[Rezension] Der Mond – Gedichte & Geschichten

„Träumereien sind der Mondschein der Gedanken“ Jules Renard

Der Mond: Er ist der hellste Himmelskörper am Nachthimmel und nimmt Einfluss auf Ebbe und Flut, ist geheimnisvoll und scheint uns gleichzeitig so vertraut. Viele Mythen ranken sich um ihn und seine scheinbaren Kräfte,…

…und er ist Inspiration für Generationen von Dichterinnen und Dichtern, von Geschichtenerzählerinnen und -erzählern!


Die schönsten Mondgedichte/ herausgegeben von Matthias Reiner/ mit Illustrationen von Reinhard Michl

Eine illustre Gesellschaft tummelt sich in diesem Gedichtband: Mascha Kaléko trifft auf Johann Wolfgang von Goethe, Erich Kästner steht neben Ulla Hahn, Frank Wedekind plaudert mit Friedrich Müller, und Christian Morgenstern teilt sich das Blatt mit Joachim Ringelnatz.

So spricht Guiseppe Ungaretti vom Mond als „Flaum des Himmels“, einem anonymen Dichter passieren sonderbare Dinge bei „dunkel wars, der Mond schien helle“, während Joseph von Eichendorff sich „wunderbar im Mondenschein“ von Nixen ins kühle Nass locken lässt.

So verschieden die genannten Dichterinnen und Dichter auch sind, sie haben eines gemeinsam: Sie widmen dem Mond ihre wunderschönen witzigen, poetischen und verführerischen Gedichte und schenken mir als Leser eine Fülle an sprachlichem Zauber.

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458200246


Mond – Geschichten aus aller Welt/ gesammelt von Christine Brand

Jedes Land, jedes Volk hat seine Märchen,…

…und in vielen dieser Märchen spielt der Mond eine entscheidende Rolle, nimmt Einfluss auf das Geschehen, ist Glücksbote oder Unheilbringer, und auch auf die Liebe scheint er einen mächtigen Reiz auszuüben.

Christine Brand ist für diese Märchensammlung literarisch weit gereist, hat uns von Nord bis Süd, von Ost bis West die schönsten Geschichten für diesen Band zusammen getragen: Wir finden wundervolle Märchen aus Serbien, Nigeria, Brandenburg, China, Brasilien, Indien, Spanien und Frankreich ebenso wie Überlieferungen der Aborigines Australiens, der Massais Kenias oder der Indianer Nordamerikas.

Und alle Geschichten eint die Erkenntnis, dass die moderne Wissenschaft zwar viele Phänomene des Mondes erklären kann, sein Zauber davon aber ungebrochen bleibt und bleiben wird!

erschienen bei Unionsverlag/ ISBN: 978-3293004986


HINWEIS an alle Romantiker: Heute ist Vollmond!!!

MONTAGSFRAGE #8: Leihst du Bücher aus Bibliotheken aus? Wenn ja: warum? Wenn nein: warum nicht?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Leihst du Bücher aus Bibliotheken aus? Wenn ja: warum? Wenn nein: warum nicht?

Nein, ich leihe keine Bücher aus Bibliotheken aus! Aber über das Warum habe ich mir noch keine ernsthaften Gedanken gemacht. Vielleicht sollte ich es nun…

(Grübel!)

Wir haben hier vor Ort eine tolle Stadtbibliothek, die ich sogar schon betreten habe (Applaus!), um Karten für eine Lesung zu erwerben (Die Lesung fand dann allerdings in der angrenzenden Mensa statt). Neugierig bin ich bei dieser Gelegenheit durch die Reihen geschlendert, habe mir das dortige Angebot angesehen und fand, dass dies eine wichtige Einrichtung ist. Auf den Gedanken, mir ein Medium dort zu leihen, bin ich nicht gekommen.

