MONTAGSFRAGE #109: Wann bzw. auf welcher Grundlage entscheidest du, ein Buch nicht zu Ende zu lesen? Oder quälst du dich durch jedes Buch?

Hm…! Das ist eine sehr interessante Frage, die uns Antonia aus dem Katalog der gesammelten MONTAGSFRAGEN heute schenkt. Da macht es für mich durchaus Sinn, zu definieren, was mir persönlich gefällt. Aus dem Positivum lässt sich dann spielend das Negativum ableiten. Los geht’s:

Wichtig ist mir, ob mich eine Geschichte packt und der Funke überspringt. Zudem erwarte ich auch eine gewisse Qualität im sprachlichen Ausdruck und im Erzählstiel. Da ich selbst gerne als Vor-Leser aktiv war (und hoffentlich auch bald wieder bin), schaue ich natürlich auf die (Vor-)Lesbarkeit eines Textes. Die handelnden Personen müssen mir nicht unbedingt sympathisch sein aber zu mindestens mein Interesse wecken. Wichtig ist für mich auch, wie ein Roman aufgebaut ist: Gibt es einen Spannungsbogen? Wie setzt die Autorin/ der Autor Dialoge ein? Reichen die Beschreibungen der Szenerie aus, um in meinem Kopf ein Bild zu kreieren?

Das mag nun alles sehr theoretisch, verkopft und kompliziert klingen. Ist es aber nicht! Dieser Vorgang läuft bei mir ganz automatisch und völlig mühelos im Hintergrund ab. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Und vieles liegt auch an meinem Bauch-Gefühl, das darüber entscheidet, ob mir ein Buch gefällt!

Doch was mache ich, wenn ich mit der Lektüre begonnen habe und feststelle, dass mir das Buch nicht gefällt? …weiterlesen? …ganz sicher nicht!

Bücher, die mir nicht gefallen, lese ich nie bis zum Ende! Warum sollte ich meine kostbare Zeit mit dem Lesen von diesen Büchern verschwenden? Lesen ist für mich eine Leidenschaft (klingt abgedroschen, beschreibt es aber treffend), die mich entspannt und die Realität vergessen lässt, mich auf Reisen in fremde Länder und zu unbekannten Kulturen schickt, interessante Persönlichkeiten kennenlernen lässt, einen Blick über den eigenen Horizont hinaus wagt und eine scheinbar nie versiegende Quelle der Freude darstellt. Johann Wolfgang von Goethe sagte so treffend…

„Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht bis zum Zaune.“

…und warum soll ich mir meinen Blick mit Büchern verstellen, die ich nicht mag, und mir darüber vielleicht meine Freude trüben lassen???

Nun höre ich schon die eine oder andere Stimme meiner geschätzten Mit-Blogger*innen, die – völlig zu Recht – einen Einwand haben: Was macht der passionierte Buch-Blogger, wenn er verpflichtet ist, ein Statement zu einem Werk, das ihm absolut nicht gefällt, abzugeben? Diese Verpflichtung spüre ich immer dann, wenn mir von einem Verlag oder direkt von einem/r Autor*in ein Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt wurde. Dafür habe ich mir auch eine Strategie zurecht gelegt und auch schon entsprechend angewendet: Ich schreibe den Verlag/ die Autor*innen an und bitte, von einer Rezension von mir Abstand zu nehmen. Natürlich würde ich dies entsprechend begründen. Aber aus dieser Verpflichtung heraus das Werk trotzdem lesen UND rezensieren UND somit doppelte Zeit verschwenden…? Nö!!!

Darum gibt es bei mir vornehmlich eher wohlwollende Rezensionen, da ich die Menschen, die meinem Blog folgen, animieren möchte, dass sie LESEN – nicht, dass sie NICHT lesen! So schreie ich es viel lieber laut hinaus, wenn ein Buch für mich ganz wunderbar ist: „Unbedingt lesen, bitte!“

…und wie ist Eure Meinung? …abbrechen oder quälen bis zum bitteren Ende? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Dirk Kurbjuweit – Haarmann

In Hannover an der Leine,
Rote Gasse Nr. 8,
wohnt der Massenmörder Haarmann,
der die Menschen umgebracht.

Wenn ich als Kind dieses Lied hörte, bekam ich immer sofort eine Gänsehaut. Doch ich ahnte damals nicht, dass sich hinter diesen gruseligen Zeilen eine wahre Geschichte verbarg.

Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts: Eine Mordserie hält die Bürger der Stadt Hannover in Atem. Mehrere Jungs verschwinden nach und nach spurlos. Sie scheinen wie vom Erdboden verschluckt. Allen war gemein, dass sie sich vornehmlich im Stricher-Milieu aufhielten und somit unter dem § 175 fielen, der „Beischlafähnliche Handlungen” unter Männern unter Strafe stellte und mit Gefängnis geahndet wurde. Kommissar Robert Lahnstein wird mit den Ermittlungen beauftragt und muss gegen unterschiedlichste Widerstände ankämpfen: Einerseits verwickelt ihn der unbekannte Täter, den er später als Fritz Haarmann identifiziert, in ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, andererseits kämpft er innerhalb der Polizei mit der Ignoranz gegenüber den verächtlich titulierten „175ern“. Lahnstein ist ein vom Krieg traumatisierter Mann, der den Verlust seiner Familie noch nicht verarbeiten konnte. Umso verbissener arbeitet er an diesem Fall…!

Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts: Glamour, Stil und Avantgarde! Für einige wenige Zeitgenossen mag dies gegolten haben, die diese Epoche darum gerne als „golden“ bezeichnen. Für die Mehrheit der Bevölkerung war dies eine Zeit der Resignation: Der Krieg hatte empfindliche Spuren hinterlassen, und das gesellschaftliche Gefüge war noch sehr fragil. Vor diesem Hintergrund lässt Autor Dirk Kurbjuweit seinen fiktiven Ermittler bei einem realen Kriminalfall agieren. Kurbjuweits Kommissar Lahnstein vereint in sich zwar durchaus Aspekte der realen Kriminalbeamten Hermann Lange und Heinrich Rätz, aber durch die Fiktion erlaubt der Autor sich die Freiheit, persönliche Aspekte des Ermittlers in die Geschichte einzuweben. So begleiten wir in diesem Kriminalroman auch nicht den titelgebenden Haarmann, sondern werfen dem Kommissar einen Blick über die Schulter. Dank indirekter Rede und einem Stil, der an Protokolle einer Polizeiakte erinnert, gelingt dem Autor eine beinah nüchtern wirkende Erzählweise, die somit plakative Effekte vermeidet.

Mag auch die eine oder andere Wendung etwas konstruiert wirken, so hat Kurbjuweit einen packenden Kriminalroman mit einer gehörigen Portion Zeitkolorit geschaffen, dessen Lektüre mich mit dem Wissen um die reale Vorlage besonders berührte.

Warte, warte nur ein Weilchen,
bald kommt Haarmann auch zu dir.
Mit dem kleinen Hackebeilchen
macht er Hackefleisch aus dir.


Wer Lust auf weniger Fiktion und mehr Realität verspürt, dem möchte ich den Film Der Totmacher aus dem Jahre 1995 empfehlen: Die Befragung Haarmanns durch den Psychiatrieprofessor Ernst Schultze wurde von Regisseur Romuald Karmakar mit Götz George (Haarmann) und Jürgen Hentsch (Schultze) in den Hauptrollen verfilmt. Die Dialoge für die Darsteller lehnen sich eng an die originalen Verhörprotokolle aus dem Jahr 1924 an.


erschienen bei Penguin/ ISBN: 978-3328600848

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #108: Sind Buch-Adaptionen in der Form von Mini-Serien vielleicht besser als Buch-Adaptionen in der Form von Filmen?

In der letzten Woche war es ungewohnt still hier auf meinem Blog: Der Hauptgrund war, dass ich fiebrig-viral niedergestreckt wurde und zeitweise weder wusste, wo oben und unten ist, noch ob ich Männlein oder Weiblein bin. In der Zwischenzeit bin ich zum Glück sowohl räumlich als auch geschlechtsspezifisch wieder orientiert. Unter diesen Voraussetzungen kam es mir zupass, dass auch Antonia durch ihr Studium so sehr eingespannt war und darum in der letzten Woche die MONTAGSFRAGE ausfallen ließ. Doch nun sind wir beide wieder da: Antonia, um eine Frage zu stellen, und ich, um eben diese Frage zu beantworten!

