Ein Porträt: Erich Kästner [zum 45. Todestag]

Erich Kästner (* 23. Februar 1899/ † 29. Juli 1974)

Unbenommen ist er einer unserer größten deutschen Schriftsteller. Aber auch als Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter war er zeitlebens aktiv. Schon während der Weimarer Republik veröffentlichte er Gedichte, Glossen und Essays in verschiedenen Periodika.

Sein Vater war Sattlermeister in einer Kofferfabrik. Die Mutter war Dienstmädchen und Heimarbeiterin und wurde später Friseurin. Zur Mutter hatte Kästner eine äußerst intensive Beziehung: Das Mutter-Motiv taucht später immer wieder in seinen Romanen und Erzählungen auf. Das Gerücht, dass der Hausarzt der Familie sein leiblicher Vater wäre, konnte nie bestätigt werden.

Kästner besuchte ab 1913 das Lehrerseminar, brach die Ausbildung zum Volksschullehrer allerdings drei Jahre später kurz vor Beendigung ab. 1917 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Die dort erfahrene Brutalität während der Ausbildung hinterließ nicht nur eine lebenslange Herzschwäche bei Kästner sondern verstärkte seine antimilitärische Haltung. Nach Ende des ersten Weltkrieges holte er sein Abitur mit Auszeichnung nach.

Im Jahr 1919 begann Kästner an der Universität Leipzig das Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft und promovierte 1925 mit einer Dissertation zum Thema „Friedrich der Große und die deutsche Literatur“. Die Studentenjahre waren geprägt durch seine prekäre finanzielle Situation u.a. aufgrund der Inflation. So musste er sein Studium mehrfach unterbrechen, um es nach Nebenjobs als Parfümverkäufer oder Einnahmen als Journalist und Theaterkritiker für das Feuilleton der Neuen Leipziger Zeitung wieder aufnehmen zu können.

Nach Beginn der NS-Diktatur war er einer der wenigen intellektuellen und zugleich prominenten Gegner des Nationalsozialismus, die in Deutschland blieben, obwohl seine Werke zur Liste der im Mai 1933 als „undeutsch“ diffamierten verbrannten Bücher zählten, und im Herrschaftsbereich des NS-Regimes verboten wurden. Trotz verschiedener Repressalien konnte er sich unter Pseudonym beispielsweise mit Drehbucharbeiten für einige komödiantische Unterhaltungsfilme und Einkünften aus der Veröffentlichung seiner Werke im Ausland wirtschaftlich absichern. Mit einer Ausnahmegenehmigung lieferte Kästner 1942 unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“ das Drehbuch zum prestigeträchtigen Jubiläumsfilm der Ufa „Münchhausen“.

Mit der Niederlage des NS-Regimes im Zweiten Weltkrieg war Kästner ab Mitte 1945 wieder eine freie publizistische Entfaltung möglich. Von 1951 bis 1962 war er Präsident des westdeutschen P.E.N.-Zentrums. Als Pazifist nahm er in den 1950er und 1960er Jahren bei mehreren Gelegenheiten gegen die Politik der Regierung Adenauer öffentlich Stellung, unter anderem im Zusammenhang mit der Remilitarisierung, der Spiegel-Affäre und der Anti-Atomwaffenbewegung.

Populär machten ihn vor allem seine Kinderbücher, wie „Emil und die Detektive“ (1929), „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) und „Das doppelte Lottchen“ (1949), sowie seine mal nachdenklich, mal humoristisch, oft satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Gedichte, Epigramme und Aphorismen. Eine seiner bekanntesten Lyrik-Sammlungen erschien erstmals 1936 im Schweizer Atrium Verlag unter dem Titel „Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke“. Noch heute ist der Atrium Verlag die Heimat von Kästners Werken.

Erich Kästner war ein wahrer Könner seines Fachs: Schaute er auch sehr genau auf die menschliche Natur, so blieb er doch durch und durch ein Menschenfreund und kommentierte als Satiriker und Romancier die Schwächen der Leute immer mit einem Augenzwinkern. Seine Texte zeugen von einer feinen Ironie, seinem sensiblen Humor und der genauen Beobachtungsgabe. Bei allem Amüsement bei der Lektüre seiner Werke kommen auch Herz und Seele nicht zu kurz: So liegen Lachen und Weinen bei ihm sehr nah beieinander! Und so manches Mal legte er auch schmerzhaft seinen literarischen Finger auf eine Wunde der Gesellschaft, um auf Missstände und Ungerechtigkeiten hinzuweisen.


