[Rezension] MIT MUSIK GEHT ALLES BESSER & MUSIK IST, WAS ZUSAMMEN KLINGT/ aus der Reihe DER ROTE FADEN

Kennt ihr schon die Reihe DER ROTE FADEN aus dem Coppenrath Verlag? Diese entzückenden Büchlein, die nicht größer sind als ein Oktavheft? Nein! Na, dann wird es aber höchste Zeit! Denn in der Zwischenzeit gibt es unzählige dieser kleinen Heftchen zu ebenso vielen Themen und Anlässen – alle nur jeweils 20 Seiten stark und mit der prägnanten roten Fadenheftung. Zudem sind sie nicht schwerer als ein so genannter Kompaktbrief (Porto: € 1,10) und können in einem Umschlag ganz wunderbar statt einer Grußkarte verschickt werden. Sie sind auch nicht teurer als diese, bereiten dem Adressaten allerdings sicher viel länger Freude. Zu Weihnachten aber auch zu Geburtstagen habe ich sie bereits nur allzu gerne verschickt.

Nun habe ich mir selbst – zwecks Überbrückung der theaterlosen Zeit – zwei Exemplare gegönnt, die sich mit der Musik beschäftigen. Bei MIT MUSIK GEHT ALLES BESSER (von 2018) findet ihr viele kluge Aphorismen, leider vornehmlich von Männern (mit einer Ausnahme: Sophie Scholl), die sowohl von bekannten Philosophen, Dichtern und Denkern als auch von Musikschaffenden wie Komponisten und Dirigenten stammen. Bei MUSIK IST, WAS ZUSAMMEN KLINGT (von 2024) ist man diesem Konzept weitestgehend treu geblieben, hat allerdings auch einige längere Texte und Gedichte hinzugefügt sowie mehr kluge Frauen zu Wort kommen lassen.

Mit Freude las ich all diese weisen Worte und fühlte mich mal wieder sehr bestätigt, dass Musik eine wunderbare Errungenschaft ist, die so wohltuend auf Geist, Körper und somit auf unser Wohlbefinden positiven Einfluss nimmt.

Zudem schienen mir die Aphorismen nicht willkürlich aneinander gereiht: Vielmehr meinte ich einen ROTEN FADEN (!) zu entdecken. Da standen Zitate zueinander, die in ihrer Kombination herrlich amüsant waren. So behauptete Johannes Brahms „Studiere Bach. Dort wirst du alles finden.“, während Johann Sebastian Bach ein Jahrhundert zuvor seine musikalischen Fähigkeiten wie folgt beschrieb „Alles, was man tun muss, ist die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu treffen.“. Auch entdeckte ich in beiden Büchlein nur zwei Texte, die identisch waren aber an der jeweiligen Stelle (Stichwort: ROTER FADEN) durchaus Sinn machten.

Apropos Jahrhunderte: Die Herkunft der Zitate erstrecken sich über mehrere Epochen. Und so unterschiedlich die Zeiten ihrer Entstehung auch waren, sie alle huldigen die Musik in all ihren Facetten. Da dürfen die Titel (incl. ihrer Untertitel) dieser reizenden Heftchen durchaus programmatisch verstanden werden:

MIT MUSIK GEHT ALLES BESSER
Von der Kunst der Harmonie und Lebensfreude
&
MUSIK IST, WAS ZUSAMMEN KLINGT
…und was uns zusammenbringt
💜


erschienen bei Coppenrath/ ISBN: 978-3649629818 & 978-3649647058

[Rezension] Josephine Tey – EIN SCHILLING FÜR KERZEN

Er ist nun auch aus seinem Schlummer erwacht. Vielmehr wurde er vom Verlag wieder wachgeküsst, und da lag er nun vor mir – der letzte Fall von Inspector Alan Grant, mit dem der Oktopus Verlag das halbe Dutzend voll macht und die Serie abschließt. Wobei: Aufgrund der nicht nachvollziehbaren Veröffentlichungsstrategie des Verlages, bei der die Bände nicht chronologisch sondern wild durcheinander veröffentlicht wurden, handelt es sich bei EIN SCHILLING FÜR KERZEN zwar durchaus um den letzten Roman dieser Serie, der als Neu-Auflage das Licht der Bücherwelt erblickte, allerdings innerhalb der Serie haben wir es hier erst mit Alan Grants zweiten Fall zu tun.

