[Noch ein Gedicht…] Mascha Kaléko – ANSPRACHE EINES BÜCHERWURMS

Der Kakerlak nährt sich vom Mist,
Die Motte frißt gern Tücher,
Ja selbst der Wurm ist, was er ißt.
Und ich – ich fresse Bücher.

Ob Prosa oder Poesie,
Ob Mord- ob Heldentaten –
Ich schmause und genieße sie
Wie einen Gänsebraten.

Ich bin ein sehr belesener Herr,
Nicht wie die anderen Viecher!
Daß Bücher bilden, wißt auch ihr,
Und ich – ich fresse Bücher.

Die Nahrung, sie behagt mir wohl,
Verleiht mir Grips und Stärke.
Was andern Wurst mit Sauerkohl,
Das sind mir Goethes Werke.

Ich fraß mich durch die Literatur
So mancher Bibliotheken;
Doch war`  n das meiste, glaubt es nur,
Bloß elende Scharteken.

Das Bücherfressen macht gescheit.
So denken sich`  s die Schlauen.
Doch wer zuviel frißt, hat nicht Zeit,
Es richtig zu verdauen.

Drum lest mit Maß, doch lest genug,
Dann wird`  s euch wohl ergehen.
Bloß Bücher fressen macht nicht klug!
Man muß sie auch verstehen.

Mascha Kaléko

[Rezension] Hans Jürgen Press – Mein Dezemberbuch

Die Advents- und Weihnachtszeit: voller Lichter und Glanz, voller Kitsch und Kommerz, voller Überfluss und doch nie das Passende, voller heimeliger und stressiger Momente. Wie in jedem Jahr wird „Last Christmas“ sich aus Radio-, Kaufhaus- und Fahrstuhl-Lautsprechern über uns ergießen, bis wir das Gefühl haben, unsere Ohren müssten bluten.

Und doch verspüre ich in jedem Jahr erneut die (Vor-)Freude auf diese Zeit. Auch ich gebe mich der Versuchung hin und beginne zu dekorieren, zu backen und zu basteln. Dabei schweifen meine Gedanken ab und wandern zu den Weihnachtsfesten der Vergangenheit. In meiner Kindheit war es noch gang und gäbe, die Geschenke für die Familie selbst herzustellen: Gekauftes war verpönt und wurde auch nicht von mir als Kind erwartet. Während ich heute zunehmend das Gefühl habe, die Zeit verfliegt wie im Fluge viel zu schnell, konnte es mir als kleiner Steppke nie schnell genug gehen bis zum Heiligabend. Ein Buch mit „Spiele und Rätsel für die Weihnachtszeit“ zum Zeitvertreib hätte mir damals außerordentlich gut gefallen.

Bei meiner Recherche zur diesjährigen „Lektüre zum Fest“ stolperte ich über „Mein Dezemberbuch“ von Hans Jürgen Press. Press war der Schöpfer von Die Abenteuer der „schwarzen hand“, die ich damals zu Helden meiner Kindheit erkor. Seitdem bin ich ein Fan seiner Kunst, die darin besteht, innerhalb eines einzigen Bildes eine ganze Welt, eine ganze Geschichte entstehen zu lassen. Dabei sind Press’ Illustrationen durchaus gefällig aber nicht verniedlichend: Sie bilden in kindgerechter Form die damalige Alltags-Realität ab. Seine Zeichnungen strotzen vor charmanten Details und verlieren auch beim wiederholten Betrachten nichts von ihrem Reiz.

In „Mein Dezemberbuch“ versammelt er jeweils auf einer Doppelseite für jeden Tag des Monats eine Fülle an Bastel- und Spielideen, Experimente, Rätsel und Zaubertricks sowie Such- und Wimmelbilder.

Ich sitze auf dem Sofa und versinke in diesem Buch, suche begeistert noch der Lösung in einem Wimmelbild, erfreue mich an den vielen Details und staune über die lehrreichen Rätsel. Beim Betrachten der Bilder macht sich ein Hauch Wehmut in mir breit: Dieses Buch ist für mich pure Nostalgie! Erstmals im Jahre 1984 im damals sehr beliebten Ravensburg-Verlag erschienen, spiegelt es eine völlig andere Zeit, eine völlig andere Wirklichkeit wieder. Damals war nicht unbedingt alles besser, nur anders…!

