[Rezension] Elke Heidenreich – Nero Corleone & Nero Corleone kehrt zurück/ mit Illustrationen von Quint Buchholz

1995 erblickte „Nero Corleone“ das Licht der literarischen Welt und eroberte sich ein millionenfaches Publikum im In- und Ausland.

Der kleine Kater hatte vor keinem anderen Tier unnötigen Respekt, noch nicht einmal vor dem Hofhund, und so kam es, dass die anderen Tiere eines italienischen Bauernhofes nach ein paar Wochen „Nero Corleone“ nannten: schwarzes Löwenherz. In der Nähe stand ein Ferienhaus, in dem ein deutsches Ehepaar Isolde und Robert viermal im Jahr Urlaub machte. Sobald das erste Mal die Fensterläden geöffnet wurden, sprang der abenteuerlustige schwarze Kater mit der weißen Pfote ins Zimmer – und somit in das Leben des Paares, zieht mit ihnen nach Deutschland, prägt ihr Leben nachhaltig, bis er entschließt bei einem der vielen Besuche in seiner Heimat, sie zu verlassen und ein neues Abenteuer zu beginnen.

2011 kam mit „Nero Corleone kehrt zurück“ dann die langerwartete und heißersehnte Fortsetzung. Nur hat die Fortsetzung einen Haken: Es geht eigentlich gar nicht um Nero.

Isolde zieht sich nach der Trennung von Robert nach Italien zurück, um über ihre Zukunft nachzudenken. Das beschreibt Elke Heidenreich ausführlich: Isolde richtet das Haus ein, Isolde ersinnt teils banale Lebensweisheiten, Isolde findet eine neue Katze (was selbstverständlich viel besser ist als ein neuer Mann), vor allem aber: Isolde wartet auf Nero. Der Leser wartet ebenso, aber dann ist er da,…

…und während ich von Isoldes Wiedersehen mit ihrem Nero las, liefen mir die Tränen über die Wangen, und ich spürte eine große Sehnsucht in mir nach meinem Nero, der Moritz hieß, nicht schwarzes sondern getigertes Fell hatte, und mit dem es kein Wiedersehen geben wird, da er vor Jahren aufgrund einer Lungenembolie eingeschläfert werden musste. Seitdem hatte ich mein Leben nicht mehr mit einer Katze geteilt und bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht geahnt, wie sehr mir dies fehlte,…

…und ich danke Elke Heidenreich für dieses Büchlein, in dem sie in einer einfachen, schlichten aber zugleich berührenden, packenden Sprache die elementaren Dinge des Lebens beschreibt: der ewige Kreislauf, Veränderung, Trennung, Tod, Hoffnung, Glück und „immer genug“ Liebe,…

…und als Katzen-Mensch hat sie mich glücklicherweise wieder daran erinnert: Mein Leben ohne Katze ist möglich – aber ärmer,…

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…bis ein roter Kater auf dem Tag genau vor 5 Jahren in mein Leben trat und es auf sanften Pfoten umkrempelte! 💕

erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446183445 & 978-3446236615

[Rezension] Dante Alighieri – DIE GÖTTLICHE KOMÖDIE

Uih! Ich fürchte, dies wird meine literarische Lebensaufgabe…

Kennen Sie das auch? Sie haben schon mal etwas von einem Werk gehört? Zu mindestens der Titel kam ihnen bekannt vor? Auch den Namen des Autors haben sie irgendwo schon mal gelesen? So erging es mir mit diesem Klassiker der italienischen Literatur.

