MONTAGSFRAGE #14: Was sind für dich die schönsten Weihnachtsbücher?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv finden Sie Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.


Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Was sind für dich die schönsten Weihnachtsbücher?

Tja, Leute, genau die richtige Frage für einen absoluten Weihnachtsbücher-Fachmann wie mich! Hihihi!

Wobei ich den Begriff „Weihnachtsbücher“ freier interpretiere und somit auch einzelne Weihnachtsgeschichten mit einschließen würde…

Treue Leser*innen meines Blog wird es nicht entgangen sein, dass ich mich gerade mitten in der Vorbereitung zu einer Weihnachts-Lesung befinde, somit ist das Thema „Weihnachtsbücher“ bei mir gerade sehr präsent.

Zudem habe ich gerade eine Rezension zu Lektüre zum Weihnachtsfest veröffentlicht und fürchte, mich hier jetzt zu wiederholen…!

Ach, was soll´  s?

Eine meiner liebsten Weihnachtsgeschichten ist „Der unfolgsame Esel“ von Agatha Christie, die hier „en miniature“ ihr großes Erzähltalent beweist: Sympathische Protagonisten, schelmischer Witz, gekonnter Spannungsbogen und am Ende eine überraschende Wendung mit Stimmungswechsel. Im „Großen“ sprich im Roman können dies viele Autoren, im „Kleinen“ ist es eine außerordentliche Kunst, die Mrs. Christie perfekt beherrschte.

Meine zweite, liebste Weihnachtsgeschichte ist „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry, und als passende Lektüre zu Weihnachten bzw. Neujahr möchte ich Euch gerne „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner ans Herz legen.

Zu „Das Geschenk der Weisen“ und „Drei Männer im Schnee“ habe ich zufälliger- sowie passenderweise die Rezensionen schon in petto, die morgen bzw. am 3. Januar erscheinen werden.

Darum: „Oh, freued Euch!“ ♫♪♩♬♫♪

In diesem Zusammenhang möchte ich eine Botschaft hinaus zu Euch senden:

LEST! MEHR! VOR!

Nichts ist so stimmungsvoll und schafft so viel Vertrautheit wie Vor-Lesen! Dabei geht es nicht um den perfekten Vortrag: Du bist ungeübt? Macht nix! Trau Dich!

Wer nun denkt „Ach, das ist doch nur was, wenn man Kinder hat!“ NEIN! Ich mache bei jeder meiner Lesungen die Erfahrung, dass erwachsene Menschen plötzlich ganz still werden und andächtig lauschen.

Meine liebe Cousine (wahrscheinlich – neben meinem Mann – mein größter Fan 😉) beschreibt, dass sie beim Zuhören ihre Alltagssorgen vergisst, sich fallen lassen kann und immer eine innere Ruhe verspürt.

Und in dieser, unserer hektischen Zeit braucht hin & wieder jeder Mensch sein kleines, feines Stückchen Ruhe!

LEST! MEHR! VOR!


…und was ist Eure liebste Weihnachts-Lektüre?

Theodor Fontane – VERSE ZUM ADVENT

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Theodor Fontane

[Rezension] Sebastian Meschenmoser – Herr Eichhorn und der erste Schnee

Wetter schlecht: Die Sonne lässt sich kaum blicken, und alles ist „grau in grau“! Ich sehne mich nach einem richtig netten Winter mit Schnee auf den Bäumen und Eisblumen an den Fenstern.

Laune mies: In den letzten Tagen gab es sehr viel zu tun, und ein Ende ist noch nicht in Sicht! Da hilft nur ganz, ganz viel Schokolade, ein Eimer voll mit Anti-Depressiva oder…

…dieses Buch:

Herr Eichhorn will den Winteranfang nicht wie sonst verschlafen, sondern mit seinen Freunden dem Igel und dem Bären warten, bis die erste Schneeflocke fällt. Nur keiner von ihnen weiß, wie eine Schneeflocke aussieht…

…und wieder sitze ich da, erfreue mich an den wundervollen Illustrationen und lache über dieses ungleiche Trio, das es trotz ihrer Unterschiede völlig problemlos schafft, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Wer braucht nach dieser entzückenden Lektüre noch Schoko oder Anti-Depressiva?

