[Noch ein Gedicht…] Theodor Fontane – ALLES STILL!

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Theodor Fontane

[Eine Geschichte…] Frank Hofmann – ES LEUCHTET NOCH IMMER

Wir haben ein Ritual, meine Tochter und ich. Wenn wir im Winter an die Nordsee fahren, stellen wir uns abends auf den Deich und bewundern den Sternenhimmel, den wir im üppig beleuchteten Hamburg so selten sehen. Das letzte Mal überraschte sie mich mit einer nahe liegenden, aber schweren Frage: „Papa, was ist der am weitesten entfernte Stern, den wir hier mit bloßem Auge sehen können?“ Ich musste passen, schlug nach – und erfuhr: Mit menschlichem Auge gerade noch zu erkennen ist die Sonne „Chi Aurigae“. Sie ist über 2000 Lichtjahre von uns entfernt. Wenn wir Chi Aurigae sehen, schauen wir also auf ein Licht, das vor über 2000 Jahren ausgesandt wurde. Und würde man von diesem Stern auf unsere Erde blicken, konnte man sie zur Zeit Jesu sehen.

Oft scheint der Himmel in der Nacht einfach nur dunkel zu sein. Aber all die Lichtinformationen, die damals ausgesandt wurden, sind im Weltraum unterwegs. Das Licht von Bethlehem, es leuchtet noch immer.

Frank Hofmann

[Rezension] Französische Weihnachten/ herausgegeben von Annette Wassermann & Italienische Weihnachten/ herausgegeben von Klaus Wagenbach

Andere Länder andere Sitten! Oder auch: Andere Länder andere Weihnachts-Rieten! Das kann auch die moderne Globalisierung nicht verhindern. Nie waren wir uns so „nah“ (!) wie heute. Via Internet kommunizieren wir mit der ganzen Welt und haben dank Social Media überall „Freunde“. Manches wirkt dabei auf mich recht oberflächlich und wie auf Massenkompatibilität getrimmt, denn nur dann gibt es von den Mitgliedern der Community einen „Daumen hoch“. Gleichheit ist so herrlich unangestrengt!

Ich will mich aber anstrengen – gerne sogar! Ich will auch keine Gleichheit, – im Gegenteil – ich will es bunt, abwechslungsreich und vielfältig. Ich will die ganze kulturelle Bandbreite. Ich will andere Menschen und ihre Kulturen kennenlernen und mit ihnen in Beziehung treten. Denn in Beziehung treten, bedeutet, sich mit Menschen auseinandersetzten, und das macht Arbeit! Ich will mir von anderen Kulturen gerne das abgucken, was mir gefällt und mich dabei trotzdem auf meine Wurzeln besinnen. Denn ich habe eine eigene Identität, die sich u.a. aus Genen, Wissen und Erfahrungen zusammensetzt und mit der familiären Vergangenheit verknüpft ist.

Weihnachten ist ein wunderbares Paradebeispiel für Vielfalt: In vielen Ländern der Erde wird die Geburt Jesu Christie mit diesem Fest gefeiert. Viele Völker dieses Erde feiern somit aus dem gleichen Grund und doch wieder recht unterschiedlich. Ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn genügt…!

In „Französische Weihnachten“ gibt Herausgeberin Annette Wassermann uns einen vielfältigen Querschnitt der französischen Literaturszene u.a. mit Erzählungen von Olivia Rosenthal, Leila Slimani, Colette, Marcel Pagnol oder Michel Houellebecq. Irgendwie dachte ich bei Weihnachten in Frankreich (Achtung: Klischee) an verschneite Gassen in Paris und „Savoir-vivre“ in federleichte Worte verpackt. Diese Anthologie offenbart uns sozusagen eine andere Seite der französischen Seele. In den Geschichten dreht sich alles um Beziehungen (Geht es nicht immer um Beziehungen?): Mutter/Vater vs. Tochter/Sohn, Ehefrau vs. Ehemann, Geliebte vs. Geliebter, Schwester/Bruder vs. Bruder/Schwester und.so.weiter.und.so.fort! Die Erzählungen speisen sich aus der Melancholie des Vergänglichen und aus den Erinnerungen der Vergangenheit. Vieles bleibt unausgesprochenes. Es wird getan, als freue man sich über die Geschenke, da sich über Geschenke gefreut werden muss – es gehört sich so! Und wie überall auf der Welt, wenn Menschen, die sich als Familie bezeichnen, zusammenkommen, wird viel zu viel geredet und viel zu wenig gesagt.