Völlig spontan und naiv und ohne jegliches Hintergrundwissen habe ich mir dieses Werk als Rezensions-Exemplar zusenden lassen. Nun halte ich dieses stramme Exemplar in meinen Händen, blättere ehrfürchtig in den 1200 Seiten und habe das Gefühl, ich bin zu ihm gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind,…

…und schon sind wir mitten in Dantes „Divina Commedia“: Unterteilt in die Abschnitte Inferno (Die Hölle), Purgatorio (Der Läuterungsberg) und Paradiso (Das Paradies) handelt es von den Erlebnissen des Dichters Dante, der sich auf einer Reise durch das Reich der Toten in einem großen, undurchdringlichen Wald verirrt. Dort stellen sich ihm einige gefährliche Tiere (die als Parabel für Verführung und Sünde gedeutet werden können) in den Weg, drängen ihn vom Pfad der Tugend und verweigern den Ausweg. Bevor Dante im unwirtlichen Wald zugrunde geht, erscheint ihm Virgil: Der weise Mann wurde ihm von Beatrice, seiner Geliebten, geschickt. Gemeinsam können sie den Wald mit seinen Versuchungen hinter sich lassen und stehen vor der Pforte der Hölle…

Ich habe meine Studien noch lange nicht beendet. Einige Passagen musste ich ein zweites oder drittes Mal lesen – manchmal sogar laut rezitieren – um den Inhalt über den Duktus der Sprachmelodie zu verstehen. Dabei liegt mir in der Übersetzung von Ida und Walther von Wartburg eine Referenzausgabe vor. Gustave Doré schuf im Jahr 1861 zahlreiche Holzstiche, die heute zu den bekanntesten Illustrationen des Werks zählen.

„Die göttliche Komödie“ ist kein Werk für „Zwischendurch“, kein Werk für „in einem Rutsch durchlesen“,…

…aber ein Werk, das mich zwingt meine literarische Komfort-Zone zu verlassen, meine Konzentration fordert und meinen Blick weitet.

Meine persönliche literarische Herausforderung: Schön, dass es sie gibt!


erschienen bei Manesse/ ISBN: 978-3717524601

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #3: Gab es schon einmal einen auf einem Buch basierten Film, den du besser fandest als das Buch?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll!

Ich bin gerne dabei!!!


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Gab es schon einmal einen auf einem Buch basierten Film, den du besser fandest als das Buch?

Auch diese Frage kann ich kurz & bündig beantworten: NEIN!

…und dieses NEIN! begründet sich nicht auf „Das Buch ist eh immer besser als der Film!“, sondern ich bin da ganz pragmatisch:

Ich vergleiche sie nicht!

Buch und Film sind zwei völlig unterschiedliche Medien, die bei mir auch teilweise völlig unterschiedliche Sinne und somit auch unterschiedliche Gefühle ansprechen.

Beim Buch bin ich ganz für mich allein. Es ist still. Das Buch liegt in meiner Hand. Ich atme den Duft des Papiers ein, während ich mich langsam in die Geschichte hinein finde. In meinem Kopf entstehen peu à peu die Bilder, die Romanfiguren gewinnen an Konturen, und das Setting entwickelt sich in meiner Fantasie. Ein Buch begleitet mich nicht nur über wenige Stunden: Es ist mein Begleiter über einige Tage! So spüre ich bei einigen Büchern am Ende der Lektüre eine wenig Wehmut und einen Hauch Trennungsschmerz,…

…eine sehr intime Atmosphäre!

Beim Film ist die Atmosphäre eine gänzlich andere als beim Lesen: Ich sitze entweder gemeinsam mit anderen Menschen in einem Kino-Saal oder alleine/ zu zweit vor dem Fernseher. Hier sind die Bilder  schon vorgegeben, und somit ist meine Fantasie weniger gefordert. Dafür erfreue ich mich – im Idealfall – an einer gelungenen optischen Umsetzung, an einer kluge Inszenierung und an der Kunst des Schauspiels. Nach wenigen Stunden ist der „Spuk“ vorbei. Trennungsschmerz? Nö!

Zudem wird die Handlung durch die Musik begleitet und unterstützt: Musik übt eine magische Anziehung auf mich aus. Sie kann mich über das Ohr direkt in Herz und Seele treffen – ohne Umweg über die Logik. Musik hat eine immense Kraft: Es gibt Musikstücke, bei denen ich – durch das bloße Zuhören – eine Gänsehaut bekomme oder mir die Augen feucht werden.

