ein Zeichen, wie für kleine Regieanweisungen (Gestik, Mimik). Evtl. stelle ich auch einzelne Sätze leicht um, da sie dann natürlicher und somit flüssiger über meine Lippen kommen.

So feile ich recht detailliert an der Betonung und am Ausdruck meines Vortrages. Und dazu brauche ich die hilfreichen Zeichen am Textrand, die ich dort mit einem weichen (!) Bleistift hinterlasse mit der Option, sie rückstandsfrei unter Zuhilfenahme eines Radiergummis wieder entfernen zu können. (Was bisher noch nie passiert ist: Es könnte ja sein, dass ich diesen Text irgendwann irgendwo nochmals vortragen werde!)

…und zu welcher Kategorie würdet Ihr Euch zählen: „Ästhet der jungfräulichen Seiten“ oder „Bleistift-Anarchist“???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Bernard Villiot – Mephisto/ mit Illustrationen von Antoine Guilloppé

Der Kater Mephisto lebt gezwungenermaßen als Einzelgänger in der großen Stadt. Aufgrund seines tiefschwarzen Fells und seiner als unheimlich wahrgenommenen Aura wird er sowohl von seinen Artgenossen wie auch von den Menschen nicht nur gemieden sondern auch immer wieder verjagt. Mephisto sehnt sich nach einem ruhigen Leben und hofft, dieses in der Abgeschiedenheit auf dem Land zu finden. Die Wochen ziehen voller Ruhe ins Land bis der Winter anbricht und Mephisto beschließt, wieder in die schützende Stadt zu wandern. Dort erlebt er eine Überraschung: Freudig wird er von den Menschen begrüßt! Seit seinem Weggang hat sich die Mäuse- und Ratten-Population immens erhöht, und die verwöhnten Hauskatzen waren nicht in der Lage, dieser Plage Herr zu werden. Nur ein versierter Jäger wie Mephisto kann Abhilfe schaffen…!

Tja, was nun? Ich suche nach den passenden Worten, aber kurz ausgedrückt kann ich sagen „Ich bin enttäuscht!“

Dabei haben mir die „Scherenschnitt“-Illustrationen von Antoine Guilloppé sehr gut gefallen: Sie wirken in ihrer Retro-Optik wie etwas aus der Zeit gefallen, verströmen trotz (oder: aufgrund?) dieser Schlichtheit sehr viel Atmosphäre und lösen beim Betrachter genau die Gefühle aus, die für die Handlung wichtig sind. So wirken sie mal bedrohlich, dann wieder witzig, um beim nächsten Bild sehr poetisch zu sein.

So liegt mein größter Kritikpunkt bei der Handlung. In den Texten meldet sich Mephisto als Ich-Erzähler zu Wort und charakterisieren mit ihren philosophisch anmutenden Zeilen recht gut das Wesen dieses einsamen und auch traumatisierten Katers. Doch ich habe immer auf eine besondere Wendung, auf eine positive Botschaft gewartet. Leider wurde ich enttäuscht: Findet Mephisto eine Heimat, und wird er akzeptiert oder gar um seiner selbst geliebt? Nein! – Das „Happy End“ interpretiere ich wie folgt: Er wird am Ende der Geschichte nur geduldet, weil er den Menschen von Nutzen ist, da die eigenen fetten und verwöhnten Hauskatzen außer Stande sind, seinen „Job“ zu erledigen. Es findet kein Umdenken statt – weder bei den Artgenossen noch bei den Menschen. Wenn dies wirklich die Intention des Autors war, dann empfinde ich es als eine äußerst fragwürdige Botschaft – zumal hier überdies die Flüchtlingsthematik angedeutet wurde.