Diesmal dreht sich die Frage um die Umsetzung einer literarischen Vorlage in eine filmische Form, und ganz spontan antworte ich mit „Es kommt darauf an…!“

Es kommt darauf an, um welche literarische Vorlage es sich handelt: Eine kleine entzückende Erzählung wie z. Bsp. „Agathe“ von Anne Cathrine Bomann auf Serienformat aufzublähen, halte ich für stark übertrieben. Ein seitenstarkes Epos wie „Die Elenden“ von Victor Hugo als Kurzfilm zu verwursten, würde dem Werk nicht ansatzweise gerecht werden.

Ergo würde ich (als Laie, der absolut keine Ahnung vom Film- und Fernseh-Business hat) die Wahl der filmischen Umsetzung abhängig machen vom Umfang der literarischen Grundlage. Doch nagelt mich jetzt bitte nicht auf diese Gleichung (viele Seiten = viel Film) fest. Im Großen und Ganzen gehe ich mit den filmischen Adaptionen literarischer Werke sehr entspannt um und bin da auch recht gnädig in meinem Urteil: Wenn’s gut gemacht ist und mich unterhält – wunderbar!

Ich bin da weiterhin ganz pragmatisch, wie ich es in meiner Antwort zur MONTAGSFRAGE #3 schon einmal erläutert habe. Buch und Film: Ich vergleiche sie nicht, da es zwei unterschiedliche Medien sind, die ebenso unterschiedliche Formen der Wahrnehmung bei mir beanspruchen.

…und wie ist Eure Meinung? Viele Seiten = viel Film? Oder darf es mit „weniger“ auch etwas „mehr“ sein? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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MONTAGSFRAGE #107: Was sind deine Lesevorsätze für 2021?

„The same procedure as last year, Miss Sophie?“
„The same procedure as every year, James!“

So passend zur ersten MONTAGSFRAGE eines Neuen Jahres scheint dieses Zitat aus dem Silvester-Kult-Klassiker „Dinner for One“: Nun schon zum dritten Mal fragt Antonia uns nach unseren Lesevorsätzen für das gerade begonnene Jahr…!

Und auch in diesem Jahr gestaltet sich meine Antwort so wie in jedem Jahr: Ich habe keine Lesevorsätze, bzw. die, die ich evtl. hätte haben sollen können, wurden von mir schon genannt. Vorsätze mit dem Ergebnis, dass ich eine Tätigkeit öfter, länger, größer, höher, schneller, weniger und.so.weiter.und.so.fort machen sollte, hatte bei mir noch nie eine reelle Chance zu überleben. So verweise ich auf meine Lesevorsätze für 2019 und 2020.

Doch nachdem ich Antonias Beitrag zu dieser MONTAGSFRAGE gelesen hatte, stellt sich mir die überraschende Frage „Warum habe ich keine klar definierten Lesevorsätze?“. Ähnlich wie Antonia bin auch ich ein Mensch, der gerne im Voraus plant. So gibt es in meinem .LESELUST-Kalender für 2021 schon einige „feste“(!) Veröffentlichungs-Termine für Rezensionen oder Beiträge zu den Rubriken „Herzlichen Glückwunsch“, „Literarische Helden“ oder auch „Literaten im Fokus“.

Vielleicht verstecke ich mehr oder weniger unbewusst meine Vorsätze hinter dieser Vor-Planung? Ich wollte schon seit längerem mehr über Dorothy Parker erfahren, und – Schwupp! – landet sie bei „Literaten im Fokus“. Seit einiger Zeit schlummern die Kriminalromane von Friedrich Dürrenmatt in meinem Regal: In diesem Jahr jährt sich sein 100. Geburtstag, und – Schwupp! – wandert einer seiner Romane auf meinen aktuellen Bücher-Stapel. Und auch meine „All-Time Favorites“ wie Erich Kästner, Agatha Christie oder Georges Simenon stehen schon in meinem Kalender.

Obwohl: Einen winzigen Lese-Vorsatz für das Jahr 2021 habe ich nun doch. Ich möchte endlich ein Werk von Joel Dicker lesen. Viele meiner Mit-Blogger*innen sind bestimmt der Meinung, dass das schon längst überfällig wäre.

…und wie lauten Eure Vorsätze für ein möglichst literarisches Jahr?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Noch ein Gedicht…] August Heinrich Hoffmann von Fallersleben – DAS ALTE JAHR VERGANGEN IST

Das alte Jahr vergangen ist,
das neue Jahr beginnt.
Wir danken Gott zu dieser Frist.
Wohl uns, dass wir noch sind!