Obwohl: So ein klitzekleines Stückchen Schokolade…!!!

erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522458047

[Rezension] Lektüre zum Weihnachtsfest

Kein anderes christliches Fest betört uns mit seinem Zauber, lässt uns in Erinnerungen schwelgen und die Hoffnung nach dem Wunder der Weihnacht wieder aufleben. Und kein anderes Fest ist prädestiniert für das Lesen und Vor-Lesen wunderschöner Geschichten und das Rezitieren von Gedichten.

Eine kleine Auswahl meiner liebsten Weihnachtsbücher möchte ich darum hier gerne vorstellen:


Frohe Weihnachten: Das grosse NordSüd-Weihnachtsbuch

Auf über 260 Seiten vereint der NordSüd-Verlag seine schönsten Geschichten zum Fest der Liebe: Sonst als Einzel-Bücher erhältlich findet der geneigte Leser hier die Geschichten von Hans de Beer (Der kleine Eisbär rettet die Rentiere), Brüder Grimm (Frau Holle), Erich Kästner (Als der Nikolaus kam), O. Henry (Das Geschenk der Weisen), Hans Christian Andersen (Der Tannenbaum) und vielen weiteren Autoren. Zudem ist dieser Prachtband hervorragend zum gemeinsamen Schmökern mit Kindern geeignet, da es zu jeder Geschichte wunderschöne Illustrationen zu bestaunen gibt.

erschienen bei NordSüd/ ISBN: 978-3314103513


Reclams Weihnachtsbuch/ herausgegeben von Stephan Koranyi

In rotem Leinen gebunden ist dieses Büchlein prallgefüllt mit Geschichten, Liedern und Gedichten von Rafik Schami, Theodor Storm, Axel Hacke, Paul Auster, Wilhelm Busch und vielen mehr. Es schlägt dabei gekonnt eine Brücke zwischen klassischen Schriftstellern und zeitgenössischen Autoren und ist eine Fundgrube zum Vor-Lesen.

erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150107706


 Agatha Christie – Das Geheimnis des Weihnachtspuddings: Geschichten zum Fest

Dieses aparte Buch beinhaltet 4 Weihnachtsgeschichten der „Queen of Crime“: Neben zwei spannenden Krimis mit Miss Marple und Hercule Poirot und einer charmant-kitschigen Geschichte über einen „Held wider Willen“ findet der Leser auch eine meiner Lieblings-Erzählungen zum Fest „Der unfolgsame Esel“. Diese Erzählung muss ich mindestens 1x pro Saison zu Gehör bringen – bereitwillige „Opfer“ finde ich immer!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600551


 Türchen, Tod und Tannenbaum: 24 Weihnachtskrimis von Ostfriesland bis Südtirol/ herausgegeben von Emily Modick

Statt Spekulatius & Tannenduft lieber Mord & Todschlag? Dann sind Sie mit dieser Sammlung hochkarätiger Kurzkrimis bestens bedient!

erschienen bei Knaur/ ISBN: 978-3426518151


Von drauß‘ vom Walde: Die schönsten Weihnachtsgedichte/ herausgegeben von Matthias Reiner

Die Insel-Bücherei begeistert mich immer mit ihren kleinen, feinen bibliophilen Bänden: In diesem Fall wird der Leser mit einer bunten & vielfältigen Mischung an Gedichten erfreut, u.a. von Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke und Mascha Kaléko.

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458205029


Freue dich, Weihnacht wird’s bald/ herausgegeben von Joana Bäumer

Statt der obligatorischen Weihnachtskarte könnten Sie auch dieses niedliche Heftchen mit den schönsten Gedichten zum Fest verschicken: Eine Karte wird nach dem Fest nicht mehr beachtet – dieses Heftchen bekommt sicher auch im nächsten Jahr seine verdiente Aufmerksamkeit!

erschienen bei Coppenrath/ ISBN: 978-3649614104


Ich wünsche viel Freude beim Schmöckern, Lesen und Vor-Lesen!

