MONTAGSFRAGE #132: Gibt es Bücher, die Euch sicher aus einer Leseflaute lotsen?

Normalerweise,…

Früher hätte ich bei einer solchen Gelegenheit gerne, hemmungslos und völlig unreflektiert das Wort „eigentlich“ verwendet. Doch ich versuche, möglichst Abstinenz zu bleiben, da „eigentlich“ so schwammig unkonkret nichtssagend daherkommt und Fakten vorgaukelt, die definitiv nicht vorhanden sind!

Also, wo war ich stehengeblieben…? Ach ja…!

Normalerweise,…

…wenn ich spüre, dass die Welle einer Leseflaute mich zu überrollen droht, stelle ich mich einfach tot und warte, bis diese Welle über mich hinweg geschwappt ist, um im Nachbargarten ihren Schaden anzurichten. Ein todesmutiges Aufbäumen meinerseits, indem ich mich der Flaute mit einem exzessiven Literaturkonsum entgegenwerfe, führte bisher eher zum gegenteiligen Effekt: Völlig lustlos habe ich mich jedwedem „Schwarz-auf-Weiß“ verweigert und so den Zeitraum der Rekonvaleszenz unnötig verlängert.

Um den Heilungsprozess zu unterstützen und eine Narbenbildung möglichst zu minimieren, greife ich gerne in den Tiegel mit dem „Christie“-schen Wundermittel und verteile eine üppige Portion „Poirot“ recht großzügig auf meine wunde, geschundene Seele, massiere diese mit „Beresford“-artigen Bewegungen ein und verbinde alles mit einer Mullbinde „Marple“.

Nicht ohne Grund zählt Dame Agatha Mary Clarissa Christie, Lady Mallowan, „Queen of Crime“ zu meinen favorisierten Autorinnen und hat den Reigen in meiner Rubrik Literaten im Fokus eröffnet. Dabei könnte ich Euch aus ihrem überaus reichlichem Oeuvre noch nicht einmal ein einzelnes Werk herauspicken: Sie wirken alle gleichermaßen! Selbst wenn ich für einen ihrer brillanten Kriminalromane noch zu geschwächt sein sollte, so kann ich mich auf die Wirksamkeit der homöopathischen Dosen der Erzählungen verlassen. Tröpfchen- bzw. seitenweise sickert das Gelesene in meinen Organismus und fördert so sanft die Genese.

Ein „Christie“ geht immer! Ein „Christie“ hilft immer! Ein „Christie“ tut mir einfach immer gut.
💖

…und wie umschippert Ihr eine Lese-Flaute???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Eine Geschichte…] Luise Rinser – VORSORGE

Einer meiner Bekannten malt sich alle schlimmen Ereignisse, die ihm vielleicht zustoßen könnten, im Voraus genauestens aus, dann legt er sich zurecht, wie er sich in jeder Situation zu verhalten habe: bei einem Überfall, einer Feuersbrunst im Zug, einer Pleite im Geschäft, einer Verleumdung. Dadurch hat er tatsächlich eine Art Krisenfestigkeit erlangt. Er fühlt sich als ein Mann, der gegen alle möglichen Krankheiten geimpft und gegen alles Unglück versichert ist. Aber ist er deshalb glücklich und ruhig? Keineswegs! Denn er ist nur immerzu darauf bedacht, mögliche Bedrohungen sofort als solche zu erkennen.

Ich kenne ein weit besseres Hilfsmittel. Es ist im Grunde dasselbe, das ein Kind anwendet, wenn man es in den dunklen Keller schickt: Es singt laut. Damit zeigt es dem Unbekannten, dass es ihm etwas entgegenzusetzten hat: den Mut. Und Mut ist eine Form des Vertrauens. Nicht in die eigene Kraft, sondern in etwas, das uns beschützt.

Luise Rinser

MONTAGSFRAGE #131: Sind Euch Dialog oder Beschreibung in Büchern wichtiger?