Wir sehn aufs alte Jahr zurück
und haben neuen Mut:
Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Die Zeit ist immer gut.

Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Wir ziehen froh hinein.
Und: Vorwärts, vorwärts, nie zurück!
soll unsre Losung sein.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

MONTAGSFRAGE #106: Was war dein Lesehighlight 2020?

Nur noch einige wenige Tage und dann wird dieses Jahr endlich der Vergangenheit angehören. Nie zuvor war ich so froh, dass ein Jahr vorbei geht, wie in 2020. Aber nie zuvor hat uns ein Jahr auch so viel abverlangt wie in 2020. Was wird uns das Schicksal für das Jahr 2021 bereithalten?

Meine frühere Chefin und ich saßen am letzten Arbeitstag des Jahres gerne auf einer Tasse Kaffee zusammen und ließen gemeinsam das vergangene Jahr mit seinen vielfältigen Aufgaben, Ereignissen und Herausforderungen Revue passieren. In den ersten Jahren unserer Zusammenarbeit verabschiedeten wir uns mit dem hoffnungsvollen Satz „Im nächsten Jahr wird alles besser!“. Aber es wurde nicht unbedingt „besser“, vielmehr endwickelte sich das folgende Jahr meistens anders als gedacht. Darum änderten wir auch unseren Jahresabschluss-Satz in „Im nächsten Jahr wird alles anders!“.

Und doch wünsche ich mir für das Neue Jahr ganz unbescheiden beides: Das Jahr 2021 soll bitte „besser“ und somit „anders“ als das Jahr 2020 werden!

Was aber niemals „besser“ war, und somit auf keinen Fall „anders“ werden soll, ist meine Liebe zum Lesen. In diesem Jahr durfte ich mich an gänzlich unterschiedlichen und doch sehr besonderen Lektüren erfreuen. Zwar segelte ich durchaus auch auf bekannten Gewässern, erforschte aber ebenso unbekannteres Terrain. Bei meinem Rückblick stellte ich mit ein wenig Verwunderung fest, dass meine Lesehighlights in diesem Jahr eher „die ollen Kamellen“ waren, die entweder von mir erstmals wahrgenommen oder wiederentdeckt wurden.


Im Februar beschäftigte ich mich mit Margaret Mitchells Epos Vom Wind verweht, das in einer frischen Neu-Übersetzung erschienen ist. Dieser Klassiker fand schon Eingang in Die Bücher meines Lebens und animierte mich zu der Abhandlung Wie ein Cover die Wahrnehmung beinflusst.

Der Juli stand ganz im Zeichen von Erich Kästner und seinem Werk: Besonders das kleine Büchlein Über das Verbrennen von Büchern nahm mich gefangen. Seine Berichte u.a. über die Bücherverbrennung im Mai 1933 sind Zeugnis und Mahnung zugleich.

Im Rahmen meiner kleinen Kästner-Retrospektive beschäftigte ich mich erstmals auch mit dem Erfinder der charmanten Bildergeschichten Vater und Sohn. Erich Ohser (alias E.O. Plauen) war ein enger Freund Kästners, dessen Schicksal mich erschütterte.

An Menschen im Hotel von Vicki Baum wagte ich mich im September und erlebte eine kleine Überraschung: Ich erwartete eine in die Jahre gekommene Geschichte und entdeckte einen fesselnden Gesellschaftsroman. Mein Interesse an weiteren Werken der Autorin war geweckt…!

Im Oktober traute ich mich endlich, einen Blick in die Schmuckausgabe von Michael Endes Die unendliche Geschichte zu werfen und wurde nicht enttäuscht: Die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser sind berauschend. Warum ich zögerte? Auch dieser Kinderbuchklassiker gehört zu Die Bücher meines Lebens.

Ebenfalls im Oktober begeisterte mich der eindrucksvolle Bildband LOVING: Männer, die sich lieben. Fotografien von 1850-1950 und berührte mein Herz. Über Jahre haben die beiden Autoren Hugh Nini und Neal Treadwell Fotos liebender Männer gesammelt, die zu einer Zeit entstanden sind, als die Gesellschaft weniger liberal eingestellt war.


So endet der Jahresrückblick mit meinen Lesehighlights doch eher hoffnungsfroh: Mit einem guten Buch als Begleiter stelle ich mich auch den Herausforderungen des Neuen Jahres.