MONTAGSFRAGE #13: Wie gehst du damit um, der einzige begeisterte Leser eines bestimmten Buches in deinem Freundes- und Bekanntenkreis zu sein?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Wie gehst du damit um, der einzige begeisterte Leser eines bestimmten Buches in deinem Freundes- und Bekanntenkreis zu sein?

Ich tue gar nichts: Wenn ich mich mit Freunden und Bekannten treffe, haben wir uns so viel zu erzählen. Da ist kein Platz für Lobeshymnen auf ein bestimmtes Buch,…

…und ich vermisse es auch nicht!

Meine Begeisterung für ein Buch lebe ich auf meinem Block aus,…

…und mein Mann bekommt sie zu spüren: Dabei erwarte ich allerdings nicht, dass er mir sofort dieses Buch entreißt und sich in ihm vertieft. Dafür sind unsere Lese-Geschmäcker zu verschieben. Ich weiß aber, dass er mich sehr gut versteht.

So sitzen wir durchaus abends einträchtig nebeneinander auf dem Sofa und erfreuen uns an unserer jeweiligen Lektüre: Während mein Mann sich voller Begeisterung einem skandinavischen „Splatter“-Krimi, aus dem buchstäblich das Blut aus den Seiten tropft, widmet, steckt meine Nase in einem klassisch-britischen Krimi, und ich überlege, ob ich meine Bücher nicht doch „à la Poirot“ sortieren sollte (streng symmetrisch nach Größen und Farben getrennt).

Hinterher erzählen wir uns enthusiastisch, wie toll dieses Buch war: Wir verstehen uns, erwarten aber nicht, dass der Partner seine Begeisterung für dieselben Bücher teilt.


…und wie ist Eure Vorgehensweise: Rückmeldungen sind gerne erwünscht!

 

LADIES of CRIME…

Hach! Das war so schön!

Zum 6. Mal und somit im 6. Jahr durfte ich bei Susanne Bödeker im Carpe Diem zu Gast sein: So lange hält manche Ehe nicht! „Hey Susanne, irgendetwas machen wir richtig!“

Es war gar nicht so einfach, mich nur für zwei Geschichten zu entscheiden: Noch am Tag vor der Lesung stand meine endgültige Wahl nicht fest. Schließlich waren die Krimi-Ladies äußerst produktiv. So beschäftigte ich mich vorab mit Geschichten u.a. von Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Patricia Highsmith und Christianna Brand.

„Das Rennen gemacht“ haben schlussendlich folgende zwei Autorinnen: Die eine Autorin bringt man nicht unbedingt mit kriminalistischen Werken in Verbindung, und die zweite Autorin durfte bei einer Lesung mit diesem Titel einfach nicht fehlen.

  • Doris Dörrie – Mit Messer und Gabel
  • Agatha Christie – Der Traum vom Glück

Warum wurden es nun diese Geschichten? Weil sie mir gefielen!

Ich tappe bei meiner Vorbereitung auf eine Lesung immer wieder in meine selbstgestellte Falle, indem ich mich frage, was dem Publikum gefallen könnte. Selbstverständlich möchte ich, dass es dem Publikum gefällt, aber DAS Publikum besteht ja schließlich aus vielen Individuen: Ich werde es nicht schaffen, „everybody’s darling“ zu sein („Everybody’s darling is everybody’s depp!“). Also löse ich mich irgendwann von diesem Gedanken und schaue auf mich: Worauf habe ich „Bock“? Ich bin mir sicher, wenn ich etwas mit Freude und aus Überzeugung vortrage, dann wird es auch meinem Publikum gefallen,…

…und auch diesmal gab mir die Reaktion des Publikums Recht!