Verwirrend?! Ja, durchaus! Doch dies ist leicht zu verschmerzen, da die Episoden alle für sich stehen, und die privaten Entwicklungen im Leben des Inspectors auch bei dieser „gemischten“ Reihenfolge trotzdem nachvollziehbar bleiben und somit die Freude an der Lektüre niemals schmälern.

Westover, ein beschauliches Städtchen an der Südküste Englands. Hier wird an einem klaren, sonnigen Morgen die berühmte Schauspielerin Christine Clay tot an den Klippen gefunden. Was zunächst nach Selbstmord oder einem Badeunfall aussieht, entpuppt sich bald als Mord. Verdächtige gibt es wie Sand am Meer, allen voran der mittellose Tisdall. Er war zur Tatzeit vor Ort – und er profitiert von dem Tod des Weltstars: Kurz zuvor hat sie ihm ein stattliches Erbe zugedacht. Nachdem Tisdall spurlos verschwindet und ausgerechnet die Tochter des Polizeichefs ihn entlastet, wird der Fall noch mysteriöser: Wo war Clays Ehemann zur Tatzeit? Wie konnte die Astrologin Lydia ihren Tod vorhersagen? Und was hat der dubiose Bruder mit der Sache zu tun, dem Clay lediglich einen „Schilling für Kerzen“ vermachte? Inspector Alan Grant von Scotland Yard übernimmt den Fall, der bald zum Albtraum wird: zu viele Hinweise, zu viele Motive und zu viele Verdächtige, die der Schauspielerin nichts als den Tod wünschten…

 (Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Inspector Alan Grant: Ich habe diesen ruhigen, besonnenen Ermittler sehr zu schätzen gelernt und verspüre ein wenig wehmütigen Trennungsschmerz bei dem Gedanken, dass es keine weiteren neuen Begegnungen mit ihm geben wird. Umso dankbarer bin ich, dass Autorin Josephine Tey uns wenigstens sechs Romane mit ihm geschenkt hat, die einen so prägenden Eindruck hinterlassen haben, dass sie stets ihren Platz in der „Hall of Fame“ des goldenen Zeitalters der Kriminalliteratur behalten werden.

Alle bereits bei WARTEN AUF DEN TOD erwähnten Qualitäten der Autorin im Kreieren einer spannenden Geschichte hat sie hier nochmals verfeinert. Es schien mir, als hätte sie intensiv am Charakter unseres Hauptdarstellers gearbeitet und ihn weiter im Detail „ausgeformt“. Diese stetige Entwicklung unseres Helden führte sie übrigens konsequent in den Folge-Romanen fort und zeichnete so eine komplexe Figur voller Empathie und Menschlichkeit.

Doch bei EIN SCHILLING FÜR KERZEN hatte ich zudem den Eindruck, dass sie im besonderen Maße auch den Nebenfiguren ihre Beachtung schenkte und uns einen bunten Strauß praller Typen kredenzte. Da haben wir den scheinbar unschuldig verdächtigten Naiven: Robert Tisdall wird so offensichtlich sympathisch gezeichnet, dass ich nicht umhin kam, ihn zu verdächtigen (Ob er tatsächlich der Täter ist, wird hier nicht verraten.). Daneben wirkt Jammy „Knüller“ Hopkins beinah wie die Karikatur eines schmierigen Klatschreporters, der rücksichtslos unverfroren auftritt und dabei sehr amüsant ist. Zudem machen wir die erfreuliche Bekanntschaft mit einer äußerst patenten jungen Dame: Erica Burgoyne ist die 16-jährige Tochter des Chief Constable Colonel Burgoyne, die mit einer Menge Grips in ihrem Schädel und einem so gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet ist, dass sie sich von den Allüren der Erwachsenen nicht irritieren lässt. Doch auch Williams, der treue Assistent von Grant, bekam mehr Kontur und entpuppte sich als durch und durch feiner Kerl, der stets loyal hinter, vor oder neben seinem Chef steht – je nachdem, wo er gerade gebraucht wird.

Josephine Tey zählt für mich zu eine der ganz großen Kriminalautorinnen und braucht einen Vergleich mit populäreren Kolleginnen der schriftstellerischen Zunft wahrlich nicht fürchten. Umso mehr freut es mich, dass sie und ihre Werke verdientermaßen endlich wieder mehr Beachtung erfahren.


erschienen bei Oktopus (Kampa) / ISBN: 978-3311300731 / in der Übersetzung von Manfred Allié

SAISON-RÜCKBLICK 2024/2025

Am Ende eines Jahres präsentiert jede*r Buchverrückte gerne die persönlichen LESE-HIGHLIGHTS: Auch ich praktiziere dieses beinah schon traditionelle Ritual mit Freude, da es mir die wunderbare Chance ermöglicht, dass ich die gelesenen Bücher nochmals Revue passieren lassen kann.