Die Hüterin der MONTAGSFRAGE hat es in ihrem Beitrag schon sehr treffend formuliert: Viele Leser werden auf der oben genannten Frage mit „Beides!“ antworten. Und natürlich liegen sie mit dieser Aussage absolut richtig: Jedes zur rechten Zeit im nötigen Maße ist für eine gute Geschichte unerlässlich. Doch auf eine dieser entspannt-unaufgeregten und somit diplomatischen Antworten sollte die Frage gar nicht abzielen. Vielmehr implementiert es ein „Entweder-oder“ und kein „Sowohl-als-auch“. Also muss eine Entscheidung her,…

…und wenn ich ehrlich bin, dann sind mir zündende Dialoge wichtiger als detailreiche Beschreibungen. Vielleicht ist diese Wahl auch meiner Theater-Tätigkeit in der Vergangenheit geschuldet, wo das klassisches Textstudium mit Rolleninterpretation an der Tageordnung war. In einem Textbuch gibt es höchstens ein paar Beschreibungen des Settings und rudimentäre Regie-Anweisungen zu entdecken. Ansonsten entwickelt sich die Geschichte aus den Dialogen der Protagonisten und ihren emotionalen Bindungen zueinander.

Manche Autor*innen verlieren sich in ellenlangen Beschreibungen, die manchmal weder zur Schaffung von Atmosphäre noch zur Weiterführung der Handlung benötigt werden. Bestes oder vielmehr schlechtes Beispiel wäre das von mir verschmähte Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera und seine literarische Auseinandersetzung mit Exkrementen. Und selbst im von mir hochgeschätzten Epos Die Elenden von Victor Hugo „erfreut“ der Autor seine Leserschaft mit seitenweise Beschreibungen der Kanalisation von Paris: Ich habe diese Stelle immer übersprungen und bin mir sehr sicher, dass ich die Intension der Geschichte trotzdem begriffen habe.

Da lobe ich mir doch knackige, abwechslungsreiche und spritzige Dialoge, die tief in die Psyche des Handlungspersonals blicken lassen und der Leserschaft Raum für eigene Interpretationen bietet. Gerade diese Freiheit in der Interpretation macht für mich den besonderen Reiz bei der Auseinandersetzung mit Texten für die Bühne aus, wie ich am Beispiel von Christies Zeugin der Anklage schon erläutert habe. Auch zukünftig werden Theatertexte immer wieder einen Platz auf meinem Blog finden: So freue ich mich schon auf die Beschäftigung mit den Textbüchern zu „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ von Tennesee Williams und „Bunbury oder: Ernst sein ist wichtig“ von Oscar Wilde, die beide momentan noch ein Schläfchen auf meinem SuB machen.

Etwas salopp möchte ich meine Antwort wie folgt zusammenfassen: Wichtiger ist mir, was die Protagonisten zu sagen haben und nicht welche Muster ihre Pullis zieren! 😄

…viele Details oder viel Gesabbel? Was ist Euch wichtiger???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

DER [INNOVATIONS-AWARD] …auf alte Freunde und neue Bekanntschaften!

Als ich die Aktion auf dem Buchperlenblog von Gabriela, der Initiatorin dieses Awards, entdeckte, spielte ich schon mit dem Gedanken – auch ohne Nominierung – daran teilzunehmen. Doch dann kam dieses, jenes und welches dazwischen, und die Aktion geriet bei mir zwar nicht in Vergessenheit, rückte allerdings ein wenig in den Hintergrund. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Schwester im Geiste gemacht: Auf ihrem Blog Buchpfote hat Tina nicht nur die Idee dieser Aktion ganz wunderbar umgesetzt, sie hat dankenswerterweise auch mich nominiert,…

…und da bin ich nun!!!

