[Event] THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT / Stadtbibliothek Bremerhaven

THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT mit Auszügen aus LE NOZZE DI FIGARO
Termin des Events: 2. April 2025

Stadtbibliothek im Hanse Carré in Bremerhaven


Ich liebe Kooperationen, bei denen zwei Institutionen eine Partnerschaft eingehen, ihre Kräfte bündeln und gemeinsam an Formate tüfteln, um das jeweilige Klientel des anderen Partners zu erreichen und somit (im besten Fall) einen Synergieeffekte zu erzielen. Was wie ein berechnetes Kalkül erscheint, kann sich allerdings unter stimmigen Voraussetzungen zu einem Gewinn für alle beteiligten Parteien entwickeln, insbesondere für die Klientel – ergo: somit auch für mich!

Die Stadtbibliothek Bremerhaven und das Stadttheater Bremerhaven sind eine solch fruchtbare Kooperation eingegangen und bieten eine tolle Veranstaltungsreihe an: THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT.

Doch was steckt dahinter?

Jeden ersten Mittwoch im Monat um 12:30 Uhr lädt die Stadtbibliothek Mitglieder aus dem Ensemble des Stadttheaters ein, kleine Snacks aus dem aktuellen Programm zu präsentieren. Mal literarisch, mal musikalisch – und immer ganz nah, direkt auf unserer Strandkorbbühne. Und damit zur Mittagszeit auch an das leibliche Wohl gedacht ist, können Sie sich gern an unserem Kaffeeautomaten versorgen und die Brotdose auspacken beim Lauschen (auf warme, geruchsintensive Speisen bitten wir zu verzichten).

(Text der Homepage der Stadtbibliothek Bremerhaven entnommen.)

Diesmal standen Auszüge aus der Oper LE NOZZE DI FIGARO von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Und es schien beinah wie ein gutes Omen, dass ein gerahmtes Porträt des Meisters die Wand hinter der Strandkorbbühne zierte. Was sollte da noch schiefgehen? Nix!


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Torben Selk, der als Dramaturg die aktuelle Inszenierung der Oper am Stadttheater betreute, führte sympathisch durch das Programm und hatte sich mit den Sängerinnen Victoria Kunze (SUSANNA) und Boshana Milkov (CHERUBINO) seine charmanten Interview-Partnerinnen gleich mitgebracht. So erfuhren die Zuschauer*innen u.a. während des Interviews, dass beide Künstlerinnen ihre ersten Berührungspunkte mit Mozarts Opera buffa und somit auch mit der jeweiligen Partie schon während ihres Studiums hatten. Auch wurde das Frauenbild (insbesondere das Bild der SUSANNA) in dieser Oper beleuchtet: Victoria Kunze beschrieb SUSANNA als sehr intelligent, zupackend aber auch pragmatisch, die schon zur Entstehungszeit der Oper ein sehr modernes Bild einer Frau vermittelte. Für Boshana Milkov steckt CHERUBINO mitten in der Pubertät, wird geleitet von seinen Gefühlen und ist eher für den Spaßfaktor in der Oper zuständig. An die erfreulich vielen Jugendlichen unter den anwesenden Gästen schickte Victoria Kunze den Appell, sich zu trauen, eine Opernaufführung zu besuchen, da diese manches Mal gar nicht so elitäre wäre, wie vielleicht befürchtet. Und Boshana Milkov konstatierte so treffend, dass die Irrungen und Wirrungen in Mozarts Oper die einer Daily Soap nicht unähnlich seien.

Nach all dieser „grauen“ Theorie sollte nun der Gesang nicht zu kurz kommen: Boshana Milkov begann den musikalischen Reigen mit CHERUBINOs Arie „Non so più cosa son, cosa faccio“. Beim turbulenten Duett „Aprite, presto, aprite!“ gesellte sich Victoria Kunze dazu, die den Reigen mit SUSANNAs sehnsuchtsvoller Arie „Deh vieni non tardar, o gioia bella“ beendete. Eloquent begleitet wurden die beiden Künstlerinnen am Klavier von Hartmut Brüsch.

Wenige Schritte neben der Strandkorbbühne entdeckte ich ein beeindruckend langes Regal mit Medien zur aktuellen Theatersaison: Da waren CDs und DVDs ebenso zu finden wie Noten und Libretti, zudem Biografien, Romane, musikalische Bilderbücher und vieles, vieles mehr. Und natürlich durften auch die Spielzeithefte vom Stadttheater Bremerhaven, dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven und dem JUB – Junges Theater Bremerhaven ebenso wenig fehlen. Ich war ganz und gar begeistert.

Die Stadtbibliothek Bremerhaven hatte in ihrem Text zur Veranstaltung nicht zu viel versprochen: Nah und direkt – genau so habe auch ich es empfunden. Der THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT ist ein kurzweiliges Format, das jedem ermöglicht, sich der „hehren“ Kunst behutsam anzunähern und Lust macht, sich mit dem Theater in all seinen Facetten – auch literarisch – zu beschäftigen.


Weitere Termine zum THEATERSNACK ZUR MITTAGSZEIT findet Ihr sowohl auf der Homepage der Stadtbibliothek Bremerhaven als auch auf der Homepage vom Stadttheater Bremerhaven.

[Schauspiel] Andrew Bovell – ALLENS, WAT ICK SEKER WEET / TiO Osterholz-Scharmbeck

Schauspiel von Andrew Bovell / Deutsch von Maria Harpner und Anatol Preissler / Niederdeutsch von Ulrike Stern und Rolf Petersen

Premiere: 1. März 2025 / besuchte Vorstellung: 16. März 2025

TiO – Theater in OHZ, Osterholz-Scharmbeck


REGIE Ulf Goerges
REGIEASSISTENZ Beate Schöne
BÜHNENKONZEPT Beate Schöne

SOUFFLEUSE Elke Weber
REQUISITE / AUSSTATTUNG Frauke Meyer
MASKE Petra Kießler
KOSTÜME Ute Schmonsees
BÜHNENBAU Jens Koslowsky und Ralf Frerichs
LICHT & TON Rolf Kießler, Michael Garbade und Bernd Meyer


Ich betrat den Zuschauersaal der großen Scheune auf Gut Sandbeck und stutzte. Trotzdem ich vorgewarnt war, stutzte bzw. staunte ich über die Ausrichtung der Bühne. Naja, Bühne konnte man den grünen Kunstrasen mitten im Saal nun wahrlich nicht nennen. Es war eher eine Fläche – ja, es war eine Spielfläche: einige Gartenmöbel, Blumenkübel, eine Gartenbank unter einem Baum, an dem noch eine alte Schaukelt vor sich hin bammelte bzw. gammelte. Die Stuhlreihen für die Zuschauer*innen schlossen rechts und links an dieser Spielfläche an und erhöhten sich treppenartig. Auf den Vorhang, der sich für das Spiel öffnen würde, musste verzichtet werden: Er wäre auch völlig überflüssig, denn wir saßen schon mittendrin…

Zu Beginn und am Ende dieses Schauspiels listet Rosie, die jüngste Tochter der sechsköpfigen Familie Voss, ihre Liste der Dinge auf, die sie sicher weiß, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Und so lernen wir die Familie kennen, die Eltern Thomas und Manuela, die vier Kinder Ben, Marc, Pia und das Nesthäkchen Rosie. Schnell taucht man ein in das komplexe Familiengebilde, das eine sehr große Liebe ebenso zusammenhält wie auseinandertreibt. Jedes Kind sucht seinen eigenen Weg aus dem liebevollen Nest der Eltern, deren Garten lange Zeit die Welt für sie bedeutet hat. Dort fanden die wichtigsten, aber auch ganz banale Familienereignisse statt: gemeinsame Spiele und Grillparties, geheime Rückzüge, Ausgelassenheit, Trauer, die Hochzeit der ältesten Tochter Pia. Doch so groß die Liebe der Eltern ist, so erdrückend kann sie auch sein, so ungleich ist sie verteilt, wenn die Mutter die Söhne ebenso bevorzugt wie der Vater die Töchter, wenn sich Tochter Pia und ihre Mutter Manuela zu ähnlich sind, die jüngere Frau die Chance auf ein neues Glück ergreift, die die Mutter vorbeiziehen ließ, um für ihre Kinder da zu sein. Die Kinder, die die Erwartungen ihrer Eltern, die hart für sie und ihre Ausbildung gearbeitet haben, kennen, aber ihren eigenen Weg suchen müssen. Rosie ist die Jüngste und noch nicht ganz flügge geworden. Nachdem ihr erster Versuch, sich abzunabeln und möglichst weit weg von Zuhause die Welt zu erkunden, an gebrochenem Herzen gescheitert ist, ist sie in den sicheren Familien-Hafen zurückgekehrt. Während sie noch Orientierung sucht, haben ihre Geschwister ihre Wege bereits beschritten, und bringen damit das Gleichgewicht der Familie immer wieder ins Schwanken. Und wie wird es um die Ehe von Manuela und Thomas bestellt sein, wenn auch Rosie endgültig auszieht?

(Inhaltsangabe der Homepage des Theaterverlages entnommen.)


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Der Garten, das eigene Fleckchen Land, familiäres Hoheitsgebiet, Sehnsuchts- und Rückzugsort, voller Erinnerungen – gute wie auch weniger gute, klar begrenzt und doch nach allen Seiten offen. Und wir, wir waren die neugierigen Nachbarn, die von oben in den Garten lusterten, scheinbar versteckt hinter der Gardine. Der Blick auf das Drama von Nebenan lenkt vom Dreck vor der eigenen Haustür ab. Die Handlung offenbarte sich uns sehr fokussiert wie auf dem Präsentierteller oder auch wie auf einem Objektträger unter dem Mikroskop – nichts blieb im Verborgenen.

Im Mikrokosmos Garten zeigte Regisseur Ulf Georges eine ganze Welt: Er ließ sein Figuren lieben und leiden, kämpfen, siegen und sich ergeben, lachen und weinen. Gesellschaftliche Konventionen fanden keine Beachtung: Hier galten die familieninternen Regeln. Brutal direkt und darum umso ehrlicher ließ Georges die verschiedenen Charaktere heftig aufeinander- bzw. voneinander ab-prallen, gönnte ihnen aber auch die kleinen, leisen Momente und gestaltete diese inneren Monologe sehr intim und berührend.

Dabei formte er ein so homogenes Ensemble, das das Echte und Ungekünstelte der Amateure mit der Intensität der Profis vereinte. Und so fällt es mir schwer, eine Person besonders hervorzuheben, da es wahrhaftig eine Ensembleleistung war: mit Iris Richters und Carsten Mehrtens als die Eltern sowie Tina Stelljes (Pia), Timon Finke (Marc), Jendrik Ische (Ben) und Amelie Odia (Rosie) als deren Kinder. Jede*r durfte sowohl humorvolle Situationen kreieren wie auch liebenswerte Schrullen aus der jeweiligen Figur herauskitzeln.

Zudem schienen die Mitglieder des Ensembles so viel Vertrauen zueinander aufgebaut zu haben, dass auch ganz besondere Augenblicke großer Intensität möglich waren. Da standen nicht nur den Schauspieler*innen die Tränen in den Augen, auch mir wurden die Augen feucht. Vergeblich versuchte ich den sprichwörtlichen Kloß im Hals hinunterzuschlucken und musste mehrfach tief Luft holen, um mich von meiner Anspannung zu lösen. So kurzweilig die humorvollen Stücke auch sind, in Erinnerung bleiben mir eher die „unbequemen“ Theaterabende, die auch noch über Tage nachwirken.