2 unterschiedliche Medien – 2 unterschiedliche Arten der Wahrnehmung: Darum vergleiche ich nicht!


…und was meint Ihr? Ich könnte mir vorstellen, dass es zu dieser Frage einige konträre Meinungen gibt!

[Rezension] Wolf Haas – Junger Mann

Nach Sommer in Super 8 ist dies in kürzester Zeit der 2. Roman, den ich gelesen habe, dessen Handlung in den 70er Jahren angesiedelt ist: Was mache ich hier? Vergangenheitsbewältigung? Muss ich mir Sorgen machen?

Denn schon beim 1. Blick auf dem Umschlag war ich mir im Klaren – oranger Frottee-Schonbezüge – definitiv die 70er! Beim 2. Blick fragte ich mich weiter: Was hat es nur mit dieser Waage aufsich?…

…und da ich von Natur aus ein neugieriges Kerlchen bin, wollte ich diese Frage beantwortet wissen und habe die Vergangenheitsbewältigung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Die österreichische Provinz, Ölkrise und Autofreie Tage: Nur für den Tscho, dem coolsten Kerl im Dorf, gelten andere Regeln. Das nagt gewaltig am Gemüt unseres jugendlichen Helden, der mit den Problemen seiner jungen Vergangenheit kämpft – zu viele Unfälle, zu viele Gipsbeine, zu viel Trostschokolade, zu viel Gewicht und nun…

…zu viel Gefühl: Ausgerechnet in Elsa, der hübschen Ehefrau vom Tscho, muss er sich verlieben. Aber – Hey! – wo liegt das Problem? Warum soll der Tscho alles haben und er nix?

So startet er eine radikale Abmagerungskur (darum die Waage auf dem Umschlag) und findet immer neue Ausreden, um in der Nähe des „zauberhaften Lächelns“ zu sein. Doch plötzlich steht der Tscho vor ihm und unterbreitet ihm ein Angebot, dass er nicht ausschlagen kann,…

…und so beginnt ein Roadtrip Richtung „Erwachsenwerden“!

Wolf Haas lässt in seinem Roman humorvoll die 70er wieder aufleben und begleitet seinen Helden auf dem steinigen Weg des Heranwachsens: Dabei strotzt dieser so sehr vor naiver Selbstüberschätzung, dass ihm weder seine über-korrekte Mutter oder sein psychotischer Vater, noch die 10 Jahre Altersunterschied zu seiner Angebeteten in seinem Handeln bremsen.

„Rückwärts durch die Knie betrachtet ist die Welt immer am interessantesten.“

Mit diesen Zutaten gelingt Haas ein Roman völlig ohne übertriebenes Pathos und Selbstmitleid: Sein Schreibstil ist locker und unterhaltsam, mit lakonischem Witz und einer Menge Ironie,…

…ein herrlicher „Coming of Age“-Roman.


erschienen bei Hoffmann & Campe/ ISBN: 978-3455003888

[Rezension] Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung

Was treibt einen halbwegs intelligenten, sogar studierten Menschen dazu, seine gesicherte Existenz aufzugeben, um ohne jegliches Vorwissen – und in Zeiten von Amazon, Thalia & Co. – eine eigene Buchhandlung zu eröffnen? Wahnsinn? Abenteuerlust? Lebensmüdigkeit? Nein, Leidenschaft!

„Die Bücher entzünden uns, wenn das Glück uns lacht, sie trösten uns, wenn das Ungemach uns zu quälen beginnt.“ Arthur Schnitzler

Petra Hartlieb hat genau aus diesem Grund das oben Beschriebene gemacht: Im Jahr 2004 eröffnet sie gemeinsam mit ihrem Mann eine kleine Buchhandlung in einem ebenso kleinen Wiener Bezirk und bricht dafür ihre Zelte in Hamburg ab. Allein aus den Unterschieden im Nord-Süd-Gefälle ließen sich – auch ohne Buchhandlung – wunderbare Geschichten kreieren: Frau Hartlieb schildert völlig unsentimental aber mit viel Humor die Tücken der Anfänge (von 0 auf 100), berichtet von Mitarbeitersuche, Autorenlesungen und Weihnachtsgeschäft und verschweigt nicht die vielen kleinen und weniger kleinen alltäglichen Katastrophen im Buchhandel – dies alles tut sie aber mit einem schelmischen Zwinkern im Auge!

