MONTAGSFRAGE #27: Die schönsten Buchcharakter-Namen…?

Montagsfrage (1)

In meiner Erinnerungs-Kommode rappelt es wieder…!

Dachte ich noch im ersten Moment, dass ich bei dieser Frage kläglich scheitern würde, da ich mir so schlecht Namen merken kann, und darum einige Romane mit ihrem üppigen Handlungspersonal mich schon sehr herausfordern. Doch ich musste gar nicht so tief in den Schubladen der oben genannten Kommode kramen: Zwei meiner liebsten Krimi-Held*innen haben sehr schöne klangvolle Namen…!

Da ist zum einen die von Alan Bradley erdachte jugendliche Heldin mit Namen FLAVIA DE LUCE – ein  Name, der anfangs sehr kapriziös erscheint und so gar nicht zu dieser vorlauten, altklugen Göre mit dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein zu passen scheint. „Luce“ bedeutet im Italienischen „Licht“, und so wirkt dieser Name für eine Krimiheldin doch äußerst passend. So bringt Flavia immer wieder Licht ins Dunkel, indem sie so manches Geheimnis lüftet und „nebenbei“ gerne einen Mord aufklärt.

Dank Colin Cotterill durfte ich die Bekanntschaft mit Dr. SIRI PAIBOUN machen. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob Absicht dahinter steckt, dass „Paiboun“ sich auf „Taifun“ reimt. Doch ebenso wie ein tropischer Wirbelsturm über das Land fegt, so stürmt auch Dr. Siri als einziger Gerichtsmediziner des Landes über das kommunistische Laos der 70er Jahre. Er hinterlässt nicht unbedingt eine Stätte der Verwüstung, rüttelt aber zumindest mit seinen unkonventionellen Methoden und seinem Hang zum Spirituellen seine Umwelt gehörig durcheinander.

Während ich dies schrieb, kam mir zudem die Heldin aus Tennessee Williams Drama „Endstation Sehnsucht“ in den Sinn (zwar kein Roman aber als Schauspiel durchaus auch ein literarisches Werk). BLANCHE DUBOIS: Allein der Name klingt nach einem schwülen Sommerabend in New Orleans, wo die leisen Klänge eines Banjos durch einen warmen Windhauch zart getragen von Haus zu Haus, von Ohr zu Ohr schweben…!

Seht Ihr, es geht schon los! Mein Kopfkino ist angesprungen…!!!

…und bei welchen Namen springt Euer Kopfkino an???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Musical] John Kander – CABARET / Stadttheater Bremerhaven

Buch von Joe Masteroff nach dem Stück Ich bin eine Kamera von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood / Gesangstexte von Fred Ebb / Musik von John Kander / Deutsch von Robert Gilbert / in der reduzierten Orchesterfassung von Chris Walker

Premiere: 23. Februar 2019/ besuchte Vorstellung: 8. März 2019

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Inszenierung: Mark Zurmühle
Musikalische Leitung: Jan-Hendrik Ehlers
Choreographie: Andrea Danae Kingston
Bühne: Eleonore Bircher

Kostüme: Cornelia Schmidt


Willkommen, Bienvenue, Welcome!

Clifford Bradschaw tritt auf. Er ist Schriftsteller aus Amerika und auf dem Weg ins Berlin der Weimarer Republik, um dort im pulsierenden Leben der Großstadt endlich die Inspiration für seinen großen Roman zu finden. Auf der großen Leinwand flackern die ersten Bilder und formen sich zu Konturen: Clifford sitzt im Zugabteil und lernt den Devisenschmuggler Ernst Ludwig kennen, der ihm nicht nur eine Bleibe vermittelt sondern auch die Freundschaft anbietet. Clifford nimmt – trotz der Warnung des windigen Conférenciers – beides an,…

…und taucht am Silvesterabend des Jahres 1929 in die dekadente Welt dieser Metropole ein, lernt Nachtclub-Sängerin Sally Bowles kennen und lieben, sieht wie die zarte, späte Liebe seiner Wirtin Fräulein Schneider zum jüdischen Obsthändler Herr Schulz aufgrund der politischen Entwicklungen zerbricht und erkennt die Nationalsozialisten, die immer mehr Einfluss gewinnen, als Bedrohung der Freiheit des Einzelnen und als Zerstörung der Grundfeste der demokratischen Gesellschaft.