Auswahl seiner Werke:

[Rezension] George Simenon – Maigret im Haus der Unruhe

„Ich habe gerade einen Mann umgebracht.“ stammelt die verängstigte junge Frau, die, ebenso plötzlich wie sie im Kommissariat erschienen ist, sich auch wieder in Luft auflöst. Kommissar Maigret schenkt dieser kurzen wenn auch kuriosen Begegnung zunächst wenig Beachtung. Doch dann wird er zu einem Mordfall in einem Hause in einem der „anständigen“ Vororte von Paris gerufen: Der pensionierte Kapitän Truffier wird von der Concierge des Hauses tot aufgefunden: erdolcht und beraubt. Bei seiner Befragung der übrigen Mieter des Hauses begegnet Maigret bei der Familie Gastambide eben jene junge Dame wieder, die ihm im Kommissariat aufgesucht hatte. Sie behauptet, ihn nicht zu kennen, und überrascht mit einem Alibi. Ihr Vater wie auch ihr Bruder machen sich aufgrund ihres Verhaltens zudem verdächtig. Aber auch Henry Demassis, der Neffe des Ermordeten, scheint etwas zu verbergen…!

Als deutsche Erstausgabe präsentiert der Kampa-Verlag diesen allersten Roman mit Simenons berüchtigten Kommissar Maigret – sozusagen als Fall „Zéro“: Simenon steht mit Maigret noch deutlich am Anfang. Das merkt man diesem Werk auch an, was dessen Qualität nicht schmälern soll. Hier liegt Simenons Augenmerk weniger auf dem Kommissar als vielmehr auf den Verdächtigen. Er zeichnet interessante Porträts und kreiert einen spannenden und abwechslungsreichen Plot, in dem Maigret den Rahmen bildet und der Handlung Struktur verleiht.

Und auch wenn Simenon noch nicht das gesamte Wesen Maigrets komplett umreißen kann, so sind doch schon einige seiner wesentlichen Charakterzüge und Eigenarten zu erkennen: der stille und beinah stoische Ermittler, der dadurch durchaus ruppig wirken kann; der scharfe Analytiker mit den manchmal unkonventionellen Ermittlungsmethoden; die Liebe zu seiner Pfeife und gutem Tabak…!

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit bekam, diese geschätzte Krimi-Reihe mit dem Fall „Zéro“ beginnen zu dürfen: Nun werde ich mich Roman für Roman und Fall für Fall mit Kommissar Maigret auf die literarische Verbrecherjagd in Paris begeben.

„Souhaite moi bonne chance!“


erschienen bei Kampa/ ISBN: 978-3311130000

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] P. G. Wodehouse – Auf geht’s, Jeeves!

„Da weiß Jeeves sicher einen Rat!“, „Mit diesem Problem wende ich mich an Jeeves!“, „Was meint Jeeves denn dazu?“ Jeeves hier! Jeeves da! Immer nur heißt es „Jeeves“! Natürlich hat es auch durchaus seine angenehmen Vorteile, einen intelligenten Butler zu haben, den Freunde wie Verwandte gerne konsultieren. Aber deshalb bräuchte man ihm, Bertram „Bertie“ Wooster, ja nicht gleich die Intelligenz gänzlich abzusprechen. Er findet, es wäre höchste Zeit, seinen Butler in die Schranken zu weisen, und so übernimmt er flugs persönlich die Lösung einiger Problemchen im Freundes- und Familienkreis. Und da gibt es so einiges zu erledigen: Die Ent-lobung seiner Cousine Angela mit Tuppy Glossop muss unter allen Umständen rückgängig gemacht werden. Die Ver-lobung zwischen seinem Freund Gussie Fink-Nottle und Madeline Bassett muss unter allen Umständen forciert werden. Und die drohende Trennung von Onkel und Tante aufgrund Tante Dahlias Spielschulden muss unter allen Umständen verhindert werden.

Also spinnt Bertram Wooster in seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung seine hirnrissigen Ideen und spielt höchstpersönlich den Schicksalsgott. Nur leider sind seine Ideen – wie gewohnt – sehr unausgegoren: Er lässt mögliche Konsequenzen gänzlich unberücksichtigt und hinterlässt so eine Schneise der emotionalen Verwüstung. Die Welt der oberen 10.000 versinkt im Chaos, bis Jeeves eingreift…!

