Ein Porträt: Finn-Ole Heinrich

Finn-Ole Heinrich (* 13. September 1982)

bildhaft, melancholisch, sprachgewandt,

cool, sensibel, witzig…

Ich hatte das außerordentliche Vergnügen, Finn-Ole Heinrich bei einer Lesung zu erleben, bei der er uns an seinem großen Erzähltalent (…aber auch großem Vorlese-Talent!) teilhaben ließ. Er schaffte es mühelos, die Grenze zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur zu sprengen. Wobei jeder einzelne von uns die Macht hat, diese Grenze im Kopf niederzureißen: ein gutes Buch ist ein gutes Buch ist ein gutes Buch…!!! Es war eine wunderschöne Lesung, die auch am Tag danach noch „wirkte“! Dankeschön!!!

Wer konnte schon in den 80ern im niedersächsischen Cuxhaven ahnen, dass hier DAS neue, deutsche Erzähltalent heranwächst, nach Abitur und Zivildienst ein Filmregie-Studium in Hannover 2008 mit Diplom beendet, parallel noch Stipendiat des Literatur-Labors Wolfenbüttel ist und 2 Jahre in Folge beim Wettbewerb German International Poetry Slam teilnimmt. Auch als Filmemacher und Drehbuchautor war er erfolgreich aktiv und wurde vielfach ausgezeichnet.

Achja, und so ganz nebenbei erschien 2005 sein erster Erzählband „taschen voll wasser“, gefolgt von seinem Roman „Räuberhände“, der in den Jahren 2013 und 2014 Abiturpflichtthema an allen Hamburger Schulen war.

2011 erschien Heinrichs erstes Kinderbuch „ Frerk, du Zwerg!“, das 2012 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch gewann und zwischenzeitlich auch auf der Theaterbühne Premiere feierte.

Finn-Ole Heinrich ist nicht nur literarisch, filmisch und theatralisch unterwegs sondern auch höchst musikalisch: So tritt er mit dem Unsortierten Orchester Oldenburg oder Spaceman Spiff auf.

Mit „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich“ erschien 2013 sein zweites Kinderbuch und der erste Teil seiner Maulina-Trilogie. Dieses kleine Mädchen mit der großen Phantasie schafft sich ihr eigenes Königreich „Mauldawien“ und erlebt erstaunliche Abenteuer. Doch plötzlich ist ihr Reich in Gefahr: Ihre Mutter erkrankt schwer, die Ehe der Eltern zerbricht, und ein Umzug nach „Plastikhausen“ trennt sie von ihren Freunden…

Finn-Ole Heinrich scheut sich nicht, in seinen Kinderbüchern die ernsten, existentiellen Themen des Lebens anzusprechen: Liebe, Freundschaft, Krankheit, Trauer, Tod – und ist damit in bester Gesellschaft mit der einzigartigen Astrid Lindgren. Er nimmt die Kinder mit ihren Themen ernst!

Sein Erzählstil ist dabei beinah filmisch, gleichzeitig sehr poetisch und gänzlich ohne Pathos.

Kleiner Mann ganz GROSS…!!!


Auswahl seiner Werke:
  • die taschen voll wasser erschienen bei mairisch/ ISBN: 978-3938539019
  • Frerk, du Zwerg! erschienen bei Bloomsbury/ ISBN: 978-3827054760
  • Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446243040
  • Helm auf erschienen bei Amiguitos/ ISBN: 978-3943079173
  • Gestern war auch schon ein Tag erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442713189

[Rezension] Victor Hugo – Die Elenden

Allein die Inhaltsangabe von Hugos Epos könnte ein eigenes Buch füllen: Über 5 Bände erstreckt sich die Geschichte von Galeerensträfling Jean Valjean, der geläutert versucht ein neues Leben zu beginnen aber immer wieder von seiner Vergangenheit in Person des Inspektor Javert eingeholt wird.

Ich möchte hier gar nicht ins Detail der Handlung gehen. Ich möchte hier vielmehr versuchen zu beschreiben, was dieser Roman bei mir bewirkt hat, und wieviel er mir bedeutet.