Damals gab es weder Handy noch Spielekonsole, vor denen die Kinder „geparkt“ wurden. Für die Basteleien und Experimente hätten wir kein elektrisches Equipment benötigt und so mit „weniger“ sehr viel Spaß gehabt!

Dies soll nicht bedeuten, dass ich das Rad der Zeit zurückdrehen und lieber wieder in der Vergangenheit leben möchte. Aber „Mein Dezemberbuch“ von Hans Jürgen Press erinnerte mich auf liebenswerter Weise daran, dass es auch noch heute „einfacher“ und gerne ein wenig schlichter sein darf!


erschienen bei cbj/ ISBN: 978-3570225769

[Literatur & Artverwandtes] BÜCHERSTÖBERN / Buchhandlung „die schatulle“ Osterholz-Scharmbeck

Bücherstöbern am 14. November 2020 / Buchhandlung „die schatulle“ in Osterholz-Scharmbeck


In diesem Jahr wird die Weihnachtszeit und somit das Weihnachtsgeschäft „dank“ Corona anders verlaufen als in den vergangenen Jahren: Maskenpflicht, Abstandsregelung und max. Anzahl der Kunden im Laden mit evtl. Wartezeit weiterer Kunden vor der Tür lassen einen „mal eben schnellen“ Einkauf der Weihnachtsgeschenke nicht zu. Aber auch ein ausführliches Stöbern im Buchladen wird dem Bücherjunkie mit dem Wissen, dass vor der Ladentür weitere Kunden auf Einlass warten, verleitet.

„Besondere Zeiten erfordern besondere Ideen“

Die Gartmann-Schwestern von der Buchhandlung „die schatulle“ haben darum Altbewährtes mit Neuem kombiniert (Plakat: siehe unten) und bieten ihren Kundinnen und Kunden einen besonderen Service an.

Als ich von dieser Aktion erfuhr, war ich so begeistert, dass ich umgehend eine Anfrage zu Ute Gartmann schickte – natürlich mit meinen ganz persönlichen Extrawünschen:
„Hi Ute, könnte ich auch die erste mit der zweiten Idee kombinieren: Wir kommen an einem Samstag mit bis zu 10 Personen nach Ladenschluss von 13:00-15:00 Uhr und stöbern in aller Ruhe. Ihr seid dabei, um Fragen zu beantworten oder Anregungen zu geben…! Möglicher Termin: 14. November??? Gruß Andreas“

Utes Antwort fiel zwar knapp doch eindeutig freudig aus:
„Perfekt und notiert!“

Mitstreiter*innen für das Bücherstöbern waren schnell gefunden, und so freute ich mich wochenlang auf dieses Treffen und fieberte dem Tag entgegen. Doch dann kam der Lockdown, und in mir keimte die Angst, dass ihm auch unser Bücherstöbern zum Opfer fallen könnte. Doch die Gartmann-Schwestern sorgten vor und informierten sich beim hiesigen Gesundheitsamt, das die erhoffte Entwarnung gab: Unter Einhaltung der Maskenpflicht und der Hygiene- und Abstandsregelung sprach nichts gegen die Durchführung dieser Veranstaltung.

Und so trafen sich sechs erwachsene Buchbegeisterte + das liebste Patenkind der Welt für ein Bücherstöbern der individuellen Art. Zwei Stunden stromerten wir durch die Buchhandlung und stöberten durch unzählige Bücher. In der Ecke mit den Bilderbüchern saß das Patenkind mit Papa ganz in einem Buch über Dinosaurier vertieft, während Mama bei den Romanen fündig wurde. Eine Freundin war beim Regal mit den Ratgebern verschwunden und ward für einige Zeit weder gesehen noch gehört. Ein Freund inspizierte interessiert die Krimi-Literatur und fachsimpelte wenig später mit Patenkinds-Papa über das literarische Werk von Terry Pratchett. Mein Göttergatte wanderte durch den Buchladen von Nord nach Süd, von West nach Ost und trug Historisches, Satirisches, Biografisches und/oder Kulturgeschichtliches von Ken Follett, Lisa Eckhart, Katja Ebstein und Elke Heidenreich zusammen. Doch auch meine Ausbeute war ähnlich vielseitig: Etlichen Postkarten, Weihnachtsgeschichten, „blutrünstige“ Märchen und ein frankophiler Krimi landeten ebenso auf meinem Bücherstapel wie das eine oder andere Kinderbuch, das seinen Weg in naher Zukunft als Geburtstags- bzw. Weihnachtsgeschenk zum liebsten Patenkind der Welt finden wird. Diese Vorgehensweise musste natürlich so tückisch hinterrücks und somit vom Patenkind unbemerkt erfolgen. Doch auch er verließ den Laden nicht mit leeren Händen: Selbstverständlich durfte er sich ein Bilderbuch aussuchen und dieses mit nach Hause nehmen.

