[Oper] Pietro Mascagni – CAVALLERIA RUSTICANA & Ruggero Leoncavallo – DER BAJAZZO / Stadttheater Bremerhaven

Cavalleria Rusticana: Oper von Pietro Mascagni / Libretto von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci / Der Bajazzo (Pagliacci): Oper von Ruggero Leoncavallo mit dem Libretto vom Komponisten / in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 2. November 2019 / besuchte Vorstellung: 19. Januar 2020

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Davide Perniceni
Inszenierung: Martin Schüler
Bühne & Kostüme: Gundula Martin
Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández

Als „die ungleichen Zwillinge“ werden sie genannt, diese beiden Kurz-Opern. Schon bald nach ihrer Uraufführung etablierte sich die Praxis, beide an einem Abend aufzuführen. Regisseur Martin Schüler verbindet sie Dank eines raffinierten Kniffs geschickt miteinander: Bei beiden Opern bilden die Zimmer in einem Altenheim den formalen Rahmen.

Bei „Cavalleria Rusticana“ denkt die alte Santuzza, am Rollstuhl gefesselt und auf Hilfe des Pflegepersonals angewiesen, an ihre verlorene Liebe Turiddu, der Alfios Gattin Lola liebte und ein Verhältnis mit ihr hatte. Aus Eifersucht informierte sie Alfio über diese Liebschaft, der Turiddu zum Duell aufforderte und ihn daraufhin tötete. Nun lebt Santuzza mit der Schuld, am Tod ihres Liebsten mitverantwortlich zu sein…!

Im Nachbarzimmer bei „Der Bajazzo“ erwacht der verkrüppelte Schauspieler Tonio und denkt an vergangene Erfolge bei einer Wanderbühne. Seiner heimlichen Liebe galt der damaligen Darstellerin der Colombine Nedda. Als er ihr seine Liebe offenbarte, wurde er nur ausgelacht und verspottet. Obwohl sie mit dem Direktor der Wandertruppe Canio verheiratet war, flirtete sie hemmungslos mit dem Darsteller des Harlekins und traf sich heimlich mit dem jungen Silvio. Tonio übte Rache: Er informierte Canio über die vielfältigen Liebschaften seiner Frau. Auf offener Bühne forderte der wütende Canio seine Frau Nedda auf, ihm die Namen ihrer Liebhaber zu nennen. Als diese sich weigert, stach er sie vor den Augen des Publikums nieder…!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Martin Schüler lässt in beiden Opern die Hauptakteuer auf ihr jeweiliges Leben zurück blicken: Jeweils am Lebensende ziehen die Bilder der Vergangenheit vor ihren geistigen Auge vorbei und quälen sie…! Die Regie zielt ganz auf das feine Herausarbeiten der inneren Zwiespälte der Protagonist*innen. Dunkler als gewohnt ist Schülers Inszenierung, und plakative Folklore sucht der Zuschauer vergebens.

Jadwiga Postrozna gibt eine mitleiderregende Santuzza mit warmen Sopran. Marco Antonio Rivera brilliert mit metallenem Tenor als Turiddu ebenso wie als Canio. Die Nedda von Tijana Grujic ist eine verführerische aber auch unbedacht wirkende junge Frau. Am wandlungsfähigen war allerdings Marian Pop, der als in sich gekehrter Alfio ebenso überzeugte wie als extrovertierter Possenreißer und verschlagener Störenfried Tonio. In kleineren Rollen überzeugten Patrizia Häusermann, Brigitte Rickmann, MacKenzie Gallinger und Vikrant Subramanian.

Dirigent Davide Perniceni lässt das Philharmonische Orchester Bremerhaven genügend Freiraum für Dramatik und Melodik. Schwelgerische Chorpassagen (fulminant vom Opernchor dargeboten) wechseln mit symphonischen Zwischenspielen und dramatischen Arien.

Verismo für Auge & Ohr, für Herz & Hirn…!


Die UNGLEICHEN ZWILLINGE der Opernliteratur tauchen nur noch für wenige Termine im Stadttheater Bremerhaven auf.

[Rezension] Rainer Metzger – 1920s Berlin

Berlin – du warst immer eine pulsierende Metropole und zelebrierst immer wieder von Neuen gekonnt den Tanz auf dem Vulkan. Schon die unvergleichliche Claire Waldoff schwadronierte über dich „Mein Berlin, du bist einzig in deiner erregenden Atmosphäre, in deiner unerhörten Arbeitskraft, in deiner großartigen Geistigkeit.“ Und sie musste es wissen, war sie doch selbst einer der schimmernsten Sterne am Berliner Firmament.