Auch in den Geschichten in „Italienische Weihnachten“ dreht sich vieles um Beziehungen. Doch Herausgeber Klaus Wagenbach wählte für seine Sammlung auch Werke aus, in denen es eher mystisch und märchenhaft und durchaus auch humorvoll zugeht. Da hat durchaus das südländische Temperament der Italiener seinen Einfluss auf die Sicht der Dinge. Zudem resultiert der Witz in einigen Geschichten aus der Absurdität in alltäglichen Begebenheiten und dem scheinbaren Hang der Italiener zur Dramatisierung. Hier wird (im Vergleich zu den Franzosen) prinzipiell über alles gesprochen, und dies erfolgt möglichst temperamentvoll. Autor*innen wie Sebastiano Vassalli, Andrea Camilleri, Natalia Ginzburg, Leonardo Sciascia und Laura Mancinelli kreierten Erzählungen zwischen Fiktion und Realität, zwischen Moderne und Tradition.

Beiden Anthologien sind gemein, dass sie weder anbiedernd gefällig daherkommen noch leicht-bekömmliche Fast-Food-Kost anbieten. Dem Leser wird die Auseinandersetzung mit dem Gelesenem abverlangt, und dies kann durchaus die Erinnerung an eigene Erfahrungen wiederaufleben lassen. Diese Erzählungen eignen sich nur bedingt als launige Feiertagslektüre unter dem Tannenbaum: Sie sind erwachsen.


erschienen bei Wagenbach Salto/ ISBN: 978-3803113467 (Französische Weihnachten) & ISBN: 978-3803113221 (Italienische Weihnachten)

MONTAGSFRAGE #104: Was ist dein Lieblingsgenre und warum?

Da die MONTAGSFRAGE gestern später veröffentlicht wurde, und ich zu dem Zeitpunkt schon arbeiten musste, war es mir leider nicht mehr möglich, sie zu beantworten. Aber das hole ich heute umso lieber nach…!

Als ich die Frage las, dachte ich „Hm?! Hatten wir die Frage nicht schon einmal?“. Nein, hatten wir nicht! Es gab zwar durchaus die MONTAGSFRAGE #26: Gibt es ein Genre, das du gar nicht (gern) liest?, die eine Antwort nach dem Gegenteil liefert und sozusagen „die andere Seite der Medaille“ wiederspiegelt.

Regelmäßige Leser*innen meines Blogs werden es nie erraten, welches Genre von mir favorisiert wird: „Na? Na? Kommt Ihr drauf? Nee, da kommt Ihr nie drauf. Ich verrate es Euch: Es sind die Krimis!!!“ Und schon höre ich überall und allerorten die überraschten Ausrufe „Nein, da wären wir ja nie drauf gekommen!“

Okay, das wirkt nun nicht besonders originell oder interessant und zudem auch irgendwie langweilig: „Die Prosa der Renaissance des ausgehenden 16. Jahrhunderts“ klingt da schon intellektueller und macht beim gepflegten Smalltalk während einer Cocktail-Party auch mehr her. Aufgrund diesen Umstands könnte ich durchaus meine Minderwertigkeitskomplexe pflegen oder in Depressionen verfallen, wäre es mir nicht absolut schnuppe, was andere Menschen von meinem Lieblingsgenre halten! Ich liebe Kriminalromane!