Wir plauderten und lachten, zeigten uns unsere Schätze und gaben uns gegenseitig Lese-Tipps. Und es herrschte Einigkeit, dass wir besonders in diesen außergewöhnlich herausfordernden Zeiten entspannte Momente des Miteinanders dringend brauchen.

Buchhändlerin Ute Gartmann stand uns bei Fragen kompetent zur Seite, agierte ansonsten dezent im Hintergrund und ließ uns nach Herzenslust stöbern.

„Liebe Ute, herzlichen Dank, dass Du uns diesen wunderbaren Nachmittag ermöglicht hast!“

plakat_ideen_corona


Weitere Informationen findet Ihr auf der Homepage der Buchhandlung „die schatulle“. Aber bestimmt bietet auch eine Buchhandlung in Eurer Nähe tolle Aktionen an: Einfach hingehen und fragen! Buy Local!

MONTAGSFRAGE #100: Welche Frage würdet ihr in Zukunft gern gestellt sehen?

Erstaunlich: Heute stellt uns Antonia die einhundertste MONTAGSFRAGE! Beinah schon einem Ritual gleich gehört die Beantwortung der MONTAGSFRAGE für meinen Wochenstart einfach dazu. Auch wenn die eine oder andere Frage mir einen Schrei der anfänglichen Hilflosigkeit entlockte und mich kurzzeitig überlegen lies, diesmal zu pausieren. Doch ich habe nicht klein bei gegeben, sondern mich der Herausforderung jeder Frage gestellt und Euch eine mehr oder weniger originelle Antwort präsentiert. In der Zwischenzeit (im Laufe der Jahre) ist sogar der Ehrgeiz in mir erwacht, eine lückenlose MONTAGSFRAGE-Bilanz vorzuweisen…

…somit ist es nicht nur Antonias 100. Frage sondern auch meine 100. Antwort!

Ich finde, zu diesem feierlichen Ereignis darf gerne auch mal eine Fanfare ertönen:


Nachdem ich nun eine Träne der Ergriffenheit von meinem Auge (dem rechten) getupft habe, lasst uns der Jubiläumsfrage zuwenden: Diesmal stellt Antonia uns eine Frage über die Fragen…!

…und auch diesmal kann/will/möchte/muss ich mich selbst zitieren:

„Liebe Antonia, ich selbst möchte keine Fragen stellen. Vielmehr genieße ich sehr den Umstand, dass mir die Fragen gestellt werden. Auch wenn subjektiv betrachtet bei jeder zweiten Frage meine Schreie durch die Hallen hallen (😉), so beantworte ich sie mit äußerster Freude: Geben die Antworten doch so einiges von meiner Persönlichkeit preis, und ich bin mir sicher, dass gerade dieser Umstand den besonderen Reiz dieser Rubrik ausmacht.

Darum: Ich wünsche mir weiterhin Fragen, die mir einen Schrei entlocken, meinen Denkkasten zum Rappeln bringen und auf gar keinem Fall „mal eben“ zu beantworten sind. Aus dem Alter, in dem mir „Ja-Nein-Vielleicht“-Fragen gestellt wurden, bin ich glücklicherweise entwachsen und nun durchaus in der Lage, komplexere Sätze zur Beantwortung zu bilden.“

Liebe Antonia, so sende ich Dir nun meinen herzlichen Dank für die vielen, tollen Fragen rund um das Buch, die Literatur und das Bloggen und freue mich sehr auf die nächsten „gemeinsamen“ Einhundert: Bei der Zweihundert lassen wir dann die Korken tüchtig knallen!

