MONTAGSFRAGE #114: Gibt es ein Buch, das du richtiggehend hasst?

Hass! Es ist so ein großes mächtiges Gefühl, das allumfassend deinen Verstand einengt und dein Handeln manipuliert, das alles menschliche und mitfühlende in dir blockiert und ein logisches Denken schier unmöglich macht! Bisher hat es noch kein Mensch geschafft, dass ich ihn hassen könnte. Selbst die so genannte Ausbilderin während meiner ersten Ausbildung zum Industriekaufmann habe ich nicht gehasst: Ich habe sie durchaus aus tiefsten Herzen verabscheut – doch nicht gehasst!

Auch gegenüber einem Buch habe ich dieses große mächtige Gefühl ebenfalls noch nie empfunden: Ungeliebt? Überschätzt? Überflüssig? Ja! Ja! und nochmals: Ja!

All dies empfinde ich, wenn ich an einen ganz bestimmten Roman denke!

Es geschah im 2. Halbjahr des dritten und somit meines letzten Jahres auf dem Gymnasium: Im Leistungskurs „Deutsch“ dreht sich alles um die Gegenwartsliteratur. Sicherlich aus dem gutgemeinten Grund, unsere Motivation zu steigern, lies die Lehrerin uns die Lektüre selbst auswählen. Selbstverständlich wäre diese Lektüre dann auch relevant für das Abitur.

Eine Kurskameradin schwärmte über alle Maßen von Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. „Das ist sooo toll! Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen!“ palaverte sie vollmundig mit verklärtem Blick. Der literarische Enthusiasmus dieser Mitschülerin überraschte mich doch sehr. So hatte ich doch bisher den Eindruck, dass ihre hauptsächliche Lektüre aus der „BRAVO Girl“ bestand, in der sie ganz verzückt während der Deutsch-Stunde heimlich unter dem Tisch blätterte. Leider ließen sich meine Kurskamerad*innen von ihrem Enthusiasmus anstecken, und so durfte auch ich mich durch Kunderas Werk quälen: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ entpuppte sich für mich zur unerträglichen Schwere des Lesens.

Ich habe diesen Roman nicht verstanden! Ich habe die Intension des Autors nicht verstanden! Ich habe das Handeln der Personen nicht verstanden! Im Gegenteil: Es war mir zuwider! Ich fand den selbstverliebten Egoismus des sexbesessenen Tomas absolut abstoßend. Teresas stilles Leiden und mitleidiges Ausharren brachten mich zur schieren Verzweiflung. Als Kundera dann in der Mitte des Romans – für mich völlig unverständlich und absolut irrelevant – eine seitenlange Abhandlung über „Scheiße“ in die Handlung einfließen lässt, hatte ich mich endgültig von diesem „literarischen Kleinod“ verabschiedet. Was blieb, war ein ängstliches Bangen, dass ich zum Abitur ausgerechnet zu diesem Roman eine Abhandlung verfassen müsste.

Der Tag der Abiturprüfung kam: Wir saßen in der Aula unseres Gymnasiums. Die Aufgabenzettel wurden abgedeckt auf unseren Tischen platziert. Erst auf ein Zeichen der Aufsichtsperson durften wir gleichzeitig diese umdrehen. Ich warf einen Blick auf den Zettel und unterdrückte einen Freudenschrei. Als Thema der Deutsch-Prüfung wurde mir „Die Geschwister Oppermann“ von Lion Feuchtwanger geschenkt. Ich atmete vor Erleichterung auf, während ich mir den vorab vergossenen Angstschweiß von der Stirn wischte. Dann griff ich zum Füller und brachte voller Elan meine Abhandlung zu Papier. Während der gesamten Prüfung jubilierte ich innerlich in den höchsten Tönen und wurde am Ende für meine geistigen Ergüsse mit 13 Punkten belohnt!

„Die unerträgliche Leichtigkeit…“ landete kurz nach dem Abitur im Altpapier. „Die Geschwister Oppermann“ stehen immer noch in meinem Regal!

…und welches literarische Werk bringt Euch in Wut? Oder steht Ihr eher über den Dingen??? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Friedrich Dürrenmatt – Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman

Am Anfang stand das Wort,…

…und Wort für Wort entstand ein Drehbuch: Im Jahre 1958 lieferte Friedrich Dürrenmatt die Vorlage für den Film „Es geschah am hellichten Tag“ in der Regie von Ladislao Vajda und brachte so in der von Heimatfilmen, Dramen und Musikkomödien dominierten Kinos eine neue Nuance. Die Erzählweise des Films wirkt unaufgeregt, ruhig, beinah spröde. Die Spannung resultiert aus dem fiebrigen Warten auf die bevorstehende Tat, da der Regisseur sich einem Kniff bediente, den sein prominenter Kollege Alfred Hitchcock schon zur Perfektion beherrschte: Suspence – das Publikum weiß immer mehr als der Kriminal! Zudem überzeugte der Film mit einer exzellenten Besetzung bis in die kleinsten Rollen.