Dieses Kinderbuch werde ich mir leider nicht gemeinsam mit dem besten Patenkind der Welt ansehen! Schade!


erschienen bei michael neugebauer edition/ ISBN: 978-3865663962

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Gil Ribeiro – Lost in Fuseta: Ein Portugal-Krimi

Es ist Pfingstsonntag: Nachdem es am Tag zuvor gestürmt hat, und das Wetter sich nicht zwischen Sonne und Schauern entscheiden konnte, zeigt sich dieser Tag mit angenehmen 27°C und sanftem Sonnenschein. Ich sitze auf dem Balkon, schlürfe meinen Kaffee und vertiefe mich zum wiederholten Mal in diesen Kriminalroman. Mein Kater liegt schläfrig mir zu Füßen auf den kühlenden Steinfliesen, während meine Gedanken sich auf den Weg in Richtung Portugal begeben.

Fuseta: ein kleiner Ort im Süden von Portugal direkt an der Küste der Algarve. Hier verschlägt es Inspektor Leander Lost aus Hamburg im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms für Polizisten. Während er dies als Auszeichnung sieht, erkennen die beiden portugiesischen Inspektoren Graciana Rosado und Carlos Esteves schnell, dass die deutschen Kollegen das Austauschprogramm „missbraucht“ haben, um sich eines äußerst speziellen Mitarbeiters zu entledigen. Leander Lost leidet am Asberger-Syndrom, einer Form von Autismus: Soziale Interaktionen fallen ihm schwer, zum Lügen ist er nicht in der Lage, und Ironie kann er nicht deuten, da er jedes gesprochene Wort für „bare Münze“ nimmt. Dafür verfügt er über außerordentliche Inselbegabungen. Zwangsläufig eckt er mit dieser „Wunderlichkeit“ bei seinen neuen Kollegen an und provoziert so manche heikle Situation im aktuellen Fall: Ein Privatdetektiv wird tot aufgefunden. Oberflächlich betrachtet scheint es ein Unfall zu sein. Bei der routinemäßigen Überprüfung der Büroräume des Detektivs scheucht das ungleiche Ermittler-Trio einen Verdächtigen auf, der, nachdem er Graciana bewusstlos geschlagen und das Büro in Brand gesetzt hat, Carlos als Geisel nimmt. Um das Leben der beiden portugiesischen Inspektoren nicht zu gefährden, schießt Leander Lost seinem neuen Kollegen Carlos ins Bein…!

So saß ich nun auf dem sommerlichen Balkon, ließ mich in die Handlung dieses leichten Krimis fallen und fühlte mich dabei äußerst wohl. Denn nichts anderes ist dem Autor Gil Ribeiro gelungen: ein angenehm kurzweiliger Sommerkrimi mit einer wohldosierten Mischung aus Humor und Spannung, der mich mit seiner originellen Charakterisierung der Protagonisten unterhielt. Überraschend gut passen die einzelnen Komponenten zueinander: Lost wirkt weniger wie ein Fremdkörper in der flirrenden Hitze am Mittelmeer, vielmehr scheint er hier dank der mediterranen Gelassenheit seiner Mitmenschen eine Heimat gefunden zu haben.

Er ist Teil eines Teams von Individuen, in der auch ein spezieller Typ wie er seinen Platz finden kann. Diese Gelassenheit scheint im Lebensgefühl der Portugiesen begründet zu sein. Immer wieder lässt Ribeiro Themen wie Familie, Freundschaft und Kollegialität anklingen. Sie dienen als Anker im gesellschaftlichen Gefüge. Emotionale bzw. sentimentale Szenen versteht Ribeiro durch eine pragmatische Äußerung von Lost humorvoll aufzulösen. Dabei wird er mit seiner Behinderung nicht vorgeführt sondern vom Autor mit Respekt behandelt.

Gil Ribeiro ist mit „Lost in Fuseta“ ein unterhaltsamer Auftakt für diese Krimireihe gelungen.


erschienen bei Kiepenheuer & Witsch/ ISBN: 978-3462051629

 

Vorlesewettbewerb: Heute ist Finale…

Heute findet das Jubiläums-Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs statt. 16 Kids aus allen Bundesländern werden im Studio des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in Berlin ihr Können unter Beweis stellen.