Ich danke von Herzen Susanne Bödeker und ihrem Team für die tatkräftige Unterstützung: Ihr schafft es immer wieder, dass Eure Gäste sich wohlfühlen.

Einen besonderen Dank sende ich an meine Zuhörer, die mir teilweise schon seit Jahren die Treue halten: Keine Selbstverständlichkeit, die ich sehr zu schätzen weiß!

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„Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde!“ 😉

Bitte vormerken: Meine nächste Lesung im Carpe Diem findet am 23. November 2019 um 16.00 Uhr statt.

Tradition bleibt Tradition!!!

 

Ein Porträt: Finn-Ole Heinrich

Finn-Ole Heinrich (* 13. September 1982)

bildhaft, melancholisch, sprachgewandt,

cool, sensibel, witzig…

Ich hatte das außerordentliche Vergnügen, Finn-Ole Heinrich bei einer Lesung zu erleben, bei der er uns an seinem großen Erzähltalent (…aber auch großem Vorlese-Talent!) teilhaben ließ. Er schaffte es mühelos, die Grenze zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur zu sprengen. Wobei jeder einzelne von uns die Macht hat, diese Grenze im Kopf niederzureißen: ein gutes Buch ist ein gutes Buch ist ein gutes Buch…!!! Es war eine wunderschöne Lesung, die auch am Tag danach noch „wirkte“! Dankeschön!!!

Wer konnte schon in den 80ern im niedersächsischen Cuxhaven ahnen, dass hier DAS neue, deutsche Erzähltalent heranwächst, nach Abitur und Zivildienst ein Filmregie-Studium in Hannover 2008 mit Diplom beendet, parallel noch Stipendiat des Literatur-Labors Wolfenbüttel ist und 2 Jahre in Folge beim Wettbewerb German International Poetry Slam teilnimmt. Auch als Filmemacher und Drehbuchautor war er erfolgreich aktiv und wurde vielfach ausgezeichnet.

Achja, und so ganz nebenbei erschien 2005 sein erster Erzählband „taschen voll wasser“, gefolgt von seinem Roman „Räuberhände“, der in den Jahren 2013 und 2014 Abiturpflichtthema an allen Hamburger Schulen war.

2011 erschien Heinrichs erstes Kinderbuch „ Frerk, du Zwerg!“, das 2012 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch gewann und zwischenzeitlich auch auf der Theaterbühne Premiere feierte.

Finn-Ole Heinrich ist nicht nur literarisch, filmisch und theatralisch unterwegs sondern auch höchst musikalisch: So tritt er mit dem Unsortierten Orchester Oldenburg oder Spaceman Spiff auf.

Mit „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich“ erschien 2013 sein zweites Kinderbuch und der erste Teil seiner Maulina-Trilogie. Dieses kleine Mädchen mit der großen Phantasie schafft sich ihr eigenes Königreich „Mauldawien“ und erlebt erstaunliche Abenteuer. Doch plötzlich ist ihr Reich in Gefahr: Ihre Mutter erkrankt schwer, die Ehe der Eltern zerbricht, und ein Umzug nach „Plastikhausen“ trennt sie von ihren Freunden…

Finn-Ole Heinrich scheut sich nicht, in seinen Kinderbüchern die ernsten, existentiellen Themen des Lebens anzusprechen: Liebe, Freundschaft, Krankheit, Trauer, Tod – und ist damit in bester Gesellschaft mit der einzigartigen Astrid Lindgren. Er nimmt die Kinder mit ihren Themen ernst!

Sein Erzählstil ist dabei beinah filmisch, gleichzeitig sehr poetisch und gänzlich ohne Pathos.

Kleiner Mann ganz GROSS…!!!