…aber vielleicht habt Ihr ja Fragen, die Ihr unbedingt beantwortet haben möchtet? Ich freue mich auf Eure Vorschläge!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Reginald Hill – Mord in Dingley Dell

„Träumen auch Sie von einem idyllischen Weihnachtsfest auf dem Lande zu Zeiten von Charles Dickens? Nach einem erfolgreichen Morgen auf der Jagd oder einer inspirierenden Kutschfahrt durch die urwüchsige Natur genießen Sie am prasselnden Feuer des Kamins wohlschmeckende Leckereien. Freuen Sie sich auf stimmungsvolle Feiertage im authentischen Ambiente von Dingley Dell…!“

So oder ähnlich hätte der Text der Werbebroschüre für diese „Dickens‘sche Weihnacht“, in das die junge Engländerin Arabella Allen unfreiwillig geraten ist, lauten können. Eine sowohl illustre wie internationale Gästeschar hat sich im Landsitz Dingley Dell versammelt. Der Gastgeber Jack Wardle verspricht zusammen mit dem designierten Experten Oscar Boswell ein Dickens‘sches Weihnachtsfest bis ins Detail. Doch wie passt der Tote, über den Isabella schon am ersten Abend stolpert, ins Bild. Als der Gastgeber auf mysteriöse Weise verschwindet, und ein Schneesturm den Kontakt von Dingley Dell zur Außenwelt abschneidet, wird schnell deutlich, dass einige Gäste nicht die sind, die sie vorgeben zu sein. Arabella Allen und Oscar Boswell finden sich unversehens in einer verzwickten Spionage-Affäre wieder…!

Wow, es passiert so einiges in diesem Roman aus dem Jahr 1972, der nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Er beginnt wie ein typischer englischer Krimi und bietet die allzeit beliebten wie ebenso typischen Ingredienzien dieses Genres. Doch im Laufe der Handlung änderte sich die Stimmung des Romans: Die heimelige Weihnachtskulisse entpuppte sich zum veritablen Agenten-Thriller mit Industriespionage, wilden Schießereien, Verfolgungen durch das Schneegestöber und einer Jagd mit Helikopter. So musste ich mich von meiner Erwartung auf einen traditionellen Weihnachtskrimi verabschieden. Dafür schienen James Bond und Konsorten mir „Grüße!“ zu schicken. 

Jede Person stand per se unter Verdacht, sich hinter einer falschen Identität zu verstecken. Selbst den beiden Hauptpersonen traute ich nicht über den Weg und rechnete ständig mit einer Überraschung, die noch im Hinterhalt zu lauern schien. Die Figuren werden durchaus ambivalent porträtiert, sodass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich sie nun sympathisch oder doch eher unsympathisch finden sollte – was übrigens ebenso für die Hauptpersonen galt. Zudem erschwerten die Menge der Geschehnisse und die Vielzahl an Personen und Identitäten es mir, den roten Faden nicht zu verlieren. Wie schon erwähnt: Es passiert eine ganze Menge,…

…und gerade weil so viel passiert, liest sich dieser Roman „einfach so weg“: Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass ich mich bei der Lektüre übermäßig gelangweilt hätte. Aber bei einer Handlung, die sich Seite für Seite, Schlag auf Schlag entwickelt bzw. verändert, besteht auch die Gefahr, dass wenig im Gedächtnis des Lesers haften bleibt. Zudem hatte es den Anschein, dass der Autor sein Augenmerk mehr auf „Action!“ und weniger auf eine tiefgehende Charakterisierung der Personen gerichtet hat.

Wer nun – auch aufgrund des Cover-Designs – einen gediegenen wie humorvollen Weihnachtskrimi erwartet, wird leider enttäuscht. Denn ebenso wie sich das Handlungspersonal hinter falschen Identitäten verbirgt, versteckt sich ein anderes Genre hinter diesem gefälligen Einband.


erschienen bei DuMont/ ISBN: 978-3832181406

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

 

[Anekdoten-Archiv] Warum die Liebesmüh vergeblich war…

Auszüge aus „tschik“ von Wolfgang Herrndorf/ Aktion zum Bundesweiten Vorlesetag in der KFZ-Zulassungsstelle in Osterholz-Scharmbeck


Die Gartmann-Schwestern von der Buchhandlung „die schatulle“ hatten eine Idee. Diese Idee war so genial wie einfach: Am Bundesweiten Vorlesetag warten wir nicht darauf, dass Zuhörer zu uns kommen, sondern wir gehen dorthin, wo potentielle Zuhörer schon vorhanden sind. So hatten die Gartmann-Schwestern einige Freiwillige organisiert, die sich bereit erklärten, in „öffentlichen Räumen“ wie z. Bsp. auf dem Bahnhof oder im Wartezimmer einer Hausarztpraxis vorzulesen.