Im letzten Jahr gönnte ich mir erstmals auch einen Rückblick auf die vergangene Spielzeit. Ich kann es nur immer wieder und wieder betonen: Die Kultur ist für mich ein so essenzieller Bestandteil meines Lebens, der Einfluss auf mein Wohlbefinden, meine Phantasie, meine Gedanken und meine Emotionalität nimmt, dass ich mir nicht vorstellen könnte, ohne sie zu sein.

Da habe ich mir gedacht, ich mache aus diesem SAISON-RÜCKBLICK auch mein höchst persönliches Ritual und schwelge nochmals in vielen schönen Erinnerungen. Es gab in der vergangenen Monaten so wunderbare kulturelle Glücksmomente für mich, und ich hoffe natürlich, dass die Zukunft noch viele weitere für mich bereithält.

Doch genug geplaudert: Hier kommt sie nun, meine kleine Hommage an die zurückliegende Saison 2024/2025!

Ich wünsche euch viel Spaß!

VORSPANN
1. BOSHANA MILKOV & JAN-HENDRIK EHLERS / 2. RAINER MORITZ
3. ERÖFFNUNGSGALA / 4. THEATERFEST / 5. TURANDOT
6. DER DIENER ZWEIER HERREN / 7. AMTSNOTEN / 8. INGRID PFEIFFER

9. KEEN UTKAMEN MIT DAT INKAMEN / 10. MY FAIR LADY
11. MOZARTS ERBE(N) / 12. ROMEO UND JULIA / 13. DER GOLDENE BRUNNEN
14. HÄNSEL UND GRETEL / 15. GESCHICHTEN AUS SAND
16. LÜGEN HABEN JUNGE BEINE / 17. CATCH ME IF YOU CAN
18. VORLESEWETTBEWERB / 19. BILDERBUCHKINO

20. ENTDECKERTOUR HAFENBUS / 21. KAMMERKONZERT
22. DER KUSS DER SPINNENFRAU / 23. LE NOZZE DI FIGARO
24. ALLENS, WAR ICK SEKER WEET / 25. THEATERSNACK / 26. PE WERNER
27. SCHNEEWITTCHEN / 28. SAMMELMAPPEN / 29. LISA FELLER
30. PEER GYNT / 31. DIE BREMER STADTMUSIKANTEN
ABSPANN

💖

[Rezension] Susa Hämmerle – DORNRÖSCHEN. Das Ballett nach Peter Iljitsch Tschaikowsky/ mit Illustrationen von Anette Bley

Krachend fallen nach und nach die Eingangstüren der Theater unserer Republik in die Schlösser. Unzählige Schlüssel drehen sich in eben diesen, um sie zu verschließen. Frühestens in 8 Wochen drehen besagte Schlüssel sich wieder in die andere Richtung, um dem Publikum zur Spielzeit 2025/2026 wieder Einlass in die heiligen Hallen der Musentempel zu gewähren. Auch mein Stamm-Theater hat sich in die Sommerpause verabschiedet, und so versuche ich mich – wie in jedem Jahr – mit Lektüre rund um das Thema Theater abzulenken, um die theaterlose Zeit möglichst kurzweilig zu überstehen.

Mit DORNRÖSCHEN, dem zauberhaften Märchenballett von Peter Iljitsch Tschaikowsky habe ich mir ein Werk ausgesucht, das in der nächsten Saison auch an meinem Stamm-Theater zur Aufführung kommen wird. Beim 3. Familienkonzert wird das Philharmonische Orchesters Bremerhaven unter der musikalischen Leitung von Hartmut Brüsch die gelungene Kooperation mit der Ballettschule Dance Art fortführen. Irina und Marius Manole werden mit den Schüler*innen ihrer Ballettschule sicherlich wieder eine wunderbar kindgerechte wie phantasievolle Choreografie für das junge Publikum erstellen. Bis es soweit ist, muss ich mich leider beinah ein Jahr gedulden.