Harter Tobak für ein Musical…! „Cabaret“ wird im Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven darum auch unter „Schauspiel“ geführt. Und so sind die Hauptrollen (mit einer Ausnahme) aus dem Schauspielensemble besetzt. Zudem wurde auf das große Orchester verzichtet: Die Musik klingt in der Besetzung der 6-Mann-starken Band unter der Leitung von Jan-Hendrik Ehlers darum auch mehr nach Weill/ Brecht als nach Broadway-Sound.

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Während in anderen Inszenierungen das Hauptaugenmerk gerne eher auf Sally Bowles und dem Conférenciers liegt, steht hier der Schriftsteller Clifford Bradshaw im Mittelpunkt und rückt so das Musical näher an seine Vorlage, der Erzählung „Goodbye to Berlin“ von Christopher Isherwood. Henning Bäcker füllt diese Aufgabe bravourös aus. Er trägt diese anspruchsvolle Rolle, ist nicht nur Erzähler – Nein! – er ist der Chronist seiner Zeit: Nah genug, um betroffen zu sein/ fern genug, um ein krankes System zu erkennen! Bäckers Clifford Bradshaw bleibt, trotz aller Ambivalenz und sich den Verlockungen kurzfristig hingebend, das Gewissen des Stücks: Für ihn steht die Menschlichkeit über allem!

Die Sally Bowles von Dorothea Maria Müller (Gast und einziger Musicalprofi im Ensemble) erscheint anfangs als oberflächliches Flittchen, der Spaß (auch am Sex) und die eigene, klägliche Karriere wichtiger zu sein scheinen, als eine ernste Beziehung oder die angespannte politische Atmosphäre. Erst im 2. Akt ändert sich diese Haltung, als Sally schmerzhaft erkennen muss, dass sie selbst für ihr Tun (oder auch Nicht-Tun) verantwortlich ist. Hier hat Dorothea Maria Müller die Gelegenheit nicht nur gesanglich sondern auch schauspielerisch zu glänzen: Ihre Konfrontation mit Cliff ist voller Dramatik und geht unter die Haut. Zudem verfügt Müller über eine tolle Stimme und bringt die Song-Klassiker dank ihrer individuellen Phrasierung zum Blühen.

Sascha Maria Icks wurde unlängst in einem Artikel eines Boulevard-Magazins als „Grande Dame“ des Stadttheater Bremerhaven bezeichnet. Soweit würde ich nicht gehen: Klingt dies doch zu sehr nach nahender Rente, und davon ist sie weit entfernt. Im Gegenteil: Auch in der Rolle des Conférenciers zeigt sie wieder ihre Kunst. Ihr Conférencier ist ein anpassungsfähiges Wesen (sexuell/ politisch) voller Ironie und der diabolische, scheinbar unberührbare Strippenzieher, dem menschliche Schicksale oder politische Entwicklungen „am A…“ vorbei geht. Selten wird diese Rolle von einer Frau verkörpert: Dabei ist sie mit ihrer Ambivalenz, Androgynität und sexueller Flexibilität auf kein Geschlecht festgelegt. Icks ist in guter Gesellschaft: Bei der deutschsprachigen Ur-Aufführung 1970  am Theater an der Wien wurde diese Rolle von der großartigen Blanche Aubry verkörpert.

Isabel Zeumer und Kay Krause als Fräulein Schneider und Herr Schulz glänzen nicht: Sie schimmern nur zart inmitten dieses ganzen grellen Tands und Flitters und berühren darum im Spiel umso mehr. Gerade die Zerstörung dieses kleinen Glücks der älteren Menschen berührt beinah mehr als die große Dramatik zwischen Sally und Cliff.

Jakob Tögel ist schon rein optisch der Vorzeige-Deutsche: groß und blond. Er legt die Rolle des Ernst Ludwig anfangs beinah zu sympathisch an. Er ist der attraktive Verführer, der scheinbar ungefährlich, dafür sexuell sehr aufgeschlossen, das Vertrauen seiner Mitmenschen gewinnt, um dann später die Fratze des Nationalsozialisten zu zeigen.