Doch worum geht es überhaupt bei diesem [INNOVATIONS-AWARD]? Es geht schlicht und ergreifend um eine kollegiale Vernetzung innerhalb der Blogger-Community, damit wir weiterhin sichtbar bleiben und nicht in Vergessenheit geraten. Denn: Es ist hier still geworden – bei mir und auch bei vielen meiner Kolleg*innen – vielleicht zwangsläufig, da wir alle pandemie-bedingt anderen Herausforderungen ausgesetzt sind. Doch gerade in solchen Zeiten brauchen wir motivierende Aktionen wie diese…!

Darum: Macht gerne mit!!!


Natürlich gibt es ein paar Regeln, die es zu befolgen gilt:

  • Nenne den Schöpfer des Awards und setze einen Link auf den Blog. ✔️
  • Nutze den bekannten Header des Awards oder erstelle dir selbst einen. ✔️
  • Danke der Person, die Dich nominiert hat und verlinke ihren Blog in Deinem Post. ✔️
  • Nominiere selbst ein paar Blogger. ✔️
  • Vor allem, hab Spaß daran mitzumachen!!! ✔️✔️✔️

 Für meinen Beitrag gilt:

  • Stelle deinen Blog kurz vor. ✔️
  • Erzähle gern von anderen Formaten/Beiträgen abseits von Rezensionen. ✔️
  • Empfehle einen Blog, den du gern besuchst. ✔️

Wer bin ich?

Mein Name ist Andreas Kück, ich bin 51 Jahre alt, aus Überzeugung verheiratet und lebe mit Kerl & Kater in einer niedersächsischen Kreisstadt in der Nähe von Bremen. Hauptberuflich bin ich als examinierter Krankenpfleger in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung tätig.
Zuerst habe ich versucht etwas Blog-Ähnliches auf facebook zu etablieren, habe aber sehr schnell festgestellt, dass dies nicht das richtige Medium für mich ist bzw. für das, was ich mir vorstelle. Zudem gefielen mir auch teilweise das Niveau und der Umgangston dort nicht. So habe ich mich auf die Suche nach möglichen Alternativen gemacht und dabei einen guten Freund interviewt, der selbst schon einen Blog hatte. So kam es, dass ich am 7. Juli 2018 meinen ersten, (sehr) kleinen Beitrag auf meinem brandneuen Blog veröffentlicht habe.

Auf ein besonderes Buchgenre bin ich nicht spezialisiert, wobei die Krimis einen deutlichen Anteil bei meinen Rezensionen einnehmen. Ansonsten lese ich auch sehr gerne Romane und Erzählungen, taste mich so langsam an die Lyrik heran und muss natürlich als Patenonkel des liebsten Patenkinds der Welt wissen, was bei den Kleinen so »up to date« ist – abgesehen davon, dass ich selbst wunderschöne Kinder- und Jugendbücher über alles liebe. Sogenannte »Splatter-Thriller«, bei denen schon ab dem ersten Absatz das Blut aus den Seiten tropft, lese ich eher selten – ebenso wie Fantasy, Gothic und klassische Liebesromane.

Bei mir kann die geneigte Besucherin/ der geneigte Besucher meines Blogs neben Rezensionen noch eine Menge mehr entdecken: Gedichte, Zitate von Autoren und aus Büchern, Kurz-Portraits von Autoren, Glossen, Beiträge zu besonderen Tagen oder Aktionen und noch eine Menge mehr (s.a. unten).


Fernab der klassischen Rezension…

Montagsfrage (1)

130 (im Wort: einhundertunddreißig) Mal hat Antonia, die Hüterin der MONTAGSFRAGE meine Kolleg*innen und mich mit der Beantwortung einer Frage rund um die Themen Bloggen, Lesen und Literatur herausgefordert. So manches Mal ertönte nach dem ersten Lesen mein verzweifelter MONTAGSFRAGE-Schrei, da ich so spontan nichts aber auch gar nichts mit der Frage anfangen konnte. Doch statt zu resignieren, wird dann immer mein Ehrgeiz geweckt. Schließlich bin ich einer der wenigen Teilnehmer*innen, der ALLE Fragen bisher beantwortet hat (und auch weiter beantworten wird „bis das der Tod…“, aber das ginge hier doch zu weit). So blicke ich Frage für Frage auf mich und mein Leben als Leser, rüttle an den Schubladen meiner Erinnerungs-Kommode, befördere so einiges Verschüttetes an die Oberfläche und reflektiere so mein eigenes Handeln. Liebe Antonia, nochmals meinen herzlichsten Dank für diese Möglichkeit zur Selbstreflektion…!