Ich sitze auf meinem Sofa mit der Nase in diesem Buch, kichere vor mich hin oder lache schallend auf und ertappe mich dabei, wie ich ganze Passagen laut lese: Welch ein grenzenlos alberner Spaß…!!!

P. G. Wodehouse ist ein absoluter Könner der leichten Posse, ein nimmermüder Verfasser humoristisch-ironischer Dialoge und ein kolossaler Profi im Verteilen von satirischen Seitenhieben auf die gehobene Gesellschaft. Wer in den „Jeeves“-Geschichten von Wodehouse irgendeinen Realismus sucht, der wird sehr, sehr lange suchen müssen und schlussendlich erschöpft und erfolglos aufgeben. Hier verbinden sich die Übertreibung, das Hemmungslose und die Frechheit zu einer respektlosen Leichtigkeit. Nährwert: Fehlanzeige! Spaßfaktor: „…bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!“

Teilweise sind die Dialoge so fein-gemein-spitzzüngig, dass sie mich schier verführt haben, sie laut vorzulesen, um noch eine größere Wirkung zu erzielen: Da buddelte sich in mir der Vor-Leser, die alte Rampensau, wieder einmal hemmungslos an die Oberfläche!

Zudem möchte ich Thomas Schlachter meinen allerhöchsten Respekt für seine gelungene Übersetzung zollen: Ich kann sicher nur ansatzweise erahnen, wie herausfordernd es für einen Übersetzer sein musste, die vielfältigen Bonmots, fantasievollen Beschimpfungen und bildhaften Beschreibungen aus dem Englischen adäquat ins Deutsche zu übersetzen – ohne den Witz des Originals zu schmälern und den Lesefluss zu behindern. Chapeau! Das Nachwort von Denis Scheck liefert ferner aufschlussreiche Hintergründe über Wodehouses Leben.

Nur bedauerlicherweise habe ich nun ein äußerst verzwicktes Problem: Wodehouse lesen macht süchtig – süchtig nach einem Mehr an Geschichten, bei denen ich mich beim Lesen so heiter „sophisticated“ fühle, während in meinem Kopf alte Cole Porter-Songs den idealen Soundtrack bilden und so meine Seele gänzlich unbeschwert zum „Swingen“ bringt.

Book-Dealer, ich komme!


erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458177036

MONTAGSFRAGE #45: Auf Urlaub im Buch?

Auch in dieser Woche ist Antonia noch ganz und gar im Urlaubsmodus mit ihrer heutigen Montagsfrage: „Gibt es ein Buch, in dem du gern einmal Sommerurlaub machen würdest?“

So verlockend diese Vorstellung auch wäre, doch ich fürchte, meine Antwort muss „Nein!“ lauten, da es ja bedeuten würde, dass ich in die Handlung integriert und somit an ihr beteiligt wäre.

Aber ich wäre gerne an den Orten, wo die Handlung einiger Romane spielt und würde dann aus sicherer Entfernung einen Blick auf die Hauptpersonen der Romane werfen. In Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ würde ich von weitem Bo und Prosper zuwinken, während ich auf dem Markusplatz in Venedig einen sündhaft teuren Cappuccino schlürfe. In Astrid Lindgrens „Ferien auf Saltkrokan“ könnte ich mit Bootsmann den Steg am See „bewachen“ und ansonsten „den Tag als ein Leben“ genießen.

Bei „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie wäre ich geblendet von der Eleganz dieses legendären Fortbewegungsmittels, würde mich absolut „underdressed“ und somit völlig fehl am Platze fühlen, und beim Anblick des größten Detektivs aller Zeiten (Originalton!) wäre ich erstmal sprachlos, hätte aber zu gern von ihm erfahren, wie er seinen „Moustache“ pflegt – sozusagen ein Austausch von Bartträger zu Bartträger.

Würde mir in New York unversehens Holly Golightly aus „Frühstück bei Tiffany“ von Truman Capote über den Weg laufen, wäre ich mit Sicherheit in Bruchteilen einer Sekunde schockverliebt. Während sie auf der Feuerleiter des Mietshauses in der East Side sitzt und völlig gedankenverloren – ohne auch nur zu ahnen, dass ich existiere – auf ihrer Klampfe zupft, könnte ich unentdeckt vom gegenüberliegenden Balkon sie aus der sicheren Ferne anschmachten. Hinterher würde ich bei Joe an der Ecke meinen Liebeskummer im Martini ertränken.