Es gibt noch so viele wunderbare Bücher zu entdecken, und auch im Jahre 2021 werden einige weitere dazu kommen…!

…und was waren Eure Lesehighlights 2020?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Willem Elsschot – Maria in der Hafenkneipe

„Maria van Dam, Kloosterstraat 15“ steht auf dem Stückchen Pappe, das drei orientalische Seeleute dem Ich-Erzähler unter die Nase halten und mit gebrochenem Englisch nach dem Weg fragen. An diesem nassen Novemberabend sind sie auf der Suche nach dem bezaubernden Mädchen, das am selben Tag an Bord gekommen war, um die Säcke zu flicken. Unter der angegebenen Adresse ist keine Maria zu finden. Doch statt aufzugeben, suchen sie weiter: Und so führt unser Erzähler die Seeleute gleich ein Hirte die heiligen drei Könige durch die Straßen der Hafenstadt von Haus zu Haus, von Ort zu Ort, von Begegnung zu Begegnung. Doch Maria bleibt unauffindbar, und so verabschieden sich die vier Männer zur späten Stunde und ziehen getrennte Wege…!

Der flämische Schriftsteller Alfons De Ridder veröffentlichte unter dem Pseudonym Willem Elsschot im Jahre 1946 diese unspektakulär anmutende Erzählung, die 1948 sogar mit dem belgischen Staatspreis ausgezeichnet wurde. Auf knapp 90 Seiten in einem kleinen Büchlein folgen wir den Männern durch das nächtliche Antwerpen auf der Suche nach einer Vision. Die unbekannte Maria gleicht einem Irrlicht (Originaltitel der Geschichte: Het dwaallicht), verspricht die Verheißung und steht als Sinnbild für die Träume und Wünsche aber auch für die Enttäuschungen, die die Protagonisten auf ihrer Wanderschaft erleben müssen.

Denn die Reaktionen der Mitmenschen, denen sich die ausländischen Matrosen aussetzen, fallen recht unterschiedlich aus: Sie erhalten dort Unterstützung, wo sie es nicht erwartet hätten, und erfahren Ablehnung, wo sie nicht damit rechnen. Elsschot beschreibt manche Einheimische wenig schmeichelhaft (Zitat: „Ein würdiges Exemplar des Herrenvolkes, das wir Weißen schließlich sind.“) und demaskiert sie, indem er ihnen beschämende Worte des Fremdenhasses in den Mund legt.

Da fungiert unser Ich-Erzähler dankenswerter Weise als ausgleichender Katalysator, der für Menschlichkeit und Toleranz steht und eine wohltuende Wandlung vom widerwillig Helfenden zum engagierten Unterstützer vollzieht. Der Autor porträtiert seine „heiligen drei Könige aus dem Morgenland“ äußerst respektvoll und lässt sie die Menschen in ihrem Umfeld mit Höflichkeit begegnen. Zwischen diesen Männern aus zwei unterschiedlichen Kulturen entspinnt sich ein Gespräch über Glaube, Liebe und Familie. Ethnische Unterschiede treten zutage, und Lebensentwürfe werden verglichen, was in gegenseitiger Akzeptanz mündet. Und so trennen sie sich am Ende nicht unbedingt als Freunde doch durchaus als sich gegenseitig Verstehende,…

…und Maria? Sie bleibt nebulös im Verborgenen, und Esschot verrät uns nicht, für welche Maria sie sinnbildlich steht (die Heilige oder die Hure). Das bleibt der Interpretation des Lesers überlassen.

Knapp 90 Seiten in einem kleinen Büchlein: Manchmal braucht eine Geschichte nicht mehr, um sich gänzlich zu entfalten, seine Leserschaft zu fesseln und zum Nachdenken anzuregen!


erschienen bei Unionsverlag/ ISBN: 978-3293004108 / Neuauflage erschienen bei Unionsverlag/ ISBN: 978-3293005648

[Noch ein Gedicht…] Shel Silverstein – DER WEIHNACHTSHUND

Heute ist der 24.12.,
als Wachhund mein erster Tag.
Vergangen bereits bis zur Hölfte;
mal sehn, was der Rest bringen mag.

Was ist das denn, Lärm auf dem Dach?
Katze? Nein! Einbrecher? Kenner
hören den Unterschied raus. Krach
im Kamin? – Ein bärtiger Penner!
Und die größte Sauerei:
Er hat einen Sack dabei!