Als Kind und Jugendlicher habe ich unsere kleine Gemeindebücherei in meinem Heimatort geliebt. Anfangs war sie sogar in zwei Klassenräumen in meiner Schule untergebracht. Da meine Eltern nicht über die finanziellen Mittel verfügten, mich mit ausreichend Lesestoff zu versorgen, war die Gemeindebücherei mein Buch-Paradies, mein Lese-Eldorado, mein Zufluchtsort! Zumal die Ausleihe für Kinder und Jugendliche damals noch kostenfrei war. Wahrlich paradiesisch…!

Bei meiner Ausbildung zum Krankenpfleger nutzte ich natürlich meine eigenen Fachbücher, und auch bei meinen Fortbildungen bei denen am Schluss eine Facharbeit erarbeitet werden musste, griff ich lieber tief in den Geldbeutel, habe mir die nötige Literatur angeschafft und konnte hemmungslos und nach Herzenslust die Texte markieren und Randnotizen machen.

Auch zur Vorbereitung auf eine Lesung greife ich prinzipiell zum Eigen-Buch: Nach einem Textstudium sind die Seiten eines Buches bei mir zwangsläufig nicht mehr „unberührt“.

Ich glaube, es ist nur verständlich, warum in den oben genannten Situationen, Leih-Bücher für mich keine vorteilhafte Wahl darstellen.

Doch neben dem beruflichen und öffentlichen Lesenden gibt es ja auch noch den privaten Lesenden: Rein theoretisch könnte ich mir meine Lektüre in einer Bibliothek entleihen. Aber ich tue es nicht…!

Ich tue es nicht, da ich ein Stimmungsleser bin! Auf meinem Regalbrett der ungelesenen Bücher befinden sich zwischen 15 und 20 Exemplare dieser Gattung (die Anzahl ist Schwankungen unterworfen). Einige Bücher stehen dort schon seit Jahren – nicht, weil sie „schlecht“ sind: sonst hätte ich sie ja nicht käuflich erworben – sondern weil ich für sie noch nicht in Stimmung war. Da bin ich wie eine verschnupfte Geliebte, die ihrem fordernden Liebhaber zuhaucht „Heute nicht, Schatz! Ich habe Migräne!“

Ich entscheide dann äußerst spontan, welchem literarischen Liebhaber ich gnädig meine Gunst gewähre. 💞


…und zu welcher Kategorie tendiert Ihr? Eigen-Buch oder Leih-Buch?

[Musical] Andrew Lloyd Webber – SUNSET BOULEVARD / Stadttheater Bremerhaven

Musical von Andrew Lloyd Webber / Buch und Liedtexte von Don Black & Christopher Hampton / nach dem gleichnamigen Film von Billy Wilder / Deutsch von Michael Kunze

Premiere: 22. September 2018 / besuchte Vorstellung: 7. Oktober 2018 / Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus

Musikalische Leitung: Ektoras Tartanis
Inszenierung: Ansgar Weigner
Choreographie: Lidia Melnikova
Bühne & Kostüme: Barbara Bloch

Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández


„Ich bin groß! Es sind die Filme, die klein geworden sind!“

Billy Wilders schonungslose Abrechnung mit der Glitzerwelt Hollywoods hat ihm nicht nur Freunde beschert. Ganz im Gegenteil: Nach der Premiere des Films im Jahre 1950 stürzte Louis B. Mayer auf ihn zu: „Sie Bastard, sie haben die Industrie, die sie gemacht und ernährt hat, in den Dreck gezogen. Man sollte sie teeren und federn und aus der Stadt jagen!“ Billy Wilders Antwort fiel sehr kurz aus: „Fuck you!“

Heute gilt der Film, laut dem American Film Institute, zu den zwölf besten amerikanischen Filmen aller Zeiten.

Bei der Umsetzung des Films zum Musical waren die Macher gezwungen, sich eng am Original zu halten. Dies ist im Musical deutlich zu spüren: Ganze Textpassagen wurden 1 zu 1 übernommen oder fanden in den Songtexten ihre Entsprechung. Das Buch ist atmosphärisch dicht und psychologisch klug durchdacht. Lloyd Webber schuf eine symphonische, sehr theatralische Musik mit großen dramatischen Arien, gefühlvollen Songs und lebhaften Chornummern.