Blog-ge-switch-er

Ich lese einen Beitrag auf einem Blog, einer Literaturseite, einem Buchportal etc. und denke „Diesen interessanten Artikel musst du dir merken!“. Doch wie stelle ich es am Elegantesten an? Listen anlegen? Karteikarten erstellen? Archive pflegen? Dann kam mir der Gedanke, dass diese Artikel evtl. auch für meine Mit-Blogger*innen von Interesse sein könnten. So war die Idee für [Blog-Ge-„switch“-er] geboren. Zugegeben, es ist ein sperriges Wort. Aber mir wollte partout nichts Originelleres einfallen. Was ich aber im Grunde damit ausdrücken wollte, ist, dass ich von einem Blog zum nächsten Blog „gehüpft“ bin und mir angeschaut habe, was meine Blogger-Kolleg*innen so alles Interessantes „gezwitschert“ bzw. veröffentlicht haben.

kulturtipps

Pandemie-bedingt ist es leider auf dieser Rubrik ruhiger geworden: Keine Kultur, keine Tipps! Es war zum Heulen! Natürlich hoffe ich, dass die Zeiten nun besser werden, und ich so eine reelle Chance habe, diese Rubrik bald wieder mit mehr Inhalt füllen zu können. Was allerdings unabhängig von dieser Rubrik vor und während der Pandemie weiterhin erfolgte, waren meine Beiträge zu Kulturelles Kunterbunt… (sofern welche stattfanden), in denen ich meine Eindrücke von Besuchen bei kulturellen Events wiedergab. Schaut doch mal vorbei!

Literaten im Fokus

Manchmal juckt es mich und ich muss mich kratzen! – will heißen: Manchmal stolpere ich über eine Autorin/ einen Autor und denke „Über diese Person wolltest du schon immer viel mehr erfahren!“. Manchmal gebe ich diesem Drang sogar nach. So wurde die Rubrik Literaten im Fokus geboren. Im Rahmen einer kleinen Retrospektive schaue ich auf das Leben und Wirken dieser Literaten und werfe auch einen Blick auf Zeitumstände und Weggefährten. Es ist eine sehr interessante aber auch zeit- und arbeitsintensive Auseinandersetzung mit Künstler*innen der schreibenden Zunft.

Ich lade gern mir Gäste ein! Be my guest...

Dies ist mein jüngstes Baby, das gerade erst seine ersten zaghaften Schritte gemacht hat, und ich bin dankbar für alle meine Gäste, die diese Schritte gemeinsam mit mir gewagt haben. Die Idee hinter dieser Rubrik ist eigentlich sehr einfach erklärt: Warum soll immer nur ich auf meinem Blog „sabbeln“, wo ich doch tolle Menschen kenne, die so viel Interessanteres zu berichten hätten. Nachdem schon Ute und Carmela zu Wort kamen, wird im September Lars von seinen Erfahrungen als Selfpublisher berichten.

Die Bücher meines Lebens

Besonders das Ende des Jahrs 2019 war sehr bewegend für mich: Ich feierte meinen 50. Geburtstag! Es war für mich an der Zeit, ein Resümee zu ziehen und Entscheidungen zu treffen. Auch einen sehr persönlichen Rückblick auf mein Leben als Leser gönnte ich mir anhand von 14 Büchern, die ich mit größtem Bedacht auswählte und die so zu Recht den Titel Die Bücher meines Lebens tragen dürfen. Es war für mich einerseits emotional aufwühlend und gleichzeitig sehr, sehr schön. Anhand der Bücher konnte ich viele wichtige Stationen meines Lebens benennen, die mir nochmals offenbarten, warum ich der Mensch werden konnte, der ich heute bin…!