Wie schön, dass ich mich mit diesem Buch ein wenig trösten konnte: Und so warf ich die beigefügte CD in den Player, setzte mich mit dem Buch bewaffnet gemütlich in meinen Lesesessel, schlug die erste Seite auf und drückte bei der Fernbedienung auf „Play“…


HINWEIS: Bei der obigen Aufnahme handelt es sich nicht um die, die dem Buch beigefügt ist. Es ist eine ältere Aufnahme, und sie dient nur dazu, einen Eindruck von der Musik zu vermitteln.

Susa Hämmerle lieferte wieder eine wunderbare Nacherzählung der Handlung und würzte diese mit witzigen Dialogen, die den Personen mehr Profil verliehen. Sie schuf so eine gelungene Textfassung, die zum Vorlesen prädestiniert ist und genügend Anknüpfungspunkte für die Musik bietet.

Doch so wohlgeraten der Text auch ist, die Schwerpunkte und somit das Hauptaugenmerk liegen bei einem MUSIKalischen BILDerbuch aus dem Annette Betz-Verlag nun einmal auf MUSIK und BILD.

Bei der beigefügten Aufnahme griff man abermals auf das Archiv des renommierten NAXOS-Labels zurück, deren Einspielungen von einer hohen Qualität sind und somit oftmals eine gute Wahl darstellen. Diesmal entschied man sich für eine Einspielung aus dem Jahre 1988 mit dem Tschechisch-Slowakischem Staatsorchester unter der Leitung von Andrew Mogrelia, die Tschaikowskys Kompositionen mit der richtigen Mischung aus theatralem Druck und träumerischen Schmalz „über die Rampe“ brachten. Dabei wurde die beinah 3-stündige Original-Aufnahme auf kindgerechte 62 Minuten eingekürzt, wobei die bekannten Melodien erhalten blieben, allerdings einige Passagen etwas abrupt endeten – ein Umstand, der für die Kids sicherlich eher von geringem Belang ist.


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Schon mit dem ersten Bild verdeutlicht die Künstlerin Anette Bley nicht nur die enge Bindung des Werkes zur Bühne, sondern sie schuf auch einen gelungenen Einstieg in die Geschichte. Als Betrachtender dieses Bilderbuches versetzt sie mich in die Rolle des Zuschauers. Ich sitze im Saal eines Theaters und werfe einen Blick über den Orchestergraben zur Bühne. Während die Musiker noch ihre Instrumente stimmen, sitzt der Komponist höchstpersönlich am linken Bühnenrand und notiert in aller Eile noch einige Änderungen in seiner Partitur. Von der Seitenbühne schlendern die Protagonist*innen auf die Bühne, huschen durch den leicht geöffneten Vorhang und begeben sich im dahinter befindlichen Bühnenbild in Position. Es bleiben nur noch wenige Augenblicke bis zum Beginn der Vorstellung, der Dirigent hebt seinen Taktstock, und dann kann das Spiel beginnen.

Weich und fließend fügen sich die Figuren in ein detailreiches und zauberhaftes Setting. Jede Figur überzeugt durch eine prägnante Physiognomie und einem individuellen Kostümdesign, die es den Kids leichter macht, die Figuren auch auf den nachfolgenden Illustrationen wiederzuerkennen. Doch unbedingt sollten nicht nur die Hauptpersonen beachtet werden. Vielmehr bin ich mit meinem Blick auch an den Rand des Geschehens gewandert und habe dort etliches entdeckt, das mich sehr amüsiert hat. Da lohnt es sich, den Fokus auch auf die Nebenrollen zu lenken und darauf zu achten, wo sie im Laufe der Geschichte immer mal wieder auftauchen. Da lugt mal hier eine markante Nase um die Ecke, da schauen mal dort Füße hinter dem Sessel hervor, und auch das, was ich durch eine geöffnete Tür im Hintergrund erspähte, erheiterte mich sehr.

Anette Bley hat wahrlich märchenhafte Bilder kreiert, bei denen ich besonders die wundervolle Harmonie der Farben hervorheben möchte, die dafür sorgt, dass die Illustrationen beinah sphärisch wirken.