Die musikalische Seite war bei dem 1. Kapellmeister und stellvertretende Generalmusikdirektor des Hauses Ektoras Tartanis in den allerbesten Händen. Mit straffen Dirigat führte er das Philharmonische Orchester Bremerhaven durch diese vielseitige Partitur und sorgte für einen äußerst würdigen musikalischen Rahmen dieses anspruchsvollen Musicals.

Ansgar Weigner konnte am Stadttheater auf ein talentiertes Haus-Ensemble zurückgreifen, schuf eine sehr stringente Inszenierung mit flüssigen – beinah filmischen – Übergängen, in der Raum für große Ensembleszenen war, aber auch die intimen Momente sehr detailliert erarbeitet wurden. Weigner hat es sogar geschafft, den von mir so häufig gescholtenen Opern-Chor zu einem homogenen Ensemble zu formen, der auch in solistischen Partien überzeugen konnte.


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Die 4 Hauptakteure boten sehr gute bis grandiose Leistungen:

Patrizia Häusermann gelang es der eher blassen Rolle der Betty Schaefer ein deutliches Profil zu verleihen, indem sie sie als selbstbewusste, moderne Frau porträtierte, und überzeugte mit Spiel und Stimme. Bravo!

Vikrant Subramanian war als Joe Gillis eher der Sunny Boy als der Zyniker, sang hervorragend, hatte leider Probleme mit der Textverständlichkeit, konnte sich zum Schluss im Spiel aber deutlich steigern.

Andrea Matthias Pagani überzeugte als stets kontrollierter und rational handelnder Max von Mayerling, gleichzeitig ließ er durch diese Fassade den fürsorglichen Vertrauten von Norma durchschimmern und konnte mit seinem flexiblen Bariton beindrucken und begeistern.

Der Star des Abends war aber Sascha Maria Icks. Sie lebte die Norma Desmond zwischen Größenwahn und Naivität, zwischen Egoismus und Mitleid, zwischen schnoddriger Göre und glamouröser Diva. Jeder ihrer Auftritte war pure „Starquality“ mit großen Gesten „bigger than life“. Schon bei ihrem ersten Song „Nur ein Blick“ bekam ich Gänsehaut. Nach ihrer dramatischen Schluss-Szene, in der sie dem Wahnsinn verfallen die Treppe herunterschreitet und mit brüchiger Stimme nochmals „Nur ein Blick“ anstimmt, hielt es uns zum Schluss-Applaus nicht mehr auf unseren Sitzen.

Diese großartige Leistung für ein kleines Haus musste belohnt werden: Standing Ovation!

„…uns dankt die Welt Träume aus Licht!“


SUNSET BOULEVARD wird am Stadttheater Bremerhaven noch bis zum Ende der Spielzeit 2018/19 gezeigt. Es lohnt sich!

[Rezension] Wilson Collison – Die Nacht mit Nancy

Anfang der 30er Jahre, ein abgelegenes Landhaus an der Ostküste der USA, eine Wochenend-Hausparty und ein lauter Schrei in der Nacht: Im Schlafzimmer der jungen, attraktiven Nancy stehen gleich 3 Männer – im Pyjama. Die sittenstrenge Hausherrin ist empört und verlangt Aufklärung: Warum hat Nancy geschrien? …und was haben die 3 Männer in ihrem Schlafzimmer zu suchen?

So werden – einem Krimi gleich – die Fakten nach und nach aufgedeckt. Details kommen zu Tage, und Geheimnisse werden gelüftet. Als der Morgen graut steht fest, dass jede und jeder (auch die Hausherrin selbst) ein kleines pikantes Geheimnis zu verbergen versucht.

Wilson Collison ist im Jahre 1933 ein amüsantes Sittengemälde der US-Mittelschicht gelungen:

Auch wenn kein Verbrechen verübt wurde, so ist der Roman wie ein Krimi aufgebaut, spielt in nur einem Raum während eines überschaubaren Zeitraumes und lebt von den „Geständnissen“ der Protagonisten – ein verführerisches Opfer, div. undurchsichtige Verdächtige und ein gewiefter Ermittler.