Ich belle, ich knurre, ich beiß ihm ins Bein.
Er schreit, springt zurück in den Schlitten.
Diese komischen Viecher kriegen auch noch fein
was ab. Da hilft kein Bitten.

Jetzt ist das Haus wieder friedlich und still.
Der Platz vor dem Christbaum ist leer.
Wenn Herrchen mich morgen belohnen will –,
verdient hätt ich’s jedenfalls sehr.

Shel Silverstein

[Rezension] René Goscinny – Weihnachten mit dem kleinen Nick/ mit Illustrationen von Jean-Jacques Sempé

Als ich selbst noch Kind war (Mir fällt gerade auf, dass ich bei der diesjährigen „Lektüre zum Fest“ recht häufig einen Blick in die Vergangenheit werfe!), waren meine Klassenkameraden von „Der kleine Nick“ ganz begeistert: „Das ist sooo lustig! Das musst Du unbedingt lesen!“ So lieh ich mir aus der Gemeindebücherei eines der vielen Nick-Bücher aus, begann zu lesen und fand es gar nicht sooo lustig. Was – bitteschön – sollte daran nun so witzig sein? Ich las das Buch erst gar nicht zu Ende, sondern brachte es enttäuscht in die Bücherei zurück.

Jahrzehnte später (2009) saß ich mit meinem Mann im Kino, und endlich erlag ich dem Charme vom kleinen Nick. Den Heimweg konnten wir nur in Etappen zurücklegen, da wir – vor Lachen geschüttelt – immer wieder die Fahrt unterbrechen mussten und uns somit nicht auf den Verkehr konzentrieren konnten. Und trotzdem griff ich auch danach nicht zum Buch: Die Erinnerung an die Enttäuschung in der Kinderzeit war wohl noch sehr präsent!

Doch in diesem Jahr lasse ich Enttäuschung Enttäuschung sein und taste mich „todesmutig“ mit „Weihnachten mit dem kleinen Nick“ an seine Welt heran. Schon bei der Eröffnungsgeschichte, in der Nick einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreibt und selbstlos sich selbst nichts wünscht, kichere ich entzückt vor mich hin. Bei den lebhaft geführten Diskussionen der Kinder auf dem Schulhof, wer nun welches Geschenk vom Weihnachtsmann bekommt und wessen Geschenk am meisten Eindruck schindet, lachte ich mehrfach laut auf. Ich fühlte mich ein wenig ertappt, als ich von den Tücken des Weihnachtsbaum-Kaufs am Heiligabend las, denn gemeinsam mit dem Baum kann auch schnell die häusliche Stimmung kippen. Beinah empfand ich Mitleid mit Nicks Papa, der mit einer starken Erkältung lieber ins Büro geht, da er nur dort seine Ruhe hat und sich so ordentlich auskurieren kann.

René Goscinny schaute den liebenswerten Gören sehr genau auf’s Maul und traf deren kindlichen Ton genial: In ihrer schlichten und naiven Art erklären Nick und seine Freunde uns die Welt, hinterfragen die Handlungen der Erwachsenen und führen so einiges „ad absurdum“. Dabei steckt hinter ihren Taten weder Böswilligkeit noch ein spontaner, unbedachter Aktionismus, – Nein! Nein! – denn vor der Tat werden sich tiefschürfende Gedanken gemacht. Ihre Beweggründe sind aus ihrer Sicht absolut logisch, haben Hand und Fuß und somit ihre Berechtigung. Schließlich können sie ja nichts dafür, dass die Erwachsenen diese Logik nicht begreifen. Jean-Jacques Sempés Illustrationen fangen diesen kindlichen Zauber wunderbar ein, sind pointiert, humorvoll und absolut liebenswert. Gemeinsam mit dem Text bilden die Zeichnungen eine berückende Einheit.