Lektüre zum Fest

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Weihnachten liebe? Nein! Also: Ich liebe, liebe, liiiiiebe Weihnachten und selbstverständlich auch die passende Literatur. Hach, und es gibt Jahr für Jahr immer so viel Schönes und Neues zu entdecken. Von dieser Ausbeute profitiere ich natürlich auch als Vor-Leser. Und da ich hoffe, dass ich nicht der einzige Weihnachts-Fan in der Blogger-Sphäre bin, bekommt Ihr immer ab Mitte Oktober ein mehrgängiges Menü zur Literatur zum Fest aufgetischt. Bon Appetit!


Wen empfehle ich Euch?

Seit Beginn meiner Blogger-Karriere verfolge ich seinen Blog reisswolfblog und bin ein Fan seiner kompetenten und ausführlichen Rezensionen. Dabei geizt er manchmal nicht mit bissig-ironischen Kommentaren und würzt seine Beiträge auch gerne mit einer Prise „schwarzen Humor“. Doch auch bei ihm meine ich, eine gewisse Trägheit wahrzunehmen.

Lieber Frank!
Vielleicht kann ich Dich hiermit ein wenig aus Deiner Lethargie scheuchen!
Gruß Andreas


Ich gebe den Award weiter an…

…da ich bei jedem einzelnen dieser Blogs, der Meinung bin, dass sie ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hätten! 

[Rezension] Josephine Tey – NUR DER MOND WAR ZEUGE

Ein überraschender Anruf rüttelt Rechtsanwalt Robert Blair aus seiner gewohnten Routine: Marion Sharpe bittet ihn um Unterstützung. Ihr und ihrer Mutter wird vorgeworfen die 15-jährige Betty Kane entführt, sie beinah 4 Wochen auf dem Dachboden festgehalten und sogar geschlagen zu haben, bis diese sich durch Zufall befreien konnte. Die Indizien sind erdrückend. Das Mädchen kann sehr genaue Angaben über das Innere des Sharpe-Hauses machen – ein Umstand, der die beiden Frauen schwer belastet. Die Sharpes weisen alle Vorwürfe von sich, und so steht Aussage gegen Aussage. Doch die Boulevard-Presse bekommt Wind von der Geschichte, ergreift Partei für das augenscheinlich unschuldige Opfer und heizt so die öffentliche Meinung an. Die Sharpes müssen einen Spießrutenlaufen über sich ergehen lassen und so manche üblen Repressalien erdulden. Robert Blair setzt alles und jeden in Bewegung, um die Anschuldigungen von Betty Kane zu widerlegen. Wo hielt sich das Mädchen zum besagten Zeitraum wirklich auf…?

Unter dem Pseudonym Josephine Tey schrieb die schottische Autorin Elizabeth MacKintosh in der „goldenen Ära“ höchst erfolgreich Kriminalromane und galt bzw. gilt als eine der Besten ihrer Zunft. So wurde ihr Roman „Alibi für einen König“ aus dem Jahre 1951 von der englischen Autorenvereinigung Crime Writers’ Association zum besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt und 1969 mit dem Grand prix de littérature policière geehrt. Der vorliegende Roman erschien erstmals im Jahre 1948 und zeugt schon vom großen Talent seiner Autorin. Ihr ist ein rundum unterhaltsamer, sehr eleganter Roman gelungen, der einen Vergleich mit den Werken ihrer bekannteren Kolleg*innen nicht zu scheuen braucht.