„Die 12 Geschworenen“ einmal anders: witzig, raffiniert und kokett!!!

P.S.: Bitte nicht vom Pin-Up-Cover verschrecken lassen – die beteiligten Personen tragen ganz züchtig Morgenrock oder Negligee.


erschienen bei Louisoder/ ISBN: 978-3944153322

[Rezension] Rainer Moritz – Der schönste Aufenthalt der Welt: Dichter im Hotel/ mit Fotografien von Andreas Licht

„Ich sterbe über meine Verhältnisse.“ Oscar Wilde

Was haben Simone de Beauvoir, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann gemeinsam? Alle diese bekannten Dichterinnen und Dichter haben eine Zeit ihres Lebens in einem Hotel verbracht. Selbstverständlich nicht in einem X-beliebigen Hotel – Nein! – es waren für diese Dichter inspirierende Häuser, die sie beherbergt haben.

Reiner Moritz nimmt uns mit auf eine kulturelle Reise durch Länder und Epochen, öffnet für uns die Eingangstüren von 17 außergewöhnlichen Hotels und lässt uns an deren Zauber teilhaben. Er plaudert gewohnt kurzweilig aus dem „Nähkästchen“ mit seinen vielen Geschichten rund um Literatur und Lebensart – und vergisst auch nicht, den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel mit seinen vielfältigen Einflüssen unerwähnt zu lassen.

Dank der großartigen Fotos von Andreas Licht konnte ich die Faszination dieser Häuser nachempfinden und aufgrund eigener Erfahrung durchaus auch bestätigen.

Dabei haben neben den großen, renommierten Häusern wie Hotel Sacher in Wien oder das L´Hôtel in Paris auch kleinere Häuser ihren Platz in diesem Buch, wie zum Beispiel „unser“ Lieblingshotel in Hamburg: Nachdem wir mehrere Übernachtungsmöglichkeiten ausprobiert (…z.T. auch „ertragen“) hatten, haben wir endlich unseren „Hafen“ in Hamburg gefunden! Darum verzeihen Sie mir bitte die Werbung:

„In jedem Hotel leuchtet Dir heute ein Apfel entgegen. Ich wasche oder schäle diesen Apfel in jedem Hotel. Im Wedina esse ich ihn einfach.“ Martin Walser

 …ein wunderbares „Coffee Table Book“, das ich immer wieder gerne zur Hand nehme, um darin zu blättern und zu schmökern!


erschienen bei Knesebeck/ ISBN: 978-3868736151

MONTAGSFRAGE #7: Schreibst du überwiegend Rezensionen über Bücher, die dir gefallen, oder auch über Bücher, die dir nicht gefallen?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Schreibst du überwiegend Rezensionen über Bücher, die dir gefallen, oder auch über Bücher, die dir nicht gefallen?

Och, die Beantwortung dieser Frage ist jetzt ganz einfach: Ich zitiere mich einfach selbst aus Was sonst noch? und „fertig ist die Laube“ – Naja! Beinah…

„Mir wurde schon häufig „vorgeworfen“, dass ich ja immer nur positive Rezensionen verfassen würde. Ja, das stimmt! Die Antwort ist ganz einfach: Bücher, die mir nicht gefallen, lese ich nie bis zum Ende! Warum sollte ich meine kostbare Zeit mit dem Lesen von diesen Büchern verschwenden?

Wobei ich explizit darauf hinweisen möchte, dass ich diese Bücher generell nicht für „schlecht“ halte. Dieses vernichtende Urteil maße ich mir nicht an. Ein Buch, das mir nicht gefällt, kann selbstverständlich den Geschmack eines anderen Lesers durchaus treffen.

Darum würde ich auch nie einer positiven Rezension dieses Buches durch einen begeisterten Leser widersprechen. Wer bin ich denn, dass ich die Einschätzung eines anderen Menschen in Frage stelle?“

Lesen ist für mich Leidenschaft (…klingt abgedroschen, beschreibt es aber treffend): Warum sollte ich meine Leser aufrufen, ein Buch nicht zu lesen? Viel lieber schreie ich es laut hinaus, wenn ein Buch für mich ganz wunderbar ist: „Unbedingt lesen, bitte!“

Ich möchte meine Leser animieren, DASS sie lesen – nicht, dass sie NICHT lesen!