Mark Zurmühle ist eine aufwühlende Inszenierung gelungen: Der erste Akt plätschert scheinbar belanglos vor sich hin. Das Amüsement steht im Vordergrund. Alles scheint banal! Umso mächtiger treffen das Publikum die Entwicklungen des 2. Aktes und machen betroffen – ähnlich wie die politischen Entwicklungen unserer Gegenwart: erst in Sicherheit wiegen, dann zuschlagen! Einzige (kleine) Wermutstropfen dieser Inszenierung waren für mich die farblos wirkende Choreografie von Andrea Danae Kingston und die wenig individuelle Zeichnung der Kit-Kat-Girls und -Boys (Vielleicht auch so gewollt?).

Eine absolut sehenswerte „Cabaret“-Inszenierung, bei der Schauspiel vor Show steht!

Life is a Cabaret!


CABARET wird am Stadttheater Bremerhaven noch bis zum Ende der Spielzeit 2018/19 gezeigt.

[Rezension] Barry Anthony – MORD AN DER MUSIC HALL

Das viktorianische London zwischen 1830 und 1900 ist ungebrochen ein äußerst beliebter Schauplatz in Film, Fernsehen und Literatur: So führte uns z. Bsp. die Serie „Ripper Street“ hinab in die Tiefen der Londoner Unterwelt, der Film „Prestige – Die Meister der Magie“ thematisierte die Rivalität zweier Magier im Vaudeville, und der Dickens Klassiker „Oliver Twist“ prangerte die sozialen Missstände der damaligen Zeit an.

Barry Anthony ist Historiker und Publizist und hat sich auf die viktorianische Epoche sowie die Zeit der Jahrhundertwende spezialisiert. Sein besonderes Interesse gilt der Kultur und der Unterhaltungsindustrie dieser Epoche.

Mit „Mord an der Music Hall: Verbrechen und Laster im viktorianischen London“ nimmt er den Leser mit auf eine historische Reise. Wobei nicht unbedingt die brutalen Verbrechen à la Jack the Ripper im Mittelpunkt stehen – vielmehr versucht Anthony in seiner exakt recherchierten und gut lesbaren Reportage den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten dieser Zeit Raum zu geben und somit den  sozialen Niedergang dieser Epoche zwischen billigen Glamour und menschlichen Elend zu schildern.

Heute ist „The Strand“ eine elegante Straße mit Theatern und Hotels. Früher war es die Gegend Londons mit dem zweifelhaftesten Ruf: Gauner und Raufbolde, Schausteller und Komödianten, Prostituierte und Obdachlose tummelten sich in den engen Gassen und bildeten in diesem Mikrokosmos eine Gemeinschaft aus skurrilen, erstaunlichen und bemitleidenswerten Schicksalen.

Da findet das mysteriöse Verschwinden der jungen und hübschen Schauspielerin Mabel Love ebenso Erwähnung, wie die äußerst abwechslungsreiche Lebensgeschichte des gewieften Geschäftsmanns, Theaterbesitzers, Vergnügungsparkbetreibers und Halunken Lord Chief Baron Nicholson. Da werden Männer in Frauenkleider zum öffentlichen Ärgernis und schüren die kollektive Empörung, ein skrupelloser Einbrecher wird Teil der Londoner Folklore, und ein Ermittler erfährt eine gar abenteuerliche Karriere. Alle diese Personen sind Teil einer Gemeinschaft bei der Glanz und Elend, Ruhm und Absturz gefährlich nah beieinander liegen. Gleichzeitig wirft es einen kritischen Blick auf das damalige Rechtssystem mit seinem komplizierten Polizeiapparat.