Es war das Jahr 1990: Ich fühlte mich gefangen in einer ungeliebten Ausbildung, in einem Elternhaus voller Probleme und in mir selbst: zu jung, zu ängstlich und darum zu unfähig, Entscheidungen zu treffen. In der Stadtteil-Bibliothek fand ich Zuflucht zwischen Ende der Berufsschule und Arbeitsbeginn im Ausbildungsbetrieb, und…

…ich fand diesen Roman: Eine alte Auflage aus den 70ern, wenig verliehen und somit wenig gelesen. Warum ich mir dieses Buch auslieh? Ich weiß es nicht! Ich bin nur froh, dass ich es tat.

Lesen bedeutete damals für mich „Flucht aus dem Alltag“!

Ich tauchte ein in Jean Valjeans Welt, begleitete ihn durch sein Leben und wurde Teil seines Kosmos. Bei manchen Passagen rannen mir die Tränen über das Gesicht, und ich musste hemmungslos schlurzen. Bei manchen Passagen hatte ich das Gefühl, dass das Gelesene mir auf Brust und Seele drückt. Doch ich las weiter: morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, am Abend vorm Zubettgehen. Ich fühlte mich in meinen Nöten verstanden. Ich war nicht allein!

Victor Hugo hat ein Epos voller Menschlichkeit geschaffen, das Identifikationspotential quer durch alle Generationen bietet und mit seiner humanitären Botschaft das Herz und die Seele der Leser berührt.

Am Ende des Romans war ich ein anderer Mensch – ob auch ein besserer? Ich weiß es nicht. Dieses Urteil maße ich mir nicht an. Ich bin mir aber sehr sicher, dass das Lesen dieses Romans mich verändert hat!

Lesen bewegt!

Nachtrag: Damals wollte/ musste ich unbedingt „Die Elenden“ selbst besitzen und habe mich verzweifelt auf die Suche gemacht: Diogenes war der einzige Verlag, der diesen Roman damals gelistet hatte. Nur leider war die letzte Auflage vergriffen und eine weitere Auflage stand in den berühmt-berüchtigten Sternen. Die damalige Buchhändlerin meines Vertrauens Frau Weise muss meine Enttäuschung  wohl gespürt haben: Ohne das ich davon wusste, ging sie weiter auf die Suche und fand „Die Elenden“ in den damals noch neuen Bundesländern. Seitdem nenne ich eine Ausgabe vom Verlag Volk & Welt mein Eigen, die ich nicht mehr missen möchte und wie meinen Augenapfel hüte.

erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730600429


Gabriela Wendt hat auf ihrem Blog „Buchperlenblog“ die tolle Aktion Perlentauchen ins Leben gerufen: Hier werden literarische Kostbarkeiten wieder-vorgestellt, die schon einige Jahre/ Jahrzehnte/ Jahrhunderte auf den Buckel haben aber nicht in Vergessenheit geraten sollten.

An dieser Aktion beteilige ich mich sehr gerne: Gute Geschichten sind zeitlos!

MONTAGSFRAGE #12: Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

Antwort: Nein!

So, fertig für heute! Was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag?

Wer mich kennt, weiß, so einfach mache ich es mir nicht mit der Beantwortung der Montagsfrage! Aber ernsthaft wütend hat mich ein Buch-Ende bisher noch nicht gemacht – sofern ich mich erinnere.

Traurig? – Oh, ja!

Ich hoffe, Ihr nehmt es mir nicht übel, wenn ich die heutige Montagsfrage in meinem Sinne beantworte. Ansonsten würde meine Antwort wirklich sehr, sehr knapp ausfallen.

Schon recht häufig habe ich nach Beendigung eines Romans Trauer empfunden – entweder weil mich das Buchende so ergriffen hat oder ich Trennungsschmerz verspürte, da ich nun liebgewonnene Charaktere zurücklassen musste.

Vor ca. 2 Jahren stapelten sich mind. 5 ungelesene Flavia de Luce-Krimis auf meinem Tisch. Aus irgendeinem Grund (wahrscheinlich waren es mehr als nur ein einziger Grund) fand ich bis dahin nicht die Zeit und/ oder die Muße, mich mit ihnen zu beschäftigen. Es war in einem Januar, ich hatte meine Silvester-Depression noch nicht gänzlich überwunden und brauchte Abwechslung. So machte ich mich (wenig) frisch ans Werk und las die Bücher in jeder freien Minute: Am Ende der Lektüre war ich so sehr in diese Welt eingetaucht, dass ich einen richtigen Trennungsschmerz verspürte und einige Zeit benötigte, um mich anderer Literatur zuzuwenden. Dafür hatte ich meine Silvester-Depression einfach weg gelesen!