Petra Hartlieb ist ein charmantes Statement mit Herz für alle kleinen Buchhandlungen gelungen: Eine inhabergeführte Buchhandlung ist so viel mehr als ein Ort, wo ich eine Ware kaufe. Sie ist Anlaufhafen, Kontaktbörse, Ruhepol, die pure Verlockung,… (Aufzählung darf gerne ergänzt werden.)

Ich spürte bei der Lektüre auf jeder Seite dieses wunderbaren Buches, warum Frau Hartlieb dieses Abenteuer gewagt hat: Die Liebe zum Buch! Die Liebe zum Handel vor Ort! BUY LOCAL!

erschienen bei DuMont/ ISBN: 978-3832164553

[Anekdoten-Archiv] Wie Mr. Walker mich in Panik versetzte…

Lesung mit Martin Walker „Femme Fatale“ im Rathaussaal in Osterholz-Scharmbeck/ Buchhandlung „die schatulle“


Beginnen möchte ich meine neue Kategorie Anekdoten-Archiv… mit einem Erlebnis, das sozusagen als Beginn meiner „Karriere“ als Vor-Leser stehen könnte:

10. September 2013: Nun saß ich also neben einem Bestseller-Autoren und wartete auf meinen Einsatz: Er lass das 1. Kapitel im englischen Original, ich war dann für 3 weitere (vom Verlag vorgegebene) Stellen aus dem Roman auf Deutsch vorgesehen…

Wochenlang hatte ich mich vorbereitet, die Textstellen immer wieder gelesen, an der Betonung und meiner französischen Aussprache gefeilt: Gerade diese französische Aussprache bereitete mir als Fremdsprachen-Legastheniker immense Kopfschmerzen. Jedes französische Wort wurde mit Unterstützung meines Mannes zuerst korrekt ausgesprochen und dann in Lautschrift im Text notiert.

Nun saß ich hier – schweißgebadet und mit meiner Konfirmanden-Blase gestraft. Meine Nerven lagen nicht unbedingt gänzlich blank, aber ein Teil der Isolierung war im Laufe des Abends schon abgeschabt worden.

Einerseits dank Mr. Walker, der mit selbstbewusster Arroganz die glorreiche Idee hatte, die Letzte, der von mir vorbereiteten Textstellen, zu streichen und mich dafür mit einer anderen Passage zu „belohnen“ (Dies löste spontan „Kreislauf“ und „Schnappatmung“ bei mir aus!).

Andererseits wurde die Lesung aufgrund der großen Nachfrage von der gemütlichen Buchhandlung „die schatulle“ der Schwestern Ute & Sabine Gartmann in den weitaus größeren Rathaussaal verlegt: Mir gegenüber saßen nun (geschätzt) 300 Zuhörer und starrten mich erwartungsfroh an,…

…und dabei hatte ich 1 ½ Jahre zuvor vorerst nur 3 klitze-klitze-klitze-kleine Lesungen gemacht.

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Dieser Auftakt meiner „Karriere“ als Vor-Leser war somit eine echte Herausforderung,…

…und ich schien diese Herausforderung gut gemeistert zu haben: Als Lohn für meine Mühe erhielt ich – neben einem jovialen Schulterklopfen von Mr. Walker –  viel positives Feed-Back der Zuhörer und eine originale Gartmann-Kuh, wie sie sonst nur die Autoren als Dank für ihre Lesung erhalten.

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Mr. Walker hatte seine Kuh im Hotelzimmer „versehentlich“ „vergessen“! Meine Kuh wird gehegt und gepflegt und hat in der Zwischenzeit Gesellschaft von einer Schwester bekommen.