Besonders liebe ich die klassischen oder nach klassischem Muster konstruierten Krimis. Da müssen zwangsläufig Namen wir Agatha Christie, Georges Simenon und Rex Stout fallen, die so prägnante Ermittler*innen erfunden haben, dass deren Charisma bis heute (und in alle Ewigkeiten) auf die Leser*innen wirkt.

Handwerklich versiert kreierten diese Meister*innen des Fachs abwechslungsreiche Handlungen mit überraschenden Entwicklungen, bieten überzeugende (manchmal durchaus kautzige) Charaktere und ausgefeilte Dialoge. Häufig steht die Psychologie der Tat im Vordergrund und weniger die vordergründige Effekthascherei wie in s.g. Splatter-Krimis. Zudem haben die Handlungen so wunderbar wenig mit meinem Alltag gemein (zum Glück!), stellen somit eine kleine Flucht aus eben demselben dar und lassen mich sowohl persönliche Sorgen und als auch globale Pandemien vergessen.

Neben den schon genannten klassischen Autor*innen gibt es einige zeitgenössische Schriftsteller*innen, die das Erbe der gediegenen Krimi-Unterhaltung weiterhin pflegen: Alan Bradley, Colin Cotterill, Robert Galbraith (alias Joanne K. Rowling), Alex Lépic (alias Alexander Oetker) und Stuart Turton. Besonders das Erstlingswerk von Turton stellte für mich im letzten Jahr die größte Überraschung dar, und ich erwarte schon äußerst gespannt seinen nächsten kriminalistischen Coup.

Selbstverständlich liegen schon so einige Romane der genannten Autor*innen parat, um mir die kommenden Feiertage zu verschönen. Denn zwischen dem Singen von „Stille Nacht“, dem Auspacken von Geschenken und dem Knabbern an Vanille-Kipferl ist immer noch ein Plätzchen frei für einen zünftigen Mord!

…und was ist Euer Lieblingsgenre?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Loriot – ADVENT

Es blaut die Nacht. Die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann‘ ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimespflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muss es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie – direkt von vor’n
– den Gatten über Kimm‘ und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
Derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muss die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
– was der Gemahl bisher vermied –
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluss – es geht auf vier –
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt’s von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist’s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil’ger Mann,
’s ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.

Loriot

[Rezension] Raymond Briggs – O je, du fröhliche & Der Schneemann

Weihnachten: Was war das doch für eine schöne Zeit, als ich selbst noch Kind war und an den Weihnachtsmann glaubte. Es war eine Zeit voller (Vor-)Freude, Träume und mit so manchen Geheimnissen. Es war eine Zeit mit Rituale, Besinnlichkeit und einer spürbaren Entschleunigung. Es war eine Zeit, als es noch einen „richtigen“ Winter gab, und somit der Wunsch nach weißen Weihnachten durchaus in den Bereich des Möglichen rückte.

Ach ja! Seufz!

Genau diesen Zauber lässt der britische Illustrator und Autor Raymond Briggs in seinen entzückenden Bilderbüchern wieder aufleben. Die Entstehungsjahre dieser beiden Werke fallen genau in jene Zeit, als ich selbst noch Kind war.

O je, du fröhliche (1973)

Der Weihnachtsmann: gemütlich, nachsichtig, geduldig? Briggs Weihnachtsmann ist das genaue Gegenteil. Er grummelt und grantelt. Er meckert und motzt. Er beklagt sich über zu enge Schornsteine und schlechte Wetterverhältnisse und ist generell „mit der Gesamtsituation unzufrieden“. Und doch verrichtet er pünktlich und fleißig seine Arbeit und trotzt dabei so manchen Unwägbarkeiten.

Comicstrip-artig lässt uns der Schöpfer am Arbeitstag des Weihnachtsmannes teilhaben. In klaren, farbenfrohen Bildern steigen wir mit ihm durch die Schornsteine in recht unterschiedliche Behausungen und amüsieren uns über seine knappen Kommentare mit denen er recht wortkarg Situationen beschreibt. Am Ende eines arbeitsreichen Tages gönnt er sich ein Bierchen am Kamin und blättert in Reisebroschüren über wärmere Gefilde. Und nachdem er seine dritten Zähne ins Glas gelegt hat, trinkt er seinen Schlummer-Kakao und begibt sich zur wohlverdienten Nachtruhe. So ein Weihnachtsmann ist eben auch nur ein Mensch…!