Nach einem Vortrag des Ich-Erzählers über das Verfassen von Kriminalromane wird er von Dr. H., dem pensionierten Kommandanten der Kantonspolizei Zürich angesprochen, der seine Ausführung kritisch zu widerlegen versucht. Hierzu lädt er den Ich-Erzähler ein, ihn an die Schauplätze eines realen Verbrechens, das sich vor Jahren ereignet hatte, zu begleiten. Während dieser Fahrt berichtet Dr. H. von dem Fall der kleinen Gritli Moser, die, wie schon zwei Mädchen vor ihr in anderen Kantonen, von einem bis dahin Unbekannten mit einem Rasiermesser ermordet wurde. Schnell erhärtete sich der Verdacht gegenüber dem Hausierer, der die Leiche des Kindes gefunden hatte. Nach einem stundenlangen Verhör gestand er, begann danach in der Zelle allerdings Selbstmord. Alle waren erleichtert, dass dieses brutale Verbrechen so schnell aufgeklärt werden konnte. Nur der scheidende Kommissär Matthäi, der sich schon auf dem Sprung Richtung Delegation nach Jordanien befand, zweifelte an der Schuld des Hausierers und stellte ohne Unterstützung der Polizei eigene Nachforschungen an. Hierzu pachtete er an einer stark frequentierten Straße, die die einzelnen Kantone miteinander verbindet, eine Tankstelle und stellte zusätzlich eine junge Frau als Hauswirtschafterin ein. Ihre kleine Tochter präsentierte er – wie ein rotes Tuch dem Stier – dem Mörder als Köder. Nun blieb ihm nichts weiter übrig, als zu warten…!

Wer den Film kennt und liebt wird über den Roman evtl. überrascht sein. Naja, vielleicht auch nicht…! Dürrenmatt wäre nicht er, hätte er sein Drehbuch einfach 1:1 in einen Roman verwandelt. Zudem er sich vom fertigen Film und seiner Besetzung nicht besonders angetan zeigte und sich ein anderes, realitätsnahes Ende gewünscht hätte. So korrigierte er literarisch die Fehler an dieser Geschichte, die seiner Meinung nach bei der filmischen Umsetzung entstanden sind.

Aber was genau hat er denn nun verändert? Eigentlich nicht viel: Er bleibt der Geschichte in ihrer Grundstruktur treu. Er wechselt „nur“ den Blickwinkel, schaltet das künstliche Licht der Filmstudios aus und betrachtet alles unter Tageslicht. Kommissär Matthäi zeigt sich in seiner Charakterisierung weit entfernt vom Gut-Menschen, offenbart sich als zynisch und verbohrt und wirkt so manchmal beinah unangenehm real. Die jahrelange Auseinandersetzung des Jägers mit dem Psychogram des Gejagten nimmt Einfluss auf seine Persönlichkeitsentwicklung, seine Haltung gegenüber nahestehenden Menschen und seine Stellung innerhalb der Gesellschaft. Die Identität des Mörders bleibt dem Kommissär Zeitlebens verborgen. Diese Gnade des Wissens und die damit verbundene Erlösung werden Matthäi nicht zuteil. Es scheint wie Ironie und darum so bösartig, dass Dr. H., der durch Zufall erfährt, wer für die Morde verantwortlich war und somit die Gründe nennen kann, warum die Mordserie abrupt aufhörte, seinem ehemaligen Mitarbeiter dies verschweigt und dafür umso bereitwillig dem namenlosen Ich-Erzähler Auskunft erteilt.

„Das Versprechen“, den Mörder ihrer Tochter zu finden, das Matthäi der Mutter der ermordeten Gritli Moser gibt, schwebt wie ein Damoklesschwert über das weitere Leben des Kommissärs und lässt ihn in seinem weiteren Handeln manisch vorgehen: Da die Identität des Täters ihm vorenthalten wird, hofft er vergebens auf Erlösung. Dürrenmatt arbeitet gerne mit solchen bildhaften Metaphern, um Personen zu beschreiben oder Situationen zu skizzieren. So lässt er das Mädchen immer wieder in einem „roten Röcklein“ in Erscheinung treten und will mit der Wahl dieser Signal-Farbe nicht nur die offensichtlich blutige Kindestötung symbolisieren sondern deutet auch einen vorangegangenen Missbrauch an. Wie eine immer wieder aufgezogene Spieluhr singt das Kind in einer infantilen Monotonie das Lied „Mariechen saß auf einem Stein“. So wirkte sie auf mich als Leser beängstigend entmenschlicht, vielmehr wie eine Sache, ein Gegenstand, der begehrt wird, eine schöne Spieluhr, die bei allzu grobem Gebrauch durchaus zerbricht…!