Bei der Lektüre von Alice Walkers „Die Farbe Lila“ habe ich beinah ebenso viel Rotz und Wasser geheult, wie bei der Verfilmung: Ich habe mitgelitten, war wütend über die ertragene Ungerechtigkeit und erleichtert über das versöhnliche Ende. Beim Roman wie auch beim Film packt mich immer eine massive Traurigkeit, die mich zuerst niederringt und am Ende erschöpft aber befreit zurück lässt. Es tut gut, sich den angesammelten eigenen Weltschmerz von der Seele geheult zu haben.

Auch „Drei Männer im Schnee“ vom großen Könner Erich Kästner bereitet mir immer feuchte Augen. Ich bezeichne ihn immer als meinen Seelentröster: Eine entsprechende Rezension plane ich für das Neue Jahr!

Zudem gibt es noch einen Roman, der mir sehr, sehr viel bedeutet und meine Gefühlswelt einmal völlig auf den Kopf gestellt hat. Doch dazu habe ich schon eine Rezension geschrieben, deren Veröffentlichung für kommenden Donnerstag geplant ist. Ich bitte Euch darum um etwas Geduld!


…ob „wütend“ oder „traurig“: Ich freue mich über Eure Rückmeldungen!

 

[Rezension] Die schönsten Weihnachts-Krimis (Hörbuch)

Ich höre keine Hörbücher! Warum ich dies nicht tue, habe ich bei der MONTAGSFRAGE #2 schon hinreichend beantwortet.

Warum ich nun eine Ausnahme mache? Die Mischung der hier versammelten Kurzgeschichten hat mich gereizt – zumal sie von namhaften Sprecher*innen vorgetragen werden.

Dabei handelt es sich hier um eine so abwechslungsreiche Auswahl Geschichten beliebter und bekannter Autor*innen, dass diese sicherlich viele Hörer erfreuen werden. Ich möchte darum auch weniger auf den Inhalt der jeweiligen Geschichte sondern vielmehr auf die Art des Vortrages eingehen.


CD 1/ Agatha Christie – Eine Weihnachtstragödie/ gelesen von Beate Himmelstoß

Zugegeben: Kann ich den Vortrag einer Geschichte, die ich selbst für eine Lesung vorbereitet und vorgetragen habe, völlig objektiv beurteilen? Gänzlich frei wird sich niemand machen können, auch ich nicht…

Beate Himmelstoß Vortrag würde ich als solide bezeichnen. Unaufgeregt trägt sie diesen Kurzkrimi vor und verändert nur unwesentlich ihre Stimme, um die verschiedenen Charaktere zu porträtieren. Dies ist auch nicht unbedingt nötig, da die Geschichte im Wesentlichen aus der Sicht von Miss Marple erzählt wird. Überrascht hat mich allerdings, dass versäumt wurde, die ironisch-humorvollen Passagen mittels Betonung herauszuarbeiten. Ob dies an der Sprecherin oder an der Regie lag, kann ich natürlich nicht beurteilen.


CD 2/ Edgar Wallace – Der falsche Rettungsring/ gelesen von Wanja Mues

Wanja Mues nahm mich gleich mit seiner markanten Stimme für sich ein und lieferte für die Wallace-Story eine gelungene Performance: Passend zur Geschichte, die im Kriminellen-Milieu auf einer Kreuzfahrten spielt, wählt er einen leicht arrogant Grundton. Beinah beiläufig wirkt seine Vortragsweise, die aber dadurch eine gewisse Gefährlichkeit im Unterton durchschimmern lässt.


CD 2/ Dorothy L. Sayers – Das Perlenhalsband/ gelesen von Friedhelm Ptok

Lord Peter Wimsey ermittelt in einem Fall von einer verschwundenen Perlenkette im überschaubaren Umfeld einer Weihnachtsgesellschaft: Für mich war es ein Vergnügen, dem Vortrag von Friedhelm Ptok zu lauschen. Er lässt seine Stimme von gediegen-versnobt bis humorvoll-ironisch erklingen, setzt die Pausen sehr bewusst und gestaltet seinen Vortrag sehr geschmackvoll.