Rainer Metzger wirft einen sowohl abwechslungsreichen als auch unterhaltsamen Blick auf das Berlin der 20er Jahre und lässt nach der informativen Einleitung „Wir werden Weltstadt!“ die Künstler*innen dieser sagenumwobenen Zeit in kurzen Essays wiederauferstehen.

„Berlin war so herrlich lebendig, so geladen mit einer seltsamen Elektrizität.“ Vicki Baum

Dabei möchte ich die Bezeichnung „Künstler*in“ gerne universell einsetzen: In 31 Essays entdeckt der Leser nicht nur Maler*innen und Illustrator*innen wie Max Pechtstein, Jeanne Mammen und Otto Dix, die Fotografin Renée Sintenis, die Verleger El Lissitzky und Hans Arp und Filmschaffende wie Fritz Lang und Josef von Sternberg. Auch Architekten wie Bruno Taut und Peter Behrens, die mit ihren Bauten das Bild Berlins prägten, werden gewürdigt. Das jeweilige Essay erstreckt sich über zwei Seiten und unterteilt sich jeweils in eine Seite mit Text, während auf der anderen Seite ein prägnantes Beispiel der jeweiligen Kunst geboten wird.

„Wir in Berlin sind überall dabei, aber wir kommen zu nichts. Wir haben französischen Schick, englischen Sport, amerikanisches Tempo und heimische Hast – nur uns selbst haben wir nie gekannt.“ Kurt Tucholsky

Der Taschen-Verlag bietet in Kleine Reihe viel Infos für wenig Geld und liefert Einblicke über Künstler, Kunststile und Epochen. Abgerundet wird diese kleine Reise in die Vergangenheit durch stimmige Fotografien, Illustrationen, Malerei und Grafiken.


erschienen bei Taschen/ ISBN: 978-3836550529

[Komödie] Samuel Benchetrit – NACH PARIS! / TiO Osterholz-Scharmbeck

Komödie von Samuel Benchetrit / Deutsch von Annette und Paul Bäcker

Premiere: 11. Januar 2020 / besuchte Vorstellung: 18. Januar 2020

TiO – Theater in OHZ, Osterholz-Scharmbeck


Inszenierung: Bernd Schröter
Bühne: Beate Schöne
Kostüme: Ute Schmonsees


Ein einsamer Bahnhof in der Provinz: Eine junge Frau (Michelle), ein junger Mann (Vincent) und ein älterer Mann (Charles) warten auf den Zug nach Paris. Doch dieser Zug verspätet sich immer wieder und immer wieder. Drei auf den ersten Eindruck scheinbar fremde Menschen sind auf diesen heruntergekommenen Bahnhof gestrandet. Gestrandet sind sie nicht nur hier: Jede*r von ihnen ist im Leben an einem Punkt angekommen, an dem sie schon gestrandet sind, bzw. es vorbestimmt scheint, dass sie stranden werden. Nur langsam entwickelt sich ein Gespräch zwischen den Wartenden. Beinah zögerlich werden die Gründe der jeweiligen Reise, familiäre Verbindungen und Lebensentwürfe und -wünsche verraten. Gegenseitige Sympathien keimen auf und werden wenig später auch wieder im Keim erstickt. Jede*r der Reisenden hält Zwiesprache mit sich und mit der Stimme der Bahnansage, die ein überraschendes wie beängstigendes Eigenleben führt! Als endlich der Zug nach Paris im Bahnhof eintrifft, ist alles anders: Die Karten des Lebens wurden neu gemischt…!


Diese Diashow benötigt JavaScript.


Regisseur Bernd Schröter gelingt es mit leichter Hand, Humor mit Melancholie zu paaren: Es darf durchaus gelacht werden, doch im nächsten Moment kann schon eine Träne rinnen. Französisches Flair weht durch die Szenerie und siedelt die Handlung zwischen Realität und Märchen an.

Eine Überraschung erlebt der Zuschauer beim Bühnenbild: Die gesamte Bestuhlung des Saals hat sich um 90° nach rechts gedreht. Das Geschehen spielt sich nicht mehr auf der Bühne ab. Die gesamte Länge des Saals mutiert nun zum Bahnhof. Der Zuschauer sitzt somit „auf den Gleisen“, blickt frontal auf den Bahnhof und somit direkt hinein in die Handlung. Bühnenbildnerin Beate Schöne hat einen äußerst ansprechenden wie stimmungsvollen Rahmen für diese zarte Komödie geschaffen und begeistert mit entzückenden Details.