Mit diesem „Requiem auf den Kriminalroman“ befreite Dürrenmatt die Vorlage aus der „filmischen Fiktion“. Obwohl ich selbst den Wunsch des Publikums nach Gerechtigkeit und der trügerischen Sicherheit, dass das Böse verliert und das Gute triumphiert, nur zu gut nachvollziehen kann (und ich den Film nach wie vor großartig finde). Bevor ich erstmals den Roman gelesen habe, hatte ich mir zuerst nochmals den Film angesehen und gestehe, dass diese Kombination einen besonderen Reiz auf mich ausübte. Mir schien es beinah, als hätte ich durch die Kenntnis beider Kunstformen ein „allmächtiges“ Wissen erlangt, das ich nicht hätte, wäre mir nur eine von beiden bekannt.

Aber seine „literarische Realität“ als Totengesang zu titulieren halte ich doch für stark übertrieben. Ganz im Gegenteil: Dieser gelungene Kriminalroman rüttelt auf, packte und fesselte mich und ermöglichte mir so neue Blickwinkel auf eine mir schon lange bekannte Geschichte.

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Ruth Kirschbaum von „hey welt – ich bin’s“.


erschienen bei Diogenes/ ISBN: 978-3257228120

[Revue] LIEBEvoll / Ohnsorg Theater Hamburg

Revue (Eine gespielte Lesung) mit Texten & Musik div. Autoren / Auswahl und Zusammenstellung von Cornelia (Conny) Stein

Live-Premiere: sobald wie möglich

Ohnsorg Theater in Hamburg


Musikalische Leitung & Arrangements: Stefan Hiller
Inszenierung & Produktionsleitung: Murat Yeginer
plattdeutsche Übersetzungen, Kamera & Schnitt: Christian Richard Bauer

Alles schreit – Ach, was sag’ ich! – alles brüllt in mir nach Kultur, und ich spüre eine große Sehnsucht, endlich wieder „live & in Farbe“ meine Lieblingsbühnen besuchen zu dürfen. Bis dahin stöbere ich auf den jeweiligen Seiten und entdeckte nun beim Ohnsorg Theater ein kleines Schmankerl.

Das Ohnsorg Theater dürfte vielen von Euch aus dem Fernsehen bekannt sein: Mit dem NDR besteht seit 1954 eine intensive Kooperation. Anfangs wurden die Stücke im alten Bunker des damaligen NWDR zwecks Auszeichnung eingespielt. Später wanderten die Kameras direkt ins Theater, und die Stücke wurden vor Publikum aufgezeichnet. Dabei entstand ein sprachliches Kuriosum: Damit auch Fernsehzuschauer jenseits des Weißwurst-Äquators die Stücke verstehen, sprachen die Schauspieler*innen „Missingsch“, eine Mischung aus Hochdeutsch mit platt- bzw. norddeutscher Färbung. Doch die Bühnensprache im Ohnsorg war, ist und bleibt das Plattdeutsch. Wir selbst durften im Laufe der Jahre schon häufiger im Ohnsorg zu Gast sein: Anfangs noch im alten Haus „Große Bleichen“, das in älteren Fernsehaufzeichnungen noch zu sehen ist und in dem Ohnsorg-Stars wie Heidi Kabel, Henry Vahl, Werner Riepel, Karl-Heinz Kreienbaum, Heidi Mahler, Erna Raupach-Petersen oder Edgar Bessen schon auf der Bühne standen. Im Jahre 2011 erfolgte dann der Umzug in das größere und modernere Biberhaus am jetzigen Heidi-Kabel-Platz.

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Doch ich sprach zu Anfang von einem Schmankerl: Was könnte das Ohnsorg Theater, das wie alle Bühnen von der Einstellung des Spielbetriebes betroffen ist, da ihrem Publikum schon bieten? Och, nicht viel: …nur eine kleine literarische Revue mit vier Schauspieler*innen und einem Pianisten, fein inszeniert und raffiniert gefilmt.

Dramaturgin Cornelia Stein hat dafür eine sowohl kluge wie auch facettenreiche Textauswahl zum Thema Liebe getroffen. Sie sorgt so für nahtlose Übergänge vom Text zum Song (und retour). In der flüssigen Regie von Murat Yeginer, Oberspielleiter am Haus, agieren Beate Kuipel, Tanja Bahmani, Markus Gillich und Christian Richard Bauer, der sowohl für die gelungene Übersetzung einzelner Texte und Songzeilen ins Plattdeutsche wie auch für den raffinierten Schnitt verantwortlich war.