Zusammen mit historischen Zeichnungen und Fotografien gelingt Anthony das abwechslungsreiche Portrait einer Stadt und eine Reise in eine Epoche, die es so nicht mehr geben wird.


erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150110584

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Robert Galbraith – WEISSER TOD

Ein eindeutig psychotischer junger Mann poltert plötzlich in das Büro von Privatdetektiv Cormoran Strike und schwafelt von einem Mord, den er als Kind beobachtet haben soll. Bevor Strike nähere Informationen erfahren kann, ist dieser junge Mann ebenso plötzlich wieder verschwunden. Doch diese kurze Episode lässt Strike nicht ruhen, zudem er vom Kulturminister höchst persönlich engagiert wird, belastende Fotos von einer Verfehlung aus seiner Vergangenheit aufzuspüren. Mit Hilfe seiner Assistentin Robin Ellacott – nun glücklich (?) verheiratete Cunliffe – nimmt er die Ermittlungen auf…!

Ebenso wie Joanne K. Rowling eine begnadete Märchen-Erzählerin ist, ist Robert Galbraith ein exzellenter Geschichten-Erzähler. Wie sollte er auch nicht: Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich hinter dem Pseudonym „Robert Galbraith“ niemand geringeres als Mrs. Rowling verbirgt. Wobei es durchaus verständlich ist, dass sie sich anfangs hinter Mr. Galbraith „versteckt“ hat. So sollten die Krimis ihre Fans ohne den „Harry Potter“-Bonus finden und nicht mit ihnen verglichen werden.

Es ist schier erstaunlich, wie bravourös sie den Genrewechsel meisterte: Stand bei „Harry Potter“ ganz die spektakuläre Zauberwelt mit seinen phantastischen Wesen im Mittelpunkt, schafft sie es bei „Cormoran Strike“ ein modernes „Whodunit“ mit überzeugenden Charakteren und einer glaubwürdigen Hintergrundgeschichte zu kreieren.

Nun liegt mit „Weisser Tod“ der 4. Fall mit dem hünenhaften Privatdetektiv Cormoran Strike und seiner Assistentin Robin Ellacott vor, der auf 860 Seiten eine Geschichte um Erpressung, Korruption und einem brutalen Mord im Schatten der Olympischen Spiele des Jahres 2012 aufblättert. Vielleicht bekommt nun der eine oder die andere Leser*in Schnappatmung aufgrund der hohen Seitenzahl: Viele Rezensenten bemängelten die Beschreibungen der Szenerie und die Dialoge als langatmig und langweilig – eine Meinung, die ich in keiner Weise teilen kann!

Joanne K. Rowling stellt jedem Kapitel ein Zitat aus dem Drama „Rosmersholm“ von Henrik Ibsen, das Themen wie Schuld, Manipulation, Inzest und Trauer behandelt, vorweg, sodass auf beinah genialer Weise der Inhalt des folgenden Kapitels illustriert wird. Ein intelligenter Schachzug…!

Rowling ist eine meisterhafte Autorin: Sie hat das Talent, – dank ihrer detailreichen Beschreibungen – realistische Welten vor meinem inneren Auge zu entwerfen. Ihre Charakterzeichnung der Protagonisten ist sehr präzise. Ihre Milieuschilderung zeugt von einer großen Beobachtungsgabe. Diese Zutaten sorgen in ihren Krimis für Atmosphäre und Authentizität, sodass ich zu keiner Zeit Langeweile verspürte.

Nur peu à peu entblättert sie die Handlung vor dem Leser, kann sich somit dessen Aufmerksamkeit sicher sein und hält die Spannung aufrecht. Dabei scheut sie sich nicht einen über mehrere Kapitel aufgebauten Handlungsbogen mit einem überraschenden Knall-Effekt wieder zu vernichten, nur um dann ihre Protagonisten gemeinsam mit dem Leser von vorne beginnen zu lassen.

Mrs. Rowling ist gemeinsam mit Mr. Galbraith wieder ein „Pageturner“ gelungen!


erschienen bei blanvalet/ ISBN: 978-3764506988

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #26: Gibt es ein Genre, das du gar nicht (gern) liest?

Montagsfrage (1)

Ja, gibt es! Und: Nein, gibt es nicht! (Hä?)

Es sind vielmehr einige Zutaten, die ich nicht mag, und die bei Gebrauch das Menü für mich ungenießbar machen. Wobei besagte Zutaten gerne zur Zubereitung gewisser Genre verwendet werden. Darum sind die Grenzen auch fließend…!

Ein gelungenes literarisches Menü darf gerne auf folgende Zutaten/ Genre verzichten: Horror & Gewalt, Vampire, Sex,…!