Nachdem ich nun einen Blick auf die Original-Vorlage werfen durfte, wuchs meine Hochachtung auf die Filmemacher, die so liebevoll detailreich Nicks Welt auf Zelluloid gebannt haben. Wie schon im Film waren auch in den Geschichten zwei Personen meine beiden heimlichen Helden: Chlodwig und der Hühnerbrüh! Insgesamt zehn Geschichten vom kleinen Nick und seinen Freunden versammeln sich in diesem weihnachtlichen Band, und ich fand sie alle „Echt prima!“

Doch wieso gefielen sie mir nicht, als ich selbst noch ein Kind war? Ich kann es mir nur so erklären: Die kindliche Logik von Nick und seinen Freunden entsprach damals meiner eigenen kindlichen Logik. Die Denkweise der Figuren erschien mir völlig normal, und so konnte ich den Humor nicht verstehen. Heute ist es anders: Heute schließe ich mich der Meinung meiner Klassenkameraden von damals an und gestehe begeistert:

„Das ist sooo lustig!“


erschienen bei Diogenes/ ISBN: 978-3257011807

MONTAGSFRAGE #105: Social Media als Alternative zu klassischen Blogs?

Wir stecken mitten im Lockdown, der uns ungewohnte Vorgaben für das nahende Weihnachtsfest auferlegt, das sich so ins kollektive Gedächtnis brennen wird. Da freut sich die empfindsame Blogger-Seele über den noch so kleinsten Hauch von Normalität: Eine neue Woche, eine neue MONTAGSFRAGE – irgendwie ist alles beruhigend wie immer, oder? Ja, zu mindestens in der „überschaubaren“ Welt der Buch-Blogger herrscht Friede, Freude, Eierkuchen! Und dann präsentiert uns Antonia DIESE Frage, die wie eine Kampfansage daher kommt: Social Media VS. klassischer Blog! YouTube VS. WordPress! Ring frei für die erste Runde…!

Scherz beiseite! Antonia offeriert uns eine Kombination von zwei Fragen aus dem Fundus der MONTAGSFRAGE #100:

Sind Social Media Kanäle wie YouTube oder Instagram eine Alternative zum klassischen Buch-Blog, oder hat das klassische Bloggen Zukunft?

Ehrlich gesagt habe ich keinen blassen Schimmer, wohin die weitere Digitalisierung uns bringen wird. Ich wage zu behaupten, dass es für jedes Medium eine Fan-Gruppe gibt und auch weiterhin geben wird, die natürlich jeweils einen unterschiedlich großen Umfang hat – je nachdem was gerade so angesagt ist. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass der klassische Blog gänzlich aussterben wird – zumindest nicht solange ich meinen Blog weiterhin mit Inhalt füttere.

Zu Beginn meiner „Blogger-Karriere“ habe ich mich mit den unterschiedlichen Medien beschäftigt, um für mich das passende zu finden (s.a. MONTAGSFRAGE #89). Ich war immer wieder erstaunt, mit wie viel Aufwand und mit welcher Detailverliebtheit meine Blogger-Kolleg*innen auf Instagram Fotos erstellen oder für ihren YouTube-Kanal Videos produzieren. Wie ein staunendes Kind schaue ich mir die Ergebnisse an und bin nach wie vor voller Hochachtung. Dabei sehen/sieht alle/s so verdammt gut aus! Und da scheitert es schon bei mir: Ich sehe auf Fotos nie gut aus (von Videos ganz zu schweigen), und da hilft auch kein Photoshop. Als Werbebotschafter eigne ich mich höchstens für Katzenfutter, und dort auch nur, wenn ausschließlich meine Hände zu sehen sind, die den gar köstlichen Miezen-Fraß aus der Dose ins Napf schütten.

Die unterschiedlichen Medien erfüllen die ebenso unterschiedliche Vorlieben ihrer Follower: Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich bei einem klassischen Buch-Blogs eher dem geschriebenen Inhalt meine Aufmerksamkeit schenke, während ich bei einem Instagram-Post mehr auf die Optik achte. Beide Medien haben ihre Berechtigung! Trotzdem glaube ich, dass in unserer schnelllebigen Zeit hippe Blog-Formate, die ihre Inhalte effizient vermitteln, zunehmen werden. Da sind (laufende) Bilder natürlich deutlich wirkungsvoller als der geschriebene Text.

Doch Fossile wie ich und einige meiner Blogger-Kolleg*innen werden weiterhin dem klassischen Buch-Blog die Treue halten, und irgendwann wird es heißen:

Wir befinden uns im Jahre 2035 n.Chr. Das ganze Internet ist von Buch-Influencern besetzt…! Das ganze Internet? Nein! Eine von klassischen Buch-Bloggern bevölkerte Internetplattform hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Ich tüftle schon an der Rezeptur des Zaubertranks!

…und wer möchte auch einen Schluck vom Zaubertrank probieren?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.