Auswahl seiner Werke:
  • die taschen voll wasser erschienen bei mairisch/ ISBN: 978-3938539019
  • Frerk, du Zwerg! erschienen bei Bloomsbury/ ISBN: 978-3827054760
  • Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446243040
  • Helm auf erschienen bei Amiguitos/ ISBN: 978-3943079173
  • Gestern war auch schon ein Tag erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442713189

[Rezension] Victor Hugo – Die Elenden

Allein die Inhaltsangabe von Hugos Epos könnte ein eigenes Buch füllen: Über 5 Bände erstreckt sich die Geschichte von Galeerensträfling Jean Valjean, der geläutert versucht ein neues Leben zu beginnen aber immer wieder von seiner Vergangenheit in Person des Inspektor Javert eingeholt wird.

Ich möchte hier gar nicht ins Detail der Handlung gehen. Ich möchte hier vielmehr versuchen zu beschreiben, was dieser Roman bei mir bewirkt hat, und wieviel er mir bedeutet.

Es war das Jahr 1990: Ich fühlte mich gefangen in einer ungeliebten Ausbildung, in einem Elternhaus voller Probleme und in mir selbst: zu jung, zu ängstlich und darum zu unfähig, Entscheidungen zu treffen. In der Stadtteil-Bibliothek fand ich Zuflucht zwischen Ende der Berufsschule und Arbeitsbeginn im Ausbildungsbetrieb, und…

…ich fand diesen Roman: Eine alte Auflage aus den 70ern, wenig verliehen und somit wenig gelesen. Warum ich mir dieses Buch auslieh? Ich weiß es nicht! Ich bin nur froh, dass ich es tat.

Lesen bedeutete damals für mich „Flucht aus dem Alltag“!

Ich tauchte ein in Jean Valjeans Welt, begleitete ihn durch sein Leben und wurde Teil seines Kosmos. Bei manchen Passagen rannen mir die Tränen über das Gesicht, und ich musste hemmungslos schlurzen. Bei manchen Passagen hatte ich das Gefühl, dass das Gelesene mir auf Brust und Seele drückt. Doch ich las weiter: morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, am Abend vorm Zubettgehen. Ich fühlte mich in meinen Nöten verstanden. Ich war nicht allein!

Victor Hugo hat ein Epos voller Menschlichkeit geschaffen, das Identifikationspotential quer durch alle Generationen bietet und mit seiner humanitären Botschaft das Herz und die Seele der Leser berührt.

Am Ende des Romans war ich ein anderer Mensch – ob auch ein besserer? Ich weiß es nicht. Dieses Urteil maße ich mir nicht an. Ich bin mir aber sehr sicher, dass das Lesen dieses Romans mich verändert hat!

Lesen bewegt!

Nachtrag: Damals wollte/ musste ich unbedingt „Die Elenden“ selbst besitzen und habe mich verzweifelt auf die Suche gemacht: Diogenes war der einzige Verlag, der diesen Roman damals gelistet hatte. Nur leider war die letzte Auflage vergriffen und eine weitere Auflage stand in den berühmt-berüchtigten Sternen. Die damalige Buchhändlerin meines Vertrauens Frau Weise muss meine Enttäuschung  wohl gespürt haben: Ohne das ich davon wusste, ging sie weiter auf die Suche und fand „Die Elenden“ in den damals noch neuen Bundesländern. Seitdem nenne ich eine Ausgabe vom Verlag Volk & Welt mein Eigen, die ich nicht mehr missen möchte und wie meinen Augenapfel hüte.

erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730600429


Gabriela Wendt hat auf ihrem Blog „Buchperlenblog“ die tolle Aktion Perlentauchen ins Leben gerufen: Hier werden literarische Kostbarkeiten wieder-vorgestellt, die schon einige Jahre/ Jahrzehnte/ Jahrhunderte auf den Buckel haben aber nicht in Vergessenheit geraten sollten.

An dieser Aktion beteilige ich mich sehr gerne: Gute Geschichten sind zeitlos!

MONTAGSFRAGE #12: Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

Montagsfrage (1)

Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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Buch-Blogger Vorstellungsrunde: Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

Antwort: Nein!

So, fertig für heute! Was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag?