So erreichte mich eine Nachricht von Ute Gartmann via facebook: „Hi Andreas, kannst Du am 11.11. so gegen 11.00 vorlesen? Damit Du es nicht so weit hast, dachten wir an die Zulassungsstelle.“ (An die Zulassungsstelle verknüpfte ich nur negative Erinnerungen: ungeduldige und unfreundliche Kunden, müde und genervte Angestellte…)

Mein 1. Gedanke: „Oh, nein! Nicht da!“
Mein 2. Gedanke: „Ich will tauschen…!“
Mein 3. Gedanke: „Hm! Das wäre jetzt ’ne Herausforderung…!“

11. November 2014: …und da ich mich durchaus Herausforderungen stelle, stand ich nun im Wartebereich der KFZ-Zulassungsstelle des Landkreises und las einen kleinen Ausschnitt aus Wolfgang Herrndorfs Roman „tschick“.

1503258_1_articlefancybox_5463d31848b69.jpg

Ich blickte in die irritierten, überraschten und/ oder genervten Gesichter der Wartenden und dachte: „Tschakka! Euch zeig’ ich’s! Ihr kommt jetzt in den Genuss einer 1A-Mini-Lesung – ob ihr wollt oder nicht!“. Sie wollten…

…nicht: Die Reaktionen der Wartenden tendierten gegen Null und waren nicht nur kaum wahrnehmbar – sie waren schlicht nicht existent!

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!

Darum: Wenigstens ich fand mich gut!!! 🤩

MONTAGSFRAGE #99: Wie nützlich findet ihr die Buchpreisbindung?

Für mich gilt das Buch als ein Kulturgut, und Kultur hat halt eben seinen Preis. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Maßstäbe die Menschen ansetzen, um zu beurteilen, was ein Gut kosten darf. Ohne Aufzumucken kippt der Mensch das teuerste Motorenöl in „des Deutschen liebstes Kind“, aber das für einen Roman, an dem viele Menschen bis zu seinem Erscheinen über Jahre hart gearbeitet haben, 20 Euro verlangt wird, erhitzt die Gemüter und wird als „zu teuer“ tituliert.

Ich bin davon überzeugt, dass wir hier in Deutschland keine so bunte und vielfältige Landschaft an unabhängigen Buchhandlungen hätten, wenn es die Buchpreisbindung nicht gäbe. Gerade diese unabhängigen Buchhandlungen sichern uns Leserinnen und Lesern eine breite Palette an ganz unterschiedlichen Publikationen, bei denen neben großen Verlagen auch die kleinen Indie-Verlage ihre Nische finden, und Literatur abseits des Mainstreams mit Enthusiasmus gepflegt wird. Ohne Buchpreisbindung würden Buch-Ketten und große Online-Anbieter den Markt beherrschen, die Preis diktieren und vornehmlich die Bücher anbieten, die sich möglichst massenkompatibel verkaufen lassen.

Jetzt höre ich schon die Unken rufen „Ja, aber wenn es keine Preisbindung gäbe, dann könnten auch Geringverdiener ein Schnäppchen unter den Neuerscheinungen machen!“. Ja, könnten sie, aber tun sie’s denn auch?! Ich kann da durchaus aus eigener Erfahrung sprechen, da es auch bei mir Zeiten gab, in denen ich finanziell nicht so rosig aufgestellt war. Trotzdem hatte ich immer ausreichend Lesestoff bei mir zuhause – dank Büchereien und Bibliotheken, Bücherschränke und -flohmärkte sowie den Online-Antiquariaten. Es waren nicht immer die aktuellsten Werke (Das war mir auch gar nicht so wichtig!), aber es waren immer Werke, die meinen Interessen entsprachen. Und auch hier bei den gebrauchten Büchern gab es eine Vielfalt an Themen zu entdecken und so mancher kurioser Schatz wurde von mir wieder ans Tageslicht befördert. Wer lesen will, findet Mittel und Wege!

Ich befürchte, dass ohne die Buchpreisbindung die Diversität in der Literatur auf der Strecke bleibt.