Alle vier Künstler*innen sind schon langjährig dem Ohnsorg Theater verbunden, stürzen sich voller Spielfreude in die Interpretation der Texte und bieten viel Amüsement mit einer Prise Melancholie. So bekommen die Worte von William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe, Oscar Wilde, Friedrich Schiller, Theodor Storm, Guy de Maupassant oder Heinrich Heine eine ganz neue Dynamik und klingen auf Plattdeutsch überraschend unverbraucht. Auch der Gesang kann sich durchaus hören lassen: Der musikalische Leiter Stefan Hiller hat die bekannten Songs seinem Ensemble passgenau in die Kehlen arrangiert und bietet eine musikalische Bandbreite, bei dem das Zuhören einfach nur Spaß bereitet. Da klimpert die Titelmelodie zu Drei Haselnüsse für Aschenbrödel lieblich aus dem Klavier, Lennon & McCartneys Do you want to know a secret wird zelebriert, So bist Du von Peter Maffey wird vom traditionellen Dat du mien leefsten büst abgelöst, Bee Gees How deep is your love erklingt mehrstimmig, und  Verdammt, ich lieb dich von Matthias Reim fetzt auch auf Plattdeutsch.

Bei dieser abwechslungsreichen Auswahl an Worten – ob nun gesprochen oder gesungen – haben alle Akteur*innen reichlich Spielraum, sich darstellerisch auszutoben und unterschiedliche Facetten von sich zu zeigen. Und auch hier zeigen sich die Stärken eines Ohnsorg-Schauspielers: echt und wahrhaftig, mit Witz und Ironie, mit Herz und Verstand aber ohne unnötiges intellektuelles Chichi.

Ich schaue mir diese wunderbare Revue an, ich singe und lausche, ich lache und weine, ich fühle mich wohlig umfangen. Doch meine Sehnsucht kann nicht gestillt werden. Ganz im Gegenteil: ICH BRAUCHE KULTUR!


…Lust auf Liebe? Dann wünsche ich Euch viel Spaß mit dem Video zu LIEBEvoll! Weitere Informationen zum Ohnsorg Theater findet Ihr auf der Homepage.

[Rezension] Elke Heidenreich – Frauen und Leidenschaften. Ausgewählte Lieblingstexte (Hörbuch)

Frauen und Leidenschaften: Wer könnte darüber besser berichten als Elke Heidenreich. Schlummern doch in ihrer Brust so einige Leidenschaften, die sie – sehr zur Freude ihres Publikums – regelmäßig aus dem besagten Schlummer erweckt und ans Licht der Öffentlichkeit bringt. Ihre wohl größte Leidenschaft ist das Schreiben, und so hat sie zu einigen Veröffentlichungen für/von/mit/über Frauen schon etliche Vor- und Nachworte verfasst.

Anlässlich ihres 75. Geburtstags vor drei Jahren nahm sie diese Texte nochmals zur Hand, entstaubte sie und las sie erstmals ein (eine weitere ihrer Leidenschaften). Denn diese Texte sind viel zu schade, um in Büchern oder Anthologien in Vergessenheit zu geraten, da es sich zudem um Themen handelt, die sie (O.-Ton!) „leidenschaftlich bewegen“. Sie ist eine Frau, die viel liest, viel schreibt, gerne am Meer lustwandelt, sich Rosen schenken lässt und ihr Leben mit einem Mops teilt (…hin und wieder durchaus auch mit einem Mann, aber der bessere Lebensbegleiter bleibt der Hund!).

Und schon sind wir mitten drin im Geschlechter-Clinch. Zu jedem Thema verdeutlicht die Autorin uns äußerst überzeugend, dass Frauen und Männer aufgrund ihrer unterschiedlichen Programmierung rein genetisch nicht zusammen passen können (Diese Tatsache war mir als schwuler Mann durchaus schon seit geraumer Zeit bewusst 😉). Und so kontert sie gegenüber den Dichtern und Denkern, Seebären, Rosenkavalieren und Hundehaltern unter all den Männern auf der Welt höchst unterhaltsam und kurzweilig. In ihren eleganten Ausführungen lässt sie Sprüche, Zitate und Anekdoten einer Vielzahl an Literat*innen einfließen, die ich mir leider nicht ansatzweise merken konnte und mir darum – ungewöhnlich für ein Hörbuch – eine Anlage mit Quellenverweise gewünscht hätte. Hängen geblieben ist mir (wie könnte es auch anders sein) ihr Zitat von Erich Kästners „Marktanalyse“, das – schon im Jahre 1949 veröffentlicht – so herrlich genüsslich die akademische Hochnäsigkeit mancher Männer ad absurdum führt:

Der Kunde zur Gemüsefrau: „Was lesen Sie denn da, meine Liebe? Ein Buch von Ernst Jünger?“
Die Gemüsefrau zum Kunden: „Nein, ein Buch von Gottfried Benn. Jüngers kristallinische Luzidität ist mir etwas zu prätentiös. Benns zerebrale Magie gibt mir mehr.“

Sollte hier nun der Eindruck entstehen, dass die Autorin bei ihren Ausführungen die Männer nicht allzu gut wegkommen lässt, dann kann ich versichern „Ja, es stimmt!“, aber bei jedem Seitenhieb auf das angeblich starke Geschlecht ist ein schelmisches Augenzwinkern ebenso wahrnehmbar.