CD 3/ Arthur Conan Doyle – Der blaue Karfunkel/ gelesen von Oliver Kalkofe

Oliver Kalkofe setzt seine Stimme zwar sehr effektvoll ein, leider aber auch wenig differenziert. Er kann sich nicht entscheiden, wen er mit welcher Stimm-Färbung ausstattet. Dies führt dazu, dass ich als Hörer das Handlungspersonal nur schwer unterscheiden konnte. Dies störte mich sehr beim Folgen der Handlung. Bedauerlicherweise eine wenig überzeugende Performance…!


CD 4/ Ellis Peters – Der Friedhofskater/ gelesen von Friedhelm Ptok

Wieder kommt Friedhelm Ptok zum Einsatz: Auch hier konnte er mich mit seinem Vortrag völlig überzeugen! Bewundernswert wie dieser talentierte Sprecher sein Können in dieser Lesung zeigt. Seine charakteristische Stimme hat hohen Wiedererkennungswert!


CD 4/ Christianna Brand – Gesegnet sei dieses Haus/ gelesen von Walter Renneisen

Walter Renneisens Stimme passt hervorragend zu dieser subtil-bösen Geschichte um Christi (Wieder-)Geburt: heiser, leicht rauchig und doch mit hellem Klang. Teilweise erinnert seine Stimme an Gollum aus „Der Herr der Ringe“, die er äußerst wandlungsfähig und effektvoll einsetzt. Eine Glanzleistung…!


CD 5+6/ Georges Simenon – Maigrets Weihnachten/ gelesen von Peter Fricke

Peter Fricke ist „ein Name“: Der bekannte Schauspieler kann auf eine äußerst erfolgreiche Karriere im Theater, Film und Fernsehen zurückblicken. Er widmet sich einer Geschichte um Georges Simenons Kommissar Maigret, den er sehr charismatisch und äußerst prägnant seine Stimme leiht. Hier kommt neben dem Talent auch Frickes immense Erfahrung der Lesung zugute: Er wechselt die Stimmlagen gekonnt zwischen den handelnden Personen. Dabei wirkt dieser Vortrag absolut nicht routiniert sondern verströmt eine Menge Charme. Eine wahre Freude…!


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844523249

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hörexemplar!

[Literatur & Artverwandtes] BÜCHERSNACK / Buchhandlung „die schatulle“ Osterholz-Scharmbeck

Zugegeben: Eine Lesung im klassischen Sinne war es nun nicht! Aber ich will mal nicht so sein…!

Die Buchhändlerinnen meines Vertrauens hatten heute zum „Büchersnack“ geladen, und dies konnte der interessierte Besucher durchaus wörtlich nehmen. Zu den köstlichen Snacks nach Rezepten aus dem Kochbuch „Einfach gut essen“ von Sarah Britton, die von der gelernten Hauswirtschafterin und passionierten Köchin Traute Steenken gezaubert wurden, kredenzten Sabine und Ute Gartmann uns literarische Appetit-Happen der Herbst-/ Winter-Saison.

Bücher, Bücher und noch mehr Bücher: Mein Lese-Herbst/ -Winter wird vielfältig. Hier eine kleine Auswahl der Bücher, die es in meine engere Wahl geschaft haben und somit auf meine Wunschliste gewandert sind:

Sabine überzeugte mich mit…

  • Christian Berkel – Der Apfelbaum
  • Gil Ribeiro – Lost in Fuesta – Spur der Schatten
  • A.J. Pearce – Liebe Mrs. Bird

Ute machte mich neugierig auf…

  • Isabel Allende – Ein unvergänglicher Sommer
  • Sylvie Schenk – Eine gewöhnliche Familie
  • Mark Thompson – El Greco und ich
  • Francesca Melandri – Alle außer mir

Außer Konkurrenz legten die Schwestern uns das entzückende „SorTIERbuch“ von Ann Cathrin Raab ans Herz: In dieses Buch müssen das liebste Patenkind der Welt und ich unbedingt einen gemeinsamen Blick werfen.