Drei starke Darsteller*innen stehen auf der Bühne: Francine Fromme gibt eine zarte Michelle zwischen Naivität und Koketterie, zwischen Freiheitsdrang und sich geborgen fühlen (wollen). Jan Makow stattet den Vincent als bedachten jungen Mann mit Träumen, Idealen aber auch klaren Grundsätzen aus und lässt ihn – trotz aller Zurückhaltung – nicht farblos erscheinen. Carsten Mehrtens vollzieht mit dieser Komödie ein Wechsel im Rollenfach und wandelt sich vom Womanizer/Bad Boy zum reifen Charakterdarsteller. Dies steht ihm ausgesprochen gut zu Gesicht: Sein Charles ist liebenswert kauzig und fordernd, dann wieder rührend und behütend. Last but not least: Als „Sidekick“ leiht Miriam Pukies der Bahnansage ihre prägnante Stimme.

Mit einer Träne im Augenwinkel und einem wohligen Gefühl im Herzen durfte ich das Theater verlassen. Das TiO: Theater in OHZ – Scharmbecker Speeldeel ist seinem Ruf als ambitionierte Amateur-Bühne wieder einmal mehr als gerecht geworden.


Bis Anfang Februar 2020 steht diese feine Komödie noch auf dem Spielplan des TiO – Theater in OHZ. Weitere Infos findet Ihr hier.

MONTAGSFRAGE #67: Kochbücher oder nicht, das ist hier die Frage!

Wie war das nochmal mit den Eulen und dem Weg nach Athen? Und warum werden Perlen vor die Säue geworfen? Tja, genauso verhält es sich zwischen der heutigen Montagsfrage und mir.

Kochbücher besitze ich nicht, brauche ich nicht: Ich lasse kochen (und natürlich auch backen). Ich habe das außerordentliche Glück, für diese Tätigkeiten einen äußerst talentierten Gatten an meiner Seite zu haben. Die Küche ist sein Territorial-Gebiet, in dem ich mich höchstens unauffällig zwecks Decken des Tisches aufhalten darf.

Darum reiche ich die Frage imaginär weiter und beantworte sie stellvertretend für meinen Angetrauten. Denn wenn ich einen Blick in seine gutgefüllte Koch- und Back-Bibliothek werfe, dann kann – auch was sage ich – muss diese Frage nur positiv beantwortet werden.

Da tummeln sich die Dr. Oetker-Standardwerke neben Kochbüchern aus Afrika, Indien oder Syrien. Dort wird gelafert, gelichtert, gemälzert und neuerdings auch wieder gebiolekt. Kuchen und Torten werden blechernd gebacken oder springend in Form gebracht. Es finden sich 1001 Rezepte für das Einwecken/ Einkochen von Marmelade, Obst und Gemüse, und für die Werke rund um die Weihnachtsbäckerei gibt es sogar eine eigene Abteilung. Hinzu kommen noch die Hefte und Heftchen, die spontan am Zeitschriftenregal erstanden oder bewusst im Abonnement zugeschickt werden,…

…und das gedruckte Rezept in Wort und Bild kann durch keine App und keinen YouTube-Kanal ersetzt werden – weder optisch noch haptisch. Mein Mann bekommt immer ganz glänzende Augen, wenn er einem neuen Kochbuch habhaft wird. Einem Ritual gleich zieht er sich dann mit einem Getränk passend zur Tageszeit auf das Sofa zurück und ist für die nächste Zeit nicht ansprechbar. Irgendwann erwacht er aus diesem Trance-Zustand und berichtet mir begeistert von den vielen, tollen Rezepten, die er entdeckt und unbedingt ausprobieren möchte. Und während mein Gatte voller Enthusiasmus zum Vorratsschrank eilt, um mit Freude festzustellen, dass beinah alle benötigten Ingredienzien vorhanden sind und nur noch wenige Zutaten eingekauft werden müssen, lächele ich still vor mich hin und lassen ihn gerne gewähren. Denn schließlich habe auch ich meine kleinen Schwächen, die Begeisterung bei mir auslösen…!!!