Mit dieser grandiosen Inszenierung bewirbt sich das Theater in OHZ um den renommierten Willy Beutz-Preis zur Förderung des Niederdeutschen Schauspiels. Ich drücke ganz fest die Daumen!


EILMELDUNG: Am 5. April 2025 wurde in Oldenburg der Willy Beutz-Preis verliehen, und das TiO – Theater in OHZ erzielte mit dem Schauspiel ALLENS, WAT ICK SEKER WEET den 1. Platz. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Wer Amateur-Theater auf hohem Niveau erleben möchte, sollte sich beeilen: Für das Schauspiel ALLENS, WAT ICK SEKER WEET in der großen Scheune auf Gut Sandbeck gibt es nur noch wenige Termine.

[Oper] Wolfgang Amadeus Mozart – LE NOZZE DI FIGARO / Stadttheater Bremerhaven

Opera buffa von Wolfgang Amadeus Mozart / Libretto von Lorenzo Da Ponte / nach der Komödie La Folle Journée ou le Mariage de Figaro (Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro) von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais / in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 15. März 2025 / besuchte Vorstellungen: 15. & 29. März 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Davide Perniceni
INSZENIERUNG Achim Lenz
BÜHNE & KOSTÜME Bernhard Bruchhardt
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Frauke Richter

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham & Tonio Shiga
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Tyler Wefer


Mozart passt – immer und zu jeder Gelegenheit, ob beim Sport, beim Hausputz oder zur Klausurvorbereitung. Während der Schwangerschaft nimmt Mozart positiven Einfluss auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Wer mit Mozart ins Bett geht, kann die Einschlafprobleme bald vergessen.

Mozart ist ein Alleskönner, ein Tausendsassa, ein Genie: Er entspannt, hilft und heilt,…

…und er unterhält auf hohem Niveau!

In einem unmöblierten Zimmer nimmt Figaro Maß für sein künftiges Ehebett. Er ist glücklich: Vor wenigen Jahren war er noch ein einfacher Barbier in Sevilla. Nun ist er Kammerdiener des Grafen und wird in wenigen Tagen seine geliebte Susanna heiraten, die Kammerzofe der Gräfin. Die Hochzeitsvorbereitungen laufen, doch was seine Zukünftige noch nicht weiß: Der Graf hat mit Hintergedanken dem Paar dieses Zimmer im Schloss spendiert. Als Figaro seiner Braut stolz ihr künftiges Ehezimmer präsentiert, wird Susanna ärgerlich. Ihr ist bekannt, dass der Graf Almaviva seine Gemahlin fortlaufend betrügt und es nun auch auf sie abgesehen hat. Mit diesem Zimmer will er sie nur in seiner Nähe wissen. Figaro ist schockiert, als er dies hört. Es wird ihm einiges klar: Nun weiß er, warum ausgerechnet er beauftragt wurde, als Kurier nach London zu reisen. Doch diese Schmach wird er nicht einfach hinnehmen. Es wird sich noch herausstellen, wer von den beiden der Raffiniertere ist: der feine Herr Graf oder der listige Figaro? Schon lange hat der Graf ein Auge auf Susanna geworfen. Dumm nur, dass er höchst persönlich das „ius primae noctis“, das Recht der ersten Nacht abgeschafft hat, und er nun andere Mittel anbringen muss, um hoffentlich bei der reizenden Susanna landen zu können. Er versucht sie mit einem kleinen Vermögen zu locken, damit sie sich ihm am Abend im Park hingibt. Dumm nur, dass sein eigener Page Cherubino, im Zimmer versteckt, das schmutzige Angebot angehört hat. Cherubino wiederum ist in die Gräfin verliebt, flirtet aber auch heftig mit Susanna und ist auch einem Tête-à-Tête mit Barbarina, der Tochter des Gärtners Antonio, nicht abgeneigt. Als der Graf dies zufällig erfährt, will er den jungen Burschen zur Strafe zur Armee schicken. Doch auch aus einer anderen Richtung droht Gefahr: Die Haushälterin Marcellina will die Hochzeit platzen lassen, da Figaro ihr einst die Ehe versprochen hatte, sollte er seine Schulden bei ihr nicht bezahlen können. Unterstützung erhält sie von Bartolo, dem Leibarzt des Grafen, mit dem sie früher einmal ein kleines amouröses Techtelmechtel hatte. Später stellt sich überraschenderweise heraus, dass die Frucht ihrer gemeinsamen Leidenschaft eben genau jener Figaro ist, den sie zu heiraten gedachte. Da ist die „frischgebackene“ Mutter überglücklich und zerreißt voller Freude den Schuldschein. Die Begeisterung von Bartolo ist dagegen eher überschaubar, da er Figaro nie verzeihen konnte, dass er damals seine Heiratsabsichten mit der Gräfin torpediert hatte. Susanna wird bewusst, dass sie dringend handeln muss. Gemeinsam mit der Gräfin Almaviva, die zunehmend unter der Untreue ihres Gatten leidet, schmiedet Susanna einen Plan, um den Hochmut der Kerle endgültig empfindlich zu stutzen. Bei der Ausübung ihrer Pläne erhalten sie die Unterstützung von Cherubino, den sie als Frau verkleidet haben, damit er der Strafe des Grafen entgeht. Die Gräfin diktiert Susanna einen Brief, den sie dem Grafen zuspielt und somit dem erhofften Schäferstündchen zustimmt. Die beiden Frauen tauschen ihre Garderoben. Dabei erscheint die Gräfin verkleidet mit Susannas Hut und Kleid zum Treff mit ihrem untreuen Gatten, was Figaro zu ganz falschen Schlussfolgerungen treibt und ihm ein paar Ohrfeigen einbringt. Glücklicherweise erkennt er noch rechtzeitig seine geliebte Susanna in der Robe der Gräfin und weiß sich so ihrer Treue sicher. Doch auch der Graf Almaviva leistet seiner Gattin reumütig Abbitte.

Mozarts Musik zu lauschen, ist für mich ein absoluter Hochgenuss! Mozarts Werk auf der Bühne zu erleben, ist für mich die pure Wonne. Selbst (allzu) kreative Regie-Konzepte können dem Meister nichts anhaben. So sehr diese auch ihre Berechtigung haben, ihren Reiz auf mich ausüben, indem sie meinen Blickwinkel verändern und so meinen Horizont erweitern. Doch bei einer naturalistischen Inszenierung schalte ich unwillkürlich in den Wohlfühl-Modus: Mit einem wohligen Seufzer lehne ich mich in meinem Sitz zurück, und mein Herz springt und hüpft vor Freude!


HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DER BESPROCHENEN INSZENIERUNG SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Schon beim Klang der Ouvertüre wurde mir wieder allzu deutlich, dass es in dieser Oper äußerst turbulent zugeht: Es ist nicht zu überhören, dass die handelnden Personen voller Gefühl mit- und umeinander ringen und so reichlich Bewegung in die Geschichte bringen. Trefflich zu einer Opera buffa kitzelte Davide Perniceni genau diese vibrierende Leichtigkeit aus dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven heraus. Schwelgerisch, in großen musikalischen Bögen umrahmte er die Sänger*innen bei den Arien. Zudem gab es bei dieser Inszenierung im/am Orchestergraben Ungewohntes zu bestaunen: Der Orchestergraben wurde angehoben, was für einen schlankeren Klang sorgte (mein subjektiver Eindruck). Zudem begleitete Perniceni die Sänger*innen bei den Rezitativen höchstpersönlich am Cembalo.

Einer klassischen Screwball-Komödie nicht unähnlich zieht Regisseur Achim Lenz in der ersten Hälfte das Tempo an. Da werden so manche Türen geöffnet und wieder geschlossen, nur um zu erleben, dass das, was man dahinter wähnte, nicht (mehr) dort zu sein scheint. Bereits während der Ouvertüre tobten die Darsteller*innen vor dem geschlossenen Vorhang über die Vorderbühne und gaben sich so unverwechselbar, dass dies einer nonverbalen Vorstellung der Personen gleichkam. Lenz drehte bei der Charakterisierung der Figuren an der empfindlichen Schraube zur Übertreibung, lotete diese souverän aus und gab die Figuren nie der Lächerlichkeit preis, indem er sie in albernem Klamauk verfallen ließ. Vielmehr wusste er um die Talente seines Ensembles und nutzte diese charmant: So durfte beispielsweise Victoria Kunze (als studierte Harfenistin) in ihrer Rolle als Susanna zu eben jenem Instrument greifen, um die Canzone, die Cherubino für seine angebetete Gräfin gedichtet hatte, musikalisch zu untermalen. Das genannte Tempo ließ sich natürlich nicht dauerhaft durchhalten – nicht, dass der Regisseur dazu nicht befähigt gewesen wäre. Da hatte schon der Meister Mozart selbst den erzählerischen Ton verändert, um zu verhindern, dass die Figuren zu bloßen Abziehbildern verkamen. Vielmehr waren sie nun getriebene Charaktere, denen zunehmend die Masken vom Gesicht gerissen wurden, und die so in tragikomische Situationen tappten. Genau diese Weiterentwicklung arbeitete Lenz mit seinem talentierten Ensemble fein heraus.

Ausstatter Bernhard Bruchhardt stellte auf die Drehbühne ein Bilderbuch-Italien, in dem die Sonne heller strahlte und die Sterne romantischer funkelten: mit hohen Fassaden, ebenso hohen Fenstern mit passenden Fensterläden, mit üppiger Wandmalerei im Boudoir der Gräfin und einem echten Olivenbaum im herrschaftlichen Garten – stimmungsvoll ausgeleuchtet und mit ebenso stimmungsvollen Hintergrundprojektionen komplementiert. Seine Kostüme zitieren den Historismus und beschreiben klar den Stand bzw. die Position der jeweiligen Person im sozialen Gefüge.


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Mozart hat in dieser Oper dem Chor ein eher überschaubares Pensum zugedacht, doch dies nutzte der Opernchor unter der Leitung von Edward Mauritius Münch wieder mit Bravour. Zudem schlüpften aus seinen Reihen einige Sänger*innen voller Spielfreude in die div. Nebenrollen, seien es Masahiro Yamada als wenig verschwiegener ANTONIO, Katharina Diegritz als seine kecke Tochter BARBARINA oder auch Gustavo Oliva als buckelnder BASILIO bzw. „sprunghafter“ DON CURZIO.

Brigitte Rickmann überzeugte als resolute MARCELLINA und gab sehr unterhaltsam die auf den eigenen Vorteil bedachte Intrigantin. Ihr zur Seite stand Bass Ulrich Burdack als BARTOLO, der erfolglos versuchte, seine Rachsucht („Bah, wat hat er für ’ne fiese Charakter!“ 😄) zu unterdrücken: Bei „La vendetta, oh, la vendetta!“ zügelte Burdack noch seine Gefühle, die er dann später völlig unvermittelt aus sich herausbrechen ließ.

Mezzosopranistin Boshana Milkov gefiel abermals in einer Hosenrolle: Als hormonell aufgeladener Jungspund CHERUBINO, der verzweifelt dem Grafen zu entkommen versucht, erntete sie reichlich Lacher aus dem Publikum. Mit der Arie „Non so più cosa son, cosa faccio“ setzte sie einen von vielen gesanglichen Glanzpunkten in dieser Inszenierung.