Hätte ich die Gelegenheit, „live und in Farbe“ einen Blick auf die Protagonisten meiner favorisierten Romane werfen zu dürfen, wäre ich schier aus dem Häuschen vor Freude. Aber meinen Sommerurlaub verbringe ich lieber dort, wo ich hingehöre und wo ich Einfluss nehmen kann und darf – in die Geschichten meiner Lieblingsromane gehöre ich definitiv nicht und bin in aller Bescheidenheit völlig zufrieden mit meiner Rolle als Leser!

…und in welcher literarischen Welt würdet Ihr gerne Euren Urlaub verbringen?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Karsten Dusse – Achtsam Morden

Karsten Dusse ist in der Medienlandschaft kein Unbekannter mehr: Als Volljurist hat er sich gegen eine Laufbahn in einer Kanzlei und für eine Karriere im Fernsehen entschieden. Hier war er als Strafverteidiger bei „Richterin Barbara Salesch“ ebenso wie als Rechtsexperte bei „Verklag mich doch“ vor der Kamera zu sehen. Als Redakteur schrieb er hinter der Kamera Texte u.a. für TV-Hits wie „Ladykracher“. Für seine Autorenarbeiten wurde er bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Auch als Schriftsteller trat er schon in Erscheinung: In seinen bisher erschienenen juristischen Sachbüchern kombiniert er Entertainment mit Fachwissen. Nun hat er seinen ersten Kriminalroman vorgelegt, in dem er seine Kernkompetenzen bündelt und dessen Held – wie könnte es auch anders sein – als Strafverteidiger seine Brötchen verdient.

Ein stattliches Haus, ein protziger Dienstwagen, ein üppiges finanzielles Polster auf der Bank, zudem eine reizende kleine Tochter mit der dazugehörigen (zugegeben: im Moment nervigen) Ehefrau: Das Leben von Björn Diemel könnte – zumindest oberflächlich betrachtet – so schön sein. Doch nun zwingt ihn seine Angetraute zu einem Achtsamkeits-Seminar bei diesem Esoterik-Guru Joschka Breitner zwecks Rettung ihrer Beziehung. Naja, wenn es hilft, dann soll es ihm recht sein. Und so atmet er seit einiger Zeit den Stress weg und spricht gegen Panik einfach ein Mantra. Und sollte er mal gar nicht mehr „achtsam“ weiter wissen, dann hat er zum Glück immer Joschka Breitners Bibel der Achtsamkeit mit dem Titel „Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte“ griffbereit. Die Weisheiten dieses Werkes hätte übrigens auch sein Hauptmandant, der Gangsterboss Dragan Sergowicz berücksichtigen sollen, dann wären einige Mitglieder einer rivalisierenden Gang noch am Leben und eine Busladung mit Schulkindern nicht traumatisiert. Dragan muss untertauchen und erwählt für diese Mission ausgerechnet Björn, der mit seiner Tochter ein ruhiges Wochenende am See verbringen möchte. Während Dragan seine Körpermasse zwecks unerkanntes Entkommen in den Kofferraum von Björns Wagen zwängt, begeht er den unverzeihlichen Fehler, seiner Forderung mittels Bedrohung Björns Tochter Nachdruck zu verleihen. Björn findet dieses Verhalten so ganz und gar nicht nett, schließlich geht ihm das Wohl seiner Kleinen über alles und jeden. Da kann es durchaus passieren, dass er einen im Kofferraum sowohl versteckten als auch eingesperrten Mafioso einige Tage bei sommerlichen Temperaturen „vergisst“ und ganz achtsam im Hier und Jetzt die gemeinsame Zeit mit dem Töchterchen genießt. Alles andere kann später noch weg-geatmet werden: Eine Technik, die sich insbesondere nach dem Öffnen der Kofferraumklappe bewehren sollte…!

Karsten Dusse versteht und beherrscht sein Handwerk: Sein Winkeladvokat Björn Diemel ist mit allen Wassern gewaschen, gleichzeitig gelingt es dem Autor, ihn nie unsympathisch wirken zu lassen – im Gegenteil: Bei jedem Schritt, den wir Leser ihn tiefer in dieser Affäre folgen, kann er sich unserer vollsten moralischen Unterstützung sicher sein. Überraschenderweise empfindet der Leser herzlich wenig Mitgefühl mit Herrn Diemels Opfern (Ja, sie haben richtig gelesen: Es bleibt nicht bei einer einzelnen Kofferraumleiche.). Einerseits konnte ich mich während der Lektüre nicht dem Eindruck verwehren, alle Opfer hätten ein solch schändliches Gemeuchel und Gemetzel mehr als verdient. Andererseits hegte ich den Verdacht, dass die jedem Kapitel vorangestellten Tipps von Esoterik-Guru Joschka Breitner ebenfalls ihre Wirkung auf mich Leser zeigten, denn zu „Achtsam Morden“ gehört eben auch achtsam lesen.