…und wie lautet Eure Meinung? Buchpreisbindung: Ja! 🔲 Nein! 🔲 Vielleicht! 🔲 Bitte ankreuzen! 😄


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Alex Lépic – Lacroix und die stille Nacht von Montmartre

Schnee fällt auf Paris und verwandelt die Seine-Metropole in eine weiße Winter-Weihnachts-Landschaft. Lichter erleuchten stimmungsvoll den beliebten Place du Tertre. Doch Moment: Wo am Tag zuvor noch die üppigen Lichterketten für weihnachtliches Ambiente sorgten, fehlt nun von ihnen jegliche Spur. Als Commissaire Lacroix vom Kommissariat des fünften Arrondissements von diesem Vorfall aus der Zeitung erfährt, vermutet er dahinter nur einen Dumme-Jungen-Streich. Als tags darauf die riesige Tanne bei Sacré-Cœur gefällt am Boden liegt, ist sein Interesse geweckt, und er bietet seiner dortigen Kollegin Rose Violet seine Unterstützung an. Zeit könnte er genügend erübrigen, da sein eigenes Revier gerade von einer vor-weihnachtliche Trägheit beherrscht wird. Beide Ermittler tippen zuerst auf einen Weihnachtsgegner als Täter. Doch als am darauf folgenden Tag ein Anschlag auf einen Kutscher erfolgt und dessen Pferd abgestochen wird, bekommt dieser Fall eine gänzlich andere Dimension…!

Seit seinem ersten Fall „Lacroix und die Toten vom Pont Neuf“ entwickelt sich der Commissaire aus Paris langsam zu einer modernen Variante von Kommissar Maigret. Parallelen sind schnell gefunden: So zitiert Autor Alex Lépic respektvoll doch offensichtlich die berühmte Vorlage, staffiert seinen Commissaire Lacroix mit Hut und Pfeife aus, charakterisiert ihn als besonnenen, vorausschauenden Mann, der dem Genuss nicht abgeneigt ist, und lässt ihn in den Straßen und Gassen von Paris agieren. Dabei liefert der Autor seinen Leser*innen vieles von dem, was sie auch an den Simenon-Romanen lieben und schätzen, vermeidet aber tunlichst, dass seine Romane als bloßes Plagiat eines großen Vorbildes erscheinen.

Locker, leicht und unangestrengt fließt die Handlung über die Seiten und bietet immer wieder abwechslungseiche Entwicklungen ohne in Hektik zu verfallen. Auch die Personenzeichnung gefällt mit ihren kauzigen Typen, die eine enorme Bandbreite an Charakteren abdeckt. Zudem verströmt der vorliegende Roman viel Atmosphäre durch die Beschreibung vom winterlichen Paris mit seinen typischen Bistros und Cafés, den verschneiten Parks und der Bohème des Künstlerviertels  – wie wir es auch aus den Maigret-Romanen kennen.

Doch so wie die dort handelnden Personen Kinder ihrer Zeit sind, so ist auch das Handlungspersonal der Lacroix-Romane der heutigen Zeit verbunden. Während Frauen im Polizeidienst bei Simenon eher Randerscheinungen sind, treten sie hier gleichberechtigt auf. Während Madam Maigret vornehmlich Hausfrau war, ist Madam Lacroix beruflich als Bürgermeisterin des siebten Arrondissements tätig. Während die weitere familiäre Bande bei Maigret im Dunkeln schlummert, kann Lacroix einen Zwillingsbruder vorweisen, der Geistlicher in der Kirche Sainte-Clotilde ist. Diese Konstellation an Personen ermöglicht eigenständige Verwicklungen unabhängig vom literarischen Vorbild.

Trotz aller Modernität hat sich Lacroix einen Hauch traditioneller Schrulligkeit bewahrt und weigert sich z. Bsp. ein Handy zu nutzen – eine Eigenart, die ihn mir sehr sympathisch macht, da auch ich kein Handy besitze. Lacroix und ich, wir sind die besten Beweise dafür, dass ein Leben ohne Handy möglich ist!

All diejenigen, die nun versuchen sollten, mehr über den Autor in Erfahrung zu bringen, seien gesagt „Spart Euch die Mühe!“. Alex Lépic ist ein geschlossenes Pseudonym. Um die Person, die sich dahinter verbirgt, ranken sich beinah schon Mythen, und die Namen einiger namhafter Autoren sind in diesem Zusammenhang schon genannt worden. Da nützten auch nicht die „investigativen“ Frage, die BuchMarkt dem Verleger Daniel Kampa stellte: Er blieb und bleibt standhaft!

Doch wer sich auch immer hinter diesem Pseudonym verbirgt: Ihm ist ein für sich einnehmender Roman gelungen, der über eine gehörige Portion Pariser Charme verfügt und so beim Lesen viel Freude bereitet.