LA CONTESSA DI ALMAVIVA ist für mich – inmitten all dieser „buffa“-Figuren – die einzig wahre „seria“-Partie. Von Anfang an umweht die Gräfin ein Hauch von Traurigkeit und Wehmut. Kristín Anna Guðmundsdóttir gestaltete dies u.a. bei „Porgi, amor, qualche ristoro“ äußerst feinfühlig mit ihrem jugendlich klingenden Sopran. Ihre CONTESSA schien kaum älter als SUSANNA. So sah ihre Beziehung zueinander auch weniger nach einem Arbeitsverhältnis zwischen Herrin und Dienerin aus, vielmehr spürte ich als Zuschauer stets die Vertrautheit und Loyalität zwischen diesen beiden starken Frauen.

Victoria Kunze als SUSANNA glänzte wieder mit ihrer Natürlichkeit in der Rollengestaltung. Blitze anfangs in ihrem Spiel noch ein wenig ELIZA DOOLITTLE auf, gewann schnell SUSANNA mit eigener Körpersprache die Oberhand: eine selbstbewusste und zupackende junge Frau, die ihr Leben (und die Liebe) selbstbestimmt in die Hand nimmt. Dafür, dass SUSANNA eine solch wichtige Figur in dieser Oper ist, hat Mozart ihr häufig „nur“ die Aufgabe der Duett-Partnerin (abgesehen von der kurzen Arie „Venite… inginocchiatevi“ im 2. Akt) zugeteilt. Erst kurz vor dem Finale ehrte sie der Meister mit Rezitativ und Arie „Giunse alfin il momento“ und „Deh vieni non tardar, o gioia bella“, beides gefühlvoll von Kunze mit kultiviert geführter Stimme und silbrig schimmernden Sopran gestaltet.

SUSANNAS Love Interest FIGARO präsentierte sich in der wohlgeformten Gestalt von Bariton Florian Götz, der schon mit seinem ersten gesungenem „Cinque…“ verdeutlichte, dass hier ein wahrer Charmebolzen auf der Bühne steht, der nicht nur seine SUSANNA bezirzt sondern auch das Publikum problemlos um den Finger wickelt. Mit potenter Stimme gefällt er bei „Non più andrai, farfallone amoroso“, um gegen Ende der Oper bei Rezitative und Arie „Tutto è disposto“ und „Aprite un po’ quegli occhi“ auch Verzweiflung auszudrücken, bevor er seine geliebte SUSANNA zum Happy End endlich in die Arme schließen darf.

Gefühlt seit Jahren fordere ich „Gebt dem Mann endlich eine große Partie!“. Ob ich nun tatsächlich erhört wurde, mag ich nicht zu beurteilen, ist aber schlussendlich auch ohne Belang. Marcin Hutek wurde mit IL CONTE DI ALMAVIVA eine Partie anvertraut, in der er seine Talente endlich zeigen darf. Gesanglich überzeugte er abermals mit seinem schönen Bariton. Doch es steckte auch viel komödiantisches Potential in diesem Kerl, das er in der Rolle des Grafen – sehr zum Vergnügen des Publikums – voll entfalten durfte: Er protzte und schwadronierte, er gockelte und drohte – alles umsonst. Je mehr er diese Allüren an den Tag legte, umso drastischer glitten ihm die Fäden aus den Händen. Da half ihm auch nicht sein angeberisches Auftreten wie bei „Hai già vinta la causa!“ und „Vedrò, mentr’io sospiro“. So schaffte Hutek das Kunststück, dass mir diese Figur trotz (oder wegen) ihrem Scheitern sympathisch blieb.

Kritikpunkte! Gab es Kritikpunkte? Naja, den zweiten Teil der Vorstellung nach der Pause empfand ich als etwas zu hektisch. Doch diesen Umstand schrieb ich dem holprigen Probenprozess aufgrund Krankheit im Ensemble gepaart mit der Aufregung zur Premiere zu. Doch ist dies wirklich ein Kritikpunkt, oder fällt es nicht vielmehr unter die Rubrik „Leiden auf hohem Niveau“?

In 14 Tagen schaue ich nochmals am Hofe Almavivas im Italien an der Weser vorbei. Ich freue mich drauf!!! ❤


Nachtrag zum 29. März 2025 …oder auch DER DOPPELTE FIGARO: Frühling lässt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land.“ dichtete einst Eduard Mörike so fein. Doch mit Düfte tummeln sich auch die fiesen Pollen durch die Lüfte, und so trat Dramaturg Torben Selk zu Beginn der Vorstellung vor den Vorhang, um das Publikum zu informieren, dass der Sänger des Figaros Florian Götz leider von einer Pollen-Allergie betroffen sei: Die Partie spielen könne er, nur leider nicht singen. Glücklicher- wie auch dankenswerterweise hatte sich Bariton Carl Rumstadt von der Oper Bonn bereiterklärt, die Partie vom Bühnenrand zu singen und so dem indisponierten Kollegen seine Stimme zu leihen. Florian Götz gab abermals einen agilen und kraftstrotzenden Figaro, sang die Partie im kaum hörbaren „pianissimo“ und suchte den Blickkontakt mit seinem Kollegen, um möglichst synchron seine Lippen zu dessen Gesang zu bewegen. Dies gelang den beiden Künstlern so überzeugend, dass sich meine anfängliche Irritation (Darsteller von vorne, Stimme von links) schnell legte, und ich flott in den Genuss-Modus umschalten konnte. Zumal die warme, volltönende Stimme von Carl Rumstadt ganz wunderbar mit der Charakterisierung des Figaros von Florian Götz harmonierte. Es war grandios!

Kritikpunkte! Kritikpunkte? Welche Kritikpunkte? Ach ja, da war ja noch etwas…! 14 Tage nach der Premiere zur 4. Vorstellung haben sich alle „Kritikpunkte“ in Wohlgefallen aufgelöst. Da stimmten die Zwischentöne ebenso wie das neckende Zusammenspiel der Sänger*innen, die Abläufe waren fließender, und von der Hektik der Premiere fehlte jede Spur. Übrig blieb „nur“ ein rundum gelungener Abend!!!


Mozarts zauberhafte Oper LE NOZZE DIE FIGARO steht leider nur für wenige Vorstellungen auf dem Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. Also: Nix wie hin!

[Konzert] Kammerkonzert – FREI ABER EINSAM. SELTENE MUSIK DER ROMANTIK / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Kompositionen von Clara Schumann, Robert Schumann und August Klughardt

Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Premiere: 17. Februar 2025 / besuchtes Konzert: 17. Februar 2025

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven/ New York Saal


OBOE Luc Durand
VIOLA Kari Träder
KLAVIER Zuzanna Hutek


Ich trat aus dem geschützten Parkhaus hinaus, und eine klirrende Kälte empfing mich. Meine Schritte lenkten mich an der gläsernen Werft vorbei direkt ans Hafenbecken. Ich blieb für einen Moment am Rand der Hafenmauer stehen, gierig sog ich die frische Luft in mich ein und lauschte den Geräuschen der Hafenwelten: Aus einem nahen Lokal erklang beim Öffnen der Tür das Stimmengewirr der Gäste und das Klappern von Geschirr zu mir herüber. Ein leichter Wind ließ die Wellen sanft an die Kaimauer schlagen, und über mir schrien die Möwen für mich unsichtbar im Dunkel des Abends. Ich schlenderte weiter über die Fußgängerbrücke und näherte mich dem Deutschen Auswandererhaus, dessen düstere Fensterfront vor mir aufragte. Nur die Beleuchtung in der Lobby ließ erahnen, dass hier noch nicht zur Gänze Ruhe eingekehrt war…!

Nach Jahrzehnten, nachdem ich als junger Mensch ein Klassik-Abonnement beim Kulturzentrum Gut Sandbeck bei uns in Osterholz-Scharmbeck hatte, gönnte ich mir wieder ein Kammerkonzert. Während die großen Symphonie-Konzerte mit orchestraler Wucht und ihrem Zusammenspiel einer Vielzahl an Instrumentalisten überzeugen, punkten Kammerkonzerte durch ihren Minimalismus, indem nur wenige Instrumente im Rampenlicht stehen. So wird meine Aufmerksamkeit als Zuhörer auf die jeweiligen Solist*innen fokussieren. Mit Interesse und Bewunderung beobachte ich sie so nur allzu gerne bei der Ausübung ihrer Kunst.

Der New York Saal im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven entpuppte sich als ein funktionaler Mehrzweckraum. Würde auch hier die Musik das Wunder vollbringen können, diese beinah sterile Atmosphäre aufzubrechen – zumal der Untertitel des Konzerts uns SELTENE MUSIK DER ROMANTIK versprach? Als Solist*innen betraten Luc Durand an der Oboe, Kari Träder mit der Viola und Zuzanna Hutek am Klavier die „Bühne“. Werke von Robert Schumann, Clara Schumann und August Klughardt standen auf dem Programm.


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Nachdem Luc Durand das Publikum begrüßt und einige Anmerkungen zum Programm gemacht hatte, startete das Konzert mit DREI ROMANZEN FÜR OBOE UND KLAVIER OP. 94 von Robert Schumann, die im Zusammenspiel von Durand mit Zuzanna Hutek beinah verträumt erschienen. Leicht und sehr verspielt entführten mich die Kompositionen in meiner Phantasie zu einem lauen Frühlingstag voller Unbeschwertheit.

Bei SCHILFLIEDER OP. 28 FÜR OBOE, VIOLA UND KLAVIER von August Klughardt gesellte sich Kari Träder dazu. Der Klang der Viola gab sofort den Ausdruck dieser Kompositionen vor: Mit einem dunkleren und somit volleren Ton als die Violine meinte ich die Melancholie in den Melodien erahnen zu können. Ich erinnerte mich an meine Empfindungen kurz vor Eintreffen im Auswandererhaus: Die Wellen spielten über die Wasseroberfläche, und der Wind rauschte über das Schilf hinweg. Die SCHILFLIEDER entstanden nach dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Nikolaus Lenau, die Luc Durand freundlicherweise als Kopie dem Programmzettel beigefügt hatte. Dies gab mir die Gelegenheit, während der Darbietung der Künstler*innen den Versen zu folgen, die Klughardt zu seiner Musik inspiriert haben. Die schwermütigen Verse um eine unerfüllbare Liebe wurden von den Melodien kongenial untermalt.

Die DREI ROMANZEN von Clara Schumann wurden von Luc Durand eigens für dieses Konzert für Oboe (ursprünglich Violine) und Klavier eingerichtet. Mit einer schwelgerischen Eleganz gingen hierbei die beiden Instrumente eine schwärmerische Verbindung ein, bei der insbesondere Zuzanna Hutek mit einem dynamischen Klavierpart überzeugte.

Den Abschluss bildeten die MÄRCHENERZÄHLUNGEN. VIER STÜCKE FÜR KLARINETTE (OBOE), VIOLA UND KLAVIER OP. 132 von Robert Schumann. Diese Kompositionen kamen anfangs sehr verspielt daher, entwickelnden im zweiten Part ihre Dramatik, wechselten dann zu romantischen Klängen, um dann lebhafter im Happy End zu gipfeln. Beinah schien es mir, als hätte Robert Schumann musikalisch versucht, einen ähnlichen Spannungsaufbau zu kreieren, wie es auch für eine verschriftlichte Märchenerzählung üblich ist.