Herrn Dusses Erfahrung mit dem Medium Fernsehen merkt man diesem Krimi deutlich an – und ich möchte diesen Hinweis durchaus positiv besetzen: So verteilt sich der Inhalt über 413 Seiten und auf 37 Kapitel. Schnelle Schnitte sind vorprogrammiert. Die Handlung nimmt zügig an Fahrt auf ohne in Hektik zu verfallen. Für Langeweile bleibt somit kaum Raum, dafür gibt es häufig überraschende Wendungen incl. des einen oder anderen Lachers. Dieser Krimi „schreit“ geradezu nach einer visuellen Umsetzung. Sicherlich liegt zuhause bei Herrn Dusse in irgendeiner Schublade schon fix und fertig ein Drehbuch und wartet auf die Chance, beispielsweise in die „fähigen“ Hände eines Herrn Schweigers zu gelangen. Doch ich werde inbrünstig zum Gott der darstellenden Kunst beten in der Hoffnung, dass für diese Rolle ein richtiger Schauspieler gecastet wird.

Ich werde ja wohl noch hoffen dürfen! Hoffen und beten…!


In diesem Zusammenhang möchte ich auch gerne auf die Lesung mit Karsten Dusse in der Buchhandlung meines Vertrauens hinweisen!


erschienen bei Heyne/ ISBN: 978-3453439689

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Hermann Hesse – MANCHMAL

Manchmal, wenn ein Vogel ruft
Oder ein Wind geht in den Zweigen
Oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
Dann muß ich lange lauschen und schweigen.

Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
Der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.

Meine Seele wird Baum
Und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
Und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

Hermann Hesse

MONTAGSFRAGE #44: Sollte man auf Reisen lesen?

Diesmal schenkt uns Antonia eine richtige Urlaubsfrage, die ich lakonisch beantworten möchte mit einem „Ja, warum denn nicht?!“.

Wobei ich bei der Suche einer optimalen Antwort definitiv nicht der optimale Partner bin. Meine Erfahrungen mit Urlaubsreisen sind eher überschaubar, und in ihrer Vorbereitung spielten Bücher eine eher untergeordnete Rolle. Zudem verbinde ich Berge von Bücher im Urlaubsgepäck immer mit Berge von Sand (=Strand) im Urlaubort, und an den Strand hat es mich noch nie gezogen.

Aufgrund einer entsprechenden körperlichen Disposition empfinde ich extreme Hitze mit der einhergehenden Sonnenbeteiligung als absolut überbewertet. Zudem neigt meine Haut unter Sonneneinstrahlung eher zu einer ungesunden Röte statt zu einer vitalen Bräune. So haben wir uns eher in Richtung Norden begeben und häufig die dänischen Ferienhäuser getestet. Da gab es nichts Schöneres als nach einer ausgiebigen Shoppingtour, Besuche der umliegenden Städte und Dörfer oder einem ausgedehnten Strandspaziergang (Huch! Da ist er ja doch: der Strand!) ins Ferienhaus „heimzukehren“, um sich dann vor dem knisternden Kaminofen bei einem Gläschen Wein in ein gutes Buch zu vertiefen.

Bei unseren Städtetouren fand nie ein Buch seinen Weg in unser Gepäck. Wann hätten wir es auch lesen sollen? Unser Hotelzimmer sah uns nur zur Schlafenszeit wieder. Ansonsten waren wir auf den Beinen, um den Flair der Stadt in uns aufzusaugen und uns in Cafés und Restaurants kulinarisch und in Museen und Theatern kulturell verwöhnen zu lassen. Für Lesen war da keine Zeit!

Jeder hat das Recht, seinen Urlaub ganz individuell für sich zu gestalten! Gibt es da ein Richtig oder Falsch? Ich bin der Meinung: Nein!