Formal bietet dieses Werk all die Ingredienzen, die ich mir für einen süffigen Krimi wünsche – allerdings ohne Tote: ein intelligenter aber etwas weltfremder Held, seinen gewitzten jugendlichen Neffen, die liebenswert-schrullige Tante, ein brillanter Strafverteidiger, patente und hilfreiche Handlanger, die kurios-kauzigen „Täterinnen“ und als „Opfer“ die naive Unschuld vom Lande. Zusätzlich fügte die Autorin ihren Zeilen in den Dialogen Witz, in die Handlung rätselhafte Verwicklungen und in die Personenzeichnung spürbare Sympathie für ihre erdachten Kreaturen hinzu. Zudem versteht sie es ganz ausgezeichnet, ihre Leserschaft über lange Zeit nicht nur im Unklaren zu lassen, wer in dieser Geschichte wirklich das Opfer und wer der wahre Täter ist – vielmehr zweifelte ich mal an der Glaubwürdigkeit der einen, mal an der anderen Partei. Selbst als mir dies klar war, fieberte ich weiter der endgültigen Auflösung entgegen.

Für mich wird hier erstmals in einem klassischen Krimi die Macht der Presse thematisiert und ist damit von einer erschreckenden Aktualität. Waren es damals die Boulevard-Zeitungen und Klatsch-Blätter, so sind es heutzutage insbesondere die sogenannten Sozialen Medien, die einen Einfluss auf die öffentliche Meinung nahmen bzw. nehmen und so die Stimmung bei ihren Fans anheizen, die alles unreflektiert für bare Münze nehmen, was schwarz auf weiß geschrieben steht.

Neben den schon bekannten Verdächtigen im Verlagswesen hat es sich nun also auch der Kampa-Verlag auf die Fahnen geschrieben, die Freunde der klassischen Krimi-Literatur mit unterhaltsamen Ausgraben zu erfreuen. Wie ich „aus gut unterrichteter Quelle“ erfahren habe, ist dort die Wiederveröffentlichung von „Alibi für einen König“ schon in Vorbereitung. Ich bin gespannt…!!!

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin JAN ERICHSON von „Meineliteraurwelt“.


erschienen bei Oktopus (bei Kampa)/ ISBN: 978-3311300021
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #130: Tabuthemen in der Literatur?

Ausnahmsweise erscheint meine Antwort zur „dieswöchentlichen“ MONTAGSFRAGE mit einem Tag Verspätung: Ich bitte um Entschuldigung! Doch ich kam gestern Nachmittag von der Arbeit erschöpft nach Hause, und dank der gar wunderbaren Wetterverhältnisse dröhnte der Kopf und zickte der Kreislauf,…

…zudem warf ich einen Blick auf die Frage und dachte maulig „Ach, nö…!“. Es schien mir nun nicht gerade die prädestinierteste Frage zu sein, um in einen chilligen Feierabend zu starten.

Doch natürlich werde ich mich auch dieser Frage todesmutig gegenüberstellen und sie in die Knie zwingen (oder sie mich). Tabuthemen: Wo anfangen? Wo aufhören? Erlaubt mir bitte, dass ich die Frage etwas allgemeiner beantworte.

Als erstes fiel mir der Song „Tabu“ von der wunderbaren Song-Poetin Pe Werner ein, die ich über alles verehre. Ihre Konzerte sind für mich Balsam für die Seele. Virtuos sorgt sie bei mir für „Kribbeln im Bauch“. Da lasse ich mich von ihr allzu gerne mit „Trostpflastersteine“ bewerfen – und das möglichst tonnenweise. Hach, wann wird es wieder so sein…???

Bei Hören des Songs wurde mir erneut bewusst, dass je nach Epoche, kulturellem Hintergrund, gesellschaftlichen Konventionen etc. ein Thema mal mehr, mal weniger als Tabu betrachtet werden kann. Ausdrücke, die in den 50er Jahren gang und gebe waren, wären heute undenkbar. Viele gleichgeschlechtlich Liebende der älteren Generation mussten vor gar nicht allzu langer Zeit ihre Liebe verstecken, da man sie sonst strafrechtlich verfolgt hätte. Heute können wir offen(er) zu unserer Liebe stehen.