Horror/ Gewalt: Rache nehmende Untote, Beil schwingende Kindermädchen oder sprechende Puppen mit Eigenleben dürfen ebenso VOR meiner Tür bleiben wie Serienkiller in Friesland, die junge Frauen foltern oder Psychopaten in Skandinavien, die ein Meer aus Blut hinterlassen. Das reale Leben und somit auch die Literatur ist aufregend genug, da braucht es meiner Meinung nach keine verschriftlichten Horror-Fantasien und Gewalt-Exzesse. Die nach wie vor anhaltende Faszination an diesen Extremen hat sich mir nie erschlossen.

Vampire: „Dracula“ von Bram Stoker ist unbenommen ein Klassiker. Punkt! Über den ihm nachfolgenden kläglichen Rest möchte ich lieber schweigen. Wobei ich zugebe, dass dieser Hype um die Blutsauger gänzlich an mir abgeprallt ist, und ich somit deren Faszination nie verstanden habe. Will sagen: Sie sind mir völlig schnuppe!

Sex: Oftmals wird ja Sex mit Erotik verwechselt bzw. gleichgesetzt. Dabei hat für mich die detaillierte Beschreibung von Sex(-praktiken) nichts mit Erotik zutun. Das ist Pornografie in Worte verpackt. Erotik ist so viel mehr: Das Knistern zwischen zwei Protagonisten, wenn sie sich begegnen; dieses Ankämpfen gegen die Gefühle mit einem „Nichtwahrhabenwollen“; der Auftritt eines charismatischen Protagonisten „mit dem gewissen Etwas“…! Das ist für mich Erotik! Und das Beste daran: Niemand ist nackt!

Bestimmt gibt es noch weitere Zutaten, die ich mir ungern auf der Zunge zergehen lassen möchte, aber um dies zu beurteilen, müsste ich sie erst gekostet haben. Es bleibt spannend…!

…und mit welchen Zutaten wird Euch ein literarisches Menü verleidet???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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Vorlesewettbewerb 2018/19: And the winner is…

Irgendwie ist es wie bei „Dinner for One!“ – The same procedure as every year!

Es ist an einem Abend im Februar. In der „schatulle“ sitzen neben mir Iris Belz, Leiterin der Stadtbibliothek und Heinz Höllings, Lesepate an verschiedenen Schulen. Wir alle 3 haben Klemmbretter mit Bewertungsbögen auf den Knien. Vor uns sitzen 9 Jugendliche, die den Mut hatten, sich dem Vorlesewettbewerb auf Kreis-Ebene zu stellen und haben ihre „Freunde“ mitgebracht: Elizabeth aus dem Winterhaus, Greg mit seinen Tagebüchern, Young Sherlock Holmes, Lola und der Herr der Diebe sind heute auch in dieser Buchhandlung zu Gast.

Wir bekommen eine bunte, wilde und abwechslungsreiche Reise durch die Jugendliteratur geboten – mit ebenso abwechslungsreichen Darbietungen. Großartig!

Der Ablauf ist seit Jahren identisch: Die Kids müssen 2 Runden absolvieren. In der ersten Runde stellen sie innerhalb von 3 Minuten einen Auszug aus ihrem Wahlbuch incl. einer erklärenden Einleitung vor. Die Jury entscheiden dann über Lesetechnik, Interpretation und Textstellenauswahl. Bei der zweiten Runde erhalten die Kids einen ihnen unbekannten Text und werden von der Jury in Lesetechnik und Interpretation bewertet. Dann zieht sich die Jury zur Beratung zurück, zählt die jeweils vergebenen Punkte zusammen und diskutiert manchmal durchaus kontrovers, bis dann endlich die/ der Sieger*in feststeht und bekanntgegeben werden kann.

Clara Serin Schmidt gewinnt mit ihrem gekonnten Vortrag aus „Honigkuckuckskinder“ von Andreas Steinhöfel und ihrer souveränen Leistung beim Fremdtext absolut verdient diesen Kreis-Entscheid und darf sich nun auf Bezirksebene messen. Gratulation!