Mr. Walker wurde seitdem nicht wieder zu einer Lesung eingeladen. Ich habe in der Zwischenzeit schon einige tolle Projekte gemeinsam mit den Gartmann-Schwestern realisieren dürfen.

„Böse ist, wer schlechtes dabei denkt!“ 😈

MONTAGSFRAGE #2: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll!

Ich bin gerne dabei!!!


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Diese Frage kann ich kurz & bündig beantworten: Ich höre keine Hörbücher!

Natürlich habe ich mir hin und wieder ein Hörbuch angehört, die sehr gut produziert waren, und natürlich gibt es wunderbare Sprecherinnen & -sprecher – zweifellos,…

…aber es ersetzt für mich weder das Gefühl, das ich beim „klassischen“ Lesen habe, noch spricht es in dem Maße meine Sinne an, wie es das „klassische“ Lesen vermag!

Zudem habe ich an mir wahrgenommen, dass ich beim Anhören von Hörbüchern recht schnell ungeduldig werde: Die sprechende Person liest nicht in meinem Tempo, interpretiert eine Rolle vielleicht nicht in meinem Sinne, oder die Stimme passt für mich nicht zum Inhalt des Buches. Zudem wirken die Hörbücher auf mich oft auch sehr steril!

Interessanterweise empfinde ich dies nicht, wenn mir vorgelesen wird: Da spielen das „Live & in Farbe“ sowie das gemeinsame Erleben entscheidende, nicht zu unterschätzende Rollen!

  • Lesen – nur für mich: sehr, sehr gerne!
  • Vor-Lesen – in der Gemeinschaft: sehr, sehr gerne!
  • Vor-Lesen aus der Retorte: Danke, nein!

…und wie ist Eure Meinung? Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Kommentare!

[Rezension] Elizabeth Edmondson – Der Tote in der Kapelle

Vor 7 Jahren verschwand der Earl of Selchester in einer stürmischen Winternacht aus seinem Schloss und wart nicht mehr gesehen. 7 Jahre lang gab es kein Lebenszeichen von ihm, dafür umso mehr Gerüchte im Dorf über die Gründe seines Verschwinden. Nach 7 Jahren tauchen plötzlich seine Überreste bei Reparaturarbeiten unter dem Steinboden der Schloss-Kapelle auf. Er hatte sein Anwesend nie verlassen. Doch was war geschehen? Und…

…wer war der Täter? …und warum ist die Regierung nun so erpicht darauf, diese Angelegenheit so schnell wie möglich ad acta legen zu können?

Mit dem Begriff „Cosy-Krimi“ konnte ich bisher wenig anfangen: „Cosy“ – Was heißt das? Hineinschlüpfen und sich wohlfühlen? Nach der Lektüre dieses Krimis habe ich eine Vorstellung, was es bedeuten könnte. Denn genauso fühlt es sich bei diesem Krimi an! Und – Hey! – er macht eine Menge Spaß!

Alles ist vorhanden, was ich mir als leidenschaftlicher Liebhaber alter britischer Krimis (in diesem Fall: der sich anfühlt wie…) wünsche: pralle Charaktere, witzige Dialoge, viele Verdächtige mit Motiv, ein ungewöhnlicher Ermittler, verwirrende Verwicklungen, das Flair der 50er Jahre,…

…dazu nehme man die Atmosphäre aus den alten Miss Marple- und Edgar Wallace-Filmen, würze es mit ein wenig Landschaft aus Inspector Barnaby und gebe eine Prise Standesdünkel aus Downton Abbey hinzu,…

…et voilà: Fertig ist der Cosy-Krimi!

Nach meiner letzten schweren Krimikost danke ich Mrs Edmondson für dieses wohltuende Kontrastprogramm – genau das Richtige für gemütliche Lesestunden bei einer schönen Tasse Tee!

„Oh yes, indeed, my dear!“

erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442486120

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Erich Kästner – DER SEPTEMBER

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

Erich Kästner