Doch ist die Gesellschaft wirklich so viel offener? Es gibt in unserer – Ach! – so toleranten Gesellschaft doch keine Tabus mehr, oder? Ein Blick in Presse, Fernsehen und vor allem Internet lässt dies durchaus vermuten. Aber sind Themen, die genüsslich in der Öffentlichkeit zelebriert werden, automatisch frei von Tabus? Ich bin nicht der Meinung! Vielmehr habe ich den Eindruck, dass heutzutage hemmungsloser die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Ich habe eher den Eindruck, dass die Medienflut eine Gesellschaft nicht zwangsläufig toleranter sondern vielmehr abgestumpfter und gleichgültiger macht, bzw. in seiner Form, wie über Themen berichtet werden, sogar eher Intoleranz fördert.

Jede und jeder hat heutzutage die Möglichkeit, sich zu produzieren und findet für sich und sein (Tabu-)Thema die entsprechende Bühne. Jede und jeder kann darüber hemmungslos zu Gericht sitzen und die Meinung unreflektiert der Öffentlichkeit preisgeben. Dabei wird häufig jenseits einer Scham agiert, und Tugenden wie Takt und Einfühlungsvermögen scheinen nicht existent. Da dies keine Welt ist, in der ich leben möchte, ergibt sich für mich ergo nur zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren: Zum einen entziehe ich mich dieser Themen-Flut, verweigere den so genannten (selbst ernannten) Tabu-Brechern meine Aufmerksamkeit und gebe ihnen nicht die Möglichkeit weiteren Unsinn abzusondern. Andererseits ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich „anders“ zu verhalten. Auch wenn es etwas altmodisch klingt, aber ich möchte Vorbild sein. Mein Wahlspruch lautet „Die Welt wird nicht besser, wenn wir Böses mit Bösem bekämpfen!“ und daran halte ich mich – auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt. 😏

Natürlich gibt es Themen, die seriös (!) von ihrem Tabu befreit werden sollten und müssen – unabhängig vom jeweiligen Medium. Für mich zählen solche Themen dazu, bei denen die Betroffenen durch eine Enttabuisierung deutlich an Lebensqualität gewinnen, das Verständnis füreinander geweckt und ein friedvolles Miteinander gefördert wird. Ich hoffe und wünsche, dass unsere Welt dadurch ein wenig besser wird,…

…und bis es soweit ist, lassen wir uns gemeinsam von „Tabu“ ein wenig trostpflastersteinigen – hier in einer Fassung mit Pe Werner und der wunderbaren WDR Big Band

Tabus: brechen oder bewahren? Wie ist Eure Meinung…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

MONTAGSFRAGE #129: Hat sich Dein Stil beim Verfassen von Blogbeiträgen/Rezensionen über die Jahre verändert?

Na, ich hoffe doch sehr,…

…denn, wenn nicht, würde es doch bedeuten, dass ich nicht das nötige Potential vorweisen könnte, um mich weiterzuentwickeln. Und eine ständige Weiterentwicklung gehört für mich zum Menschsein einfach dazu!

Zufälligerweise habe ich mich gerade am letzten Wochenende mit „Entwicklung“ beschäftigt: Eine junge Frau hatte vor einigen Wochen über die Buchhandlung meines Vertrauens Kontakt zu mir aufgenommen. Sie hegte den Wunsch, einen eigenen Buch-Blog ins Leben zu rufen, war allerdings unsicher, welche Formalien eingehalten werden müssen, und hatte somit noch so einige Fragen. Wir telefonierten ausgiebig, und ich hoffe, dass ich sowohl ihre Fragen ausreichend beantworten als auch ihr die Unsicherheit nehmen konnte. Sie bat mich, einen kritischen Blick auf ihre erste Rezension zu werfen, die am letzten Donnerstag per Mail bei mir eintrudelte. Ich las ihre Rezension, und vieles kam mir daran äußerst bekannt vor.