Ich genieße wieder die entspannt-lockere Atmosphäre und den sehr netten Austausch mit meinen Mit-Juror*innen…

…und fühle mich wieder bestätigt:

Bevor das Buch „ausstirbt“, friert die Hölle zu!!! 😈

P.S.: Hier geht es zu den Zeitungsberichten: Osterholzer Kreisblatt / Osterholzer Anzeiger

[Operette] Emmerich Kálmán – DIE HERZOGIN VON CHICAGO / Stadttheater Bremerhaven

Operette von Emmerich Kálmán / Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald

Premiere: 9. Februar 2019 / besuchte Vorstellung: 28. Februar 2019

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Hartmut Brüsch
Inszenierung: Felix Seiler
Choreographie: Andrea Danae Kingston
Bühne & Kostüme: Barbara Bloch

Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández


Wie? Sie waren noch nie in einer Operette? Dann werde ich ihnen mal eben die Handlung skizzieren,…

Sie lernen sich kennen! Sie verlieben sich! Sie trennen sich! Sie finden wieder zueinander! Sie leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende! ENDE!

…und diese Zusammenfassung lässt sich auf nahezu ALLE Operetten übertragen!

Aber wer eine Operette wegen der intellektuellen Herausforderung besucht, ist schlicht und ergreifend am falschen Platz. Operette ist bestenfalls ein locker-leichtes Soufflé mit herrlicher Süße und zartem Schmelz (Nährwert: Fehlanzeige, Wohlfühlfaktor: reichlich).

In diesem Fall trafen wir auf Emmerich Kálmáns lang verschollene und darum selten gespielte Operette „Die Herzogin von Chicago“. Wie der Titel es schon erahnen lässt, trifft hier die neue auf die alte Welt, die Moderne auf die Tradition und der Charleston auf den Csárdás. Kálmáns Musik ist voller ironischer Zitate: Ich saß im Publikum und amüsierte mich über die versteckten Anspielungen an seine damaligen Kollegen der E- und U-Musik.

Das Stadttheater Bremerhaven bot in der Inszenierung von Felix Seiler vieles für Auge und Ohr: die Kulissen glitzerten, die Kostüme funkelten, die Sänger*innen „gaben dem Affen Zucker“ (Hier wurde sehr zur Freude des Publikums schamlos übertrieben!), die Tänzer*innen vom Ballett tanzten famos, und das fulminant aufspielende Philharmonische Orchester unter dem Dirigat von Hartmut Brüsch schmachtete durch die wunderbaren Melodien (Schon allein die Ouvertüre hätte ich gerne ein 2. Mal gehört).

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Selten habe ich ein so komödiantisch aufgelegtes Opern-Ensemble gesehen – allen voran das Buffo-Paar mit Victoria Kunze (Prinzessin Rosemarie) und MacKenzie Gallinger (James Jonny Jacques Bondy), während das „seriöse“ Paar bestehend aus Tijana Grujic (Miss Mary Lloyd) und Christopher Busietta (Sándor Boris) sich mit Schmelz durch die Arien sang. Schauspieler John Wesley Zielmann brillierte wieder mit seinem perfekten Timing für Komik. Das Ballett-Ensemble absolvierte in der abwechslungsreichen Choreografie von Andrea Danae Kingston eine Tour de Force und meistert diese mit Bravour!

Mit einer Melodie im Ohr machten wir uns auf den Heimweg: Ob es nun ein Charleston oder ein Csárdás war, ist doch völlig egal. Denn: „…so ein Charleston ist doch gar nix anderes als amerikanischer Csárdás!“

Definitiv: „BEST OF SCHMALZ“


DIE HERZOGIN VON CHICAGO swingt noch bis zum Ende dieser Spielzeit über die Bühne des Stadttheaters Bremerhaven!

[Rezension] Rainer Moritz – Leseparadiese: Eine Liebeserklärung an die Buchhandlung

Dass Rainer Moritz ein exzellenter Plauderer ist, war mir bekannt. Dass Rainer Moritz über einen großen Wissensschatz verfügt, war mir bekannt. Dass Rainer Moritz Humor besitzt, war mir auch bekannt…!