Mit diesem Hörbuch beweist Elke Heidenreich abermals, dass sie eine brillante Vorleserin ist, die mit Intelligenz, Humor und (Selbst-)Ironie zu begeistern weiß. Zu gerne würde ich sie wieder einmal bei einer Live-Lesung hören und sehen: ein Erlebnis, das bisher eine ungetrübte Freude bei mir hinterließ. Bis es endlich soweit ist, erfreue ich mich weiter an diesem Plädoyer für die starken, talentierten und selbstbewussten Frauen dieser Welt…!

Liebe Frauen!
Somit sende ich Euch nur die besten Wünsche…
…zum Internationalen Frauentag!
🌺🌹🌷


Die ausgewählten Texte stammten ursprünglich aus den folgenden Anthologien: Einige Bücher sind leider nur antiquarisch zu erhalten, andere können noch über den Verlag bezogen werden.

  • Stefan Bollmann – Frauen, die lesen, sind gefährlich; erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3938045060
  • Stefan Bollmann – Frauen, die schreiben, leben gefährlich; erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3938045121
  • Tania Schlie – Frauen am Meer; erschienen bei Thiele/ ISBN: 978-3938045060
  • Dörte Binkert – Frauen und Rosen; erschienen bei Thiele/ ISBN: 978-3851791846
  • Ulla Fölsing – Frauen und ihre Hunde; erschienen bei Thiele/ ISBN: 978-3851793321

erschienen bei Random House Audio/ ISBN: 978-3837142037

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hör-exemplar!

Vorlesewettbewerb 2020/21: And the winner is…

„Same procedure as every year!“ – der Vorlesewettbewerb ruft, und ich folge…!

Tatsächlich: „Same procedure as every year?“ – Nein, ganz sicher nicht!

Nicht nur, dass es keine Veranstaltung in der Buchhandlung „die schatulle“ gab, auf der sich die Sieger*innen aus den jeweiligen Schulen der Jury präsentieren und sich Familie, Freunde und Verwandte der Vorlesenden drängeln. Aufgrund des Lockdowns und der damit verbundenen Schließung der Schulen fanden sich leider nur drei Teilnehmer*innen für den Kreisentscheid. Bei dieser sehr übersichtlichen Anzahl der Teilnehmenden wurde auch die Jury entsprechend abgespeckt: Es gab nur mich!

Und so saß ich zu einer völlig ungewohnten Zeit für einen Vorlesewettbewerb an einem Montagmorgen vor meinem PC, öffnete den Link, den ich von den Buchhändlerinnen meines Vertrauens erhalten hatte, und starrte auf den Bildschirm, denn natürlich standen die Vorlese-Beiträge mir nur digital zur Verfügung.

Statt zwei Durchgänge pro Lesenden gab es nur einen Durchgang: Der Vortrag eines unbekannten Textes blieb den Kids diesmal erspart. Lisa Marie vom Gymnasium Ritterhude entführte mich nach „Animox: Die Stadt der Haie“ von Aimee Carter, Santino von der IGS Osterholz-Scharmbeck las aus „Der geheime Kontinent“ von Thilo, und Maria Lara vom Gymnasium Osterholz-Scharmbeck hatte sich für „Alter John“ von Peter Härtling entschieden.

Wenn ich gekonnt wie ich gewollt hätte, dann hätte ich alle Kids zur nächsten Etappe des Wettbewerbs geschickt. Doch leider musste ich mich entscheiden: Nachdem ich mir die Beiträge jeweils zwei Mal angesehen hatte (wenigstens ein Vorteil gegenüber einer Live-Lesung), stand meine Entscheidung fest, und meine Wahl fiel auf Santino von der IGS Osterholz-Scharmbeck. Herzlichen Glückwunsch!

So sehr ich mich über die Teilnahme dieser drei tollen Kinder auch freute, umso mehr bedauerte ich sie auch, da ihnen in diesem Corona-Jahr die Erfahrung eben jener Live-Lesung fehlt: kein vorheriges Lampenfieber, kein erleichtertes Aufatmen nach Beendigung des Vortrags, kein gespanntes Warten auf die Entscheidung der Jury, keinen Foto-Termin mit der Presse, keinen ausführlichen Bericht in den örtlichen Zeitungen,…! Das alles (und noch viel mehr) gehört bei einer Teilnahme am Bundesweiten Vorlesewettbewerb einfach dazu!