Ein Schlüsselsatz meines Feedbacks war „Es ist noch kein*e Meister*in vom Himmel gefallen.“ Eine gute Rezension zu schreiben, bedarf Übung. Meine ersten Rezensionen waren weit davon entfernt, sich mit dem Prädikat „meisterlich“ zu schmücken. Meine ersten Rezensionen lassen sich eher mit „weniger ist weniger“ beschreiben: Meine „Kritiken“ waren nicht nur recht knapp ausgefallen, aus heutiger Sicht wirken sie auf mich oberflächlich, beinah nichtssagend. Warum sollte ich großartig rumschwafeln? Damals dachte ich, wenn ich schreibe, dass dieses Buch unbedingt gelesen werden muss, dann sollte es doch genügen. Nein, es genügt(e) nicht! Heute weiß ich, dass der Leser einer Rezension mehr erfahren möchte – vom literarischen Werk aber auch vom Buch-Blogger.

Dabei wäre es so einfach gewesen, hätte ich nur das, was mich bei anderen Bloggern anspricht, auch selbst beim Formulieren einer Rezension berücksichtigt. Als Leser möchte ich hinter dem Blog auch die Persönlichkeit des Bloggers erkennen. Ja, natürlich geht es in erster Linie um das zu besprechende Buch. Doch Lesen geht nicht ohne Emotionen – zumindest nicht bei mir. Bestenfalls macht die Lektüre etwas mit mir bzw. löst etwas aus, weckt Erinnerungen, bringt mich zum Weinen, langweilt, verärgert oder unterhält mich. Zudem möchte ich ergründen, welche Atmosphäre ein literarisches Werk für mich bereithält, wenn ich den Buchdeckel aufschlage und mit der Lektüre beginne. Trifft mich sein melancholischer Ton mitten ins Herz oder eher der intelligente Witz direkt in mein Humorzentrum? All das möchte ich als Leser von (m)einem Buch-Blogger erfahren. Im Umkehrschluss vermute ich, dass meine Follower eben genau dies auch von mir erfahren möchten. Und so kam es, dass ich „learning by doing“ meinen ur-eigenen Stil entwickelte, der durchaus seine Fans gefunden hat und hoffentlich auch weiterhin findet.

Am Samstag fand ich endlich die nötige Zeit für eine ausführliche Rückmeldung: Ich hoffe, meine junge Kollegin hat sich von meinen kritischen aber wohlwollenden Anmerkungen nicht entmutigen lassen, sondern diese eher als Ansporn gesehen,…

…und ich bat sie, mich über den Start ihres Blogs zu informieren, damit ich ihr erster Follower werde.

Stil: Mut zur Veränderung oder treu bleiben auf immer und ewig? Was meint Ihr…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Eine Geschichte…] Doris Bewernitz – POST FÜR HERRN ULLRICH

„Post für mich?“, fragt er durch die Luke. Nur wer ihn besser kennt, sieht die Anspannung in seinem Gesicht, die zusammengekniffenen Augen, das leichte Zittern der Lippen. Sein weißes Haar ist noch ungekämmt. Er geht immer nach dem Aufstehen gleich fragen. Aus dem abgetragenen Bademantel mit den verblichenen blauen Streifen schauen dünne Beine heraus, die Haut wie Pergament.
„Warten Sie“, ruft Susanne. „Ich sehe gleich nach, Herr Ullrich!“ Sie geht zu den Postfächern und schaut. „Heute nicht, Herr Ullrich.“ Würdest du danebenstehen und dieses „Heute nicht“ hören, du dächtest sofort, Herr Ullrich bekommt sonst jeden Tag Post. Aber dem ist nicht so. Herr Ullrich bekommt nie Post. Seit vierzehn Jahren wohnt er hier im Pflegeheim und seitdem hatte er noch keine Post.

Aber jeden Tag geht er zur Luke und fragt. Und dafür, wie Susanne das „Heute“ von „Heute nicht“ ausspricht, dafür hat er sie so gern.

Doris Bewernitz