Wie eingangs bereits erwähnt, genieße ich es sehr, die Künstler*innen unmittelbar zu erleben. Sehr deutlich wurde mir dabei abermals, dass, um ein Instrument virtuos beherrschen zu können, der gesamte Körper involviert und in Bewegung ist – so wie es auch beim Gesang der Fall ist. Auch bewunderte ich das wortlose sich aufeinander abstimmen der drei Solist*innen: Da genügte manches Mal nur ein Blick oder ein dezentes Nicken mit dem Kopf.

Luc Durand, Kari Träder und Zuzanna Hutek haben nachdrücklich den Beweis erbracht, dass Musik die Macht besitzt, selbst einen kargen Raum wie dem New York Saal in allen Farben der Melodik zu tauchen und ihm etwas von seiner Tristesse zu nehmen.


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Literatur & Artverwandtes] BILDERBUCHKINO: KOMPOSTFRANZI von Simona Smatana / Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck

Bilderbuchkino für alle Kinder ab 3 Jahren am 13. Februar 2025 / Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck


Da werde ich alt wie Methusalem, lasse mich nur allzu gerne für die Leseförderung einspannen, hatte aber bisher keinen blassen Schimmer wie ein BILDERBUCHKINO abläuft. Und so habe ich mich kurzerhand am Abend des Kreisentscheids vom VORLESEWETTBEWERB selbst bei Iris Belz für den nächsten Tag in die STADTBIBLIOTHEK eingeladen.

Überpünktlich betrat ich um 15.20 Uhr (Beginn: 15.30 Uhr) die STADTBIBLIOTHEK und war ein wenig erstaunt, sie beinah verweist vorzufinden. Ich hatte mit einer Horde aufgeregter Kinder gerechnet. In der Nische der Vorlese-Ecke war alles vorbereitet: Die Fenster waren abgedunkelt, der Beamer warf sein weißes Licht auf die gegenüberliegende Wand, neben gemütlichen Polstern mit einer Vielzahl an Kissen waren auch etliche Mini-Hocker vor der Leinwand verteilt.

Ich begrüßte Johanna Augustin, die mir von dem Workshop BILDERBÜCHER UNTER DER LUPE noch in bester Erinnerung war. Während wir noch am Plaudern waren, rollte wie eine kleine, quirlige Welle die ankommenden Kids über uns hinweg und nahmen die Vorlese-Ecke im Sturm für sich ein. Mütter und Großmütter platzierten sich dezent am Rand. Wie selbstverständlich zogen die Kids ihre Winterstiefel und -schuhe aus, um die Polster und Teppiche nicht zu beschmutzen (beschämt blickte ich auf meine Schuhe), griffen sich ein Plüschtier und eroberten den jeweils begehrten Platz. Der Vorhang zur Bibliothek wurde geschlossen, das BILDERBUCHKINO konnte beginnen…!

In einem Komposthaufen im Garten, versteckt unter Eierschalen und Gemüseresten lebt Franzi, der Regenwurm. Eigentlich ist Franzi ein fröhlicher kleiner Wurm, doch eine Sache macht ihm ziemlich zu schaffen. All seine Kumpels haben ein besonderes Talent, nur er hat keinen Schimmer, was ihm Spaß machen würde. Grille Giovanni kann ganz toll Flöte spielen und Marienkäfer Marie ist eine begnadete Gärtnerin. Franzi kann nur eines: endlose Tunnel kreuz und quer in die Erde graben. Ein vollkommen nutzloses Talent, denkt er. Oder etwa doch nicht?

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Nach und nach wurden die Illustrationen des Bilderbuches vom Beamer auf die Wand geworfen. Doch Johanna Augustin begnügte sich nicht damit, nur den Text vorzulesen. Vielmehr stellte sie gezielte Fragen und forderte die Kinder so auf, zu berichten, was es zusätzlich auf den Bildern zu entdecken gab: Da wurden Obst- und Gemüsesorten von den Kindern bestimmt und die bunte Schar an Insekten benannte („Das da ist ein Glühbirnchen!“ ❤ ). Abschließend versammelte Frau Augustin die Kinder um sich und zeigte ihnen Karten mit verschiedenen „Abfällen“ (Kartoffelschalen, Rasenschnitt, Glas, Kaffeefilter, Plastik u.v.m.): Gemeinsam bestimmten sie, was von diesen Dingen in den Kompost darf und was nicht. So wurde spielerisch Wissen vermittelt. Während der gesamten Veranstaltung waren die Kids bewundernswert konzentriert und äußerst interessiert bei der Sache.

Nachdem Schuhe und Stiefel wieder an den Füßen waren, verhandelten einige Kinder mit ihren Begleitungen, wie viele Bilderbücher (…oder vielleicht doch eher einen Tonie?) sie sich für zuhause ausleihen dürfen. Ich trippelte in meinen Schuhen auf Zehenspitzen um Teppiche und Polster herum, penibel darauf bedacht, nichts zu beschmutzen.

Mein Dank gilt Frau Augustin, die sehr viel Empathie bei der Formulierung ihrer Fragen an die doch sehr jungen Zuhörer*innen zeigte und so für eine angenehm entspannte Atmosphäre sorgte.


Das Bilderbuch KOMPOSTFRANZI von Simona Smatana ist erschienen bei leykam / ISBN: 978-3701182725 / in der Übersetzung von Michael Stavarič


Hier findet ihr den VERANSTALTUNGSKALENDER der Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck. Schaut gerne mal vorbei…!

[Musical] Marc Shaiman – CATCH ME IF YOU CAN / Stadttheater Bremerhaven

Musical von Marc Shaiman / Liedtexte von Scott Whitman & Marc Shaiman / Buch von Terrence McNally / Deutsche Fassung von Werner Sobotka / Basierend auf dem gleichnamigen Dreamworks-Film

Premiere: 1. Februar 2025 / besuchte Vorstellungen: 9. Februar 2025 & 15. November 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Davide Perniceni / Edward Mauritius Münch (15.11.)
INSZENIERUNG & CHOREOGRAFIE Till Nau
BÜHNE & KOSTÜME Lukas P. Wassmann
DRAMATURGIE Markus Tatzig
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Frauke Richter

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Saskia Kiselowa
ASSISTENZ BÜHNE & KOSTÜME Felipe Petik Pasqualotto
DANCE CAPTAIN Ramona Helder
INSPIZIENZ Regina Wittmar


Die Türen im Zuschauersaal waren noch nicht geschlossen, die letzten Nachzügler im Publikum suchten noch nach ihren Plätzen – teilweise mit Unterstützung des Servicepersonals, als der Vorhang sich schon hob und den Blick auf die stilisierte Abflughalle des Miami-Airports freigab. Eine Ansage aus dem Off bat uns, unsere gebuchten Plätze aufzusuchen, uns anzuschnallen und die vorhandenen Kommunikationsmittel auf Flugmodus zu stellen. Nach und nach schlenderten die ersten Passagiere von der Seitenbühne in die „Abflughalle“. Beinah unvermittelt wurden wir in die Geschichte hineinkatapultiert…!

Miami, Florida, 1960er Jahre: Am Flughafen wird Frank William Abagnale Junior, ein gesuchter Hochstapler, von FBI-Agent Carl Hanratty gefasst. Bevor er verhaftet wird, fordert Frank, seine Geschichte erzählen zu dürfen. Die Show beginnt.
New Rochelle, New York: Zu Weihnachten erhält Frank Jr. von seinem Vater ein Scheckbuch und einen Crashkurs in den Geheimnissen der Geschäftswelt. Als er auf eine öffentliche Schule wechseln muss, gibt er sich als Vertretungslehrer aus – sein erster Betrug. Die Ehe der Eltern wird zerrüttet, und Frank Jr. flieht nach New York City, um sich ein neues Leben aufzubauen.
New York City, New York: Frank Jr. entwickelt eine Methode, gefälschte Schecks zu erstellen, die er in Banken im ganzen Land einlöst. Gleichzeitig schlüpft er immer wieder in neue Identitäten. Als er sich als Pilot bei der Pan American World Airways einschleicht, beginnt seine Karriere als Trickbetrüger. FBI-Agent Hanratty verfolgt ihn.
Los Angeles, Kalifornien: Hanratty ist Frank Jr. auf den Fersen. In einem Hotel trifft er einen CIA-Agenten, der Frank Jr. angeblich gerade verhaftet hat. Doch etwas kommt Hanratty komisch vor. An Heiligabend ruft Frank Jr. Hanratty an. Der Agent erkennt, dass Frank im Herzen ein einsames Kind geblieben ist, und gesteht ihm, ebenfalls allein zu sein.
Atlanta, Georgia: Frank Jr. gibt sich als Kinderarzt aus und steigt rasch zum Oberarzt auf. Doch als er sich in die Krankenschwester Brenda Strong verliebt, kommen Zweifel an seinem Leben auf.
New Orleans, Louisiana: Nach kurzem Misstrauen wird Frank Jr. in die Familie Strong aufgenommen. Er gibt sich als Arzt, Anwalt und Lutheraner aus. Kurz vor seiner Verlobung mit Brenda erfährt Frank, dass Hanratty ihn gefunden hat. Er gesteht ihr die Wahrheit.
Miami, Florida, 1960er Jahre: Zurück am Flughafen. Hanratty droht Frank Jr. mit Gewalt, wenn er erneut versucht, zu fliehen. Die Show ist vorbei. Frank William Abagnale Junior wird zu über 10 Jahren Haft verurteilt. Doch er wird vorzeitig entlassen. Das FBI macht ihm ein Angebot: Er soll helfen, andere Trickbetrüger zu fassen. Frank und Hanratty arbeiten nun zusammen. Seltsam aber wahr…!

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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That’s Entertainment!

Regisseur und Choreograf Till Nau serviert sein Musical-Menü mit dem ganz großen Besteck: Da wurde nicht gekleckert, da wurde geklotzt – aus allen Gewerken, die das kleine Theater an der Weser zur Verfügung hatte. Es war deutlich zu merken, dass Inszenierung und Tanz in einer Hand vereint waren: Da gab es keinen Bruch bei den Übergängen. Szene für Szene spulte sich die Handlung rasant vor den Augen des Publikums ab. Neben den großen Show-Momenten, in denen Nau nicht nur dem eigens gecasteten Musical-Ensemble sondern ebenso den Solisten wie dem Opernchor flotte Füße verpasste, gelangen ihm auch die kleinen emotionalen Szenen, die vor allem durch ihre stringente Personenführung überzeugten.

Ausstatter Lukas P. Wassmann stellte eine multifunktionale Show-Treppe incl. verschiedener Spielebenen auf die Bühne und umhüllte diese mit weißen Vorhängen. Was evtl. anfangs wenig innovativ erschien, entpuppte sich auf der Drehbühne mit den passenden Requisiten zu einer raffinierten Spielfläche, wo die Vorhänge äußerst präzise getimt zum Einsatz kamen. Eine Vielzahl an stimmigen Kostümen und Frisuren versprühten den Flair der 60er und überzeugten durch Detailreichtum und eine szenisch abgestimmte Farbgebung. Einzig unsere beiden Hauptdarsteller blieben von dieser farbenfrohen Kostüm-Orgie verschont: Während HANRATTY seinen zerknautschten Columbo-Trenchcoat nie ablegte, wechselte ABAGNALE JR. „nur“ die Sakkos, je nachdem, welche Identität er sich gerade übergestreift hatte.