Der Schneemann (1978)

Es schneit, und ein kleiner Junge baut einen Schneemann. Der Gedanke an diesen eisigen Gesellen lässt ihn nicht los und schleicht sich in seine Träume: Der Schneemann wird lebendig, und der Junge lädt ihn in sein Zuhause ein, um ihm seine Welt zu zeigen. Mit einer kindlichen Naivität begegnet der Schneemann recht alltäglichen Dingen, die für ihn durchaus eine Gefahr darstellen könnten. Danach zeigt der Schneemann dem Jungen seine (unsere) Welt: Gemeinsam fliegen sie über Länder und Ozeane, über Wälder, Dörfer und Städte. Erst als der Morgen rot am Horizont zu erahnen ist, kehren sie um und verabschieden sich voneinander. Als der Junge am Morgen erwacht, strahlt die Sonne vom Himmel:  Der Schneemann ist geschmolzen.

Mit zarten Bleistiftstrichen in gedeckten Farben lässt Briggs uns an diesem fantasievollen Traum teilhaben. Beinah unschuldig wirken seine Zeichnungen und rücken so das Traumhafte und das Unwirkliche der Geschichte in den Vordergrund. Dabei verzichtet er auf jegliches Wort sondern lässt vielmehr die Gestik und die Mimik seiner Helden „sprechen“.

Diese beiden Bilderbücher, die übrigens in mehreren Sprachen übersetzt wurden und auch eine Umsetzung für Film und Bühne erhielten, zeugen von Raymond Briggs Talent, seine Maltechnik im Dienst des jeweiligen Werkes zu stellen, um so das individuelle Flair und den sehr eigenen Charakter einer Geschichte hervorzuheben.


erschienen bei Diogenes/ ISBN: 978-3257011678 (O je, du fröhliche) / erschienen bei Aladin/ ISBN: 978-3848901647 (Der Schneemann)

MONTAGSFRAGE #103: Welches Buch läuft leider nicht so erfolgreich, wie du es ihm wünschen würdest?

Neue Woche – neues Glück – neue Montagsfrage: Ich hoffe, Ihr hattet ein gemütliches Wochenende mit einem fleißigen Nikolaus bzw. einer fleißigen Nikoläusin. „Eigentlich“ hatte ich mich bzgl. der heutigen Montagsfrage innerlich schon entspannt zurückgelehnt und erwartete ganz traditionell die Frage, die Antonia uns auch schon in den vergangenen Jahren zu dieser Zeit gestellt hat: Welches Buch gehört dieses Jahr auf jeden Fall auf die Weihnachtswunschliste? Doch diesmal präsentiert sie eine Frage aus dem Fundus, der zur MONTAGSFRAGE #100 zusammengetragen wurde und hat mich damit mehr als kalt erwischt. In der heutigen Zeit ist auch auf nix mehr verlass! (theatralisches Seufzen)

Gerade entdecke ich die Autorin Vicki Baum (1888-1960) für mich: Von Menschen im Hotel war ich sehr begeistert, und entsprechend überraschte mich Baums moderner Tonfall, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Im Verlag Kiepenheuer & Witsch sind einige ihrer Werke noch als Taschenbuch-Ausgabe erhältlich, führen dort aber eher ein Schattendasein. Da ist es erfreulich, dass andere Verlage einen kleinen Vorstoß in Richtung Hardcover wagen: So liegt Vor Rehen wird gewarnt schon griffbereit auf meinem Couch-Tisch und wird mir die Weihnachtsfeiertage verschönen.