Ich bin wirklich dankbar für die technischen Errungenschaften, die uns in diesen verrückten Zeiten vieles ermöglichen. Trotzdem war dieses Verfahren für mich kein gleichwertiger Ersatz für die Veranstaltungen der Vorjahre. Vielmehr war es eine notwendige Alternative, die ich (selbstverständlich) Corona-bedingt akzeptierte. Doch mir fehlte diese besondere Atmosphäre! Zudem habe ich meine beiden Mit-Jurorinnen vermisst: die anregenden Gespräche, das nette Beisammensein, das Fachsimpeln und Diskutieren,…!

Denn: Das alles (und noch viel mehr) gehört für mich als Jury-Mitglied zum Bundesweiten Vorlesewettbewerb einfach dazu! 😉

[Rezension] Theodor Fontane – Der kinderleichte Fontane/ ausgewählt von Gotthard Erler/ mit Illustrationen von Sabine Wilharm

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – wer kennt ihn nicht, und auch das Leiden der Effi Briest mussten schon viele Generationen an Schüler*innen über sich „ergehen“ lassen. Doch kennt jemand noch mehr von Fontane? Ich leider bisher nicht…! Doch dank dieser entzückenden Anthologie kann nun Abhilfe geschaffen werden.

Auch wenn dieses Büchlein mit Der kinderleichte Fontane betitelt wurde, so ist es nicht ausschließlich nur für Kinder geeignet. Auch dem interessierten Neu-Einsteiger ins Fontansche Werk (so wie ich einer bin) verschafft es einen guten Überblick. Neben einer Vielzahl an Gedichten kredenzt uns Herausgeber Gotthard Erler eine abwechslungsreiche Mischung aus spannenden Geschichten (aus: Romane und Erzählungen in acht Bänden), Märchen und Sage (aus: Wanderungen durch die Mark Brandenburg), mystischen Erzählungen (aus: Das erzählerische Werk) und Berichten aus dem Leben eines Lausbuben (aus: Meine Kinderjahre. Autobiografischer Roman): Wir erfahren, wie Steuermann John Maynard das brennende Schiff unter Einsatz seines Lebens ans rettende Ufer bringt. Bei den Streichen und Abenteuern des kleinen Buben Theodor sind wir erleichtert über die Schutzengel, die über ihn wachen. Wir lernen mit Grete Minde eine resolute junge Frau kennen, die zu drastischen Mitteln greift, als sie von ihrem Bruder nicht ihr gewünschtes Erbe erhält. Fritz Katzfuß hat unser vollstes Verständnis bei seinem Versuch, seine heimliche Leidenschaft gegenüber seiner Lehrherrin zu verbergen – vergebens. Und natürlich sind auch für uns die Birnen aus dem Havelland noch immer die süßesten…!

In seiner kurzweilig geschrieben Einleitung lässt Gotthard Erler das Leben Fontanes Revue passieren und gibt einen prägnanten Einblick in die Persönlichkeit dieses vielschichtigen Künstlers. Illustratorin Sabine Wilharm, die u.a. bekannt durch ihre Covergestaltung der Harry-Potter-Romane wurde, lässt in der Einleitung amüsant Ribbecks Birnen über die Seiten toben, um einzelne Lebensstationen des Autors nachzustellen. Bei den Erzählungen und Gedichten trifft sie mit ihren kurios-kantig-komischen Illustrationen überzeugend den jeweiligen Grundton.

Diese gelungene wie abwechslungsreiche Zusammenstellung offeriert uns einen äußerst vielfältigen Poeten, der schon zu Lebzeiten als ein Pedant bekannt war und oftmals bis kurz vor Druck seiner Werke noch Änderungen an eben diesen vornahm. Das Ergebnis gab ihm recht: Seine Geschichten überzeugen durch eine geschliffene Sprache. Seine Lyrik erfreut mich als Vor-Leser mit einem interessanten Duktus und einem pulsierendem Rhythmus der Verse. Beinah melodisch sind seine Reime aufgebaut und verführen geradezu zu einer musikalischen Vertonung.

Apropos Vertonung: Schon im Jahre 1978 wählte Achim Reichel ein Gedicht Fontanes für sein Album Regenballade aus. Ribbecks Birnen sind eben in jeglicher Form zu und zu schmackhaft…!


erschienen bei Aufbau/ ISBN: 978-3351037734

MONTAGSFRAGE #113: Wie hoch ist euer Leseanteil in einer Fremdsprache, und warum lest ihr nicht die Übersetzung?

Die heutige MONTAGSFRAGE lässt sich schnell beantworten:

Mein Leseanteil in einer Fremdsprache beläuft sich auf NULL Prozent,
weil ich prinzipiell und ausschließlich Übersetzungen lese.