Ich sende den Kids ein lautes TOI! TOI! TOI! – Habt ganz viel Spaß!!!

…und ich kann meine stetige Begeisterung für diesen Wettbewerb nicht verheimlichen: Nicht nur, dass ich seit Jahren mit Freude und aus Überzeugung Teil der Jury auf Kreisebene bin, vielmehr bin ich jedes Mal überwältigt, mit welchem großen Enthusiasmus die teilnehmenden Kinder Jahr für Jahr bei der Sache sind.

Die Kids von heute sind echt cool!


Einzelheiten zum heutigen Finale findet Ihr hier. Zudem gibt es auf der Homepage des Börsenblatts ein interessantes Interview mit dem Sieger des ersten Finales im Jahre 1959.

Die Bremer Stadtmusikanten

Moin! Moin!

Vielleicht liegt es an den sommerlichen Temperaturen und den vielfälltigen Freizeitmöglichkeiten unter freiem Himmel,…

…aufgrund mangelnder Resonanz fällt die Veranstaltung „Die Bremer Stadtmusikanten“ am 27. Juni leider aus!

Ich werde mich mit einem kurzweiligen Schmöker in Kombination mit einem süffigen Glas Wein trösten! Prost!

Lieben Gruß

Andreas

(Hicks!)

MONTAGSFRAGE #41: Hardcover oder Taschenbuch?

HARDCOVER!

So, Frage beantwortet: Mehr ist bei diesen Außentemperaturen und meinem Z. n. Frühdienst auch nicht möglich…!

Wie bitte? Ihr wollt auch eine Begründung hören?

WEIL ES EINFACH SCHÖNER IST!

So, nun bin ich aber fertig…!

Was soll das bedeuten, diese Antwort reicht Euch nicht?

???

Okay, dann eben eine Antwort in epischer Breite, aber denkt bitte daran: Während Ihr meine Antwort bei (gefühlten) 35°C im Schatten noch lesen müsst, habe ich meinen Soll (=Beantwortung der Frage) schon längst erfüllt, tauche meine Füße in eine Wanne mit eisgekühltem Wasser und schließe meine Hände um ein ebensolches Getränk. Aber Ihr habt es ja so gewollt…!

Wenn ich die Wahl habe, dann greife ich bei einem literarischen Werk deutlich lieber und öfter nach der Hardcover-Variante. Hardcover ist wertiger verarbeitet in Bezug auf die Papier- und Druck-Qualität, sieht mit seinem Leinen-Einband, Lesebändchen und dem Schutzumschlag edler aus, liegt besser in meiner Hand und bietet mir somit auch haptisch das größere Vergnügen. Zudem empfinde ich bei seinem Anblick in meinem Bücherregal die befriedigende Freude des Jägers und Sammlers (mein Auto, mein Haus, mein Hardcover) und präsentiere sie – selbstverständlich wie zufällig – gerne meinem Besuch mit der unausgesprochenen Botschaft „Schaut her! Ich kann es mir leisten!“.

Wobei mir die (überschaubaren) Nachteile gegenüber der Taschenbuch-Ausgabe durchaus bewusst sind: Mal abgesehen von den höheren Anschaffungskosten ist die Hardcover-Version deutlich schwerer und nimmt mehr Platz im Bücherregal ein. Dafür sehen Taschenbücher häufig schon nach dem ersten Lesen wie „hingeschlunzt“ aus: Der Buchrücken biegt sich zusammen wie eine in der Sonne vergessene Scheibe Mortadella gen Himmel. Das Papier überrascht mit einem solch intensiven „Duft“, dass ich lieber an einer Flasche Klebstoff schnüffeln würde und bekommt zudem recht schnell einen dunkleren Farbton „dank“ Sonnenbestrahlung. Das Cover zieren recht schnell unschöne Abstoßungen und Knicke.