Schier endlos lange elf Monate dauert es noch, bis die entzückenden Figuren dieses Märchenballetts auf der Bühne meines Stamm-Theaters ihre Gestalt annehmen und endlich zu tanzen beginnen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich bis dahin wirklich so viel Geduld aufbringen kann! 🤩


erschienen bei Annette Betz / ISBN: 978-3219112122

[Rezension] Alison Green – WILLKOMMEN. Ein Buch über Freundschaft/ mit Illustrationen von Axel Scheffler

„Willkommenskultur“ – dieses Wort war im Zuge der (s.g.) Flüchtlingskrise in aller Munde. Doch was versteckt sich hinter diesem Wort? „Willkommenskultur“ beschreibt eine positive Einstellung und ein wertschätzendes Verhalten gegenüber Menschen, die in einem Land willkommen geheißen werden. Grundvoraussetzung für diese positive Einstellung sind Offenheit und Akzeptanz bei allen Beteiligten. Aber eine „Willkommenskultur“ spielt sich nicht nur auf der großen Weltbühne sondern auch im Kleinen, in meiner Gemeinde, in meiner Nachbarschaft, bei mir zuhause ab. Auch dort ist es wichtig, dass ich Menschen, die vielleicht nicht aus dem mir bekannten Erfahrungsraum stammen, mit Offenheit und Akzeptanz begegne, mit dem Wunsch, dass wir eine gute Zeit miteinander verbringen.

Wenn mich Fremdartiges ängstigt, dann hilft es, es besser kennenzulernen. Wir machen uns einander bekannt in der Hoffnung, dass aus Fremden Freunde werden. Dieses Verhalten kann nicht früh genug gefördert werden. Besonders Kinder sind da mit einer wunderbaren Neugier und einer bewundernswerten Unbefangenheit ausgestattet. Beides wird erst durch den Einfluss Erwachsener begrenzt. Dieses reizende Bilderbuch setzt dem ein Statement entgegen und feiert die große bunte Vielfalt.

Hier ist jeder herzlich willkommen – ob er klein ist oder groß, ob er flattert oder springt. Viele nette Tiere zeigen dir, was Freundschaft bedeutet und wie man andere willkommen heißt: zusammen spielen und lachen, genauso wie etwas miteinander zu teilen und sich nach einem Streit wieder vertragen. Manchmal reichen schon kleine Gesten, wie jemanden an die Pfote zu nehmen, damit sich jeder angenommen fühlt. Stell dir mal vor, alle in dieser Welt wären Freunde und jeder würde sich willkommen fühlen. Lasst uns alle mithelfen, damit das gelingt.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages bzw.
dem Klappentext des Buches entnommen!)


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Axel Scheffler – Illustrator vom allseits bekannten „Grüffelo“ – hat wieder zugeschlagen. Nun sind mir persönlich die Abenteuer des Grüffelos nicht bekannt. Vielmehr habe ich die Bekanntschaft mit Schefflers Bildern bei TAGEBUCH EINER KILLERKATZE und DIE FLÖHE IN DER OPER gemacht und empfand sie immer sehr stimmig zur Handlung.

Hier schuf er zum einfachen aber klaren und einfühlsamen Text von Alison Green eine drollige, farbenfrohe und abwechslungsreiche Tierschar, die einerseits die Besonderheiten der jeweiligen Art erkennen lässt, doch vielmehr die Gemeinsamkeiten hervorhebt. Diversität wird hier gefeiert und somit auch ein mit- und voneinander lernen. Der Fokus liegt deutlich darauf, was die Tiere vereint bzw. vereinen könnte, nicht auf das, was sie trennen würde.

So schuf Scheffler ein wunderbares Anschauungsmaterial für Kids, die vielleicht ähnliche Situationen wie die Tiere erleben, und dank dieses Buches spielerisch Möglichkeiten zum Handeln vermittelt bekommen.

Dieses Buch ist ein entzückendes Plädoyer für Toleranz und Respekt, die für mich die Grundlage für ein friedliches Miteinander sind. „Stell dir mal vor, die ganze Welt wäre wie dieses Buch – alle wären nett…“ steht im Buch geschrieben. Ja, das wäre schön, und die Kids hätten eine solche Welt so sehr verdient.