Komponist Marc Shaiman ist eine absolut theatertaugliche Musik gelungen. Da gibt es zwar nicht die eingängigen Melodien, die schon beim ersten Anhören im Ohr hängen bleiben, wie es in seinem Erfolgsmusical HAIRSPRAY der Fall war. Doch ist dies für CATCH ME IF YOU CAN durchaus kein Nachteil, da hier die Musik sich der Handlung anpasst, diese gekonnt untermalt und vorantreibt und in den Songs die Charaktere der handelnden Personen herausstellt. Für den authentischen 60er Jahre-Sound sorgten im Orchester u.a. Blechbläser, Percussion und Klavier. Unter dem Dirigat von Davide Perniceni erklang aus dem Orchestergraben eine gehörige Portion Swing, der in den Show-Nummern mit dem nötigen Druck, bei den Balladen allerdings fein differenziert dargeboten wurde.

Kraftvoll und völlig unangestrengt bis in die höchsten Töne präsentierte Tobias Bieri mit brillanter Stimme die Songs. Blondgelockt und unschuldig wirkend schlüpfte er in die Rolle des FRANK ABAGNALE JR., den er als modernen Baron Münchhausen voller Lässigkeit porträtierte. Dabei blitzte immer auch die Hilflosigkeit und Zerrissenheit der Figur hinter den vielen Identitäten hervor – insbesondere bei den Telefonaten, die er mit seinem scheinbaren Widersacher FBI-Agent CARL HANRATTY führte. Hier zeigten sich zwei verlorene Seelen, die sich nach einem Ort sehnten, den sie Heimat nennen dürfen. Frank Josef Winkels stattete CARL HANRATTY augenzwinkernd mit den Attitüden eines „hard-boiled detectives“ aus, zeigte doch hinter seinem spröden Charme stets den Menschenfreund und amüsierte mit einer liebenswürdigen Kauzigkeit. Hier war er für FRANK ABAGNALE JR. viel mehr das Vorbild der haltgebenden Vaterfigur als FRANK ABAGNALE SR. es je sein könnte.

Der Vorteil an einem kleinen Haus ist es, dass ich Künstler in sehr unterschiedlichen Rollen erleben darf: Stand Andrew Irwin noch zwei Tage zuvor als liebeshungriger FREDDY EYNSFORD-HILL in MY FAIR LADY auf der Bühne, gab er hier FRANK ABAGNALE SR. als charmanten Schmalspur-Gauner, der jedoch mit jedem misslungenen Coup die soziale Leiter weiter hinabrutschte. Irwin sang seine Songs mit abgedunkeltem Tenor in bester Crooner-Manier und gestaltete den Wandel vom großspurigen Möchtegern zum heruntergekommenen Niemand sehr ergreifend.

Ebenfalls der Vorteil eines kleinen Hauses ist es, dass kleinere Partien von Solisten aus dem Opernensemble verkörpert werden, die diese mit ihrer Expertise aufwerten: Boshana Milkov stattete der Partie der PAULA ABAGNALE mit einer üppigen Portion Erotik aus und ließ diese auch in ihrem satten Mezzo mitschwingen.

Im 1. Akt noch als Teil des quirligen Musical-Ensembles hatte Celena Pieper im 2. Akt die Möglichkeit aus der Chorus Line herauszutreten und als BRENDA STRONG mehr auf sich aufmerksam zu machen. Hier überzeugte sie nicht nur durch ihr natürliches Spiel sondern verwandelte mit ihrer großartigen Stimme den Song „Flieg, flieg ins Glück“ zu einer ergreifenden Hymne.

Das Musical-Ensemble – bestehend aus Ramona Helder, Nadja Kilchherr, Verena Kollruss, Valerio Croce und Stefan Preuth – tanzte die anspruchsvolle Choreografie voller Dynamik, umschwärmte die Solisten voller Esprit und zeigte Können und Klasse bei jedem Auftritt. Ebenso agil und voller Spielfreude präsentierten sich auch die Damen und Herren des Opernchors, die zudem in die div. Nebenrollen schlüpften, seien es Róbert Tóth und MacKenzie Gallinger als HANRATTYs Assistenten oder auch Iris Wemme-Baranowski und James Bobby als BRENDA STRONGs überkandidelte Eltern.

Ein begeistertes Publikum bedankte sich am Schluss mit Pfiffen, Jubelrufen und Standing Ovation: Wer exzellente Musical-Unterhaltung genießen möchte, hat nun am Stadttheater Bremerhaven abermals Gelegenheit dazu und sollte sich diese auf keinem Fall entgehen lassen.

NACHTRAG: Stellvertretend für alle guten Geister, die zwar nicht im Rampenlicht stehen aber im Hintergrund nicht minder wichtige Aufgaben erfüllen und so einen gelungenen Theaterabend garantieren, möchte ich Regieassistentin und Abendspielleitung Annika Ellen Flindt erwähnen. Bei der von mir besuchten Vorstellung übernahm sie für eine verhinderte Kollegin flugs einige Mini-Rollen und sorgte so für einen reibungslosen Ablauf der Vorführung. VIELEN DANK! ❤


Die musikalische Gaunerkomödie CATCH ME IF YOU CAN ist noch bis Ende Mai im Stadttheater Bremerhaven zu bewundern.

[Konzert] Sinfoniekonzert – MOZARTS ERBE(N) / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Kompositionen von Giorgio Battistelli, Wolfgang Amadeus Mozart und Max Reger

Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Premiere: 18. November 2024 / besuchtes Konzert: 19. November 2024

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Srba Dinić
KLAVIER
Matthias Kirschnereit


Ich kann mich nicht erinnern, ob ich je ein klassisches Sinfoniekonzert besucht habe, also so ein „richtig“ klassisches Klassikkonzert und nicht ein Familienkonzert oder eine Gala. Einige Kammerkonzerte hatte ich durchaus in der Vergangenheit schon erleben dürfen: Da gab es vor einiger Zeit ein Klassik-Abonnement beim Kulturzentrum Gut Sandbeck bei uns in Osterholz-Scharmbeck, das ich mir als junger Mensch gönnte, um meinen Horizont bzgl. klassischer Musik zu erweitern. Ich fürchte, dass von diesen Konzerten nicht viel in meiner Erinnerung hängen geblieben ist, doch zumindest hat es meine Bereitschaft, mich unvoreingenommen der Musik zu nähern, erweitert. Somit saß ich nun im großen Haus des Stadttheaters Bremerhavens und wartete auf den Beginn meines ersten „richtig“ klassischen Klassikkonzerts,…

…und dachte bei mir „Mit Mozart macht man nichts verkehrt.“: Nun hat das Philharmonische Orchester mit seinem GMD Marc Niemann es sich auf die Fahnen geschrieben, im Rahmen der „Composer in Residence“ auch unbekannte bzw. selten gespielte Werke einem Publikum zugänglich zu machen. Dabei kommen Kompositionen von Künstler*innen unterschiedlicher kultureller und regionaler Hintergründe oder Herkunft zur Aufführung. Auch werden zu den Sinfoniekonzerten des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven gerne Gast-Solist*innen bzw. –Dirigent*innen geladen, um sowohl dem Publikum als auch dem Orchester die Möglichkeit zu bieten, verschiedene künstlerische Handschriften erleben zu können.

Ⓒ Foto Lothar Scheschonka – Philharmonisches Orchester Bremerhaven. MOZARTS ERBE(N)

Ein Titel wie MOZARTS ERBE(N) bietet ausreichend Raum zur individuellen Deutung: Wird nicht jede*r Komponist*in – ob direkt oder indirekt, ob bewusst oder unbewusst – von der Genialität eines Wolfgang Amadeus Mozart inspiriert? Die Frage, in wieweit sich „Composer in Residence“ Giorgio Battistelli bei der Entstehung seines Werkes APRÈS JOSQUIN, das als deutsche Erstaufführung in Bremerhaven erklang, von Mozart hat beeinflussen lassen, kann allein nur der Komponist beantworten. Bei seiner Komposition verzichtete er auf eine Melodienfolge bzw. ein Leitthema. Vielmehr webte er einen Klang-Teppich, in dem er die Instrumente teils recht konträr zueinander setzte. Gast-Dirigent Srba Dinić bot gemeinsam mit dem Orchester ein für mich spannendes wie gleichzeitig verwirrendes Hörerlebnis, das es mir mit seinen aufwühlenden wie auch zart-minimalistischen Tönen ermöglichte, frei zu assoziieren, und so eine Vielzahl an unterschiedlichen Bildern in meinen Kopf entstehen zu lassen. Dinić ist u.a. GMD des Staatstheaters Braunschweig sowie Chefdirigent des renommierten Orchesters „Die St. Georg Streicher“ in Belgrad und hatte bereits Gastengagements an internationalen Opernhäusern, wie die Staatsoper Stuttgart, Teatro Massimo in Palermo und die Semperoper Dresden.

Beim 2. Programmpunkt kam der große Meister selbst zur Aufführung: Für das KONZERT FÜR KLAVIER UND ORCHESTER NR. 23 A-DUR KV 488 konnte als Solist Matthias Kirschnereit gewonnen werden, der virtuos sein Instrument beherrschte und diesem die schwelgerischen Töne aus Mozarts Feder mit gefühlvollem Anschlag entlockte. Eingebettet wurde er vom Philharmonischen Orchester, das die Töne des Klaviers zart einrahmte oder akzentuiert hervorhob. Auch Kirschnereit ist ein international gefragter Künstler, der vielfach ausgezeichnet wurde, und dessen CD-Einspielungen u.a. mit dem ECHO-Klassik geadelt wurden. Zudem gibt es mit/von ihm eine Gesamteinspielung der Klavierkonzerte Mozarts mit den Bamberger Symphonikern – somit saß vor uns ein absoluter Mozart-Experte am Flügel. Als Zugabe schenkte uns Kirschnereit seine beseelte Interpretation von Frédéric Chopins NOCTURNE NR. 20 CIS-MOLL.

Beim letzten Programmpunkt, Max Regers VARIATIONEN UND FUGE ÜBER EIN THEMA VON MOZART FÜR ORCHESTER OP. 132, hatte das Philharmonische Orchester abermals die Chance, sein Können zu zeigen. Dirigent Srba Dinić führte die Musiker*innen souverän durch die acht Variationen und eine Fuge, die sich mal sanft umschmeichelnd, mal expressiv drängend, dann zart flirrend, explosiv aufbrausend oder mit verspielter Leichtigkeit präsentierten und in einem dramatischen Finale gipfelten. Dabei wirkte es auf mich beinah so, als würde das Grundthema, das stets wohltuend erkennbar blieb, jeweils in eine andere Garderobe gekleidet werden.

Es war ein Programm voller musikalischer Kontraste (Mozart: brillant / Reger: abwechslungsreich / Battistelli: herausfordernd), das sowohl vom Dirigenten sowie vom Solisten bis zum Orchester grandios dargeboten wurde.