…und gibt es unter Euch auch Kochbuch-Enthusiasten?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Veronika Peters – Die Dame hinter dem Vorhang

Dame Edith Louisa Sitwell (*7. September 1887; † 9. Dezember 1964) war zu ihrer Zeit eine Erscheinung: Aufgewachsen in einem aristokratischen Elternhaus schien ihr Leben vorbestimmt. Während ihre beiden jüngeren Brüder dank dem Erbe der Eltern materiell versorgt waren und ihnen auch beruflich alle Türen offenstanden, schien es für eine Tochter nur einen akzeptablen Lebensplan zu geben, sie möglichst vorteilhaft unter die Haube zu bringen. Doch Ediths Neigung zur Exzentrik und ihrem Hang zum Widerspruch gepaart mit einem brillanten Geist verschreckten jeden potentiellen Bewerber. Zudem war sie auch optisch weit von einer klassischen Schönheit entfernt, was ihr die Abneigung der schönen Mutter einbrachte und ihren Vater veranlasste, sie zwecks Korrektur in einen Metallrahmen spannen zu lassen. Doch alle Versuche der Einflussnahme stärkten nur Ediths Drang nach Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und Freiheit. Endlich erlöst von der gesellschaftlichen Enge ihres Elternhauses entwickelte sie sich ab den 20er Jahren zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der modernen britischen Dichtung und gewährte in ihrem Haus in London den innovativsten künstlerischen Größen ihrer Zeit eine Zuflucht.

Autorin Veronika Peters erlaubt sich in diesem Roman den Kunstgriff, zwei fiktive Frauengestallten mit dem Leben von Edith Sitwell zu verweben und somit kommentieren zu lassen: Emma und Jane Banister (Mutter und Tochter) begleiten Ediths Leben von gemeinsamen Kindertagen (Emma) bis ins hohe Alter (Jane).

Dieses Buch entwickelte sich für mich bedauerlicherweise zu einem von mir sogenannten „Etappen-Roman“: Ich las durchaus interessiert einige Seiten, dann legte ich das Buch aus der Hand. Einige Tage später fiel es mir wieder in die Hände, und ich las darin, nur um es danach abermals für einige Zeit zu vergessen…! Begeisterung zeigt sich bei mir anders. Sobald ein Buch mich gefangen nimmt, handle ich beinah wie unter Zwang und greife immer wieder automatisch zur Lektüre, um so schnell wie möglich zu erfahren, wie die Handlung weitergeht. Bei diesem Roman verspürte ich alles andere als diesen Zwang zu Lesen, und ich hinterfragte die Gründe.

Die Autorin schreibt durchaus recht unterhaltsam. Auch ihre Idee, Emma und Jane Banister sowohl als Beobachterinnen als auch Kommentatorin in die Handlung zu etablieren, fand ich fraglos ansprechend. Nur leider wurde das mögliche Potential nicht ausgeschöpft: Mir fehlten die inneren wie äußeren Konflikte der Figuren. Die Handlung plätscherte merkwürdig belanglos vor sich hin und setzte kaum Impulse, ihr kontinuierlich zu folgen. Mit jeder Lese-Etappe wurde meine Hoffnung nach einer Wendung in der Geschichte enttäuscht. Nach 155 Seiten (von insgesamt 277 Seiten) habe ich dann resigniert die Segel gestrichen, da ein zielführender Spannungsbogen für mich nicht sichtbar wurde,…

…und dabei bin ich mir sicher, dass das Leben von Dame Edith Louisa Sitwell eine schier überbordende Fülle an Anekdoten bieten würde.

Lust auf eine Zweit-Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Janina Lehmann vom „Frau Lehmann liest“.


erschienen bei Wunderraum/ ISBN: 978-3336548088

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #66: Können Autoren in mehreren Genres brillieren?

Als ich die heutige Montagsfrage von Antonia las, hatte ich sofort einen Namen im Kopf und kann somit diese Frage kurz & knackig mit einem überzeugtem „JA!“ beantworten.