Ich genoss die lockere, unverkrampfte Atmosphäre und die netten Gespräche mit den anderen „Süchtigen“,…

…und, Mädels, Ihr ward sooo pfiffig mit Eurer Terminwahl: Mein Weihnachtsgeld hat kaum eine Chance, es sich auf meinem Konto gemütlich zu machen.


Liebe Leser*innen! Bestimmt bietet auch Eure Buchhandlung „umme Ecke“ tolle Aktionen an: Einfach hingehen und fragen! Buy Local!

[Anekdoten-Archiv] Wie ich mir selbst einheißte…

„Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ von Alan Bradley im Spezialitätengeschäft „Carpe Diem“ in Osterholz-Scharmbeck


An einem lauen Herbsttag wurde eine Idee geboren: Susanne Bödeker vom „Carpe Diem“ ließ anfragen, ob ich mir vorstellen könnte eventuell und vielleicht und außerdem…

Ich konnte, wollte und das Ganze auch noch mit Freude:

15. November 2013: MEINE 1. öffentliche Lesung in MEINER Heimatstadt, bei der MEIN Name ganz oben auf dem Plakat prangte (In der Filmbranche bedeutet es wohl „Ich habe es geschafft!“ 😉). Damit MEINE Nervosität nicht überhandnahm, hatte ich mit „Flavia“ für den sogenannten sicheren (literarischen) Hafen gesorgt.

Nach einer herzlichen Begrüßung der Gäste durch Susanne Bödeker („Susanne, Du warst auch nervös? Ich habe gar nichts bemerkt!“) kamen ihre Mitarbeiterin Janin und ich abwechselnd zum Einsatz:

Janin stellte charmant die neuen Winter-Tees vor und plauderte u.a. über Herkunft und Verarbeitung der Tees. Und während die Gäste den Geschmackssinn trainieren konnten, schärfte ich ihren Gehörsinn mit meiner Lesung aus „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ – der erste Roman aus der Feder von Alan Bradley über diese außergewöhnliche Amateur-Detektivin.

Je mehr ich las, umso mehr schwand meine Nervosität, umso lockerer wurde ich. Am lauten Lachen oder der gespannten Stille merkte ich, dass das Publikum ganz bei mir war und mir folgte. Und ich dachte nur: „Geil!“

Allerdings hatte ich nicht mit der einheizenden Wirkung einiger Kräutertees in Kombination einer wollenden Strickjacke gerechnet. Ein Entkleiden der Jacke kam nicht in Frage, da sich auf dem darunter befindlichen Hemd schon unschöne Flecke gebildet hatten (Mein Fazit: Lesung = luftige Kleidung + stilles Wasser).

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So wirkte ich zeitweilig etwas fiebrig und glänze wie `  ne Speckschwarte. Dafür sah Janin – wie immer – großartig aus!

Es wurde ein so schöner Abend: gemütlich, heiter, stimmungsvoll & ganz entspannt!!!

Wer konnte ahnen, dass an einem Abend im November 2013 eine „Tradition“ geboren wurde, und ich in diesem Jahr nun schon zum 6. Mal bei Susanne Bödeker im „Carpe Diem“ zu Gast sein darf!

„Never change a winnig team!“ 🎖️

[Rezension] Iwan Turgenjew – Das Adelsgut

Dieses Adelsgut – irgendwo in der Pampa von Russland – hat eine wechselvolle Geschichte, eine Geschichte voller Entbehrung, Liebe, Leidenschaft, Verzicht…

Ebenso wechselvoll gestaltete sich das Leben von Fjodor Lawretzki, der nach seinem Studium in Moskau, einer gescheiterten Ehe in Paris und ereignisreichen Jahren in Italien endlich auf seinen Familiensitz zurückkehrt. Nach Jahren des unsteten Lebens sehnt er sich nach Beständigkeit und Traditionen. In Lisa, der Tochter seiner Cousine, scheint er eine treue Partnerin gefunden zu haben. Doch Lawretzki ist nach wie vor verheiratet, und eine Beziehung mit diesem jungen Mädchen im konservativ-katholischen Russland wäre gänzlich unmöglich…!

Auf über 300 Seiten portraitiert Iwan Turgenjew die Gesellschaft Russlands des 19. Jahrhunderts: Es passiert in diesem Roman im Grunde genommen nichts weltbewegend Neues. Im Grunde genommen finden sich in diesem Roman alle Zutaten für eine kitschig-süßliche Schmonzette. Was dies verhindert? Die Sprache…!