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Musical] Frederick Loewe – MY FAIR LADY / Stadttheater Bremerhaven

Musik von Frederick Loewe / Buch von Alan Jay Lerner / nach Bernhard Shaws PYGMALION und dem Film von Gabriel Pascal / deutsch von Robert Gilbert / in deutscher Sprache

Premiere: 2. November 2024 / besuchte Vorstellungen: 17. November 2024, 5. Januar 2025, 7. Februar 2025, 13. April 2025 & 11. Mai 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Hartmut Brüsch / Tonio Shiga (05.01. & 07.02.)
INSZENIERUNG Toni Burkhardt
BÜHNE Wolfgang kurima Rauschning
KOSTÜME Susana Mendoza
CHOREOGRAFIE Kati Heidebrecht
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Katharina Konopka

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt, Florian Thiel
DANCE CAPTAIN BALLETT Melissa Panetta
DANCE CAPTAIN CHOR Annika Ellen Flindt
INSPIZIENZ Mahina Gallinger


Es war am 5. Juni 1988: Es sollte mein erster Besuch eines Musicals werden. Ich saß mit einer vergünstigten Schülerkarte im zweiten Rang des Theaters am Goetheplatz in Bremen (Bei meinem damaligen Budget, das ich mir durch Zeitungsaustragen verdingte, war Besseres nicht drin.), blickte aus der Vogelperspektive von oben herab über den ersten Rang und das Parkett zur Bühne und wartete gespannt auf das, was mich erwartete. Schließlich war ich als Theaterbesucher noch völlig unbeleckt und konnte diesbezüglich auf keine Erfahrungen zurückgreifen. Alles war für mich neu und aufregend: Die Musiker*innen des Orchesters stimmten ihre Instrumente, während das grelle Schrillen einer Klingel den Beginn der Vorstellung ankündigte. Langsam wurde das Licht gedimmt, und eine vibrierende Spannung bemächtigte sich meiner. Der Dirigent erschien, und das Publikum applaudierte, also applaudierte auch ich. Zu den ersten Takten der Ouvertüre hob sich der Vorhang und gab den Blick frei auf das Bühnenbild, das Covent Garden in London darstellen sollte. Das Spiel begann. Niemals zuvor hatte ich eine verführerische Symbiose, wie diese aus Musik, Text, Gesang, Schauspiel und Tanz, erleben dürfen. Es war um mich geschehen!

Seitdem hat mich das Musicalfieber nie mehr losgelassen, und gerade MY FAIR LADY nimmt hier eine Sonderstellung ein. So sah ich im Laufe der Jahrzehnte auf den Bühnen dieses Landes bisher vier verschiedene Inszenierungen dieses Musical-Klassikers. Doch seit unserem letzten Zusammentreffen mussten satte 21 Jahre verstreichen, bis ich nun der LADY abermals meine Aufwartung machen durfte. Und so schummelte sich mir beim Klang der traumhaften Ouvertüre eine kleine Träne ins Auge – vor Rührung, doch noch vielmehr vor Freude,…


HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DER BESPROCHENEN INSZENIERUNG SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Bei seinen Feldstudien vor der Londoner Oper erregt das Blumenmädchen Eliza Doolittle mit ihrer Art zu sprechen die Aufmerksamkeit von Henry Higgins, einem international anerkannter Professor für Phonetik. Als ihr auffällt, dass er sich Notizen macht, protestiert sie und sucht Unterstützung bei Oberst Pickering, der gerade die Oper verlässt. Es stellt sich heraus, dass er, als Fachmann der indischen Dialektik, ein Kollege von Higgins und extra seinetwegen aus Indien nach London gereist ist. Beide beginnen sofort zu fachsimpeln, wobei Higgins erwähnt, dass er – mit Hilfe des richtigen Unterrichts – aus diesem ordinären Blumenmädchen mit Leichtigkeit eine Lady machen könnte. Elizas Aufmerksamkeit ist geweckt. Beim Gehen wirft Higgins Eliza gönnerhaft einige Münzen zu. Eliza ist von diesem unerwarteten „Reichtum“ entzückt und erträumt für sich einige bescheidene Annehmlichkeiten. Auf den Boden der Realität bringt sie ihr Vater Alfred P. Doolittle, der offiziell als Müllkutscher tätig ist, inoffiziell aber lieber in der Kneipe seinen unbändigen Durst stillt und hofft, von seiner Tochter ein paar Münzen schnorren zu können. Am nächsten Tag steht Eliza bei Higgins vor der Tür, um den erwähnten Unterricht zu buchen. Sie träumt von einer Anstellung in einem feinen Blumenladen. Doch Higgins macht sich einen Spaß aus ihrem Ansinnen. Er ist für dergleichen nicht zu haben, selbst nicht gegen Bezahlung, die Eliza ihm anbietet. Wieder geraten die Männer ins fachsimpeln, und schließlich bietet Oberst Pickering eine Wette an: Er würde alle Kosten übernehmen, wenn Higgins es tatsächlich schaffen sollte, Eliza so weit zu bringen, dass niemand – selbst nicht am britischen Hofe – sie als armes Mädchen der Unterschicht erkennen würde. Higgins kann nicht widerstehen und nimmt die Herausforderung an. Eliza sieht ihre Chance auf eine bessere Zukunft und stimmt ebenfalls zu. Das Mädchen wird umgehend im Haus von Higgins einquartiert und erhält von der Hausdame Mrs. Pearce widerstrebend eine optische Rundumerneuerung. Schon am nächsten Tag beginnt ihr Unterricht. Plötzlich steht Elizas Vater vor der Tür und versucht den Herren ein paar Pfund aus der Tasche zu locken. Dabei stellt er sich rhetorisch so raffiniert an, dass Higgins ihn als „originellsten Moralisten“ weiterempfiehlt. Über Wochen ziehen sich die quälenden Sprachübungen hin. Alle sind erschöpft, bis sich plötzlich bei Eliza die ersten Erfolge einstellen. Zur Probe nimmt Higgins sie zum Pferderennen nach Ascot in die Loge seiner Mutter. Mrs. Higgins ist anfangs wenig begeistert von dieser Idee, schließt Eliza aber zunehmend in ihr Herz. Zwar sticht Eliza dank ihrer Natürlichkeit aus der Masse der versnobten Upperclass hervor und erregt so die Aufmerksamkeit des jungen Freddy Eynsford-Hill, doch im Eifer entfleucht ihr ein sprachlicher Fauxpas, mit dem sie die Anwesenden schockiert. Allein Freddy ist von ihr entzückt und begibt sich eilends zum Haus von Henry Higgins, in der Hoffnung mit ihr sprechen zu können. Doch Elizas Drill geht Woche für Woche weiter, und aus dem soziale Rohdiamant entwickelt sich langsam ein funkelnder Edelstein. Auf dem festlichen Botschafterball soll sie sich nun abermals bewähren: Eliza ist absolut reizend und so überzeugend, dass selbst der anwesende Sprachforscher Zoltan Karpathy keinen Makel an ihr erkennen kann. Vielmehr ist ihr Englisch zu exzellent: Karpathy ist davon überzeugt, dass Engländer nie ein so reines Englisch sprechen. Vielmehr findet man dies nur bei Ausländern, und so vermutet er, dass Eliza eine ungarische Prinzessin sein muss. Zurückgekehrt im Haus von Higgins gratuliert Oberst Pickering den Kollegen für seine herausragende Arbeit. Dieser zeigt sich wiederum erleichtert darüber, dass jetzt endlich alles vorbei sei. Eliza, die still danebensteht und zu Recht auf ihre Leistungen stolz sein könnte, wird von den beiden Herren gänzlich übersehen. Sie ist zutiefst verletzt und verlässt noch während der Nacht das Haus. Vor der Tür stolpert sie über den dort wartenden Freddy, der ihr abermals wortreich zu vermitteln versucht, wie sehr er sie liebt. Doch Eliza hat genug von Männern, die nur sprechen und nicht handeln. Da sie nun nicht mehr weiß, wo sie hingehört, zieht es sie zu ihrer alten Heimat. Dort trifft sie ihren Vater, der im Begriff ist, zu heiraten. Aufgrund der Empfehlung von Higgins hat er ein erträgliches Erbe erhalten. Grund genug für seine „Madam“, endlich in den Hafen der Ehe zu schippern, auch wenn Alfred P. Doolittles Begeisterung sich in Grenzen hält. Eliza erkennt, dass sie auch hier keine Zuflucht finden kann, und verabschiedet sich endgültig von ihrem Vater. Am nächsten Morgen ist Higgins außer sich, dass Eliza ohne ein Wort verschwunden ist. Eilends geht er auf die Suche und findet sie bei seiner Mutter, die ihrem Sohn deutlich zu verstehen gibt, wie richtig Eliza gehandelt hat. Eliza bietet ihm die Stirn: Aus der Schülerin ist eine ebenbürtige Persönlichkeit geworden. Geknickt kehrt Higgins zurück und muss sich eingestehen, wie sehr er sie vermisst. Wehmütig schaltet er den Phonografen an und lauscht den Tonaufzeichnungen ihrer Stimme. Da betritt Eliza das Zimmer: Sie ist zurück…!


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…und meine Freude sollte sich im Laufe der Vorstellung weiter stetig steigern. Regisseur Toni Burkhardt und sein Produktionsteam schenkten dem Bremerhavener Publikum eine Inszenierung, die ein permanentes Hochgefühl bei mir auslöste, ein wahres Vergnügen und eine einzige Wonne war. Voller charmanter Ideen und mit witzige Details gespickt, gab es nicht eine einzige Sekunde Langatmigkeit. Alles war im Fluss: Szene für Szene entblätterte sich die Handlung schlüssig vor meinen Augen. Behutsam schraubte Burkhardt an den Rollenvorgaben, drehte hier ein bisschen, regulierte dort ein wenig, um die antiquierte Darstellung der Geschlechterrollen zu mildern. Und doch erkannte ich weiterhin die vertrauten Charaktere. Es war immer noch „meine“ LADY. Gekonnt verschmolz er ganz viel Entertainment mit einem Hauch Drama: Dass er beide Extreme beherrscht, zeigte er in der Vergangenheit sowohl beim Musical HAIRSPRAY (Entertainment) wie auch bei der Oper BREAKING THE WAVES (Drama). Unter seiner Regie wurden beinah unmerklich zwei Neben-Rollen aufgewertet: So stellt er dem dominanten Herren-Trio (Higgins, Pickering, Doolittle) ein selbstbewusstes Damen-Trio (Doolittle jun., Higgins sen., Pearce) gegenüber, das auf Augenhöhe den Kerlen Paroli bot. Bravourös bündelte er die Künstler*innen der unterschiedlichen Sparten (Gesang, Schauspiel, Tanz) zu einem homogenen Ensemble, indem er die Grenzen zwischen den einzelnen Professionen verschwinden ließ.

Das Bühnenbild von Wolfgang kurima Rauschning zeigt ein London wie aus dem Märchenbuch: Die Hintergrundprojektionen, die stilisierte Ansichten der Schauplätze zeigen, erstrahlen phantasievoll in allen Farben des Regenbogens. Dominat in der Mitte der Bühne steht eine Konstruktion in Kombination mit Treppen und Balkone, die – je nach Grad der Drehung – einen Grammophontrichter (Higgins Arbeitszimmer) oder eine Blüte (Außenansichten) darstellen könnte und so schnelle Szenenwechsel ermöglicht. Susana Mendoza schuf stimmige Kostüme: Die Upperclass erschien in einer pastellenen Garderobe, während das einfach Volk eher gedeckte Farben trug. Der Haushalt um Henry Higgins schien in der Zeit um die Jahrhundertwende stehengeblieben zu sein, während Elizas Metamorphose auch anhand ihrer Kostüme (Sonnengelb mit Schwarz/ vom einfachen Blumenmädchen, die ihre Ware in einer Schürze feilbietet, zum eleganten Audrey-Hepburn-Style) zu erkennen war.

Choreografin Kati Heidebrecht brachte das gesamte Ensemble – von den Solisten über dem Chor bis zum Ballett – in Bewegung und schuf auch hier für die einzelnen Gruppen prägnante Bewegungsabläufe: Das einfache Volk tanzte und steppte ausgelassen über die Bühne, der Adel hingegen wurde mit minimalistischen Gesten porträtiert. Auch die talentierten Tänzer*innen vom Ballett waren nicht nur schmückendes Beiwerk. Bei anderen Inszenierungen durfte ich es durchaus erleben, dass das Ballett „mal eben“ zum Tanzen auf die Bühne gescheucht wurde, ansonsten aber nicht präsent war. Hier bereicherten sie die Szenerie als quirlige Straßengaukler oder gefielen als zauberhafte Debütant*innen auf dem Ball.