❤️🧡💛💚💙
Sorgen wir dafür, dass unsere Kinder
in einer regenbogenbunten Welt leben dürfen!
💙💚💛🧡❤️


erschienen bei Beltz & Gelberg / ISBN: 978-340775990 / in der Übersetzung von Adélie Scheffler und Axel Scheffler
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Winifred Watson – MISS PETTIGREWS GROSSER TAG

Sie war eine talentierte Schriftstellerin und sollte doch nur sechs Romane veröffentlichen, aus deren Mitte MISS PETTIGREWS GROSSER TAG wie ein funkelnder Diamant hervorsticht. Ihren ersten Roman schrieb sie aus einer inneren Not heraus, da sie fand, dass das, was ihr als Literatur zur Verfügung stand, nicht gut sei. Das könne sie besser, befand sie, und legte los. Glücklicherweise übte sie zu dem Zeitpunkt eine Tätigkeit aus, die sie eher unterforderte und viel Zeit bot. Sie selbst beschrieb es einmal so…

The person I worked for never gave me any work until the afternoon.
He told me to bring some knitting in. So I wrote the whole book in the office.“

Nach zwei eher ernsten Romanen, die beide im ländlichen Milieu spielten, war Winifred Watson nach Leichtigkeit. Doch von ihrer Idee zu MISS PETTIGREWS GROSSER TAG, wo die Leserschaft einer ältlichen Jungfer einen Tag lang auf ihrem Weg durch die Stadt folgen sollte, war der Verlag wenig überzeugt und noch weniger begeistert. Viel zu gut verkauften sich ihre bisherigen Bücher, und so forderte der Verlag von ihr weitere dramatische Geschichten vom Lande. Doch Watson brannte für ihre Idee, glaubte an deren Erfolg und handelte mit dem Verlag einen Deal aus: Dieser sollte MISS PETTIGREWS GROSSER TAG veröffentlichen, und sie würde ihn mit weiteren der so beliebten Dramen versorgen.

Wie Watson vorausgesagt hatte, wurde MISS PETTIGREWS GROSSER TAG direkt nach Erscheinen im Jahre 1938 ein großer Erfolg – zuerst im englischsprachigen Raum, dann in der jeweiligen Übersetzung auch in anderen Ländern.

London in den 1930er Jahren. Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Miss Pettigrew: Als Gouvernante im mittleren Alter, ohne Mann und fast mittellos, hofft sie, dass ihre neue Anstellung ihr zumindest ein bescheidenes Auskommen bescheren wird. Aber statt von ihrer Agentur zu einer Familie mit einer Schar ungezogener Kinder geschickt zu werden, landet sie durch ein Missverständnis bei der Schauspielerin und Nachtclubsängerin Delysia LaFosse. Und ehe sie es sich versieht, ist Miss Pettigrew Teil der mondänen, aber chaotischen Welt von Miss LaFosse, in der es drei Männer gleichzeitig in Schach zu halten gilt. Nach anfänglicher Scheu macht sich die Gouvernante schließlich tatkräftig daran, Miss LaFosses Liebesleben in Ordnung zu bringen. Dabei taucht sie notgedrungen auch selbst in deren aufregende Welt aus Glamour, Flirts und galanten Gentlemen ein. So kommt es, dass sich auch Miss Pettigrews eigenes Leben innerhalb nur einen Tages für immer verändert…

(Inhaltsangabe dem Umschlag des Romans entnommen!)

Leichtigkeit: Dies war das erste, was mir bei meiner Lektüre in den Sinn kam. Ich seufzte und dachte bei mir „So ein schöner leichter Roman!“.

Watson taktete die Geschichte in sechszehn Kapitel bzw. Zeiträume innerhalb eines Tages. Da wurde auf die Sekunde genau Buch geführt, wann sich eine Situation veränderte und ein weiterer Zeitabschnitt begann. Dies führte dazu, dass ich scheinbar mühelos durch die Handlung flog, neugierig darauf, was unsere wunderbaren Heldinnen (Ja, die Damen stehen hier definitiv im Zentrum des Geschehens!) sonst noch Aufregendes erleben werde. Die Autorin schenkte uns in einem glamourösen Setting interessante wie verführerische Protagonist*innen, die einerseits Klischees bedienen und diese gleichzeitig widerlegen. Der gesamte Roman ist gespickt mit spritzig-witzigen Dialogen, die mich extrem erheitert haben. Wobei mich besonders die Dialoge im siebten Kapitel oder vielmehr des Zeitraums von 15:44 – 17:02 Uhr so sehr begeisterten, dass ich mir besagte Passage mehrmals selbst laut vorlas.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass dies – trotz allem Amüsement – auch die Geschichte einer Emanzipation ist, in der sich zwei gänzlich unterschiedliche Frauentypen solidarisieren und es wagen, aus dem gesellschaftlichen Korsett auszubrechen und sich verweigern, den ihnen von außen vorgegebenen Platz im sozialen Gefüge weiterhin auszufüllen. Auch täuscht der Humor nicht über die Missstände in der damaligen Gesellschaft hinweg: Abhängigkeit Bediensteter vom Dienstherrn, die Stellung der Frau innerhalb einer männlich dominierten Hierarchie und ihre manchmal fragwürdigen Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg. Es ist präsent, doch nie erdrückend!