Ich lese die Sätze und bin bezaubert: Turgenjew wählt die Worte mit Bedacht, reiht sie wie Perlen auf einer Schnur auf und vereint sie zu großer Formulierkunst. Er kreiert Bilder mit diesen Worten. Seine Sprache ist voller Wehmut und Melancholie und entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie.

Ich lese die Sätze und bin begeistert: Lange Text-Passagen kommen gänzlich ohne Dialoge aus. Vielmehr stellt er sich in seiner Erzählweise als Vermittler an die Seite des Lesers und beschreibt ihm die Situationen. Dies gelingt ihm mit viel Leidenschaft und Verständnis für seine Protagonisten. Die Dialoge, besonders die Wortwechsel der gehobenen Gesellschaft, besitzen dafür einen feinen Witz.

Ich lese die Sätze und bin gefangen: Die grazile Sprachmelodie nimmt mich für sich ein. Einige Sätze lese ich mit Freude zum wiederholten Mal und zolle innerlich auch der Übersetzerin Christiane Pöhlmann meinen uneingeschränkten Respekt.

„Eine Sprache mit Geschick handhaben heißt, eine Art Beschwörungszauber treiben.“ Charles Baudelaire

Mit „Das Adelsgut“ von Iwan Trugenjew halte ich zum ersten Mal einen Band aus der „Manesse Bibliothek“ in meinen Händen: Ich liebe schöne Bücher und würde einem gebundenen Buch immer den Vorrang geben. Der Manesse-Verlag gestaltet diese Reihe äußerst geschmackvoll und sehr hochwertig. Es kommt eben nicht nur auf den Inhalt an!

erschienen bei Manesse/ ISBN: 978-3717524489

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #11: Was ist dein Trick zum preiswerten Bücherkauf?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Was ist dein Trick zum preiswerten Bücherkauf?

Liebe Antonia! Im Grunde genommen hast Du schon alle Möglichkeiten aufgezählt, die auch ich zum günstigen Bücherkauf gerne nutze.

Dafür bietet das Netz „unendliche“ Möglichkeiten: Meine bevorzugten Plattformen (Vorsicht Werbung!) sind da Medimops und Booklooker, die ich (auch) zur Vorbereitung auf eine Lesung gerne in Anspruch nehme: Da brauche ich erstmal eine Menge an Futter, aus dem ich dann peu à peu mein Vorlese-Menü zusammenstelle.

Sehr beliebt sind bei mir auch Gebrauchtmöbellager, die gerne – je nach Größe des Lagers – mindestens eine Bücherecke wenn nicht sogar eine eigene Bücherabteilung anbieten, die zum Stöbern einladen.

Gerade um die Advents- und Weihnachtszeit stehen auch gerne die Mitglieder des Lions Clubs mit einem gut gefüllten Stand auf den Weihnachtsmärkten und verkaufen für kleines Geld ihre gespendeten Bücher. Mit den Erlösen unterstützen Sie wohltätige Projekte.

Bei allen 3 Möglichkeiten konnte ich schon mit Freude verschollene Schätze für kleines Geld bergen: Häufig wusste ich bis zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass ich ein bestimmtes Buch „unbedingt“ benötige, bis ich es plötzlich in meiner Hand hielt.

Dabei spielt allerdings der Zustand der Bücher für mich eine entscheidende Rolle: Eselsohren, Flecke, Knicke im Schutzumschlag, schiefgelesene Buchrücken oder ein muffiger Geruch sind NO GOs für mich!

Im Umkehrschluss werden o.g. Möglichkeiten (insbesondere 1 + 3) auch von mir gerne genutzt, um mich von ungeliebten, unverstandenen und ungelesenen Büchern wieder zu trennen: Ich hege die große Hoffnung, dass sie dann endlich jemanden finden, der sie mehr zu schätzen weiß!


…und welche Möglichkeiten nutzt Ihr zur Schnäppchen-Jagd?