Mit Hartmut Brüsch stand ein wahrer Kenner und Könner der Materie am Pult vor dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven. Mit Verve brachten die Musiker*innen die bekannten Evergreens zum Erklingen. Schwelgerisch strömten die wunderbaren Melodien über das Ohr direkt in mein Herz und sorgten für ein wohliges Gefühl.

Die Sänger*innen des Chores am Stadttheater Bremerhaven (Leitung: Edward Mauritius Münch) überzeugten abermals sowohl stimmschön als auch durch ihre Wandlungsfähigkeit: Eben noch flott singend durch Londons Straßen getanzt, intonieren sie nur wenige Augenblicke später ganz etepetete die „Ascot Gavotte“.

Robert Tóth und MacKenzie Gallinger waren als HARRY und JAMIE die witzigen Side-Kicks zu ALFRED P. DOOLITTLE. Gallinger gab zudem einen herrlich schmierigen ZOLTAN KARPATHY. Iris Wemme-Baranowski stattete MRS. PEARCE mit der nötigen Contenance aus, war nie nur bloße Hausangestellte, sondern vielmehr das Gewissen von HENRY HIGGINS. Isabel Zeumer präsentierte als MRS. HIGGINS punktgenau ihre Pointen und setzte sich mit mütterlichem Pragmatismus wohltuend von ihren überkandidelten Freunden aus der Upper-Class ab.

Kay Krause porträtierte OBERST PICKERING als liebenswerten Schussel mit viel Verständnis und noch mehr Herz für seine Mitmenschen. Andrew Irwin erschien als FREDDY EYNSFORTH-HILL optisch wie ein Schlager-Star aus den 70ern, mimte glaubhaft den verliebten jungen Mann und bot abermals – wie ich bereits in meinem Beitrag zur ERÖFFNUNGSGALA erwähnte – eine der besten Interpretationen von „Weil ich weiß, in der Straße wohnst du“, denen ich bisher lauschen durfte. Ulrich Burdack gab einen deftig-rustikalen ALFRED P. DOOLITTLE mit amüsanter Bauernschläue, der mit üppigem Bass die Songs intonierte, mit Chor und Ballett flott über die Bühne wirbelte und in seinen Dialogen prägnante Akzente setzte.

Dirk Böhling gelang das Kunststück, seinen HENRY HIGGINS weniger arrogant dafür mehr jungenhaft-naiv wirken zu lassen. Beinah unbedarft pfefferte er seine Unverschämtheiten raus und wunderte sich über die Reaktionen seiner Mitmenschen. Doch gerade diese jungenhafte Naivität sicherte ihm die Sympathie des Publikums. Den Sprechgesang mit seinen durchaus herausfordernden Passagen bewältigte er meisterhaft.

Ihm zur Seite stand die beste ELIZA-Darstellerinnen, die ich bisher auf einer Bühne sehen durfte: Victoria Kunze. Mit einer immensen Spielfreude stürzte sie sich in die Rolle und verkörperte die schnoddrige Straßengöre ebenso glaubhaft wie die gereifte junge Frau. Dabei gelangen ihr die humoristischen Passagen nicht minder brillant wie die ernsteren Szenen. Auch gesanglich bot sie absolut Erlesenes: In ihren Songs lieferte sie mit ihrem wunderschönen Sopran ein Highlight nach dem anderen ab und ließ dabei so manche prominentere und auf CD verewigte Rollenvorgängerin ziemlich blass aussehen. Hochachtung!

Hochgefühl: Genau dieses hatte sich meiner bemächtigt und sollte mich auch lange begleiten. Beim Standing Ovation klatschte ich mir enthusiastisch die Hände wund und brüllte mir mit Bravo-Rufen die Kehle heiser. Doch ich war so selig: Nach 21. Jahren war „meine“ LADY – frisch wie eh und je – in einer fulminanten Inszenierung zu mir zurückgekehrt.


Nachtrag zum 11. Mai 2025: Da flog beim Schlussapplaus der Dernière zu MY FAIR LADY der originale Elbsegler von ALFRED P. DOOLITTLE alias Ulrich Burdack über mich hinweg in die Weiten des Zuschauersaals, um dann – dank deutlicher Nennung des Adressaten – doch noch bei mir zu landen. Nun geht der kleine lädierte Segler in die wohlverdiente Rente und wird ein gemütliches Nest bei mir erhalten.

Mein lieber Ulrich! Nochmals herzlichen Dank für das schöne Souvenir. Ich habe mich so sehr gefreut! 😍

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Mit der Dernière endete die erfolgreiche Aufführungsserie des weltbekannten Musicals am Stadttheater Bremerhaven nach 18 nahezu ausverkauften Vorstellungen, bei denen ich an 5 Terminen dabei sein durfte. Bisher hatte mich noch keine andere Produktion so durch eine Saison (von November bis Mai) begleitet wie diese MY FAIR LADY. Jedes Mal war es mir ein Fest, bei dem ich den Alltagsstress sowie meine Sorgen und Schmerzen für einige wertvolle Stunden vergessen konnte.

Für die Freude, die mir (und sicherlich auch vielen weiteren Zuschauern) bereitet wurde, möchte ich mich bei allen Beteiligten von ganzem Herzen bedanken. 💖


Lust auf einen Probeneinblick? Hier ist er: Andrew Irwins Version von „Weil ich weiß, in der Straße wohnst du“ mit Tonio Shiga am Klavier und Iris Wemme-Baranowski als Mrs. Pearce,…

…oder wir werfen Harald Witt, dem technischen Oberinspektor am Stadttheater Bremerhaven, während der Generalprobe zu MY FAIR LADY einen Blick über die Schulter,…

…aber vielleicht habt ihr ja auch Lust mit Kati Heidebrecht die Choreografie zu „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“ zu lernen.


„Es grünt so grün“: Noch bis zum Mai 2025 lässt MY FAIR LADY am Stadttheater Bremerhaven sowohl Spaniens Blüten als auch die Herzen des Publikums erblühen.

[Lesung] Ingrid Pfeiffer – DIE KÖCHIN ODER DAS FEUER IM MOOR / Gemeindebücherei Ritterhude

Lesung: 6. November 2024

Gemeindebücherei in Ritterhude


Regionalkrimis sprießen seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden und ergießen sich inflationär sowohl über die Leser- wie auch Landschaft. Beinah scheint es so, dass jedes Kuh-Kaff eine*n eigene*n literarische*n Ermittler*in vorweisen muss. Da reicht es dann nicht mehr, dass die Handlung in einer bestimmten Region spielt: Vielmehr müssen geografische Gegebenheiten so detailliert beschrieben werden, dass die Fans voller Freude zum Ort des Geschehens pilgern können, um sich dort auf die Spuren ihrer Held*innen zu begeben. Was – bitteschön – kann nun Ingrid Pfeiffer vorweisen, was nicht schon etliche Schreiberlinge vor ihr erledigt hätten? Kriminalromane, die in der norddeutschen Flachebene spielen, gibt es doch wahrlich zur Genüge.

Im Grunde ist es ganz einfach: Frau Pfeiffer hat für sich eine Marktlücke entdeckt, die sie seitdem souverän ausfüllt. Sie schreibt historische Regionalkrimis um eine junge Frau namens Line, die Ende des 18. Jahrhunderts als Köchin in Bremen bei einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie arbeitet, den Moorkolonisten Früllerk heiratet und ihm ins Teufelsmoor folgt. Dort stolpert die selbstbewusste Frau immer wieder über mysteriöse Todesfälle und bringt sich mit ihren Nachforschungen selbst in Gefahr.

Meine obigen Worte klingen durchaus etwas lapidar und erwecken den Eindruck, als hätte Frau Pfeiffer voller Kalkül ihre Romane geschrieben, um für sich eine möglichst üppige Scheibe vom lukrativen Kuchen der Regionalkrimis abzuschneiden. Doch mit dieser Unterstellung würde ich ihr Unrecht tun. Bei der Lesung stellte sich uns eine Autorin vor, die mit sehr viel Herzblut ihre Geschichten verfasst hat. Dabei legte sie besonderen Wert auf historische Genauigkeit. Akribisch hat sie dafür recherchiert, um so exakt wie möglich Rituale, Abläufe und Handreichungen der damaligen Zeit zu beschreiben und diese so vor dem Vergessen zu bewahren. Auch lässt sie jeden ihrer Romane zu einer anderen Jahreszeit spielen: So findet auch der Einfluss der veränderten Wetterbedingungen auf den Tagesablauf der Moorbauern in ihren Geschichten eine nicht unwesentliche Erwähnung. Zudem schuf sie mit Line und Früllerk ein für damalige Verhältnisse sehr modernes Paar, für das ihre eigenen Großeltern Pate standen.

Bei der Lesung in der Gemeindebücherei in Ritterhude stand vornehmlich der letzte Band DIE KÖCHIN ODER DAS FEUER IM MOOR im Vordergrund, die Ingrid Pfeiffer mit viel Persönlichkeit gestaltete. Sie mag nicht die beste Vorleserin sein, doch verwandelt sie mit ihrem sympathischen Auftreten dieses „Manko“ zu ihrem Vorteil. Während ihrer Lesung „switcht“ sie durch ihre Geschichte, gibt Verweise auf die vorherigen Romane, macht auf Besonderheiten in der Handlung aufmerksam und reicht passende Requisiten als Anschauungsobjekt ins Publikum. Somit war dies auch weniger eine klassische Lesung als vielmehr ein Vortrag, in dem Textstellen aus dem Roman eingebunden wurden.

Apropos Publikum: Diesem ist sie sehr zugewandt. So verwundert es kaum, dass sich im Laufe der Jahre ein kleiner Kult um die rührige Schriftstellerin entwickelt hat und auch bei dieser Lesung ein Gefolge treuer Anhänger*innen im Auditorium saß. Doch unabhängig ob treue Leserschaft oder Erst-Täter: Sie begegnet ihrem Publikum stets mit Humor und sehr viel Charme.

Für mich war es zudem eine Freude nach Jahrzehnten einmal wieder in den Räumlichkeiten der Gemeindebücherei Ritterhude sein zu dürfen: In den 70er Jahren eröffnete die Gemeindebücherei erstmals seine Tür in einem ehemaligen Klassenzimmer der Grundschule in Ritterhude. Ich war ein Ausleiher der ersten Stunde, da ich zur damaligen Zeit selbst noch Schüler der besagten Schule war. Die Gemeindebücherei wurde mein Buch-Paradies, mein Lese-Eldorado, mein Zufluchtsort, die ich nur allzu gerne in den Pausen oder nach dem Unterricht aufsuchte, um mich mit ausreichend Lesestoff zu versorgen. Zumal die Ausleihe für Kinder und Jugendliche damals kostenfrei war (und auch heute noch ist). Wahrlich paradiesisch…!


Informationen zu ihren Romanen und Termine zu den Lesungen findet ihr auf der HOMEPAGE von Ingrid Pfeiffer. Auch in der Gemeindebücherei Ritterhude finden immer wieder interessante VERANSTALTUNGEN statt.