Wer mich kennt, weiß, so einfach mache ich es mir nicht mit der Beantwortung der Montagsfrage! Aber ernsthaft wütend hat mich ein Buch-Ende bisher noch nicht gemacht – sofern ich mich erinnere.

Traurig? – Oh, ja!

Ich hoffe, Ihr nehmt es mir nicht übel, wenn ich die heutige Montagsfrage in meinem Sinne beantworte. Ansonsten würde meine Antwort wirklich sehr, sehr knapp ausfallen.

Schon recht häufig habe ich nach Beendigung eines Romans Trauer empfunden – entweder weil mich das Buchende so ergriffen hat oder ich Trennungsschmerz verspürte, da ich nun liebgewonnene Charaktere zurücklassen musste.

Vor ca. 2 Jahren stapelten sich mind. 5 ungelesene Flavia de Luce-Krimis auf meinem Tisch. Aus irgendeinem Grund (wahrscheinlich waren es mehr als nur ein einziger Grund) fand ich bis dahin nicht die Zeit und/ oder die Muße, mich mit ihnen zu beschäftigen. Es war in einem Januar, ich hatte meine Silvester-Depression noch nicht gänzlich überwunden und brauchte Abwechslung. So machte ich mich (wenig) frisch ans Werk und las die Bücher in jeder freien Minute: Am Ende der Lektüre war ich so sehr in diese Welt eingetaucht, dass ich einen richtigen Trennungsschmerz verspürte und einige Zeit benötigte, um mich anderer Literatur zuzuwenden. Dafür hatte ich meine Silvester-Depression einfach weg gelesen!

Bei der Lektüre von Alice Walkers „Die Farbe Lila“ habe ich beinah ebenso viel Rotz und Wasser geheult, wie bei der Verfilmung: Ich habe mitgelitten, war wütend über die ertragene Ungerechtigkeit und erleichtert über das versöhnliche Ende. Beim Roman wie auch beim Film packt mich immer eine massive Traurigkeit, die mich zuerst niederringt und am Ende erschöpft aber befreit zurück lässt. Es tut gut, sich den angesammelten eigenen Weltschmerz von der Seele geheult zu haben.

Auch „Drei Männer im Schnee“ vom großen Könner Erich Kästner bereitet mir immer feuchte Augen. Ich bezeichne ihn immer als meinen Seelentröster: Eine entsprechende Rezension plane ich für das Neue Jahr!

Zudem gibt es noch einen Roman, der mir sehr, sehr viel bedeutet und meine Gefühlswelt einmal völlig auf den Kopf gestellt hat. Doch dazu habe ich schon eine Rezension geschrieben, deren Veröffentlichung für kommenden Donnerstag geplant ist. Ich bitte Euch darum um etwas Geduld!


…ob „wütend“ oder „traurig“: Ich freue mich über Eure Rückmeldungen!

 

[Rezension] Die schönsten Weihnachts-Krimis (Hörbuch)

Ich höre keine Hörbücher! Warum ich dies nicht tue, habe ich bei der MONTAGSFRAGE #2 schon hinreichend beantwortet.

Warum ich nun eine Ausnahme mache? Die Mischung der hier versammelten Kurzgeschichten hat mich gereizt – zumal sie von namhaften Sprecher*innen vorgetragen werden.

Dabei handelt es sich hier um eine so abwechslungsreiche Auswahl Geschichten beliebter und bekannter Autor*innen, dass diese sicherlich viele Hörer erfreuen werden. Ich möchte darum auch weniger auf den Inhalt der jeweiligen Geschichte sondern vielmehr auf die Art des Vortrages eingehen.