„So ein schöner leichter Roman!“ …und witzig, keck, frivol, romantisch und zauberhaft. Da verwundert es schon, dass er nicht bereits viel früher seinen Weg auf die große Leinwand fand.


erschienen bei Manhattan (Goldmann) / ISBN: 978-3442546619 / in der Übersetzung von Martina Tichy

URLAUBSLEKTÜRE 2025

🌞

Sommerzeit ist Urlaubszeit,…

…und das bedeutet, es kann wieder unbeschwert in den Tag hineingelebt werden. Da stört uns kein penetranter Blick auf die Uhr, da wir zum Glück keine dringenden Termine wahrnehmen müssen, die unseren Tag in kleine Häppchen zerteilen. Die Tage stehen uns zur freien Verfügung, und dies können/dürfen/sollten wir nutzen, um unbeschwert in eine Geschichte einzutauchen – gänzlich ohne Angst, irgendetwas „Wichtigeres“ zu verpassen.

Die Auswahl der Urlaubslektüre darf da gerne vielfältig sein: Die einen lieben einen zünftigen Krimi, die anderen greifen zu einem Klassiker, wieder andere schmökern in einem fesselnden Roman.

Auch in diesem Jahr habe ich mich bemüht, aus den von mir gelesenen Büchern der vergangenen 12 Monate eine kleine, urlaubstaugliche Auswahl zu treffen.


Beginnen möchte ich den Reigen mit einer äußerst populären Spürnase: Zu Miss Marple gibt es zwölf neue Geschichten, die nicht aus der Feder von Agatha Christie stammen. Vielmehr haben sich namhafte Autorinnen der Figur angenommen und mit Talent und Respekt weitere tolle Kriminalfälle kreiert. Alan Bradley ließ seine Fans ganze 5 Jahre zappeln, bis endlich Flavia de Luce wieder die literarische Bühne betrat, und somit ihre spannende Geschichte weitererzählt wurde. Kate Atkinson legte einen aufregenden Roman zwischen Gesellschaftsstudie, Sittengemälde und Kriminalroman vor, der zudem in den „Roaring Twenties“ spielt.


Dieser Autor war für mich eine wahre Entdeckung: Sasha Filipenko gelingt das Kunststück, die Melancholie und Tristesse in seinem Roman durch ein feines Netz aus Humor aufzuhellen. Kathrin Aehnlich warf wieder einen liebevollen Blick auf die Menschen in den so genannten neuen Bundesländern und beschreibt die Charaktere in ihrer Geschichte voller Wärme. Saša Stanišić war Entdeckung wie Offenbarung für mich: Seine Erzählungen sind warmherzig, humorvoll und melancholisch – einfach wundervoll.


Sind wir alle nicht hin und wieder ein wenig neugierig und möchten erfahren, wie es hinter den Kulissen so zugeht? Mit spitzbübischer Freude schenkt uns Rainer Moritz einen humorvollen Blick in die (Un-)Tiefen der Buchbranche. Heinrich Spoerls Klassiker um den scheinbaren Pennäler „Pfeiffer mit drei Eff“ hat in all den Jahrzehnten nichts von seinem Charme verloren und amüsiert auf ganzer Linie. Von Winifred Watsons federleichtem Unterhaltungsroman gibt es hier noch keine Rezension, da ich ihn erst vor kurzem ausgelesen habe. Doch ich wollte euch diese wunderbar beschwingte Geschichte nicht vorenthalten.


Allen Büchern ist gemein, dass sie mich ausnehmend gut unterhalten haben, und so hoffe ich sehr, dass sie auch euren Geschmack treffen und euch wohlige Lese-Stunden schenken.

Die Fachleute in der Buchhandlung eures Vertrauens stehen euch gerne mit Rat und Tat zur Seite und sind sowohl bei der Suche als auch bei der Beschaffung dieser oder einer anderen Urlaubslektüre mit Freude behilflich! 💖

Ich wünsche euch einen wunderbaren Urlaub
mit viel Spaß beim entspannten Schmökern!!!

🌞