Natürlich darf auch eine der Jahreszeit entsprechenden Geschichte nicht fehlen. Diese kleine Geschichte fand schon häufig hier auf meinem Blog Erwähnung und gehört zum festen Repertoire meiner Advents- und Weihnachtslesungen: „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry. Sie hat zwar schon so einige Jahre auf dem Buckel und ist in unterschiedlichen Übersetzungen in vielzähligen Weihnachtsbüchern erschienen. Doch Obacht: Übersetzung ist nicht gleich Übersetzung. Diese Erfahrung musste ich leider allzu häufig – und somit nicht nur bei dieser Erzählung – machen. Ich persönlich kenne in der Zwischenzeit drei Übersetzungen dieser feinen und leisen Geschichte. Manchmal sind die jeweiligen Unterschiede nur gering und könnten als unerheblich eingestuft werden. Aber gerade diese minimalen Feinheiten nehmen Einfluss auf den Tonfall der Geschichte, schaffen Atmosphäre und bringen diese sprachlich zum Funkeln. So trägt die Qualität der Übersetzung eine nicht unerhebliche Rolle, ob die besagte Geschichte mein Herz berührt, und ich sie für eine meiner Lesungen auswähle.

Bei „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry favorisiere ich die Übersetzung von Theo Schumacher, die im NordSüd-Verlag entweder als eigenständiges Bilderbuch mit den stimmungsvollen Illustrationen von Lisbeth Zwerger oder innerhalb der Anthologie Frohe Weihnachten erschienen ist. Beide Ausführungen eignen sich hervorragend zum Verschenken – oder Ihr beschenk Euch selbst…!!! 🎁😍

…und welche literarischen Werke haben Eurer Meinung nach bisher zu wenig Aufmerksamkeit erhalten?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Theodor Storm – WEIHNACHTSLIED

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

[Rezension] E.T.A. Hoffmann – Der Nussknacker / Hans Christian Andersen – Der Tannenbaum & Die Schneekönigin/ mit Illustrationen von Sanna Annukka

„Märchen schreibt die Zeit…!“

Weihnachtszeit ist Märchenzeit: Keine andere Zeit des Jahres verbinde ich so sehr mit zauberhaften Geschichten, spannenden Sagen und magischen Begebenheiten wie diese. Zu keiner anderen Zeit finden Märchen ihren Weg so häufig auf die Bretter, die die Welt bedeuten: So hüpfen Urmel, Pippi und Robin Hood ebenso über die bundesdeutschen Bühnen wie auch „Hänsel und Gretel“ in der entzückenden Märchenoper von Engelbert Humperdinck. Und von sicherer Quelle war zu erfahren, dass im TV auch in diesem Jahr wieder drei Haselnüsse die Wünsche von Aschenbrödel erfüllen werden, und das gleich mehrmals über den gesamten Dezember verteilt!

Doch auch wunderbar gestaltete Märchenbücher haben nun bei Klein und Groß Hochkonjunktur, und selbst wenn die Geschichten in anderer Form schon in meinem Bücherregal zu finden sind, so verleiten mich häufig die zauberhaften Illustrationen zu einem weiteren Einkauf in der Buchhandlung meines Vertrauens.

In diesem Fall handelt es sich um drei klassische Märchen, deren Handlungen hinlänglich bekannt sind, wo die literarischen Fähigkeiten ihrer Schöpfer völlig außer Frage stehen und einen märchenhaften Lesegenuss garantieren. Vielmehr ist in diesen Fällen mein Augenmerk auf die Ausstattung der Bücher und die Kunst der Illustratorin gerichtet.

Der Knesebeck-Verlag erfreut den bibliophilen Märchen-Fan mit edlen Einbänden in Halbleinen, auf denen Figurinen u.a. in glamourösem Gold bzw. Silber abgebildet sind und so auf den Stil der Illustrationen schließen lassen. Die Finnin Sanna Annukka studierte an der „University of Brighton“ und entdeckte dort ihre Leidenschaft für den Siebdruck. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Illustratorin u.a. für die Zeitschrift „Vogue“ und der britischen Kaufhauskette „Selfridges“ und war ebenso als Designerin der finnischen Textil- und Modemarke „Marimekko“ tätig.