Darum gibt es bei mir nur positive Rezensionen!

Was macht der passionierte Buch-Blogger, wenn er verpflichtet ist, ein Statement zu einem Werk, das ihm absolut nicht gefällt, abzugeben? Diese Verpflichtung spüre ich immer dann, wenn mir von einem Verlag oder direkt von einem Autor ein Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt wurde.

Da ich mich nach (lächerlichen) 3 Monaten immer noch als Greenhorn in diesem Metier bezeichnen würde, kam ich bisher glücklicherweise noch nicht in diese prekäre Lage: Bisher haben mir die zur Verfügung gestellten Romane gefallen (Schwein gehabt!), und dies habe ich auch voller Überzeugung hier und dort kundgetan.

Nur WAS tun, WENN nicht…?

Dafür habe ich mir auch eine Strategie zurecht gelegt: Ich schreibe den Verlag/ Autoren an und bitte, von einer Rezension von mir Abstand zu nehmen. Natürlich würde ich dies entsprechend begründen…!

Ich glaube, weder ein Verlag und noch ein Autor sind erpicht darauf, auf Internet-Portalen negative Rezensionen zu ihren Werken zu finden, die Einfluss auf potentielle Käufer nehmen und somit die Verkaufszahlen schmälern könnten.

Zudem empfinde ich einige der dortigen Bewertungskriterien als fragwürdig, und etliche der dort zu findenden „Rezensionen“ haben diese Bezeichnung nicht verdient,…

…aber das ist ein ganz anderes Thema und wird vielleicht noch an anderer Stelle zu anderer Zeit erörtert!


…und wie handhabt Ihr es? Ich bin schon gespannt auf Eure Strategien!

 

[Rezension] Heinz Erhardt – Die Gedichte/ mit Illustrationen von Jutta Bauer

Da ist er wieder – dieser Schelm! Kein anderer Humorist seiner Generation konnte so schön mit Worten spielen, aus Nichtigkeiten eine Pointe spinnen und Reime zum Schütteln bringen.

Dabei spielte natürlich auch seine unnachahmliche Art des Vortrags eine immense Rolle: sein unschuldig-naiver Blick, die hängenden Schultern und die wie zufällig gewählte Betonung der Worte.

In diesem Band sind nun erstmals alle seine Gedichte versammelt und mit kleinen, witzigen Illustrationen von Jutta Bauer verschönt.

Sie alle warten auf ihre Wieder- und Neuentdeckung: Selbstverständlich darf „Die Made“ nicht fehlen, aber auch die gereimten Geschichten um „Ritter Fips von Fipsenstein“ und die Sammlung Gedichte „In vier Zeilen“ sind ein Fest-Schmaus vom Großen der humoristischen Reime.

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So verpackte Heinz Erhardt die Tücken des Alltags, das Lieb & Leid in den Beziehungen der Geschlechter und allerlei Getier jeglicher Größe in seine Reime und beschert mir, dem geneigten Leser auch in der gedruckten Form eine Fülle an köstlichen Bonmots und witzigen Wortspielereien.

Er war eben ein wahrer Schelm!

erschienen bei Lappan/ ISBN: 978-3830334057

Rainer Maria Rilke – HERBST

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

[Rezension] Finn-Ole Heinrich – Frerk, du Zwerg!/ mit Illustrationen von Rán Flygenring

„Frerk, du Zwerg!“ rufen die Kinder auf dem Schulhof hinter ihm her. Dabei ist er gar nicht besonders klein – auch nicht besonders groß. Aber es reimt sich,…

…und außerdem ärgern die Kinder ihn gerne – besonders Andi Kolumpeck: Nur weil er aussieht wie sein Vater und gekleidet ist wie sein Vater – dafür sorgt schon seine Mutter. Hätte er einen Hund – einen großen, einen riesengroßen – dann würden die Kinder und besonders der Andi nicht so mit ihm umspringen. Aber einen Hund darf er nicht haben – auch dafür sorgt schon seine Mutter, die hat Allergie und Migräne und auch sonst so allerlei. Das Leben könnte so richtig doof sein, hätte er nicht dieses pelzige Ei gefunden, aus dem bald 5 wunderliche Zwerge schlüpfen…!