Die Gründe hierzu liegen für mich auf der Hand, wie ich es in meiner Antwort zu einer der früheren MONTAGSFRAGEN schon formuliert hatte und hier zitieren möchte:

Ich bin und bleibe ein Fremdsprachen-Legastheniker: Französisch hatte ich als Schulfach schnellstmöglich abgewählt, und als beste Note in Englisch konnte ich mit einer 4 „glänzen“. Dafür hat mein Mann ein Faible für Sprachen, war als Austauschschüler in Frankreich, frischte im Rahmen eines Bildungsurlaubes sein „Französisch“ auf und hatte zum Zwecke der urlaubsbedingten Völker-Verständigung auch schon Dänisch und Schwedisch gelernt. So kommt es, dass ich ihn in fremd(sprachig)en Gefilden immer vorschicke, während in der Heimat immer ich voran stürme. Aber ich vermisse auch nichts: Meine Kernkompetenzen liegen definitiv auf anderen Gebieten.

Und obwohl ich so gar nicht sprachaffin bin, finde ich es ganz wunderbar, dass es so viele unterschiedliche Sprachen gibt. Zeugt dies doch von einer immensen kulturellen Vielfalt auf unserer großen, bunten Welt.

So ziehe ich meinen imaginären Hut vor all den talentierten Übersetzer*innen, denen ich es verdanke, auch als Fremdsprachen-Legastheniker an dieser kulturellen Vielfalt teilhaben zu dürfen. Die Arbeit der Übersetzer*innen darf nicht unterschätzt werden: Tragen sie doch eine große Verantwortung am Erfolg eines literarischen Werkes im jeweiligen Land.

Als ich die erste Übersetzung von Edgar Allan Poes Gedicht „Der Rabe“ las, war ich etwas enttäuscht und fragte mich, warum dies nun eines der bekanntesten und beliebtesten Werke von Poe sein sollte. Meine Recherche ergab, dass im Laufe der Jahrzehnte mindestens 10 unterschiedliche deutsche Übersetzungen entstanden sind. So begab ich mich weiter auf die Suche nach einer Fassung, die den von mir erhofften Rhythmus von Sprache und Reime wiedergab, und fand sie glücklicherweise in der Übersetzung von Carl Theodor Eben.

Vor einiger Zeit habe ich zur Anthologie „Nichts als Weihnachten im Kopf“ aus dem Kampa Verlag eine Rezension veröffentlicht. In dieser wunderbaren Anthologie findet sich auch eine meiner liebsten Weihnachtsgeschichten „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry. Schon nach wenigen Sätzen wurde mir klar, dass es sich hier um eine Neu-Übersetzung (von/ 2019) handeln musste. Dabei erscheinen die Veränderungen zur älteren Übersetzung von Theo Schumacher aus dem Jahre 1994 nur marginal. Aber gerade diese kleinen Feinheiten nehmen Einfluss auf den Tonfall der Geschichte, bringen diese sprachlich zum Funkeln und würden mich somit immer die ältere Übersetzung wählen lassen,…

…und so trägt die Qualität der Übersetzung eine nicht unerhebliche Rolle, ob ich besagte Geschichte für eine meiner Lesungen auswähle, und sie mich so zu einer flüssigen Interpretation animiert.

…und bevorzugt Ihr das Original, oder greift Ihr doch eher zur „Fälschung“??? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Noch ein Gedicht…] Eduard Mörike – AUF EINER WANDERUNG

In ein freundliches Städtchen tret’ ich ein,
In den Straßen liegt roter Abendschein.
Aus einem offnen Fenster eben,
über den reichsten Blumenflor
Hinweg, hört man Goldglockentöne schweben,
Und eine Stimme scheint ein Nachtigallenchor,
Dass die Blüten beben,
Dass die Lüfte leben,
Dass in höherem Rot die Rosen leuchten vor.

Lang’ hielt ich staunend, lustbeklommen.
Wie ich hinaus vors Tor gekommen,
Ich weiß es wahrlich selber nicht.
Ach hier, wie liegt die Welt so licht!
Der Himmel wogt in purpurnem Gewühle,
Rückwärts die Stadt in goldnem Rauch;
Wie rauscht der Erlenbach, wie rauscht im Grund die Mühle!
Ich bin wie trunken, irregeführt –
O Muse, du hast mein Herz berührt
Mit einem Liebeshauch!

Eduard Mörike

[Rezension] Roberto Camurri – Der Name seiner Mutter

Wenige Monate nach seiner Geburt verschwindet Pietros Mutter aus dem Leben von ihm und seinem Vater Ettore – ohne Abschied, ohne Grund, plötzlich und ohne Vorwarnung. Seitdem wird geschwiegen, ihr Name nicht ausgesprochen. Selbst Ester und Livio, die Eltern seiner Mutter, sprechen nicht über ihre Tochter. Weder bei ihnen noch bei Ettore finden sich Fotos, Briefe oder sonstige Beweise, dass sie wirklich gelebt hat, vielleicht immer noch lebt, irgendwo. So wächst Pietro voller Unsicherheiten auf, fühlt sich unvollkommen, beinah leer und ist sich nie seiner Gefühle ganz sicher. Ettore versucht ihm ein guter Vater zu sein und ist doch immer nur die Hälfte eines Ganzen. Erst als Pietro selbst Vater wird, muss er erkennen, dass seine Mutter ganz nah bei ihm ist, auch immer ganz nah bei ihm war und erfährt endlich ihren Namen.