Und genau an diesem Stil fühlte ich mich erinnert – ohne Details aus der Vita der Künstlerin zu kennen – als ich einen ersten Blick in eines dieser Bücher warf: Die Illustrationen bestechen durch ihre sachliche Formgebung mit den geometrischen Elementen. Durch die Reduzierung in Form und Farbe wird der Blick bewusst gelenkt. Erst der zweite Blick offenbart Details, die „im Dunkeln“ bzw. im Hintergrund und somit beinah im Verborgenen wirken. Und doch bricht die Künstlerin immer wieder ihre selbst gewählte Form auf und sorgt für Abwechslung im scheinbar so sachlichen Gefüge. Ihre Kunstwerke gestaltet sie immer wohltuend harmonisch aus der Farb-Palette einer Farbfamilie und sind trotzdem alles andere als „farblos“. Im Gegenteil: „Bunt“ wird hier neu definiert!

Dabei bleibt sie dem märchenhaften Duktus der Vorlagen treu und schafft Bilder in einer beinah ätherische Reinheit: Eine wahre Freude voller Ästhetik und Poesie…!


erschienen bei Knesebeck/ ISBN: 978-3957282224 (Der Nussknacker), ISBN: 978-3868736311 (Der Tannenbaum/leider nicht mehr lieferbar) & ISBN: 978-3868738735 (Die Schneekönigin)

MONTAGSFRAGE #102: Welchen Einfluss haben Jahreszeiten auf dein Leseverhalten?

Im Großen und Ganzen üben die Jahreszeiten keinen nennenswerten Einfluss auf mein Leseverhalten aus: Ein schönes Buch weckt mein Interesse sowohl bei strahlendem Sonnenschein mit sommerlichen Temperaturen als auch unter der Kuscheldecke mit heißem Tee, während herbstliche Regenschauer ans Fenster prasseln. Jahreszeitliche Unterschiede konnte ich bisher nicht an mir feststellen. Entweder ich bin im Flow und inhaliere einen Schmöker nach dem anderen, oder mir steht gerade nicht der Sinn nach Lesen, dann lasse ich diese Phase geduldig an mir vorüber ziehen. Es kommt wie es kommt, und die Lektüre wird nach meiner momentanen Stimmung, persönlichem Interesse oder aus sonstigen Gründen ausgewählt, außer… (Ja, auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel!)

…außer die Advents- und Weihnachtszeit bricht an! Okay, das ist nun keine offizielle Jahreszeit – also betitle ich den Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Ende Januar mal als „Winter“. In dieser Zeit beschäftige ich mich gerne und ausgiebig mit Werken, die irgendetwas mit dem schönsten Fest des Jahres zu tun haben. Dies ist einerseits dem Umstand geschuldet, dass ich jedes Jahr aufs Neue auf meinem Blog unter der Rubrik „Lektüre zum Fest“ entsprechende Lese- und Schau-Werke vorstelle. Mit Begeisterung stöbere ich dabei durch die vielfältigen Verlagsseiten und wandere zu den unterschiedlichsten Genres: Da werden Erzählungen und Klassiker ebenso gewürdigt wie Gedichte und Romane. Es darf sowohl kriminalistisch als auch märchenhaft zugehen, und mit kindlicher Freude widme ich mich den Bilder-, Kinder- und Jugendbüchern.

Andererseits schöpfe ich als begeisterter Vor-Leser bei meinen Entdeckungen neue Ideen und Impulse für zukünftige Lesungen, die hoffentlich irgendwann wieder unter deutlich entspannteren Bedingungen stattfinden werden.

Bis dahin gilt es, geduldig zu warten und die Hoffnung niemals aufzugeben!

…und wie ist es bei Euch? Weist Eure Lese-Kurve jahreszeitlich bedingte Höhen und Tiefen auf?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.