…mit Hilfe dieser Zwerge strampelt Frerk sich frei: Er ist nicht mehr das Opfer auf dem Schulhof! Er ist nicht nur die kleinere Kopie seines Vaters! Er muss nicht verhätschelt werden von seiner Helikopter-Mutter. Er ist eine eigenständige Persönlichkeit.

Bunte Bilder, niedliche Illustrationen, possierliche Texte und sonstigen Kinderbuch-Mainstream sucht man bei Finn-Ole Heinrich vergeblich. Sein erstes Kinderbuch ist kantig, es darf kantig sein – das Leben ist eben kantig – auch das Leben eines Kindes – kantig aber nicht hoffnungslos,…

…denn Kinder sind stark, Kinder haben Fantasie.

Fantasie hat auch Rán Flygenring, die schnörkellose und doch detailreiche Illustrationen kreiert.

Fantasie hat natürlich auch Finn-Ole Heinrich, der wunderbar mit Worten spielt, mit seinen Formulierungen Bilder im Geiste des Lesers erschafft und neue Wort-Kreationen erfindet:

„Lach doch mal, lach doch einfach mal, krach drupf murl, im bruzzten rächtäch lurlt brunt wirlt! – Brät! Brät!“

Ein Plädoyer für starke, selbstbewusste und selbstbestimmte Kinder!!!

erschienen bei Bloomsbury/ ISBN: 978-3827054760

MONTAGSFRAGE #6: Was ist dein ultimativer Trick, um mehr und regelmäßiger zu lesen?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Was ist dein ultimativer Trick, um mehr und regelmäßiger zu lesen?

Ohje! Trick! Gibt es einen?

Im Laufe der Jahre habe ich an mir wahrgenommen, dass meine Lese-Motivation in Schüben auftritt.

Es gibt Zeiten, da lese ich ein Buch nach dem anderen einfach so weg: Kaum liegen die Liebenden sich küssend in den Armen, begebe ich mich mit einem gewieften Kriminalen auf die Suche nach einem schändlichen Mörder, nur um wenig später „Zurück in die 70er“ zu switchen, um meine Pubertät wieder zu durchleben und -leiden. Dies geschieht mit einer solch unbeschwerten Leichtigkeit und gänzlich ohne Tricks und Kniffe – ich fühle mich wohl und bin einfach im Flow…!

Dann gibt es Phasen, da liegen die Bücher griffbereit auf dem Couchtisch, setzen Staub und Spinnenweben an und fristen ein Dasein der Nichtbeachtung. Ich kann dann nicht lesen!

Ich habe in diesen Phasen sehr viel um die Ohren. Mein Stresspegel leidet unter einem extremen Ausschlag. Da hat mein Hirn keine freien Kapazitäten mehr übrig – auch nicht für „leichte Lektüre“: Selbst diese ist mir zu SCHWER. Alle Versuche, trotzdem „unter Zwang“ zu lesen, gingen bisher gnadenlos und auf direktem Wege in die Hose. Nichts vom Gelesenen bleibt im Schädel haften: Ein absolut frustrierender Zustand!

Lesen unter Zwang ist (`  tschuldigung) Kacke (!) und die beste Möglichkeit, meine Freude und meine Lust am Lesen zu verlieren! DAS DARF NICHT GESCHEHEN!!!

Zum Glück bin ich nun in einem Alter, in dem ich – dank Erfahrung – die nötige Geduld habe, die 2. Phase einfach verstreichen zu lassen. Und – Schwupp! – ehe ich mich versehe, bin ich wieder in die 1. Phase gerutscht: Halleluja!

Tricks brauche ich nicht. Es ist eben, wie es ist!


…und was meint Ihr? Gibt es DEN ultimativen Trick? Ich lasse mich gerne überzeugen!