Und dieser neumodische Kram mit Namen „Softcover“ ist für mich keine mögliche Alternative zum Hardcover: Das ist doch nix Halbes und nix Ganzes! Wenn ich ein solches Exemplar in der Buchhandlung meines Vertrauens zu Gesicht bekomme, verspüre ich den Impuls, ihm zuzurufen „Na, was willst Du denn mal werden, wenn du groß bist?“, um ihm dann – in Gedanken – in seine nichtvorhandene Wange zu kneifen…!

Darum gibt es auf diese Frage nur eine mögliche Antwort für mich:

HARDCOVER!

…und welche gedruckte Form präferiert Ihr???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Ria Neumann – Flugangst und Regenträume

Wie schon häufig erwähnt, stellt jede Lesung für mich eine Herausforderung dar: In diesem Fall war ich allerdings im besonderen Maße gefordert.

Auf Bitte der Autorin Ria Neumann hatte ich im Rahmen einer privaten Lesung anlässlich des Erscheinens ihres neusten Buches „Flugangst und Regenträume“ die Geschichte „Zulassen“ vorgetragen. 45 Minuten lang entführte ich die Zuhörer in die Gefühlswelt einer älteren Frau – zwischen Selbstmitleid und Hoffnung, zwischen Vorwürfen und leisem Humor, zwischen Trauern um die Vergangenheit und Sehnen nach der Zukunft.

Bei dieser anspruchsvollen Geschichte war es mir einerseits wichtig, dass ich die wechselnden Stimm(ung)en herausarbeite, andererseits ihr eine positive Leichtigkeit gebe und somit nicht als „Depri“-Stück diskreditiere.

Ob mir dies gelungen war? Direkt nach der Lesung war die Autorin nicht fähig, mir ein Feedback zu geben: Nachdem sie sehr konzentriert meinem Vortrag gelauscht hatte, schienen wechselnde Gefühle in ihr zu toben. Später gestand sie mir ein, dass es ihr sehr schwer fiel, ihrer Geschichte durch einen anderen Leser zu lauschen. Zudem hätte es sie erstaunt, wo ich meine Schwerpunkte setzte, und wie ich manche Passagen interpretierte. Dadurch hätte ihre Geschichte eine weitere Perspektive erhalten. Ihr Fazit: Mein Vortrag wäre wundervoll gewesen!


„Kurzgeschichten von der Lust und der Last des Lassens“ lautet der Untertitel dieses kleinen, feinen Buches: Auch die anderen Kurz-Geschichten handeln von Menschen, die sich alle in ihrem Leben  nicht für etwas oder jemanden entschieden haben, und über dieses „Lassen“ entweder erleichtert sind oder mit dieser verpassten Chance hadern.

Aber dieses „Lassen“ birgt auch Interpretationsmöglichkeiten in die gegensätzliche Richtung: Einige Protagonist*innen in den Geschichten hätte es mal lieber ge-lassen. Aber das „Nein!“-sagen scheint manchmal schier unmöglich, wenn der/das Gegenüber zu übermächtig wirkt.

Ria Neumann macht es sich und ihren Leser*innen nicht leicht: Manches bleibt in ihren Geschichten bewusst vage, bleibt unausgesprochen in der Schwebe und fordert zur Interpretation auf. Auch sind die Deutungsmöglichkeiten je nach eigenem Erfahrungsschatz vielfältig und regen zur Kontroverse an. Ihre Sätze sind fein und wohlüberlegt konstruiert: Kein Verb ist zu wenig, kein Adjektiv ist zu viel. Metaphern werden synonym eingesetzt, um Situationen präzise aber ohne schmückendes Beiwerk zu verbildlichen.

Manche ihrer Kurzgeschichten sind so kurz, dass sie eher wie zarte Miniaturen anmuten. Es durchziehen alle ihre Geschichten eine zarte Melancholie und ein Hauch von Wehmut! Und doch bleibt ein Funke Hoffnung spürbar…!


erschienen bei Donat/ ISBN: 978-3943425680