 

[Comedy & Kabarett] Sissi Perlinger – ICH BLEIB DANN MAL JUNG! / TiF Bremerhaven

Premiere: 5. April 2018 / besuchte Vorstellung: 8. November 2018
TiF – Theater im Fischereihafen Bremerhaven


Regie: Dieter Woll
Kostüme: Entwurf Sissi Perlinger – Realisation Magda Bast
Choreografie: Regina Weber
Musik: Sissi Perlinger und Scheibe


Die bayrische Kult-Diva machte einen Abstecher in den Norden und bescherte uns ihr unvergleichliches Talent mit ihrem aktuellen Programm „Ich bleibe dann mal jung!“. Kein Thema rund um die „Best-Ager“ blieb von ihr verschont: ob Schönheitswahn, schwindende Libido, Meno-Pause oder knackende Knochen…!

Während im 1. Teil die Gags Comedy-like wie ein Feuerwerk verschossen wurde, konnte sie im 2. Teil ihren kabarettistischen Wurzeln nicht verleugnen: Da blieb dem Publikum auf halben Weg in die Freiheit das Lachen auch mal im Halse stecken.

Perlinger brilliert als scharfe Beobachterin mit frecher Schnauze, ist dabei durchaus frivol aber nie ordinär, überrumpelt so manchen männlichen Gast in der 1. Reihe, stellt nicht bloß sondern bleibt doch ganz und gar eine charmante Gastgeberin.

Die Fachkraft der gehobenen Blödelei überzeugt mit ihrer direkten Art und brilliert auch in Gesang, im Tanz und an der Klampfe. Bei ihr mutiert sogar der Bauchladen mit Schönheitstuben und –tiegeln zum Percussion-Instrument.

Sie porträtiert die heutigen Alten überspitzt aber respektvoll mit Mimik, Körperhaltung, Sprache und Kostüm: Sei es die aufgepimpte Ewig-Junge mit Atombusen, die aufgrund ihrer Schlauchbootlippen nur noch aus der Schnabeltasse trinken kann, oder die von Altersarmut betroffene Witwe, die sich nach Jahren der Aufopferung für die Familie auf dem Amt vorwerfen lassen muss, sie hätte ja nie gearbeitet.

Wer nun glaubt, einer Depressionsfördernden Veranstaltung beizuwohnen, kennt die Perlinger nicht: Mit Witz und Ironie klopft sie alle positiven Aspekte des „Älter Werdens“ ab und macht Mut, die  Zukunft in die eigenen erfahrenen Hände zu nehmen. Sie appelliert an ihr Publikum, die Festplatte im Kopf zu entmüllen und eine frische Denke hochzuladen, um das Leben zu genießen und in all seinen Facetten auszukosten – noch nie war es so lang wie heute!

Ihr Credo: „Sterbt jung aber das möglichst alt!“

Wir werden uns alle erdenkliche Mühe geben!


Sissi Perlinger ist mit ihrem Programm ICH BLEIB DANN MAL JUNG! auch weiterhin auf Tournee. Vielleicht auch in Eurer Nähe!

[Rezension] Enid Blyton – 5 Freunde im alten Turm

8. November 1977: Mein Großvater schenkte mir mein erstes „richtiges“ Buch zum Geburtstag. Meine Gedanken damals waren „Wie blöd, das ist ja nichts zum Spielen!“. Aber ich bedankte mich brav, und das Buch landete erstmal unbeachtet auf einem Regal in meinem Kinderzimmer. Beinah täglich fragte Opa „Und? Gefällt Dir das Buch?“, bis meiner Mutter der Kragen platzte, und sie mich anranzte „Nun ließ das Buch, damit Opa endlich Ruhe gibt!“. Und so lass ich widerwillig die ersten Seiten, tauchte ein in eine Welt voller Abenteuer, und mein Widerwille schwand mit jeder gelesenen Seite.

Zu Ostern & Weihnachten, zum Zeugnis oder „einfach nur mal so“ gab es von Opa ein weiteres Buch, bis ich zum Schluss alle 22 Bände im Regal stehen hatte.

Spät-pubertär habe ich alle meine „uncoolen“ Kinderbücher verschenkt, und dies später sehr bereut.

Heute nenne ich – dank eines Antiquariats im Internet – ein altes Exemplar dieses ersten „richtigen“ Buches wieder mein Eigen, habe mich nach langer Zeit wieder „hineinverlesen“ und fühlte mich zurück versetzt…

…Kindheit!


erschienen bei cbj/ ISBN: 978-3570172070