P.S.: Manchmal überschlagen sich die Ereignisse, und eben noch Aktuelles ist im nächsten Augenblick nur noch eine „olle Kamelle“. Hinter dem Pseudonym „Alex Lépic“ versteckte sich Journalist und Autor Alexander Oetker.


erschienen bei Kampa/ ISBN: 978-3311125174

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #98: Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein?

Meine spontane Antwort: Na klar! Warum denn nicht???

„Frage nochmals gründlich lesen und erst nach dem Denken schreiben!“

Meine weniger spontane Antwort: Ja, es wäre möglich!!!

Ein Koch kann doch auch über ein Mahl, das ein anderer Koch zubereitet hat, urteilen. Als Krankenpfleger kann ich doch auch einen Verband, den eine andere Pflegefachkraft bei einem Patienten angelegt hat, beurteilen. Ja, ich kann es machen. Doch ob ich darin auch gut bin, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn dieses kleine Adjektiv innerhalb der Frage setzt einen anderen Schwerpunkt und generiert eine gänzlich andere Antwort.

Nur weil ich selbst in dem zu beurteilenden Metier tätig bin, bedeutet es nicht, dass ich fähig bin, eine halbwegs objektive Beurteilung abzugeben. Im Gegenteil: Sollte dies nicht der Fall sein, dann wäre es besser, sich selbst zurück bzw. wenigstens die eigene Klappe zu halten. Somit ist die Qualität einer Rezension abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit des Autors: Kann dieser Autor sein eigenes Ego und den Wünsch nach Aufmerksamkeit für sein persönliches Oeuvre zurückstellen und selbstlos die Bühne für das Werk eines Kollegen bereiten? Und ist er in der Lage bei diesem literarischen Werk des Kollegen, die Qualitäten wohlwollend anzuerkennen und Schwächen respektvoll zu benennen? Denn dies wären die Grundvoraussetzungen für eine objektive Beurteilung – sofern ein Mensch zur Objektivität fähig ist (siehe auch MONTAGSFRAGE #47). Wenn er sich dazu in der Lage fühlt, wäre die besagte Rezension ein konstruktives Feedback eines Kollegen, aus dem der Rezensierte frische Impulse für seine zukünftige Arbeit ziehen könnte.

„Merkt man meinen Worten eigentlich an, dass ich selbst ausgebildeter Praxisanleiter für meine Berufsgruppe bin? Ich habe sozusagen meinen „Meister“ gemacht, der mich zum Ausbilden befähigt!“

Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang zwei Namen nennen: Elke Heidenreich und Roger Willemsen. Beide sind/ waren Könner*innen der schreibenden Zunft und haben es immer verstanden, sowohl eloquent als auch taktvoll ihre Kritik zu äußern. Denn nichts anderes ist eine Rezension: eine Kritik. Leider ist in unserer heutigen Gesellschaft der Begriff „Kritik“ eher negativ behaftet. Ich habe dies nie verstanden! Für mich war die geäußerte Kritik immer auch eine Möglichkeit, mein Handeln zu hinterfragen, neu zu überdenken und zu verbessern. Ich hatte aber auch das große Glück, sehr gute Vorgesetzte bzw. (um beim Begriff aus dem Handwerk zu bleiben) Meister an meiner Seite zu haben.

Mein Credo war es seit jeher, mich immer an positive Vorbilder zu orientieren: Der Lehrling lernt von seinem Meister! Und so hoffe ich, dass in mir als Meister immer auch ein wenig vom Lehrling erhalten bleibt!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Fritz Eckenga – LIEBE LINDE

Ich ritzte manches Herz in deine Rinde,
so manchen Pfeil, so manches Initial.
Stand G für Guddi oder für Gerlinde?
Und wer war noch mal C? Etwa Chantal?

Egal – du hast die Schnitte still ertragen,
du knarztest allenfalls mit dem Geäst,
und wenn wir unter deiner Krone lagen,
hat dein Lindenpipi uns benässt.

Die Herzen wuchsen mit dir hoch ins Blaue,
die Namen sind vernarbt in deiner Haut,
verzogen sich schon bald ins Ungenaue,
und keinen davon trug die spätre Braut.

Du gossest all die Kerben früher Triebe
mit deinen honiggoldnen Tränen aus.
Dein Bernstein füllt mein Alphabet mit Liebe,
das Z steht für Zwischenfall mit Klaus.

Fritz Eckenga