Der große, einzigartige und von mir hochverehrte Erich Kästner war ein „Hans Dampf in allen Gassen“: ob Prosa oder Lyrik, ob Kabarett oder Drehbuch, ob humorvoll oder sozialkritisch, ob für die Kleinen oder für die Großen – Kästner kann’s! (vielmehr: Er konnte es!). Dabei traf er immer den richtigen Ton, blieb aber – auch in den Kinderbüchern – seiner literarischen Linie treu und verriet nie seine Überzeugung. So war er Humorist ebenso wie Mahner von Missständen, Unterhalter ebenso wie Kritiker an der Gesellschaft. Schon vor einiger Zeit habe ich Euch hier auf meinem Blog sein Werk vorgestellt, dass ich jeder/m wärmstens ans Herz legen möchte. So verwundert es nicht, dass eines seiner Werke zur illustren Runde der Bücher meines Lebens zählt,…

…und während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir noch ein weiterer Name ein: Finn Ole Heinrich zählt zur neuen, wilden Schriftsteller-Generation, der mit einer schlafwandlerischen Selbstsicherheit zwischen Kinder- und Erwachsenen-Literatur pendelt, mit seinen Stücken auch die Bühnen der Republik erobert, und von dem wir sicherlich noch einiges erwarten dürfen.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Erich Kästner

…und mit den weisen Worten des großen Meisters möchte ich Euch in eine möglichst angenehme Woche entlassen.

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Thomas Bleitner – Frauen der 1920er Jahre: Glamour, Stil und Avantgarde

Sie waren frech, mutig und glamourös! Sie waren talentiert, risikofreudig und emanzipiert!

Die Schrecken des ersten Weltkrieges rückten langsam in den Hintergrund. Der Muff und die Engstirnigkeit des Biedermeiers waren abgeschüttelt, und wagemutige Frauen machten sich auf den Weg, zuerst die Gesellschaft und dann die ganze Welt für sich zu erkunden. Grenzen schienen für sie nicht existent…!

Thomas Bleitner versammelt in seinem opulenten Bildband unterhaltsame Kurz-Porträts einiger der wegbereitenden Frauen aus Literatur und Kunst, Society und Mode, Fotografie und Film, Cabaret und Tanz sowie Abenteuer und Sport. So geben sich hier so bekannte Persönlichkeiten wie Zelda Fitzgerald, Dorothy Parker, Coco Chanel und Josephine Baker (um nur einige wenige der insgesamt 18 Porträtierten zu erwähnen) ein Stell-Dich-Ein. Die Essays über das Leben der Damen sind allesamt eine äußerst vergnügliche wie informative Lektüre. Dabei kann in der Kürze natürlich weniger ein vollständiger Lebenslauf erwartet werden, als vielmehr, einen Einblick in die jeweilige Persönlichkeit zu erhaschen. Bleitner geht es vielmehr darum, den Zauber der Zeit dem Leser spürbar zu machen, den Charakter der Porträtierten zu vermitteln, um darüber vielleicht dem Phänomen dieser Frauen näher zu kommen. Schließlich war es ihnen in einer von Männern dominierten Gesellschaft gelungen, emanzipiert ihren Platz einzufordern. Somit fungierten sie für viele ihrer Geschlechtsgenossinnen als Vorbild zu ihrer Zeit – und darüber hinaus!

Besonders die historischen Fotografien und Zeichnungen übten einen besonderen Reiz auf mich aus und verströmen eine Menge Flair der Epoche. Wirken sie einerseits künstlich und inszeniert, spiegeln sie gleichzeitig das neugewonnene Selbstbewusstsein der Frauen wieder. „Frau“ will auffallen. „Frau“ will provozieren. Dazu verführte auch die neue Freiheit in der Mode: Die Röcke wurden kurzer, die Hüte kecker und die Linien strenger aber edel.

Komplementiert wird dieser wunderbare Bildband durch die Einleitung Glamour, Stil und Avantgarde. Jede/r, die/der mehr über diese Ikonen erfahren möchte, erhält im Anhang eine üppige Liste mit verwendeter und weiterführender Literatur,…

…und wieder einmal halte ich ein prachtvolles „Coffee Table Book“, das für die dezente Aufbewahrung in einem schnöden Bücherregal viel zu schade ist, in den Händen.

Ich habe definitiv zu wenige Tische im Haus! 😉


erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3945543719

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #65: Was sind deine Lesevorsätze für 2020?

Immer diese Vorsätze…! Wie vermiese ich mir einen entspannten Jahresbeginn? Ganz einfach: Ich definieren für mich „Vorsätze“, und – Schwupp! – ist es mit der Entspannung dahin.