Nun hat er alle diese Eigenschaften in diese Lobhudelei auf die vielgescholtenen, inhabergeführten Buchhandlungen einfließen lassen. Er beginnt mit einer Reise zu den Buchhandlungen seiner Kindheit und Jugend und verführt mich als Leser, ebenso einen Rückblick in die eigene Vergangenheit zu wagen.

Dabei wirft er einen kritisch-ironischen Blick auf die Spezies „Buchhändler“ und deren natürliches Territorium „Buchhandlung“, benennt offen „Wie es nicht sein sollte!“ – sei es im Umgang mit den Kunden, in der Gestaltung des Geschäftes oder der Wahl des „Non Book“-Sortiments – hebt aber auch innovative Werbe-Ideen und Aktionen hervor.

Er macht mit uns einen Streifzug durch die schönsten Buchhandlungen der Welt, die nicht nur in Hamburg, Paris, London oder Maastricht zu finden sind. Auch kleinere Buchhandlungen werden wohlwollend erwähnt, und ich muss zu meiner Schande gestehen: Ja, ich habe vorgeblättert! Warum: Weil Rainer Moritz in seiner Lobhudelei auch die Buchhandlung meines Vertrauens bedacht hat. Da konnte ich einfach nicht abwarten!

Er lamentiert über Sinn, Zweck und Notwendigkeit von Lesungen sowie dem Wechselspiel zwischen Autor, Buchhändler und Zuhörer und liefert kurioses von allen Fronten. Dabei versuchte er diesem Phänomen „Autorenlesung“ auf den Grund zu gehen (Unsere Freunde in den Nachbarländern kennen Lesungen nicht: Dort treffen Literaturaffine und Autoren bei Signierstunden und Diskussionsrunden aufeinander.). Nur um im nächsten Kapitel die provokante Frage, ob Lesen glücklich macht (Jeder Buch-Blogger wird enthusiastisch „Ja!“ schreien.), zu stellen: Diese Frage wird selbstverständlich von ihm kompetent und unterhaltsam bissig-ironisch selbst beantworten.

Der Abschluss bildet das Kapitel „Die Buchhandlung – ein geistiger Raum?“ aus dem ich gerne einen Satz zitieren möchte, der auch als Quintessenz dieser Abhandlung gelten könnte:

„Wir machen Erfahrungen des Lesens, und das sind damit Erfahrungen des Lebens.“

Mit diesem kurzweiligen Büchlein lässt Rainer Moritz uns seine Liebe zum Buchhandel spüren und an seiner nie versiegenden Leidenschaft für das Buch teilhaben.

Aber was können wir auch anderes vom Leiter des Literaturhauses Hamburg erwarten: Er ist halt parteiisch! 😉


erschienen bei Sanssouci/ ISBN: 978-3990560495

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #25: Machst du auch beruflich etwas mit Büchern oder könntest du dir das irgendwann einmal vorstellen?

Montagsfrage (1)

„Ha! Das ist ja einfach!“, dachte ich und haute meine Antworten in die Tastatur:

Nein! und Nein!

Fertig!

Aber dann öffneten sich an meiner Erinnerungs-Kommode wieder einige Schubladen und schütteten ihre Inhalte wieder hemmungs- sowie wahllos und vorallem rücksichtslos über mich aus!

Ja! – es ist richtig, dass ich – Nein! – nichts beruflich mit Büchern mache! Ja! – es ist richtig, dass ich – Nein! – mir das nicht irgendwann einmal vorstellen könnte!

Aber es gab eine Zeit, da hätte ich es mir vorstellen können: Knapp 16-jährig musste ich mir die ersten Gedanken bzgl. meiner Berufswahl machen. Da dachte ich, dass ich mich am besten mit Dingen umgebe, die ich am meisten liebe und wollte Bücher in einer Buchhandlung verkaufe. Dabei sollte es  nicht irgendeine Buchhandlung sein – Nein! – es musste die Buchhandlung Weise in meinem Heimatort sein, die zu diesem Zeitpunkt der schönste Ort auf der Welt für mich war (Der zweit-schönste Ort auf der Welt war für mich unsere Gemeinde-Bücherei!).