…wird ein Urlaub erst mit einem Buch perfekt? Was meinst Du…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Kulturtipps] August 2019…

Im August hat das Stadtmarketing Osterholz-Scharmbeck gleich zwei Mega-Events „an Land“ und somit in die Stadt gezogen: Während Wincent Weiss die Mädchenherzen höher schlagen lässt, überzeugt PUR mit anspruchsvollem Deutsch-Pop…!

Beide Open Air-Konzerte sind schon eine echte „Hausnummer“ für unsere kleine Kreisstadt: Hochachtung und Dank an die Organisator*innen!


Feste feiern

  • 17. August – Weinfest / Gut Sandbeck Osterholz-Scharmbeck

Komödie/ Lustspiel


Konzert


Lesung, Literatur & Artverwandtes


Musical

  • 9. August – Wiederaufnahme The Swinging Detective von Christoph Steinau mit der Musik von Sting & The Police / bremer kriminal theater

Operette

  • 23. August – Premiere Im weißen Rössl von Ralf Benatzky, Hans Müller, Erik Charell und Robert Gilbert / Weyher Theater

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Kleingedrucktes: Die Kulturtipps eines Monats erscheinen in der Mitte des Vor-Monats. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr!

[Rezension] Callie Shell – Hope, Never Fear: Michelle und Barack Obama/ Ein persönliches Porträt

Bisher hatte mich kein amerikanischer Präsident so sehr beindruckt wie Barack Obama! Bisher hatte mich keine First Lady so sehr entzückt wie Michelle Obama! Von beiden ging ein Zauber aus, den ich weder vorher noch hinterher bei einem Politiker und seiner Gattin gespürt habe. Nicht nur, dass mit ihnen das erste afro-amerikanische Präsidenten-Paar die öffentliche Bühne betrat – Nein! – Hier standen plötzlich auch zwei ebenbürtige Partner im Rampenlicht, die sich und ihre Mitmenschen mit Respekt begegneten.

Callie Shell hatte das große Glück diese beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten als Fotografin begleiten zu dürfen. Einleitend berichtet sie von ihrer ersten Begegnung mit den Obamas und gibt einen äußerst wertschätzenden Eindruck über die Charaktere dieser für sie so bewundernswerten Menschen wieder. Aus einer langsamen Annäherung erwuchs Vertrautheit, aus dieser Vertrautheit entwickelte sich eine Freundschaft.

Diese Freundschaft ermöglichte es Callie Shell diese bemerkenswerten und ausdrucksstarken Fotos zu machen: Einerseits gibt es Fotos voller Glamour zu bewundern, dann werden die Obamas sowohl mit ihren Töchtern in ihrem familiärem Umfeld gezeigt als auch bei offiziellen Anlässen wie Staatsempfängen oder bei ihren sozialen Projekten. Besonders berührend empfand ich die Fotos, die die Beiden in sehr intimen, leisen Momenten porträtieren: Die Erschöpfung im Blick von Barack während des Wahlkampfes, das Vertiefen in ein kurzes Gebet vor einer Kundgebung, oder die zärtliche Berührung Michelles vor dem Beginn einer wichtigen Ansprache.

Für einige Fotos hat Shell den Obamas „den Rücken gekehrt“ und die Linse in die entgegengesetzte Richtung – auf die Menschen, die den Obamas begegnet sind – gehalten und so deren mannigfaltigen Gefühle, die sich in ihren Gesichtern wiederspiegeln, im Bild festgehalten. So kann der Betrachter der Fotos zumindest einen Bruchteilen dessen erahnen, was die Faszination der Obamas ausmacht.

Alle diese Fotos zeugen von Authentizität und spiegeln die Liebe und den Respekt der Partner zueinander wieder. Stichwort: Partner – Ja, das sind sie! Hier begegnen sich zwei Menschen auf Augenhöhe.

Abgerundet wird dieser Bildband durch Zitate von Michelle und Barack Obama, die mit ihren klugen Worten zum Innehalten und zum Nachdenken anregen….

„Wenn jemand grausam ist oder sich wie ein Tyrann verhält, begibt man sich nicht auf seine Ebene. Nein, unser Motto lautet: >When they go low, weg go high.< – Wenn die anderen ihre schlechten Seiten zeigen, zeigen wir unsere besten.“ Michelle Obama

…und ich danke diesen beiden außergewöhnlichen Menschen aus ganzem Herzen für die Würde, die Menschlichkeit und den Glanz, den sie in die Welt gebracht haben, und wünsche Ihnen nur das Beste für Ihr weiteres Leben!


erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3945543665

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!