[Lustspiel] Carlo Goldoni – DER DIENER ZWEIER HERREN / Stadttheater Bremerhaven

Komödie nach Carlo Goldoni / in einer Fassung von Kay Neumann

Premiere: 21. September 2024 / besuchte Vorstellung: 13. Oktober 2024

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


INSZENIERUNG Kay Neumann
BÜHNE & KOSTÜME Monika Frenz
MUSIK Jan-Hendrik Ehlers
DRAMATURGIE Peter Hilton Fliegel
LICHT Katharina Konopka


„Logik? Die ist für gut zwei Stunden außer Kraft gesetzt.
Wird ohnehin überbewertet.“

lässt Tobia Fischer in ihrem Bericht zur Premiere in der Nordsee-Zeitung verlauten. Und: Recht hat sie! Es ist manchmal ein Vergnügen, auf die Logik zu pfeifen. Dann genieße ich es, mich in meinem Sitz im Zuschauersaal einfach nur zurücklehnen zu dürfen, wunderbar unterhalten zu werden und alles um mich herum – von den Katastrophen in der Welt bis zu meinen kleinen Alltagsärgernissen – auszublenden.

Über 270 Jahre hat die Komödie von Carlo Goldoni nun schon auf dem Buckel. Damals in Mailand uraufgeführt gilt sie als Höhepunkt der Commedia dell’arte. Doch kann man die damaligen Rollenklischees der Geschlechter heutzutage noch auf einer Bühne zeigen, und zündet der Humor von 1746 auch noch im Jahre 2024? Antwort: „Ja!“ und „Ja!“, wenn jemand wie Regisseur Kay Neumann fähig ist, eine eigene Fassung zu kreieren ohne dabei das Original gänzlich zu verstümmeln. Kay Neumann schuf eine Bremerhavener Fassung und traf damit sowohl voll ins Schwarze wie auch mitten in mein Humor-Zentrum. Da werden die Namen der Charaktere einge(nord)deutscht, die Handlung wird einfach von Venedig nach Bremerhaven transferiert und mit viel Lokalkolorit und Anspielungen auf hiesige Gegebenheiten garniert. Er scheucht das talentierte Schauspiel-Ensemble des Stadttheaters Bremerhaven in einem immensen Tempo über die Bühne und krönt dies – als Running Gag – mit drei Musikern, die, kaum sind sie auf der Bühne erschienen, auch schon wieder von ihr verjagt werden. Zudem spickt er seine Inszenierung mit witzigen Regie-Einfällen zwischen Slapstick und Groteske.

Wobei: So genau will Neumann sich bzgl. der Zeit, in der die Handlung spielt, nicht festlegen lassen. Bühne und Kostüme von Monika Frenz würden zu den 80ern ebenso wie ins Heute passen. Auf jeden Fall spielt die Komödie zu einer Zeit, in der es noch kein TikTok, Smartphone und ähnlichen entlarvenden Schnickschnack gab, da sonst folgende Irrungen und Wirrungen schier unmöglich gewesen wären…

Kaufmann Hosemann hat gerade die Verlobung seiner Tochter Clara mit dem Anwaltssohn Silvester Friesdorf bekannt gegeben, da kündigt sich sein tot geglaubter Geschäftspartner an: Frederick Rasperg, dem Clara versprochen war. Hosemann wittert ein Geschäft, ist Rasperg doch wesentlich reicher als Doktor Friesdorf. In Fredericks Kleidern steckt jedoch dessen Schwester Beatrix, die dringend Geld braucht, um ihren flüchtigen Geliebten zu unterstützen, nachdem dieser ihren Bruder bei einem Streit erstochen hat. Ihr Diener Plietschmann ist dabei keine Hilfe, flirtet er doch lieber mit Hosemanns Bedienter Charlotte, streunt hungrig in der Stadt herum, statt vor Hosemanns Haus zu warten wie befohlen, und verdingt sich noch bei einem zweiten Herrn (der Beatrix’ Geliebter Felix ist), um endlich an etwas zu essen zu kommen. Als jetzt noch für beide Herren Briefe von der Post abzuholen sind, obwohl Plietschmann nicht lesen kann, die Koffer von zwei Herren im selben Gasthaus untergebracht werden müssen, ohne dass die es gegenseitig merken, und als Gipfel der Verwirrung Beatrix mit Hosemann in einem Zimmer und Felix im anderen gleichzeitig ein Menu serviert bekommen sollen, ohne dass Wirt Schunke das Spiel durchschaut – als all das kulminiert, kommt selbst das ausgekochte Schlitzohr Plietschmann ins Schwitzen. Dass Silvester durch die Straßen zieht und den vermeintlichen Rivalen Frederick Rasperg umlegen will; Clara weiß, dass Beatrix kein Mann ist, aber das nicht verraten darf; dass Charlotte und Plietschmann sich ihre Liebe gestehen und im nächsten Moment in einen üblen Streit geraten; dass Plietschmann, um nicht aufzufliegen, sowohl Felix als auch Beatrix erzählt, dass der jeweils andere tot sei – auch in diesem Durcheinander behält DER DIENER ZWEIER HERREN alle Bälle in der Luft, doch so langsam wird die Luft dünn. Wie es sich für eine Verwechslungskomödie gehört, löst sich am Ende alles in Wohlgefallen auf und alle Liebenden finden zueinander. Wie im richtigen Leben – „das war ironisch!“

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)

Bei offenem Vorhang hat das Publikum bereits vor Vorstellungsbeginn die Möglichkeit, einen Blick auf das Bühnenbild von Monika Frenz zu werfen: Hohe Betonwände mit stilvollen Holzelementen suggerieren Modernität – beinah so, als wäre eine der alten Bremerhavener Fischhallen zum stylischen Loft umgebaut worden. Die unterschiedlichen Schauplätze entstehen durch das Öffnen der Holzelemente und dem Versenken der Betonwände und bieten so dem Regisseur die Möglichkeit, sein Ensemble einer Screwball-Komödie gleich durch die eine Öffnung verschwinden und durch eine andere Öffnung wieder erscheinen zu lassen. Da wirkt die Außenfassade der Gaststätte von Wirt Schunke, die eine frappierende Ähnlichkeit mit dem real existierenden Hafenrestaurant „Treffpunkt Kaiserhafen“, der selbsternannten „letzten Kneipe vor New York“, aufweist, schon beinah wie eine Reminiszenz an die gute alte Zeit (Wann immer diese auch war?!).


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Wenn eine Komödie reibungslos funktionieren soll, bedarf es eines gut eingespielten Ensembles, bei dem niemand sich in den Vordergrund drängt, sondern sich gegenseitig die Pointen zugespielt und gegönnt werden. Frank Auerbach gibt einen schleimigen, speichelleckenden Hosemann, der stets auf seinen Vorteil bedacht ist und sogar seine Tochter meistbietend verhökert. Als sein Gegenüber zeichnet Kay Krause den Doktor Friesdorf als aalglatten Strategen, der gleichzeitig Vater von Silvester und Anwalt von Hosemann in Personalunion ist. Interessenskonflikt: Friesdorf doch nicht, da seine Interessen nur bei ihm selbst liegen.

Hosemanns Tochter Clara wird von Anna Caterina Fadda als moderne junge Frau porträtiert, die erfrischend unprätentiös ihr Leben äußerst patent selbst in die Hand nimmt und ihren Liebsten aufrichtig liebt. Ihr „love interest“ Silvester wird von Alexander Smirzitz als nerdiger Schlacks verkörpert, der so herrlich jammern kann und sich mit seinem vermeintlichen Nebenbuhler Frederick alias Beatrix einen urkomischen Zweikampf liefert, der mit Taekwondo beginnt und in einem Schuhplattler endet. Julia Lindhorst-Apfelthaler in der Doppelrolle Frederick/Beatrix versucht verzweifelt ihre Maskerade aufrecht zu erhalten und verzettelt sich dabei immer mehr in die von ihr provozierten Widersprüche. Apropos „love interest“: Beatrix zu Unrecht verdächtigter Lover Felix kommt in der wohlgeformten Gestalt von Marc Vinzing als selbstverliebter Ken-Verschnitt mit gebleachtem Zahnpasta-Lächeln daher.

Aom Flury kredenzt als Wirt Schunke seinen Gästen so manches, was bereits jenseits der Grenze des Genießbaren scheint, dass ich ihm und seiner Kaschemme von Herzen einen Besuch des Gesundheitsamtes wünsche. Marsha B Zimmermann führt als Charlotte, der Bediensteten im Hause Hosemann, ein strenges Regime, sorgt resolut für Ordnung, zeigt Haltung und bietet so jedem, der sich ihr entgegen stellt, die Stirn: Obrigkeit hin oder her.

Auch wenn es bei einer guten Komödie auf die Ensemble-Leistung ankommt, braucht es doch oft einen Charakter, der die Fäden in der Hand behält und den anderen Figuren Impulse sendet, um sie so zum Agieren zu befähigen. Hier ist es selbstverständlich unser Titelheld: Als Plietschmann, DER DIENER ZWEIER HERREN, hat Henning Z Bäcker alle Hände voll zu tun, seine*n Arbeitgeber*in (scheinbar) zufriedenzustellen, doch dabei die jeweilige Situation möglichst zum eigenen Vorteil zu nutzen. Da wird schwadroniert und geprotzt, mit der holden Weiblichkeit in Form Hosemanns Bediensteter Charlotte geschäkert, mit den (Waden-)Muskeln gespielt und die Wahrheit voller Überzeugung so sehr gedehnt und verzehrt, dass auch wir im Publikum ihm nur Glauben schenken konnten. Bei der fulminanten Menü-Szene hechtet er von dem einem zum nächsten Séparée, immer bedacht von den servierten Köstlichkeiten ausreichend für sich selbst abzuzweigen: Tupperware, wer braucht schon Tupperware, wenn das (letzte) Hemd am Leibe eine Brusttasche besitzt.

Last but not least: Jan-Hendrik Ehlers und seine beiden Musikus-Kollegen Marco Priedöhl und Stephan Werner konnten mir wahrlich leidtun. Kaum waren sie auf der Bühne erschienen, um fröhlich aufzuspielen, da wurden sie von Charlotte auch schon wieder vom Parkett gescheucht, gefegt, gelockt oder sonst wie komplimentiert. Nach dem frenetischen Schlussapplaus standen die auf der Bühne arg verschmähten Musiker im Foyer, um ihrer Kunst zu frönen. Lachend rief ich Jan-Henrik Ehlers zu „Na, da kommt ihr ja doch noch zum Zuge,…!“ „…und endlich dürfen wir bis zum Ende spielen!“ gab er grinsend zurück. Und noch beim Parkhaus waren die schmissigen Melodien, die durch die geöffneten Türen des Theaters nach draußen strömten, zu hören.

Wer ein geeignetes Mittel gegen die Herbst-Depression sucht, der wird im Stadttheater Bremerhaven fündig. Nebenwirkungen: Zerrungen der Gesichtsmuskulatur, Zwerchfell-Verspannung und ganz viel gute Laune! 🤣


Kleine Appetithappen von DER DIENER ZWEIER HERREN gefällig?

Mit Plietschmann alleine im Fahrstuhl…?! Ich bin mir nicht sicher, ob es eine ungetrübte Freude wäre. Was meint ihr,…

…oder vielleicht doch eher einen kleinen Probeneinblick mit Henning Z Bäcker?


Noch bis zum Februar 2025 darf am Stadttheaters Bremerhaven beobachtet werden, wie DER DIENER ZWEIER HERREN seine Gunst verteilt.