Wie ein heißer Sommertag rollte die Handlung über mich hinweg. Geradezu körperlich spürte ich die Schwere der unausgesprochenen Worte zwischen den Protagonist*innen und litt beinah gemeinsam mit Pietro, der zu verstehen versuchte. Hier verschwindet eine Frau aus der Mitte ihrer Familie, aus der Mitte ihres sozialen Umfelds und hinterlässt scheinbar kein Lebenszeichen, keine Spuren.

Ihr Sohn wächst mit dem Gefühl der Unvollkommenheit auf: Es fehlt ein wichtiger Mensch in seinem Leben, dessen „Nichtvorhandensein“ einen immensen Einfluss auf seine Entwicklung nimmt. Diese Lücke kann nur schwerlich geschlossen werden. Vielmehr klafft sie wie eine Wunde, heilt nur oberflächlich und wird bei der kleinsten Erschütterung des Lebens wieder aufgerissen. Pietros Fragen bleiben unausgesprochen und somit unbeantwortet, dafür keimen Gefühle von Schuld bei ihm auf: „Ist sie gegangen, weil es mich gibt?“

Autor Roberto Camurri konfrontiert uns in seiner Geschichte mit einer Melancholie, die nicht leicht dahinfließt sondern satt und schwer daherkommt. Er schafft eine fiebrige Spannung, da er seine Leserschaft an der inneren Zerrissenheit der Figuren teilhaben lässt. Seine Figuren sind ambivalent, sowohl Täter als auch Opfer, sowohl schuldig als auch unschuldig, sind menschlich und machen somit Fehler. Er lässt sie kaum in der direkten Rede sprechen und gönnt uns so einen wohltuenden Abstand, der bei aller Dramatik ein befreiendes Aufatmen möglich macht. Dabei schenkt er uns mit seiner wohl durchdacht eingesetzten Sprache Bilder voller Atmosphäre.

Dieser Roman wirkte auf mich wie ein schwüler Sommerabend: heiß, stickig, kaum erträglich – bis am Schluss ein Gewitter für die erleichternde Frische sorgt, und ein zartes Happy End am Horizont zu erahnen ist.


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-3956144325

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #112: Wie geht ihr mit Rezensionsanfragen um, die uninteressant sind? Sagt ihr immer die Wahrheit und gebt zu, dass ihr kein Interesse habt?

Ja, ich bin da diplomatisch-höflich-respektvoll ehrlich!

Rezensionsanfragen erhalte ich hauptsächlich von Verlagen und Presseagenturen oder hin und wieder auch direkt von Autor*innen. Bei letzteren handelte es sich bisher hauptsächlich um Self-Publisher, die meinen Blog über den grünen Klee lobten und der Meinung waren, dass ihr Werk und mein Blog ganz wunderbar zusammenpassen würden. Schließlich hätten sie einen „young-adult-dark-fantasy-gothic-crime-thriller“ verfasst, mit dem sie „das Genre neu erfinden“ würden (Schon merkwürdig, dass da kein Verlag zugreift…!). Spätestens zu diesem Zeitpunkt „bin ich raus“ und fühle mich etwas verschaukelt: Anscheinend hat der/die/das Schreiberling meinen Blog nicht mit einem Blick gewürdigt, sonst wäre ihm aufgefallen, dass sein so genanntes bahnbrechendes Werk absolut nicht in mein Lese-Portfolio passt. Ich kann es mir dann nicht verkneifen und weise mit beinah boshaftem Vergnügen eben genau auf diesen Umstand freundlich hin.

Ob Verlage oder Presseagenturen eine Antwort auf ihre Anfrage erhalten, ist davon abhängig, ob ich direkt angesprochen werde oder die Anfrage im Rahmen eines Newsletters erfolgt. Bei einem Newsletter erspare ich mir die Mühe, eine Absage zu formulieren. Bei einer direkten Ansprache hatte ich häufig schon im Vorfeld einen regen Austausch mit dem Absender: Man „kennt“ sich halt! Darum entspricht der vorgestellte Roman (leider!) ebenso häufig durchaus meinem Interessen-Gebiet, und so kann es passieren, dass es mich in einen ebensolchen Konflikt stürzt. Allzu gerne würde ich mich mit diesem Roman beschäftigen, aber…! In diesem Fall ist eine Absage meinerseits durch einen Mangel an Zeit und weniger aufgrund mangelndem Interesse begründet. Da ich niemand bin, der Rezensionsexemplare hortet und somit seinen SuB unnötig aufbläht, muss ich mit ehrlichem Bedauern ablehnen.

…und wie lautet Eure Strategie? Offene Worte oder diplomatisches Abwimmeln??? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.