CD 1/ Agatha ChristieEine Weihnachtstragödie/ gelesen von Beate Himmelstoß

Zugegeben: Kann ich den Vortrag einer Geschichte, die ich selbst für eine Lesung vorbereitet und vorgetragen habe, völlig objektiv beurteilen? Gänzlich frei wird sich niemand machen können, auch ich nicht…

Beate Himmelstoß Vortrag würde ich als solide bezeichnen. Unaufgeregt trägt sie diesen Kurzkrimi vor und verändert nur unwesentlich ihre Stimme, um die verschiedenen Charaktere zu porträtieren. Dies ist auch nicht unbedingt nötig, da die Geschichte im Wesentlichen aus der Sicht von Miss Marple erzählt wird. Überrascht hat mich allerdings, dass versäumt wurde, die ironisch-humorvollen Passagen mittels Betonung herauszuarbeiten. Ob dies an der Sprecherin oder an der Regie lag, kann ich natürlich nicht beurteilen.


CD 2/ Edgar WallaceDer falsche Rettungsring/ gelesen von Wanja Mues

Wanja Mues nahm mich gleich mit seiner markanten Stimme für sich ein und lieferte für die Wallace-Story eine gelungene Performance: Passend zur Geschichte, die im Kriminellen-Milieu auf einer Kreuzfahrten spielt, wählt er einen leicht arrogant Grundton. Beinah beiläufig wirkt seine Vortragsweise, die aber dadurch eine gewisse Gefährlichkeit im Unterton durchschimmern lässt.


CD 2/ Dorothy L. Sayers Das Perlenhalsband/ gelesen von Friedhelm Ptok

Lord Peter Wimsey ermittelt in einem Fall von einer verschwundenen Perlenkette im überschaubaren Umfeld einer Weihnachtsgesellschaft: Für mich war es ein Vergnügen, dem Vortrag von Friedhelm Ptok zu lauschen. Er lässt seine Stimme von gediegen-versnobt bis humorvoll-ironisch erklingen, setzt die Pausen sehr bewusst und gestaltet seinen Vortrag sehr geschmackvoll.


CD 3/ Arthur Conan Doyle Der blaue Karfunkel/ gelesen von Oliver Kalkofe

Oliver Kalkofe setzt seine Stimme zwar sehr effektvoll ein, leider aber auch wenig differenziert. Er kann sich nicht entscheiden, wen er mit welcher Stimm-Färbung ausstattet. Dies führt dazu, dass ich als Hörer das Handlungspersonal nur schwer unterscheiden konnte. Dies störte mich sehr beim Folgen der Handlung. Bedauerlicherweise eine wenig überzeugende Performance…!


CD 4/ Ellis Peters Der Friedhofskater/ gelesen von Friedhelm Ptok

Wieder kommt Friedhelm Ptok zum Einsatz: Auch hier konnte er mich mit seinem Vortrag völlig überzeugen! Bewundernswert wie dieser talentierte Sprecher sein Können in dieser Lesung zeigt. Seine charakteristische Stimme hat hohen Wiedererkennungswert!


CD 4/ Christianna Brand Gesegnet sei dieses Haus/ gelesen von Walter Renneisen

Walter Renneisens Stimme passt hervorragend zu dieser subtil-bösen Geschichte um Christi (Wieder-)Geburt: heiser, leicht rauchig und doch mit hellem Klang. Teilweise erinnert seine Stimme an Gollum aus „Der Herr der Ringe“, die er äußerst wandlungsfähig und effektvoll einsetzt. Eine Glanzleistung…!


CD 5+6/ Georges Simenon Maigrets Weihnachten/ gelesen von Peter Fricke

Peter Fricke ist „ein Name“: Der bekannte Schauspieler kann auf eine äußerst erfolgreiche Karriere im Theater, Film und Fernsehen zurückblicken. Er widmet sich einer Geschichte um Georges Simenons Kommissar Maigret, den er sehr charismatisch und äußerst prägnant seine Stimme leiht. Hier kommt neben dem Talent auch Frickes immense Erfahrung der Lesung zugute: Er wechselt die Stimmlagen gekonnt zwischen den handelnden Personen. Dabei wirkt dieser Vortrag absolut nicht routiniert sondern verströmt eine Menge Charme. Eine wahre Freude…!


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844523249

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hörexemplar!