Von meinen Eltern erntete ich eher Unverständnis und Spott: Ich solle etwas „vernünftiges“ machen! Eine ähnliche Reaktion erntete ich von meinen Erzeugern ein paar Jahre später, als ich mich ernsthaft für Schauspiel und Gesang interessierte: Da sollte ich doch lieber etwas „anständiges“ machen.

Leider hat sich mir bis heute nicht erschlossen, was an beiden Berufen nun un-vernünftig und un-anständig ist, aber als folgsamer Sohn, der ich damals noch war, habe ich mich gefügt und bin stattdessen zuerst Industriekaufmann und dann Krankenpfleger geworden. Und somit musste die Welt auf einen großartigen Buchhändler oder einen begnadeten Schauspieler verzichten.

Beides kombiniere ich nun in meinen Hobbies: Auf meinem Blog versuche ich gute Bücher unter die Menschheit zu bringen, und bei meinen Lesungen tobe ich mich darstellerisch aus.

Meine Eltern konnten meine spätere „Karriere“ nicht mehr verfolgen. Ich bin deswegen nicht traurig,  hegen ihnen gegenüber aber auch keinen Groll mehr.

Eine Traurigkeit (gepaart mit Dankbarkeit) überkommt mich, wenn ich an meinen Großvater denke: Er hat mich und meine Talente immer unterstützt, war die Konstante in unserem unsteten Leben und hat mir viele Werte auf meinen Lebensweg mitgegeben, die auch heute noch Gültigkeit für mich besitzen. Gerne hätte ich ihn noch ein wenig länger an meiner Seite gehabt.

Diedrich Heinrich Friedrich Müller: Du konntest meinen Werdegang leider nicht mehr miterleben, aber ich bin mir sehr sicher, Du wärst auf mich stolz!!! 💖

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Georg Möller – Und immer wieder mein Garten: Schriftstellerinnen über ihre besondere Beziehung zum Garten/ mit Fotografien von Gary Rogers

Der Monat März steht vor der Tür und somit wartet auch die Arbeit in unserem Garten auf mich: So sehr ich im Herbst das Ende der Garten-Saison herbeisehne, um endlich von den lästigen Pflichten des Rasenmähens und Unkrautzupfens befreit zu sein, so sehr drängt es mich im Frühjahr wieder nach draußen in die Natur…!!!

Der Mensch und seine Liebe zum eigenen Garten: Jeder verbindet mit ihm etwas sehr persönliches – für den einen ist es ein Nah-Erholungsgebiet zur Entspannung, dem anderen dient er zur Inspiration, und der nächste braucht die körperliche Tätigkeit zur inneren Einkehr…!

Im vorliegenden Buch wurden nun 12 Schriftstellerinnen nach ihren Beziehungen zu ihren Gärten befragt. Herausgekommen sind 12 sehr persönlich gefärbte Portraits u.a. von Ulla Hahn, Charlotte Link, Ildikó von Kürthy, Rita Falk und Ingrid Noll.

Die Damen öffnen buchstäblich ihre Gartenpforten und lassen in ihre Refugien blicken. Dabei gewähren sie einen Einblick in ihr Privat-Leben, berichten über ihre Kindheitserinnerungen und schildern den Einfluss des Gartens auf die schriftstellerische Tätigkeit.

Georg Möller schenkt jeder Dame einen Leit-Artikel und lässt sie danach in Form eines Interviews zu Wort kommen. Abgerundet werden die Portraits durch einen persönlichen Text der jeweiligen Schriftstellerin. Die meist kleinformatigen Fotos von Gary Rogers geben einen Eindruck über die Gärten. Wer hier allerdings Ansichten à la Garten-Hochglanzmagazine erwartet, der wird enttäuscht werden: Die Gärten wirken vielmehr unvollkommen, organisch gewachsen und authentisch.

Dieses Buch ist weniger für den passionierten Gartenfreund gedacht als vielmehr für die Fans der Schriftstellerinnen, die sich über einen voyeuristischen aber respektvollen Blick in deren Privatsphäre freuen können.

erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt/ ISBN: 978-3421040633

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Weiterführende Literatur: Ulla Lachauer ist mit Der Akazienkavalier eine wunderbare, literarische Abhandlung über Menschen und ihrer Liebe zu Gärten gelungen. Lesenswert!