Ich bleibe meinem etablierten Mantra „Locker bleiben!“ treu. Es ist nicht nur bzgl. meines Lese-Verhaltens nützlich sondern auch sehr universell einsetzbar. Und da bin ich auch schon bei meiner größten Herausforderung angekommen: „Locker bleiben!“ kommt mir zwar locker-luftig-leicht über die Lippen, die Umsetzung gestaltet sich für mich aber umso schwieriger. Da ich mir zu allem und jeden meine Gedanken mache (Sollte ich nicht…! Könnte ich nicht…! Hätte ich nicht…!), ist es mit der Entspannung nicht weit her. Gerne setze ich mich selbst unter Druck, erwarte zu viel von mir und bin darum kolossal unentspannt.

Dieser Zustand gilt auch für mein Lese-Verhalten, aber ich arbeite und lerne (hoffentlich)…!

Dieses „Locker bleiben!“ hat zumindest dazu geführt, dass ich aus meiner vorab getroffenen üppigen Auswahl an kommende Neuerscheinungen eine überschaubare Anzahl zusammengestrichen habe. Höchstens zwei Neuerscheinungen werden pro Monat von mir rezensiert. Ansonsten greife ich auf meinen umfassenden Stapel ungelesener Bücher zurück. Diese wunderbaren Bücher haben es mehr als verdient, endlich Aufmerksamkeit zu erhalten und gelesen zu werden.

Uuups! – Das klingt ja ganz nach einem Vorsatz für das Neue Jahr! Ich Schelm, wie konnte mir das nur passieren! 😉

…und wie gestaltet sich Euer Lese-Verhalten für 2020? „Vorsätzlich“ oder „zufällig“…?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] George Saunders – Fuchs 8

Fuchs 8 schreibt einen Brief, vielmehr ist es ein Appell an uns Menschen. Fuchs 8 hat seine eigenen, besonderen Erfahrungen mit uns Menschen gemacht: Unsere Sprache findet er so wunderschön, dass er sie sich „per Hören“ aneignet. So ist sein Brief auch in „Menschisch“ geschrieben, bzw. in das, was der Fuchs für die menschliche Sprache hält. Da er die Sprache nur durch Zuhören gelernt hat, fehlen ihm natürlich alle Regeln der Rechtschreibung, und auch von Interpunktion hat er noch nie etwas gehört. Dafür ist seine Nachricht mehr als deutlich: Er musste miterleben, wie Menschen seinen natürlichen Lebensraum einnahmen und veränderten und darum seine Sippe (ver-)hungern musste. Er musste miterleben, wie sein Freund Fuchs 7 von Menschen getötet und mit seinem toten Körper würde- und respektlos umgegangen wurde. Fuchs 8 flüchtet aus seiner Heimat, aus seinem Revier und findet traumatisiert ein neues Zuhause mit einer neuen Familie. Doch die Erinnerungen an das Erlebte lassen ihn nicht los, und so schreibt er diesen Brief an uns Menschen mit seinem Appell zum Umdenken…!

Ich muss es leider gestehen: Diese Geschichte hat mich sehr wenig berührt!

Fand ich anfangs die individuelle Schreibweise und Formulierungen des Fuchses noch sehr originell, so störte mich dies im Laufe meiner weiteren Lektüre, bremste meinen Lesefluss und schuf so eine Distanz zwischen mir und dem Gelesenen. Zwangsläufig fühlte ich mich an den Fuchs aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry erinnert. Doch wo dort die Poesie aufblüht und sich zart in mein Herz gestohlen hat, ist hier bedauerlicherweise – für mich – wenig Atmosphäre spürbar. Auch die Illustrationen von Chelsea Cardinal konnten da wenig beitragen. Vielmehr ließen sie mich in ihrer reduzierten Ästhetik eher an die TV-Werbung eines Energie-Drinks denken.

Natürlich verstehe ich die Intension des Autors hinter dieser Fabel und finde diese gut, richtig und wichtig. Vielleicht war – nach der Lektüre einiger positiver Rezensionen – meine Erwartungshaltung auch schlicht und ergreifend zu groß.

Ich fühlte mich emotional zu wenig „eingefangen“. Schade…!!!

Lust auf weitere Meinungen? Dann empfehle ich Euch die Rezensionen meiner Blogger-Kolleg*innen Andrea Schuster von „Lesen… in vollen Zügen“ und Frank Wolf vom „reisswolfblog“.


erschienen bei Luchterhand/ ISBN: 978-3630876207

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Theodor Fontane – DER SCHWESTER ZU SILVESTER

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,
Kreische vor Lust
In Juni, Juli und August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober,
Und bleibe meine gute Schwester
Bis zum Dezember und nächsten Silvester.

Theodor Fontane